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	<title>Joachim Camerarius (1500-1574) - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Theologie_(CamLex)&amp;diff=132811</id>
		<title>Theologie (CamLex)</title>
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		<updated>2026-04-14T16:55:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* 1547 bis 1553 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lexikon&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=VG; HIWI&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
Die Rolle des Camerarius in der Theologie ist bisher nur in Einzelaspekten erforscht. Wenn er in kirchengeschichtlichen Abhandlungen erscheint, dann meist als Autor der [[Erwähntes Werk::Camerarius, Vita Philippi Melanchthonis, 1566|Melanchthon-Biographie]], zunehmend auch als Adressat von Melanchthon-Briefen.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Tatsache verdankt sich vor allem der Arbeit der Melanchthonforschungsstelle Heidelberg und ihres Gründers Heinz Scheible, auf dessen Werke hier nur summarisch verwiesen werden kann. Der Briefwechsel mit Melanchthon (mit über 600 Briefen) ist mit Abstand der umfangreichste des Camerarius: Vgl. [[Mundhenk 2020]], S. 686.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da wesentlich mehr Briefe von Melanchthon an Camerarius erhalten sind als umgekehrt (ca. 600 gegen 69), wird Melanchthons Position zu behandelten Themen deutlicher als die des Camerarius. Zudem ist der Charakter der Humanistenbriefe nur sehr bedingt geeignet, theologische Positionen zu erkennen, da heikle Stellen für die Druckversionen oft überarbeitet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Redaktionen im Humanistenbrief vgl. [[Schlegelmilch 2017]], S. 279-281.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die ungedruckten handschriftlichen Briefe, die er mit seinen Briefpartnern gewechselt hat, sind zwar in der Regel aussagekräftiger als die edierten, aber auch dort wird viel mit Anspielungen und Gräzisierungen gearbeitet, was das Verständnis erschwert. Ihre Analyse war im Rahmen dieses Projekts nicht zu leisten und harrt noch der Bearbeitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauso ist eine Gesamtdarstellung zu Camerarius&#039; theologischen Werken ein Desiderat. Viele waren lange Zeit nicht bekannt, denn eine annähernd vollständige Aufstellung seiner Schriften haben erst [[Baron/Shaw 1978]] unternommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Katalog [[Summerus 1646]] fehlt eine nicht unbeträchtliche Zahl an Werken.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sogar eine der gründlichsten Untersuchungen zu Camerarius (mit Konzentration auf seine biographischen Schriften), [[Stählin 1936]],&amp;lt;ref&amp;gt;Stählin beschränkt sich darauf, „den Gehalt der biographischen Schriften an religiösen Anschauungen und Empfindungen herauszuarbeiten“ (a.a.O. S. 52). Dies erfolgt auf S. 52-61.&amp;lt;/ref&amp;gt; sah sich nicht in der Lage, eine &amp;quot;Gesamtdarstellung der Religiosität Camerars&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;A.a.O. S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu leisten. Auch [[Seckt 1888]] hat nur &amp;quot;einige theologische Schriften des Joachim Camerarius&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;So besagt es auch der Titel von [[Seckt 1888]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht. Dazu kommt, dass C.‘ Wirken in der Kirchengeschichte lange Zeit nur durch die Folie Melanchthon betrachtet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Dall&#039;Asta 2024]], S. 154.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist man wieder darauf aufmerksam geworden, dass er insbesondere in der sächsischen Kirchenpolitik ein eigenständiger Akteur war.&amp;lt;ref&amp;gt;Deutlich wird dies zunächst bei [[Stählin 1936]], dann bei [[Wendorf 1957]], [[Wartenberg 1988]], [[Hasse 2000]]. Ein gutes Literaturverzeichnis zum Thema bietet [[Woitkowitz 2003]], S. 19-27.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch das systematische Beiziehen handschriftlicher Quellen&amp;lt;ref&amp;gt;Hier sind zunächst die Akten des [[Erwähnte Körperschaft::Dresden, HStA|Hauptstaatsarchivs Dresden]] zu nennen. Sehr gründlichen Gebrauch davon hat Günther Wartenberg gemacht, der die daraus gewonnenen Erkenntnisse in zahlreichen Artikeln niedergeschrieben hat. Eine explizite Camerarius-Abhandlung konnte Wartenberg abgesehen von der 2003 verfassten Studie [[Wartenberg 2003]] vor seinem Tod nicht mehr verfassen. Auch [[Wendorf 1957]] hat viele dieser Quellen genutzt, jedoch auf exakte Quellenangaben verzichtet.&amp;lt;/ref&amp;gt; und der erst kürzlich im Rahmen dieses WIKIs vollständig erfassten Werke des Camerarius wird man allmählich ein differenzierteres Bild gewinnen können: Sicher ist es seinem irenischen Stil und der Zurücknahme seiner eigenen Person geschuldet, dass auch in seinen eigenen Werken die eigenen Leistungen weniger stark hervortreten als die von manchen Zeitgenossen.&amp;lt;ref&amp;gt;In der &amp;quot;Vita Melanchthonis&amp;quot; verschweigt er gelegentlich seine eigene Teilhabe an wichtigen von ihm erwähnten Ereignissen, z.B. die Mitschrift der &amp;quot;Confutatio&amp;quot; zur Augsburgischen Konfession: Vgl. [[Werner 2010]], §41, S. 117 (mit Anm. 121).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch hielt er sich zurück mit der Teilnahme an theologischen Konferenzen.&amp;lt;ref&amp;gt;So beschwert er sich z.B. am 13.4.1545 gegenüber Stramburger in [[Erwähntes Werk::OCEp 0313]], dass er sich bei den Berufungsverhandlungen für die [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] ausgebeten hatte, keine Verpflichtungen außerhalb der Lehre auferlegt zu bekommen: Vgl. auch [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 16-18.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der einzige Reichstag, an dem er in offizieller Funktion teilnimmt, ist 1530 zu Augsburg. Er taucht daher nur dort (als Gesandter der Stadt Nürnberg) in den Akten auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Aulinger/Schweinzer 2011]], S. 83. Zu C.‘ Mitschrift der &amp;quot;Confutatio&amp;quot; zur &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; vgl. [[Peters 2014a]], S. 226-236. Bei mehreren Reichstagen war Camerarius aber als Besucher anwesend und nutzte diese Treffen zur Pflege seiner Netzwerke. Es steht zu vermuten, dass er dabei auch seinen Freund Melanchthon beraten hat; diese Aufenthalte sind aber nicht immer nachweisbar. Zu Camerarius&#039; Reichstagsbesuchen vgl. [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 18-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bereich der Kontroverstheologie und Polemik hielt sich Camerarius eher bedeckt; die Werke &amp;quot;[[Erwähntes Werk::OC 0596|Querela Luteri]]&amp;quot; und &amp;quot;[[Erwähntes Werk::OC 0616|Onar Hypar]]&amp;quot; treten hier hervor, wenngleich anonym publiziert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Schäfer 2003]] und [[Mundt 2001]] sowie [[Kunkler 1998]], S. 269-278. Die Datenbank [https://www.controversia-et-confessio.de/ &amp;quot;Controversia et Confessio&amp;quot;] ergibt heute (7.12.2023) zur Suchanfrage „Camerarius“ nur 8 Treffer, darunter befindet sich als einziges seiner Werke die &amp;quot;Querela Luteri&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die bisherige Forschung hat sich auf die innerprotestantischen Konflikte konzentriert; die vergleichsweise heftigen Invektiven gegen die Papstkirche sollen im Rahmen dieser Darstellung mehr Aufmerksamkeit erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beachten ist, dass Camerarius nie Theologie studiert hat und sich zeitlebens als Philologe bzw. Grammatiker verstand.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wendorf 1957]], S. 36-40, [[Erwähntes Werk::OC 0876]], A4r.&amp;lt;/ref&amp;gt; In seinen Werken sind aber Ansätze von fächerverbindender Pädagogik zu erkennen, wobei in humanistischer Manier Philologie, Erziehung und Theologie Hand in Hand gehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 17 sowie [[Schultheiß 2017]], S. 204-206.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Grammatik und die Sprachbeherrschung, insbesondere der griechischen Sprache, sei unerlässlich als Grundlage zur Erkenntnis der Wahrheit und bilde damit das Fundament der Theologie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], S. 237 und [[OC 0876]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinen theologischen Schriften sind einzelne bereits untersucht worden, insbesondere Katechismus-Schriften und Gebetssammlungen: [[Walter 2017]]: &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0455]]); [[Schultheiß 2024]]: &amp;quot;Catechesis&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0579]]), &amp;quot;Disputatio de precibus&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0646]]) sowie Gebete allgemein; [[Weng 2003]]: Paraphrase von Psalm 133 ([[Erwähntes Werk::OC 0441]]); [[Mundt 2004]] und [[Schäfer 2003]]: das sog. Reformationseklogenpaar &amp;quot;Dirae seu Lupus&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0376]]) und &amp;quot;Querela sive Agelaus&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0377]]),  &amp;quot;Querela Luteri&amp;quot;; [[Seckt 1888]]: &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;, &amp;quot;Libellus de invocatione sanctorum&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0459]]), &amp;quot;Catechesis&amp;quot; und &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0762]]); [[Kunkler 1998]], S. 232-278: &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;, &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Überblick vgl. [[Schultheiß 2024]] und [[Gindhart/Hamm 2024]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zentrales Anliegen dieses Artikels ist zunächst die kirchenhistorische Einordnung von Camerarius&#039; Wirken. Sowohl seine lange Tätigkeit in Leipzig als auch die etwas bessere Quellenlage bewirken eine Schwerpunktsetzung auf albertinisch-sächsischer Kirchengeschichte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Einführung vgl. [[Kirn 1909]], S. 40-65 und [[Wartenberg 1988]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor diesem Hintergrund lassen sich manche seiner theologischen Werke verstehen. Sein enges Verhältnis zum Lehrkörper der Theologischen Fakultät der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)|Leipziger Universität]] ist dabei noch kaum erforscht, während die Kontakte ins nahe Wittenberg mittels der Briefe an und von Melanchthon leichter einsehbar sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu theologischen Fakultäten dieser Zeit vgl. [[Gößner 2005]]; zur Leipziger Theologischen Fakultät vgl. [[Junghans 2005]], [[Beyer 2005]], [[Jadatz 2005]], [[Siegmund-Schultze 2005]] und [[Hein/Junghans 2009]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Teil werden Werke zu theologischen Themen in Hinblick auf &amp;quot;die heute gängige Einteilung der christlichen Glaubenslehre in die vier Teilbereiche der biblischen, historischen, systematischen und praktischen Theologie&amp;quot; untersucht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schultheiß 2024]], S. 198.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei ist zu beachten, dass es um einen modernen Ansatz geht. Einige von Camerarius&#039; Werken werden so aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, da sie nicht einem einzigen Teilbereich zugeordnet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel ist bestrebt, bisherige Forschungserkenntnisse zu bündeln und durch tiefergehende eigene Forschungen im Rahmen von &amp;quot;Camerarius digital&amp;quot; zu ergänzen. Ein Teil davon hat bereits Eingang gefunden in das Einführungskapitel von [[Gindhart/Hamm 2024]].&amp;lt;ref&amp;gt;Zu theologischer und reformationsgeschichtlicher Thematik vgl. besonders [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 18-30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Camerarius in der Kirchengeschichte==&lt;br /&gt;
===Die frühen Jahre bis 1526===&lt;br /&gt;
Die frühen Lebensjahre des Camerarius fielen in die Zeit vor der Reformation. Deren erste Einflüsse erreichten den Heranwachsenden dann während seines Studiums in [[Erwähnter Ort::Leipzig]], wo er gemeinsam mit seinem Lehrer [[Erwähnte Person::Georg Helt]] den Ablassprediger [[Erwähnte Person::Johann Tetzel]] hörte. Sie beide sollen vorzeitig wieder gegangen sein, weil der Inhalt unerträglich gewesen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], S. 44; [[Erwähntes Werk::Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Werk), 1574]], Bl. B1r und [[Adam 1615]], S. 259.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Motivation für Camerarius&#039; Wechsel an die Universität [[Erwähnter Ort::Erfurt]] 1518 kann nur vermutet werden. Dort war die Stimmung gegenüber der Reformation günstiger als im albertinischen Herzogtum Sachsen: Mit [[Erwähnte Person::Helius Eobanus Hessus]] und [[Erwähnte Person::Adam Krafft]]&amp;lt;ref&amp;gt;Krafft war für den Aufbau von C.&#039; humanistischem Netzwerk von nicht zu unterschätzender Bedeutung: Er vermittelte ihm den Kontakt zu Hessus (vgl. [[Camerarius, Narratio de Helio Eobano Hesso, 1553]], Kapitel 3 und 16), Melanchthon (vgl. [[Camerarius, Vita Philippi Melanchthonis, 1566]], deutsche Übersetzung: [[Werner 2010]], Kapitel 11) sowie zu [[Erwähnte Person::Conradus Mutianus Rufus]] und [[Erwähnte Person::Ulrich von Hutten]] (vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 35).&amp;lt;/ref&amp;gt; fand er Unterstützer, die seine Hinwendung zur Reformation förderten. Hier erfolgten auch erste Kontakte zu Melanchthon. Den Wechsel als frisch promovierter Magister nach [[Wittenberg]] 1521 kann man als Bekenntnis zum neuen Glauben deuten.&amp;lt;ref&amp;gt;So auch [[Stählin 1936]], S. 56. Vgl. dazu [[Asche 2003]], S. 59 sowie ebd., S. 43-60, zur Studienzeit des Camerarius in Leipzig und Erfurt.&amp;lt;/ref&amp;gt; So verließ Camerarius die Stadt Erfurt, wo sich kurz nach dem feierlichen Empfang für Martin Luther auf dem Weg zum [[Erwähnter Ort::Worms]]er Reichstag im April 1521&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Bernstein 2022]], S. 163-170.&amp;lt;/ref&amp;gt; das konfessionelle Klima verschärfte: Schon im Juni 1521 kam es zum Erfurter Pfaffensturm, und in der Folgezeit vertiefte sich die Kluft zwischen Alt- und Neugläubigen, bei denen Humanisten wie der Camerarius-Freund und gefeierte neulateinische Dichter [[Erwähnte Person::Helius Eobanus Hessus]] zwischen alle Fronten gerieten und einen schweren Stand hatten. Hessus und der Wortführer der Erfurter Reformatoren, [[Johann Lange (Theologe)|Johann Lange]], zerstritten sich und trugen so ihren Teil zum Niedergang der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Erfurt)|Erfurter Universität]] bei.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Niedergang der Universität Erfurt im Zuge der Reformation und zum dortigen Bruch zwischen Humanisten und Reformatoren vgl. [[Lindner 2015]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius aber studierte und lehrte seit September 1521 in Wittenberg, wo er im Hause Melanchthons wohnte. Dies legte die Grundlage ihrer lebenslangen Freundschaft, die für die Neuordnung des Bildungswesens in Deutschland so bedeutsam werden sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Studienzeit in Leipzig, Erfurt und Wittenberg vgl. [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 10-12.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wittenberger Zeit sah C. jedoch viel auf Reisen: So begab er sich 1524 gemeinsam mit Melanchthon in dessen Heimat [[Erwähnter Ort::Bretten]] und (allein) weiter nach [[Erwähnter Ort::Basel]] zu [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]]. Schon bald nach der Rückkehr nach Wittenberg im Herbst 1524 zogen ihn familiäre Angelegenheiten erneut in seine Heimatstadt [[Erwähnter Ort::Bamberg]],&amp;lt;ref&amp;gt;Laut [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=343 MBW 343] brach C. Mitte Oktober von Wittenberg nach Bamberg auf.&amp;lt;/ref&amp;gt; die durch stürmische Ereignisse im Zuge von Reformation und Bauernkrieg erfasst worden war: In mehreren fränkischen Klöstern empörten sich die Nonnen, teilweise flohen sie auch, nach dem Vorbild der Katharina von Bora. Auch eine Camerarius-Schwester&amp;lt;ref&amp;gt;Ihre Identität ist unsicher: So nennt [[Kunkler 1998]], S. 72 sie in Berufung auf [[Schelhorn 1740]], Stammtafel (hinter S. 8) Barbara. Schelhorns Angaben zu [[Erwähnte Person::Barbara Camerarius]] sind aber nicht zuverlässig. Es kann sich auch um eine andere Schwester handeln.&amp;lt;/ref&amp;gt; entschied sich für diesen Weg und floh unter tätiger Mithilfe ihrer Brüder.&amp;lt;ref&amp;gt;Beschreibung der Flucht in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=354 MBW 354] und [[Kunkler 1998]], S. 73-78.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
C. spielte eine Rolle im Streit zwischen Luther und Erasmus um den freien Willen,&amp;lt;ref&amp;gt;Der Streit ist vielfach beschrieben worden, so in [[Schwanke 2012]] und in Peters, Christian: Zwischen Erasmus und Luther. Justus Jonas und die Krise des Erfurter Humanistenkreises. In: Irene Dingel (Hrsg.): Justus Jonas (1493-1555) und seine Bedeutung für die Wittenberger Reformation. Leipzig 2009, S. 39-58. Die Rolle des Camerarius kommt dabei jedoch kaum zur Sprache.&amp;lt;/ref&amp;gt; indem er Luther durch dessen Frau Katharina überredete, eine Antwort auf Erasmus&#039; Schrift &amp;quot;De libero arbitrio&amp;quot; zu verfassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kroker 1909]], S. 51-54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Hoffnung war, durch Dialog einen Konsens zu erreichen. Zeugnis von C.&#039; Eingreifen in den Streit bildet eine Bemerkung Luthers, die [[Erwähnte Person::Johannes Mathesius]] in den Tischreden niedergeschrieben hat: &#039;&#039;Erasmus credidit, neminem posse respondere ad suam diatriben, et ego volui tacere, sed Joachimus persuasit meae Cathenae, ut instaret.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://archive.org/details/lutherstischred00krokgoog/page/n218/mode/2up Kroker, Ernst: Luthers Tischreden in der Mathesischen Sammlung: aus einer Handschrift der Leipziger Stadtbibliothek, Leipzig 1903, S. 146, Nr. 212]. Zur Datierung dieser Intervention: Zwischen dem Erscheinen von &amp;quot;De libero arbitrio&amp;quot; (September 1524) und &amp;quot;De servo arbitrio&amp;quot; (Dezember 1525) war C. um den 24. August 1525 (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=416 MBW Nr. 416.3]) und nochmals Mitte Oktober in [[Wittenberg]] (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=426 MBW Nr. 426] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=428 428]). In diese Zeit muss er mit Frau Luther gesprochen haben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Ergebnis war Luthers Schrift [[Erwähntes Werk::Luther, De servo arbitrio, 1525|De servo arbitrio]], deren scharfer Ton die Kluft zwischen Erasmus und dem Reformator vertiefte. Die anschließende Antwort des Erasmus, der [[Erwähntes Werk::Erasmus, Hyperaspistes, 1526|Hyperaspistes]], machte das Zerwürfnis irreversibel. Der friedliebende Camerarius hatte Luthers religiösen Eifer unterschätzt.&amp;lt;ref&amp;gt;In [[Erwähntes Werk::OCEp 0225|einem Brief]] von 1527 äußert sich [[Erwähnte Person::Crotus Rubianus]] dergestalt, dass er ein friedliches Auseinandergehen gewünscht hätte. Camerarius hatte ihm davon berichtet. Der entsprechende Brief ist aber nicht erhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bamberg spitzte sich im Frühjahr 1525 der Konflikt zwischen der Geistlichkeit um den Fürstbischof [[Erwähnte Person::Weigand von Redwitz]] und der Bürgerschaft zu. Hier wurde C. Mitglied eines 18-köpfigen Vermittlungsausschusses.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], S. 88-98.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für den älteren der beiden Brüder, [[Erwähnte Person::Hieronymus Camerarius]], sollte sein Engagement noch schlimme Folgen haben. Obgleich er zunächst noch unbehelligt blieb, wurde er am 12.5.1527 im Auftrag des Bischofs verhaftet. In dessen Dienst stand Hieronymus als Kanzleiverwalter. Anlass waren wohl seine Versuche, die bischöflichen Dienste zu verlassen und eine Anstellung in Nürnberg zu finden. Ob aber seine Mitwirkung bei der Befreiung der Schwester und die Rolle des Bruders beim Aufstand der Bauern gegen den Bischof mitentscheidend waren, ist nicht ganz sicher.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kolde 1911]], S. 210-212 und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=555 MBW Nr. 555]. Hieronymus scheint aber zumindest offziell dem alten Glauben treu geblieben zu sein; jedenfalls schreibt Melanchthon in einem Fürbittbrief ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=554 MBW Nr. 554.2]): &#039;&#039;ne quidem Lutheranis ita favit unquam, ut reprehendi posset.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Interessanterweise schreibt Melanchthon in einem Memorandum an Herzog [[Erwähnte Person::Georg (Sachsen)]], den er zur Fürsprache bewegen will, Hieronymus C. habe keinen Kontakt zu Lutheranern.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=555 MBW Nr. 555.2]: &#039;&#039;Hoc scio nullam ei familiaritatem cum ullis Lutheranis unquam fuisse.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Ist dies nun eine Notlüge, oder verstand Melanchthon seinen Freund Camerarius damals noch nicht als Lutheraner? Zunächst war Melanchthon jedenfalls erfolgreich, denn er erhielt gleich drei Fürbittbriefe des Herzogs an Weigand.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=557 MBW Nr. 557].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schulleiter in Nürnberg (1526-1535)===&lt;br /&gt;
In den Jahren 1526 bis 1535 wirkte Camerarius als Schulleiter und Lehrer für Griechisch und Geschichte an der neu gegründeten [[Erwähnte Körperschaft::Egidiengymnasium (Nürnberg)|Oberen Schule]] in [[Nürnberg]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 12-14; ausführlich [[Heerwagen 1867]] und [[Heerwagen 1868]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die klar reformatorische Prägung dieser Schule vergrößerte seine Einflussmöglichkeiten auch im religiösen Bereich: Das Glaubensleben seiner Schüler prägte er durch erste theologisch-pädagogische Schriften, die er mutmaßlich auch im Unterricht einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die etwas später verfassten [[Erwähntes Werk::OC 0188|&amp;quot;Praecepta&amp;quot;]]. Aus seiner Nürnberger Zeit sind erstaunlicherweise nur wenige theologische oder pädagogische Schriften erhalten. Lediglich die [[Erwähntes Werk::OC 0007|&amp;quot;Capita sacrosanctae fidei&amp;quot;]] sind bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unbekannt ist aber, warum C. sich nur ein halbes Jahr nach Amtsantritt schon wieder auf Reisen begeben wollte. So war geplant, dass er als (Latein-)Dolmetscher des Grafen [[Erwähnte Person::Albrecht VII. von Mansfeld]] einer Gesandtschaft von Reichsfürsten nach Spanien zu Kaiser [[Karl V. (HRR)]] angehören sollte. Eine längere Abwesenheit war also abzusehen, bei der [[Erwähnte Person::Helius Eobanus Hessus]] vertretungsweise die Schulleitung übernahm.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe den Brief Hessus an Groningen, 20.12.1526, in [[Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553]], Q3v-Q4r.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf dem [[Erwähnter Ort::Esslingen|Esslinger]] Fürstentag wurde jedoch beschlossen, die Reise abzubrechen und die Angelegenheit auf die nächste Versammlung in [[Regensburg]] zu verschieben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Aulinger 2011]], S. 100–101 und 955–956. Anscheinend mussten die Gesandten wegen der Türkengefahr (Schlacht von Mohács am 29.8.1526) am Fürstentag (1.-21.12.1526) teilnehmen. Damit reichte die Zeit für die Sendung nicht mehr, da Frankreich nur für vier Monate freies Geleit gewährt hatte. Für den Reichstag zu Regensburg, einberufen für den 1.4.1527, ist keine Mansfelder Delegation belegt (vgl. [[Aulinger/Schweinzer 2011]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vielleicht um C.&#039; Reiselust zu bremsen, wurde ihm sehr bald nach seiner Rückkehr seine zukünftige Braut [[Erwähnte Person::Anna Truchseß von Grünsberg]] zugespielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Hochzeit vgl. [[Walter 2024]]. Arrangiert wurde die Hochzeit möglicherweise von [[Erwähnte Person::Unbekannt (Führer)|Christoph Führer I.]] (vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 39, Anm. 107).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die genauen Hintergründe sind noch immer unbekannt, selbst das Hochzeitsdatum ist umstritten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu [[Taegert 2023]], S. 200 m. Anm. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Höhepunkt der Nürnberger Zeit war für C. sicher der Reichstag zu [[Augsburg]] 1530. Dort war er offizieller Delegierter der Reichsstadt [[Nürnberg]]. Seine Zusammenarbeit mit Melanchthon sollte sich hier wieder einmal bewähren. Dieser hatte in Abwesenheit des geächteten Luther die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; (CA) erstellt. Als Gegenschrift verfassten altgläubige Theologen die &amp;quot;Confutatio&amp;quot;. Deren Text wurde nicht in Abschrift ausgehändigt, sondern nur verlesen. Da Melanchthon an diesem Vorgang nicht teilnehmen konnte, griff er für seine Entgegnung auf Mitschriften des Camerarius und anderer Gelehrter zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Nürnberger Gesandtschaft schreibt dazu in ihrem Bericht über die Verlesung an den [[Erwähnte Körperschaft::Stadtrat (Nürnberg)|Nürnberger Rat]] (CR II, S. 249–252, hier S. 250): &#039;&#039;Darauf ist dieselbe Schrift, die über 50 Blaetter lang, verlesen. Also haben wir, so viel wir dieß Mal deß behalten moegen, den Effect davon Joachim Cammermeister, so wir auch zu uns hinein genommen, verzeichnen lassen, der es also mit Fleiß auf alle Artikel mit kurz in sein Taefelein aufgezeichnet so viel ihm moeglich, und mehr denn wir alle verstehen und behalten können, wie E. W. aus beiliegender Copey vernehmen.&#039;&#039; Eine Edition der für den Nürnberger Rat überarbeiteten Notizen des Camerarius nach der Abschrift Hall, StA, 4/55, 152r–158r u.a. bei [[Peters 2014a]], S. 230–236. Vgl. auch [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 20 m. Anm. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu den übrigen Vertretern der Stadt Nürnberg scheint Melanchthon ein schwierigeres Verhältnis gehabt zu haben: In zwei Briefen ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1071 MBW Nr. 1071] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1079 1079]) wirft er ihnen vor, &amp;quot;schweizerische Politik&amp;quot; zu treiben. Nur aus Rücksicht auf C. halte er sich zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Freundschaft zwischen Melanchthon und Hieronymus Baumgartner wurde dadurch aber nur für kurze Zeit beinträchtigt: Bereits Anfang 1531 geht Melanchthon einen Schritt zur Versöhnung: [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1110 MBW Nr. 1110.4].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der engen Freundschaft mit dem obersten Nürnberger Kirchpfleger, [[Erwähnte Person::Hieronymus Baumgartner d.Ä.]],&amp;lt;ref&amp;gt;Zu dieser Freundschaft vgl. [[Mährle 2024]], S. 68-72. Baumgartner war nicht nur C.&#039; Freund, sondern in Nürnberg auch sein Vorgesetzter.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte C. zweifellos auch zu den Pfarrern der Reichsstadt Kontakt, den er über das Ende seiner dortigen Tätigkeit hinaus aufrecht erhielt. Dabei täuscht das Schweigen des edierten Briefwechsels darüber hinweg, dass er auch den Prediger an St. Lorenz, [[Erwähnte Person::Andreas Osiander]], kannte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=827 MBW Nr. 827.3] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=393 939].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser wird im Camerarius-Briefwechsel eher negativ dargestellt; daher muss eine systematische Untersuchung der handschriftlichen Befunde genauere Auskunft geben über die Entwicklung des Verhältnisses.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Streit um Osianders Thesen könnte das Verhältnis beeinträchtigt haben. Noch 1555 leidet die Stadt Nürnberg an diesem Streit, den C. und Melanchthon im Rahmen ihrer Reise dorthin lösten. Vgl. das Schlagwort → [[Osiandrischer Streit]] und ↓ [[Theologie (CamLex)#1553 bis 1560]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Besser waren die Beziehungen zum Melanchthon-Schüler [[Erwähnte Person::Veit Dietrich]],&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Klaus 1958]] passim sowie [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=816 MBW Nr. 816], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1638 1638], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1656 1656].&amp;lt;/ref&amp;gt; der im Dezember 1535 Prediger an St. Sebald wurde, aber auch für eine Tübinger Professur vorgeschlagen worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1659 MBW 1659.2], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1660 1660], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1662 1662.2]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Von Nürnberg aus diente Dietrich dann als Relaisstation für Briefe zwischen Tübingen und Wittenberg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0262]] und zahlreiche Melanchthon-Briefe: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW Regesten Nr.] 1638.6, 1656, 1858-59, 1869.4, 1919/1920, 2052/2053, 2066/2067, 2086, 2141/2150, 2184.5, 2210/2201, 2314/15, 2407, 2414-16, 2484, 2725/2726.3, 2786/2787.5, 2789/90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nicht zu vernachlässigen ist auch [[Erwähnte Person::Lazarus Spengler]], der als Ratsschreiber und persönlicher Freund des Camerarius die Einführung der Reformation in der Stadt förderte. Auch nahm er über C. Einfluss auf Melanchthon, um dessen Visitationsschrift in den Druck zu bringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=610 MBW Nr. 610.3] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=611 611.1]. Gemeint ist hier wohl die Schrift [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11285715-5 &amp;quot;Articuli de quibus egerunt per visitatores in regione Saxoniae&amp;quot;]: Vgl. Bauer, Joachim: Kursächsische Bemühungen um &amp;quot;Ordnung und Reformation&amp;quot;. Anmerkungen zur Entstehungsgeschichte des &amp;quot;Unterrichts der Visitatoren&amp;quot; von 1528. In: Joachim Bauer, Stefan Michel (Hrsg.): Der &amp;quot;Unterricht der Visitatoren&amp;quot; und die Durchsetzung der Reformation in Kursachsen. Leipzig 2017, S. 53-76, hier S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Tätigkeit in Tübingen (1535-1541)===&lt;br /&gt;
C. erwog in Nürnberg auch einen Wechsel in die Politik durch Annahme der dortigen Ratsschreiberstelle, die mit dem Tod [[Georg Hoppel]]s vakant war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1406 MBW Nr. 1406], [[Erwähntes Werk::OCEp 1002]] und [[Heerwagen 1868]], S. 16. In [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1330 MBW Nr. 1330.2] wird auch C.&#039; Bruder [[Erwähnte Person::Hieronymus Camerarius]] trotz seiner Haft mit dieser Stelle in Verbindung gebracht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das mag ein Indiz für seine Unzufriedenheit mit der Situation an der Oberen Schule gewesen sein. Eine Chance zur Veränderung gaben ihm die Ereignisse in Württemberg: Der 1519 vertriebene [[Erwähnte Person::Ulrich (Württemberg)]] eroberte sein Herzogtum 1534 mit Hilfe des Landgrafen [[Erwähnte Person::Philipp I. (Hessen)]] von den Habsburgern zurück und führte anschließend die Reformation ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu Holtz, Sabine: &amp;quot;[...] für eine conciliare katholische Reform der Kirche&amp;quot;. Die Tübinger Theologische Fakultät und die Einführung der Reformation. In: Sönke Lorenz, Dieter R. Bauer und Oliver Auge (Hgg.): Tübingen in Lehre und Forschung um 1500. Zur Geschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen. Festgabe für Ulrich Köpf. Tübingen 2008, S. 61-74. Dort wird auch ein Grundproblem der Tübinger Universitätsreform angerissen, nämlich die Erzwingung der Reformation durch landesherrliche Autorität statt durch Überzeugung der Universitätsmitglieder (ebd., S. 74).&amp;lt;/ref&amp;gt; Um den Widerstand der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Tübingen)|Universität Tübingen]], insbesondere der Theologischen Fakultät, zu brechen, benötigte er Hilfe von außen. Der Versuch einer Berufung [[Philipp Melanchthon]]s&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW Nr. 1487-1489, 1492, 1505.4].&amp;lt;/ref&amp;gt; erfolgte in der Hoffnung, dass dieser den Sakramentenstreit zwischen oberdeutschen und lutheranischen Protestanten beilegen könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1501 MBW Nr. 1501], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1503 1503].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses Thema sollte die württembergische Politik noch längere Zeit beschäftigen. Als Visitator in universitären Angelegenheiten wurde [[Erwähnte Person::Ambrosius Blarer]] bestallt, der zudem als Superintendent die Einführung der Reformation in Württemberg ob der Steig visitieren sollte, und zudem der Basler Gräzist [[Erwähnte Person::Simon Grynäus]] &amp;quot;ausgeliehen&amp;quot; (von Oktober 1534 bis Juli 1535).&amp;lt;ref&amp;gt;Zu deren Reformationsversuchen an der Universität vgl. [[Pill-Rademacher 1993]], S. 110-130. Zur ersten Ordnung, die Ulrich der Universität am 20.1.1535 oktroyierte, siehe [[Köpf 2020]], S. 58f. sowie [[Roth 1877]], S. 176-185 (Edition der Ordnung). Dazu gehörte u.a. die Einrichtung von zwei (statt bisher vier) theologischen Professuren: Altes Testament und Neues Testament. Das trug auch der Schwierigkeit der Gewinnung von gut ausgebildeten evangelischen Theologen Rechnung.&amp;lt;/ref&amp;gt; Grynäus musste im Juli 1535 nach [[Erwähnter Ort::Basel]] zurückkehren, von wo er aber die Berufung des Camerarius in die Wege leitete. Zu dessen Aufgabenbeschreibung gehörten von Anfang an organisatorische Tätigkeiten; politische Belange wurden zunächst nicht erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu C.&#039; Berufung vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1584 MBW Nr. 1584.1] sowie der Brief des Grynäus [[Erwähntes Werk::OCEp 0276]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichwohl hatte Grynäus aber im Sinn, ihn für die Universitätsreform und als Gesandten verwenden zu lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brief von Grynäus an (Ambrosius) Blarer, ca. 10.6.1535, in: [[Rädle 1990]], S. 65. Für das Fach Theologie war Camerarius ausdrücklich nicht vorgesehen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theologische Fakultät widersetzte sich der Reformation von Land und Universität und wurde dafür vom Landesherrn bestraft: So wurden drei der vier Professoren im Frühjahr 1535 beurlaubt bzw. entlassen, nur der (theologisch indifferente) [[Erwähnte Person::Balthasar Käuffelin]] durfte bleiben, damit die Fakultät nicht vollkommen handlungsunfähig wurde. Als Ersatz für die Entlassenen wurde [[Erwähnte Person::Paul Phrygio]] aus Basel berufen. Sein schweizerisches Verständnis von der Reformation brachte allerdings einige Schwierigkeiten mit sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Köpf 2020]], S. 44 und [[Roth 1877]], S. 184.&amp;lt;/ref&amp;gt; Melanchthon gelang es, [[Erwähnte Person::Johannes Brenz]] für ein Jahr nach Tübingen zu holen, wo er die (1536 eingerichtete) dritte Professur besetzte und als herzoglicher &#039;&#039;Commissarius&#039;&#039; mit Camerarius die neuen Universitätsstatuten ausarbeitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Köpf 2020]], S. 62-65; Statuten: [[Roth 1877]], S. 205-231.&amp;lt;/ref&amp;gt; Brenz folgte dem Ruf aber nur widerwillig: In einem Brief an C. beschwert er sich über die Last und fragt, ob sie &#039;&#039;nullum ineptiorem asinum&#039;&#039; als ihn hätten finden können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brief Brenz an Camerarius vom 10.11.1536, Brief-ID 12894, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/12894. Zugriff am 11.3.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1535 bis 1541 lehrte C. in [[Erwähnter Ort::Tübingen]] Griechisch, später Latein, und wirkte in zentraler Position an der Reform der Universität mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Schultheiß 2017]], [[Pill-Rademacher 1993]]; zusammenfassend [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 14-15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Herbst 1536 kam  Melanchthon für drei Wochen nach Württemberg, wo er den Herzog auch in Universitätsfragen beriet, so über Stellenbesetzungen und Satzungsfragen, die auch in der zweiten herzoglichen Ordnung vom 3.11.1536 mündeten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1795 MBW Nr. 1795] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1796 1796]. Die Ordnung ist ediert von [[Roth 1877]], S. 185-204. Melanchthon hatte sogar auf eine Anstellung in Württemberg gehofft, da er in Kursachsen nicht zufrieden war. Aber er erhielt keine Freigabe des Kurfürsten [[Erwähnte Person::Johann Friedrich I. (Sachsen)]]: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1616 MBW Nr. 1616.4], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1787 1787]. Es ist nicht vollständig geklärt, ob sein Besuch neben der Universitätsreform noch andere Zwecke hatte. Dazu [[Pill-Rademacher 1993]], S. 142-145.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings stand Camerarius als herzoglicher Kommissar und Superattendent trotz zeitweiliger Unterstützung durch Brenz&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe auch [[Pill-Rademacher 1993]], S. 412, Nr. 16. Der Gebrauch des Begriffs Superattendent ist hier noch zu klären. Sicher handelt es sich um etwas anderes als die sächsische Verwendung des Begriffs. Dazu [[Goldenstein 2015]]. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass C. kirchliche Funktionen ausgeübt hätte. Der Begriff taucht u.a. in der zweiten herzoglichen Ordnung vom 3.11.1536 auf ([[Roth 1877]], S. 185-204, hier S. 193f.) bezieht sich dort auf Aufseher über die Conturbernien, Bursen und das Pädagogium. Da dort ausdrücklich Theologen, Juristen und Mediziner genannt sind, kann hier keine kirchliche Leitungsposition gemeint sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; zwischen allen Fronten und erlebte zahlreiche Konflikte mit anderen Fakultäten, vor allem der theologischen, wo einige Altgläubige die Reformversuche blockierten: Der (päpstlich bestellte) Kanzler [[Ambrosius Widmann]] war am 12.7.1535 nach [[Erwähnter Ort::Rottenburg]] ausgewandert, was die Promotionen an der Universität fast völlig zum Erliegen brachte.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Mitwirkung des Kanzlers an Promotionen war durch die päpstliche Gründungsbulle von 1476 vorgeschrieben (vgl. [[Köpf 2020]], S. 44f. und [[Roth 1877]], S. 18f.). Zu den Lösungsversuchen durch Melanchthon und Camerarius vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2039 MBW Nr. 2039.2] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2051 2051.4] sowie [[Volz 1977]], S. 70-82. Wirklich lösen ließ sich die Problematik erst durch Widmanns Tod 1561.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Rückkehr des anderen Kommissars, [[Johannes Brenz]], nach [[Erwähnter Ort::Schwäbisch Hall]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2018 MBW Nr. 2018.2].&amp;lt;/ref&amp;gt; war C. allein verantwortlich für die Universitätsreform und damit auch für die Problematik um Widmanns Weggang. Brenz und Camerarius waren permanente Kommissare, die auch an der Universität unterrichteten. Dazu gab es auch temporäre Kommissare, die nur von Fall zu Fall eingesetzt wurden und größere Vollmachten hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Pill-Rademacher 1993]], S. 167.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Beginn von Camerarius&#039; Tätigkeit als Professor in Tübingen schlägt sich auch nieder in den Studentenzahlen: So nahm die Zahl fränkischer Studenten ab Sommer 1535 stark zu. Darunter finden sich auch Namen aus Nürnberger Patrizierfamilien.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hermelink 1906]], S. 278-283: Wir finden hier u.a. die Familien Baumgartner, Grundherr, Römer und Coler. Zu den Familien siehe [[Fleischmann 2008]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist sicher nicht abwegig, hierin eine Sogwirkung des Camerarius zu sehen, der den Familien aus seiner Tätigkeit als Nürnberger Schulleiter vertraut war. Gleichzeitig relativiert sich so auch die These von der Bildungsferne der Patrizierfamilien.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Mährle 2014]], S. 30 und [[Heerwagen 1868]], S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
