Camerarius an Erasmus, 30.09.1524: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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|Ausreifungsgrad=Konzept
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|Erstdruck in=Erasmus, Opus epistolarum, 1529
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|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 605
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|Sonstige Editionen=[[Allen 1924]], S. 555-559, Nr. 1501
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|Bemerkungen zum Datum=Datum ermittelt lt. Allen, S. 555 (das Konzept bricht vor dem Datum ab, im Druck steht "prid. Cal. Decemb.")
|Bemerkungen zum Datum=Datum ermittelt lt. Allen, S. 555; s. Hinweise zur Datierung
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|Sprache=Latein
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|Entstehungsort=Wittenberg
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|Gedicht_jn=nein
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|Incipit=Etsi non putavi hactenus me quicquam scribere ad te oportere
|Incipit=Etsi non putavi hactenus me quicquam scribere ad te oportere
|Register=Korrespondenzbeginn; Empfehlungsschreiben;
|Link=http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb00103462-7
|Register=Korrespondenzbeginn;Empfehlungsschreiben;Parallelüberlieferung (Briefe);
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|Paratext_jn=nein
|Regest_jn=ja
|Regest_jn=ja
|Notizen=Abgleich mit handschriftentabelle von Ulrich (auch wegen OCEp Nummer) -> erledigt, US 3.10.17: Nummer in 2729 geändert.
|Notizen=VG, 6.2.23: Anmm. TW ausgeführt.
 
|Handschrift=nicht gesehen
Unklar ist mir das Datum - nicht 30.11.? - US 3.10.17
|Bearbeitungsstand=validiert
MH: Hatte ich von Allen übernommen, ich muss das gelegentlich nochmal genauer nachvollziehen.
|Überprueft=noch nicht am Original überprüft
|Bearbeitungsstand=korrigiert
|Wiedervorlage=ja
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|Bearbeiter=MH; US;
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|Gegengelesen=JS; US
|Überprueft=noch nicht am Original überprüft
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Zielort mutmaßlich. Das handschriftliche Konzept ist unvollständig (vgl. Allen, S. 555).
Zielort mutmaßlich. Das handschriftliche Konzept ist unvollständig (vgl. Allen, S. 555).
=== Hinweise zur Datierung ===
Das Konzept bricht vor dem Datum ab, im Druck wird der Brief auf den 30.11. ("prid. Cal. Decemb.") datiert. Dagegen spricht sich jedoch [[Allen 1924]], S. 555 mit dem Argument aus, dass ein Schreiben an Melanchthon (Erasmus an Melanchthon, 06.09.1524; = [[Allen 1924]], Nr. 1494, S. 544-550), wie aus dem Brief des Camerarius hervorgeht, vor wenigen Tagen eingetroffen ist. Das Antwortschreiben Melanchthons wurde bereits am 30.09. (Allen, Nr. 1500, S. 553-555) verfasst. Außerdem hat Camerarius ungefähr Mitte Oktober [[Wittenberg]] in Richtung [[Nürnberg]] und [[Bamberg]] verlassen.


=== Regest ===
=== Regest ===
Es handelt sich um einen langen, rhetorisch ausgefeilten und schmeichelhaften Brief.  
Es handelt sich um einen langen, rhetorisch ausgefeilten und schmeichelhaften Brief.  


Anlass für die Abfassung dieses Schreibens sei ein Brief des Erasmus an [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon|(Philipp) Melanchthon]] gewesen, in dem Camerarius an zwei Stellen erwähnt worden sei (sc. Erasmus an Melanchthon, 06.09.1524 [http://www.haw.uni-heidelberg.de/forschung/forschungsstellen/melanchthon/mbw-online.de.html MBW – Regesten online], Nr. 341). Überschwänglicher Preis des Erasmus, Dank für den Empfang (bei dem Besuch in [[Basel]]) und den Gruß im Brief an Melanchthon.  
Anlass für die Abfassung dieses Schreibens sei ein Brief des Erasmus an [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon|(Philipp) Melanchthon]] gewesen, in dem Camerarius an zwei Stellen erwähnt worden sei (sc. Erasmus an Melanchthon, 06.09.1524; [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW – Regesten online], Nr. 341). Erasmus wird überschwänglich gepriesen; Dank für den Empfang (bei dem Besuch in [[Basel]]) und den Gruß im Brief an Melanchthon.  


