Camerarius an Crato, 15.09.1547

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Crato, 13.11.154513 November 1545 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 15.09.154715 September 1547 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 01.03.15501 März 1550 JL
Camerarius an Crato, 18.10.155218 Oktober 1552 JL
Camerarius an Crato, 15.12.155215 Dezember 1552 JL
Werksigle OCEp 1146
Zitation Camerarius an Crato, 15.09.1547, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (20.11.2024), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1146
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 322-323
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1547/09/15
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum ermitteltes Jahr (im Druck fälschlich: 17. Cal. VIIIbr. 46.), s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Nürnberg
Zielort Augsburg
Gedicht? nein
Incipit Ego vero vellem, mi Crato, compellare me
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Reise)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen MH: Ich ändere gerade noch einige Punkte (15.11.2024)
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK; Benutzer:US
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 20.11.2024
Werksigle OCEp 1146
Zitation Camerarius an Crato, 15.09.1547, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (20.11.2024), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1146
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 322-323
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1547/09/15
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum ermitteltes Jahr (im Druck fälschlich: 17. Cal. VIIIbr. 46.), s. Hinweise zur Datierung
Sprache Latein
Entstehungsort Nürnberg
Zielort Augsburg
Gedicht? nein
Incipit Ego vero vellem, mi Crato, compellare me
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Reise)
Datumsstempel 20.11.2024


Entstehungs- und Zielort mutmaßlich (im Druck sind beide nicht angegeben).

Hinweise zur Datierung

Der vorliegende Brief wurde nicht, wie im Druck angegeben, im Jahr 1546 verfasst. Dagegen sprechen die folgenden Punkte:

  1. Im Brief schreibt Camerarius, er habe sich zwischen Nürnberg und Bamberg aufgehalten. Im Jahr 1546 lässt sich aber keine dazu passende Reise feststellen, vgl. das Itinerar sowie Woitkowitz 2007, S. 140-181 (Nr. 10-15). Vielmehr befand sich Camerarius in dieser Zeit in Leipzig, vgl. OCEp 1033, OCEp 0635 sowie MBW - Regesten online, Nr. 4385.
  2. Im Brief schreibt Camerarius, er sei davon ausgegangen, dass sich Crato bereits auf seiner Reise nach Italien befinde. Erste Hinweise zu einer solchen Reise lassen sich allerdings erst am 12.10.1546 (MBW - Regesten online, Nr. 4408) bzw. 15.10.1546 (vgl. OCEp 0515) feststellen, als Melanchthon bzw. Camerarius um ein (Reise-)Stipendium für Crato bitten.
  3. Soweit es sich rekonstruieren lässt, befanden sich Mitte September 1546 sowohl Camerarius als auch Crato in Leipzig, so dass keine Notwendigkeit eines brieflichen Austausches bestand. Zu Camerarius' Aufenthaltsort vgl. Absatz 1. Zu Cratos Aufenthaltsort:

Der Brief muss im Jahr 1547 geschrieben worden sein. Dafür sprechen die folgenden Punkte:

  1. Die im Brief erwähnte Italienreise Cratos fand erst im Jahr 1547 statt. Seinen ursprünglich im Herbst 1546 gehegten Plänen kam er erst ein Jahr später nach. Insgesamt ergibt sich folgende Chronologie:
  2. Im Brief wird eine bevorstehende Italienreise von Paulus Vadinus erwähnt. Am 26.11.1547 schreibt Vadinus aus Nürnberg und fragt Camerarius um Rat, ob er seine geplante Italienreise wirklich antreten soll (vgl. https://www.aerztebriefe.de/id/00056045).
  3. Aus dem Brief geht hervor, dass Camerarius und Crato bei einer Reise unbemerkt aneinander vorbeigeritten sind. Diese Begegnung dürfte sich in der ersten Septemberhälfte 1547 ereignet haben. Dafür spricht ein Brief Melanchthons vom 26.08.1547 (MBW - Regesten online, Nr. 4859), in dem er Crato bittet, Camerarius und seine Familie zu grüßen. Camerarius hielt sich in dieser Zeit in Nürnberg auf (vgl. das Itinerar). Crato dürfte von Leipzig nach Nürnberg geritten sein (wo er Camerarius nicht antraf und einen Brief hinterließ) und dann weiter nach Augsburg. Zum verpassten Treffen vgl. auch Woitkowitz 2007, 164f., 169, 176 und 179f. (=Brief 15,1 mit den Anmerkungen 1, 18-22) sowie MBW - Regesten online, Nr. 4714 u. 4859.