C. und Melanchthon machten in Tübingen ausgiebigen Gebrauch von ihren Netzwerken, indem sie die Berufung von Freunden und Studenten dorthin betrieben, etwa von [[Erwähnte Person::Matthias Garbitius]].&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1919 MBW Nr. 1919.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Fall von [[Erwähnte Person::Jakob Micyllus]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1796 MBW Nr. 1796.2] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1824 1824.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Veit Dietrich]] hatten sie damit offensichtlich keinen Erfolg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1659 MBW Nr. 1659.2], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1660 1660.2], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1858 1858-1860], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1869 1869.4].&amp;lt;/ref&amp;gt; Probleme bereitete auch die Berufung des [[Erwähnte Person::Johann Forster]] als Theologie-Professor nach [[Erwähnter Ort::Tübingen]]: C. fragte im Herbst 1538 (im Auftrag des Senats) [[Martin Luther]] um seine Meinung dazu, aber nicht Melanchthon, der von Forster abgeraten hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Köpf 2020]] S. 49; [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1919 MBW Nr. 1919.2].&amp;lt;/ref&amp;gt; Forster begann tatsächlich eine Lehrtätigkeit in Tübingen, hatte dort aber als Lutheraner konfessionelle Schwierigkeiten mit den Oberdeutschen und wurde 1541 wieder entlassen, was vielleicht auch als Angriff auf C. verstanden wurde und diesen zum Weggang bewogen haben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Pill-Rademacher 1993]], 172-173. Auch Martin Aichmann macht in seiner historischen Abhandlung über die Visitationen (1599) den Dissens zwischen Senat und Artistenfakultät über Forsters Entlassung verantwortlich dafür, dass Camerarius Tübingen verließ, freilich ohne Nennung von Belegen, vgl. [[Pill-Rademacher 1993]], S. 380-385, besonders S. 383.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls scheint C. ohne persönliche Verabschiedung abgereist zu sein, wie sein Abschiedsbrief belegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Ediert von [[Roth 1877]], S. 427f. Dort führt er u.a. die grassierende Pest als Grund seiner Abreise an, geht aber auch auf das sächsische Stellenangebot ein. Melanchthon befürchtete eine gewaltsame Rückholung oder gar Inhaftierung C.&#039; durch Herzog [[Ulrich (Württemberg)]], ähnlich dem Schicksal von C.&#039; Bruder [[Hieronymus Camerarius]] in [[Bamberg]]: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2789 MBW Nr. 2789], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2794 2794] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2807 2807.1].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Tübingen förderte Camerarius das Pädagogium, das der Artistenfakultät unterstellt war, indem er unter anderem [[Erwähntes Werk::Camerarius, Puerilis doctrina de christiana vita, 1538|einen Katechismus]] dafür verfasste. Er korrespondierte in dieser Zeit viel mit Theologen und Schulmännern in [[Erwähnter Ort::Straßburg]], besonders [[Erwähnte Person::Jakob Bedrott]], [[Erwähnte Person::Nikolaus Gerbel]] und [[Erwähnte Person::Johannes Sturm]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein öffentlichkeitswirksames Ereignis war die Überführung der Gebeine des [[Erwähnte Person::Eberhard I. (Württemberg)|Eberhard im Bart]] in die Tübinger Stiftskirche am 26.5.1537. Camerarius hielt dabei eine [[Erwähntes Werk::OC 0202|Leichenrede]], in der er Eberhards Leben und Frömmigkeit würdigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Schultheiß 2017]], S. 206-208 sowie Horst Schmidt-Grave, Leichenreden und Leichenpredigten Tübinger Professoren (1550-1570). Untersuchungen zur biographischen Geschichtsschreibung in der Frühen Neuzeit. Tübingen 1974, S. 41-42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausgedehnte Bäderreise im Frühjahr 1540 führte C. nach [[Straßburg]].&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe → [[Medizin_(CamLex)#Badbesuche]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort knüpfte er zahlreiche Kontakte zu oberdeutschen Humanisten und Theologen. Unter anderem traf er auch mit [[Erwähnte Person::Martin Bucer]] und [[Erwähnte Person::Johannes Calvin]] zusammen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Gindely 1859]], S. 37. Mit keinem von beiden sind Briefwechsel des Camerarius erhalten. Jedoch geht aus dem [[:Kategorie:Briefwechsel-Jakob Bedrott|Briefwechsel mit Bedrott]] hervor, dass sich Bucer und C. mindestens seit 1536 kannten (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0256]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Während des Religionsgesprächs in [[Erwähnter Ort::Worms]] war C. ungefähr vom 13. bis 16.12.1540 in der Reichsstadt anwesend, aber wahrscheinlich nur, um Melanchthon zu besuchen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2579 MBW Nr. 2579.1] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2584 2584].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reiseroute ergibt sich aus einem [[Erwähntes Werk::OCEp 1484|Brief des Camerarius an Micyllus]] (13.12.1540).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Teilnahme am Regensburger Reichstag 1541 ist durch mehrere Zeugnisse belegt. So hat er ein Gutachten zur Aufrichtung einer christlichen Schule eingereicht, das [[Erwähnte Person::Christoph von Kreytzen]] Ende April oder Anfang Mai an Herzog [[Erwähnte Person::Albrecht (Preußen)]] schickte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Luttenberger, Albrecht/Neerfeld, Christiane: Deutsche Reichstagsakten /11. Band, Der Reichstag zu Regensburg 1541. 2. Teilband, Göttingen 2018, S. 1617: Christoph von Kreytzen an Hg. Albrecht von Preußen – Regensburg, 1541 April 30/Mai 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu dieser Zeit ist C. noch in Tübingen. Auch in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2760 MBW Nr. 2760], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2761 2761 Anm.] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2763 2763] (entspricht [[Erwähntes Werk::OCEp 1479]]) sieht man, dass C. in [[Erwähnter Ort::Regensburg]] war; zwischendurch (Mitte Juli) besuchte er seinen Bruder [[Erwähnte Person::Hieronymus Camerarius]] in [[Erwähnter Ort::Burglengenfeld]]. Am 17.7. war er wieder in Regensburg, von wo er vor dem 25.7. ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2775 MBW Nr. 2775]) wieder nach [[Erwähnter Ort::Tübingen]] aufbrach.&amp;lt;ref&amp;gt;Es gibt gewisse Unstimmigkeiten in den Quellen: [[Aulinger/Schweinzer 2011]] führen Hieronymus Kammermeister als (einzigen) Gesandten Philipps von Pfalz-Neuburg in Regensburg (die beide vorzeitig abreisten: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2732 MBW Nr. 2732.2]), erwähnen Joachim aber nicht. Dagegen nennt [[Rädle 1990]] Joachim als Württemberger Vertreter unter Berufung auf einen Brief von Frecht an Grynäus (28.7.1541; [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11621578?page=224,225 Herminjard VII, Nr. 1019, S. 211]). Daraus ergibt sich, dass Joachim C. sich fast einen Monat lang in Regensburg aufhielt. Das wäre ungewöhnlich lange, sofern er keinen offiziellen Auftrag hatte.&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit erlebte er den Reichsabschied am 29.7. nicht mehr vor Ort mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Reichstag vgl. [[Wolgast 2003]], S. 20-22.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diesem Reichstag muss Melanchthon seinen &amp;quot;Hyänentraum&amp;quot; gehabt haben, der sich auf das &amp;quot;Regensburger Buch&amp;quot; bezog: Dieses bezeichnet C. später in der Melanchthon-Vita als &amp;quot;,Interim&#039; in seiner Knabenzeit ... allen verhasst und heimlich erzogen&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Werner 2010]], S. 155. Siehe zum Hyänentraum auch den entsprechenden Abschnitt im Lemma → [[Naturkunde (CamLex)#Von Löwen und Chimären – Mantisches mit Tiermotivik|&#039;&#039;&#039;Naturkunde&#039;&#039;&#039;]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Leipziger Zeit (1541-1574)===&lt;br /&gt;
Das Jahr 1541 bildet eine Zäsur nicht nur im Leben des Camerarius, sondern auch in der Geschichte Sachsens: Der neue albertinische Herzog [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]] sollte das Machtgefüge im Territorium, unter den protestantischen Reichsständen und im gesamten Reich erheblich durcheinanderbringen. Es gibt eine ganze Reihe von Ereignissen, die dabei eine Rolle spielen: Die Einführung der Reformation durch Hz. [[Erwähnte Person::Heinrich (Sachsen)]] im albertinischen Herzogtum 1539, der Schmalkaldische Krieg 1546/47, der „geharnischte Reichstag“ 1547/48, die Belagerung [[Erwähnter Ort::Magdeburg]]s 1550/51 oder der Fürstenaufstand 1552. Ein Ereignis wie die Berufung des Camerarius an die [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] nimmt sich dagegen eher unbedeutend aus. Für das Ergehen der Institution hatte sie aber Konsequenzen, die keineswegs gering zu achten sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Wartenberg 2003]], S. 17-19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Rolle in der Universitätspolitik wird von der bisherigen Forschung als sehr bedeutend angesehen,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Rudersdorf 2009]], S. 357-365 und [[Forschungsliteratur::Rudersdorf 2015]].&amp;lt;/ref&amp;gt; während die Reformationsgeschichtsforschung Camerarius früher nur eine kleine Nebenrolle zugebilligt hat – zumeist an der Seite [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon|Melanchthons]]. Doch Günther Wartenberg zählte ihn &amp;quot;zu den Geburtshelfern eines sächsischen Konfessionsluthertums&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Wartenberg 2003]], S. 11; vgl. [[Dall&#039;Asta 2024]], S. 159f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Folgenden soll sein vielfältiges Engagement im Bereich der Theologie und Kirchenpolitik skizziert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Wirkenszeit in Leipzig wird hierbei in vier Phasen eingeteilt: 1541 bis 1546, 1547 bis 1553, 1553 bis 1560 und 1560 bis 1574. Diese Einteilung ist überwiegend politikgeschichtlich motiviert:&amp;lt;ref&amp;gt;Dieses Junktim unterliegt keiner zwingenden Logik; allerdings ist die Quellenlage für die sächsische Landesgeschichte weitgehend davon abhängig. So existieren für Moritzens Regierungszeit wesentlich mehr systematische Untersuchungen und mit der &amp;quot;Politischen Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen&amp;quot; (Band 1 bis 6, entspricht [[PKMS 1]] bis [[PKMS 6]]) eine umfassende Quellenedition. Ein Äquivalent zu Augusts Regierungszeit liegt noch nicht vor. Die diesbezüglichen Originalquellen im [[Dresden, HStA]] sind jedoch wesentlich umfangreicher und warten noch auf eine gründliche Aufarbeitung.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den ersten Regierungsjahren&amp;lt;ref&amp;gt;Die Jahre 1541 bis 1546 sieht auch [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]], S. 19 als Einheit.&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde Herzog Moritz von seinen Amtskollegen noch nicht ernstgenommen und strebte danach, sich aus der Abhängigkeit von Kursachsen und Hessen zu befreien, was zunächst nur durch die Parteinahme für das Haus Habsburg und damit durch ein neues Abhängigkeitsverhältnis gelang.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Nicklas 2007]], S. 26f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius bekam in dieser Zeit erste kirchenpolitische Aufgaben, die er jedoch eher unwillig übernahm. Ein Trost dürfte ihm die Nähe zu Melanchthon gewesen sein, mit dem er häufig zusammenarbeitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schmalkaldische Krieg bildet die erste Zäsur der Leipziger Zeit: 1547 erfolgte Moritzens Erhebung zum Kurfürsten und die Eingliederung der Kurlande um [[Erwähnter Ort::Wittenberg]] ins albertinische Herrschaftsgebiet. Dadurch und auch durch den Tod [[Erwähnte Person::Martin Luther|Luthers]] 1546 wurde das „neue“ Kurfürstentum zu einem der wichtigsten Zentren der Reformation, da so bedeutende Wittenberger Reformatoren wie Melanchthon und [[Erwähnte Person::Johannes Bugenhagen]] nun in diesem Land wirkten.&amp;lt;ref&amp;gt;Für die Wittenberger war es nicht selbstverständlich, nach dem Krieg ihre Universität wieder zu beziehen. Einige blieben ihrem bisherigen Dienstherren [[Johann Friedrich I. (Sachsen)]] treu und gingen an die Hohe Schule nach [[Jena]]. Den Ausschlag für die Wiedereröffnung der Universität Wittenberg gab sicher die Rückkehr Melanchthons, der seinem Freund Camerarius nun nicht mehr nur räumlich nahestand, sondern auch durch den gemeinsamen Dienstherren.&amp;lt;/ref&amp;gt; Überdies konnte Moritz sich trotz des „Augsburger Interims“ allmählich aus der kaiserlichen Vormacht emanzipieren. Die Mittel dafür waren die Belagerung Magdeburgs 1550/51 und der Fürstenaufstand 1552. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moritzens Tod im Jahr 1553 bildet die nächste Zäsur, da sein Bruder [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] von den ambitionierten kriegerischen und außenpolitischen Aktivitäten seines Vorgängers Abstand nahm und sich stärker Landesausbau und Reichspolitik verschrieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Nicklas 2007]], S. 40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nur wenige Monate später verstarb [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)|Georg von Anhalt]], der sich zu einem der führenden Theologen des Kurfürstentums entwickelt und gerade in der Religionspolitik großen Einfluss erworben hatte. Er hatte als „Bischof“ von [[Erwähnter Ort::Merseburg]] die Ausgestaltung der albertinisch-sächsischen Kirchenordnungen in bedeutendem Maße geprägt, an der Ausarbeitung der &amp;quot;Leipziger Landtagsvorlage&amp;quot; 1548 (dem sog. &amp;quot;Leipziger Interim&amp;quot;) mitgewirkt, des weiteren an der &amp;quot;[[Erwähntes Werk::Div., Confessio Saxonica, 1553|Confessio Saxonica]]&amp;quot; 1551, und an mehreren Religionsgesprächen teilgenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. zu Georg vor allem [[Erwähntes Werk:: OC 0614|die Biographie]], die Camerarius über ihn verfasst hat, den Briefwechsel mit Camerarius sowie [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]] und [[Forschungsliteratur::Gabriel 1997]] passim.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Camerarius stellte sich in der Zeit nach dem Tod des Kurfürsten auch die Frage, ob er überhaupt nach Leipzig zurückkehren sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Herbst 1553 hielt er sich in Franken auf, entschied sich dann aber doch für die Rückkehr nach Sachsen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1560 schließlich bringt den Tod Melanchthons. Diesem kommt in der Rückschau eine größere theologische Bedeutung zu als seinem Leipziger Freund und Kollegen. Oft lässt sich aber nicht ermessen, wieviele Ideen Camerarius zu Melanchthons Werken beigetragen hat. Mit dessen Tod war Camerarius nun einer der letzten Überlebenden der ersten Reformatorengeneration. Diese Rolle zeigt sich deutlich in seiner Ladung durch Kaiser [[Maximilian II. (HRR)]] nach [[Wien]], um bei der Erstellung einer Kirchenordnung mitzuarbeiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Schlagwort [[Biographisches (Wienreise)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob nun Camerarius den Drang verspürte, das Erbe Melanchthons weiterzuführen, oder ob andere Gründe vorlagen: Jedenfalls verfasste er in den folgenden 14 Jahren mehr theologische Werke als zuvor. Den nächsten Einschnitt bildet im Jahr 1574 nicht nur sein Tod, sondern auch die Wende in der kursächsischen Religionspolitik, im Rahmen derer viele „[[Erwähnte Körperschaft::Philippisten]]“ wegen des Verdachts auf Kryptocalvinismus aus ihren Ämtern entfernt wurden; [[Erwähnte Person:: Georg Cracow]] und [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] wurden sogar eingekerkert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Bruning 2004]], S. 168f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Camerarius-Schüler wie [[Erwähnte Person::Gregor Bersman]],&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Zinck 1903]], S. 118.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Erwähnte Person::Ernst Vögelin]] und [[Erwähnte Person::Andreas Freyhub]] hatten mit schweren Repressionen zu kämpfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Hasse 2000]], S. 140-148 und 229-232. Der Buchdrucker Vögelin musste 1576 außer Landes fliehen; im selben Jahr verlor der Theologe Freyhub seine Stellung. Bersmann wurde 1580 entlassen, nachdem er die Unterschrift unter das Konkordienbuch verweigert hatte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
====Voraussetzungen in Leipzig====&lt;br /&gt;
Bis 1539 war die Universität Leipzig wie das gesamte albertinische Herzogtum Sachsen ein Hort des alten Glaubens, an dem Herzog [[Erwähnte Person::Georg (Sachsen)]] den Einflüssen der Reformation (trotz anfänglicher Sympathie in einigen Punkten) durch eine eigenständige Reformpolitik trotzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Einführung in die Leipziger Stadt- und Universitätsgeschichte vgl. [[Forschungsliteratur::Hofmann 1739]] und [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1996a]]. Zur Vorgeschichte der Reformation in Leipzig vgl. [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]], S. 29-38. Zu Georgs kirchlichen Reformen vgl. [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]], S. 89-93 und [[Forschungsliteratur::Volkmar 2008]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei zeigt die Arbeit von Christoph Volkmar eindrucksvoll, dass dieses Vorgehen keineswegs automatisch zum Scheitern verurteilt war, sondern dass erst durch den Tod von Georgs Söhnen (Johann und Friedrich) die &amp;quot;Fürstenreformation von oben&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Volkmar 2008]], S. 610.&amp;lt;/ref&amp;gt; durch [[Erwähnte Person::Heinrich (Sachsen)]] ermöglicht worden ist. Durchaus nicht unwidersprochen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Volkmar 2008]], S. 380f.: Selbst Herzog Georg opponierte gegen einige Auswüchse des Ablasswesens, wobei hier nicht der Ablass an sich das Problem war, sondern der Geldfluss ins Ausland.&amp;lt;/ref&amp;gt; predigte der Ablassprediger [[Erwähnte Person::Johann Tetzel]] 1516, 1517 und 1518 in der Stadt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Hofmann 1739]], S. 29-33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Camerarius soll – wie erwähnt –  im Jahr 1517 zusammen mit seinem Lehrer [[Lehrer::Georg Helt]] eine dieser Predigten gehört und entrüstet die Kirche verlassen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Werk), 1574]], Bl. A4v-B1r. Andere Quellen zu diesem Ereignis liegen bislang nicht vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Leipziger Disputation im Jahr 1519&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Beyer 2005]].&amp;lt;/ref&amp;gt; zwischen [[Erwähnte Person::Martin Luther]], [[Erwähnte Person::Andreas Bodenstein]] und [[Erwähnte Person::Johannes Eck]] verfolgte er nur aus der Ferne, während er in [[Erwähnter Ort::Erfurt]] studierte. Sein Freund [[Erwähnte Person::Adam Krafft]] war in Leipzig zugegen und bewog dort [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]], einige Verse für Camerarius zu verfassen, was den Beginn von deren langer Freundschaft bildete.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0775|Vita Melanchthonis]], deutsche Übersetzung: [[Werner 2010]], §10-11 und [[Forschungsliteratur::Woitkowitz 1997]], S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu den Aufsatz von [[Forschungsliteratur::Enge 2017]], der Herzog Heinrichs eine größere Eigenleistung zumisst, als dies die bisherige Forschung unternommen hat. Die Schwierigkeiten, die sich dabei aus Herzog Georgs Gegenmaßnahmen und Nachfolgeplänen, insbesondere in seinen Testamenten, ergeben haben, hat kürzlich [[Winter 2023]] herausgestellt. Vgl. auch [[Wartenberg 2005]], S. 69-77.&amp;lt;/ref&amp;gt; ergab sich auch die Notwendigkeit, den Lehrkörper der Universität an die geänderte konfessionelle Situation anzupassen. Besonders wichtig war die Ausbildung zuverlässiger Staatsbeamten und Pfarrer.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum folgenden vgl. [[Forschungsliteratur::Junghans 2009]], S. 47-50 sowie [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1981]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem am 13.8.1539 die Visitatoren im Auftrag Herzog [[Erwähnte Person::Heinrich (Sachsen)|Heinrichs]] alle Universitätsangehörigen auf die Augsburgische Konfession und deren Apologie verpflichtet hatten,&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Durchführung der Reformation in Stadt und Universität Leipzig vgl. [[Forschungsliteratur::Freudenberger 1988]], S. 356-373. Auch legt Heinrich den Grundstein für die Reform der Universität; so hat er wahrscheinlich unter anderem die Bestellung [[Erwähnte Person::Caspar Borner]]s zum Rektor im Wintersemester 1539/40 mit beeinflusst. Auch die ersten Schritte zur Berufung des Camerarius unternahm er noch selbst, wobei in all diesen Belangen die Rolle Melanchthons nicht zu unterschätzen ist: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2785 MBW Nr. 2785]. So verfasste dieser ein Gutachten mit Reformvorschlägen: Vgl. [[Rudersdorf 2009]], S. 354-363, bes. 359f., siehe [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2542 MBW Nr. 2542]. Die Umsetzung konkreter Reformmaßnahmen blieb aber als Aufgabe für Heinrichs Sohn Moritz.&amp;lt;/ref&amp;gt; bestanden aber gerade an der Theologischen Fakultät noch einige Schwierigkeiten, wie Camerarius sie schon in [[Tübingen]] angetroffen hatte. Besonders der Franke [[Erwähnte Person::Hieronymus Dungersheim]] verweigerte sich der neuen Lehre. Er war seit Anfang 1538 Dekan und der einzige promovierte Theologe vor Ort. Auf besagte Visitation des Herzogs reagierte die Fakultät, sicher auf Dungersheims Betreiben hin, mit der Zusage &#039;&#039;sie wolten der Augspurgischen Confeßion und derselben Apologie nicht widerstehen, in so ferne sie weder dem Evangelio noch der Wahrheit widersprächen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hofmann 1739]], S. 405; vgl. [[Freudenberger 1988]], S. 367.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird allgemein als nur äußerliche Zustimmung gesehen, die im Widerspruch zum Standpunkt der übrigen Fakultäten stand und dem Herzog auch nicht genügte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die häufige Abwesenheit von Professoren, die meist auswärtige Kanonikate bekleideten und ihren Lebensmittelpunkt nicht in Leipzig hatten,&amp;lt;ref&amp;gt;Die Leipziger Theologen hatten Stiftspfründe in Meißen, Halle (Saale) und Magdeburg.&amp;lt;/ref&amp;gt; bereitete schon zu Regierungszeiten Herzog [[Erwähnte Person::Georg (Sachsen)|Georgs]] Schwierigkeiten: Bei der Promotion von Melchior Rudel und Matthäus Metz am 3. April 1538 hatten sich die anderen zuständigen Professoren aus Krankheitsgründen entschuldigen lassen. Da ein Professor allein nicht promovieren durfte, musste Dungersheim seinen Kollegen [[Erwähnte Person::Johann Sauer]] aus [[Erwähnter Ort::Halle (Saale)]] heranziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Freudenberger 1988]], S. 350-352 sowie [[Forschungsliteratur::Zarncke 1859]], S. 96-98.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dungersheim starb nach Krankheit am 2.3.1540. Die Nachfolge trat Johann Sauer an, der die Reformation bestenfalls halbherzig unterstützte und Leipzig schon 1544 in Richtung Wien verließ. Nur kurz (1539-1541) währte die Professorenkarriere des ersten evangelischen Theologieprofessors [[Erwähnte Person::Nicolaus Scheubleyn]], die durch seinen unglücklichen Tod ein jähes Ende fand.&amp;lt;ref&amp;gt;Scheubleyn starb bei einem Sturz im Weinkeller: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2653 MBW Nr. 2653.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Der systematische Neuaufbau der Fakultät erfolgte unter Heinrichs Sohn und Nachfolger [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]], der nach der Berufung des Camerarius den Reformkurs fortsetzte, indem er am 26.5.1542 fünf theologische Lehrstühle stiftete (je zwei für das Alte und das Neue Testament sowie einen für Hebräisch) und für deren Finanzierung durch die Erträge des vormaligen Paulinerklosters sorgte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Universitätsreform 1543 vgl. [[Rudersdorf 2009]], S. 357-379.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es dauerte allerding bis zum Wintersemester 1544, bis durch die Aufnahme des Schotten [[Erwähnte Person::Alexander Alesius]] in die Fakultät alle theologischen Lehrstühle besetzt werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Hein/Junghans 2009]], S. 305. Die dortige Übersichtstabelle ist mit Vorsicht zu gebrauchen, da nur Lehrstuhlinhaber verzeichnet sind, die der Fakultät angehören. Alesius war zwar schon im Herbst 1542 berufen worden und hatte am 24.9.1543 pro loco disputiert, wurde aber erst am 17.10.1544 in die Theologische Fakultät aufgenommen (vgl. [[Forschungsliteratur::Siegmund-Schultze 2005]], S. 164). An der Doktorpromotion 1543 wirkte er aber bereits mit. Eine wichtige Rolle bei den Stellenbesetzungen spielte auch Melanchthon: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2802 MBW Nr. 2802].&amp;lt;/ref&amp;gt; Jakob Schenk lehrte vom Wintersemester 1541/42 bis Oktober 1542, wurde dann aber entlassen und im August 1543 des Landes verwiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 1988]], S. 155f. Schenk hatte sich in Wittenberg und Leipzig viele Feinde gemacht, darunter auch Superintendent [[Johann Pfeffinger]]. Vgl. P. Vetter: Jakob Schenk und die Prediger zu Leipzig 1541 - 1543. In: [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/11884/257 NASG 12 (1891)], S. 247-271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====1541 bis 1546====&lt;br /&gt;
Am 10.10.1543 erfolgte in Leipzig die theologische Doktorpromotion von [[Erwähnte Person::Caspar Borner]], [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]], Andreas Samuel,&amp;lt;ref&amp;gt;Samuel fand Ende 1543 oder Anfang 1544 Anstellung bei Herzog [[Albrecht (Preußen)]]: Vgl. MBW Nr. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3352 3352] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3441 3441.1].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Erwähnte Person::Wolfgang Schirmeister]] und [[Erwähnte Person::Bernhard Ziegler]] – die erste nach dem neuen Bekenntnis. Fast alle der Promovenden waren Absolventen der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Wittenberg)]], die somit ihren Einfluss in Leipzig intensivierte. Zu besagter Promotion wurden auch die Wittenberger Theologen eingeladen, um das gute Verhältnis zu demonstrieren ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3333 MBW Nr. 3333]). [[Erwähnte Person::Martin Luther]], [[Erwähnte Person::Johannes Bugenhagen]] und [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]] mussten zwar wegen der gleichzeitigen Promotion des [[Erwähnte Person::Erasmus Alberus]] absagen, schickten aber [[Erwähnte Person::Caspar Cruciger]] und [[Erwähnte Person::Paul Eber]] als Vertreter ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3338 MBW Nr. 3338]).&amp;lt;ref&amp;gt;Dass Melanchthon regen Anteil nahm, zeigt sich auch daran, dass er [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] um Wildbret für den Doktorschmaus bat: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3322 MBW Nr. 3322].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die von den Kandidaten disputierten &#039;&#039;quaestiones&#039;&#039; wurden von Camerarius ediert, zusammen mit Zieglers Promotionsrede, einem lateinischen Bericht über die Vereidigung, dem Einladungsschreiben an die Wittenberger Fakultät, dem Wittenberger Antwortschreiben und einer [[Erwähntes Werk::OC 0441|Psalmenparaphrase]] in lateinischer (Melanchthon) und griechischer (Camerarius) Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::Div., Quaestiones quinque, 1544]]. Vgl. dazu [[Forschungsliteratur::Weng 2003]]. Zur Edition durch C. vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3515 MBW Nr. 3515].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bald nach seiner Ankunft in Leipzig wurde Camerarius von Herzog Moritz in die universitäre und kirchenpolitische Gremienarbeit einbezogen. So widmete er sich ab 1543 mit Borner zusammen der Universitätsreform;&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Universitätsreform vgl. die ausführliche Darstellung [[Rudersdorf 2009]], S. 355-391 (davon 361-365 explizit zur Rolle des Camerarius), [[Rudersdorf 2015]] und [[Zarncke 1859]], S. 238-278 (Edition von Borners Bericht aus den Rektoratsakten).&amp;lt;/ref&amp;gt; dann bat Moritz ihn und die Theologische Fakultät um ein „Gutachten für die weitere Gestaltung der Landeskirche“,&amp;lt;ref&amp;gt;Zu dieser Angelegenheit vgl. [[Wartenberg 1988]], S. 181-187 sowie die herzogliche Anordnung vom 22.9.1543: [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10532: Leipzigische Händel 1422-1533, Bl. 303b. Aufforderung Moritzens an Camerarius zur Gutachtenerstellung: [[Dresden, HStA]], 10004 Kopiale, Nr. 0181, Bl. 152a. Diese Gremienarbeit war nicht im Sinne von Camerarius, der sich in [[Erwähntes Werk::OCEp 0313|einem Brief an Stramburger]] darüber beschwert, dass dies nicht zu seinen Dienstaufgaben gehöre.&amp;lt;/ref&amp;gt; wobei Camerarius auch an der Vorbereitung des Konsistoriums mitwirken sollte. Melanchthon unterstützte ihn durch Zusendung der Wittenberger Konsistorialordnung von 1542.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Wartenberg 1988]], S. 186 mit Anm. 70 und [[Zarncke 1859]], S. 196f.; auch [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3343 MBW 3343] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3372 3372].&amp;lt;/ref&amp;gt; Streitpunkt dabei war die Kirchenstruktur: Während eine Gruppe um [[Erwähnte Person::Georg von Karlowitz]] die alten Strukturen beibehalten wollte,&amp;lt;ref&amp;gt;Georg von Karlowitz hatte bereits zu Lebzeiten Herzog Georgs einen eigenen Kompromisskurs über Religionsgespräche und kirchliche Reformen versucht, wobei auch [[Erwähnte Person::Julius von Pflug]] einige Versuche unternahm, [[Erasmus von Rotterdam]] für eine Vermittlerrolle zu gewinnen. Dazu [[Wartenberg 1988]], S. 65-70.&amp;lt;/ref&amp;gt; strebten die Superintendenten ein Konsistorium an, wie es im ernestinischen Kurfürstentum bereits bestand.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 1988]], S. 184.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zur Entscheidungsfindung wurden die Leipziger Theologen einbezogen und auch Camerarius. Dieser entwickelte dabei eine enge Freundschaft zu [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gabriel 1997]] und Achim Detmers: 500 Jahre Georg III. Fürst und Christ in Anhalt. Köthen 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der Universitätsreform richtete Herzog Moritz 100 Stipendien ein, die in erster Linie Theologiestudenten zugute kommen sollten. So wollte er dem Mangel an evangelischen Theologen abhelfen. Diese Maßnahme war nötig geworden, um die wegfallenden Einkommen aus kirchlichen Pfründen zu kompensieren. Camerarius gehörte zu den Prüfern der Stipendiaten; außerdem arbeitete er 1556 an einer neuen Stipendienordnung mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Ratajszczak 2009]], S. 60-63, [[Wartenberg 2003]], S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob die Ähnlichkeiten im Stipendienwesen der Universitäten Leipzig und Tübingen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Ratajszczak 2009]], S. 159-163.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius zu verdanken sind, ist noch zu prüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Vorbereitung des Universitätsbesuchs und um den Verlust kirchlicher Bildungseinrichtungen zu kompensieren, richtete Moritz Fürstenschulen in [[Fürstenschule (Meißen)|Meißen]], [[Fürstenschule (Schulpforta)|Pforta]] (beide 1543) und Grimma (1550) ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Thomas 2005]], S. 125-127.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihre Visitation wurde der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] übertragen. Die Universität wählte zur Durchführung dieser Aufgabe [[Caspar Borner]], Camerarius und [[Wolfgang Meurer]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Zarncke 1857]], S. 664-666. Camerarius wirkte auch an den Schulordnungen mit und verfasste im Bunde mit [[Erwähnte Person::Wolfgang Meurer]], [[Erwähnte Person::Georg Fabricius]] und [[Erwähnte Person::Johann Rivius]] im Juli 1546 eine Disziplinarordnung, die in Meißen unter dem Namen &#039;&#039;Leges Rivii&#039;&#039;, in Pforte aber als &#039;&#039;Leges Camerarii&#039;&#039; zum Einsatz kam (vgl. [[Schwabe 1914]], S. 82).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch fremde Landesfürsten bemühten sich außerordentlich um die Dienste des Camerarius. Dabei ist vor allem Herzog [[Albrecht (Preußen)]] zu nennen: Während C. im Oktober 1543 eine Stelle als Rektor der [[Königsberg]]er Universität ablehnte, konsultierte der Herzog ihn (und Melanchthon) am 30.6.1545 bezüglich der Problematik des Promotionsrechts. Dieses konnte nur vom Papst oder Kaiser erteilt werden. Von beiden war keine Zustimmung zu erwarten. Albrecht wandte sich weder an Juristen noch an prominente Theologen wie Martin Luther, sondern an die beiden Humanisten, die ihm nahe standen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Beziehung zwischen C. und Albrecht vgl. [[Voigt 1841]], S. 110-139. Der Melanchthon-Briefwechsel zählt 92 Briefe Melanchthons an den Herzog und 97 in der Gegenrichtung. Auch Melanchthons Schwiegersohn [[Georg Sabinus]], ein Freund des Camerarius, wirkte als Königsberger Rektor in dieser Angelegenheit mit.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das deutet auf den Willen hin, die Angelegenheit relativ diskret und geschickt zu lösen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Angelegenheit vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3931 MBW Nr. 3931] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3933 3933.2]. Eine endgültige Lösung des Problems brachte erst die Erteilung des Privilegs durch König [[Erwähnte Person::Sigismund II. August (Polen)]] am 28.3.1560: Vgl. Bues, Almut: Herzog Albrecht von Preußen (1490-1568). In: Armin Kohnle und Manfred Rudersdorf (Hgg.), unter Mitarbeit von Marie Ulrike Jaros: Die Reformation. Fürsten - Höfe - Räume. Leipzig 2017 (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte 42), S. 63, Anm. 44.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einen entsprechenden Vorschlag präsentierten sie in ihrem Gutachten vom 28.7.1545 ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3970 MBW Nr. 3970]) mit Verweis auf die Kirchengeschichte, insbesondere die Zeit unter Kaiser Julian (Apostata). Die Situation ähnelte den Problemen um den Tübinger Kanzler Widmann so sehr, dass die beiden Gutachten sogar in der Forschung verwechselt worden sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Volz 1977]], S. 90-93 und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3970 MBW Nr. 3970 Anm.]. Eine Abschrift ist in der Collectio Camerariana erhalten: [[München, BSB]], [https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00116379?page=232,233 clm 10355, f. 108f].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gute Verhältnis, das Camerarius und die Wittenberger Theologen zu Albrecht hatten, zeigt sich auch in einem Brief vom 8.10.1543, worin sie ihn (letztendlich vergeblich) bitten, seinen Leibarzt [[Erwähnte Person::Andreas Aurifaber]] nicht zum Studium nach [[Italien]] zu schicken.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3340 MBW Nr. 3340] und [[Vogt 1966]], Nr. 127 (S. 274f.). Autoren des Briefs waren Melanchthon, [[Erwähnte Person::Martin Luther]], [[Erwähnte Person::Johannes Bugenhagen]] und Camerarius. Der Brief zählt zu den wenigen Belegen für eine Zusammenarbeit zwischen Bugenhagen und Camerarius.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====1547 bis 1553====&lt;br /&gt;
Während des Schmalkaldischen Krieges fand C. zunächst in [[Erwähnter Ort::Merseburg]] bei Fürst Georg Aufnahme, dann zog er über [[Erwähnter Ort::Erfurt]] weiter nach Franken.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. besonders [[Erwähntes Werk::OCEp 0330]] sowie [[Erwähntes Werk::OCEp 1038]], [[Erwähntes Werk::OCEp 0631]], [[Erwähntes Werk::OCEp 1039]] und das [[Itinerar]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rat der Stadt Nürnberg bot ihm und Melanchthon Aufenthaltsmöglichkeiten an. Damit verbunden war möglicherweise die Hoffnung, dass beide Lehrtätigkeiten an der behelfsmäßigen Hochschule übernehmen würden, die dort eingerichtet worden war, vor allem für geflüchtete Wittenberger und Leipziger Studenten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Klaus 1958]], S. 254, [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4570 MBW Nr. 4570.1], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4585a 4585a], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4605 4605.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Melanchthon verblieb aber in Mitteldeutschland, und für eine Lehrtätigkeit des Camerarius in Nürnberg gibt es keine Belege. Allenfalls die Erwähnung, er werde zahlreiche Schüler nach Leipzig mitbringen,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0572]].&amp;lt;/ref&amp;gt; kann ein Hinweis darauf sein. Die Wiederaufnahme seines Amtes in Leipzig war keineswegs sicher; so erwog er sogar, eine Theologieprofessur in [[Erwähnter Ort::Königsberg]] anzunehmen, wo sein Sohn [[Erwähnte Person::Johannes Camerarius II.|Johannes]] bereits studierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4721 MBW Nr. 4721.4]. Eine Stelle als Rektor der dortigen Hochschule wurde Camerarius bereits im Herbst 1543 angeboten, die dieser aber nicht annehmen konnte: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3334 MBW Nr. 3334.4,2 und 3334.4,4], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3371 3371.1], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3377 3377.1].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Alesius interessierte sich dafür, und Melanchthon erhielt sogar von [[Albrecht (Preußen)]] eine Berufung dorthin.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4853 MBW Nr. 4853.1-3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ebenso gab es Angebote des Kurfürsten [[Erwähnte Person::Joachim II. (Brandenburg)]], dass C. an der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Frankfurt an der Oder)]] unterkommen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4778 MBW Nr. 4778.2].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius wurde durch (den neu zum Kurfürsten erhobenen) Moritz im Sommer 1547 nach Leipzig zurückberufen, was auch einige der dortigen Theologen unterstützten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[PKMS 3]], Nr. 697. Weitere Briefe dazu sind zitiert bei [[Woitkowitz 2003]], S. 185. Zusätzlich existiert ein dort nicht erwähnter Brief des Camerarius an den Rektor (Paul Bussius) vom 21.6. (ohne Jahr, aber auf 1547 datierbar), worin C. sich auf ein Schreiben von Kurfürst Moritz und [[Erwähnte Person::Ulrich von Mordeisen]] bezieht. Er könne momentan noch nicht zurückkehren: [[Leipzig, UA]], Bestand des Rektors, Rep. I/VIII/I (einzelne Professoren, ab 1549), Bl. 4r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem Camerarius und Melanchthon nach Kriegsende wieder in Sachsen weilten, wurden sie wie zuvor mit einigen Aufgaben betraut. Georg von Anhalt wirkte weiterhin mit, obwohl er in Merseburg seine Leitungsfunktionen nach dem Schmalkaldischen Krieg an den altgläubigen Bischof [[Erwähnte Person::Michael Helding]] hatte abtreten müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Camerarius lässt in der [[Erwähntes Werk::OC 0775|Vita Melanchthonis]] kein gutes Haar an Helding, den er nach dessen Titularbistum verächtlich als &amp;quot;Sidonius&amp;quot; bezeichnet (vgl. [[Werner 2010]], S. 169f.). Besser waren seine Beziehungen zu [[Erwähnte Person::Julius von Pflug]], einem humanistisch orientierten Reformkatholiken, der erst durch den Schmalkaldischen Krieg sein Bischofsamt in [[Erwähnter Ort::Naumburg (Saale)]] antreten konnte. Bis dahin hatte dort der Lutherfreund [[Erwähnte Person::Nikolaus von Amsdorf]] dieses Amt ausgeübt, in das ihn der ernestinische Kurfürst [[Erwähnte Person::Johann Friedrich I. (Sachsen)]] 1542 eigenmächtig eingesetzt hatte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Aufgabe war zunächst die Arbeit an der Umsetzung des &amp;quot;Augsburger Interims&amp;quot;, das als Übergangslösung für das Zusammenleben der Konfessionen bis zum nächsten Konzil fungieren sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Nicht-Durchsetzung des Interims in Sachsen sollte schließlich dazu führen, dass [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)]] wieder auf das Konzil als einzige Lösung für die Glaubensspaltung zurückkam. Dies wurde ermöglicht durch den Tod [[Erwähnte Person::Paul III. (Papst)|Pauls III.]] am 10.11.1549; das Konzil wurde in Trient am 1.5.1551 erneut eröffnet. Vgl. [[Wartenberg 1996]], S. 275-276.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedoch verweigerten die altgläubigen Reichsstände die Annahme, so dass es nur noch für die evangelischen Reichsstände gelten sollte. [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)|Kurfürst Moritz]] zögerte mit der Annahme und verwies auf die Bedenken seiner Landstände und Theologen. Melanchthon und andere ([[Erwähnte Person::Caspar Cruciger]], [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]] und [[Erwähnte Person::Georg Maior]]) forderten ausdrücklich, dass neben Georg von Anhalt auch Camerarius in die Theologenkommission berufen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[PKMS 3]], Nr. 1041 = [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5137 MBW Nr. 5137].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese erarbeitete dann Vorschläge, wie man dem Kaiser in Äußerlichkeiten (Mitteldinge, &#039;&#039;Adiaphora&#039;&#039;) entgegenkommen könnte, ohne zentrale Glaubensinhalte aufzugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem &amp;quot;Leipziger Interim&amp;quot; vgl. [[Wartenberg 2006]], 25-32; [[Issleib 1907]], S. 194; [[Issleib 1892]], S. 206-220; Wartenberg, Günther: Philipp Melanchthon und die sächsisch-albertinische Interimspolitik. In: Jonas Flöter und Markus Hein (Hrsg.): Wittenberger Reformation und territoriale Politik. Leipzig 2003, S. 87-103, hier S. 98-100; [[Engel 2014]], 106–113 und [[Erwähntes Werk::OCEp 0648]] (C. an H. Baumgartner vom 10.2.1548).&amp;lt;/ref&amp;gt; Wichtige Stationen in der Entstehung dieser sog. Landtagsvorlage&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Text vgl. [[PKMS 4]], S. 254-257, Nr. 212.&amp;lt;/ref&amp;gt; waren die Konferenzen von Theologen und Räten, wobei die Treffen in [[Erwähnter Ort::Pegau]] (23.-25.8.) und [[Torgau]] (18.10.) ohne Beteiligung des Camerarius,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Engel 2014]], S. 101-104.&amp;lt;/ref&amp;gt; die von [[Erwähnter Ort::Altzella]] im November 1548 und der Theologentag zu [[Erwähnter Ort::Jüterbog]] am 16. und 17.12. unter seiner Mitarbeit erfolgten.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Teilnahme des Camerarius vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5380 MBW Nr. 5380] und [[Erwähntes Werk::OCEp 0648]] sowie [[Engel 2014]], S. 108-113.&amp;lt;/ref&amp;gt; Präsentiert wurden die Ergebnisse auf dem Landtag in Leipzig Ende Dezember.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Landtagsverhandlungen vgl. [[Wartenberg 2006]], S. 25-27; auf S. 27-32 wird die Landtagsvorlage mit dem &amp;quot;Augsburger Interim&amp;quot; verglichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obwohl die Stände die Vorlage ganz überwiegend akzeptierten, gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung, da die altgläubigen Bischöfe nicht einverstanden waren. Veröffentlicht wurden nur Auszüge der neuen Kirchenordnung;&amp;lt;ref&amp;gt;Die &amp;quot;Georgsagende&amp;quot; verfasste [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] unter Mitwirkung von Melanchthon, Camerarius, [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]], [[Erwähnte Person::Johannes Bugenhagen]], [[Erwähnte Person::Georg Maior]], [[Erwähnte Person::Johann Forster]] und [[Erwähnte Person::Daniel Greiser]]. Nach der zwischenzeitlichen Verwerfung brachte Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] die Agende im August 1553 wieder ins Spiel. Vgl. [[Jadatz 2007]], S. 182.&amp;lt;/ref&amp;gt; durch Moritzens Hinhaltepolitik und Bedenken von Seiten der Theologen verzögerte sich die Annahme der Interimsartikel in Sachsen und unterblieb schließlich ganz, abgesehen von Details wie dem Tragen des Chorrocks.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu ausführlich [[Issleib 1894]], S. 558-570 und zusammenfassend [[Engel 2014]], S. 115-120.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zögerliche, aber zunächst nicht klar ablehnende Verhalten des Landesherrn schützte so auch seine eigenen Theologen: So gab es in Sachsen kaum Verfolgungen oder Verbannungen von Theologen, die dem Interim widersprachen. Zwar forderte [[Karl V. (HRR)]] kurzzeitig Melanchthons Auslieferung, konnte aber schließlich davon abgebracht werden. Anders sah es bei kleineren, besonders süddeutschen, Reichsständen aus: Aus [[Schwäbisch Hall]] musste [[Erwähnte Person::Johannes Brenz]],&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Peters, Christian: Der Macht des Kaisers widerstehen. Die süddeutschen Theologen und das Interim. In: Irene Dingel und Günther Wartenberg (Hgg.): Politik und Bekenntnis. Die Reaktionen auf das Interim von 1548. Leipzig 2006, S. 65-81, hier S. 66-68.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus Braunschweig-Calenberg [[Erwähnte Person::Joachim Mörlin]], aus [[Nürnberg]] [[Erwähnte Person::Andreas Osiander]] fliehen, während [[Erwähnte Person::Veit Dietrich]] dort bereits 1547 suspendiert worden war und Anfang 1549 nach schwerer Krankheit starb.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Werner 2010]], S. 193 zu Dietrichs Kampf gegen Kaiser und Interim sowie [[Klaus 1958]], S. 272-299 zur Haltung der Reichsstadt Nürnberg gegenüber dem Interim. Das Verhältnis Dietrichs zu Camerarius scheint sehr gut gewesen zu sein. Der edierte Briefwechsel spiegelt das nicht wider, da die Camerarius-Söhne nur Briefe von Camerarius herausgaben. Handschriftlich existieren zahlreiche Briefe Dietrichs an Camerarius.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Leipzig]] dagegen konnte ein Interim-Gegner wie [[Erwähnte Person::Alexander Alesius]] weiterhin seine Positionen lehren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wiedermann 1988]], S. 66f. Demnach lehnte Alesius nicht nur das &amp;quot;Augsburger Interim&amp;quot;, sondern auch Melanchthons Adiaphora-Verständnis ab. In einem Gutachten setzte er sich gar mit dem Widerstandsrecht gegen den Kaiser auseinander: Vgl. [[Gotha, FB]], [https://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-3411847 Chart. A 401, f. 227r-229r] und [[Siegmund-Schultze 2005]], S. 248-250.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Camerarius und besonders für Melanchthon sollte die Mitwirkung an der Landtagsvorlage, die auch als Bekenntnis für die Einheit der Christenheit verstanden werden kann, aber für zahlreiche Schmähungen innerhalb des protestantischen Lagers sorgen, hauptsächlich von Seiten der Gnesiolutheraner um [[Erwähnte Person::Matthias Flacius]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Wengert 2006]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig entwickelten sich aus diesem sogenannten Adiaphoristischen Streit zahlreiche weitere Zerwürfnisse.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Koch 2006]], S. 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zunächst scheint sich die Schmähkritik auf Melanchthon konzentriert zu haben; Camerarius geriet ins Visier, als er den Freund durch die &amp;quot;[[Erwähntes Werk::OC 0596|Querela Lutheri]]&amp;quot; unterstützte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Schäfer 2003]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben bereits erwähnt, war das Interim nur als Übergangslösung bis zum nächsten Konzil gedacht. Auf diesem sollte die Kirchenspaltung entgültig überwunden werden. So kam auf die sächsischen Theologen die Aufgabe zu, ihre Glaubenswahrheiten überzeugend darzustellen. Im Jahr 1551 erarbeiteten sie daher, wiederum unter Mitwirkung des C., die &amp;quot;[[Div., Confessio Saxonica, 1553|Confessio Saxonica]]&amp;quot; zur Vorbereitung auf das Konzil von Trient.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 1996]] und [[Issleib 1907]], S. 203-205. Die Ereignisse um die &amp;quot;Confessio Saxonica&amp;quot; und das Konzil hat [[Ehlers 2024]] gründlich dargestellt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius wurde im April 1551 nach Württemberg geschickt, um mit Johannes Brenz Vorbesprechungen abzuhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brenz an Camerarius, 7.4.1551, Brief-ID 15094, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/15094. Zugriff am 24.11.2023, und Brenz an Camerarius, 14.4.1551, Brief-ID 15263, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/15263. Zugriff am 24.11.2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wahl seiner Person ist sicher auf den guten Kontakt der beiden aus Tübinger Zeit zurückzuführen. Camerarius traf sich auch mit süddeutschen Theologen am 19.8.1551 in [[Erwähnter Ort::Bad Langensalza|Langensalza]], um über die &amp;quot;Confessio Saxonica&amp;quot; und die &amp;quot;Confessio Virtembergica&amp;quot; zu sprechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6165 MBW Nr. 6165] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6175 6175] sowie Brenz an Camerarius, 8.8.1551, Brief-ID 15304, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/15304. Zugriff am 22.1.2024. Anwesend waren von Württemberger Seite Jakob Beurlin und Johannes Isenmann sowie der Straßburger Johannes Marbach.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Konzil, das 1547 zunächst unterbrochen, später nach [[Erwähnter Ort::Bologna]] verlegt worden war, kam im Mai 1551 wieder in [[Erwähnter Ort::Trient]] zusammen. Melanchthons Teilnahme war vorgesehen, doch musste er in [[Nürnberg]] den angestrebten Geleitbrief erwarten.&amp;lt;ref&amp;gt;Melanchthon brach mit seinem Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] sowie mit [[Erwähnte Person::Erasmus Sarcerius]] und [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Valentin Paceus]] am 13.1.1552 von [[Erwähnter Ort::Leipzig]] aus auf, Camerarius begleitete sie bis [[Zwickau]]: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6303 MBW Nr. 6303] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6310 6310].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Konzil gewährte aber nie ein freies Geleit in der von [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]] geforderten Form.&amp;lt;ref&amp;gt;Die sächsischen Gesandten forderten ein Geleit in der Form des Konzils von Basel aus dem Jahr 1431: Vgl. [[Freudenberger 1975]], S. 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Melanchthon kehrte schon im März 1552 wieder nach Sachsen zurück, als seine Teilnahme aufgrund des Fürstenaufstands obsolet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6378 MBW Nr. 6378] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6380 6380]. Die sächsischen Konzilsvorbereitungen beschreibt ausführlich [[Freudenberger 1975]], besonders S. 315-341, sowie jüngst [[Ehlers 2024]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ereignisse in Trient verfolgte Camerarius aus der Ferne. So besaß er eine Edition der von Bischof [[Erwähnte Person::Andreas Dudith]] gehaltenen [[Erwähntes Werk::Dudith, Orationes duae in sacrosancto oecumenico concilio Tridentino habitae, 1562|Reden]], die den Laienkelch und die Priesterehe befürworteten, und zeigte sie seinem Schüler [[Erwähnte Person::Johannes Prätorius]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bedarf an (neugläubigen) Theologen in Leipzig blieb in diesen Jahren weiterhin groß, auch bedingt durch den Tod Borners (1547), Johannes Mentzels und Zieglers (beide 1552) sowie den Weggang [[Erwähnte Person::Nikolaus Zipser]]s (1553).&amp;lt;ref&amp;gt;Bei den Stellenbesetzungen wirkte Melanchthon mit, indem er [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Paceus]] als Hebräischprofessor empfahl: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6361 MBW Nr. 6361.6] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6392 6392].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies führte dazu, dass 1553 sogar der Mathematiker [[Erwähnte Person::Johann Hommel]] gedrängt wurde, den Doktorgrad der Theologie zu erwerben. Diesem Ersuchen kam er aber nicht nach.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2008]], S. 74. Hommel hatte immerhin Theologie studiert und mehrere Jahre eine Pfarrstelle bekleidet, war aber mittlerweile in der Mathematik zu einer Koryphäe geworden → &#039;&#039;&#039;[[Mathematische Wissenschaften (CamLex)#Camerarius und Johann Hommel|Mathematische Wissenschaften]]&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====1553 bis 1560====&lt;br /&gt;