Camerarius füchte allerdings, dass Erasmus nicht länger gut von Camerarius denke. Daran seien einige Männer schuld, die einen Brief [[Erwähnte Person::Martin Luther|(Martin) Luthers]] und einen Brief des Erasmus veröffentlicht hätten. Luther tue die Veröffentlichung Leid. Melanchthon und Camerarius beklagten sie. Camerarius befürchtet, mit der Veröffentlichung in Verbindung gebracht zu werden, weil er der Überbringer der Schreiben war und Erasmus die (von ihm erwartete) Veröffentlichung (der Schreiben) in seinem Brief an Melanchthon unmittelbar hinter dem Namen des Camerarius erwähnt hatte.
Camerarius fürchte allerdings, dass Erasmus nicht länger gut von Camerarius denke. Daran seien einige Männer schuld, die einen Brief [[Erwähnte Person::Martin Luther|(Martin) Luthers]] und einen Brief des Erasmus veröffentlicht hätten. Luther tue die Veröffentlichung leid. Melanchthon und Camerarius beklagten sie. Camerarius befürchte, mit der Veröffentlichung in Verbindung gebracht zu werden, weil er der Überbringer der Schreiben war und Erasmus die (von ihm erwartete) Veröffentlichung (der Schreiben) in seinem Brief an Melanchthon unmittelbar hinter dem Namen des Camerarius erwähnt hatte.


Camerarius beteuert, dass er den Brief Luthers auftragsgemäß nach [[Erwähnter Ort::Basel]] zu Erasmus und den Brief des Erasmus zu Luther gebracht habe. Nicht einmal den unbeschriebenen mit dem ''Terminus'' (das Siegel des Erasmus) versehenen Briefumschlag habe er irgendjemandem außer Melanchthon gezeigt, bevor er das Schreiben nach [[Erwähnter Ort::Wittenberg]] gebracht und dort Luther gezeigt hätte. Camerarius distanziert sich wortreich von solch indiskreten Praktiken. Erasmus habe ja selbst sehen können, dass das Siegel des Briefes von Luther noch intakt gewesen sei. Und er schwöre, dass auch Luther sehen konnte, dass der Brief des Erasmus versiegelt war.
Camerarius beteuert, dass er den Brief Luthers auftragsgemäß nach [[Erwähnter Ort::Basel]] zu Erasmus und den Brief des Erasmus zu Luther gebracht habe. Nicht einmal den unbeschriebenen, mit dem ''Terminus'' (das Siegel des Erasmus) versehenen Briefumschlag habe er irgendjemandem außer Melanchthon gezeigt, bevor er das Schreiben nach [[Erwähnter Ort::Wittenberg]] gebracht und dort Luther gezeigt habe. Camerarius distanziert sich wortreich von indiskreten Praktiken. Erasmus habe ja selbst sehen können, dass das Siegel des Briefes von Luther noch intakt gewesen sei, und Camerarius schwöre, dass auch Luther sehen konnte, dass der Brief des Erasmus versiegelt war.


Camerarius wisse möglicherweise ganz genau, wer die Briefe veröffentlicht habe. Aber er wolle nicht andere anklagen, nur um sich selbst zu verteidigen. Zudem wolle er sich nicht auf unsichere Gerüchte verlassen.
Camerarius wisse möglicherweise ganz genau, wer die Briefe veröffentlicht habe. Aber er wolle nicht andere anklagen, nur um sich selbst zu verteidigen. Zudem wolle er sich nicht auf unsichere Gerüchte verlassen.
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Lebewohl.
Lebewohl.


