Benutzer:HIWI
Alexander Hubert
CamLex Mathematik
(Camerarius' mathematische Netzwerke)
Camerarius als Förderer von Mathematikern
Camerarius zögerte auch nicht, seinen Einfluss zum Vorteil von Mathematikern geltend zu machen, durchaus auch mit Erfolg.
Als Johann Hommel durch Moritz von Sachsen nach Leipzig berufen wurde, hatte sich dieser offenbar keine Gedanken über die Finanzierung des neuen Mathematikers gemacht. Die zwei Mathematikprofessuren an der Universität waren beide bereits besetzt: Die große Professur hatte seit 1542 Rheticus inne, die kleine seit 1545 Christoph Montag. Dennoch war Hommel dem Ruf des Fürsten direkt gefolgt und hielt sich spätestens ab 01.11.1549 in Leipzig auf, wie ein Brief des Camerarius an Melanchthon von diesem Datum belegt,[1] obwohl weder Anstellung, noch Besoldung oder Unterkunft noch geklärt waren.
Somit wurde Camerarius von Christoph von Karlowitz aufgefordert, für Hommels Anstellung zu sorgen. Camerarius hatte jedoch Einwände gegen Karlowitz’ Anweisung:[2] Rheticus’ Professur sei unbefristet und Hommel die zweite Professur zu geben wäre unrecht, denn diese habe der altgediente Christoph Montag inne, den man nicht einfach fallen lassen könne. Camerarius empfahl nun stattdessen, eine zusätzliche Stelle einzurichten und dafür die Gelder der noch unbesetzten Professur für Chirurgie zu verwenden. Er wies aber auch darauf hin, dass er selbst in dieser Sache wenig zu entscheiden habe: Die Anweisungen müssten vom Fürsten kommen. Auch den Melanchthon, der sich Mitte November in Leipzig aufhielt, bat Camerarius darum, Hommel zu unterstützen.[3] Letztlich griff der Kurfürst offenbar Camerarius’ Vorschlag exakt auf: Am 23.11.1549 empfahl der der Universität Leipzig Hommel und erklärte sich bereit, diesen zu finanzieren, verlangte aber dafür eine Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben von der Universität und eine Zwischenfinanzierung (100 Gulden) von der medizinischen Fakultät; außerdem sollte Hommel von der Universität Wohnraum zugewiesen werden.[4] Nach Protest im Senat der Universität wurde der Vorschlag schließlich angenommen unter der Bedingung, dass das Geld der medizinischen Fakultät zurückerstattet würde. Camerarius war gelungen, einen Kompromiss zu finden, der es ermöglichte, einerseits Hommel nicht zu enttäuschen und andererseits Christoph Montag nicht im Stich zu lassen; gleichzeitig wird deutlich, dass Camerarius’ Einfluss groß genug war und seine Meinung genug geschätzt wurde, dass Moritz von Sachsen seinen Vorschlag vollständig übernahm.
Auch gelang es Camerarius, den Mathematiker Johannes Prätorius an Andreas Dudith zu vermitteln. Dieser hatte sich 1568 in einem Brief (dat. 01.10.1568) an Camerarius gewandt, in dem er ihm seine Bewunderung versichert.[5] Er habe bereits Ernst Vögelin gebeten, ihm mit Camerarius' Unterstützung einen fähigen Mathematiker zukommen lassen, der Dudith bei seinen privaten Studien unterstützen solle (qui mihi domesticam operam navaret). Nachdem Vögelin auf mehrfaches Nachhaken nicht geantwortet habe, habe nun Paul Fabricius Dudith mitgeteilt, dass Camerarius Johannes Prätorius lobend erwähnt habe. Camerarius soll also diesen Prätorius zu ihm schicken, wenn er ihn für fähig halte, oder einen anderen Mathematiker, der ihm passend erscheine, und auch gleich mitteilen, für wie lange die entsprechende Person bei Dudith bleiben könne. Camerarius' Antwort fiel offenbar positiv aus, denn bereits am 12. November schreibt Dudith, er erwarte Prätorius aufgeregt (avide), denn er müsse äußerst fähig sein, wenn Camerarius in solchen Tönen von ihm spreche.