Anders als in der Reichspolitik brachte der Tod von Kurfürst [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)|Moritz]] zunächst keinen sichtbaren Bruch in der kursächsischen Kirchenpolitik mit sich. Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)|August]] führte hier die Politik seines Bruders fort und baute die evangelische Landeskirche weiter aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Jadatz 2007]], S. 189.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sofort nach seiner Rückkehr aus Dänemark suchte er das Gespräch mit [[Philipp Melanchthon]], der künftig die führende Rolle unter den sächsischen Theologen spielen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6927 MBW Nr. 6927.1] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6928 6928.4]. [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]], der bis dahin die kursächsische Religionspolitik geprägt hatte, war schwer erkrankt und starb kurz darauf.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Camerarius änderte sich einiges dadurch, dass er sich theologisch stärker exponierte: Mit der Herausgabe der [[Erwähntes Werk::Camerarius, Querela Martini Luteri (Werk), 1554|Querela Martini Luteri]] geriet er nun ins Visier von Kontroverstheologen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 20.-29.5.1554 nahm Camerarius am Naumburger Konvent teil, zusammen mit Theologen aus Kursachsen, Hessen und Straßburg, wie Melanchthon, [[Alexander Alesius]], [[Johann Forster]], [[Erwähnte Person::Adam Krafft]] und anderen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 7184-7195 und [https://thbw.hadw-bw.de/sache/Naumburger%20Konvent%20(1554) Theologenbriefwechsel, Naumburger Konvent] sowie [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10298/4, 56r-62v. Vgl. [[Siegmund-Schultze 2005]], S. 298f. Siegmund-Schultze kennt nur die Marburger, aber nicht die Dresdner Fassung des Abschlussdokuments, bei dem Camerarius und Alesius unter den Unterzeichnenden zu finden sind. Insofern geht er fälschlich davon aus, dass beide nicht dabei waren. Tatsächlich könnte die Unterschrift des Alesius (&#039;&#039;Ego Alexander Alesius D legi, et probo&#039;&#039;) nachträglich beigefügt sein. Camerarius unterzeichnet im Dresdner Dokument als Letzter mit Hinweis auf seine Teilnahme (&#039;&#039;Ego Ioachi. Camerar. huic actioni interfui &amp;amp; his ...&#039;&#039;). Er war also dabei und schreibt in der [[Camerarius, Vita Philippi Melanchthonis, 1566|&amp;quot;Vita Melanchthonis&amp;quot;]] (Bl. Z3v), dass Alesius anwesend gewesen sei. Unterzeichner des Dresdner Dokuments sind, neben den Genannten, auch [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Valentin Paceus]], [[Erwähnte Person::Heinrich Salmuth]], [[Erwähnte Person::Andreas Hyperius]], [[Erwähnte Person::Caspar Kauffunger|Caspar Lanius]] und [[Erwähnte Person::Johannes Sleidanus]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ziel des Treffens war das Finden einer gemeinsamen Linie für den Augsburger Reichstag 1555,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7147 MBW Nr. 7147].&amp;lt;/ref&amp;gt; auf dem der Augsburger Religionsfrieden verabschiedet wurde. Inhalte des Naumburger Konvents waren das Verwerfen der osiandrischen und schwenckfeldischen Lehre, des Interims und des Papsttums sowie die Behandlung von Zeremonien, Beichte, Konsistorien, Kirchenstrafen und kirchlicher Autorität. Das Treffen scheiterte letztendlich am Ausbleiben der württembergischen Vertreter. Im Abschlussdokument werden einige Positionen erkennbar, die Camerarius mitgetragen hat. Deutlich wird die Ablehnung der schwenckfeldischen Lehre, während Osianders Lehre differenziert betrachtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Dies tut C. auch im [[OC 1036|Gutachten von 1559]], wobei er die osiandrischen Positionen zwar nicht teilt, aber toleriert.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn auch der Schulterschluss der Theologen in Naumburg nicht glückte, so war doch ein Treffen politischer Vertreter am selben Ort von Erfolg gekrönt, indem schon im Februar 1554 (zumindest vorübergehend) ein Ausgleich zwischen albertinischen und ernestinischen Interessen geschaffen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 2004]], S. 43f. Text des Abschlussvertrages bei [https://books.google.de/books?id=RR1YAAAAcAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ViewAPI&amp;amp;redir_esc=y Glafey, Adam Friedrich: Kern der Geschichte des Hohen Chur- und Fürstlichen Hauses zu Sachsen. Frankfurt/Leipzig 1721, S. 236-263]. Der Vertrag klärte territoriale und finanzielle Fragen, bestätigte die Wittenberger Kapitulation vom 19.5.1547 und regelte das künftige Zusammenleben beider Linien des Wettinischen Gesamthauses, mit deutlichem Übergewicht der Albertiner. Das enthaltene &amp;quot;Ruhegebot&amp;quot; für theologische Streitigkeiten hatte kaum Konsequenzen. Zur Vorgeschichte vgl. [[Wartenberg 2006a]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius wurde weiterhin mit der Visitation der Fürstenschulen betraut;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Meyer 1897]]: Bis 1570 war er fast jährlich an den Visitationsreisen beteiligt.&amp;lt;/ref&amp;gt; für die Kirchenvisitation wurden nur die Wittenberger Theologen sowie aus Leipzig Superintendent Pfeffinger herangezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Jadatz 2007]], S. 184.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reichstag 1555 brachte mit dem „Augsburger Religionsfrieden“ eine entscheidende Zäsur in der Reichs- und Religionspolitik des 16. Jahrhunderts mit sich. Die sächsischen Kurfürsten (Moritz und August) und deren Räte legten hierfür wichtige Grundlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 2006c]], S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; Während des Reichstags war Camerarius (zumindest im Juni 1555) in Augsburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0680]] und [[Erwähntes Werk::OCEp 0909]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob er an den Verhandlungen teilnahm, ist unklar. So bittet er [[Briefpartner::Hieronymus Wolf]] in [[Erwähntes Werk::OCEp 0820|einem Brief vom 5.11.1554]] vorsorglich um Berichte. Wolf schreibt ihm aber (am 29.9.1555) nichts darüber, mit Verweis auf die sächsischen Gesandten, die das berichten würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Zäh 2013]] Nr. 95 = [[Erwähntes Werk::OCEp 2540]]. Dazu auch [[Bruning 2003]], S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im September 1555 war C. Teil der kursächsischen Gesandtschaft in [[Erwähnter Ort::Nürnberg]] zur Beilegung des Osiandrischen Streits.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wendorf 1957]], S. 77f.: Verhandlungen in Nürnberg 26.-30.9.; kurfürstliches Schreiben vom 27.8. vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7568 MBW 7568]; zwei Konzepte des Schreibens an Melanchthon, C. und [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Valentin Paceus]]: [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10298/04 Religionssachen 1554-1558, f. 94r-95v sowie f. 96r-97v. Nähere Informationen zur Reise unter [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7591 MBW 7591] m. Anm.; siehe auch [[Siegmund-Schultze 2005]], S. 304-307.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch hier waren Melanchthon und Alesius zugegen. Wendorf zeigt anhand dieser Reise sowie des Naumburger Konvents auf, dass die Meinung des Camerarius für Melanchthon sehr wichtig war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Wendorf 1957]], S. 78.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius nahm 1556 am [[Regensburg]]er Reichstag teil.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0688]] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8008 MBW Nr. 8008] (28.10.1556): Dort wird berichtet, dass C. mit [[Franz Kram]] in Regensburg war.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dagegen war eine Teilnahme am (ergebnislosen) Religionsgespräch in Worms 1557 nicht geplant. Da jedoch Melanchthons Frau [[Erwähnte Person::Katharina Melanchthon]] am 11.10. starb, reiste C. persönlich nach [[Erwähnter Ort::Worms]], um dem Freund die Nachricht zu überbringen und ihn zu trösten. Er fand ihn schließlich Ende Oktober in [[Erwähnter Ort::Heidelberg]], wohin dieser in einer längeren Verhandlungspause&amp;lt;ref&amp;gt;Vom 17.10. bis 19.11. waren die Sitzungen unterbrochen: Vgl. [[Bundschuh 1988]], S. 583.&amp;lt;/ref&amp;gt; gereist war und Kurfürst [[Ottheinrich (Pfalz)|Ottheinrich]] bei der Reform der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Heidelberg)|Universität]] beriet, während die Wormser Verhandlungen stagnierten.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu C.&#039; Reise vgl. [[Werner 2010]], S. 255; [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8394 MBW Nr. 8394], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8409 8409], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8412 8412], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8427 8427]. Vgl. zusammenfassend [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 28f. Zu Vorgeschichte und Ablauf des Religionsgesprächs vgl. [[Bundschuh 1988]] passim.&amp;lt;/ref&amp;gt; C. scheint noch vor der (letztlich erfolglosen) Wiederaufnahme der Verhandlungen zurückgereist zu sein. Den Reiseweg hat er in einem [[Erwähntes Werk::OCEp 1521|Reisegedicht]] nachgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sommersemester 1558 war C. Rektor der Universität Leipzig.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. handschriftliche &#039;&#039;Acta rectorum&#039;&#039; ([[Leipzig, UA]], Bestand rektor, Rep. B 007, Liber Actorum Academiae Lipsiae MDLVIII &amp;quot;Handell-Buch&amp;quot; M) 1558-1579, Bl. 4r-17r; [[Zarncke 1859]], S. 475-482.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fast gleichzeitig mit seinem Amtsantritt wurden die neuen Statuten der Artistenfakultät durch den Kurfürsten bestätigt, an deren Erstellung Camerarius maßgeblich beteiligt war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Zarncke 1861]], S. 516-544.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diese Zeit fallen auch die Neubesetzungen von vakanten Posten der theologischen Fakultät: Nach dem Tod [[Erwähnte Person::Wolfgang Schirmeister]]s 1555 waren nur Pfeffinger und Alesius als ordentliche Professoren verblieben. Mit der Berufung von [[Erwähnte Person::Andreas Knauer]] als Tertius und [[Erwähnte Person::Heinrich Salmuth]] als Quartus sowie [[Erwähnte Person::Peter Helborn]] als Hebräischlektor konnte dem Mangel wiederum abgeholfen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hein/Junghans 2009]], S. 306.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass C. 1559 (ohne offizielles Mandat) am Reichstag in Augsburg teilgenommen hat, ist wahrscheinlich.&amp;lt;ref&amp;gt;Die entsprechende Angabe im Brief an Baumgartner [[Erwähntes Werk::OCEp 0699|vom 28.7.1559]] wird durch einen Brief von Georg Cracow an Petrus Lotichius Secundus vom 13.8. [https://www.aerztebriefe.de/id/00035311] bestätigt, während die Melanchthon-Briefe [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=9011 MBW Nr. 9011] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8986 8986] nicht zwingend dagegen sprechen. Auch [[Erwähntes Werk::OCEp 1155|ein Brief an Crato (8.9.1559)]] belegt C.&#039; zweimonatige Abwesenheit von Leipzig.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Jahr 1559 soll C. auch in Kirchenangelegenheiten in [[Göppingen]] bei Herzog [[Christoph (Württemberg)]] gewesen sein,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 44. In der handschriftlichen Biographie (Joachim Camerarius II. mit Notizen von Philipp Camerarius: Handschriftlicher Abriß vom Leben ihres Vaters. [[München, BSB]]: clm 10376, Nr. 8, Bl. 13/21v) ist davon nichts erwähnt, statt dessen jedoch eine Reise nach [[Tübingen]] im Jahr 1560, wo der Herzog C. zur Rückkehr an die dortige Universität bewegen wollte.&amp;lt;/ref&amp;gt; was jedoch noch mit dem Itinerar in Einklang gebracht werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Vinzenz Gottlieb)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====1560 bis 1574====&lt;br /&gt;
Mit Melanchthons Tod am 19.4.1560 war eine wichtige theologische Autorität des kursächsischen Protestantismus weggefallen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu seinem Sterben vgl. handschriftliche &#039;&#039;Acta rectorum&#039;&#039; ([[Erwähnte Körperschaft::Leipzig, UA]], Bestand rektor, Rep. B 007, Liber Actorum Academiae Lipsiae MDLVIII &amp;quot;Handell-Buch&amp;quot; M) 1558-79, Bl. 52r: Überlegungen der Universität Leipzig. Vgl. auch den ausführlichen Bericht bei [[Müller 1910]] sowie neuerdings [[Rhein 2024]], S. 124f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seinen Mitstreitern, will man sie nun Philippisten, Kryptocalvinisten, Humanisten oder anders nennen, zeichnet sich kein Nachfolger mit ähnlicher Autorität ab. Mehrere Personen füllten in Wittenberg die Lücke aus. Das erweist sich auch an Melanchthons Lehrveranstaltungen, die auf mehrere Schultern verteilt wurden. Camerarius wurde die Auslegung des griechischen [[Erwähnte Person::Jesus Sirach]] angeboten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Verlautbarung von Vizerektor [[Erwähnte Person::Georg Maior]] und Professoren vom 23.4.1560, in: [[Universität Wittenberg, Scripta publice proposita, 1561]], Bl. Q6r-R3v, besonders Q8r-R1v. Es scheint aber, dass Camerarius dieses Lehrangebot abgelehnt hat, denn Georg Maior übernahm die Veranstaltung (vgl. [[Ludwig 2009]], S. 73f.; [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10542/20, Des Hern Philippi Melanthonis seligen (...), f. 21r). Die anderen Lehrveranstaltungen übertrug man [[Erwähnte Person::Veit Winsheim]], [[Erwähnte Person::Paul Eber]], Petrus Vincentius, [[Erwähnte Person::Sebastianus Theodoricus]], Paul Crell und [[Erwähnte Person::Johann Major]]. Der Melanchthon-Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] wurde gebeten, die Ausarbeitung zu Carions &amp;quot;Chronicon&amp;quot; zu übernehmen. Er gewann in den nächsten Jahren erheblichen Einfluss in Wittenberg, gerade durch seine engen Beziehungen zum Kurfürsten [[August (Sachsen)]]. Vgl. dazu [[Bruning 2004]] und Kolb, Robert: Memoria Melanchthoniana 1560. The Public Presentation of Philip Melanchthon at his Death. In: Irene Dingel (Hrsg.): Memoria – theologische Synthese – Autoritätenkonflikt. Die Rezeption Luthers und Melanchthons in der Schülergeneration. Tübingen 2016, S. 89-102. Die Leipziger Theologische Fakultät jener Jahre ist noch unzureichend erforscht. Man beachte den Brief [[Jakob Andreae]]s, in dem er Camerarius nach dessen Tod als Haupt der Leipziger Calvinisten (!) bezeichnet: Brief von Andreae an Selnecker vom 23.5.1574, [https://thbw.hadw-bw.de/brief/20922 Brief-ID 20922], in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Zugriff am 16.2.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Über Nachfolgestreitigkeiten ist allerdings wenig bekannt: Die großen Konfliktlinien bestehen weiterhin eher gegenüber dem orthodoxen Luthertum. Die Fülle theologischer Schriften, die Camerarius in seinen letzten anderthalb Lebensjahrzehnten verfasste, könnte nun vermuten lassen, dass er den Freund beerben wollte.&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Woitkowitz 2003]], S. 44.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierfür gibt es aber nur wenige Hinweise.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei der Neubesetzung von Melanchthons Professur wurde Camerarius um Rat gefragt: Vgl. [[Ludwig 2009]], S. 73, und auch in religionspolitischen Angelegenheiten wurde er noch gelegentlich herangezogen.&amp;lt;/ref&amp;gt; So ist er kaum an Kontroversschriften beteiligt und tut wenig zur Weiterentwicklung der Theologie. Er blickt eher zurück in die Geschichte und sucht nach historischen Grundlagen der christlichen Lehre. Dazu gehören etwa seine Ausführungen über das [[Erwähntes Werk::OC 0762|Leben Jesu]] und der [[Erwähntes Werk::OC 0761|Apostel]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Eskalation des innerprotestantischen Konflikts beim [[Wormser Religionsgespräch (1557)]] hatten sich die Spannungen zwischen Philippisten und Gnesiolutheranern noch verstärkt. Dazu trug auch die Berufung des Kontroverstheologen [[Erwähnte Person::Matthias Flacius]] nach Jena bei. Die dort ansässigen ernestinischen Theologen versuchten sich als wahre Nachfolger Luthers zu inszenieren, zu Lasten der Wittenberger (und Leipziger) Theologen. So traf der evangelische Einigungsversuch durch den Frankfurter Rezess 1558 auf energischen Widerstand aus [[Weimar]] und [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Jena)|Jena]]. Neben dem [[Weimarer Konfutationsbuch 1559|Weimarer Konfutationsbuch]] ist auch die Entlassung von [[Erwähnte Person::Victorinus Strigel]] und Andreas Hügel in Jena Ausdruck dieses Zwiespalts. Mit der Absetzung des Flacius 1561 und Strigels Wiedereinsetzung 1562 begann eine Entspannungspolitik, die bis 1567 andauerte. Hieran war der Wittenberger Professor [[Erwähnte Person::Paul Eber]] entscheidend beteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gehrt 2006]], [[Gehrt 2011]] und [[Gehrt 2014]], S. 111-117.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 1564 wird C. als Ehrengast nach [[Jena]] eingeladen, um an der von [[Erwähnte Person::Paul Eber]] geleiteten theologischen Doktorpromotion [[Erwähnte Person::Johann Stössel]]s teilzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gehrt 2014]], S. 109f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zeigt das hohe Ansehen, das er damals in den sächsischen Landen genoss. Ob er schon an diesem Termin in Jena war, ist nicht ganz sicher (wegen der Datierung von [[Erwähntes Werk::OCEp 0748]]), doch war er am 15.7. zur feierlichen Ernennung der Magistri anwesend. Er lieferte bei dieser Gelegenheit auch die Antwort auf eine Frage Ebers zu Xenophon ([[Erwähntes Werk::OC 0748]]), wobei er ungewöhnlich deutliche Seitenhiebe gegen die Schmäher Melanchthons austeilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Camerarius zu Lebzeiten, auch auf internationalem Parkett, wird verdeutlicht durch eine wenig bekannte Episode: Der päpstliche Nuntius Zaccaria Delfino plante im Jahr 1564, über Gespräche mit Camerarius und mit dem [[Erwähnte Person::Joachim II. (Brandenburg)|Kurfürsten von Brandenburg]] die Protestanten zurück zur römischen Kirche zu führen. Vorausgegangen waren Verhandlungen mit dem sächsischen Kanzler [[Erwähnte Person::Ulrich von Mordeisen]] im August 1564 in [[Erwähnter Ort::Wien]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Steinherz 1914]], S. 187f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Kontext fallen über C. die Aussagen &#039;&#039;che è il manco rigido Luterano di Saxonia&#039;&#039; und &#039;&#039;[Camerario] in rebus religionis hoggidi può tutto col suo elettore&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Steinherz 1914]], S. 195.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich hat Delfino seine Reise nach Leipzig nie angetreten, sondern seinen Auditor Dr. Antonius Cauchius damit beauftragt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Steinherz 1914]], S. 194-198, 203-204, 274-275, 278; Anhang zu [[Schelhorn 1740]], S. 61 und 89.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Verhandlungen standen aber unter keinem guten Stern: Wegen der Gefangennahme seines Sohns [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] und seiner Reisegefährten durch die [[Inquisition]] in [[Erwähnter Ort::Rom]] war Camerarius empört und nicht zum Nachgeben bereit. So habe er gesagt: &#039;&#039;Wenn die Papisten noch weiter so grausam gegen Unschuldige und Fremde vorgehen sollten, so könne es leicht geschehen, daß ihnen gleiches mit gleichem vergolten werde.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Zit. in [[Steinherz 1914]], S. 444; vgl. ebda. S. 423 und 444-445.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Überfall durch Handlanger [[Erwähnte Person::Wilhelm von Grumbach|Wilhelms von Grumbach]] auf Cauchius, bei dem dieser alle Briefschaften verlor, tat sein übriges, die Verhandlungen scheitern zu lassen, zumal die Hintergründe bis 1567 unklar blieben und ein religiös-politisches Motiv vermutet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Bericht des Philipp Camerarius über die Ereignisse ist abgedruckt in der „Relatio vera et solida de captivitate Romana ... Philippi Camerarii et Petri Rieteri“ (Anhang zu [[Schelhorn 1740]]), S. 57-61. Philipp deutet diesen Vorfall als Anlass für seine Freilassung. Der wahre Zweck des Besuchs von Cauchius bei Joachim Camerarius I. wird dort aber nicht genannt, sondern ergibt sich erst aus den bei Steinherz veröffentlichten Nuntiaturberichten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem im selben Jahr 1565 sowohl Mordeisen in Sachsen als auch Delfino bei der Kurie in Ungnade fielen und ihre Posten verloren,&amp;lt;ref&amp;gt;Mordeisens Entlassung erfolgte im Mai wegen des gescheiterten dänisch-habsburgischen Heiratsprojekts: Vgl. [[Steinherz 1914]], S. 241, 388.&amp;lt;/ref&amp;gt; scheinen die Unionspläne, sofern sie überhaupt ernsthaft erwogen worden waren, vollends beigelegt worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inhaftierung seines Sohns aus Gründen des Glaubens, verbunden mit der Gefahr der Hinrichtung, hatte den Vater tief getroffen, wie in mehreren Briefen deutlich wird.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OCEp 0528]].1, [[Erwähntes Werk::OCEp 0726]], [[Erwähntes Werk::OCEp 1179]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie belastbar sein politisches Netzwerk war: Unmittelbar nach der Verhaftung setzte ein reger Austausch von Briefen ein, die um Freilassung der Inhaftierten baten. Neben Gelehrten und fürstlichen Räten verwendeten sich auch Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]], der katholische Herzog [[Erwähnte Person::Albrecht V. (Bayern)]] und sogar Kaiser [[Erwähnte Person::Maximilian II. (HRR)]] für die Gefangenen,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Koller 2023]], S. 346-347.&amp;lt;/ref&amp;gt; die nach zwei Monaten schließlich ihre Freiheit wiedererlangten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Grumbachschen Händel wurde 1567 der ernestinische Herzog [[Johann Friedrich II. (Sachsen)|Johann Friedrich der Mittlere]] bis ans Lebensende inhaftiert, woraufhin sein Bruder [[Johann Wilhelm (Sachsen-Weimar)]] die Regierungsgeschäfte im Herzogtum in die Hand nahm. Unter ihm wurde die Kluft zwischen beiden Sachsen auch theologisch vertieft, was durch das Scheitern des Altenburger Religionsgesprächs noch befördert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gehrt 2014]], S. 117-121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von August bis Dezember 1568 war C. in [[Erwähnter Ort::Wien]] bei Kaiser [[Erwähnte Person::Maximilian II. (HRR)]] und nahm dementsprechend nicht am gleichzeitigen Altenburger Religionsgespräch teil. Diese [[Biographisches (Wienreise)|Reise]] war überschattet von körperlichen Gebrechen, die C. große Pein bereiteten, und von einem Gefühl der Vergeblichkeit, das er schon vor Fahrtantritt hatte und das sich letztendlich bewahrheiten sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu [[Otto 1889]], S. 30-32, [[Steinmann 2017]], [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 29. Vgl. auch das Schlagwort [[Biographisches (Wienreise)]] sowie die Akten in [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9936/53, mit eigenhändigem Bericht des Camerarius auf Bl. 4r-8v.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings konnte der Melanchthon-Schüler [[Erwähnte Person::David Chyträus]] nach einem Gespräch mit dem nach Leipzig zurückgekehrten Camerarius im Dezember 1568 (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1535]]) die Verhandlungen erfolgreich zu Ende bringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Briefwechsel-David Chyträus]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim &amp;quot;Consensus Dresdensis&amp;quot; 1571,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Mager 1999]], [[Hasse 2000]], S. 111-119 und [[Dingel 2008]], S. 794-822.&amp;lt;/ref&amp;gt; an dem alle sächsischen Theologieprofessoren, Superintendenten sowie Vertreter der Konsistorien mitgewirkt haben, finden sich keine Hinweise auf eine Mitwirkung des C. So kann man konstatieren, dass er keineswegs in alle theologischen Angelegenheiten Sachsens involviert war. Bei der Durchsicht der Akten der Theologischen Fakultät im [[Leipzig, UA|Universitätsarchiv Leipzig]] findet man seinen Namen nur sporadisch unter Gutachten und Briefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1573 führte mit dem Tod Herzog [[Erwähnte Person::Johann Wilhelm (Sachsen-Weimar)|Johann Wilhelms]] dazu, dass für dessen unmündige Erben offiziell ein Regentschaftsrat, tatsächlich aber Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] die Geschäfte in den ernestinischen Gebieten übernahm. Daraus resultierten zahlreiche Entlassungen [[Erwähnte Körperschaft::Gnesiolutheraner|gnesiolutheranischer]] Pfarrer sowie der Professoren [[Erwähnte Person::Tilemann Heshusen|Heshusius]] und [[Erwähnte Person::Johannes Wiegand]] in [[Jena]]. Deren Stellen wurden mit den [[Erwähnte Körperschaft::Philippisten]] [[Erwähnte Person::David Voit]] und [[Erwähnte Person::Balthasar Sartorius]] besetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Koch 2001]], S. 217-228.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ereignisse des Jahres 1574 stellen eine Zäsur in der religionspolitischen Entwicklung Kursachsens dar: Mit dem Sturz bedeutender Philippisten wie des führenden Rates [[Erwähnte Person::Georg Cracow]], des kurfürstlichen Leibarztes [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]], des Kanzlers [[Erwähnte Person::Hieronymus Kiesewetter]] und des Hofpredigers [[Erwähnte Person::Christian Schütz]] begann die Säuberung des Kurfürstentums von vermeintlichen (oder echten) Kryptocalvinisten.&amp;lt;ref&amp;gt;Die gründlichste Darstellung der Hintergründe und Zusammenhänge gibt [[Hasse 2000]], S. 69-136; zum Thema &amp;quot;Sturz des Philippismus im Jahr 1574 als Zensurfall&amp;quot; vgl. ebda. S. 137-182. Vgl. auch [[Roebel 2012]], [[Kluckhohn 1869]], [[Bruning 2004]], [[Hund 2006]], [[Wustmann 1905]], [[Calinich 1866]] sowie ganz besonders [[Zinck 1903]], S. 103-108.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Januar begannen Visitationen kursächsischer Räte an den Universitäten Wittenberg und Leipzig sowie an der Schule zu Pforta. Entsandt wurden die Räte Walter von Schönberg, Hans Löser, [[Erwähnte Person::Erich Volkmar von Berlepsch]], Hauboldt von Einsiedel, [[Erwähnte Person::Laurentius Lindemann]] und David Pfeifer.&amp;lt;ref&amp;gt;Instruktion der Visitatoren: [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10596/03, Bl. 1r-8v, ediert in [[Hasse 2000]], S. 397-401. Zur Visitationsreise vgl. [[Hasse 2000]], S. 154-163.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der unter Mitwirkung des Camerarius verfassten Antwort vom 10.2.1574&amp;lt;ref&amp;gt;[[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10596/03, Bl. 25r-29v.  Das Schreiben enthält keine Unterschriften. Jedoch ergeben sich die Mitwirkenden aus dem zusammenfassenden Bericht in den handschriftlichen &#039;&#039;Acta rectorum&#039;&#039; ([[Leipzig, UA]], Bestand rektor, Rep. B 007, Liber Actorum Academiae Lipsiae MDLVIII &amp;quot;Handell-Buch&amp;quot; M) 1558-1579, Bl. 383r/v: &#039;&#039;Commissum itaque fuit D.D. Theologis [[Erwähnte Person::Zacharias Schilter|Zachariae Schiltero]] Rectori academiae, [[Erwähnte Person::Heinrich Salmuth|Henrico Salmut]] Decano Theologici collegii p. [[Erwähnte Person::Wolfgang Harder|Wolfgango Hardero]] Pastori ad S. Nicolaum et [[Erwähnte Person::Andreas Freyhub|Andreae Freyhub]], et uni de consistorio Iurisconsulto D. Iohanni Reifschmieder et uni de professorum numero D. Ioachimo Camerario, ut responsi formulam conciperent.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist die Universität auf den Dresdner Konsens von 1571, den sie mitgetragen hat und von dem sie nicht abweiche, sowie auf den Katechismus [[Martin Luther]]s und Melanchthons &amp;quot;Corpus Doctrinae&amp;quot;. Neben der Zusicherung des Gehorsams gibt sie aber auch zu bedenken, welche Auswirkungen die Zensur im Ausland haben könne (etwa die dortige Zensur sächsischer Bücher und die Stärkung des Papsttums). Am 12.2. wurde die Antwort den Räten übergeben. Sie ist nach aktuellem Kenntnisstand die letzte öffentlichkeitswirksame Tätigkeit des Camerarius vor seinem Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass erst nach dem Tod des Irenikers Camerarius eine Einigung der lutherischen Christen durch Konkordienformel und Konkordienbuch zustande kam.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesen Einigungsbemühungen, die vor allem [[Erwähnte Person::Jakob Andreae]] entschieden prägte, vgl. [[Peters 2007]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Vinzenz Gottlieb)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zu theologischen Netzwerken===&lt;br /&gt;
Die Netzwerke des Camerarius umfassen unter anderem eine große Anzahl von Theologen. Mit vielen Reformatoren der ersten Stunde verband ihn ein einger Kontakt, bis auf seine Erfurter und Wittenberger Zeit zurückreichte. Obwohl viele von ihnen älter waren, konnte er sich durch seine hohe Bildung schnell Respekt erwerben und bald ein Verhältnis auf Augenhöhe erwirken. Verwiesen sei hier auf die Briefwechsel etwa mit [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)|Georg von Anhalt]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Briefwechsel-Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] und Leppin, Volker: Anknüpfung und Neuansatz: Fürst Georg III. auf dem Weg zur Reformation. In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde 17 (2008), Sonderband 500 Jahre Georg III. Fürst und Christ in Anhalt. Köthen 2008, S. 23-33.&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Philipp Melanchthon]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Melanchthon-Briefwechsel: [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online] sowie [[Rhein 2024]], S. 133-137.&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Veit Dietrich]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Klaus 1958]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Johannes Brenz]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[ThBW 1]], S. lxxii-lxxiv, lxxx, xcix, 16-18, 23-25, 70-72, 205-207. Zum Verhältnis von Brenz und C. vgl. Peters, Christian: Melanchthon und Brenz. Eine Freundschaft in Briefen. In: Johanna Loehr (Hrsg.), Dona Melanchthoniana. Festgabe für Heinz Scheible zum 70. Geburtstag. Stuttgart-Bad Cannstatt 2001, S. 277-311. Brenz und Camerarius lernten sich wohl nicht vor 1529 kennen, vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=827 MBW Nr. 827.3] vom 7.10.1529.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Erwähnte Person::David Chyträus]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Briefwechsel-David Chyträus]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gesonderte Betrachtung würden [[Erwähnte Person::Alexander Alesius]]&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Alesius vgl. [[Siegmund-Schultze 2005]], wo auch C. und Melanchthon gebührende Beachtung finden. Briefe des Alesius findet man u.a. in: [[München, BSB]], [http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111090-2 Clm 10358], fol. 139-141.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Erwähnte Person::Martin Luther]] verdienen. Letzterer muss einen ausgedehnten Briefwechsel mit Camerarius gepflegt haben, von dem jedoch nur noch wenige Zeugnisse existieren. So ist in den gedruckten Camerarius-Korrespondenzen nur der Brief an die Wittenberger Freunde ([[Erwähntes Werk::OCEp 1532]]) enthalten. Ferner schreibt [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius II.]] an seinen Sohn, dass zwischen Joachim und Luther viele Briefe ausgetauscht worden seien, von denen er (Ludwig) aber keinen mehr habe erlangen können.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Halm 1873]], S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Drei Briefe finden sich in Briefeditionen zu Luther. Sie offenbaren ein durchaus persönliches Verhältnis zwischen beiden. So erhält C. durch Melanchthon eine Brille von Luther und war davon sehr angetan; C. sendet Südfrüchte an Luther; und Luther schickt C. ein Empfehlungsschreiben für seinen Neffen.&amp;lt;ref&amp;gt;WA Luther 1883, Bd. 16; S.138: WA 1980: 1524: III,395; 1530: V,307-308 (Nr. 1562 vom 6.5.) und S. 540f. (Nr. 1679 vom 6.8.); 1541: IX,423. Zur Brille vgl. → [[Medizin_(CamLex)#Fieber,_Haut-_und_Augenleiden]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Luther hielt hohe Stücke auf die Bildung des Camerarius. So ist der Ausspruch überliefert: &#039;&#039;Hodie plures vivunt, qui sunt eruditiores Erasmo: Noster Philippus, Joachimus et reliqui.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Mathesius, [https://archive.org/details/lutherstischred00krokgoog/page/92/mode/2up Die Tischreden von 1540, S. 92, Nr. 51].&amp;lt;/ref&amp;gt; In einer undatierten Tischrede äußert er sich auch: &#039;&#039;Were ich so beredt vnd reich von Worten/ als Erasmus/ Vnd were im Griechischen so gelert als Joachimus Camerarius/ Vnd im Ebreischen also erfahren/ wie Forschemius/ Vnd were auch noch juenger/ ey/ wie wollte ich arbeiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Colloquia oder Tischreden D. Mart: Luthers ... Auffs newe Corrigieret. Hrsg. v. Joannes Aurifaber: [http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB000106F600000000 VD 16 L 6749, Bl. 2r.]. [[Germann 1894]], S. 44, liest &#039;&#039;Forstemius&#039;&#039; und bezieht diese Nennung auf [[Erwähnte Person::Johann Forster]]. Ebenso Martin Keßler: Viele Stimmen in der Summe. Die anonyme Flugschrift ,Warhafftig ursach das der leib Christi nitt inn der creatur des brots aber [...] im [...] hertzen der glaubigen sei‘ (Worms 1529 und Augsburg 1536). In: Gudrun Litz, Susanne Schenk, Volker Leppin (Hgg.): Vielstimmige Reformation in den Jahren 1530 – 1548. Ulm 2018, S. 103-129, hier S. 120, der aber trotzdem die Schreibung &#039;&#039;Forschemius&#039;&#039; wählt. Bei diesem Namen kann man auch an Camerarius&#039; Leipziger Lehrer [[Erwähnte Person::Georg Helt]] denken, der wegen seiner Herkunft aus Forchheim oft als &#039;&#039;Forchemius&#039;&#039; bezeichnet wird. Für ihn sind jedoch bisher keine Hebräisch-Kenntnisse nachgewiesen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine persönliche Bekanntschaft mit Luther führt Camerarius noch lange nach dessen Tod als Argument gegen innerprotestantische Widersacher ins Feld, die diesen nicht persönlich gekannt und daher nicht verstanden hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 1038]], [[Luther, Ad theologos Norimbergenses epistola, 1572]], Bl. A8v.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf katholischer Seite sind die Korrespondenzen mit [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Briefwechsel-Erasmus von Rotterdam]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Erwähnte Person::Julius von Pflug]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Rhein 2024]], S. 135.&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Erwähnte Person::Moritz von Hutten]] und [[Erwähnte Person::Daniel Stiebar von Rabeneck]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Briefwechsel-Daniel Stiebar von Rabeneck]]. Vgl. [[Mayer 1952]] und [[Wendehorst 1989]], S. 316f.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu nennen. Bei reformierten Theologen wie [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze|Theodor Beza]] ist insbesondere eine gründliche Untersuchung der handschriftlichen Briefe erforderlich. Dass diese nicht zeitnah gedruckt wurden, liegt an der religionspolitischen Brisanz, die allein ihre Existenz mit sich bringt: Nach dem energischen Vorgehen des sächsischen Kurfürsten August gegen die &amp;quot;Kryptocalvinisten&amp;quot; im Jahr 1574 war es für Camerarius&#039; Söhne sicher nicht opportun, Briefwechsel mit Calvinisten oder auch nur mit Philippisten zu drucken.&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl die Camerarius-Söhne sich nicht mehr im Kurfürstentum aufhielten, war [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.]] als kurfürstlicher Leibarzt (von Haus aus) noch gelegentlich in Sachsen (Vgl. Camerarius II. an Kurfürst August vom 13.01.1585 http://www.aerztebriefe.de/id/00063632). Zu Beza bestand reger Briefkontakt, vgl. die Beza-Korrespondenz und Schlegelmilch 2024 (in Vorbereitung).&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn Briefwechsel des Camerarius mit solchen Briefpartnern überhaupt gedruckt wurden, so geschah dies entweder noch zu Camerarius&#039; Lebzeiten ([[Melanchthon, Epistolae ad Camerarium, 1569]]), allerdings ohne Angabe des Korrespondenzpartners (vgl. die meisten Briefe an [[Briefpartner::Georg Cracow]]) oder nach Augusts Tod: Da dessen Sohn und Nachfolger [[Christian I. (Sachsen)]] eine Religionspolitik betrieb, die gegenüber dem Calvinismus freundlicher gestimmt war, konnten in der von den Camerarius-Söhnen besorgten [[Camerarius, Epistolae familiares, 1595|Edition von 1595]] auch nicht-anonymisierte Briefwechsel mit [[Briefpartner::Georg Cracow]] und [[Briefpartner::Hubert Languet]] erscheinen. Ob Camerarius mit [[Erwähnte Person::Johannes Calvin]] selbst Briefkontakte hatte, ist unbekannt; allerdings ist ein persönliches Treffen 1540 in [[Straßburg]] auf Einladung des [[Erwähnte Person::Wolfgang Capito]] belegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch der unitarische Christ (und mutmaßliche Antitrinitarier) Lelio Sozzini stand mit Camerarius in Verbindung, teilweise über Melanchthon.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5863 MBW Nr. 5863.3], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6276 6276.4].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gar nicht untersucht wurden hier bisher die Beziehungen zu Matthäus Alber&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Brief von Alber an Herzog Christoph vom 19.6.1560: Brief-ID 17748, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/17748. Zugriff am 27.12.2024: Alber bezeichnet C. als &amp;quot;mein allt bekhandter freindt&amp;quot;; vgl. auch [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW Nr. 6175].&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Erwähnte Person::Jakob Andreae]]&amp;lt;ref&amp;gt;Ein eher schlechtes Verhältnis zeigt ein Brief von Andreae an Selnecker vom 21.12.1570, Brief-ID 19795, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/19795. Zugriff am 27.12.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu [[Erwähnte Person::Justus Menius]] sowie zu den Leipziger Theologen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das enge Verhältnis, das Camerarius zu den Theologischen Fakultäten der Universitäten Leipzig und Wittenberg sicherlich gepflegt hat, ist außerhalb des Melanchthon-Briefwechsels nur sporadisch nachweisbar. Weitere Zeugnisse davon sind etwa die beiden autographen Konzepte vom 15.5.1551, in denen Camerarius im Namen der Leipziger Theologischen Fakultät zur Doktorpromotion der Kandidaten Wolfgang Pfendtner, [[Nikolaus Zipser]], Georg Schnell und Johannes Mencel einlädt. Adressaten sind im ersten Fall [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]], im zweiten die Wittenberger Theologen [[Philipp Melanchthon]], [[Johannes Bugenhagen]],&amp;lt;ref&amp;gt;Einen kurzen Nachruf auf Bugenhagen verfasste Camerarius in seiner [[Erwähntes Werk::OC 0775|Vita Melanchthonis]], vgl. [[Werner 2010]], S. 257f.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Georg Maior]] und [[Johann Forster]] sowie Magister [[Paul Eber]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Leipzig, UA]], Theol. Fak. 011, f. 5r-v und 10r-v bzw. f. 4r-v und 11r-v. Siehe [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6082a MBW Nr. 6082a] mit Anmerkung sowie Hasse 1997, S. 55f und 64.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus haben zahlreiche aus den Hunderten von Studenten, die Camerarius an der Nürnberger Oberen Schule bzw. an den Philosophischen Fakultäten in Tübingen und Leipzig ausgebildet hat, später den Weg in die Theologie eingeschlagen. Bezeichnend ist hier auch  ein Briefwechsel der Wittenberger und Leipziger Theologen zum Tod des Leipziger Superintendenten [[Johann Pfeffinger]]: Darin werden die besten Wünsche für die Gesundheit des &#039;&#039;praeceptor communis Ioachimus Camerarius&#039;&#039; übermittelt, der sich im Antwortschreiben dafür bedankt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Leipzig, UA]], Theol. Fak. 011, f. 51 (Theologische Fakultät Wittenberg an Theologische Fakultät Leipzig, 7.1.1573), und das Antwortschreiben ebda. 010, f. 326r-327r (Theologische Fakultät Leipzig an Theologische Fakultät Wittenberg, 10.1.1573), worin die Leipziger die Wünsche auf [[Erwähnte Person::Georg Maior]] ausdehnen: &#039;&#039;(oremus Deum, ut) reverendos atque clarissimos viros Dominum D. Georgium Maiorem, et Dominum Ioachimum Camerarium, patres et praeceptores nostros cum observantia colendos, quorum vel umbra plurimum rebus afflictis et perturbatis prodesse posse videtur, diu: sicut et vestras reverendas dignitates: salvos et incolumes conservet: Domino Praeceptori Ioachimo pergrata fuit salutatio vestra et iussit vos omnes et singulos suis verbis a nobis officiose resalutari.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche der hier Beteiligten dürften bereits zu einer Generation gehören, die die zentralen Ereignisse der Reformation nicht mehr miterlebt hat, und dürften bereits zur Epoche der Konfessionalisierung zu zählen sein. Camerarius begleitete somit mehrere Theologengenerationen und unterrichtete, bildlich gesprochen, die Kinder und Enkel der Reformatoren.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Kinder der Reformatoren im engeren Sinne studierten allerdings eher in Wittenberg als in Leipzig. Vgl. Spehr, Christopher: Reformatorenkinder. Frühneuzeitliche Lebensaufbrüche im Schatten bedeutender Väter. In: Lutherjahrbuch, 77 (2010), S. 183-219.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Vinzenz Gottlieb)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Theologische Schriften des Camerarius==&lt;br /&gt;