Empfehlung des Überbringers (mutmaßlich [[Erwähnte Person::N. von Haubitz]] oder [[Erwähnte Person::Christoph von Carlowitz]]; vgl. Allen, S. 599).
Empfehlung des Überbringers (mutmaßlich ein [[Erwähnte Person::Unbekannt (Haubitz)|von Haubitz]] oder [[Erwähnte Person::Christoph von Carlowitz]]; vgl. Allen, S. 599).


(Manuel Huth)
(Manuel Huth)


=== Anmerkungen ===
=== Anmerkungen ===
* "einen Brief Martin) Luthers und einen Brief des Erasmus": Es handelt sich ein Schreiben Luthers, das um den 15.04.1524 verfasst wurde ([[Allen 1924]], S. 444-447, Nr. 1443) und das Antwortschreiben des Erasmus vom 08.05.1524 ([[Allen 1924]], S. 451-453, Nr. 1445).
* "einen Brief (Martin) Luthers und einen Brief des Erasmus": Es handelt sich um ein Schreiben Luthers, das um den 15.04.1524 verfasst wurde ([[Allen 1924]], S. 444-447, Nr. 1443), und das Antwortschreiben des Erasmus vom 08.05.1524 ([[Allen 1924]], S. 451-453, Nr. 1445).
* [[Kunkler 2000]], S. 71-72.
* [[Kunkler 2000]], S. 71-72.

Aktuelle Version vom 29. Juni 2023, 19:24 Uhr



Chronologisch vorhergehende Briefe
Briefe mit demselben Datum
Chronologisch folgende Briefe
kein passender Brief gefunden
 Briefdatum
Camerarius an Erasmus, 30.09.152430 September 1524 JL
 Briefdatum
Erasmus an Camerarius, 11.12.152411 Dezember 1524 JL
Erasmus an Camerarius, um den 05.02.1528Februar 1528 JL
Werksigle OCEp 2729
Zitation Camerarius an Erasmus, 30.09.1524, bearbeitet von Manuel Huth und Ulrich Schlegelmilch (29.06.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_2729
Besitzende Institution München, BSB
Signatur, Blatt/Seite Clm 10357, Nr. 153
Ausreifungsgrad Konzept
Erstdruck in Erasmus, Opus epistolarum, 1529
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 634-636
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen Allen 1924, S. 555-559, Nr. 1501
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Erasmus von Rotterdam
Datum 1524/09/30
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Datum ermittelt lt. Allen, S. 555; s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Wittenberg
Zielort Basel
Gedicht? nein
Incipit Etsi non putavi hactenus me quicquam scribere ad te oportere
Link zur Handschrift http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb00103462-7
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Korrespondenzbeginn; Empfehlungsschreiben; Parallelüberlieferung (Briefe)
Handschrift nicht gesehen
Bearbeitungsstand validiert
Notizen VG, 6.2.23: Anmm. TW ausgeführt.
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:US
Gegengelesen von Benutzer:JS; Benutzer:US
Datumsstempel 29.06.2023
Werksigle OCEp 2729
Zitation Camerarius an Erasmus, 30.09.1524, bearbeitet von Manuel Huth und Ulrich Schlegelmilch (29.06.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_2729
Besitzende Institution München, BSB
Signatur, Blatt/Seite Clm 10357, Nr. 153
Ausreifungsgrad Konzept
Erstdruck in Erasmus, Opus epistolarum, 1529
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 634-636
Sonstige Editionen Allen 1924, S. 555-559, Nr. 1501
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Erasmus von Rotterdam
Datum 1524/09/30
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Datum ermittelt lt. Allen, S. 555; s. Hinweise zur Datierung
Sprache Latein
Entstehungsort Wittenberg
Zielort Basel
Gedicht? nein
Incipit Etsi non putavi hactenus me quicquam scribere ad te oportere
Link zur Handschrift http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb00103462-7
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Korrespondenzbeginn; Empfehlungsschreiben; Parallelüberlieferung (Briefe)
Datumsstempel 29.06.2023


Zielort mutmaßlich. Das handschriftliche Konzept ist unvollständig (vgl. Allen, S. 555).