[6] Camerarius solle Prätorius drägen, sich sofort auf den Weg zu machen und Dudith postwenden mitteilen, ob Prätorius bereits abgereist sei, wann er bei Dudith ankommen werde, wie alt er sei und welchen Lohn Camerarius für angemessen halte. Falls Prätorius es sich aber anders überlegt haben sollte, solle Camerarius dringen einen anderen Mathematiker schicken. Wenige Monate später schreibt Dudith erneut (dat. 25.02.1569):[7] Er erwarte Prätorius dringend. Camerarius solle sich unbedingt bemühen, dass so schnell wie möglich irgendein Mathematiker zu Dudith komme, der seinen Anforderungen genüge. Er wolle jemanden, der sich nicht nur ein bisschen in der Mathematik auskenne, sondern wirklich fortgeschritten sei und auch astrologische Kenntnisse besitze (nolo hominem mediocriter in his disciplinis versutum, sed qui magnos in omni parte progressus habeat et in divinatrice quoque astrologia non parum operae posuerit.). Falls Prätorius dem nicht entspreche, solle Camerarius also jemand anderen schicken. Im Postscriptum geht Dudith dann nochmal darauf ein: Noch nie habe ihn etwas so auf die Folter gespannt wie die Erwartung dieses Mathematikers (Nulla me res ita umquam torsit ut huius mathematici exspectatio). Camerarius entwortet mit einem bescheidenen Lob des Prätorius und weist darauf hin, dass er ihn erwarte und direkt zu Dudith weiterschicken werde (dat. 29.03.1569).[8] Camerarius und Fabricius blieben bei seiner Einschätzung des Prätorius, wolle aber das Lob bezüglich dessen Exzellenz auf seinen mittelmäßigen Eifer (mediocri industria) bezogen wissen. Diese Aussage kommt bei Dudith völlig falsch an; am 15.05.1569 zeigt er sich weiter ungeduldig:[9] es ärgere ihn, dass seine freie Zeit so ungenutzt vergehe, da sie jederzeit wieder vorbei sein könne; Camerarius solle Prätorius Druck machen. Jedoch habe Camerarius' Brief seine Meinung von Prätorius geschmälert, indem er dessen mittelmäßigen Eifer (mediocris industria) lobe: Dudith habe doch ausdrücklich klar gemacht, dass er niemanden mittelmäßigen, sondern zweiten oder dritten, wenn schon nicht ersten Ranges suche (At ego non mediocrem me quaerere iam antea testatus sum, sed qui vel in secundis vel tertiis consistat, si in primis non datur.). Dennoch zeigt sich Dudith über Prätorius Ankunft schließlich hocherfreut (dat. 06.06.1569):[10] Er werde Prätorius wohlwollend empfangen und behandeln und fühle sich Camerarius höchst verpflichtet. Auch im nächsten Brief dankt Dudith Camerarius überschwänglich (dat. 08.02.1570):[11] Prätorius' Fähigkeiten genügten genau seinen Anforderungen. Er bitte Camerarius, ihm bei Gelegenheit mitzuteilen, wie er ihm danken könne (Rogo te ut mihi aliquando imperes.). Möglicherweise als Dank weist Dudith dann direkt im Anschluss darauf hin, dass er in Italien Diophant abschreiben lasse und Camerarius eine Kopie erhalten könnte. Zwei Monate später schreibt Dudith, Prätorius sei offenbar gerne bei ihm und er werde dafür sorgen, dass Prätorius wisse, dass Camerarius den Kontakt zwischen ihnen hergestellt habe (dat. 04.04.1570).[12] Derzeit arbeite Prätorius zum Perpetuum mobile und stehe kurz vor dem Durchbruch. Auch in einem Brief an Joachim Camerarius II. zeigt sich Dudith dankbar gegenüber dessen Vater.[13]
Doch Prätorius konnte nicht ewig bei Dudith verweilen; so begann sich zwischen beiden ein intensiver brieflicher Kontakt zu entwickeln. Einer der ersten Briefe in diesem Rahmen ging am 1. Februar 1572 von Andreas Dudith aus:[14] Er bedauert darin Prätorius' Weggang, der alle Freude mit sich genommen habe (Crede mihi, omnem propemodum laetitiam tuo abitu tecum abstulisti.), und macht ihm moralisch Druck: Oft frage ihn sein Sohn, wo Prätorius sei; ob er wieder zurückkomme oder ob er sie vergessen habe? Prätorius solle deshalb dringen regelmäßig an Dudith schreiben. Mit der Bitte an Prätorius, ihm einen Mathematiker zu schicken, der Prätorius so ähnlich wie möglich sei (tui quam simillimum), eröffnet Dudith den Kreislauf von neuem; der briefliche Kontakt zu Prätorius wird jedoch bis zu Dudiths Tod 1589 bestehen bleiben und immer wieder Mathematisches beinhalten.[15]
(Alexander Hubert)
((((Auch als Joachim Heller Ende 1551 Schwierigkeiten mit dem Rat der Stadt Nürnberg bekam, machten wiederum Camerarius und Melanchthon ihren Einfluss geltend. Heller unterrichtete nach einem Studium bei Melanchthon in Wittenberg seit 1542 Latein und Griechisch am Egidiengymnasium in Nürnberg, seit 1546 war auch noch die Mathematik hinzugekommen, da Johannes Schöner aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage war, zu unterrichten. Spätestens nach Schöners Tod 1547 war Heller auch der erfolgreichste Kalenderdrucker der Stadt.