===Historische Theologie===&lt;br /&gt;
Joachim Camerarius war, wie er immer wieder betonte, kein (ausgebildeter) Theologe, sondern in erster Linie Philologe. Dementsprechend ist auch seine Herangehensweise an biblische und religionshistorische Themen oft eher eine philologisch-humanistische denn eine theologische. Dies wird schon früh bei seiner 1536 gedruckten ↓ [[#Camerarius&#039; lateinische Theodoret-Übersetzung - Philologie, nicht Theologie (1536)|&#039;&#039;&#039;Übersetzung von Theodorets Kirchengeschichte&#039;&#039;&#039;]] deutlich, die sich klar als philologisches Werk versteht und vor allem als historische Quelle dienen will, mit deren Hilfe gegenwärtige Missstände erkannt und &#039;geheilt&#039; werden sollen. Tatsächlich ist die historische Theologie ein Bereich, der es Camerarius ermöglicht, seine besonderen Kompetenzen als Philologe auf theologische Stoffe anzuwenden, ohne dabei die Grenzen zu einem Fachbereich zu überschreiten, der nicht der seine ist. So befassen sich auch seine ↓ [[#Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)|&#039;&#039;&#039;Biographien Jesu und der Apostel&#039;&#039;&#039;]] nicht mit theologischen, sondern mit historischen und philologischen Inhalten: Camerarius&#039; Ziel ist es nicht, selbst die christliche Lehre zu erklären, sondern sein Wissen über die antike Geschichte und Literatur einzusetzen, um das Verständnis dieser Lehre zu fördern; Camerarius möchte nicht selbst deuten, sondern er möchte mittels seiner philologischen Fähigkeiten anderen Gelehrten mit entsprechender theologischer Kompetenz die sachlichen Grundlagen liefern, die diese wiederum für die Deutung der Heiligen Schrift benötigen. Die Geschichtsschreibung und historische Biographistik ist nur eines der Mittel, derer er sich dazu bedient.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Biographien Jesu und der Apostel waren dabei ein langfristiges Projekt, an dem Camerarius seit dem Ende des Schmalkaldischen Krieges arbeitete; bis zur Publikation im Jahr 1566 sollten noch zwanzig Jahre vergehen, in denen er sich intensiv mit den historischen Hintergründen des frühen Christentums beschäftigte. Diese Forschungen kulminierten 1561 in der Publikation seiner als historisches Handbuch gedachten ↓ [[#Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)|&#039;&#039;&#039;lateinischen Übersetzung von Nikephoros&#039; &amp;quot;Chronologia&amp;quot;&#039;&#039;&#039;]]. In der Zwischenzeit erschien außerdem aus aktuellem Anlass zum Konzil von Trient in Erstauflage 1552 und in zweiter, erweiterter Auflage dann 1561 zusammen mit der &amp;quot;Chronologia&amp;quot; ein ↓ [[#Altes aktualisiert - Konziliengeschichte (1552)|&#039;&#039;&#039;Band zum Konzil vom Nicäa und den anderen ökumenischen Konzilien&#039;&#039;&#039;]]. Hier zeigt sich - wie bereits bei der frühen Theodoret-Übersetzung - Camerarius&#039; Bestreben, antikes Wissen zu aktualisieren und für die Gegenwart nutzbar zu machen; bei der Arbeit zu Nikephoros ebenso wie in der Konziliengeschichte und in den Biographien ist es besonders die Chronologie, die Camerarius&#039; Interesse auf sich zieht.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ganz der Gegenwart und der Zeitgeschichte wandte sich Camerarius schließlich gegen Ende seines Lebens zu: So führten wiederholte Kontakte zu den Böhmischen Brüdern, einer aus den Hussiten des 15. Jahrhunderts hervorgegangenen Bewegung, zu einer eingehenderen Beschäftigung mit deren Geschichte und Lehre. Aus konkretem Anlass entstand so der Entwurf zu einer ↓ [[#Zeitgeschichte - Camerarius&#039; Geschichte der Böhmischen Brüder (1605)|&#039;&#039;&#039;Geschichte der Böhmischen Brüder&#039;&#039;&#039;]], die erst posthum im Druck erschien und starke apologetische Züge trägt. Auch bei diesem Werk scheint jedoch Camerarius&#039; klassische Bildung offensichtlich durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Camerarius&#039; lateinische Theodoret-Übersetzung - Philologie, nicht Theologie (1536)====&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; primär philologische Ausrichtung zeigt sich schon früh bei seiner Übersetzung des Kirchenhistorikers [[Erwähnte Person::Theodoret]]. Glaubt man Camerarius&#039; [[Erwähntes Werk::OCEp 1468|Widmungsbrief]] an [[Erwähnte Person::Justus Jonas]], war es wie auch in anderen Fällen seine schlechte Gesundheit, die den Anstoß zu seiner Beschäftigung mit Theodoret gab:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1468]]. Wenn Camerarius krank im Bett lag, pflegte er zu lesen; die daraus resultierende intensive Beschäftigung mit einem Stoff äußerte sich in der Folge immer wieder in literarischer Produktivität. Vgl. hierzu → [[Medizin (CamLex)#Krankheit als Impulsgeber|&#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039;]]. So führte eine Krankheit 1538 letztlich zur Abfassung und Publikation mehrerer hippologischer Schriften (→ [[Naturkunde (CamLex)#Die hippologischen Schriften – Camerarius&#039; Steckenpferd?|&#039;&#039;&#039;Naturkunde&#039;&#039;&#039;]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1535&amp;lt;ref&amp;gt;Der Brief ist ohne Jahresangabe auf den 13. August datiert. Die Übersetzung entstand laut dem Brief in demselben Sommer. Der Druck erschien laut Titelblatt 1536. Philipp Melanchthon bedankt sich schon im Februar 1536 für Camerarius&#039; bereits erfolgte Übersetzungsarbeit und freut sich über dessen Vorhaben, sie Justus Jonas zu widmen (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 1694), der Druck liegt ihm aber offenbar noch nicht vor. Als Entstehungsjahr der Übersetzung und damit auch des Widmungsbriefes ergibt sich somit 1535; dies deckt sich auch mit dem Absendeort Nürnberg (vgl. [[Itinerar]]). (Eine noch frühere Datierung des Briefes erscheint dagegen aufgrund des dann sehr großen Abstandes zum Druck unplausibel.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
habe er wieder einmal krank zu Bett gelegen, vermutlich aufgrund seines langjährigen offenen Geschwürs am Fuß, das ihn zu dieser Zeit stark beeinträchtigte (→ [[Medizin (CamLex)#Malum pedis inveteratum – Ein hartnäckiges Geschwür|&#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039;]]); bei dieser Gelegenheit habe er in einem Buch gelesen, das sowohl eine griechische Edition von Theodorets Kirchengeschichte als auch Teile einer lateinischen Übersetzung derselben durch [[Erwähnte Person::Epiphanius Scholasticus]] enthalten habe (es muss sich um das [[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535|Kompendium zur Kirchengeschichte]] handeln, das [[Erwähnte Person::Beatus Rhenanus]] soeben 1535 in Basel herausgegeben hatte&amp;lt;ref&amp;gt;1535 erschien in Basel, Léon Parmentier zufolge auf Basis des &#039;&#039;Codex Basilensis A III 18&#039;&#039;, die &#039;&#039;Editio princeps&#039;&#039; von Theodorets Kirchengeschichte; der Codex wurde selbst für den Druck benutzt und dazu die Blattbindung gelöst (vgl. [[Parmentier 1911]], X und LXVI). Die Edition selbst wurde schon 1535 ohne eigenes Vorwort in Rhenanus&#039; Kompendium eingebunden, das außerdem Fragmente von Epiphanius&#039; Übersetzung als Teile der &amp;quot;Historia Tripartita&amp;quot; enthielt; Parmentier sind jedoch auch Exemplare bekannt, in denen sie mit Camerarius&#039; Übersetzung zusammengebunden ist, die immerhin bereits ein Jahr später ebenfalls in Basel erschien (vgl. ebd., LXVI).&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
Auf das Drängen von Freunden, die bei ihn während der Krankheit besuchten, darunter [[Erwähnte Person::Johann Mylius]], habe er mit der Übersetzung des Werks ins Lateinische begonnen: Die Version des Epiphanius, dem Camerarius &#039;&#039;barbaries&#039;&#039;, &#039;&#039;inscitia&#039;&#039; und &#039;&#039;somnolentia&#039;&#039; zuschreibt (Bl. α2r), habe sowohl Mylius als auch er selbst als völlig nutzlos erkannt, da Epiphanius vermutlich bereits eine spätere Sprachstufe des Griechischen gebrauchte und daher mit der älteren Form Theodorets weniger vertraut gewesen sei als Camerarius, der das Griechische von den besten (d.h. von den klassischen) Autoren und dem hervorragenden [[Erwähnte Person::Georg Helt]] gelernt habe. Camerarius habe sich beim Lesen gar die Frage gestellt, wie es sein könne, dass einem Griechen nicht nur die lateinische, sondern gar seine eigene Sprache so fremd sei!&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1468]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], Bl. A2r/v. Was Camerarius meint, wenn er Epiphanius&#039; Kenntnis des Griechischen so kritisiert, verdeutlicht wohl bereits einer der ersten Ausschnitte aus Theodoret, den Epiphanius übersetzt hat. Im griechischen Text heißt es hier: Ἤκουσεν γὰρ τοῦ θείου νόμου βοῶντος· ἐὰν ... ([[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], Bl. αa2v). Theodoret verwendet also klassisch griechisch das Verb ἀκούειν mit folgendem Genitiv und Partizip. Epiphanius übersetzt hier jedoch: &#039;&#039;Audiverat enim clamante divina lege: Si ...&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 283). Die Partizipialkonstruktion im Genitiv deutet er also nicht als Objekt des Verbs ἀκούειν, das lateinisch als Akkusativobjekt zu &#039;&#039;audire&#039;&#039; wiederzugeben wäre, sondern als Genitivus absolutus, den er dann folgerichtig als Ablativus absolutus ins Lateinische überträgt. Camerarius übersetzt korrekt: &#039;&#039;Audierat enim divinam legem clamantem: Si...&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 4).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur wenige Zeilen später heißt es im Griechischen: [Βιτάλιος] καἰ τὴν ἐν τῇ παλαιᾷ καταλυθεῖσαν ὑπὸ τῶν τυράννων, ᾠκοδόμησεν ἐκκλησίαν ([[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], Bl. αa2v). Epiphanius bietet hierfür: &#039;&#039;[Vitalius] etiam antiquam ex multis temporibus destructam a tyrannis aedificavit ecclesiam&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 283), Camerarius dagegen: &#039;&#039;Vitalius ... extruxit in antiqua urbe dirutam a tyrannis ecclesiam&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 4). Während Camerarius also ἐν τῇ παλαιᾷ korrekt als Ortsangabe (&amp;quot;in der Altstadt&amp;quot;) versteht, übersetzt Epiphanius als hätte er stattdessen bloßes παλαιάν vorliegen; was sich leicht durch eine alternative Textgestalt erklären lässt (vgl. die Anmerkungen bei [[Parmentier 1911]], S. 7), mag auf Camerarius als Fehler gewirkt haben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es handelt sich bei Camerarius&#039; Übersetzung offenbar um ein recht kurzfristiges Unterfangen: Da er sie als Produkt langer Sommertage (&#039;&#039;opella aestivalium dierum longarum&#039;&#039;, Bl. A3v) bezeichnet, ist anzunehmen, dass sie tatsächlich in den Sommermonaten des Jahres 1535 entstand, mutmaßlich noch vor Verfassen des Widmungsbriefes, der auf den 13. August datiert ist. Die Übersetzung wurde schließlich 1536 gedruckt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Neben dem lateinischen Text enthält sie an einzelnen Stellen Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge zur griechischen Textgestalt in Form von Marginalien. Camerarius&#039; Übertragung ist freier als die des Epiphanius; während letzterer sich stets bemüht, nah am griechischen Text zu bleiben und dafür häufig zu griechischen Fremdwörtern (&#039;&#039;scandalizare&#039;&#039; für σκανδαλίζειν, &#039;&#039;zelus&#039;&#039; für ζῆλος) und gräzisierender Syntax greift (&#039;&#039;Post quem Philogonius Pontificatum sumens ...&#039;&#039; für Φιλογόνιος δὲ μετὰ τοῦτον τὴν προεδρείαν λαβῶν),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 283f. für das Lateinische, ebd., Bl. αa2v für das Griechische.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
verwendet Camerarius lateinische Ausdrücke (&#039;&#039;offendiculo esse&#039;&#039;, &#039;&#039;fervor&#039;&#039;) und zielsprachenorientierte Syntax (&#039;&#039;quem excipiens Philogonius ...&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 4f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich korrigiert Camerarius auch Verständnisfehler des Epiphanius (so übersetzt Epiphanius Genitiv und Partizip nach ἀκούειν mit einer Kombination von &#039;&#039;audire&#039;&#039; und Ablativus absolutus, wohingegen Camerarius korrekt ein Genitivobjekt erkennt, s.o. Anm.) und arbeitet semantisch genauer (für &#039;&#039;&#039;παντοδαποῖς&#039;&#039;&#039; κοσμούμενος ἀγαθοῖς hat Epiphanius &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;omnibus&#039;&#039;&#039; bonis ornatus&#039;&#039;, Camerarius &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;multiplicibus&#039;&#039;&#039; bonis ornatus&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 284 für Epiphanius, ebd., Bl. αa2v für das Griechische, [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 5 für Camerarius.&amp;lt;/ref&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius bezeichnet seine Übersetzung ausdrücklich als philologische, nicht theologische Arbeit: Auf das Gebiet der Theologie habe er sich nicht begeben und er werde es auch nur unter Zwang tun. Jeder, nicht nur Theologen, sollten sich an seiner Arbeit erfreuen, gerade in einer Zeit, in der die von Theodoret beschriebenen Laster in allzu ähnlicher Form wieder aufträten; das Werk solle zu deren Heilung dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1468]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], Bl. A3r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außerdem betont er den Wert seiner Übersetzung als geschichtliche Quelle, da die bisherigen Übersetzungen und Parallelberichte die Ereignisse zeitlich durcheinandergebracht hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;In der Folge kritisiert Camerarius besonders Rufinus&#039; &amp;quot;Historia Ecclesiastica&amp;quot; sowie namentlich nicht genannte Theodoretübersetzer.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Eine Folge davon sei etwa, dass man allgemein annehme, der Häretiker Arius sei unter Kaiser Constantius gestorben; Theodoret schreibe aber klar und deutlich, dass sein Tod unter Kaiser [[Erwähnte Person::Konstantin der Große|Konstantin]] erfolgt sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0194]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 28 in Camerarius&#039; Übersetzung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entsprechend sei entweder Theodoret unglaubwürdig oder Rufinus (von Aquileia) sowie die Übersetzer Theodorets, von denen die verbreitete Interpretation stammte, hätten ungenau gearbeitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Rufinus&#039; Version der Erzählung, in der Arius&#039; Tod in der Tat nach dem des Konstantin eingeordnet ist, vgl. [[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 229.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von Äußerungen zu theologischen Inhalten sieht Camerarius ab und nimmt hier als Übersetzer eine neutrale Position ein; dies wohl auch, um sich nicht angreifbar zu machen, falls mancher Theologe sich durch Theodorets Aussagen oder Camerarius&#039; Übersetzung derselben provoziert fühlen sollte. Auch die beiden Werbegedichte in drei griechischen und sieben lateinischen Distichen, die er im Anschluss an die Widmung dem Hauptwerk voranstellt, betonen vor allem den Quellenwert von Theodorets Werk, das die Geschichte von Gottes Volk erzähle:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0196]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], Bl. a1r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es behandle eine Zeit, für die sonst wenige Quellen existieren; auch wenn es seine Mängel habe, sei es daher dennoch von größtem Wert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0195]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], Bl. a1r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die eigentliche lateinische Übersetzung von Theodorets Kirchengeschichte begleiten darüber hinaus mehrere kleinere Werke mit erläuternden Inhalten; auch diese unterstreichen die Funktion des Bandes als Geschichtswerk, indem sie Verständnishilfen und Hintergrundinformationen liefern. Unter diesen finden sich Kurzbiographien der Kaiser von Konstantin bis Theodosius II., der Bischöfe und weiterer Theologen, kurze Erläuterungen zu den in der &amp;quot;Historia Ecclesiastica&amp;quot; erwähnten Häresien sowie zwei kurze Traktate zum Unterschied zwischen den lateinischen Begriffen &#039;&#039;substantia&#039;&#039; und &#039;&#039;essentia&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Streckenbeschreibung des [[Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536|Drucks von 1536]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; Übersetzung scheint recht beliebt gewesen zu sein. Philipp Melanchthon bedankt sich im Februar 1536 für die geleistete Arbeit und zeigt sich über die geplante Widmung an Justus Jonas erfreut.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 1694: &#039;&#039;De Theodorito verso gratiam tibi habeo. Est et illud mihi gratissimum, quod Ionae dedicas, sic enim intellexi tuas literas. Amo enim Ionam et candorem ac fidem ei tribuo. Scio eum et de tuo ingenio tuisque virtutibus honorifice sentire.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ebenso bestätigen die häufigen Neuauflagen die Beliebtheit des Textes: Während Beatus Rhenanus&#039; Band zur Kirchengeschichte in der Auflage von 1535 noch den griechischen Theodoret abdruckte und als einzige Übersetzungsversatzstücke die des Epiphanius Scholasticus aus der &amp;quot;Historia Tripartita&amp;quot; bot, enthalten die sieben zwischen 1539 und 1570 publizierten Neuauflagen zunächst beide Texte und später dann nur noch die vollständige Übersetzung des Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1539]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1544]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1549]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1554]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1557]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1562]] und [[Eusebius, Ecclesiastica historia, 1570]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altes aktualisiert - Konziliengeschichte (1552)====&lt;br /&gt;
=====Nicäa und Trient - Das Werk im zeitlichen Kontext=====&lt;br /&gt;
Wie es schon bei Camerarius&#039; Theodoret-Übersetzung ein Anliegen war, mit antikem Wissen gegenwärtige Missstände zu beheben, so sollte auch sein dem katholischen Erzbischof von Riga [[Erwähnte Person::Wilhelm (Brandenburg-Ansbach-Kulmbach)|Wilhelm von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach]] gewidmetes [[Erwähntes Werk::OC 0573|Werk über das Konzil von Nicäa]] ein antikes Exemplum für eine gegenwärtige Problemstellung liefern; das Werk erschien im Vorlauf des Konzils von Trient wohl bereits Ende 1551, auch wenn der Druck 1552 als Druckjahr nennt.&amp;lt;ref&amp;gt;Für Erscheinungsdaten nach der Leipziger Herbstmesse ist das so üblich.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Angesichts des bevorstehenden Konzils habe Camerarius sich über dessen Ablauf und möglichen Ausgang Gedanken gemacht und beschlossen, einen antiken Präzedenzfall zu suchen, auf dessen Basis sich Folgerungen für das potentielle Ergebnis des aktuellen Konzils treffen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Cogitanti mihi in his synodi Oecumenicae molitionibus, quae longo iam tempore sunt in manibus, quid aut ordine et recte futurum, aut de eventu sperandum esse videatur, venit in mentem ut exemplum aliquod requirerem similium consiliorum et actionum, de quo coniecturam facere, et quasi divinare possemus, quem exitum hae quoque res habiturae essent&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 3f.).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jedoch habe er feststellen müssen, dass solche religionspolitischen Bemühungen seit Anbeginn der christlichen Kirche allzu oft in großen Übeln für die Gesellschaft endeten; besonders verschärft habe sich dieses Problem, seitdem der geistliche Stand auch weltliche Macht erlangt habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 4f. Als Beispiel für das verderbliche Machtstreben des kirchlichen Standes führt Camerarius besonders das Abendländische Schisma an.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Daher habe er beschlossen, auf die vergleichende Vorhersage zu verzichten und den Ausgang der gegenwärtigen Bemühungen Gott zu überlassen; stattdessen wolle er aufzeigen, was in der Vergangenheit richtig gemacht wurde (&#039;&#039;quid rectiss[ime] et praeclariss[ime] factum esse iis temporibus videretur&#039;&#039;, S. 4). Das beste Beispiel lobenswerter und erfolgreicher Bemühungen um Klärung und Einigung sei aber das Konzil von Nicäa, in dem es ebenfalls um Uneinigkeiten im Dogma ging. Mit einer Beschreibung der damaligen Ereignisse hoffe er, die Leser - und wohl auch den katholischen Widmungsempfänger - zur Sorge um den rechten Glauben zu bewegen, da nur eine Neuausrichtung der Kirche &#039;&#039;in toto&#039;&#039; diese vor dem Untergang bewahren könne und die Nutznießer des Status quo zu allen erdenklichen Mitteln griffen, um diesen zu bewahren. Die um den wahren Glauben Bemühten müssten daher auf die richtigen Architekten der neuen Ordnung setzen und nicht auf diejenigen, denen die gegenwärtigen Zustände nützten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Richtschnur sollten dabei nicht Waffengewalt, sondern Recht und göttliche Wahrheit gelten. Der Weg zur Einigung, so Camerarius&#039; ganz persönlicher Ratschlag, führe über die Rückbesinnung auf die gemeinsamen, wohlbekannten religiösen Grundlagen und eine darauf aufbauende Reinigung von den Lastern; erst wenn diese Basis wieder vorhanden sei, solle man über tiefergehende Fragestellungen verhandeln. Dies sei freilich leichter gesagt als getan.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 22f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei äußert Camerarius einen Gedanken, der auch später für das programmatische Vorgehen in der ↓ [[#Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)|&#039;&#039;&#039;Jesus-Biographie&#039;&#039;&#039;]] wieder zentral werden wird: Menschliche Vernunft und Glaube seien einander unverträglich; wahre Frömmigkeit folge der offenbarten himmlischen Wahrheit, ohne diese zu hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 61: &#039;&#039;Verum ... religiosa pietas ... sequitur doctrinam coelestem, et huic fidem habet non scientiae humanae, sed piae fidei: Et quae divina sunt, ea neque callide cogitando, neque audacter pronuntiando profanare sustinet.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich betont Camerarius den Wert der Bildung in den &#039;&#039;artes&#039;&#039; zum Verständnis der christlichen Lehre, denn die Geschichte zeige, dass ein Bildungsdefizit eher zum Festhalten an Fehllehren als zu deren Beseitigung führe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am Beispiel der Bestimmung des Osterdatums, das nicht für den rechten Glauben an sich, sondern nur für die Festlegung der Zeremonien notwendig sei, zeigt Camerarius auf, dass es nicht zielführend sei, sich in nichtessentiellen Inhalten (&#039;&#039;de non necessariis rebus&#039;&#039;) dem Willen der Mehrheit zu widersetzen, und positioniert sich damit im Kontext des Adiaphoristischen Streits ([[#1547 bis 1553|&#039;&#039;&#039;s.o.&#039;&#039;&#039;]]) auf der Seite Melanchthons; dieses Ergebnis will er wohl auch als Devise für das kommende Konzil verstanden wissen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 129ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Werk schließt, nachdem es zuvor bereits in einem Einschub einen Vorausblick auf folgende Konzilien gegeben hatte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 86-90.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
mit einer konzisen Rückschau auf die innerchristlichen Streitigkeiten und ihre Lösungsversuche seit dem Apostelkonzil. Die ersten hundert Jahre der Kirche stellt Camerarius dabei als harmonische Blütezeit dar, in der die Kirche nicht danach strebte, Regeln und Richtlinien zu kumulieren, sondern wahren Glauben zu demonstrieren; diverse Häresien führten anschließend immer wieder zu Uneinigkeit. Auch das Konzil von Nicäa brachte keine dauerhafte Lösung aller Streitigkeiten, sodass weitere Synoden und Konzilien folgten. Mit dem Konzil von Konstantinopel des Jahres 360, das die Begriffe οὐσία und ὑπόστασις ganz vermied, nachdem sie immer wieder Anlass zu Konflikten gegeben hatten, endet die Zusammenschau. Nach diesem hätten Elend und Unheil (&#039;&#039;miseria et calamitas&#039;&#039;) den Erdkreis heimgesucht und der größte Teil der Welt sei Irrlehren (&#039;&#039;tenebrae impietatis et errorum&#039;&#039;), der Rest aber dem Aberglauben (&#039;&#039;superstitio&#039;&#039;) anheimgefallen. Von der jüngeren Vergangenheit und dem, was komme, wolle Camerarius schweigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 154ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Geschichte und Chronologie - Der Werkverbund=====&lt;br /&gt;
Die eigentliche Geschichte des Konzils von Nicäa wird in der Erstauflage von zwei kleineren Werken begleitet: Bei dem ersten davon handelt es sich um eine kurze [[Erwähntes Werk::OC 0571|tabellarische Chronologie]] wichtiger Ereignisse angefangen beim nicänischen Konzil bis zum Konzil von Trient; diese, so hoffe Camerarius, werde sich bei der Lektüre des Werks als nützlich erweisen. Der Tabelle vorangestellt ist eine knappe Vorbemerkung, in der sich Camerarius skeptisch bezüglich der Möglichkeit exakter Datierungen lange zurückliegender Ereignisse zeigt, da es oft an den notwendigen Quellen fehle: So seien etwa die Aufzeichnungen der Römer bei der Plünderung Roms durch die Gallier 387 v.Chr. vernichtet worden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0571]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; Ausführungen scheinen eine längere Debatte zwischen ihm und Philipp Melanchthon zu reflektieren: Dieser stimmt in einem Brief von September 1553 Camerarius zu, dass exakte Datierungen oft nicht möglich seien, argumentiert aber, dass man sich manchmal mit der bestmöglichen Näherung zufrieden geben müsse: Dies tue selbst die sonst für ihre mathematische Exaktheit bekannte Astrologie. Melanchthon pflege oft, wenn er spreche, um der Klarheit willen vorgefundene Informationen unhinterfragt zu wiederholen; zwar seien Unwahrheiten nach Möglichkeit zu vermeiden - wenngleich sie bisweilen nützlich sein könnten -, doch betreffe dies vor allem das geschriebene Wort.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 6977: &#039;&#039;S. D. De indiciis temporum, quae ob caussas tibi notas et saepe a me commemoratas crebro usurpo, scribis non arbitrari te, quod possint certo dies negotii aut casus ullius demonstrari, cum de annis quoque dubitationes non careant ratione, et, quid exquisitae notationi obstet, prudenter colligis. Ego vero, quamvis sciam non posse praecise quicquam in hoc genere definiri, tamen utile duco quam proxime exquisita tempora habere in promtu. Scis astrologos quoque interdum contentos esse&#039;&#039; τῷ ἔγγιστα&#039;&#039;, cum disciplina illa nitatur scientia geometriae, cuius demonstrationes firmissimae putantur, et cogere assensum, ut proverbio etiam locum dederint &#039;&#039;»ἀνάγκαι γεωµετρικαί«&#039;&#039;. Meus autem mos tibi non est ignotus, de quo memini te aliquando argumentari, in fugiendo ambages et dubitationes, quatenus fieri potest, et diserte aliquid exponendo et, quemadmodum dicere soleo,&#039;&#039; κατηγορικῶς&#039;&#039;. Itaque et narro ista forma etiam ea, de quibus fortasse alii aliter. Mihi enim scripta aut dicta refero&#039;&#039; οὐδὲν ὑπολογιζόµενος τὴν κατάφασιν ἢ ἀπόφασιν&#039;&#039;. Iam, scio, repetes tecum id, quod nuper dicebas: videndum tamen, ne quid forte falso affirmetur. Hoc illi videant, qui autores sunt. Et interdum falsa quoque disseminari et fabulas utiles narrari prodest. Ego quidem nihil comminiscor. In recitando si minus iudicor timidus vel nimis etiam confidens, detur venia simplicitati meae aut feratur etiam istud vitium. De his igitur satis.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei dem zweiten angehängten Werk handelt es sich um eine [[Erwähntes Werk::OC 0572|lateinische Übersetzung]] des letzten Abschnitts des Traktats &amp;quot;De spiritu sancto&amp;quot; (Περὶ τοῦ ἁγίου πνεύματος, 30, 76-79) von [[Erwähnte Person::Basilius der Große|Basilius von Caesarea]], in dem dieser den deplorablen Zustand der von Zwietracht zerrissenen Kirche beschreibt. Der Text füllt zum einen die letzte Lage des Bandes, ist zum anderen aber allgemein genug gehalten, dass er vom Leser wohl - ganz im Sinne von Camerarius&#039; Ziel, antikes Wissen für die Gegenwart nutzbar zu machen - auch auf die Lage der Kirche zu Camerarius&#039; Zeit bezogen werden konnte und sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0572]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Die Rezeption - Camerarius als sein eigener Multiplikator=====&lt;br /&gt;
Camerarius sandte Exemplare des Drucks bald nach Fertigstellung an seine Freunde: [[Erwähnte Person::Christoph von Karlowitz]] erhielt am 10.01.1552 eine Ausgabe;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0491]] und [[Woitkowitz 2003]], S. 233-237.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
möglicherweise gab er sie in der Folge weiter, jedenfalls bemüht sich Camerarius am 30.03.1554 noch einmal um ein Exemplar für Karlowitz. Daneben lässt Camerarius Pläne für ein weiteres Werk verlauten, das sich mit der Synode von Ephesus und deren Streitpunkten beschäftigen solle, da ihre Inhalte in der Gegenwart wieder relevant seien.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0917]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein entsprechendes Werk ist nicht bekannt, die Äußerung verdeutlicht aber erneut die Zielsetzung vieler von Camerarius&#039; Werken.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei der Verbreitung seines Werks sorgte Camerarius auch selbst dafür, dass dieses die richtigen Personen, gegebenenfalls auch auf altgläubiger Seite erreichte: Nicht nur ist der Widmungsempfänger ein katholischer Bischof; auch der mit Camerarius eng befreundete (altgläubige) Würzburger Domherr [[Erwähnte Person::Daniel Stiebar von Rabeneck]] erhält bereits am 29.12.1551 ein Exemplar der &amp;quot;Historia&amp;quot; mit der expliziten Bitte, es nach der Lektüre an den (ebenfalls katholischen) Bischof von Eichstätt [[Erwähnte Person::Moritz von Hutten]] weiterzusenden; Stiebar werde dann noch einmal ein eigenes Exemplar erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1058]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch der lutherische Theologe [[Erwähnte Person::Johannes Brenz]], der tatsächlich in Trient anwesend war, las das Werk auf der Reise zum Konzil, wie er Camerarius am 27.04.1552 berichtet; er habe die Lektüre genossen und fordere Camerarius dazu auf, mit weiteren ähnlichen Zeugnissen seiner Rechtgläubigkeit der Kirche zu dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://thbw.hadw-bw.de/brief/15501 THBW 15501]: &#039;&#039;In itinere ad Tridentum legimus etiam equitantes tuam Nicaenam historiam ac multum ea delectati sumus. Facies ecclesiae rem gratissimam, si talibus monumentis tuam ei fidem probare perges.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Neuauflage - Das Werk wird zum Anhang=====&lt;br /&gt;
Mit der [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561|Neuauflage]] des Werkverbundes von 1561 wurde dieser einerseits um ein weiteres kurzes Werk erweitert; andererseits wurde er nun selbst zur Appendix: In der Ausgabe von 1561 wird die Konziliengeschichte nämlich an Camerarius&#039; etwa doppelt so lange [[Erwähntes Werk::OC 0677|lateinische Ausgabe von Nikephoros&#039; &amp;quot;Chronologia&amp;quot;]] angefügt, die Camerarius in &amp;quot;De chronicis&amp;quot; angekündigt und nun nach langer Arbeit fertiggestellt hatte ([[#Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)|&#039;&#039;&#039;s. den nächsten Abschnitt&#039;&#039;&#039;]]). Diese lange Beschäftigung mit Chronologie und Datierungen war denn vermutlich auch der Anlass zu der kurzen, neu am Ende angefügten [[Erwähntes Werk::OC 0676|chronologischen Darstellung zu den Ökumenischen Konzilien]]: Zwar gab die eigentliche &amp;quot;Historia&amp;quot; bereits einen groben Überblick über Konzilien und Synoden auch nach Nicäa&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 85-90.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und auch die kurze Schrift &amp;quot;De chronicis&amp;quot; lieferte bereits eine grundständige tabellarische Chronologie bis in Camerarius&#039; Gegenwart; das neue Werk geht jedoch spezifisch auf den Begriff der Ökumenischen Konzilien ein und gibt einen Überblick über deren Streitfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Camerarius zählt acht oder neun Ökumenische Konzilien: Dabei äußert er Zweifel daran, dass Konstantinopel IV (869/870) als achtes Ökumenisches Konzil bezeichnet werden kann; als nächstes Konzil mit einem Anspruch auf Ökumenizität, den er weder bejaht noch verneint, bezeichnet Camerarius das Konzil von Konstanz (1414-1418).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der dritte Fokus der neuen Schrift liegt, wie schon der Titel &amp;quot;De synodis oecumenicis, et harum temporibus atque praecipuis negotiis&amp;quot; nahelegt, auf der zeitlichen Einordnung der Konzilien, die nun mit dem fertiggestellten Nikephoros als Basis sehr viel besser möglich war als zu Zeiten der ersten Auflage.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0676]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 219-223.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)====&lt;br /&gt;
=====Hintergrund - Nikephoros als Vorarbeit zu Jesus=====&lt;br /&gt;
In seinem [[Erwähntes Werk::OC 0678|Vorwort]] zur &amp;quot;Chronologia&amp;quot; des [[Erwähnte Person::Nikephoros I. (Patriarch)|Nikephoros]] unterscheidet Camerarius zwei Arten von Geschichtsschreibung: Zum einen die von den Griechen als ἱστορία πραγματική bezeichnete Form, die eigentliche Geschichtsschreibung im modernen Sinne, die chronologisch geordnet in fortlaufender Form von Ereignissen berichtet und Hintergründe, Motivationen, das Auftreten von Personen und die Folgen von Ereignissen behandelt. Auf der anderen Seite steht für Camerarius die Biographie, die sich einen einzelnen Aspekt, das Leben einer Person, herausgreift und ausführlich darstellt. Beide Arten von Geschichtsschreibung haben laut Camerarius ihre Verdienste: die größere Form sei erhabener (&#039;&#039;speciosum atque magnificum&#039;&#039;), doch die Biographie eigne sich besser zur Darstellung von &#039;&#039;exempla&#039;&#039; und sei unterhaltsamer zu lesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0678]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Zuge des Schmalkaldischen Krieges musste Camerarius seine Pläne für eine [[Erwähntes Werk::Camerarius, De eloquentibus Graeciae, (unvollendet)|Darstellung zu den griechischen Rednern]] im Sinne der zweiten Gattung aufgeben. Nach Ende der Kriegswirren entschloss er sich dann stattdessen, über Jesus und die Apostel zu schreiben (↓ [[#Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)|&#039;&#039;&#039;Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)&#039;&#039;&#039;]]). Da jedoch hierfür die Klärung gewisser Datierungsfragen eine essentielle Voraussetzung war, machte sich Camerarius zunächst daran, die historischen Ereignisse in eine konsistente und plausible zeitliche Ordnung zu bringen (&#039;&#039;ut collatis iis scriptis quae isto in genere potuissem conquirere, seriem quandam consentaneam, atque verisimilem maxime, designarem&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0678]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Zuge dieser Arbeiten stieß er auf die &amp;quot;Chronologia&amp;quot; des [[Erwähnte Person::Nikephoros I. (Patriarch)|Nikephoros]],&amp;lt;ref&amp;gt;Über den Autor war Camerarius nach eigenem Zeugnis nicht mehr bekannt, als dass er Patriarch gewesen und von [[Erwähnte Person::Nikephoros Kallistu Xanthopulos]] zu unterscheiden war (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1501]], dat. 19.08.1572).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
die in einem [[Epiphanios von Salamis, Κατὰ αἱρέσεων ὀγδοήκοντα, 1544|Epiphanius-Codex]] des [[Erwähnte Person::Johann Lange (Theologe)|Johann Lange]] enthalten gewesen war: Diesen kannte Melanchthon bereits seit den 1530er Jahren, Camerarius bekam ihn spätestens 1542 zur Weiterleitung an [[Erwähnte Person::Johann Oporinus]] in die Hände&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Clemen 1912a]], 52f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und konnte für die Arbeit an Nikephoros auch später noch einmal darauf zugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Cum autem hoc [sc. Epiphanio&#039;&#039; oder &#039;&#039;opere Epiphanii], pro veteri necessitudine nostra [sc. cum Iohanni Lange] tunc quoque perquam familiariter uti concederetur, viro non modo dignitate et doctrina, sed humanitate etiam praestante, sumpsimus ab ipso et hunc [sc. Nicephori] librum&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0678]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 17).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Quellenarbeit erwies sich allerdings als schwierig, und so zog sich das, was als Recherche für die Jesus-Vita begonnen hatte, über lange Zeit hin und wurde zu einem eigenen Werk:&amp;lt;ref&amp;gt;Von Verzögerungen bei der Arbeit am Nikephoros berichtet Camerarius bereits 1552 in dem kurzen Werk [[Erwähntes Werk::Camerarius, De chronicis, 1552|&amp;quot;De chronicis&amp;quot;]] (vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0571]], [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Übersetzungsarbeit am Nikephoros fielen Camerarius viele Fehler auf, bedingt teils durch den Autor selbst, teils durch die Überlieferung. Trotz dessen und trotz des wenig ausgefeilten Stils des Werks beschloss er, eine Übersetzung zu publizieren, um den Gelehrten ein kurzes und konzises Überblickswerk an die Hand zu geben, zumal ihm keine vergleichbare Schrift bekannt war. Früh begann er damals auch schon mit der Annotation des Werks: So lassen sich einige von Camerarius&#039; Anmerkungen auf die Zeit unmittelbar nach dem Schmalkaldischen Krieg datieren. Aufgrund seiner intermittierenden Arbeitsweise verzögerte sich jedoch die Arbeit; zudem feilte er seine Anmerkungen mit der Zeit immer weiter aus und erweiterte seine Annotationen ständig.&amp;lt;ref&amp;gt;Während Camerarius in [[Erwähntes Werk::OC 0677]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 51 das gegenwärtige Jahr mit 1547 benennt, schreibt er innerhalb derselben Notiz eine Seite weiter bereits von 1549 und fügt in Klammern an, seit Beginn seiner Arbeit an dieser Anmerkung seien bereits zwei Jahre vergangen.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Anschluss an das Werk führt er außerdem die Schilderungen des Nikephoros bis in seine Zeit fort.&lt;br /&gt;
Letztlich wurde das Werk so erst im Jahr 1561 [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561|in einem Band]] gedruckt, der neben der [[Erwähntes Werk::OC 0677|&amp;quot;Chronologia&amp;quot;]] selbst auch eine zweite erweiterte Auflage von Camerarius&#039; bereits 1552 publizierter ↑ [[#Altes aktualisiert - Konziliengeschichte (1552)|&#039;&#039;&#039;Geschichte des Konzils von Nicäa&#039;&#039;&#039;]] enthält. Dem chronologischen Werk die Konziliengeschichte beizugeben, scheint im ersten Moment Camerarius&#039; Wunsch zu widersprechen, ein konzises Handbuch zu schaffen: Tatsächlich aber geht dieser Plan auf Camerarius selbst zurück, der in einem in dem Band abgedruckten [[Erwähntes Werk::OCEp 1280|Brief]] an [[Erwähnte Person::Johann Oporinus]] diesen um die Verbindung beider Werke bittet. Allerdings gibt er dem Drucker in demselben Brief die Vollmacht über die Anordnung der Lagen (&#039;&#039;Haec igitur tuo arbitrio conformatis cartis edes&#039;&#039;),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1280]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 166.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