Hinweise zur Datierung

Das Konzept bricht vor dem Datum ab, im Druck wird der Brief auf den 30.11. ("prid. Cal. Decemb.") datiert. Dagegen spricht sich jedoch Allen 1924, S. 555 mit dem Argument aus, dass ein Schreiben an Melanchthon (Erasmus an Melanchthon, 06.09.1524; = Allen 1924, Nr. 1494, S. 544-550), wie aus dem Brief des Camerarius hervorgeht, vor wenigen Tagen eingetroffen ist. Das Antwortschreiben Melanchthons wurde bereits am 30.09. (Allen, Nr. 1500, S. 553-555) verfasst. Außerdem hat Camerarius ungefähr Mitte Oktober Wittenberg in Richtung Nürnberg und Bamberg verlassen.

Regest

Es handelt sich um einen langen, rhetorisch ausgefeilten und schmeichelhaften Brief.

Anlass für die Abfassung dieses Schreibens sei ein Brief des Erasmus an (Philipp) Melanchthon gewesen, in dem Camerarius an zwei Stellen erwähnt worden sei (sc. Erasmus an Melanchthon, 06.09.1524; MBW – Regesten online, Nr. 341). Erasmus wird überschwänglich gepriesen; Dank für den Empfang (bei dem Besuch in Basel) und den Gruß im Brief an Melanchthon.

Camerarius fürchte allerdings, dass Erasmus nicht länger gut von Camerarius denke. Daran seien einige Männer schuld, die einen Brief (Martin) Luthers und einen Brief des Erasmus veröffentlicht hätten. Luther tue die Veröffentlichung leid. Melanchthon und Camerarius beklagten sie. Camerarius befürchte, mit der Veröffentlichung in Verbindung gebracht zu werden, weil er der Überbringer der Schreiben war und Erasmus die (von ihm erwartete) Veröffentlichung (der Schreiben) in seinem Brief an Melanchthon unmittelbar hinter dem Namen des Camerarius erwähnt hatte.

Camerarius beteuert, dass er den Brief Luthers auftragsgemäß nach Basel zu Erasmus und den Brief des Erasmus zu Luther gebracht habe. Nicht einmal den unbeschriebenen, mit dem Terminus (das Siegel des Erasmus) versehenen Briefumschlag habe er irgendjemandem außer Melanchthon gezeigt, bevor er das Schreiben nach Wittenberg gebracht und dort Luther gezeigt habe. Camerarius distanziert sich wortreich von indiskreten Praktiken. Erasmus habe ja selbst sehen können, dass das Siegel des Briefes von Luther noch intakt gewesen sei, und Camerarius schwöre, dass auch Luther sehen konnte, dass der Brief des Erasmus versiegelt war.

Camerarius wisse möglicherweise ganz genau, wer die Briefe veröffentlicht habe. Aber er wolle nicht andere anklagen, nur um sich selbst zu verteidigen. Zudem wolle er sich nicht auf unsichere Gerüchte verlassen.

Lebewohl.

Empfehlung des Überbringers (mutmaßlich ein von Haubitz oder Christoph von Carlowitz; vgl. Allen, S. 599).

(Manuel Huth)

Anmerkungen

  • "einen Brief (Martin) Luthers und einen Brief des Erasmus": Es handelt sich um ein Schreiben Luthers, das um den 15.04.1524 verfasst wurde (Allen 1924, S. 444-447, Nr. 1443), und das Antwortschreiben des Erasmus vom 08.05.1524 (Allen 1924, S. 451-453, Nr. 1445).
  • Kunkler 2000, S. 71-72.