Seine zahlreichen Editionen und Kalender ließ Heller lange Zeit von anderem Drucken, doch 1551 beschloß er, eine eigene Druckerei zu eröffnen. Diese Häufung zahlreicher Aufgaben sollte ihm immer wieder Konflikte mit dem Stadtrat einbringen, der erste davon im Herbst 1551 war jedoch noch durch ein Werk geschuldet, das Heller fremd drucken ließ: Einer Polemik Michael Rotings gegen Andreas Osiander, die Heller dem Drucker Hans Daubmann überlassen hatte mit der falschen Auskunft, die Schrift sei bereits durch den Ratsherrn Hieronymus Baumgartner zensiert worden. Daubmann druckte das Werk, doch Heller wurde vom Nürnberger Rat dennoch als Verantwortlicher ausgemacht und zu einer Turmstrafe von acht Tagen verurteilt.
Jedoch sprachen sich Melanchthon und Camerarius für Heller aus und die Strafe wurde ihm erlassen. 1557 ließ Camerarius sogar seine mathematische Schrift "De notis numerorum" bei Heller drucken. Erst als dieser 1563 aus der Stadt verbannt wurde, weil er Matthias Flacius zu nah stand und als Ehebrecher und vor allem Agent des Kurfürsten August I. von Sachsen entlarvt worden war, wandte sich Camerarius offenbar von Heller ab; jedenfalls hören wir nicht, dass er sich zu diesem Zeitpunkt noch einmal für Heller eingesetzt hätte, wie es unter anderem der Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg, der Speyerer Bischof und die dänischen Königstochter Dorothea, Witwe Friedrichs II. von der Pfalz, taten.[16]))))
Anmerkungen
- ↑ Vgl. MBW – Regesten online, Nr. 5671
- ↑ Vgl. OCEp 0196 vom Oktober/November 1549.
- ↑ Vgl. Woitkowitz 2008, 79.
- ↑ Text bei Erler 1897, 712; vgl. auch Woitkowitz 2008, 79f.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 226, S. 72ff.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 228, S. 76.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 232, S. 80ff.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 235, S. 87.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 238, S. 101ff.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 240, S. 111ff.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 244, S. 122ff.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 246, S. 126ff.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 251, S. 153ff.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 1995, Nr. 274, S. 327ff.
- ↑ Vgl. Szczucki/Szepessy 2019 passim.
- ↑ Vgl. Matthäus 1969, Sp. 1037.
Dinge, die wir noch nicht tun wollen, aber irgendwann schon
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Problem: Behandelt bisher alles als Buch. Evtl. kann man mit {{#if: {{{journal}}} | article | book }} o. Ä. definieren, dass als "type" "article" (also Zeitschrift) ausgegeben wird, wenn ein Zeitschrifttitel gegeben ist, das funktioniert aber bisher nicht richtig. Evtl. muss man also auf allen Literaturseiten noch einen Reiter "Quellentyp" hinzufügen und händisch ausfüllen.