die dieser so aufteilte, dass der separate Kauf der &amp;quot;Chronologia&amp;quot; gut möglich war.&amp;lt;ref&amp;gt;In der [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1573|zweiten Auflage von 1573]] beginnt sogar die Paginierung in der zweiten Hälfte zu den Konzilien neu.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Frühe Pläne zur Neuauflage=====&lt;br /&gt;
Auch wenn Camerarius Oporinus gebeten hatte, dafür Sorge zu tragen, dass sein Werk korrekt gedruckt werde und die Setzer nichts am Text veränderten, sei es, weil sie etwas nicht verstünden oder aus Nachlässigkeit,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1280]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 166.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
war er offenbar dennoch mit dem Ergebnis des Prozesses nicht zufrieden: Am 07.05.1561 schrieb er an [[Erwähnte Person::Hieronymus Wolf]], das Werk sei weder sehr gründlich noch sehr nachlässig gedruckt worden, und bat Wolf, bei der Lektüre Errata zu korrigieren;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OCEp 0825]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Epistolae familiares, 1583]], 470 und [[Zäh 2013]], Nr. 199: &#039;&#039;Meam Chronologiam neque diligentissimam neque negligentissimam editam puto te vidisse. Fuit mihi curae, ut narrarem ea quae cognitu utilia essent maxime. Te forte legentem et errata corrigere et notata mihi indicare velim.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
die Bitte wiederholte er am 23. Juni, als er gehört hatte, dass Wolf die Lektüre begonnen habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0826]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]], der den Band in der Offizin vorfand und las, wies Camerarius früh auf einige Fehler bei der Jahresrechnung hin.&amp;lt;ref&amp;gt;So Camerarius später am 19.08.1572 (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1501]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits 1562 hatte Camerarius daher konkrete Pläne für eine Neuauflage, allein seine zahlreichen Beschäftigungen hinderten ihn an einer Überarbeitung.&amp;lt;ref&amp;gt;So schreibt er in einem Brief an Johann Oporinus vom 07.03.1562 (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1281]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch im [[Erwähntes Werk::OCEp 1461|Vorwort]] seiner 1566 gedruckten [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566|Biographie Jesu]] äußert Camerarius Hoffnungen auf eine Neuauflage.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1461]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], Bl. A3r.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Jahr später, am 21.10.1566, lässt Camerarius [[Erwähnte Person::Willem Canter]] bei Oporinus nachforschen, ob eine Neuauflage wirtschaftlichen Nutzen für Oporinus verspreche.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0881]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Antwort fiel offenbar positiv aus;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch [[Erwähntes Werk::OCEp 1284]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
bis zum 26.07.1567 befand sich eine Druckvorlage bei Oporinus, denn zu diesem Datum bittet Camerarius Willem Canter, einige Fehler zu korrigieren sowie selbst auf weitere zu achten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0882]]. Dass Canter nicht wie Wolf 1561 mit einer beliebigen Ausgabe, sondern mit der Druckvorlage arbeitete, geht aus [[Erwähntes Werk::OCEp 1284|Camerarius&#039; Brief an Oporinus vom 13.06.1568]] hervor (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1284]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jedoch verstarb Oporin bald darauf am 06.07.1568; die Aufsicht über die noch in der Offizin befindlichen Druckvorlagen führte [[Erwähnte Person::Theodor Zwinger]], zu dem Camerarius am 18.09.1568 Kontakt aufnahm und ihn bat, auf den Nikephoros Acht zu geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1231]] = http://www.aerztebriefe.de/id/00005231.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwinger antwortete am 5. November, Camerarius brauche sich keine Sorgen zu machen, da sich das Buch noch vor Ort befinde und Oporins Nachfolger es vertragsgemäß weiterhin drucken müssten; wenn er es dennoch zurückhaben wolle, müsse er mit diesen verhandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00004627 (Autograph unter https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv044448948-2).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vom 07.11.1569 datiert dementsprechend eine Urkunde, in der Camerarius Zwinger mit der Aufsicht über den Druck betraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00052202; Digitalisat unter https://doi.org/10.7891/e-manuscripta-19385.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Druckvorlage war jedoch nicht mehr aufzufinden: In zwei Briefem vom 01.09.1570 und vom 16.11.1570 äußerte Zwinger noch die Hoffnung, Oporinus habe sie vielleicht jemandem ausgeliehen. Jedoch sei die Bibliothek auch mehrfach umgezogen und habe dabei einige Verluste hinnehmen müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gilly 2001]], 30f. sowie http://www.aerztebriefe.de/id/00034308 und http://www.aerztebriefe.de/id/00034311. Für die Originale vgl. in der Briefsammlung Trew [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv044449095-7 H62/TREWBR ZWINGER_THEODOR[3] (01.09.1570) und [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv044449200-7 H62/TREWBR ZWINGER_THEODOR[6].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 08.10.1571 äußert Camerarius gegenüber Hieronymus Wolf die Befürchtung, das Buch sei wohl verloren gegangen;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0844]] und [[Zäh 2013]], Nr. 400. Zu Wolfs Bedauern vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 2588]] vom 05.11.1571 (= [[Zäh 2013]], Nr. 402).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
dies bestätigte auch Zwinger am 15.02.1572 in einem Brief an Camerarius&#039; Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Joachim]] (&#039;&#039;Parentis ... Chronologiam in Oporini scriniis nuspiam invenire potuimus&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00000189, Scan des Originals in der Briefsammlung Trew [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv044449786-8 H62/TREWBR ZWINGER_THEODOR[12].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als [[Erwähnte Person::Hans Steinmann]] sich für die Neuauflage erbot, musste Camerarius daher, soweit es seine Gesundheit zuließ (→ [[Medizin (CamLex)#Nierensteine – eine Familienkrankheit|&#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039;]]), Ersatz schaffen.&amp;lt;ref&amp;gt;So Camerarius an Rüdinger am 19.08.1572 (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1501]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1573 erschien bei Steinmann und Vögelin in Leipzig die [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1573|Neuauflage des Verbundes aus Nikephoros und Konziliengeschichte]],&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1573]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
erweitert um zwei Epicedien auf den mittlerweile verstorbenen Widmungsempfänger [[Wolfgang (Pfalz-Zweibrücken)|Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken]] und einen [[Erwähntes Werk::OCEp 1501|Brief]] an [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]], der die Hintergründe der Neuauflage erläutert. Darin rechtfertigt sich Camerarius auch dafür, verschiedenen Anmerkungen (unter anderem Rüdingers) nicht gefolgt zu sein: Er referiere schließlich nicht seine eigenen Berechnungen, sondern die des Nikephoros, die in Griechenland noch immer verwendet würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1501]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Inhalte und Rezeption=====&lt;br /&gt;
Mit dem Verlust der Druckvorlage gingen auch Camerarius&#039; Korrekturen und weitere Anmerkungen verloren. Wie groß die Unterschiede zur ersten Auflage gewesen wären, lässt sich freilich aufgrund des Verlusts nicht mehr beziffern. Allerdings vermitteln Camerarius&#039; Bemühungen um die Neuauflage durchaus den Anschein, dass er größere Ergänzungen oder Änderungen geplant hatte; Zeit dafür hatte er jedenfalls in den 12 Jahren zwischen den beiden Auflagen genug. Es ist jedoch fraglich, ob Camerarius trotz des deutlich geringeren Vorlaufs in der Lage war, alle seine geplanten Änderungen nach Verlust der Druckvorlage für den Druck bei Steinmann/Vögelin zu reproduzieren, und in der Tat findet ein stichprobenhafter Vergleich der letztlich gedruckten Neuauflage mit der Erstedition keine nennenswerten Unterschiede im Wortlaut.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nikephoros&#039; Werk ist eine Weltchronik; Camerarius hält sich an den knapper formulierten der beiden heute bekannten Überlieferungsstränge. Das Werk beginnt bei Adam, führt die Lebenszeiten der biblischen Figuren knapp aus und geht im Anschluss zu den historischen Ereignissen über; das Ende stellt die Regierungszeit des byzantinischen Kaisers Michael III. (reg. 842-867) dar. Camerarius präsentiert abschnittsweise seine lateinische Übersetzung von Nikephoros&#039; griechischem Text. Im Anschluss folgen jeweils ausführliche Annotationen, in denen Camerarius Nikephoros&#039; Darstellungen und Berechnungen mit denen aus anderen Quellen, insbesondere der Bibel vergleicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. etwa [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei bemüht sich Camerarius um die Auflösung von Widersprüchen zwischen verschiedenen Quellen und übt dabei durchaus auch Kritik an Nikephoros; andererseits scheut er sich nicht, Unstimmigkeiten zu belassen, wenn sie nicht ohne weiteres auflösbar sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. etwa [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 22f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der letzten Anmerkung zur eigentlichen &amp;quot;Chronologia&amp;quot; führt Camerarius zudem das Werk des Nikephoros bis zum Tod [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)|Kaiser Karls V.]] fort.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 53-62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühen Pläne für eine Neuauflage belegen den schnellen Ausverkauf von Camerarius&#039; Übersetzung. Belege für eine breite Rezeption finden sich allerdings kaum. Die erste Auflage enthält auf S. 224 ein langes Geleitgedicht eines gewissen Ιακώβος Ερτήλιος (vielleicht Jakob Hertel)&amp;lt;ref&amp;gt;Die Identität dieses Jakob (H-)Ertel (im Druck steht der Name ohne Spiritus) ist unklar. Die GND teilt ihm auf Basis des Gedichts im Nikephoros die Nummer [https://d-nb.info/gnd/119664879 119664879] zu, kennt jedoch keine weiteren Belege. Jedoch erscheint die Annahme plausibel, dass die Person zum Zeitpunkt des Drucks 1561 in Leipzig (Wirkungsort des Camerarius) oder Basel (Druckort der ersten Auflage des Nikephoros) studierte. Ein Blick in die Matrikeln liefert als einzigen möglichen Kandidaten &amp;quot;Jacobus Hertelinus Rotlandus = J. Härtlein von Hof im Voigtland&amp;quot; ([[Wackernagel 1956]], S. 82, Nr. 47, GND [https://d-nb.info/gnd/100163556 100163556], Geburtort Chur falsch): Geboren 1536 schrieb er sich 1549/50 in Erfurt ein und erhielt am 29.10.1555 in Basel unter dem Namen &#039;&#039;Jac. Hertelius Curiensis e Variscis&#039;&#039; den Grad eines Baccalaureus; am 10.02.1557 wurde er Magister. Er war später Schulmeister in St. Peter in Basel, bis er am 23.09.1564 an der Pest starb. Zu ihm vgl. Jenny, Beat Rudolf: Die Musikprofessur an der Universität Basel im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 83 (1983), S. 27-83 ( http://edoc.unibas.ch/dok/A6243504), besonders S. 54f., 75, sowie ders.: Humanismus und städtische Eliten in Basel im 16. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Basler Lateinschulen von 1529-1589. In: Platteriana. Beiträge zum 500. Geburtstag des Thomas Platter (1499?-1582). Hg. von Werner Meyer und Kaspar von Greyerz, Basel 2002 (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft 175), S. 77-121 ( http://edoc.unibas.ch/dok/A2691942), besonders S. 96f. Hertel wird vom VD16 als Beiträger zu diversen Drucken geführt, meist mit Geleitgedichten wie dem zu Nikephoros, viele vom Anfang der 1560er Jahre. Einer dieser Drucke ist namentlich [https://gateway-bayern.de/VD16+F+343 VD16 F 343] (S. 15), wo er sich ebenfalls als &#039;&#039;Iacobus Hertelius Curien[sis] Variscus&#039;&#039; bezeichnet. Dieser Druck hat wie viele andere ein theologisches Thema (vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+6576 VD16 C 6576], Bl. A1v sowie einige der folgenden). In den meisten Fällen verwendet Hertel zudem wie der (H-)Ertel des Nikephoros jambische Versmaße in sechshebiger (vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+S+7596 VD16 S 7596], Bl. A1v, [https://gateway-bayern.de/VD16+W+1361 VD16 W 1361], Bl. A4r/v, [https://gateway-bayern.de/VD16+A+3259 VD16 A 3259], Bl. β4v, [https://gateway-bayern.de/VD16+L+2924 VD16 L 2924], Bl. β3v-4r, [https://gateway-bayern.de/VD16+F+3195 VD16 F 3195] Bl. DD5v-6r) oder wie im Nikephoros in dreihebiger Form (vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+6112 VD16 C 6112], S. 13, [https://gateway-bayern.de/VD16+M+3125 VD16 M 3125], Bl. A1v, [https://gateway-bayern.de/VD16+R+2665 VD16 R 2665], S. 19). Eine Identifikation von (H-)Ertel und Hertel scheint mithin plausibel.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
in dem dieser es einem Δανιὴλ Καστέλλος ὁ Βενέτικος (Daniel Castelli aus Venedig?) zur Lektüre empfiehlt: Er werde daraus Geschichte und Verfassung der Staaten lernen und sehen, wie Zeit und Schicksal alle menschlichen Werke zerstören. Camerarius wird von Hertel - ein Jahr nach dem Tod Philipp Melanchthons - als dessen von Christus ordinierter Nachfolger in der Leitung der Künste (ἀγαθῶν καλῶν τε Μουσῶν ἄναξ) adressiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch [[Erwähnte Person::Reiner Reineck]] erwähnt Camerarius&#039; Schrift lobend in einem Begleitschreiben zu seinem 1574 gedruckten Werk [[Erwähntes Werk::Reineck, Syntagma de familiis, 1574|&amp;quot;Syntagma de familiis&amp;quot;]] und bezeichnet es als eine seiner wichtigsten Quellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Reineck, Syntagma de familiis, 1574]], 617.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich enthält das &amp;quot;Syntagma&amp;quot; einen [[Erwähntes Werk::OCEp 1496|Brief des Camerarius an Reineck]], in dem Camerarius diesem die Publikation des Werkes nachdrücklich empfiehlt, auch wenn er es aus gesundheitlichen Gründen nicht ganz habe lesen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1496]] (dat. 09.05.1573).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)====&lt;br /&gt;
=====Vorbemerkung=====&lt;br /&gt;
Nach dem Abschluss und der Publikation von Nikephoros&#039; &amp;quot;Chronologia&amp;quot; 1561 konnte Camerarius endlich das Werk in Angriff nehmen, um das es ihm eigentlich ging: Für die Biographien Jesu und der Apostel war Nikephoros&#039; Werk eine unabdingbare Voraussetzung gewesen; diese stellen somit in gewisser Weise die Krönung von zwanzig Jahren historiographisch-chronologischer Arbeit dar. Zugleich zeigt sich bei kaum einem anderen Werk Camerarius&#039; philologische Herangehensweise an theologische Stoffe besser als bei seiner 1566 erstmals gedruckten Beschreibung des Lebens Jesu Christi:&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Camerarius&#039; Jesus-Vita vgl. auch [[Seckt 1888]], 21-31 und [[Kunkler 1998]], 242-251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenngleich die Schrift zwar am Anfang und am Ende Jesu Rolle als wesensgleicher Sohn Gottes und der ewigen Jungfrau Maria&amp;lt;ref&amp;gt;So schon auf dem Titelblatt des [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566|Drucks]]: &amp;quot;Historiae Iesu Christi filii Dei nati in terra matre sanctiss[ima] sempervirgine Maria summatim relata expositio&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
betont - und so Camerarius&#039; &#039;Rechtgläubigkeit&#039; bezeugt -, handelt es sich doch im Grunde um ein historiographisches oder biographisches Werk, das Jesu Leben auf Erden und seine Zeitumstände betrachtet. Im Bereich der Historiographie verortet sie sowohl der [[Erwähntes Werk::OCEp 1461|Widmungsbrief des Bandes]] an [[Erwähnte Person::Joachim Friedrich (Brandenburg)|Joachim Friedrich von Brandenburg]] als auch eine im [[Erwähntes Werk::OC 0762|Werk]] selbst enthaltene Vorrede. Ganz besonders kommt in dem Werk Camerarius&#039; Interesse für Chronologie und für die korrekte chronologische An- und Einordnung historischer Ereignisse zum Tragen, das er in der langjährigen Arbeit an der ↑ [[#Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)|&#039;&#039;&#039;Nikephoros-Übersetzung&#039;&#039;&#039;]] ausgebildet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Entstehung und Zielsetzung der Schrift=====&lt;br /&gt;
Seit jeher, so schreibt Camerarius im Widmungsbrief, habe er sich auch um die Geschichtsschreibung bemüht als ein Teil der &#039;&#039;bonae artes&#039;&#039;, der durch seine zahlreichen &#039;&#039;exempla&#039;&#039; nicht nur Vergnügen, sondern auch großen Nutzen bringen könne. Reichlich gelesen habe er freilich (zunächst) die paganen Geschichtsschreiber; mit fortschreitendem Alter habe er jedoch erkannt, dass am erfreulichsten und nützlichsten doch die Werke christlicher Autoren seien, dass die theologische Lehre aber wiederum durch die Geschichtsschreibung ihre Ergänzung und Vervollständigung erfahre.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Procedente autem aetate, attentius, ut fit, cogitans: Quid et iucundum inprimis esse deberet, et profuturum maxime videretur, facile animadverti utrunque eo potissimum contineri, in quo hominis Christiani professio versaretur. Ea est profecto cognitio illustris rerum divinarum, quam historiae congruentis copia non modo augeri, sed cum personarum tum eventuum consideratione explicari declarando constat&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OCEp 1461]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], Bl. A2v).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der protestantische Philologe Camerarius postuliert hier also eine Loslösung von der Autorität der Kirche: Nicht das kirchliche Dogma erklärt den Sinn der Heiligen Schrift; dieser erhellt sich vielmehr von selbst, indem die Bibel als Erzeugnis ihrer Zeit aufgefasst und wie andere klassische Texte aus dem Zusammenhang mit den historischen Umständen und mit anderen Texten verstanden wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Indem er die alleinige Bedeutung der Heiligen Schrift zur Erlangung des Heils betont, hält sich Camerarius tatsächlich eng an [[Erwähnte Person::Martin Luther]] (vgl. [[Kunkler 1998]], 245).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Sein Ziel ist es, &amp;quot;die aus der Bibel überlieferten Zeugnisse mit dem ihm zur Verfügung stehenden historischen und literarischen Quellenmaterial [zu] verbinden, um auf diese Weise dem rechten Verständnis des Bibeltextes dienlich zu sein&amp;quot;,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 243.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
dessen Lehren alleine zum Heil führen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dementsprechend habe Camerarius die Bibel besonders gründlich gelesen, zur Ergänzung aber und zum besseren Verständnis weitere christliche Historiographen hinzugezogen. Im Rahmen dieser Lektüre waren es besonders das Leben Jesu selbst und seiner Apostel sowie die darin enthaltenen Widersprüche, die Camerarius&#039; Interesse weckten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1461]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
So kam es, dass Camerarius, nachdem er aufgrund politischer und privater Schwierigkeiten (gemeint ist vermutlich der Schmalkaldische Krieg&amp;lt;ref&amp;gt;Dies geht aus Camerarius&#039; an [[Erwähnte Person::Wolfgang (Pfalz-Zweibrücken)|Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken]] gerichtetem [[Erwähntes Werk::OC 0678|Proöm der &amp;quot;Chronologia&amp;quot; des Nikephoros]] hervor (vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0678]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;) &lt;br /&gt;
ein [[Erwähntes Werk::OC 1001|angefangenes Werk über die griechischen Redner]] aufgeben musste, stattdessen begann, seine Notizen zu Jesus und den Aposteln in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen und zu einer fortlaufenden Erzählung auszuarbeiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als besonders nützlich zum Verständnis der historischen Hintergründe nennt er namentlich die ↑ [[#Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)|&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Chronologia&amp;quot; des Nikephoros&#039;&#039;&#039;]], deren [[Erwähntes Werk::OC 0677|kommentierte lateinische Übersetzung]] er 1561 publiziert hatte; die Arbeit an dieser Übersetzung, die Camerarius über viele Jahre hinweg vom Ende des Schmalkaldischen Krieges bis 1561 in Anspruch genommen hatte, war für ihn eine notwendige Vorarbeit für sein eigentliches Ziel: die Biographien Jesu und der Apostel. Diese beiden biographischen Werke wurden 1566 in zwei Auflagen das erste Mal gedruckt; eine dritte Auflage erschien 1581.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]] und [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566a]] sowie [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia Iesu, 1581]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Band, der [[Erwähnte Person::Joachim Friedrich (Brandenburg)|Joachim Friedrich von Brandenburg]] gewidmet ist, erzählt zunächst auf fast 100 Seiten die [[Erwähntes Werk::OC 0762|Geschichte vom Leben Jesu]]; im Anschluss folgen auf weiteren 100 Seiten die [[Erwähntes Werk::OC 0761|Biographien der zwölf Apostel]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]] und [[Erwähntes Werk::OC 0761]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es folgen weitere kleinere Werke mit verwandten Inhalten, darunter Gedichte zu den Jüngern Jesu, den Aposteln und den Evangelisten von [[Gregor von Nazianz]], [[Erwähnte Person::Nikephoros Kallistu Xanthopulos]] sowie Camerarius selbst und eine Rede des Martin Gasser zu Jesu Tod, die bereits 1563 in erster Auflage gedruckt worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+G+508 VD16 G 508].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Historiographie und Biographie - Jesus und die Apostel als historische Personen=====&lt;br /&gt;
Im Zentrum beider Werke stehen die historischen Geschehnisse: Die Apostelbiographien betrachten das historische Wirken der Apostel, die Jesus-Biographie beschränkt sich auf Jesu Jugend und Tod. Jesu Wirken als Lehrer und seine Wundertätigkeit spart die Erzählung aus und verweist auf die Evangelien, deren Aufgabenbereich Camerarius klar von dem seines eigenen Werks trennt: Allen, die von der göttlichen Inspiration des Evangeliums überzeugt seien, sei völlig klar, dass die göttliche Offenbarung nicht ohne höhere Absicht, zweideutig, unglaubwürdig oder gar widersprüchlich (&#039;&#039;temere aut ambigue aut dubie aut dissentaneum in modum expositum&#039;&#039;) sei, auch wenn sie sich dem menschlichen Verständnis bisweilen entziehe. Jesu Wille sei es gewesen, dass seine Taten nicht in großen Worten rhetorisch geschmückt dargestellt würden, sondern in einfacher, klarer, geradezu einfältiger Sprache (&#039;&#039;ut speciem illa [&#039;&#039;sc.&#039;&#039; simplicitas] prae se ferret stulticiae&#039;&#039;), weil nur so den Menschen das göttliche Wirken, das sich ihrem Verstand verschließe, nahegebracht werden könne.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 15f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Die Bibel sei daher grundsätzlich anders zu lesen als die klassische Geschichtsschreibung; in ihr dürfe man nicht nach rhetorischer Ausgefeiltheit und klarer Darstellung von Handlungsmotiven und zeitlicher Abfolge der Ereignisse suchen (&#039;&#039;Quocirca aliter haec quam humanae sagacitatis scripta legenda sunt. Non inventionis industria, non dispositionis studium, non probabilis expositionis cura, non copa orationis in his quaerenda. non etiam consiliorum, occasionum, eventuum persecutio&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;). Bei den Evangelien handle es sich um kurze Schilderungen der (göttlichen) Wahrheit (&#039;&#039;breves expositiones veritatis&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;), nicht um eigentliche Geschichtswerke. Man lese sie nicht auf der Suche nach Wissen und Weisheit, sondern nach der göttlichen Offenbarung. Freilich müsse man das Evangelium genau und kritisch lesen, um Gottes Botschaft zu verstehen; die darin enthaltenen Schilderungen seien aber als gegeben hinzunehmen und nicht zu hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], 249.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Scheinbare Widersprüche innerhalb der Heiligen Schrift wie die bei Jesu Genealogie im Lukas- und Matthäus-Evangelium brauchen den Leser also nicht zu bekümmern, ja er muss sie außer Acht lassen, da sie nur durch die Unzulänglichkeit des menschlichen Verstandes zustande kommen. Wo Widersprüchen durch wissenschaftliche Erklärung nicht beizukommen war, &amp;quot;müßten die Überlieferungen, so wie sie waren, mit frommen [sic] Sinn und in schlichter Einfalt in all ihren Widersprüchen geglaubt werden&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Dementsprechend muss auch der Autor Camerarius sich nicht mit derartigen Widersprüchen befassen. &amp;quot;Camerarius wollte damit zum Ausdruck bringen, daß die Wissenschaft der christlichen Heilsbotschaft gegenüber einen hohen Respekt schuldig sei, indem sie diejenigen Fragen, die über den menschlichen Erkenntnishorizont hinausreichten, nicht aufzugreifen und zum Gegenstand ihrer Arbeit zu machen hätte.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 248.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die unterschiedlichen Aufgaben, die das Evangelium einerseits und Camerarius&#039; Werk andererseits haben, bedingen auch die unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkte: Camerarius&#039; Interesse liegt auf der Klärung von Verwandtschaftsverhältnissen wie der Abstammung Marias und Josefs,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
den historischen Umständen des Lebens Jesu wie den Herrschaftsverhältnissen im damaligen Palästina&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 6-13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und der Chronologie wie etwa Jesu Geburtsjahr.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 13ff. Vgl. auch S. 67f. und 70f. zu Camerarius&#039; Erklärung, warum Jesus &amp;quot;am dritten Tage&amp;quot; auferstanden sei, wenn der doch am Freitag gestorben und am Sonntag vom Reich der Toten zurückgekehrt ist.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei wägt er widersprüchliche Quellen gegeneinander ab und äußert sich kritisch zu übertriebenen Ausschmückungen der Erzählungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Auf Bl. A3v-A4v verkündet Camerarius, er werde an einigen Stellen auf verbreitete Fehllehren eingehen; er wisse, dass er sich damit Kritik aussetze, aber die Alternative sei, überhaupt nichts zu schreiben. Auf Bl. A7v zeigt er auf, dass die Werke der Frühscholastik (&#039;&#039;ea, quae ante annos circiter quingentos edita sunt&#039;&#039;) noch recht nahe an der wahren Lehre seien, jedoch mit geringen Abweichungen, und dass jede folgende Generation der Scholastik auf den Fehlern ihrer Vorgänger aufbauend sich weiter von Jesu Lehre entfernt habe (vgl. auch [[Kunkler 1998]], 247). Auf Bl. A8v erklärt er den Ursprung der Sage von Georg dem Drachentöter aus der Perseus-Sage; bei Fragen der Chronologie vergleicht Camerarius verschiedene Quellen und gewichtet sie nach ihrer Zuverlässigkeit (S. 13ff.); auf S. 75 äußert er sich kritisch zum Schweißtuch der Veronika und ähnlichen Erzählungen. Auf S. 89 fordert Camerarius, die Antike müsse geschätzt werden, jedoch in ihrer reinen und wahren Form, unverdorben durch übertriebene Ausschmückungen (&#039;&#039;antiquitas quidem venerabilis esse debet universis, sed ea sancta, incorrupta, sincera&#039;&#039;). Die Apokryphen verwirft Camerarius auf Bl. A7v und S. 100f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die antiken Schriftsteller betrachtet er dabei nicht wie die Scholastik als unfehlbare Autoritäten, &amp;quot;sondern als durchaus fehlbare Autoren, die neben vielen verwertbaren Erkenntnissen auch Ansichten und Vorstellungen vertreten hatten, die einer Übernahme nicht wert erschienen.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 245.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Daher war es ihm möglich, auch unbekanntere Autoren als Quellen heranzuziehen und &amp;quot;aus dem umfangreichen Reservoir antiken Wissensgutes in weitgehender Ungebundenheit das heraus[zu]schöpfen, was ihm an Aussagen im Rahmen seines eigenen Denkens auch wirklich relevant erschien&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 246.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von dem aber, was in den Evangelien berichtet wird, also von Lehre und Wundertätigkeit Jesu, kurz: von allem, was Heilsbotschaft und Glaubenswahrheit betrifft, will Camerarius nur die wichtigsten Punkte grob herausgreifen (&#039;&#039;capita tantum exponamus&#039;&#039;),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
da diese im Gegensatz zu sachlichen Erklärungen des Textes nicht Gegenstand menschlicher Gelehrsamkeit sein dürfen:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], 248.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn menschliche Beredsamkeit versuche, göttliche Lehre neu zu formulieren, müsse es notwendigerweise zu Kontaminierungen kommen, und je gründlicher der theologische Stoff rhetorisch überarbeitet würde, desto profaner würde er dadurch.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 19: &#039;&#039;Nam quo accuratius expoliuntur [sc. ea quae intelligentiam animi nostri excedunt], eo inter tractandum profaniora quodammodo redduntur.&#039;&#039; Ein Beispiel für die katastrophalen Folgen der Anwendung menschlicher Vernunft auf himmlische Wahrheiten ist laut dem Kommentar zum lateinischen Nikephoros der Arianismus: Mit Aussagen wie denen, dass es eine Zeit vor Jesus gegeben habe (ἦν ὅτ&#039; οὐκ ἦν), dass dieser aus dem Nichts geschaffen worden sei (ἐκ τῶν οὐκ ὄντων ἐγένετο) und dass Jesus vor seiner Zeugung nicht existiert habe (πρὸ τοῦ γεννηθῆναι οὐκ ἦν), kurz dass Jesus Geschöpf Gottes und damit nicht mit diesem ewig sei, habe Arius großen Schaden angerichtet; indem er, ob bösen oder guten Willens, versucht habe, menschliche Argumentationsweise in die christliche Lehre einzubringen, habe er sich dem Teufel als Werkzeug erboten ([[Erwähntes Werk::OC 0677]], [[Nikephoros, Chronologia, 1561]], 41f.: &#039;&#039;Unde discere debemus, quam nocens et perniciosa res sit rationis humanae artificium et architectura in dogmatis divinis. Sive enim malicae, seu quodam non impio consilio, perverso tamen studio, ille [sc. Arius] hanc conatus fuit in Ecclesiam &#039;&#039;[sic]&#039;&#039; doctrinam invehere, praebuit se Diabolo hosti Ecclesiae organum ad effectionem multorum malorum, et ingentium perturbationum, quae postea variae secundum diversimodi hominum petulantia ingenia extiterunt&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Daher wolle Camerarius nicht den Stoff des Evangeliums neu erzählen. Die menschliche Weisheit und Eloquenz müsse sich andere Stoffe suchen und nicht versuchen, ihre irdischen Kompetenzen auf den Himmel auszuweiten (&#039;&#039;haec ne attingat, neque terrenam facultatem in coelum proferre ausit&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur wo Erklärungen zum Verständnis nötig seien, wolle Camerarius diese vorsichtig und gewissenhaft (&#039;&#039;timide et religiose&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
beisteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Theologie - Christologische Inhalte=====&lt;br /&gt;
Indem Camerarius so Jesu Leben von der humanistisch-philologischen Seite aus betrachtet, vermeidet er Kritik, sei diese in abweichenden theologischen Ansichten seines Publikums begründet oder darin, dass er als Nicht-Theologe fremdes Terrain usurpiere. Das bedeutet aber nicht, dass Camerarius&#039; Jesus-Biographie von theologischen Aussagen frei wäre, im Gegenteil: Bei Äußerungen zu theologischen &#039;&#039;Details&#039;&#039; wäre Camerarius das Risiko von Anfeindungen eingegangen; doch es gab eine Reihe allgemeinerer Glaubenssätze, die wegzulassen gewiss noch unzuträglicher gewesen wäre: Eine Biographie, die Jesus nur als Mensch betrachtet, hätte wohl weder die Billigung der altgläubigen noch die der protestantischen Seite gefunden. Gerade im Rahmen der innerprotestantischen Streitigkeiten, die eine Reihe von Fragen wieder aufgriffen, die schon in der Antike kontrovers behandelt worden waren, sah sich Camerarius offenbar gezwungen, seinen &#039;rechtgläubigen Standpunkt klarzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Entstehungszeit des Werks war ein Streit um antitrinitarische Gruppierungen entbrannt. Camerarius war bereits bezüglich des Athanasischen Glaubensbekenntnisses angeeckt und war daher bestrebt, keine Zweifel an seiner trinitarischen Gesinnung aufkommen zu lassen. Vgl. den Abschnitt zur ↓ [[Theologie (CamLex)#Trinitätslehre|&#039;&#039;&#039;Trinität&#039;&#039;&#039;]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und so betont er gleich zu Beginn, Christus und Gott seien wesensgleich (ὁμοούσιοι); Jesus sei von der Jungfrau Maria geboren, jedoch von Gott vor Anbeginn der Zeit gezeugt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Somit ist Christus zeitlos (ἄχρονος) und ohne Anfang (ἄναρχος) in der Zeit, hat jedoch seinen Anfang im Vater (ἀρχὴν, &#039;&#039;id est&#039;&#039;, αἰτίαν γενέσεως &#039;&#039;habens&#039;&#039;) und ist zugleich ewig (ἀειγενής).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Später nutzt Camerarius eine Übersetzung von [[Erwähnte Person::Epiphanios von Salamis|Epiphanius]]&#039; [[Erwähntes Werk::Epiphanios von Salamis, Contra Antidicomaritas|Werk gegen die Antidikomariten]], um die zwei zentralen Aussagen noch einmal zu formulieren: So positioniert er mit einem Zitat sich deutlich gegen &#039;Arianismus&#039; und Unitarismus, da es Blasphemie sei, das Wesen Gottes und Jesu voneinander zu trennen (&#039;&#039;abalienare&#039;&#039;), und er betont umgekehrt, dass die entgegengesetzte Argumentation, nach der Vater, Sohn und Heiliger Geist ununterscheidbar (&#039;&#039;idem&#039;&#039;) seien, ebenso falsch sei und Jesus allzu viel Verehrung zukommen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 83: &#039;&#039;Nam qui in filium DEI blasphemi sunt, ... ii abalienare naturam huius a patris Deitate cupide studuerunt. Alii autem contra diversa sententia evecti tanquam ad ampliorem cultum, eundem esse hunc et patrem dixere. Itemque eundem filium et SPIRITUM sanctum. Est autem in his ambabus partibus plaga insanabilis.&#039;&#039; Der griechische Text bei Epiphanios lautet (Panarion 23): Οἱ μὲν γὰρ εἰς τὸν υἱὸν βλασφημοῦντες, καθάπερ μοι ἄνω προδεδήλωται, φύσει ἀπαλλοτριοῦν αὐτὸν τῆς τοῦ πατρὸς θεότητος ἐφιλοτιμήσαντο· ἄλλοι δὲ πάλιν ἑτέρως φρονήσαντες, ὡς δῆθεν τιμῆσαι περισσοτέρως προαχθέντες, τὸν αὐτὸν εἶναι πατέρα εἶπον καὶ τὸν αὐτὸν υἱὸν καὶ τὸ αὐτὸ ἅγιον πνεῦμα· ἔστι δὲ τοῖς μέρεσιν ἀμφοτέροις ἀνίατος ἡ πληγή.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Formen des Antitrinitarismus seien somit abzulehnen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit seiner Geburt sei Jesus Mensch geworden, aber Gott geblieben, und habe die Sünde auf sich übertragen, um so die Menschen zu befreien und mit Gott zu versöhnen. Damit eröffnet Jesus den Menschen den Weg zum Heil, das nur erreichen kann, wer ihm folgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 5, 48f. Wie Camerarius an anderer Stelle ebenfalls um 1565 darlegt, hatte Jesu Tod zugleich zur Folge, dass die Macht der Dämonen, die die Menschen lange Zeit beherrscht hatten, gebrochen wurde: &#039;&#039;Atque ab his [sc. daemonibus] caussa tandem data fuit mortis, qua per summam contumeliam tolleretur e medio [sc. Iesus]. Qua quidem morte eorum vis et potestas peremta est, et mortuus hic atque sepultus, cum mox diuina potentia excitatus revixisset, vitam amissam reconciliata Dei aeterni gratia hominibus restituit: Tunc igitur et potentia ista [sc. daemonum] fracta, et regnum ereptum, et in contrarium cuncta fuere conuersa&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0763]], [[Erwähntes Werk::Plutarch, De natura et effectionibus daemonum, 1565]], Bl. C5r). Vgl. auch den Artikel zu → [[Mantik und Magie (CamLex)#Ein Kessel Magisches|&#039;&#039;&#039;Mantik und Magie&#039;&#039;&#039;]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Maria ist die unberührte ewige Jungfrau (&#039;&#039;intacta et perpetua castitate pura virgo&#039;&#039;),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und, wie Camerarius unmissverständlich betont, sie ist nicht göttlich, sondern ein Mensch: &#039;&#039;[Maria] habuit ... [Iosephum] assiduum atque diligentissimum socium educationis et curae filii DEI et &#039;&#039;&#039;hominis, id est sui&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ob sie mit oder ohne ihren Körper in das Himmelreich aufgenommen wurde, möchte Camerarius dagegen explizit nicht entscheiden, da keine der beiden Varianten durch die Bibel gestützt werde.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Ac potius castissimae virginis memoriam colere nunc quidem sive una cum corpore seu absque hoc assumtae in vitam aeternam a filio. Id quod ideo utrunque posui quia neutrum iis literis quarum est sancta autoritas mandatum legitur&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 40). Vgl. auch ebd., 76.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lehren, die Marias Rolle herausheben und ihrem Andenken dienen, seien zu akzeptieren; solche jedoch, die ihr Andenken beleidigen, seien abzulehnen. Keinesfalls jedoch sei Maria als göttlich zu verehren, wie es manche in Vergangenheit und Gegenwart, wenn explizit nicht in Worten, so doch in Taten getan hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die falsche Verehrung (&#039;&#039;perversa veneratio&#039;&#039;) Marias durch Bildnisse, Opfer und Votivgaben lehnt Camerarius als Aberglaube (&#039;&#039;superstitio&#039;&#039;) ab, der die Kirche schon seit Jahrhunderten heimsuche.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 81f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allgemein kritisiert Camerarius die bildliche Darstellung von Jesus, Maria und ihrem Umfeld:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 79ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bilder seien zwar selbst in übertriebener Darstellung unproblematisch, solange die kirchliche Lehre rein sei; sobald diese allerdings kontaminiert sei, beschleunigten prächtige Darstellungen den Niedergang, da sie Fehler in der Lehre überstrahlen.&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder bezogen auf das Thema der Marien- und Heiligenverehrung schwebte Camerarius vermutlich etwa vor, dass besonders prunkvolle Darstellungen Marias und der Heiligen leichter dazu verleiten konnten, diese als göttlich zu verehren, sobald die Vorstellung von der Möglichkeit solcher Verehrung einmal Eingang in die kirchliche Lehre gefunden und diese so kontaminiert hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie die Einfachheit der biblischen Sprache für Camerarius notwendig ist, um den Menschen die göttliche Wahrheit nahezubringen, die nicht durch übermäßige rhetorische Mittel verfälscht werden darf, so gilt auch für die Bilder, dass die reine Wahrheit zu erhalten und nicht durch menschliche Ausschmückungen zu überdecken ist.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Neve veritatis pulcritudinem ac decus contaminent atque polluant aspersis mendaciorum maculis&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 86). Als Beispiel nennt Camerarius mit Bezug auf Platon (wohl nach Hipp. mai. 290 a ff. und 295 c) die Augen der Statuen, die nicht in grellen Farben wie Gold und Purpur zu bemalen seien, sondern in natürlichen Farben, sodass sie als Augen erkennbar seien.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Die Nachwirkung - Camerarius&#039; Werk als Geschichtswerk=====&lt;br /&gt;
Eines der wenigen unmittelbaren Zeugnisse von Reaktionen auf Camerarius&#039; Jesus-Biographie ist der Brief, den sein ehemaliger Schüler [[Erwähnte Person::Matthias Stojus]] am 21.02.1566 schrieb: Darin bedankt sich Stojus für das Exemplar der Biographie, das Camerarius ihm offenbar zugeschickt hatte, und bedauert, es noch nicht lesen zu können, da [[Erwähnte Person::David Voit]] es ihm sogleich aus der Hand gerissen habe. Allerdings hatte Stojus offenbar immerhin zumindest einen Blick in das Buch werfen können; sein Urteil über das Gesehene fällt positiv aus: Camerarius&#039; Schilderungen stimmten hervorragend mit denen der Bibel überein und würden die Fiktionalität der Erzählungen anderer beweisen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Libellum tuarum narrationum de Vita CHRISTI et Apostolorum accepi, pro quo tibi gratias ago maximas. Arbitror enim illa Sacris literis maxime consentanea esse adeoque exquisiti iudicii et doctrinae ut temere confictae narrationes aliorum facile ostendantur ac refutentur. Avide itaque lecturus eram libellum nisi D. Davides Voit noster illum mihi e manibus eripuisset, ut perlegendo me anteverteret&#039;&#039; (Briefsammlung Trew, Sign. STOIUS_MATTHIAS[30, Digitalisat unter https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv043954193-3H62/TREWBR ). Die Korrespondenz von Camerarius und Stojus untersucht Alexander Hubert ausführlich in seiner am Camerariusprojekt angesiedelten Dissertation.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ansonsten scheint Camerarius&#039; Jesus-Vita vor allem als historiographisches Werk rezipiert worden zu sein, was angesichts ihrer Konzeption als solches nur natürlich erscheint. [[Erwähnte Person::Joachim von Beust]] zitiert Camerarius&#039; Apostel-Viten in seiner 1591 gedruckten [[Erwähntes Werk::Beust, Orthodoxa enarratio Evangeliorum, 1591|&amp;quot;Orthodoxa enarratio&amp;quot;]] als Quelle zum Leben des Paulus&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Beust, Orthodoxa enarratio Evangeliorum, 1591]], Bd. 3, 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
sowie zur Identität des Judas Thaddäus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Beust, Orthodoxa enarratio Evangeliorum, 1591]], Bd. 3, 248f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf Camerarius&#039; genealogische Arbeiten stützen sich zwei spätere Werke: Eine 1685 von Johann Georg Kulpis herausgegebene Kompilation von Werken zur deutschen Geschichte enthält neben zahlreichen anderen Werken auch das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; des Albert von Stade; zu dem Abschnitt, an dem der Autor Jesu Abstammung behandelt und dies mit einem Stammbaum illustriert, notiert der Herausgeber: &#039;&#039;Potiorem de hac genealogia sententiam ducimus, quam sequitur Camerarius de vita Christi pag[ina] 41 et seq[uentibus].&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kulpis 1685]], 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ebenso verwendet der katholische Priester und Archäologe Jean-Jacques Bourassé in seinem polemischen Werk über die Jungfrau Maria Camerarius als Autorität gegen die Lutheraner, die keine Aussagen über Marias Abstammung anerkennen, die sich nicht anhand der Bibel belegen lassen: Schon Epiphanius und Augustinus hätten zur Ergänzung der Lehre der Heiligen Schrift auf die Autorität der Kirche verwiesen und auch die Lutheraner könnten nicht so viele Bücher füllen, wenn sie sich nicht in Teilen auf diese stützten. Marias Abstammung sei gut belegt und es gebe keinen Grund, gerade bei diesem Thema nur die Bibel als Quelle akzeptieren zu wollen, wie es Luther einst getan habe. Als eines der Beispiele für protestantische Gelehrte, die in dieser Frage von ihrem Lehrer Luther abweichen, führt Bourassé Joachim Camerarius an.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Bourassé 1862]], Sp. 674f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei kehrt er freilich Camerarius&#039; Absicht um, der zwar die Benutzung der antiken Autoren empfahl, diese aber ja gerade nicht als unfehlbare Autoritäten sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zeitgeschichte - Camerarius&#039; Geschichte der Böhmischen Brüder (1605)====&lt;br /&gt;