Wir danken Torsten Woitkowitz für wichtige Hinweise zur Datierung!

Regest

Camerarius wünschte, Crato hätte nicht gezögert, ihn zu Rate zu ziehen, wie er schreibe. Denn wie hilfreich dies für die öffentlichen und privaten Aufgaben und Angelegenheiten hätte sein können, könne man andeutungsweise aus Cratos Brief ersehen. Je bewusster ihm aber Cratos Integrität und Weisheit werde, desto mehr verstehe er, wie viel notwendiges und wichtiges Wissen ihm Crato habe vermitteln können.

Dass Crato sich aber in der Schar Reiter befinden könnte, die er ungefähr auf halbem Weg zwischen Nürnberg und seiner Heimat (Bamberg) gesehen habe, sei ihm nicht eingefallen, da er geglaubt habe, Crato sei schon längst nach Italien aufgebrochen. Da Crato aber gewusst habe, dass er sich in dieser Gegend aufhalte, und sowohl Camerarius' Aussehen als auch seine Kleidung kennen musste, wäre es nur angemessen gewesen, wenn er aufmerksamer gewesen wäre. Nun ließen sie das Vergangene aber gut sein (Hom. Il. 16,60).

Wie Crato ihm schreibe, habe Philipp Melanchthon ein gewisses literarum munus (vermutlich geht es um ein Empfehlungsschreiben für italienische Humanisten wie Johannes Baptista Montanus) abgelehnt, Camerarius aber geschmeichelt, indem er seinen Stil würdigend erwähnt habe, und zwar so, dass Camerarius dafür sehr dankbar sein müsse – unabhängig davon ob er es aus Überzeugung oder Wohlwollen getan habe. Was in dieser Angelegenheit weiter geschehen könne, werde man bald sehen. Denn einige ihrer Landsleute brächen nach Italien auf und auch Paulus Vadinus werde sich bald auf diese Reise begeben. Wie sich aber Hektor scheute, Zeus den schwarzen Wein mit ungewaschenen Händen als Trankopfer darzubringen (Hom. Il. 6, 266), so habe auch er sich gescheut, aus dem Stegreif einen Brief an solch quasi göttliche Männer, zu denen er auch (Johannes Baptista) Montanus zähle, zu schreiben, vor allem da auch Philipp (Melanchthon) vermutet habe, dass ihnen Camerarius' bescheidene Studien bekannt seien. Wenn jene zu einer (guten) Meinung von ihm gekommen seien, müsse man dafür sorgen, dass sie nicht durch eine nachlässig gearbeitete Schrift zunichtegemacht werde.

Was einige Gerüchte anbelange, über die Crato schreibe, so wisse er nicht, was es damit auf sich habe. Er schätze Crato aber wegen seiner Scharfsinnigkeit, seines ehrenhaften Charakters und seines brennenden Eifers für die Wahrheit und die schönen Künste, und Crato habe dies sicher bemerkt. Deshalb habe er nie geglaubt und werde auch nie glauben, dass Crato offen feindselig oder versteckt missgünstig gegen ihn eingestellt gewesen sei. Was er aber mit einiger Mühe in seiner ausgiebigen wissenschaftlichen Beschäftigung erreicht habe, so wenig und dürftig es auch sei, das wisse er ganz genau. Und niemals werde er ihm oder irgendeinem anderen böse sein, der mit seinem eigenen Urteil übereinstimme und sie als nicht besonders bedeutend einschätze. So könne ein jeder dennoch weiterhin Zuneigung zu ihm hegen, ihm wohlwollend gesonnen sein und ihn unterstützen. Aber soweit er sich erinnere, habe er eine solche Haltung bei Crato nie bemerkt, und er glaube, davon könne ihn auch niemand überzeugen. Deshalb solle er sich seiner unumstößlichen und innigsten Zuneigung sicher sein, wenn ihm dies etwas bedeute. Wenn Crato zu dieser Meinung über ihn gelange und daran festhalte, tue er dies auf angemessene Weise und Camerarius werde sich darum bemühen, dass man ihm nicht den Vorwurf machen könne, er habe zu irgendeinem Zeitpunkt jemanden täuschen wollen.

Lebewohl.

(Anne Kram)

Literatur und weiterführende Links