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Spielwiese
500
Parserfunction #ask
| Notizen | |
|---|---|
| Camerarius an Lotichius, 11.04.1558 | VG, 8.9.22: D. Micael kann Beuther sein, der ja enger Freund von Lotich war; aber es kommt auch Michael Diller in Frage, damals Theologe in HD; vgl. u.a. MBW 8400 (Anm.) und 8624. Da Diller 1523 in Wittenberg immatrikuliert wurde, ist bei ihm eine Bekanntschaft mit C. sehr wahrscheinlich, während das bei Beuther nicht nachgewiesen werden kann. Bagmanus heißt wahrscheinlich Bachmann; hier ist die Identität unklar. |
| Chyträus an Camerarius, 13.01.1571 | |
| Camerarius an Chyträus, 14.02.1569 |
Abschrift Gotha nicht gesehen; Abschrift Schwerin s. Link |
| Camerarius an Bording, 15.10.1555 | |
| Mutianus an Unbekannt, 1514 | |
| Hessus an Camerarius, 1518-1533 d | VG, 20.12.22: pastus ades auch als Einladung zum Essen? Dann evtl. SW Einladung (Essen/Trinken) einfügen. |
| Camerarius an Stiebar, 13.04.15XX | VG, 4.10.22: Die Datierung könnte man vielleicht eingrenzen, wenn man das Cicero-Zitat in einem anderen Brief wiederfindet: esse animi ingenui, cui multum debeas, eidem plurimum velle debere. Das habe ich bisher nicht gefunden, trotz Volltextsuche (zumindest in den reinen Briefbänden). Der Brief erscheint nicht in den Tusculanen-Ausgaben von 1538. Man kann daher vermuten, dass er nach deren Erscheinen geschrieben wurde. |
| Hessus an Camerarius, 1518-1533 i | VG, 21.11.22: Es ist nicht ganz klar, ob C. hier eingeladen wird, zu H. zu kommen (V. 4), oder ein neues Büchlein zu schreiben (V. 9), oder beides. Wenn mit "iuvenis" C. gemeint ist, ist das Gedicht vielleicht noch in Erfurt entstanden. Unklar ist die Unterschrift "Eob. R. A. O.": Eobanus Rex ...? |
| Hessus an Camerarius, 1518-1533 m | |
| Camerarius an Urban, 15XX | |
| … weitere Ergebnisse | |
- Camerarius an Lotichius, 11.04.1558
- Chyträus an Camerarius, 13.01.1571
- Camerarius an Chyträus, 14.02.1569
- Camerarius an Bording, 15.10.1555
- Mutianus an Unbekannt, 1514
- Hessus an Camerarius, 1518-1533 d
- Camerarius an Stiebar, 13.04.15XX
- Hessus an Camerarius, 1518-1533 i
- Hessus an Camerarius, 1518-1533 m
- Camerarius an Urban, 15XX
- Camerarius an Lotichius, 11.04.1558
- Chyträus an Camerarius, 13.01.1571
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- Camerarius an Bording, 15.10.1555
- Mutianus an Unbekannt, 1514
- Hessus an Camerarius, 1518-1533 d
- Camerarius an Stiebar, 13.04.15XX
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- Hessus an Camerarius, 1518-1533 m
- Camerarius an Urban, 15XX
Camerarius an Lotichius, 11.04.1558, Chyträus an Camerarius, 13.01.1571, Camerarius an Chyträus, 14.02.1569, Camerarius an Bording, 15.10.1555, Mutianus an Unbekannt, 1514, Hessus an Camerarius, 1518-1533 d, Camerarius an Stiebar, 13.04.15XX, Hessus an Camerarius, 1518-1533 i, Hessus an Camerarius, 1518-1533 m, Camerarius an Urban, 15XX… weitere Ergebnisse
Tabellen, die mal wichtig waren und es vielleicht wieder werden
Griechische Briefe
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Briefe mit Theologiezeugs
Testfeld Zitation Lexikon
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| Zitation | , Art. "HIWI", in: Opera Camerarii Online, {{{Link}}} (06.07.2022). |
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| Zitation | Artikel "HIWI", bearbeitet von (06.07.2022), in: Opera Camerarii Online, {{{Link}}} |
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Natürlich müssen Sie sich das so vorstellen, dass statt "HIWI" etwa "Mathematische Wissenschaften" und nach "bearbeitet von" dann die Namen der Bearbeiter stehen. Das klappt nur auf meiner Benutzerseite nicht, weil ich da ohne Aufwand keinen Bearbeiter definieren kann. So sähe es dann konkret aus:
| Zitation | Artikel "Mathematische Wissenschaften", bearbeitet von Marion Gindhart und Alexander Hubert (08.06.2022), in: Opera Camerarii Online, http://camerarius.uni-wuerzburg.de/camerarius/index.php/Mathematische_Wissenschaften |
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