=====Der Kontakt zu den Böhmischen Brüdern=====&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; Hinwendung zur jüngeren Vergangenheit in seiner [[Erwähntes Werk::OC 0949|Geschichte der Böhmischen Brüder]] ist das Resultat langjähriger Kontakte zwischen dieser Organisation und den sächsischen Protestanten. [[Erwähnte Person::Martin Luther]]s Verhältnis zu den Brüdern war im Laufe seines Lebens einem starken Wandel unterworfen; nach anfänglicher Skepsis, die noch von Luthers Erziehung als Mönch geprägt war, öffnete er sich ab den 1520er Jahren zunehmend der Bewegung, gerade zu einer Zeit, als sich umgekehrt in Böhmen eine neue Generation immer mehr Wittenberg zuwandte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Molnár 1981]], 4ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch wenn Luther und die Unität&amp;lt;ref&amp;gt;Die Böhmischen Brüder maßten sich niemals die Bezeichnung einer Kirche an, da sie diesen Begriff universellen christlichen Kirche vorbehielten; sie selbst bezeichneten sich als Unität (lat. &#039;&#039;unitas&#039;&#039;, tsch. &#039;&#039;jednota&#039;&#039;) von Brüdern (vgl. [[Molnár 1951]], 102).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
keine engeren Beziehungen aufbauten und Luther seine eigene Lehre als die richtige sah, standen die Böhmischen Brüder für ihn doch der Wahrheit recht nahe. [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]] schätzte die Brüder, wie bereits ein Brief an dieselben von 1535 belegt, und sah in den wesentlichen Inhalten keine bedeutenden Unterschiede zur Lehre der Lutheraner.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 1559.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Streben nach Anerkennung hatte sich die Unität in ihrem Bekenntnis von 1535 deutlich an Luther angenähert; dieses Bekenntnis wurde nach weiteren Überarbeitungen im Sinne Luthers 1538 mit einem Vorwort desselben in Wittenberg gedruckt. Darin distanziert sich Luther deutlich von seiner früheren Ablehnung der Unität, die seinem früheren &#039;Papismus&#039; geschuldet gewesen sei; dass manche Riten und Zeremonien der Brüder von denen der Protestanten abwichen, sei nur eine natürliche Folge der geografischen und kulturellen Verschiedenheit: Nie hätten alle Kirchen in allen Riten übereingestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Molnár 1981]], 13 und [https://gateway-bayern.de/VD16+C+4825 VD16 C 4825].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] gab es in Camerarius&#039; Umfeld zudem eine weitere Person, die den Böhmischen Brüdern gegenüber überaus aufgeschlossen war:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch [[Teichmann 2004]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Anders als bei Luther und Melanchthon waren der Grund für Peucer keine theologischen Argumente, sondern seine Herkunft: Gebürtig stammte Peucer aus [[Erwähnter Ort::Bautzen]], seine Muttersprache war das Sorbische;&amp;lt;ref&amp;gt;So Peucer selbst in einem Brief an [[Erwähnte Person::Jan Blahoslav]] vom 19.06.1566 (vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00051842 ), unvollständig abgedruckt in [[Benz 1971]], 132, vollständig in [[Gindely 1859]], 289. Er gibt darin zu, dass er die Sprache nicht mehr fließend spreche, aber sich bemühe, sie präsent zu halten, und ihre vollständige Beherrschung sogar der der üblichen Bildungssprachen (ohne konkrete Nennungen) vorziehen würde: &#039;&#039;Nam et henetam linguam, in qua natus sum, interdum per otium repetere conor et sane integram malim, quam ex illis aliquam, quae a nostris hominibus sumptibus magnis, sed ambitione quadam magis, quam fructu discuntur.&#039;&#039; Vgl. auch [[Roebel 2012]], 16 (mit Anm. 10), 29, 95. Vgl. hierzu Melanchthons Lob für Melchior Wins, der seinen Sohn Tschechisch lernen lasse; diese Sprache ziehe auch Melanchthon der Französischen vor ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 8726).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Peucers Dialekt war dem Tschechischen ähnlich genug, dass er eine tschechische Bibelübersetzung als eine Übersetzung in &amp;quot;unsere Sprache&amp;quot; (&#039;&#039;nostra lingua&#039;&#039;) bezeichnete.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Benz 1971]], 129ff. und [[Roebel 2012]], 97.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Immer wieder übernahm Peucer daher Übersetzungsarbeiten aus dem Slawischen für Philipp Melanchthon; zugleich fungierte er in Wittenberg als Anlaufstelle für Besucher aus dem slawischen Raum und kümmerte sich besonders um die aus slawischen Gebieten stammenden Studenten in Wittenberg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Roebel 2012]], 96f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Somit war es wohl eher das Ergebnis eines gewissen Zugehörigkeitsgefühls denn theologischer Übereinstimmung, dass Peucer &amp;quot;während der ganzen Zeit seines Wittenberger Aufenthaltes als Beschützer der böhmischen Brüder aufgetreten und der ständige Fürsprecher ihrer verschiedenen kirchlichen, theologischen und auch persönlichen Anliegen gewesen ist, und daß ihn während der ganzen Zeit eine enge Freundschaft mit den verschiedenen Führern und geistigen Häuptern der Brüder verband&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Benz 1971]], 133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Joachim Camerarius selbst war mit den Böhmischen Brüdern spätestens 1540 in Kontakt gekommen: Damals hatte die Unität ihren Bruder Matthias Erythraeus (Červenka) zu [[Erwähnte Person::Martin Bucer]] nach Straßburg entsandt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Beziehungen zwischen Martin Bucer und den Böhmischen Brüdern vgl. [[Molnár 1951]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am dritten Tag des Aufenthalts wurde die Gesandtschaft von [[Erwähnte Person::Wolfgang Capito]] zu einem Essen eingeladen, bei dem auch mehrere andere Gelehrte zugegen waren. Unter diesen befanden sich neben Bucer und Capito selbst auch [[Erwähnte Person::Caspar Hedio]], [[Erwähnte Person::Johannes Sturm]], [[Erwähnte Person::Johannes Calvin]] und eben Joachim Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Erythraeus&#039; eigenen Bericht in [[Gindely 1859]], 37 (deutsche Übersetzung), 62 (tschechisches Original). Camerarius&#039; Aufenthalt in Straßburg bezeugt ein [[OCEp 1019|Brief]] an Daniel Stiebar vom 10. Juni (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1019]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1556 traf er zudem den Unitätspriester [[Erwähnte Person::Jan Blahoslav]], als dieser von [[Erwähnter Ort::Magdeburg]] über [[Erwähnter Ort::Leipzig]] nach Böhmen zurückreiste;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Blahoslavs Erinnerung an das Treffen in einem Brief an Camerarius vom 16.07.1571, ediert in [[Gindely 1859]], 321f. Vgl. auch [[Goll 1878]], 63, [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 7845 (dat. 01.06.1556), [[Tschižewskij 1940]], 112 und [[Fritsch 2022]], 306.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
ein weiteres Treffen mit diesem auf Camerarius&#039; Rückreise von [[Erwähnter Ort::Wien]] im Jahr 1568 scheiterte.&amp;lt;ref&amp;gt;So Camerarius in einem Brief an [[Erwähnte Person::Isaiah Caepolla]] vom 25.07.1569 (vgl. [[OCEp 1426]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Erwähnte Person::Isaiah Caepolla]], der ebenfalls den Böhmischen Brüdern angehörte, immatrikulierte sich am 23.06.1563 an der Universität Wittenberg,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Förstemann 1894]], 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
wo Camerarius&#039; Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]] lehrte. Vermutlich lernte er während seines Studiums auch Camerarius kennen, mit dem er in der Folge brieflichen Kontakt hielt. Es ist einer dieser - in gedruckter Form erhaltenen - Briefe, in dem Camerarius seine Sympathie mit den Böhmischen Brüdern ausdrückt und bedauert, diese in ihrer schwierigen Lage nicht unterstützen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OCEp 1426]] (dat. 25.07.1569); Camerarius adressiert Caepolla in dem Schreiben als &#039;&#039;amicus&#039;&#039;. Sein Sohn [[Joachim Camerarius II.|Joachim]] führte diesen Kontakt später fort (vgl. Caepollas Brief an diesen vom 11.09.1576 ( http://www.aerztebriefe.de/id/00009579).)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außerdem erfahren wir dort, dass Caepolla Camerarius Gesangbücher als Geschenk schickte und Camerarius selbst auch tatsächlich Lieder daraus sang.&amp;lt;ref&amp;gt;Es mag sich dabei um das 1566 gedruckte deutschsprachige Gesangbuch &amp;quot;Kirchengeseng&amp;quot; der Böhmischen Brüder gehandelt haben ([https://gateway-bayern.de/VD16+XL+117 VD16 XL 117]). Zu den Gesangbüchern der Unität schreibt [[Sladká 2022]], 231: &amp;quot;[Die] aufwendig ausgeschmückten Gesangbücher [der Böhmischen Brüder] wurden berühmt und erfuhren eine Verbreitung quer durch alle Konfessionskirchen; die Verwendung durch Katholiken, Lutheraner und Utraquisten ist in zeitgenössischen Quellen dokumentiert.&amp;quot; Tatsächlich scheinen die Gesangbücher ein bedeutender Teil der Selbstinzenierung und &amp;quot;Propaganda&amp;quot; der Böhmischen Brüder gewesen zu sein (ebd., 233). Von Caepolla haben sich außerdem Korrekturbögen zu einem 1569 gedruckten Gesangbuch erhalten (vgl. [[Sladká 2022]], 250).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Caepolla im August 1571 erneut nach Deutschland reiste, nutzte Blahoslav die Gelegenheit, um Briefe an Camerarius, Rüdinger und Caspar Peucer überbringen zu lassen;&amp;lt;ref&amp;gt;Datiert auf den 16.07.1571, Edition in [[Gindely 1859]], 321f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
in dem Schreiben an Camerarius rekurriert er ebenfalls auf dessen positive Einstellung seiner Kirche gegenüber, von der er unter anderem über [[Erwähnte Person::Johannes Crato]] gehört habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Kontakt zwischen Crato und Blahoslav vgl. dessen Brief an Crato vom 17.08.1568 ( http://www.aerztebriefe.de/id/00034057). Daneben hatte Blahoslav auch regelmäßigen Kontakt zu [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] (vgl. http://www.aerztebriefe.de/).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe an Zitaten verdeutlicht Camerarius&#039; positive Einstellung gegenüber der Unität, die für ihn offenbar eine ursprüngliche, reinere Urkirche darstellte: Esrom Rüdinger sagte dem [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius II.|Camerarius&#039; Enkel Ludwig]] später, dessen Großvater habe sich immer gewünscht, vor seinem Tod einmal in Tschechien die christliche Gemeinschaft der Böhmischen Brüdern zu genießen und die Reinheit ihrer Lehre in der Praxis sehen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Ludwig Camerarius an Karl von Žerotín vom 01.02.1601 (ediert in [[Hrubý 1970]], 116-118): &#039;&#039;nempe vovere [Camerarium] ac precari solitum dicebat [sc. Esromus], ut antequam immutabili Dei aeterni voluntate et providentia migrandum esset ipsi ex hac vita, interesse ipsi liceret Fratrum in regionibus illis coetibus et cum communione ipsorum Christiana frui, tum disciplinae, quae inter illos vigeret, integritatem conspicere.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Stammbuch des Wenzel Placelius schrieb Camerarius nach dem Zeugnis des Johann Lasicius sogar, wenn es irgendwo auf der Welt die wahre Kirche Jesu gebe, dann bei den Böhmischen Brüdern.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Similiter praeclarus ille Joachimus Camerarius in Academia Lipsensi Graecae linguae Professor, scriptura ornans sua, more Germanis recepto, album amicorum Wenceslaii Placelii, nobilis Bohemi, nunc apud Fratres iudicis, huius sententiae verba in eo exaravit;&#039;&#039; Sicubi gentium nunc est vera Christi Ecclesia, certe apud Fratres Bohemicos est. &#039;&#039;Quod vir tantus haud temere pronunciavit: sed quia cum de ipsis historiam concinnare haberet in animo, scire prius eum oportuit, quales ii effent de quibus scripturus erat&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Lasicius 1649]], 122).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und in seiner Geschichte der Böhmischen Brüder schreibt Camerarius selbst, wer bereit sei, genau hinzusehen und die Wahrheit zu bekennen, der werde nicht leugnen können, dass bei den Böhmischen Brüdern die Kirche Christi nicht nur in Wahrheit und in der Sache selbst, sondern auch in der äußeren Form offensichtlich erhalten sei und geleitet und geführt werde; daher werde jeder Kritiker der Böhmischen Brüder kaum dem Verdacht des Neides und der Verleumdung entgehen können (&#039;&#039;Sane qui attendere animum voluerint faterique verum, ii negare non poterunt, quin apud eos Christi Ecclesia non solum in veritate et re ipsa, sed manifesta etiam specie, retenta administrataque et gesta sit; ut eos reprehendentes, vix effugere invidiae et obtrectationum suspicionem posse videantur&#039;&#039;). Zudem lobt er die Unität für ihre christlichen Tugenden und moralische Integrität, da all die Laster, die die Protestanten unter sich entzweiten, bei jener nicht aufträten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 142f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei beruft sich Camerarius auf das positive Urteil Martin Luthers: So verweist er die Gegner der Unität auf das Bekenntnis, das kürzlich (in Rüdingers Übersetzung, s. [[#Joachim Camerarius, Esrom Rüdinger und die lateinische &#039;&#039;confessio&#039;&#039; der Böhmischen Brüder|&#039;&#039;&#039;den folgenden Abschnitt&#039;&#039;&#039;]]) neu aufgelegt und seinerzeit bereits von Luther abgesegnet worden sei. Wer nach Luthers Vorwort noch immer an der Orthodoxie der Brüder zweifle, hinterfrage allzu viel; wer sie aber gar anklage, der sei ein schlechter Mensch. Zwar habe Luther den Glauben der Brüder zunächst abgelehnt, weil er (als Mönch) die Wahrheit nicht gekannt habe, habe sich aber 1532 bei einem Treffen überzeugen lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;... Martinus Lutherus, tale prooemium curavit proponendum, ut qui post illud testimonium accurate et firmis rationibus explicatum, de religionis Fratrum sincera integritate, et pura disciplina honestate, dubitare et quaerere amplius velit, nimis curiosus; qui vero accusare adhuc illos audeat, improbus ac malus sit. Fuit autem initio M. Lutherus inscius veritatis, et ipse Fratribus iniquior. A quibus missi ad eum anno Christi M. D. XXII. quidam, ad considerationem diligentiorem commoverunt animum huius, et tunc conciliata est illius ipsis benevolentia atque amicitia, assensioque et approbatio tam dogmatum quam rituum, quae defenderent, et quos servarent&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 99).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was Luther seinerzeit gegen die Religion der Brüder gesagt oder geschrieben habe, habe er später in anderen Reden und Schriften wieder korrigiert. In der Folge sei Luther der größte Bewunderer und Fürsprecher der Brüder gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sane quicquid [Lutherus] aliquando rumusculis dissipatis assentiens, contra Fratrum religionem, aut de eis criminose contra veritatem, dixit aut scripsit, id postea aliis sermonibus atque scriptis satis superque correxit. Constatque eum huius coetus admiratorem laudatoremque maximum fuisse&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 127).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
An anderer Stelle referiert Camerarius eine Aussage Luthers, die das Vorbild für seinen erwähnten Stammbucheintrag bei Wenzel Placelius gewesen sein mag.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Solos prope in orbe terrarum Fratres, cum puritate doctrinae, vigorem etiam disciplinae Christi apud se restituisse; Quae laus ut eis detur, et hoc in illis opus Domini praedicetur, rem ipsam cogere&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 142).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Joachim Camerarius, Esrom Rüdinger und die lateinische &#039;&#039;confessio&#039;&#039; der Böhmischen Brüder=====&lt;br /&gt;
Das Bekenntnis der Böhmischen Brüder wurde wiederholt überarbeitet, sodass die lateinische Version, die 1538 durch Luthers Vermittlung gedruckt worden war, bald veraltet war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 451ff. für eine Übersicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außerdem erfreute sie sich wegen des allzu unreinen Stils ohnehin nur geringer Beliebtheit, wie Isaiah Caepolla selbst berichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 320. Vgl. auch [[Goll 1878]], 62: &amp;quot;Die Latinität der früheren Confessionen entsprach keineswegs den Ansprüchen des humanistisch gebildeten Zeitalters&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine reine lateinische Übersetzung der Konfession benötigten die Brüder zudem auch, um deren Übereinstimmung mit der &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; aufzeigen und so an der durch diese zugestandenen Religionsfreiheit teilhaben zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Benz 1971]], 137. Vgl. dort auch zum Folgenden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Peter Herbert, der die aktuelle deutsche Version des Bekenntnisses von 1564 besorgt hatte,&amp;lt;ref&amp;gt;Zu ihm vgl. Meyer, Gerhard: &amp;quot;Herbert, Petrus&amp;quot;. In: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 582 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119706032.html#ndbcontent.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
war allerdings aufgrund anderer Beschäftigungen nicht bereit, auch die lateinische Neuübersetzung zu übernehmen. Senior Blahoslav plädierte daher für eine Übersetzung durch den Bruder Johannes Aeneas, der damals unter [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]] in Wittenberg studierte. Dieser bat Rüdinger um eine Musterübersetzung einiger Abschnitte (wohl auf Basis des deutschen Textes&amp;lt;ref&amp;gt;Jedenfalls arbeitete Rüdinger später auf Basis der deutschen Version, wie aus Caepollas Bericht deutlich wird: &#039;&#039;Wittebergae eo tempore dum essem, familiaritate bonorum virorum et praecipuorum in academia usus sum, qui per occasionem saepe mecum loquebantur, esse ex re nostra, ut confessio Germanica Latine ederetur. Ipseque Esromus aliquoties miratus fuit, cur tam diu res differretur, atque aliquando inter conferendum mecum dixerat, se voluisse id officii nostris praestare, e Germanico in Latinum ut transferret, si per suas occupationes licuisset&#039;&#039; ([[Gindely 1859]], 320).&amp;lt;/ref&amp;gt;), deren Stil er dann imitieren konnte. Rüdinger lieferte diese; seine Version fand großen Gefallen bei Blahoslav, wie Isaiah Caepolla berichtet: &#039;&#039;Esromiana cum vidisset Blahoslaus, admodum delectatus est versione illa, ut diceret, se nunquam vidisse tam propriam, quae minus discederet a textu Bohemico, et tamen Latinissima esset.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Gindely 1859]], 320.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aeneas wurde bald nach Böhmen zurückberufen und fiel daher für die weitere Arbeit aus. Rüdinger ließ gegenüber Caepolla immer wieder verstehen, er würde gerne die vollständige Version aus dem Deutschen ins Lateinische übernehmen, wenn er nur die Zeit dazu hätte. Beide einigten sich, jeweils einige Abschnitte zu übersetzen, das Vorhaben scheiterte jedoch zunächst an Rüdingers anderen Beschäftigungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 320f. Vgl. auch [[Goll 1878]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Blahoslav ließ aber nicht nach und trug Caepolla auf, weiter mit Rüdinger zu verhandeln. Am 05.08.1571 traf Caepolla diesen und sprach erneut mit ihm über das Vorhaben. Rüdinger hatte anscheinend seinerseits bereits Camerarius auf das Thema angesprochen und diesen gebeten, die Übersetzung zu übernehmen. Camerarius habe sich jedoch angesichts seines Alters und seiner schlechten Gesundheit (→ [[Medizin (CamLex)#Nierensteine – eine Familienkrankheit|&#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039;]]) selbst nicht zu einer Übersetzung in der Lage gesehen und überdies angemerkt, sein lateinischer Schreibstil sei nicht mit dem des Bekenntnisses kompatibel.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 328: &#039;&#039;[Esromus] [r]eferebat et hoc de Camerario, quod dixerit genus suae orationis periodicum esse, in nostra vero confessione esse commaticum quiddam.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 14. August besuchte Caepolla dann Camerarius in Leipzig und überbrachte Grüße von Blahoslav. Auch im persönlichen Gespräch lehnte Camerarius die Übersetzung ab, versprach aber, jemanden zu finden, der sie übernehmen könne. Caepolla bat ihn daraufhin, Rüdinger zur Übersetzung zu bewegen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 329f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser übernahm die Aufgabe denn auch tatsächlich, als Caepolla von Leipzig nach Wittenberg zurückkehrte, und zeigte sich dabei zu dessen großer Freude äußerst engagiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 330f. sowie Peucers Aussage in seinem Brief an Blahoslav vom 01.10.1571 auf 334.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 1. Oktober reiste Caepolla ein zweites Mal nach Leipzig und besuchte erneut Camerarius; wieder besprach man die Angelegenheiten der Unität. Über Dresden, wo gerade der &amp;quot;Consensus Dresdensis&amp;quot; beschlossen wurde,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 332. Zum &amp;quot;Consensus&amp;quot; vgl. [[Mager 1999]] und [[Hasse 2000]], S. 111-119.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
kehrte er anschließend nach Böhmen zurück, wo er dem sterbenskranken Blahoslav erste Kapitel von Rüdingers Übersetzung präsentieren konnte. Außerdem überbrachte Caepolla neben Briefen von Peucer und Rüdinger ein Antwortschreiben des Camerarius auf Blahoslavs Brief, in dem Camerarius erneut seine Sympathie für die Unität sowie sein Bedauern bekundet, dieser nicht helfen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 331ff., Brieftext auf 332f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 10.05.1572 brach Caepolla erneut nach Wittenberg auf, wo er am 23. desselben Monats ankam, um für Fertigstellung und nach Möglichkeit auch Druck von Esrom Rüdingers lateinischer Version des Bekenntnisses zu sorgen. Deren Abschluss gestaltete sich jedoch wegen Rüdingers anderer Verpflichtungen mühsam.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 338.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich bemühte sich Caepolla um die Unterstützung der Wittenberger Theologen in Form eines öffentlichen &#039;&#039;Testimoniums&#039;&#039;. Diese allerdings hatten Bedenken, da man sie am Hof bereits des Calvinismus verdächtige und ihnen klar gemacht habe, dass sie nichts ohne Zustimmung des Hofes publizieren sollten; zudem befürchtete man, dass, wenn man der Unität Unterstützung gewähren würde, andere Gruppen ebenfalls darum ersuchen würden: Innerhalb von zwei Jahren seien schon 14 Bekenntnisse in Wittenberg vorgelegt worden; die Universität habe alle mit der Begründung abgelehnt, dass die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; als einziges genüge.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 338 und [[Benz 1971]], 137f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch Rüdinger selbst äußerte zuweilen inhaltliche Bedenken am Bekenntnis und änderte neben seiner Übersetzertätigkeit den Text teilweise auch inhaltlich ab, etwa wenn es um den Ritus der erneuten Taufe ging, den die Unität eine Weile praktiziert hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 330, 338 und [[Benz 1971]], 138.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 11. August verließ Caepolla Wittenberg und reiste nach Böhmen zurück;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 339.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
gegen Ende des Jahres machte er sich jedoch erneut auf den Weg ins Reich und kam am 01.01.1573 wieder in Leipzig und kurz darauf in Wittenberg an.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 341 und 346.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei überbrachte er diverse Briefe an die Wittenberger Theologen, an Esrom Rüdinger und an Caspar Peucer, in denen die Brüder nun unter anderem ganz offiziell die Druckerlaubnis für das Bekenntnis sowie ein &#039;&#039;Testimonium&#039;&#039; der theologischen Fakultät zugunsten der Brüder erbaten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 341ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vor der Weiterreise nach Wittenberg suchte Caepolla den Rat des Camerarius ([[#Die Genese der &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;s.u.&#039;&#039;&#039;]]); dieser sah jedoch - zurecht, wie sich zeigte - keine Möglichkeit, von den Wittenbergern eine öffentliche Stellungnahme zu erhalten, und lehnte auch selbst eine solche ab, da er fachlich nicht zuständig sei: Er würde nur die Wut ihrer Gegner auf sich selbst wie auch auf die Unität lenken.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 347. Wie an anderer Stelle Caspar Peucer (vgl. [[Benz 1971]], 138f. nach [[Gindely 1859]], 334 und 337) äußert sich Camerarius hier laut Caepolla bitter über die Uneinigkeit der Protestanten. Gerade nach dem Tod [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]]s habe Camerarius große Bedenken: Dieser sei zwar nicht sehr gebildet gewesen, habe sich jedoch gut steuern lassen, sodass die Erfolgsaussichten höher wären, wenn er noch lebte (&#039;&#039;etsi non erat excellenter doctus, tamen suo loco utiliter et bene docebat et scribebat, et patiebatur sibi subiici et moneri. Habebam, inquit [sc. Camerarius] ipsum quasi in manibus et potuissem ipso viro de successu rei melius sperare&#039;&#039;). Vgl. [[Gindely 1859]], 346f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schließlich wurde das Bekenntnis schließlich den Wittenberger Theologen zur Prüfung übergeben; der Theologe [[Erwähnte Person::Georg Maior]] präsentierte daraufhin einen alten Brief Luthers - dessen Echtheit Caepollas Bericht explizit in Frage stellt -, in dem Luther auf Distanz zu den Böhmischen Brüdern und namentlich ihrer Abendmahlslehre ging.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Gindely 1859, 348f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus privaten Gesprächen entnahm Caepolla zudem, dass die Theologen sich allgemein zurückhaltend zeigten, nicht etwa - entgegen seiner Befürchtung - aufgrund Maiors Protest, sondern aus Angst, die Druckerlaubnis zu verlieren, wenn sie etwas zum Druck zuließen, was dem Hof nicht gefiele.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 349.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
So antwortete [[Erwähnte Person::Caspar Cruciger d.J.]], der für Fragen der Zensur zuständig war,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hasse 2000]], 390.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
denn auch am 30. Januar, er habe zwar persönlich nichts gegen den Druck, eine öffentliche Stellungnahme zugunsten der Unität sei jedoch nicht möglich, da man Wittenbergs Feinden keine Angriffsfläche bieten wolle. Die Entscheidung über die Druckerlaubnis aber stehe der Universität nicht frei, er empfehle stattdessen eine Drucklegung in der Umgebung (etwa in Bautzen) auf Kosten und Risiko der Buchhändler.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 350.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf Caepollas schriftlichen Protest hin&amp;lt;ref&amp;gt;Abgedruckt in [[Gindely 1859]], 351-355.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
entschied man sich dann aber dennoch für den Druck in Wittenberg. Auf das öffentliche &#039;&#039;Testimonium&#039;&#039; verzichtete Caepolla, um die Wittenberger Theologen nicht zu gefährden;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 355f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
diese verfassten jedoch selbst privat einen Brief an die Böhmischen Brüder, in dem sie den Druck und die Akzeptanz der Unität bis in rituelle Einzelheiten bestätigten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 356ff. Derselbe Brief fand dann Eingang in die Basler Edition des Bekenntnisses von 1575 (vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+4828 VD16 C 4828], 11ff.).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dann ging alles recht schnell: Vom Beginn des Drucks zeugt ein Brief Esrom Rüdingers an Andreas Stephanus vom 06.02.1573;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 359.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
am 1. März berichtet Rüdinger in einem Brief an Caepolla nach Abschluss des Drucks von seiner Unzufriedenheit mit dem Ergebnis: Er habe nicht durchsetzen können, dass ihm dieselbe Seite zweimal zur Korrektur vorgelegt werde, und so sei der Druck noch immer voller Fehler.&amp;lt;ref&amp;gt;Dies muss für die sonst überaus auf Perfektion bedachten Brüder schmerzlich gewesen sein, die sonst alles bis hin zur Kommasetzung streng regelten. Vgl. [[Sladká 2022]], 247ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zudem habe sich der Drucker geweigert, Bibelverse als Marginalien zu drucken (nur Buch und Kapitel wurden angegeben). Auf Anraten Caspar Peucers habe man zudem wieder Luthers Vorwort von 1538 abgedruckt. Außerdem enthält der Druck ein historisches Vorwort, das wohl Rüdinger und Caepolla gemeinschaftlich zuzuschreiben ist.&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Goll 1878]], 62. Zur lateinischen Version des Bekenntnisses vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+4827 VD16 C 4827].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zudem rate er, bald die deutsche Version des Bekenntnisses drucken zu lassen; diese hatte ja die Basis der lateinischen Übersetzung gebildet, war aber nun noch einmal so überarbeitet worden, dass sie dem von Rüdinger übersetzten und inhaltlich angepassten lateinischen Text wieder entsprach.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 361f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diesem Rat folgten die Brüder bis Ende April.&amp;lt;ref&amp;gt;Am 24. April befindet sich die deutsche Version im Druck (vgl. Rüdingers Brief an Stephanus [[Gindely 1859]], 360); am 25. April schreibt Rüdinger auch Caepolla, der Druck der deutschen Version schreite voran (vgl. Gindely 1859, 362f.). Für den fertigen Druck vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+4832 VD16 C 4832].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Die Genese der &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot;=====&lt;br /&gt;
Parallel zu den Arbeiten an der lateinischen &#039;&#039;confessio&#039;&#039; verfasste Camerarius ein [[OC 0949|Geschichtswerk über die Böhmischen Brüder]]. Die Arbeit daran war nicht vor 1568 abgeschlossen, wie eine enthaltene Erwähnung von [[Erwähnte Person::Matthias Flacius|Flacius&#039;]] &amp;quot;[[Erwähntes Werk::Flacius, Confessio Valdensium, 1568|Confessio Valdensium]]&amp;quot; zeigt, vermutlich begann Camerarius allerdings erst deutlich später, definitiv aber vor dem Spätsommer 1572.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 343f. Vgl. auch [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Über die Entstehungsumstände ist wenig explizit bekannt, einiges lässt sich aber aus den Berichten des [[Erwähnte Person::Isaiah Caepolla]] und seiner Korrespondenz mit Joachim Camerarius erschließen. Der Pole Johannes Lasicius (Jan Łasicki), der mit den Brüdern in seiner Heimat Polen, aber auch in Böhmen selbst in Kontakt gekommen war,&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem vgl. [[Wotschke 1925]], [[Goll 1878]], 74ff., [[Havelka 2022]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
hatte bis 1568 von sich aus eine Geschichte der böhmischen Brüder mit dem Titel &amp;quot;De origine et institutis fratrum Christianorum, qui sunt in Prussia, Polonia, Boemia et Moravia commentarius&amp;quot; verfasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu dieser ersten Schrift des Lasicius vgl. [[Goll 1878]], 76ff., [[Havelka 2022]], 482f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Manuskript hatte er zunächst an [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze]] zur Begutachtung geschickt, der es mit zwei Jahren Verzögerung am 01.03.1570 mit Verbesserungsvorschlägen an Lasicius zurückschickte und diesen insbesondere anwies, eine Antwort auf [[Erwähnte Person::Matthias Flacius]]&#039; &amp;quot;[[Erwähntes Werk::Flacius, Confessio Valdensium, 1568|Confessio Valdensium]]&amp;quot; einzufügen und Anfeindungen so zuvorzukommen; wenn Lasicius das täte, wolle de Bèze gerne für den Druck des Werkes sorgen. Lasicius ließ seine Schrift zusammen mit Bezas Gutachten wenig später dem Unitätsbruder Jan Lorenc zukommen und bot an, sie drucken zu lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 379ff., [[Wotschke 1925]], 95f., [[Havelka 2022]], 483. Allgemein bestanden innerhalb der Brüderunität strenge Regelungen bezüglich Druckpublikationen: Sämtliche Druckschriften von Mitgliedern der Unität mussten zunächst vom Inneren Rat genehmigt werden. Dieses Kontrollbestreben erstreckte sich jedoch auch auf Werke von Nicht-Mitgliedern. Vgl. [[Sladká 2022]], 244f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vermutlich über Lorenc,&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Havelka 2022]], 483.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
vielleicht auch später in einer überarbeiteten Version&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Goll 1878]], 75.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
gelangte das Manuskript in die Hände [[Erwähnte Person::Jan Blahoslav]]s; dieser hatte einige Bemerkungen notiert und gab die Schrift [[Erwähnte Person::Isaiah Caepolla]] mit, als dieser im August 1571 nach Wittenberg reiste, mit dem Auftrag, er möge dort mit Lasicius konferieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 321.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In einem Brief an Lasicius, den ebenfalls Caepolla überbrachte, fordert Blahoslav Lasicius auf, sein Unternehmen weiterzuführen und so die große Lücke zu schließen, die der Mangel an prounitärer Geschichtsschreibung darstelle; außerdem ließ er durch Caepolla weitere Quellen und historische Notizen überbringen&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den neuen Quellen schreibt Jaroslav Goll: &amp;quot;Als Br. Isaias Cepola im Jahre 1571 nach Deutschland kam, befand sich ein historisches Werk des Blahoslav in seinen Händen. Cepola selbst bezeichnet dasselbe als &#039;&#039;istas Blahoslai nostri notas seu annales nostros&#039;&#039;. Damit kann nur die Summa gemeint sein, da doch Peucer, dem Cepola diese Schrift lieh, das &#039;&#039;böhmische&#039;&#039; Werk, die jetzt allgemein dem Blahoslav zugeschriebene Geschichte der Brüder, nicht verstanden hätte.&amp;quot; ([[Goll 1878]], 56; zu Blahoslavs &amp;quot;Summa&amp;quot; vgl. ebd., 53ff. (Edition auf 114-128), zur böhmischen Geschichte vgl. ebd., 56ff.). Diese Schlussweise ist offensichtlich falsch, da Peucer, wie [[#Der Kontakt zu den Böhmischen Brüdern|&#039;&#039;&#039;oben&#039;&#039;&#039;]] erläutert, Tschechisch (oder &amp;quot;Böhmisch&amp;quot;) sehr wohl lesen konnte; das Ergebnis des Schlusses kann jedoch zumindest halb so bestehen bleiben: Denn nicht nur Peucer, sondern auch Rüdinger bekam die &#039;&#039;Blahoslai nota[e] seu annales nostr[i]&#039;&#039; zu sehen (vgl. [[Gindely 1859]], 328f.); von Rüdinger sind nun aber definitiv keine Kenntnisse des Tschechischen - oder anderer slawischer Sprachen - bekannt (noch 1583 sagte Rüdinger selbst im Kontext seiner Tätigkeit in Ivančice, er verstehe kein &amp;quot;Böhmisch&amp;quot;, vgl. [[Ball 1898]], S. 91). Die allgemein Blahoslav zugeschriebene lateinische &amp;quot;Summa&amp;quot; war also wohl in der Tat unter den Notizen, die Caepolla überbrachte; allerdings - und daher ist das Ergebnis des Schlusses nur &#039;&#039;halb&#039;&#039; korrekt - berichtet Caepolla später, er habe im Frühsommer 1572 einige der Notizen aus dem Tschechischen ins Lateinische übersetzt (vgl. [[Gindely 1859]], 330). Es befanden sich also &#039;&#039;auch&#039;&#039;, wenn auch nicht nur, tschechische Quellen unter diesen. Dabei mag es sich ggf. auch um eine von Blahoslav auf Tschechisch verfasste Geschichte handeln (vgl. [[Goll 1878]], 56ff., besonders aber 60f. zur Argumentation für die Existenz einer heute verlorenen Geschichte der Böhmischen Brüder von Blahoslavs Hand in unbekannter Sprache).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und wies diesen an, Lasicius bei der Arbeit zu unterstützen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 325-328. Vgl. auch [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zunächst traf Caepolla Lasicius in Wittenberg jedoch nicht an; erst am 28. August kehrte dieser aus Polen zurück, sprach kurz mit Caepolla und versprach ihm dann, nach seiner Rückkehr aus Frankreich nach Mähren zu kommen und dort gemeinsam an seinem Werk arbeiten zu wollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 330.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
So hatte Caepolla noch vor Lasicius&#039; Ankunft aus Polen ausreichend Gelegenheit, sich mit Esrom Rüdinger und Caspar Peucer über Lasicius&#039; Werk austauschen zu können. Beide fanden jedoch keinen Gefallen an der Schrift: Für Rüdinger war der Stil für das ernste Thema nicht angemessen; man habe das Gefühl, Lasicius könne nicht schreiben (&#039;&#039;Apparere inde, non multum esse versatum hominem in scribendo&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 328.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch Peucer, der sich die Mühe machte, das Werk auf einer Schulvisitation komplett zu lesen, lobte im Anschluss Lasicius&#039; Vorhaben, bemängelte jedoch den Stil (&#039;&#039;placere sibi dicebat studium ipsius [sc. Lasicii], sed historicum stylum se desiderare in opere contexto&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 329.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rüdinger hatte jedoch an den historischen Notizen Gefallen gefunden, die Caepolla eigentlich zur Unterstützung des Lasicius mitgebracht hatte. Wenn ein Historiograph diese in die Hände bekäme, so meinte er, könne er damit leicht ein historisches Werk verfassen (&#039;&#039;Longe praeferebat [sc. Rüdingerus] breves istas Blahoslai notas seu annales nostros; si quispiam historicus eas haberet, haud difficile chronicon scribere posset&#039;&#039;). Er selbst würde dies gerne übernehmen, wenn er die Zeit dafür hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 328f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieses Gespräch zwischen Rüdinger und Caepolla im August 1571 liefert somit einen sicheren Terminus ante quem für Camerarius&#039; eigene Bemühungen um eine Geschichte der böhmischen Brüder: Gewiss hätte Rüdinger gewusst, wenn sein Schwiegervater bereits an einem solchen Geschichtswerk arbeitete, und hätte es im Gespräch erwähnt und Caepolla aufgefordert, seine Quellensammlung Camerarius zukommen zu lassen; Caepolla hatte ebenfalls keinen Grund, eine solche Äußerung Rüdingers in seinem Bericht zu verschweigen, da er Camerarius&#039; eigenes Werk kurz darauf selbst unterstützte und offen in seinem Bericht erwähnt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vielmehr nahm Camerarius&#039; Interesse für die Geschichte der Böhmischen Brüder vermutlich tatsächlich hier im August 1571 seinen Anfang: Bei Caepollas Besuch am 14.08.1571, bei dem er Camerarius auch den erwähnten Brief des Blahoslav überbrachte ([[#Der Kontakt zu den Böhmischen Brüdern|&#039;&#039;&#039;s.o.&#039;&#039;&#039;]]) und mit Camerarius über die Pläne zur Übersetzung des Bekenntnisses sprach ([[#Joachim Camerarius, Esrom Rüdinger und die lateinische confessio der Böhmischen Brüder|&#039;&#039;&#039;s.o.&#039;&#039;&#039;]]), zeigte sich dieser hochinteressiert an den Angelegenheiten der Unität, ihrer Geschichte und ihren Riten. Auf Caepollas genauere Erklärung einiger Rituale bekannte Camerarius, dass er diese nicht als Neuerungen der Brüder, sondern als Wiedereinführung von Riten sah, die schon in der frühen Kirche zelebriert worden seien (&#039;&#039;dicebat ... nihil novi a nostris fieri, sed eundem ritum fuisse in veteri ecclesia, id quod videre est ex scriptis patrum&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 329.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch bei Caepollas zweitem Besuch im Oktober tauschten sich beide wieder über die Brüder aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 331f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In seiner (undatierten) Antwort auf Blahoslavs Schreiben, die Caepolla im Oktober 1571 mit nach Tschechien nahm, bedauert Camerarius erneut, den Brüdern nicht recht helfen zu können, da er zu alt und zu krank sei und seine Autorität in Glaubenssachen zu wenig Gewicht habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 331ff., Brieftext auf 332f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch hier also noch keine Erwähnung des Vorhabens, ein Geschichtswerk zu verfassen, geschweige denn ein Versprechen, dies zu tun;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 64: Zu einem solchen habe Caepolla Camerarius bewogen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
doch das Interesse an der Geschichte der Unität war im Sommer 1571 offensichtlich bereits geweckt. Über Rüdinger und Peucer hörte Camerarius zudem vermutlich von dem Versuch des Lasicius und erhielt eine erste Einschätzung von dessen Qualität; auch mit Lasicius selbst sprach er nach dessen Zeugnis im Sommer 1571 über die Geschichte der Brüderschaft.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Lasicius 1649]], 122: &#039;&#039;Multis idem Camerarius de iisdem Fratribus mecum, praesente celebri illo Medico Gasparo Peucero, ... Lipsiae contulit, Anno 1571. cum tertio iter facerem in Galliam.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vermutlich war dies für Camerarius letztlich der Anlass, sein Interesse am Thema zu verschriftlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Inhalt des Geschichtswerks selbst legt die Vermutung nahe, dass Camerarius in der zweiten Hälfte des Jahres 1571 oder Anfang 1572 von der Planung zum aktiven Schreiben übergegangen war: Die &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot; ist zweigeteilt; nach einer zunächst recht oberflächlichen Darstellung der Geschichte der Böhmischen Brüder kehrt die Erzählung nach einem zweiten Proöm an den Anfang zurück und beginnt detaillierter von Neuem.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch [[Erwähntes Werk::OC 0949]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Jaroslav Goll erklärt dieses Phänomen dadurch, dass Camerarius von Caepolla neues Quellenmaterial erhalten und daraufhin noch einmal neu angesetzt habe;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
diese Erklärung ist plausibel und deckt sich zudem mit dem, was wir von Caepolla hören: Demnach wäre der erste Teil des Werks irgendwann nach Caepollas Abreise im Winter 1571/72 entstanden. Bei seinem nächstem Aufenthalt in Wittenberg zwischen dem 23.05. und dem 11.08.1572 nutzte Caepolla dann die Zeit, die Rüdinger mit der Übersetzung des Bekenntnisses verbrachte, um selbst einige historische Notizen aus dem Tschechischen ins Lateinische zu übertragen;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Notizen hatte er ja bei sich behalten, nachdem Lasicius versprochen hatte, nach seiner Rückkehr aus Frankreich nach Mähren zu kommen und Caepolla dort zu treffen (vgl. [[Gindely 1859]], 330). Lasicius verstand als gebürtiger Pole vermutlich Tschechisch zumindest bis zu einem gewissen Grad; daher war keine Übertragung ins Lateinische vonnöten gewesen, solange Lasicius alleine der Adressat gewesen war. Mit Camerarius&#039; Auftreten änderte sich das nun.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
im Rahmen zweier weiterer Besuche in diesem Zeitraum übergab er diese Übersetzungen in Leipzig an Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 339. Vgl. auch [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser begann nach Erhalt des neuen umfangreichen Quellenmaterials von vorne, was die zweigeteilte Struktur der &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot; erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch [[Erwähntes Werk::OC 0949]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei seiner erneuten Reise nach Sachsen an Neujahr 1573 überbrachte Caepolla ein Schreiben des Andreas Stephanus, in dem dieser bei Camerarius - wie auch schon bei den Wittenbergern - um ein &#039;&#039;Testimonium&#039;&#039; zugunsten der Brüder anfragt und ihn bittet, soweit es Gesundheit und Beschäftigungen zulassen, sein Geschichtswerk fortzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 343f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie die Wittenberger lehnte Camerarius ein öffentliches &#039;&#039;Testimonium&#039;&#039; ab ([[#Esrom Rüdinger, Joachim Camerarius und die lateinische &#039;&#039;confessio&#039;&#039; der Böhmischen Brüder|&#039;&#039;&#039;s.o.&#039;&#039;&#039;]]), machte jedoch anderweitig Hoffnung: Er habe sich bereits in [[Erwähntes Werk::Flaminio, Epistolae, 1571|seiner Übersetzung der Flaminio-Briefe]] positiv über die Brüder geäußert&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Flaminio, Epistolae, 1571]], Bl. I4r/v.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
und er hoffe, ein noch umfangreicheres und bedeutenderes Werk zu hinterlassen - eine klare Anspielung auf das im Entstehen begriffene Geschichtswerk.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 347.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem arbeitete Camerarius nun im Laufe des folgenden Jahres, er wartete aber offenbar noch auf weitere Unterstützung von Seiten der Unität. Am 13.05.1574 jedoch musste Esrom Rüdinger Caepolla mitteilen, es sei nun zu spät, da Camerarius kürzlich verstorben sei; er selbst befinde sich daher in tiefer Trauer, und es komme noch hinzu, dass einige Leute ihm - im Zuge der Kryptocalvinistenverfolgungen in Wittenberg - mit dem Exil drohten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Historica vestra nimis diu distulistis, cum senex noster iam sit mortuus. Ego socero amisso non tantum in luctu sum gravissimo, sed sunt etiam, qui exilia nobis minantur&#039;&#039; (Gindely 1859, 363). Es ist unklar, ob und inwieweit - den Befürchtungen der Wittenberger entsprechend - die Arbeit an und die Druckerlaubnis für das Bekenntnis der Böhmischen Brüder sich auf die Verfolgungen auswirkten.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Tat folgte Rüdinger bald darauf dem Ruf der Böhmischen Brüder nach [[Erwähnter Ort::Eibenschütz]] (Ivančice), um dort das Internat des Gymnasiums zu leiten. Er kehrte von dort erst 1588 nach [[Erwähnter Ort::Altdorf]] bei Nürnberg zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Ball 1898]], S. 88-97, [[Fritsch 2022]], 306 und Siegfried, Carl G.A.: &amp;quot;Rudinger, Esrom&amp;quot;. In: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 470 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117598690.html#adbcontent. Zur Rückkehr vgl. auch http://www.aerztebriefe.de/id/00041022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Die Bewertung des Geschichtswerks=====&lt;br /&gt;
So starb Camerarius, ohne der &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot; den letzten Schliff gegeben zu haben; im Rahmen einer finalen Überarbeitung wäre vermutlich auch die doppelte Erzählung zu einer einzigen vereint worden. Camerarius&#039; Enkel [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius II.|Ludwig]] fand das handschriftliche Werk nach eigener Aussage im Jahr 1600 oder 1601 im Nachlass seines Vaters [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Joachim Camerarius d.J.]] und beschloss auf die Bitten von Freunden hin, es zu drucken. Diese empfahlen auch, die mittlerweile kaum noch verfügbare lateinische &amp;quot;Confessio&amp;quot; in den Druckverbund einzugliedern. Dies wollte er jedoch nicht ohne die Erlaubnis der Unität tun, um deren Sache es immerhin gehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief an Karl von Žerotín vom 01.02.1601 (ediert in [[Hrubý 1970]], 116-118). Zur Druckgeschichte vgl. auch Ludwig Camerarius&#039; Widmungsbrief ([[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], Bl. **5r/v).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das Werk kam letztlich - ohne die &amp;quot;Confessio&amp;quot;, aber in Verbund mit diversen weiteren Schriften zu den Böhmischen Brüdern - 1605 in den Druck.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]] und [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch von Ausgaben aus den Jahren 1615 und 1625 ist berichtet worden, diese sind allerdings nicht mehr greifbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Beyreuther et al. 1980]], 52, [[Fritsch 2022]], 309.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jaroslav Goll bezeichnet insbesondere die zweite, detailliertere Hälfte als &amp;quot;die erste wissenschaftliche Darstellung der älteren Brüdergeschichte (...). Sie wurde im 16. und 17. Jahrhunderte von keiner späteren Arbeit übertroffen und ist auch für uns, die wir auf ihre Quellen zurückgreifen können, nicht ohne Wert&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch Alfred Eckert sieht die &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot; als &amp;quot;wertvolle Quelle zur Erforschung der Geschichte der Brüdergemeinde&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Beyreuther et al. 1980]], 46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich, so Goll, sei das Werk von antiken Vorbildern - in Bezug auf &amp;quot;unnötige&amp;quot; Exkurse - und der typischen Apologetik der unitären Geschichtsschreibung geprägt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Tat äußert sich Camerarius zu Beginn des Werks geradezu programmatisch zu dem Ziel der &amp;quot;Historica narratio&amp;quot;: Zu viele Lügen und Unwahrheiten seien im Laufe der Zeit über die Böhmischen Brüder verbreitet worden und beeinflussten die Urteilsbildung der Menschen. Er wolle nun die wahre Geschichte der Unität verkünden und so dem Leser ein angemessenes Urteil darüber erlauben, ob man sich bei den Brüdern von der wahren Lehre entfernt habe oder ob sie im Gegenteil diese aus gleichsam babylonischer Verwirrung wiederhergestellt hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 6f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die apologetische Note verstärken die Textbeigaben, die gezielt ausgewählt wurden, um die Verbindung zwischen Hussiten und Böhmischen Brüdern zu belegen und die zu Waldensern und Albigensern zu widerlegen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Beyreuther et al. 1980]], 52f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Indem er die Böhmischen Brüder nicht von den Taboriten unterscheide, begehe Camerarius laut Goll allerdings einen ähnlichen Fehler, wie er Flacius in dessen Vermischung von Waldensern und Unität vorgeworfen habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Blahoslav zugeschriebene &amp;quot;Summa&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
habe Camerarius vollständig übernommen, wenn auch teilweise sprachlich überarbeitet, und anschließend inhaltlich erweitert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 65ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Lasicius, den die Brüder ursprünglich hatten unterstützen wollen, überarbeitete nach Erhalt des zusätzlichen Materials 1571 seine angefangene Geschichte der Böhmischen Brüder gründlich und erweiterte sie über eine Dekade lang zu acht Büchern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 75, [[Havelka 2022]], 483.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesen arbeitete er zunächst bis 1585 und stützte sich dabei auch - in handschriftlicher Form - auf das Werk des Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 74 und 78, dort auch Anm. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dann schickte er seine Schrift erneut zur Begutachtung an die Brüder, &amp;quot;deren Reaktion allerdings auch diesmal ausweichend war. 1592 beschloss die Unität, nicht länger auf die Nachfragen von Lasitius zu reagieren&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Havelka 2022]], 483.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Lasicius unternahm daraufhin eine weitere Überarbeitung mit neuen Materialien, die der polnische Senior der Brüder Simeon Theophil Turnowski ihm zur Verfügung stellte. Mit seinem Schreiben vom 12.01.1599 widmete er es Karl von Žerotín in der Hoffnung, dass dieser das Werk zum Druck bringen würde. Dazu kam es jedoch zu Lasicius&#039; Lebzeiten nicht mehr;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 75f., [[Wotschke 1925]], 95, [[Kurze 1975]] 53f., [[Havelka 2022]], 483f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Karl der Ältere von Žerotín brachte der &#039;&#039;Historia&#039;&#039; offenkundig kein größeres Interesse entgegen&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Havelka 2022]], 487.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Auch Jaroslav Golls Urteil über Lasicius&#039; Werk fällt hart aus: &amp;quot;Weitschweifigkeit, ja Schwatzhaftigkeit könnte man [Lasicius] zum Vorwurf machen. Je weiter die Arbeit fortschreitet, desto wertloser wird sie&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Goll 1878]], 78f.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Das Manuskript verschwand in Archiven, ohne allerdings vollständig vergessen zu werden,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Havelka 2022]], 487ff.: Zumindest Johannes Laetus (Veselský) und Andrzej Węgierski hatten Zugriff auf das Werk und verwendeten es in ihren eigenen kirchenhistorischen Darstellungen. Über Węgierski kam vermutlich Laetus an Auszüge und das Manuskript schließlich in den Besitz von Comenius.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
bis es an [[Erwähnte Person::Johann Amos Comenius]] kam, der 1649 das achte Buch mitsamt Auszügen aus den anderen Büchern und Inhaltsverzeichnissen zu diesen drucken ließ.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 76 und [https://kxp.k10plus.de/DB=1.28/CMD?ACT=SRCHA&amp;amp;IKT=8079&amp;amp;TRM=%2712:116849B%27 VD17 12:116849B] (= [[Lasicius 1649]]). Zu einer Edition von 1660 aus Amsterdam vgl. http://www.wbc.poznan.pl/dlibra/docmetadata?id=335034. Vgl. ausführlich [[Havelka 2022]], 491.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Vermutlich dachte er es als eine Art Sittenspiegel, um den Böhmischen Brüdern seiner Zeit, ein Jahr nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs, vorzuhalten, wie weit man sich bereits von den Idealen der Frühzeit entfernt hatte, vergleicht Lasicius die Unität seiner Zeit doch noch mit den urchristlichen Gemeinden des Epheserbriefs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Havelka 2022]], 496.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das ursprüngliche Manuskript verbrannte vermutlich 1656 in Lissa, wohin Comenius es mitgenommen hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Havelka 2022]], 484.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Einige Abschriften von Teilen des Werks haben sich erhalten, außerdem Exzerpte des Comenius.&amp;lt;ref&amp;gt;Erhalten sind die Bücher 1-4 und 6, wobei einige Paragraphen von Buch 4 als Buch 5 gezählt werden. Vgl. genauer [[Havelka 2022]], 484f., dort auch mit Kapitelüberschriften und Inhaltsangaben. Zu Comenius&#039; Exzerpten vgl. ebd., 491.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lasicius&#039; erstes, kürzeres Werk blieb in Auszügen zumindest bis 1925 in verschiedenen Archiven erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 76f. und [[Wotschke 1925]], 96.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Alexander Hubert&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Systematische Theologie und theologische Positionen des Camerarius===&lt;br /&gt;
Das lange Leben des Camerarius weist in theologischer Hinsicht naturgemäß einige Brüche auf. Die Hinwendung zur Reformation lässt sich durch einige biographische Erlebnisse belegen: Die [[Erwähnte Körperschaft::Sodalität (Erfurt)|Erfurter Sodalitas]] oder den Umzug nach [[Erwähnter Ort::Wittenberg]] 1521. Später erfolgende Positionsverschiebungen lassen sich aufspüren, indem man Camerarius&#039; Äußerungen zu bestimmten theologischen Fragen an verschiedenen Zeitpunkten vergleicht -, sofern er sieoffen kommuniziert. Vorsicht ist dagegen geboten bei Aussagen Dritter, die ihn (oft polemisch) bestimmten theologischen Lagern zuordnen, so wie [[Erwähnte Person::Nikolaus Selnecker]] ihn etwa als Haupt der Leipziger Calvinisten bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Aussage von [[Erwähnte Person::Jakob Andreae]]: Brief-ID 20922, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/20922. Zugriff am 16.2.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Freundschaft zu Melanchthon legt es nahe, ihn einen [[Erwähnte Körperschaft::Philippisten]] zu nennen;&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Schubert 2013]], S. 49.&amp;lt;/ref&amp;gt; jedoch ist dieser Begriff mangels klarer Definition&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Problematik vgl. [[Koch 1986]] und [[Ludwig 2009]], S. 8-16.&amp;lt;/ref&amp;gt; weder eindeutig noch aussagekräftig. Beide entwickelten und vertraten gemeinsam die Lehre von den &amp;quot;Adiaphora&amp;quot;: Bei diesen handelte es sich überwiegend um Zeremonien und Äußerlichkeiten, die als nicht heilsnotwendig erachtet wurden und bei denen Zugeständnisse möglich waren, wie dem Tragen des Chorrocks.&amp;lt;ref&amp;gt;Camerarius bekennt sich in seinem [[Erwähntes Werk::OC 1036|Gutachten für Kurfürst August]], Abschnitt 9, klar dazu, an den entsprechenden Verhandlungen beteiligt gewesen zu sein. Vgl. auch [[Engel 2014]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Was die beiden Freunde&amp;lt;ref&amp;gt;Zur engen Freundschaft der beiden vgl. u.a. [[Rhein 2024]].&amp;lt;/ref&amp;gt; grundsätzlich verbindet, ist ihre irenische Haltung: So lobt [[Erwähnte Person::Johannes Sturm]] Camerarius in einem Hodoeporicon&amp;lt;ref&amp;gt;[[Camerarius, Disputatio de precibus (Druck), 1560]], Bl. A7r/v.&amp;lt;/ref&amp;gt;: &#039;&#039;De religione ita disserit et quidem de magnis controversiis: ut in nullum ordinem sit acerbus, in nullum horum iniquus, et tamen gravis vitiorum reprehensor: et falsae doctrinae acer castigator et superstitionis emendator vehemens.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzt von Vinzenz Gottlieb: Zur Religion und auch zu den großen theologischen Zwistigkeiten äußerte er sich in der Weise, dass er gegen keine Gruppierung roh oder ungerecht agierte und dennoch schwerwiegende Missstände bemängelte: Er tadelte falsche Lehren streng und ging energisch gegen Aberglauben vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius macht kein Hehl daraus, dass er kein Theologe ist (siehe ↑ [[Theologie (CamLex)#Historische Theologie|Abschnitt zur Kirchengeschichtsschreibung]]). Seine Überzeugungen gewinnt er aus der Heiligen Schrift, vor allem aus den Paulus-Briefen, und aus der Lektüre der Kirchenschriftsteller. Das Übergewicht der verwendeten griechischen Autoren gegenüber den lateinischen ist dabei auffällig: Die &amp;quot;Kappadokischen Väter&amp;quot; und [[Erwähnte Person::Johannes Chrysostomos]] rezipiert er sehr häufig. Gegenüber westlichen Kirchenvätern wie [[Erwähnte Person::Aurelius Augustinus]] und [[Erwähnte Person::Hieronymus (Kirchenvater)]], die allenfalls gelegentlich herangezogen werden, werden selbst byzantinische Autoren wie [[Erwähnte Person::Theophylactus]] wesentlich häufiger genannt. Ob hier das gewohnte Misstrauen gegenüber Rom zum Ausdruck kommt oder ob Camerarius eine Notwendigkeit sieht, Inhalte der griechischen Texte der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen, ist noch ungeklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Für quantitative Untersuchungen dieser Frage empfehlen wir die Nutzung der Volltextsuche.&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst auf pagane Philosophen wie [[Erwähnte Person::Platon]] greift er zurück, wenn sie seinen Zielen dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Z.B. im [[Erwähntes Werk::OC 0894|Geleitbrief zur Homiliensammlung]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 17: Es sei schwierig, den Schöpfer der Welt zu finden, und wenn es gelinge, dann darüber zu sprechen. So sage Platon in den Exzerpten des Hermes Trismegistos.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine umfangreiche Rezeption der Antike charakterisiert ihn als Humanisten, der &#039;&#039;ad fontes&#039;&#039; ging, an den theologischen Debatten seiner Zeit nur sehr zurückhaltend teilnahm und manche Entwicklungen sogar gänzlich ignorierte.&amp;lt;ref&amp;gt;So suggeriert es sein Schweigen in vielen Streitfragen. Man beachte die spärlichen Belege für Camerarius in der Datenbank [https://www.controversia-et-confessio.de/ &amp;quot;Controversia et Confessio&amp;quot;].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Bekenntnisse im Gutachten====&lt;br /&gt;
Abgesehen den katechetischen Werken enthält ein auf den 15. Februar 1559 datiertes [[Erwähntes Werk::Camerarius, Bedencken den Wimmarischen buchs halbenn, 1559|Gutachten]] die deutlichsten Aussagen über die theologische Ausrichtung des Camerarius. Im Auftrag von [[Auftraggeber::August (Sachsen)|Kurfürst August]] nimmt er darin Stellung zum [[Erwähntes Werk::Weimarer Konfutationsbuch 1559]], an dessen Aufbau (Einteilung in neun Kapitel) er sich orientiert. Eine Edition des Schriftstücks ist im Rahmen dieses Projekts erfolgt: [[Erwähntes Werk::OC 1036|Camerarius, Bedencken den Wimmarischen buchs halbenn, 1559]]. Camerarius bekennt sich unter anderem zur Gewissensfreiheit und zur Trinität (1. Abschnitt) und nimmt Stellung zur Abendmahlsfrage (5. Abschnitt, Bl. 29r/v): &amp;quot;Es seie bey dem nachtmal deß Herrn, oder Sacrament des leibs vnd bluets Iesu Christi, Er der Herr selbst, des das nachtmal ist, gegenwertig, vnd werde aldo entpfangen, in austeilung des brots der leib Christi, vnd austeilung des Kelchs das blut Christi, warhafftig, vnd nitt erdichter weiße, dieweil geschrieben stehet ausdrucklich, Das ist mein leibe, das ist mein bluethe (...) Das im nachtmal des Herrn entfangen werde, nitt gemeine brothe vnd wein, sunder ein solche broth vnd wein, Welchs ist die gemeinschafft des leibs vnd bluets Christi, nitt fleischlicher, sinnlicher entpfindlicher weysse, oder das brott vnd wein verschwinde, sunder wie der Herr weisse vnd wille, der diesser geistlichen speisse niessung verordnet, vnd die geschaffet hathe&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine klare Absage an die katholische Transsubstantiationslehre. Es ist noch zu untersuchen, wie sich das Abendmahlsverständnis im innerprotestantischen Konflikt verorten lässt. In anderen Schriften versucht Camerarius den Spagat zwischen lutherischer und reformierter Abendmahlslehre, so in der [[Erwähntes Werk::OC 0579|Katechesis]], S. 383, wo er die wahrhaftige Gegenwart Christi und gleichzeitig den Symbolcharakter betont (Übersetzung: [[Seckt 1888]], S. 20): &amp;quot;Wie der Gottessohn Mensch geworden, im Fleische gelitten, vom Tode erstanden, aufgefahren ist gen Himmel und zur Rechten sitzt des allmächtigen Vaters wahrhaft und wörtlich, ohne jede Allegorie und ohne Sinnbild (räumlich unbegrenzt und durch Menschengedanken nicht zu umfassen), aber so, daß es ein Geschöpf nicht zu verstehen, eines Menschen Wort nicht zu sagen, Menschenverstand nicht zu begreifen vermag, - so wird Leib und Blut Christi, nach der Einsetzung des Herrn, in der Gemeinde wahrhaft und wirklich ausgeteilt. Der gottselige Glaube allein versteht das Geschehende, das menschlichem Wissen verschlossen bleibt. - Das Abendmahl aber besiegelt die göttliche Liebe und Gnade. Wir feiern es zum Gedächtnis des Geheimnisses der Erlösung durch das Blut Christi, der Sündenvergebung und unserer dauernden Gemeinschaft mit Jesus Christus, unserm Herrn. Indem wir seinen Leib essen, werden wir mit Christo in einem Leibe vereinigt (...); wir werden im Glauben gestärkt, indem wir das Blut in seiner Gemeinde trinken. (...) Endlich ist das Herrenmahl auch ein σύμβολον καὶ σημεῑον φανερόν, ein Merkmal und Zeichen des übereinstimmenden Glaubens der Christen&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius äußert sich zur Rechtfertigungslehre (6. Abschnitt)&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rechtfertigungslehre bezieht C. gelegentlich (nicht immer absichtlich) Positionen, die lutherischem Denken fern stehen, ja an die Werkgerechtigkeit erinnern: Vgl. [[Stählin 1936]], S. 59. Dies vor allem in der [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Werk), 1566|&amp;quot;Historia Jesu&amp;quot;]], S. 2, und in der [[Camerarius, Querela Martini Luteri (Werk), 1554|&amp;quot;Querela Luteri&amp;quot;]], S. 32 (&#039;&#039;Nescio sane ... si in Ecclesia Christi necessitas bonorum operum praedicari non debeat.&#039;&#039;). Im Gutachten stellt er sich vor [[Georg Maior]]und verteidigt ihn gegen den Vorwurf, er predige die Werkgerechtigkeit. Er weist aber auch darauf hin, dass gute Werke im Himmel und auf Erden ihre Belohnung erhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt; und verteidigt adiaphoristische Positionen (9. Abschnitt), die er - so seine Worte - seit 1545 zusammen mit [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] und [[Philipp Melanchthon]] vertreten habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Das bezieht sich, wie der Hinweis auf 1545 zeigt, auf die [[Leipzig]]er Bartholomäuskonferenz, an der Camerarius teilgenommen hatte: Vgl. [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]], S. 207-209.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anklänge der vier protestantischen Prinzipien &#039;&#039;sola scriptura, sola gratia, sola fide, solus Christus&#039;&#039; finden sich ebenso. Camerarius führt die theologische Autorität eines [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)|Georg von Anhalt]] (9. Abschnitt) und eines Melanchthon ins Feld, dessen Schriften sogar [[Erwähnte Person::Martin Luther]] gelobt habe (6. Abschnitt)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier ist die Position zur Willensfreiheit angesprochen. Bereits in den diesbezüglichen Streit zwischen Luther und [[Erasmus von Rotterdam]] hatte Camerarius 1524/25 vermittelnd einzugreifen versucht.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich verworfen werden u.a. die Lehren [[Erwähnte Person::Michael Servetus|Servets]] und [[Erwähnte Person::Caspar Schwenckfeld|Schwenckfelds]] (1. Abschnitt), der Antinomismus, die Lehre der Wiedertäufer (4. Abschnitt) sowie weitere Lehrmeinungen. Die Lehren von [[Erwähnte Person::Andreas Osiander|Osiander]] und [[Erwähnte Person::Francesco Stancari|Stancari]] teilt C. zwar nicht, verwirft sie aber auch nicht. Hierbei verweist er auf das Gutachten [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]]s aus [[Erwähnter Ort::Nürnberg]] von 1555, das er selbst auch unterschrieben hat und worin Osianders Lehre klar verworfen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7591 MBW Regesten, Nr. 7591].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auffällig ist, dass Camerarius im Jahr 1559 den osiandrischen Positionen neutraler gegenübersteht als noch 1555. Er nimmt aber Stellung gegen das Papsttum (9. Abschnitt). Starke Kritik übt er an [[Erwähnte Person::Matthias Flacius]] Illyricus und [[Erwähnte Person::Nikolaus Gallus]] (jeweils 9. Abschnitt).&amp;lt;ref&amp;gt;Diese ungewohnt heftige Positionierung gegen Flacianer findet man bereits in der &amp;quot;Querela Luteri&amp;quot; und im &amp;quot;Onar hypar&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zum Majorismus vermeidet er eine klare Stellungnahme (8. Abschnitt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um eine innerprotestantische Kontroverse handelt, bleiben im Gutachten theologische Fragen ausgespart, die Konfliktfelder zwischen Protestanten berühren. So kann zwar in manchen Punkten C.&#039; Übereinstimmung mit Melanchthon und Georg von Anhalt festgestellt werden: Aber Fragen etwas der Kirchenorganisation, in denen Georg sich zu Lebzeiten im Sinne eines Episkopalismus positioniert hatte, werden nicht angerissen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Georgs stark katholisch geprägtem Kirchenverständnis vgl. [[Sander 2008]] sowie [[Wartenberg 1988]] passim.&amp;lt;/ref&amp;gt; C.&#039; Haltung dazu kann somit nicht durch diesen Text geklärt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu [[Stählin 1936]], S. 54f.: Auch dort wird aber nur erwähnt, was Camerarius nicht wollte. So habe Camerarius den Zustand der alten (römischen) Kirche abgelehnt und Irrwege immer wieder benannt. Einen positiven Gegenentwurf des Camerarius sucht man vergebens.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansonsten finden sich theologische Positionierungen vereinzelt in Werken und Briefen, z.B. in den [[Erwähntes Werk::OC 0455|&amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;]], der [[Erwähntes Werk::OC 0579|&amp;quot;Catechesis&amp;quot;]], [[Erwähntes Werk::OC 0459|&amp;quot;De invocatione sanctorum&amp;quot;]] und der [[Erwähntes Werk::OCEp 1468|&amp;quot;Theodoret-Einleitung&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Es ist bemerkenswert, dass C. in der &amp;quot;Catechesis&amp;quot; aus dem Jahr 1552 einige reformierte (zur Abendmahlslehre) und katholische Positionen (Heiligenverehrung, Zölibat) ablehnt, sich jedoch für die Einheit der Kirche einsetzt. Dies passt zu seinen Einigungsbemühungen in der Interimsfrage und der &amp;quot;Confessio Saxonica&amp;quot;. Siehe auch [[Schultheiß 2024]], S. 198-200.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein konsensorientiertes Denken zeigt sich immer wieder in einzelnen Briefen, so in einem [[Erwähntes Werk::OCEp 1190|Brief an Crato]] vom 11.4.1567, in dem er seine Rolle im Streit um [[Erwähnte Person::Victorinus Strigel]] kritisch reflektiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Rolle bleibt nach außen aber undurchsichtig. Zum Hintergrund: Wegen des Vorwurfs calvinischer Theologie hatte Superintendent [[Johann Pfeffinger]] ein Lehrverbot für Strigel durchsetzen lassen: Vgl. Brief-ID 19326, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/19326. Zugriff am 5.2.2025, Brief-ID 33488, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/33488. Zugriff am 5.2.2025. und Jacobi, Carl Ludwig: Neue Beyträge von Alten und Neuen Theologischen Sachen, Büchern, Urkunden, Controversien, Anmerkungen, Vorschlägen etc.: zum Wachsthum der Theologischen Gelehrsamkeit, wie auch der Alten und Neuen Kirchen- und Gelehrten-Geschichte etc. ... mitgetheilet: [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10785322?page=458,459 auf das Jahr 1753, S. 459-471].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch [[Erwähntes Werk::OC 0444|eine Universitätsrede von 1544]] und die posthum herausgegebene Schrift [[Erwähntes Werk::OC 0943|De dissidio in religione]] offenbaren seine Standpunkte.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;De dissidio in religione&amp;quot; wurde von [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze]] herausgegeben ohne Nennung des Verfassers, als der Camerarius vermutet wird. Ein Beweis dieser These könnte viele seiner Positionen unterstreichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Scheinbar konträr zu Camerarius&#039; vielgerühmter Irenik steht die Aussage in [[Erwähntes Werk::OCEp 0512|einem Brief an Karlowitz]] aus dem Sommer 1546, lieber zu sterben als die (evangelische) Wahrheit zu verraten. Einige Gutachten verfasste er gemeinsam mit anderen Theologen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dabei sind in erster Linie Gutachten in Kooperation mit Melanchthon und anderen Wittenberger Theologen gemeint. Zu Wittenberger Gemeinschaftsgutachten vgl. [[Kohnle 2002]]. Dort wird allerdings die Rolle des Camerarius nur marginal behandelt. Zu beachten ist, dass Camerarius gerade mit der Leipziger Theologischen Fakultät viel kooperiert hat. Aber auch da agierte er eher im Hintergrund, so dass seine genaue Rolle kaum erforscht ist. In anderen Fällen wurde er qua Amt tätig: Im Sommersemester 1544 wurde er von der Regierung konsultiert, gemeinsam mit Leipziger Theologen, unter anderem für eine Stellungnahme zur kölnischen Ordination. Wahrscheinlich sind hiermit die Reformationsversuche des Erzbischofs Hermann von Wied gemeint: Vgl. [[Zarncke 1859]], S. 218 und 240.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier ist es schwieriger, Camerarius&#039; eigene Position zu erkennen. Zur Problematik der Kanonisierung christlicher Schriften zeigt sich in der [[Erwähntes Werk::OC 0762|&amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]] starke, aber reflektierte Affinität zu einzelnen Kirchenschriftstellern: Nur Schriften über Jesus seien als Grundlage für kirchliche Lehrmeinung geeignet und man müsse spätere Quellen stets auf die Übereinstimmung mit Jesus Christus prüfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit anderen Worten: Jesus Christus sei der Maßstab christlicher Lehre, und seinen in der Heiligen Schrift geoffenbarten Worten gebühre der Vorrang vor anderen Traditionen. Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762|&amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]], S. 87: &#039;&#039;Ecclesiasticam doctrinam atque disciplinam instaurari, et vitia corrigi, et emendari pravitatem, secundum a filio De Domino nostro Iesu Christi declarata prophetica, et praeconii Euangelici apostolica scripta&#039;&#039;. Siehe auch [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 42f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Haltung verdeutlicht sich die bereits in Schriften der 1540er Jahre ausgesprochene Ablehnung des Papsttums ebenso wie die (im Gutachten ausgesparte) Verwerfung der Heiligenverehrung: Verehrung dürfe nur der Trinitität erwiesen werden, aber nicht den Heiligen und auch nicht der Jungfrau Maria. So argumentiert C. bereits 1545 in [[Erwähntes Werk::OC 0459|&amp;quot;De invocatione sanctorum&amp;quot;]], lobt aber die Apostel andernorts als Vorbilder.&amp;lt;ref&amp;gt;In [[Erwähntes Werk::OC 0634|&amp;quot;De Sancto Petro et Paulo Apostolis&amp;quot;]] und dem [[Erwähntes Werk::OC 0635|&amp;quot;Hymnus de Sancto Laurentio&amp;quot;]] sowie [[Erwähntes Werk::OC 0761|den Apostelviten]]. Vgl. [[OC 0459]], [[Camerarius, De invocatione sanctorum (gr., Druck), 1545]], Bl. Cr: ὁ δὲ πατὴρ καὶ ὑιὸς καὶ ἅγιον πνεῦμα προσκυνείσθω, τὴν μαρίαν μηδεὶς προσκυνείτω.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Trinitätslehre====&lt;br /&gt;
An verschiedenen Stellen äußert Camerarius sich zur Trinität, so auch in einer zu didaktischen Zwecken verfassten [[Erwähntes Werk::OC 0900|Predigt zum Trinitatissonntag]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0900]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 208-212.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Aussagen macht er auch in der [[Erwähntes Werk::OC 0762|&amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]], darunter zur gottmenschlichen Natur Jesu: Vgl. ↓ [[Theologie (CamLex)#Christologie|Christologie]].&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius gibt [[Erwähntes Werk::OC 1036|im Gutachten an Kurfürst August]] zu, sich nicht mit den Schriften des (Antitrinitariers) Miguel Servet beschäftigt zu haben. Er bekennt sich aber eindeutig zur Trinität, nämlich einem göttlichen Wesen bzw. einer göttlichen Natur in drei Eigenschaften oder Personen, nämlich dem Vater als Schöpfer des Himmels und der Erde, dem eingeborenen Sohn, der Mensch geworden ist, und dem Heiligen Geist: &amp;quot;Es seie ein Einigs, Ewigs, Vnzerteiltes Gottlichs wesen, oder Götliche Natur, in drey vnterschiedenen eigenschafften oder personen, deß Vatters schopfers himels vnd erden, Deß Eingebornen suns, welcher mensch ist worden, Vnd hat Gottes Zorn versunet, Vnnd deß Hailigen geists, der Christlichen Kirchen tröster vnd beystand&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 1036]], Abschnitt 1. Ähnlich schreibt er auch in der &amp;quot;Katechesis&amp;quot;: [[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 294.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in [[OC 0579|der griechischen Katechesis (1552)]] dargelegte Trinitätslehre fand auch den Beifall von [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6276 MBW Nr. 6276.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius bekennt sich darin zum Apostolischen und zum Nicäno-Konstantinopolitanischen Credo sowie zum Athanasischen Glaubensbekenntnis. Bei letzterem bezweifelt er allerdings die Identität des Verfassers.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Seckt 1888]], S. 17: [[Erwähntes Werk::OC 0579|Katechesis]], S. 296f.: εἰ μὲν οὖν ἀθανάσιος ... συνέθηκέ τε καὶ ἐξέδωκε τὸ ἀμοιβαῖον σύμβολον, ὡς νῦν ᾄδεται, οὐκ ἔχω εἰπεῖν, ἀπὸ δὲ τεκμηρίων τινῶν ὑπονοήσειεν ἄντις νεώτερον εἶναι τοῦτο ἢ καθ&#039;ἡλικίαν ἐκείνην, καἰ ἐκτεθῆναι παρὰ τοῖς δυτικοῖς μάλιστα. φανερὸν δὲ ἐξ ὧν ἐπέστειλε λιβερίῳ τω τῆς παλαιᾶς ῥώμης ἐπισκόπῳ ὁ ἀθανάσιος, καὶ ἐξ ἄλλων τινῶν ξυγγραμμάτων αὐτου, ὅτι ἐνίοτε ἀδιορίστως οὐσίας, καὶ οὐκ ἀγνοοῦμεν ὅτι ταῦτα τἀ ὀνόματα ὑπὸ γρηγορίου καὶ βασιλείου πρῶτον διεσαφηνίσθη ἐξερμηνευόμενα, διδασκόντων τὴν μὲν οὐσίαν τὸ κοινὸν τῆς θεότητος ἐμφαίνειν, τὴν δὲ ὑπόστασιν, ἤγουν πρόσωπον, ὡς ἐκάλεσαν οἱ δυτικοὶ, τὸ ἰδιάζον. Übersetzung: &amp;quot;Ob nun Athanasius ... das im Wechselgesang zu singende Glaubensbekenntnis zusammengestellt und verbreitet hat, kann ich nicht sagen; aufgrund verschiedener Merkmale kann man vermuten, dass es jünger ist als jene Zeit, und im Westen entstanden. Offensichtlich schickte Athanasius dem Liberius, dem Bischof des alten Roms, Auszüge daraus und aus einigen anderen seiner Schriften, weil die &amp;quot;Ousia&amp;quot; nicht bestimmt ist, und wir wissen sicher, dass diese Begriffe von Gregor und Basilius zuerst definiert wurden, die lehrten, dass die &amp;quot;Ousia&amp;quot; das Gemeinsame der Gottheit zeigt, die Hypostase dagegen, oder &#039;&#039;persona&#039;&#039;, wie die Westler sagen, das Eigentümliche (&amp;quot;idiazon&amp;quot;).&amp;quot; Zur Verfasserfrage vgl. [[Drecoll 2007]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Zweifel, historisch und sprachgeschichtlich durchaus fundiert, genügten schon, um ihn, so Camerarius in der &amp;quot;Notatio figurarum&amp;quot; (1572) an den Leser, einer Untergrabung der kanonischen Autorität des &amp;quot;Quicumque&amp;quot; zu bezichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0878]], [[Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572]], Bl. A7r/v.&amp;lt;/ref&amp;gt; An anderen Stellen sind solche Vorwürfe gegen ihn bisher nicht belegt. Mit dieser kritischen Stellungnahme hatte er sich auf gefährliches Terrain begeben, denn die damals umstrittenen Bewegungen der Antitrinitarier und der Tritheisten lehnten das Athanasische Credo ab. Seine Zweifel an der Autorschaft hätten ihnen dabei weitere Argumente liefern können. Unter den Lutheranern seiner Zeit stand Camerarius in Deutschland mit dieser Meinung wohl allein: Auch sein Leipziger Kollege [[Erwähnte Person::Alexander Alesius]] sah es als erwiesen an, dass Athanasius der Urheber dieses Glaubensbekenntnisses war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Dingel/Daugirdas 2013]], S. 163, Anm. 126. Ansonsten stimmte Alesius oft mit Camerarius überein: Vgl. [[Erwähntes Werk::Alesius, Assertio doctrinae, 1564]], Bl. C2v sowie [[Siegmund-Schultze 2005]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch [[Erwähnte Person::Andreas Hyperius]], [[Erwähnte Person::Jakob Schegk]] und [[Erwähnte Person::Jakob Andreae]] stritten vehement für das Athanasianische Glaubensbekenntnis und gegen antitrinitarische Positionen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Dingel/Daugirdas 2013]], S. 10-15.&amp;lt;/ref&amp;gt;  In England allerdings äußerte John Jewel einige Jahre später ähnliche Zweifel.&amp;lt;ref&amp;gt;John Jewel, The Defense of the Apology of the Church of England [https://www.google.de/books/edition/The_Parker_Society_Works_of_John_Jewel_b/oBHqRVDuGEYC?hl=de&amp;amp;gbpv=0 The Parker Society...: Works of John Jewel, bp of Salisbury. (1848). Vereinigtes Königreich: Printed at the University Press.], III,254: &amp;quot;the Creed called &#039;&#039;Quicunque vult&#039;&#039;, written, as some think, by Athanasius, as some others, by Eusebius Vercellensis&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; An ihn knüpft auch Gerhard Johann Voss&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10832060-4 Dissertationes tres De tribus Symbolis..., Amsterdam 1642], S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einer weitaus tiefgründigeren Untersuchung an, ohne jedoch Camerarius zu erwähnen. Auf der anderen Seite, so berichtet Gilbert Génébrard 1569,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10170848-3 Génébrard, De Sancta Trinitate ..., Paris 1569], S. 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte [[Erwähnte Person::Valentino Gentile]] Zweifel am &amp;quot;Quicumque&amp;quot; gesät mit der Behauptung, Athanasius habe das &amp;quot;Symbolum Niceni&amp;quot; verfälscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://books.google.de/books?id=v3wpKTvp7UQC&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false Benedictus Aretius, Valentini Gentilis iusto capitis supplicio Bernae affecti brevis historia ..., Genf 1567], S. 31; zu Gentile vgl. [[Trechsel 1844]], S. 316-390 und 471-479.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gentile wurde 1566 wegen seiner tritheistischen Anschauungen in Bern hingerichtet. Ist hier Camerarius zwischen die Fronten eines handfesten theologischen Streits geraten? Nach bisheriger Kenntnis ist Camerarius der erste, der die Autorschaft aus philologischen Gründen anzweifelt, ohne aber den Inhalt zu beanstanden. Wegen der starken Kritik, so schreibt er selbst, entfernte bzw. entschärfte er aber den entsprechenden Abschnitt in der [[Erwähntes Werk::OC 0726|lateinischen Version von 1563]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0726]], S. 258 und [[Kelly 1964]], S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die heutige Forschung steht aber auf derselben Seite wie Camerarius: Das &amp;quot;Quicumque&amp;quot; gilt als jünger und die Entstehung im Westen hält man für erwiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kelly 1964]], S. 109-114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nicht zu ermitteln, wann und von welcher Seite die Vorwürfe gegen den Philologen entstanden: Möglicherweise war es erst [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1562|die 2. Auflage (1562)]], die Camerarius den Vorwurf mangelnder Rechtgläubigkeit einbrachte: Darin ist der besagte Abschnitt noch enthalten, jedoch der Hinweis darauf getilgt, dass Athanasius den Text an Liberius geschickt habe. Dadurch könnten die Zweifel an der Autorschaft noch größer erscheinen. Die Publikation des zweiten Auflage fiel in die Zeit, als der Streit zwischen Trinitarismus und Tritheismus besonders heftig tobte. Daher kann sie den Konflikt zusätzlich angeheizt haben. Um sich gegen jeden Vorwurf der Irrlehre zu verteidigen, betonte Camerarius im Jahr 1572 seinen rechten Glauben: &#039;&#039;Nullam scio ego spem salutis concipi firmam posse, extra Catholicam et Orthodoxam Christi Iesu Ecclesiam. In qua sola est vera Dei aeterni veneratio, et cognitio veritatis, et consensus in hac est sancti Spiritus Magistri ducis ad omnem veritatem, maximum et summum beneficium atque donum.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0878]], [[Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572]], Bl. A7r. Übersetzung: Ich weiß, dass man keine sichere Hoffnung auf Rettung außerhalb der allumfassenden und rechtgläubigen Kirche Jesu Christi setzen kann. In ihr allein ist die wahre Anbetung des ewigen Gottes und die Erkenntnis der Wahrheit und sie hat die Zustimmung des Heiligen Geistes, der unser Lehrer ist und uns zur gesamten Wahrheit, zur größten und höchstens Wohltat und Gabe führt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius verschweigt dabei freilich ein Problem, das ihn umgetrieben haben dürfte: Im Athanasianum wird die &#039;&#039;processio&#039;&#039; des Heiligen Geistes aus Vater und Sohn festgehalten, also die &amp;quot;Filioque&amp;quot;-Formel befürwortet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kelly 1964]], S. 19, Vers 23: &#039;&#039;Spiritus sanctus a Patre et Filio, non factus nec creatus nec genitus sed procedens.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius äußert sich zwar nicht gesondert in dieser Hinsicht, seine unten beschriebene Ablehnung des &amp;quot;Filioque&amp;quot; würde allerdings auch inhaltliche Bedenken rechtfertigen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Camerarius war die Dreieinigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist verehrungswürdig. Dies kommt auch in einem [[OC 0655|Hymnus an die Dreifaltigkeit]] zum Ausdruck.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0655|Camerarius, Disputatio de precibus (Druck), 1560]], S. 187: Πάνσεπτος τριὰς ἣν καὶ προσκυνέουσιν ἅπαντα.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu ihrer Beschreibung greift er auf verschiedene gebräuchliche griechische und lateinische Termini zurück. Zu den Begriffen οὐσία und ὑπόστασις und deren Übersetzung durch &#039;&#039;essentia&#039;&#039; sowie &#039;&#039;substantia&#039;&#039; hat Camerarius im Rahmen der [[Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536|Theodoret-Ausgabe]] eine kurze Abhandlung verfasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0194]], [[Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 171-173: &#039;&#039;Sunt autem Graecae ὀυσία et ὑπόστασις, quas convertimus Essentia ac substantia, neutra quidem admodum Latina, sed quibus tamen Graecae, ne ipsae quidem admodum hac quidem significatione probatae, reddi viderent.&#039;&#039; Außerdem unterscheidet er die Begriffe Substantia, Persona, Character, Individuum und Proprium. Die Gottheit sei eine &#039;&#039;natura&#039;&#039; oder &#039;&#039;essentia&#039;&#039;, enthalte aber die drei &#039;&#039;substantiae&#039;&#039; (Vater, Sohn und Heiliger Geist) und drei &#039;&#039;personae&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;characteres&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Traktat lehnt sich eng an den dahinter (in Camerarius&#039; Übersetzung) abgedruckten Brief [[Basilius der Große|des Basilius]] über den Unterschied der Begriffe Essenz und Substanz an. Dies entspricht auch der Botschaft des Gutachtens (siehe oben). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders wählt er die Begriffe in der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; und gibt οὐσία mit &#039;&#039;substantia&#039;&#039; und ὑπόστασις mit &#039;&#039;persona&#039;&#039; wieder.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 303 sowie [[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 263f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gott sei eins, ungeteilt in Natur und Essenz, aber in einer Dreiheit der Hypostasen oder Personen, die gewisse Unterschiede haben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 347f.: &#039;&#039;Unum quidem illum natura ac essentia omnino indivisum, sed quem contemplamur in trinitate hypostaseon seu personarum, secundum harum differentias. ... Essentiam quidem vocamus naturae communitatem, quodque est in hac uniforme et indiscretum, secundum quod unum, solum, aeternum, principio carentem Deum agnoscimus et adorantes colimus, secundum verbum ipsius. Sed hypostaseos nomen, vult secernere differentias quasdam earum, quae dicuntur personae, in quibus est illud unum, vel, Quae sunt una Deitas, per quas ineffabili modo et incompraehenso ostenditur numen divinum quale sit: Unum nimirum secundum essentiam, quod nos tamen contemplemur in tribus differentiis: non ficte neque imaginatione cogitandi, sed reipsa et vere subsistentes.&#039;&#039; Vgl. [[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 403.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Erklärung zu diesen (und anderen) Begriffen gibt Camerarius in griechischer Sprache als Anhang zur &amp;quot;Disputatio de Precibus&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0670]], [[Camerarius, Disputatio de precibus (Druck), 1560]], S. 257: Οὐσία, τὸ ὂν καθ&#039; ἑαυτό, ἢ, τῶν ὄντων ἑκάστου ἑνοειδὴς κατάστασις. ἢ ὕπαρξις τοῦ ἁπλῶς καθ&#039;ἑαυτὸ, καὶ μὴ ἐν ὑποκειμένῳ ἑτέρῳ ὄντος. ἢ πρᾶγμα αὐθύπαρκτον μηδενὸς ἑτέρου δεόμενον πρὸς σύστασιν. Φύσις, οὐσία κοινὴ ἰδιωματικῶν ὑποστάσεων ὧν αὐτὴ περιέχει. Υπόστασις, τὸ καθ&#039;ἑαυτὸ ἰδιοσυστάτως ὑφιστάμενον, ἢ τὸ ἴδιον παρὰ τὸ κοινόν, ἢ ἰδιότης ὑπὸ τὴν φύσιν ὑφισταμένη.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch zu Gott Vater äußert sich Camerarius gelegentlich. So sieht er ihn als &#039;&#039;principium&#039;&#039; aller Dinge, selbst ohne Anfang, nicht geboren, Erschaffer des Himmels und der Erde und Schöpfer aller Dinge, die erschaffen wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 349: &#039;&#039;Deum patrem primum principium esse universorum, ipsum principio carentem, ingenitum, factorem celi et terrae, et creatorem universorum, quaecunque sane creata sunt.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; In Gebeten erscheint er als mächtiger Herrscher und Schöpfer, aber auch als gütig und mitfühlend,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0728]], [[Camerarius, Votum seu Preces (Druck), 1563]], Bl. A7r: &#039;&#039;Sancte potens, aeterne Deus, Deus optime et idem Maxime, iuste, sed et mitis, miserisque benigne, invicte, omnipotens.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; oft in Bezug auf den Sohn als &amp;quot;Vater unseres Herrn Jesus Christus&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Häufig erscheint dieses Motiv in den Gedenkreden auf Kurfürst Moritz, z.B. [[Camerarius, Orationes funebres, 1569]], S. 57 und 155.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abweichend von fast allen Angehörigen der westlichen Kirchen stellt Camerarius fest, dass der Heilige Geist allein aus dem Vater hervorgehe; das &amp;quot;Filioque&amp;quot; fehlt bei ihm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0576]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 292f.: ἐκ τοῦ πατρὸς ἐκπορευόμενον, καὶ ἐκ τοῦ ὑιοῦ λαμβανόμενον. a.a. O., S. 404: τὸ δὲ ἅγιον πνεῦμα ἐκπορευόμενον ἐκ τοῦ πατρὸς. Zum &amp;quot;Filioque&amp;quot; vgl. Gemeinhardt, Peter: Die Filioque-Kontroverse zwischen Ost- und Westkirche im Frühmittelalter. Berlin u.a. 2002.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Position entspricht dem Glaubensbekenntnis der östlichen Kirchen. Es wäre zwar bei der griechischen &amp;quot;Katechesis&amp;quot; denkbar, dass Camerarius das &amp;quot;Filioque&amp;quot; im Sinne der Ökumene für die griechischsprachigen Christen, die ja auch eine Zielgruppe der Schrift waren, weggelassen hat; allerdings enthält auch die lateinische Ausgabe kein &amp;quot;Filioque&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 349: &#039;&#039;Spiritum autem sanctum egredi ex patre, secundum scripturas, cum nihilo secus etiam filii ille spiritus sit, ut confessionis veritas hoc constituat: Quod spiritus sanctus personam suam habeat ex patre et a filio. Non genitus neque factus aut creatus, sed egrediens ex Deo, unde omnis sanctificatio pervenit ad Ecclesiam Christi.&#039;&#039; Ebenso a.a.O. S. 255: &#039;&#039;ex patre egrediens, et qui accipitur ex filio&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sinngemäß sagt Camerarius, dass der Heilige Geist aus dem Vater hervorgeht, aber die Hypostasis/&#039;&#039;persona&#039;&#039; vom Vater und vom Sohn bzw. nur vom Sohn hat.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 271: &#039;&#039;Egredi autem ex patre secundum oracula divina, et consistere seu habere personam suam per filium sancti patres tradiderunt.&#039;&#039; Er bezieht sich dabei auf [[Erwähnte Person::Basilius der Große|Basilius]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine kritische Auseinandersetzung mit dem &amp;quot;Filioque&amp;quot; findet man auch noch bei [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]] in der Erklärung zu den Glaubensbekenntnissen&amp;lt;ref&amp;gt;[https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10389402-6 &amp;quot;Explicatio in Symbolum apostolorum et Decalogum&amp;quot; 1646], S. 144f.&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie in den Anmerkungen zum 1. Korintherbrief.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Erasmus-Gesamtausgabe Vol. V.I, S. 269-271 sowie Vol. VI.VIII, S. 162f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er unterscheidet eine &amp;quot;missio temporaria&amp;quot; und eine &amp;quot;aeterna processio&amp;quot;. Camerarius schlägt eine ähnliche Richtung ein. Er zitiert allerdings nicht Erasmus, sondern griechische Schriftsteller wie [[Erwähnte Person::Theophylactus]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0879]], [[Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572]], S. 288.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beschäftigung mit dessen Schriften begann Camerarius schon in seiner Wittenberger Zeit, spätestens 1523.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=260 MBW Nr. 260,3]. Als Textgrundlage diente dabei eine Handschrift aus der [[Bibliotheca Hassensteinia]], die nach Wittenberg ausgeliehen worden war: Vgl. Catalogue des manuscrits grecs de Tchécoslovaquie, par Jean-Marie Olivier et Marie-Aude Monégier du Sorbier (1983), S. XXIII.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Christologie====&lt;br /&gt;
Camerarius orientiert sich in der Christologie an den Inhalten des Apostolischen und des Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses. An einigen Stellen der &amp;quot;Catechesis&amp;quot; gibt er sie mit anderen Worten wieder: Der Sohn wurde vor der Zeit von Gott geboren, nicht geschaffen oder gemacht. Er ist Mittler zwischen Gott und den Menschen, ist Mensch geworden,&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 267: Er sei vollständig Mensch geworden, mit Verstand, Seele und Leib, aber ohne Sünde.&amp;lt;/ref&amp;gt; nahm Fleisch an ohne Sünde aus der Gottesgebärerin Maria, hat gelitten und für die Menschen den Tod auf sich genommen, ist auferstanden und wurde in den Himmel aufgenommen und wird wiederkommen, um Lebende und Tote zu richten. Er ist der Retter und Erlöser.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 549 (sic! eigentlich 349): &#039;&#039;Sed filium nulla temporis origine ex patre nasci, non creatum neque factum, verbum seu sermonem in una persona, per quem omnia facta sunt, quaecunque sunt facta. Qui se medium interponit semper inter Deum et homines, qui homo est factus, assumta carne sine peccato vere ex Deipara virgine Maria, Qui passus est, et pro nobis mortem pertulit, resurrexit, asumtus est in celum, et sedet e dextris Dei patris, venturus ad iudicium de vivis et mortuis, salvator et redemtor noster Dominus Iesus Christus.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius bekennt, dass Gottes Sohn &amp;quot;das ewig personlich Wort&amp;quot; sei, und die Heilige Schrift &amp;quot;sey das wort so Gott geredet&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 1036]] (Gutachten für Kurfürst August), Abschnitt 2: &amp;quot;Vnnd bekenne das allein Gottes sune, das Ewig personlich Wort, vnnd das die hailig schrifft sey das wort so Gott geredet, vnd gesprochen vnd also geoffenbart alles so von seinem Gottlichem wesen, vnd willen den menschen zuwissen von nöthen, Welche läre auch diße vnterscheid vermischet oder felschett, die halt ich fur vnrecht vnd verfurisch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit bestehe also ein Unterschied zwischen dem ewigen Wort und dem geoffenbarten Wort, ein Teil des Wortes bleibe den Menschen verborgen. &amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0724]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 48-52 zu &#039;&#039;filius&#039;&#039; und &#039;&#039;verbum&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen zur gottmenschlichen Natur Jesu tätigt Camerarius auch in der [[Erwähntes Werk::OC 0762|&amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe ↑ &#039;&#039;&#039;[[Theologie (CamLex)#Theologie - Christologische Inhalte|Theologie - Christologische Inhalte]]&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Christus und Gott seien wesensgleich (ὁμοούσιος); Jesus sei von der Jungfrau Maria geboren, jedoch von Gott vor Anbeginn der Zeit gezeugt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0762]], [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit ist Christus zeitlos (ἄχρονος) und ohne Anfang (ἄναρχος) in der Zeit, hat jedoch seinen Anfang im Vater (ἀρχὴν, &#039;&#039;id est,&#039;&#039; αἰτίαν γενέσεως &#039;&#039;habens&#039;&#039;) und ist zugleich ewig (ἀειγενής).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd. S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter Jesu, Maria, bezeichnet Camerarius als Gottesgebärerin und Jungfrau, θεότοκος πάρθενος bzw. &#039;&#039;Deipara virgo&#039;&#039;;&amp;lt;ref&amp;gt;So schreibt C. im Rahmen eines Glaubensbekenntnisses: [[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 349: &#039;&#039;assumta carne sine peccato vero ex Deipara virgine Maria&#039;&#039;; [[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 404: ἐκ τοῦ θεοτόκου παρθένου μαρίας.&amp;lt;/ref&amp;gt; dagegen wird Jesus in den &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; (V. 93) als θειότοκος bezeichnet, also als gottgeboren. Das soll zeigen, dass Maria selbst nicht verehrt werden soll, und verdeutlicht eine Diskrepanz zu altkirchlichen Positionen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Walter 2017]], S. 39f. und [[Seckt 1888]], S. 18.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius verweist auf [[Epiphanios von Salamis]] und dessen [[Epiphanios von Salamis, Contra Antidicomaritas|Schrift gegen die Antidikomarianiten]], ohne aber dessen Position vollständig zu übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 82f.: &#039;&#039;Atque haud scio an de toto hoc genere praeclarissime ille autor haec scripserit, in disputatione contra eos, quos Antidicomatitas&#039;&#039;(!) &#039;&#039;appellat, quasi disceptatores de sanctitate virginis Mariae&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Jungfräulichkeit Mariens wird aber nicht in Frage gestellt: Sie sei keusch und rein auf ewig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 308: &#039;&#039;casta et pura permanens semper&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in seinem [[Erwähntes Werk::OC 0573|Geschichtswerk zum Konzil von Nizäa]] thematisiert er alte Streitigkeiten um christologische Inhalte. Die arianische Lehre von der Wesensähnlichkeit (zwischen Vater und Sohn) wird verworfen und die Wesensgleichheit betont, vor dem Hintergrund antiker Konzilien.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0573]], [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], S. 112-125.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eng verbunden ist die Christologie mit der Lehre von der Rechtfertigung: Camerarius glaubt, lutherischer Lehre entsprechend, dass durch das Verdienst Christi die Menschen erlöst werden, entsprechend dem &amp;quot;Solus Christus&amp;quot;-Prinzip.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 1036]], Abschnitte 6 und 8.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Aussagen zu Christus in heilsgeschichtlicher Hinsicht finden sich auch in zahlreichen Hymnen:&amp;lt;ref&amp;gt;→ Schlagwort [[Hymnus]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So wird Christus als Sieger über den Tod und als Erlöser (&#039;&#039;salvator&#039;&#039;) dargestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0574]], [[Fabricius, De historia et meditatione mortis Christi, 1552]], S. 67f.; [[Erwähntes Werk::OC 0310]], [[Camerarius, Ἐπιγράμματα, 1538]], S. 123f. sowie [[Erwähntes Werk::OC 0322]], [[Camerarius, Ἐπιγράμματα, 1538]], S. 124-127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Menschsein Jesu betont Camerarius derart, dass er ihn, unter Berufung auf Nikephoros, äußerlich beschreibt: Größe ca. 1,60 m, Haar leicht blond mit Ansätzen zur Lockenbildung, dunkle Augenbrauen. Augen hell mit einem Stich ins Gelbe. Gerade Nase. Barthaare nicht sehr dicht und blond, langes Haupthaar, da nie geschoren. Den Hals etwas zurückgebeugt, so dass seine Statur nicht ganz aufrecht war. Hautfarbe dunkelgelb, das Gesicht nicht ganz rund, die Miene würdevoll und mild.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], S. 74. Offensichtlich vermengt Camerarius hier den Patriarchen [[Erwähnte Person::Nikephoros I. (Patriarch)|Nikephoros]] und den Geschichtsschreiber [[Erwähnte Person::Nikephoros Kallistu Xanthopulos]], bei dem diese Beschreibung steht: [[Migne, PG]], 145, col. 748f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vgl. auch ↑ [[Theologie (CamLex)#Theologie - Christologische Inhalte|Abschnitt zur Christologie in der &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Soteriologie und Rechtfertigungslehre====&lt;br /&gt;
Zur Frage der Erlösung und der Rechtfertigung der Christen gegenüber Gott, einem Kernbereich reformatorischer Theologie, äußert sich Camerarius häufig: Niemand gefalle Gott durch seine sterblichen Werke.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0455]], [[Camerarius, Capita pietatis, 1545]], V. 119f., vgl. [[Walter 2017]], S. 40. Vgl. auch [[OC 0425]], [[Camerarius, Synodica, 1543]],  Bl. D4r-v: &#039;&#039;Propter merita non propria sed aliena domini nostri Iesu Christi, iustificatis fide non operibus suis. promittitur enim diuinitus omnibus credentibus in Christum remissio peccatorum, salus &amp;amp; uita sempiterna, quae accipi aliter quam fide non possunt.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Sinne von Luthers &#039;&#039;sola fide&#039;&#039;-Prinzip stellt Camerarius in seinen katechetischen Schriften fest, dass Menschen durch den Glauben gerechtfertigt werden: &#039;&#039;Diximus fide nos iustificari.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 231. Vgl. auch [[OC 0906]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;Sola fide nos iustificari. Non enim certe desolatam et desertam, in qua nihil honesti et boni sit fidem commendamus, sed constituimus veritatis aeternae salutare dogma: Quod sola fide et nullo alio habitu, nulla facultate, nullo conatu accipiatur donum Dei, iusticia in remissione peccatorum propter Christum Iesum.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hiermit schließt er explizit alle anderen Wege zum Heil aus. Auch ist er der Auffassung, es hätte auf dem Regensburger Religionsgespräch (1541) eine Übereinstimmung bei der Rechtfertigung durch Glauben und bei den guten Werken gegeben – jedenfalls äußert er 1543 die Hoffnung, dass die lutherische Position sich durchsetzen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], Bl. B2r: &#039;&#039;De iustificatione seu de ea doctrina, quae dicit homines consequi remissionem peccatorum propter Christum fide, non propter dignitatem, item de bonis operibus Ratisbonae facta est conciliatio. Et non dubito prudentes omnes et timentes Deum, agnoscere eam sententiam quae in ecclesiis, quas Luteranas appellant, traditur, veram et utilem esse pietati.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius bezeichnet auch gegenüber Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] &amp;quot;allein den verdienst Iesu Christi&amp;quot; als Weg zur Seligkeit und Gerechtigkeit und bekennt sich so zum &#039;&#039;solus Christus&#039;&#039;-Prinzip.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 1036|Gutachten]], Abschnitt 8: &amp;quot;allein den verdienst Iesu Christi des einigen Suns Gottes, welcher vnser einiger mittler, erlöser vnd seligmacher ist, fur vnser sund gestorben, aufferstanden zw vnser gerechtigkeit, Vnnd sitzet zu der gerechten hand Gottes, verbietett, vertrietett, erlöset, bringt zwm ewigen heyle, immerdar vnd ohn vnterlaße, alle die ihenigen so an inen glauben, vnd sein wort annemen vnd halten nach Gottes bevelh&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Man findet bei Camerarius aber immer wieder Hinweise darauf, dass er gute Werke nicht völlig ablehnt: Menschen könnten sich das Himmelreich durch gute Werke nicht verdienen, erhielten aber dort eine Belohnung für dieselben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 1036|Gutachten]], Abschnitt 6; so auch [[OC 0726|Catechesis]], S. 47-54 und 54-69 zum Lohn für gute Werke und Strafe für böse. Vgl. [[Müller 2000]], S. 207; ähnlich Melanchthon und Valentin Wagner; vgl. [[Seckt 1888]], S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Lehre [[Erwähnte Person::Georg Maior|Georg Majors]] übt sich C. in Zurückhaltung, da er den Sachverhalt zu wenig kenne und man Major persönlich hören müsse; er verteidigt ihn aber vor dem Vorwurf, er setze Christi Verdienst und menschliche Werke gleich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrufe zu guten Werken finden sich auch in der [[Camerarius, Querela Martini Luteri (Werk), 1554|&amp;quot;Querela Luteri&amp;quot;]], wo Camerarius der Traumgestalt Martin Luthers die Aussage in den Mund legt, dass gute Werke besser als schlechte seien.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0596]], [[Camerarius, Querela Martini Luteri (Druck), 1554]], S. 32: &#039;&#039;Nescio sane ... si in Ecclesia Christi necessitas bonorum operum praedicari non debeat ... Ergo erunt aut bona, aut non bona: quorum utrum docendum sit, me autore obscurum non est.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Der hier verzweifelt wirkende Reformator hinterfragt den Sinn aller seiner Schriften mit Ausnahme von [[Erwähntes Werk::Luther, De servo arbitrio, 1525|&amp;quot;De servo arbitrio&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0596]], [[Camerarius, Querela Martini Luteri (Druck), 1554]], S. 29f.: &#039;&#039;Optavi ego aliquando omnia mea scripta intercidere, et unum modo libellum durare, quo cum Erasmo Roterodamo de arbitrio voluntatis humanae disputavi.&#039;&#039; In der Kontroverse zwischen Martin Luther und Erasmus von Rotterdam um den freien Willen hatte Camerarius wohl geglaubt, die beiden lägen nahe beieinander. So hatte er den Reformator motiviert, eine Erwiderung auf &amp;quot;De libero arbitrio&amp;quot; zu verfassen, was den Konflikt aber verschärfte und so zur gegenseitigen Entfremdung der beiden Konfliktparteien beitrug. Vgl. ↑ [[Theologie (CamLex)#Die frühen Jahre bis 1526|Die frühen Jahre bis 1526]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit verdeutlicht Camerarius seine Übereinstimmung mit Luther im Bereich der Willensfreiheit. Die literarische Inanspruchnahme des Wittenbergers blieb allerdings nicht unwidersprochen: Camerarius provozierte eine Fülle an Gegenschriften.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius et al., Querela Martini Luteri et al., 1555]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ansätze einer Verteidigung der Werkgerechtigkeit glaubt Friedrich Stählin auch in der &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; zu finden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Werk), 1566|&amp;quot;Historia Jesu&amp;quot;]], [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], S. 2: &#039;&#039;hoc enim non modo utilitatem nobis sed plane salutem allaturum, aliis qui legissent gratum acceptumque futurum esse.&#039;&#039; Vgl. [[Stählin 1936]], S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier ist aber zu hinterfragen, ob Stählins Interpretation des Wortes &#039;&#039;salus&#039;&#039; als Seelenheil wirklich zutrifft. Besser scheint mir eine Übersetzung als irdisches Glück. Die Voranstellung von &#039;&#039;plane&#039;&#039; verdeutlicht, dass man die Formulierung nicht wörtlich nehmen darf. Jedenfalls reichen die Argumente nicht aus, um Camerarius einen &amp;quot;Verstoß gegen die Rechtfertigungslehre&amp;quot; zu unterstellen. Deutlicher wird Camerarius in der &amp;quot;Catechesis&amp;quot;, aber auch hier ohne Bruch mit Luthers Position: Man dürfe sich nicht dem Müßiggang hingeben und die durch Christus geschaffene Freiheit missbrauchen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 235: &#039;&#039;Unde iam accidit ut doctrinae huic maledicatur , quasi talis sit quae evertat et prohibeat utilitatem bonorum operum, et accommodetur populariter ad vulgus, quod omnes fere ad remissionem et desidiam declinent, et fugiant virtutum labores et exercitationes. Minime vero se res ad hunc modum habet.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier spricht auch der Praktiker, der ein geregeltes irdisches Zusammenleben im Sinn hat und befürchtet, eine völlige Absage an gute Werke könne in die Anarchie führen. Damit bewegt sich Camerarius in die Richtung der seinerzeit heftig angegriffenen Position [[Erwähnte Person::Georg Maior|Georg Majors]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Irene Dingel, Der Majoristische Streit in seinen historischen und theologischen Zusammenhängen. In: Politik und Bekenntnis. Die Reaktionen auf das Interim von 1548. Hg. v. Irene Dingel und Günther Wartenberg. Leipzig 2006, S. 231-247, hier S. 240.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ähnliche Gedanken und Bedenken finden sich auch bei dem reformkatholischen Herzog [[Erwähnte Person::Georg (Sachsen)|Georg von Sachsen]], der &amp;quot;evangelische Freiheit und Rechtfertigung allein aus dem Glauben&amp;quot; als &amp;quot;Einladung zu Sittenlosigkeit und Laxheit, ja als Verführung zum Ausbruch aus der kirchlichen Ordnung&amp;quot; betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Volkmar 2008]], S. 183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius weist anhand zahlreicher neutestamentlicher Stellen nach, dass gläubige Christen sich aus freien Stücken für ein tugendhaftes Leben und gute Werke entscheiden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 235-238. Zitierte Stellen sind u.a. Eph 2,10 und 4,17, Joh 15,1f. und 2 Petr 1,8-10 sowie [[Gregor von Nazianz]] ([[Migne, PG]] 35,427,39-428,2). Zum gottgefälligen Handeln vgl. auch [[Erwähntes Werk::OC 0748|Camerarius, Responsio, 1564]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Abschnitt der „Katechesis“ widmet sich der Frage, ob gute Werke belohnt werden. Dies bejaht Camerarius: Menschen könnten das Gesetz nicht aus eigener Kraft erfüllen, weil ihre Versuche limitiert und damit fehlerbehaftet seien. Aber durch den Glauben an den Sohn würden sie Freunde Gottes, dem ihre Werke gefallen und der sie belohne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0724]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 54f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings fügt er auch Beispiele antiker Dichter an, wonach nicht immer gute Werke belohnt und schlechte bestraft werden. Zudem gebe Gott manchmal auch denen aus Gnade, die es nicht verdienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch in der Lehrdichtung „Capita pietatis“ verkündet Camerarius, dass niemand Gott durch gute Werke gefalle, er aber die unterstütze, die ihm folgen wollen, und ihnen Glauben schenke.&amp;lt;ref&amp;gt; V. 94-98, [[OC 0455]]: σέ δ‘αὖ ὅδε πάντα διδάξει&amp;lt;br&amp;gt;Ἄττα σὲ χρὴ πράττειν, βροτέων γὰρ κὔδανεν ἔργων,&amp;lt;br&amp;gt;Οὐδείς πω κτίστη πάντων, ὃσα δῇτ‘ ἐγένοντο,&amp;lt;br&amp;gt;ἁλλ‘ ὅδ‘ ἑοῖ πισύνους καὶ ἐφέλκει καὶ μεταπλάττει, &amp;lt;br&amp;gt;Εἰς κραδίην, ὃν πνεῦμα βαλὼν, θεῖόνθ‘ ἅγιόντε. [[OC 0481]]: &#039;&#039;te vero ille omnia docebit&amp;lt;br&amp;gt; Quaecunque te oportet facere, humanis enim placuit ab operibus &amp;lt;br&amp;gt;Nemo umquam conditori omnium quaecumque facta sunt, &amp;lt;br&amp;gt;Verum ipse sibi obsequentes et attrahit et refingit, &amp;lt;br&amp;gt;In cor suum spiritum immittens divinumque sanctumque&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenig später verheißt er himmlischen Lohn für gute und Höllenstrafen für böse Menschen. Er geht aber nicht darauf ein, wie diese Kategorisierung zustande kommt und ob sie sich auf die Werke der Menschen stützt.&amp;lt;ref&amp;gt;A.a.O., 136f. Δύσσεται ἐκ νεκρῶν ζωὸς κακὸς ἠδὲ καὶ ἐσθλός.&amp;lt;br&amp;gt;Ἐσθλ‘ ἱν‘ ἐγερθέντες βίον ἄφθορον αἰὲν ἔχωσι. &#039;&#039;Subiturus est de mortuis vivus tam malus quam bonus.&amp;lt;br&amp;gt; Boni ut excitati vitam incorruptam semper habeant, 140 Τούσδε κακοὺς νὺξ κυκλώσει ἔρεβός τε σκότος τε. At malos nox circumdabit erebusque caligoque.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung ist in der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; ein wichtiges Thema.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 253-269; [[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 221-235.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius bezeichnet sie dort durch das Verb δικαιωθῆναι bzw. &#039;&#039;iustificari&#039;&#039;, also durch Passiv-Formen, die unterstreichen, dass die Gläubigen nicht selbst daran mitwirken. Er betont dabei, dass die Menschen allein durch Glauben und aufgrund der Gnade Gottes gerettet werden. Dabei argumentiert er nahe am Text des Neuen Testaments, vor allem mittels der Paulusbriefe. Zentrale Stellen sind Röm 3,23f. und 28&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 223: &#039;&#039;Omnes peccaverunt et deficiuntur gloria Dei, iustificanturque gratis eiusdem gratia, per redemtionem quae fit in Christo Iesu. ... fide iustificari hominem sine operibus legis.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Eph 2,8&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.: &#039;&#039;Gratia estis salvati per fidem, idque non ex vobis, Dei donum est, non ex operibus.&#039;&#039; Die Abhängigkeit der Menschen von göttlicher Gnade verdeutlicht Camerarius auch in [[Erwähntes Werk::OC 0663]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Hier wird deutlich, wie wichtig Glaube und Gnade für die Erlösung sind. In der griechischen Version der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; sind die Zitate oft wörtlich aus dem griechischen Bibeltext entnommen. Zur &amp;quot;sola gratia&amp;quot;-Formel greift Camerarius auch auf [[Erwähnte Person::Theophylactus]] zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0900]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 353f.: &#039;&#039;Nam, in convivium, inquit Theophylactus, ingressio sit absque discrimine: Sumus enim vocati &#039;&#039;&#039;sola gratia&#039;&#039;&#039; cuncti tam boni quam mali, sed ingressorum postea vita non caret inquisitione.&#039;&#039; Zu &amp;quot;sola fide&amp;quot; und &amp;quot;sola gratia&amp;quot; vgl. auch [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht unwichtig für die Rechtfertigung ist auch die Frage nach der [[Willensfreiheit]], die für Camerarius nur eingeschränkt gegeben ist und aus Gottes Gnade entsprieße. Dazu bekennt er im Gutachten: &amp;quot;der mensch seie in aignen naturlichen krefften verderbt verblentet vnd vnärtig zw aller gerechtigkeit so vor Gott gilt, Do aber das heil vnd licht in die welt kumbt, vnnd wirdet Reuhe buesse, vnd vergebung der sunden vmb Christi Iesu Verdienst wegen, gepredigt, Vnd ist in diessen predigten der heylig Geist thetig, do wirdett den menschen, irem verstand vnd willen, durch Gottes genade gewalt gegeben, dem licht zuuolgen, welche aus irer sundlichen art sunst in der finsternuß bleiben muesten, Vnd doch niemant zw der seligkeit wider seinen willen getrieben noch gedrungen&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 1036]], Abschnitt 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Heiligen Geist und durch Christi Verdienst hätten also die Menschen die Möglichkeit, sich für oder gegen die Seligkeit zu entscheiden. Etwas anders dargestellt wird dies in der „Katechesis“: Der erste Mensch habe einen freien Willen gehabt, doch seit dem Sündenfall entferne er sich immer weiter von Gott.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Seckt 1888]], S. 14; [[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 274-285 und [[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 238-248.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier argumentiert Camerarius stark philosophisch und zitiert auch vorchristliche Schriftsteller wie [[Platon]], [[Pindar]] und [[Sokrates]]. Ferner setzt er sich [[Erwähntes Werk::OC 0938|in einer Disputation]] und einem [[Aristoteles, Ethica Nicomachea, 1578|Kommentar]] mit [[Erwähnte Person::Aristoteles]]&#039; Nikomachischer Ethik auseinander,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kößling 2003a]], S. 298f.&amp;lt;/ref&amp;gt; und auch in den [[Camerarius, Norica (Werk), 1532|&amp;quot;Norica&amp;quot;]] steht die Frage im Mittelpunkt, in welchem Maß der Mensch einen freien Willen besitzt und wie stark er determiniert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sakramentenlehre und Abendmahl====&lt;br /&gt;
Sein Verständnis von Sakramenten (μυστήρια, &#039;&#039;sacramenta&#039;&#039;) legt Camerarius umfangreich in der Katechesis dar.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0579]], S. 369-407; [[Erwähntes Werk::OC 0726]], S. 317-353.&amp;lt;/ref&amp;gt; In erster Linie gehören für ihn nur Abendmahl und Taufe dazu. Man könne aber auch die Schlüsselgewalt in Hinblick auf Handauflegung und Absolution der Sünden ein Sakrament nennen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0579]], S. 406: τὸ βάπτισμα καὶ δεῖπνον κυριακόν. προσθείη δ&#039; ἂν τούτοις τὶς ... καὶ τὴν κλειδουχίαν, ὅσον τὲ πρὸς τὴν χειρεπιθεισίαν καὶ τὴν ἀπόλυσιν ἀνήκει τῶν μετανοούντων. [[OC 0726]], S. 352f.&#039;&#039;Baptisma et Coena Dominica. Adiungere tamen his possit aliquis ... etiam clavium potestatem, quatenus illa quidem ad impositionem manuum et absolutionem pertinet paenitentem&#039;&#039;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Deren Durchführung sei allen Gläubigen zugesprochen, nicht nur einer Institution.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], S. 266f., [[Walter 2017]], S. 40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sogar an zweiter Stelle der Sakramente erscheint die Schlüsselgewalt in den &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0455]], V. 164-170, als δύναμις κλειδοῦχος bzw. [[Erwähntes Werk::OC 0481]] als &#039;&#039;potestas clavigera&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenso in der vermutlich von Camerarius verfassten Schrift [[Erwähntes Werk::OC 0943|&amp;quot;De dissidio in religione&amp;quot;]] unter der Bezeichnung &#039;&#039;clavium sacramentum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0943]], [[Camerarius, De dissidio in religione, 1595]], S. 16. Die Schrift wurde von [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze]] ohne Autorennennung publiziert.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als Sakrament wird sie auch in der Apologie der Confessio Augustana bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Im 13. Artikel: Vgl. Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, Göttingen 1967, S. 292: &#039;&#039;Vere igitur sunt sacramenta baptismus, coena Domini, absolutio, quae est sacramentum poenitentiae. &#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Anders ist dies in den Schmalkaldischen Artikeln: Dort werden die Begriffe Schlüsselgewalt und Absolution gleichgesetzt, allerdings ohne den Charakter eines Sakraments zu erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, Göttingen 1967, S. 453: &#039;&#039;absolutio et virtus clavium&#039;&#039;. Dass Camerarius sich hier stärker an der „Apologie“ orientiert, zu deren Entstehung er beigetragen hat (vgl. [[Peters 2014]] und [[Peters 2014a]], S. 226-228), kann nicht verwundern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der für sie von Camerarius benutzte griechische Begriff κλειδουχία ist sehr selten: Belegt ist er noch bei den byzantinischen Schriftstellern Euthymius Zigabenus&amp;lt;ref&amp;gt;[[Migne, PG]] 129, col. 468,25&amp;lt;/ref&amp;gt; und Nikolaus Muzalon, während das Adjektiv κλειδοῦχος in antiken und mittelalterlichen griechischen Texten häufiger auftritt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Recherche im &amp;quot;Thesaurus Linguae Graecae&amp;quot; ergab ca. 40 Treffer.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich Taufe ist Camerarius der Auffassung, dass sie nur einmal erfolgen kann. Er lehnt daher die Wiedertaufe ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 1036]], Bl. 29r. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ausführlicher äußert er sich in der &amp;quot;Catechesis&amp;quot;:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 321-324.&amp;lt;/ref&amp;gt; Taufe von Kindern sei zulässig. Es sei göttlicher Auftrag, die Völker zu taufen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die Taufe, bezeichnet als &#039;&#039;baptisma&#039;&#039; oder λουτρόν, &#039;&#039;lavacrum&#039;&#039;, sei ein Zeichen (&#039;&#039;sigillum&#039;&#039;) für den Glauben und Gottes Gnade. Sie sei Grundlage für die kirchliche Gemeinschaft, außerhalb derer niemand gerettet werden könne.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S. 324.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[OC 1036|Gutachten von 1559]] (Abschnitt 5) beruft sich Camerarius bezüglich des Abendmahls auf Melanchthon, [[Erwähnte Person::Epiphanios von Salamis]], [[Erwähnte Person::Johannes Chrysostomos]], [[Erwähnte Person::Theodoret]], [[Erwähnte Person::Johannes von Damaskus]] und [[Erwähnte Person::Theophylactus]]. Mit den Schriften der genannten Autoren hat er sich intensiv befasst. Da es sich hier, abgesehen vom Erstgenannten, sämtlich um griechische Schriftsteller handelt und man nicht davon ausgehen kann, dass der Adressat des Gutachtens, [[August (Sachsen)|Kurfürst August]], ihre Werke gelesen hatte, dürfte es sich um &amp;quot;Namedropping&amp;quot; handeln. Camerarius nutzt dies, um seiner Position Autorität zu verleihen. Weiter bekennt er: &amp;quot;Es seie bey dem nachtmal deß Herrn, oder Sacrament des leibs vnd bluets Iesu Christi, Er der Herr selbst, des das nachtmal ist, gegenwertig, vnd werde aldo entpfangen, in austeilung des brots der leib Christi, vnd austeilung des Kelchs das blut Christi, warhafftig, vnd nitt erdichter weiße, dieweil geschrieben stehet ausdrucklich, Das ist mein leibe, das ist mein bluethe&amp;quot;, und man empfange beim Abendmahl &amp;quot;nitt gemeine brothe vnd wein, sunder ein solche broth vnd wein, Welchs ist die gemeinschafft des leibs vnd bluets Christi, nitt fleischlicher, sinnlicher entpfindlicher weysse, oder das brott vnd wein verschwinde, sunder wie der Herr weisse vnd wille, der diesser geistlichen speisse niessung verordnet, vnd die geschaffet hathe&amp;quot;. Das Betonen der Abendmahlsgemeinschaft ist ein Bekenntnis gegen die Transsubstantiationslehre der katholischen Kirche. Die hier anklingende Wichtigkeit des Laienkelchs hat Camerarius auch in einem früheren Text verdeutlicht: In der Ekloge &amp;quot;Querela sive Agelaeus εἰς ποτηριοκλέπτην&amp;quot; wird der Diebstahl eines Bechers mit der Ablehnung des Laienkelchs durch die römische Kirche verglichen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0377]]. Vgl. [[Mundt 2004]], S. 226f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in den &amp;quot;Synodica&amp;quot; (1543) äußert er sich ähnlich: Sakramente müssten ernst genommen werden, und man müsse sich bei ihnen an Gottes Wort halten, das eindeutig sei. Entsprechend befürwortet er den Laienkelch und lehnt Privatmessen ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], Bl. B8r: &#039;&#039;In ecclesia usum sacramentorum quam sinceriss. extare par est. In quo nihil aliud quam apertum et simplex verbum Dei sequendum. Ergo nec poculum domini prohibendum laicis, nec missae privatae tolerandae etiam hoc nomine sunt.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich des Abendmahls verschweigt bzw. verleugnet Camerarius die im reformatorischen Lager vorliegenden Lehrunterschiede: Die Aussagen im Evangelium und in den Paulusbriefen seien eindeutig und es könne keinen Streit darüber geben:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 378 und [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 324f. Teilübersetzung: [[Seckt 1888]], S. 20.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es sei notwendig, das Abendmahl in beiderlei Gestalt zu empfangen. Brot und Wein betrachtet C. als wahren Leib und wahres Blut Christi. Gleichzeitig bezeichnet er ihren Empfang auch als Zeichen (σύμβολον καὶ σημεῖον φανερόν),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 383.&amp;lt;/ref&amp;gt; womit sich auch Züge calvinischer Theologie offenbaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu die lat. &amp;quot;Catechesis&amp;quot;: &#039;&#039;ista nota et hoc signum manifestum per confessionem in fide Christianorum.&#039;&#039; Auch betont er die &#039;&#039;communicatio&#039;&#039; beim Abendmahl: &#039;&#039;Nam poculum quod benedicimus ... nunquid communicatio sanguinis Christi est? Panem quem frangimus nunquid communicatio corporis Christi est?&#039;&#039; [[OC 0726]], S. 328f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierbei beruft er sich auf den Apostel [[Erwähnte Person::Paulus]]. Auf die &#039;&#039;communicatio&#039;&#039; beim Abendmahl kommt er auch bei der Behandlung der apostolischen Schriften zu sprechen, besonders bei der Kommentierung der Stelle Apostelgeschichte 2,42. Er betont dort die Bedeutung der Gemeinschaft beim Brechen des Brotes.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk:: OC 0872]], [[Camerarius, Notatio figurarum orationis in apostolicis scriptis (Druck), 1572]], S. 220: καὶ τῇ κλάσει τοῦ ἄρτου. κοινωνία &#039;&#039;nihil aliud significat quam communicationem &amp;amp; societatem. In libris Latinis est: Et communicatione fractionis panis. Id esset:&#039;&#039; καὶ τῇ κοινωνίᾳ τῆς κλάσεως τοῦ ἄρτου. &#039;&#039;Acceperunt autem hoc aliqui de usurpatione instituti a Christo sacramenti corporis &amp;amp; sanguinis ipsius: Cum Hebraica phrasi frangi panem, significet distributionem &amp;amp; usum cibi.&#039;&#039; Auch in einer [[Erwähntes Werk::OC 0425|Schrift zum Konzil von Trient]] übersetzt Camerarius aus einer Schrift Melanchthons Aussagen des Evangeliums zum Abendmahl.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Auch einen falschen Gebrauch des Abendmahls bemängelt Camerarius: So würde Gregor von Nazianz es sogar schlimmer als die von ihm kritisierte Entweihung der Altäre durch Arianer finden, wenn Christen den Leib Christi täglich hinunterschlingen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0431]], [[Camerarius, Συνοδικά, 1543]], Bl. C7v-8r: &#039;&#039;Non profecto illam nefariam super altari saltationem unius adolescentis impuri, deploraret, sed detestaretur cotidianam istam ingluuiem, heu mihi horresco referens, celestis panis. &amp;amp; execrandam impuritatem qua altaria sordescunt, &amp;amp; iam religione consecratam impietatem extremam, quae a multis milibus ad eam conductis uili pecuniola excercetur. Praedictum est fore ut porcis aliquando obijciatur panis mysticus. Si uere aliqua barbaries hoc fecerit, immane id quidem, sed quid in illo deterius quam hac cotidiana distractione, cum a toties milibus porcinis faucibus hominum immundicia fatentium &amp;amp; impietate gloriantium, corpus Christi corripitur. &#039;&#039; Das bezieht sich auf die Schrift gegen die Arianer, [[Migne, PG]] 36, col. 217.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bezeichnung &amp;quot;panis mysticus&amp;quot; für das Abendmahl, die an obiger Stelle begegnet, nutzt Camerarius sonst nur selten, u.a. in einem griechisch-lateinischen Glossar: &#039;&#039;Manibus insuper&#039;&#039; θλῶμεν, &#039;&#039;et&#039;&#039; κλῶμέν τι, &#039;&#039;id est frangimus. Et panis mysticus est corpus Christi&#039;&#039;, τὸ ὑπὲρ ἡμῶν κλώμενον. &#039;&#039;Et&#039;&#039; θλάσις, θλάσμα: κλᾶσις, κλάσμα, &#039;&#039;fragmen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0553]], [[Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551]], Sp. 310.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich der &amp;quot;Manducatio indignorum&amp;quot; sagt Camerarius, dass auch Unwürdige das Abendmahl empfangen können, allerdings würden sie dadurch selbst das göttliche Gericht auf sich ziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0579]], S. 384 (ὁ γὰρ ἐσθίων καὶ πίνων ἀναξίως, κρῖμα ἑαυτῷ ἐσθίει καὶ πίνει, μὴ διακρίνων τὸ σῶμα τοῦ κυρίου) und [[OC 0726]], S. 329 (&#039;&#039;Nam comedens et bibens indigne, iudicium sibiipse comedit et bibit, non descernens corpus Domini&#039;&#039;). Dieser Gedanke findet sich sowohl in der Apologie zur Confessio Augustana 11,62 als auch in der Konkordienformel VII,7 sowie VII,16. Die Stellen berufen sich auf 1 Kor 11 u.ö. &amp;lt;/ref&amp;gt; Über einen weiteren Streitpunkt verschiedener reformatorischer Gruppierungen, die &amp;quot;Manducatio impiorum&amp;quot;, also die Frage, ob auch Nichtgläubige Leib und Blut Christi im Abendmahl zu sich nehmen, erfahren wir nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht unwidersprochen blieb Camerarius&#039; passivische Wiedergabe von Apostelgeschichte 3,21 (ὃν δεῖ οὐρανὸν μὲν δέξασθαι): Er paraphrasiert die Stelle durch ἀναληφθεὶς εἰς οὐρανόν bzw. &#039;&#039;assumptus in coelum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 379f. [[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 326.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Erwähnte Person::Nikolaus Selnecker]] brachte dies in seiner Schrift [[Selnecker, Commonefactio de verbis Actorum, 1571|&amp;quot;Commonefactio&amp;quot; (1571)]], Bl A6r/v mit sakramentierischen Positionen in Verbindung, nach denen Christus sich nur im Himmel aufhalte und dort im Sinne einer &amp;quot;corporalis locatio&amp;quot; festgehalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Dingel 2008]], S. 308f. und 316f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dieser Annahme könne Christus aber leiblich nicht im Abendmahl präsent sein, schließt Selnecker. Den Namen des Camerarius erwähnt er nicht, doch die griechischen und lateinischen Zitate lassen sich eindeutig der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; zuordnen. Selnecker deutet dabei das griechische δέξασθαι rein passivisch im Sinne von &#039;&#039;Christum coelo capi&#039;&#039;. Gegen diese Auslegung argumentiert Camerarius‘ Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]] in einer [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00029899-5  Disputationsschrift (1571)] philologisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hund 2006]], S. 249-251.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese strittige Formulierung, die Selnecker bemängelt hatte, verwendet Camerarius aber gar nicht.&lt;br /&gt;
Der späte Melanchthon (ab 1557) hatte allerdings die Himmelfahrt Christi wörtlich verstanden und geschlussfolgert, dass die menschliche Natur Christi nur im Himmel sein könne. Allgegenwärtig und damit auch auf Erden anwesend sei demnach nur die göttliche Natur.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hund 2006]], S. 89f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bemerkenswert ist, dass die von Selnecker kritisch zitierte Camerarius-Schrift in griechischer Sprache bereits 1552 erschienen war und somit vor den Werken anderer Autoren, die an dieser Stelle ebenfalls das Passiv verwendeten: [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze]], Melanchthon und der [[Erwähntes Werk::Pezel, Wittenberger Katechismus, 1571|Wittenberger Katechismus]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hasse 2000]], S. 96-98.&amp;lt;/ref&amp;gt; Möglicherweise bezog sich Camerarius auf Selneckers Kritik, als er 1572 die entsprechende Stelle wortreich kommentierte und seine Formulierung verteidigte. Er greift dabei auf Argumente des Theophylactus zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;(Kommentar zu Apg 3,21) [[Erwähntes Werk::OC 0872]], [[Camerarius, Notatio figurarum orationis in apostolicis scriptis (Druck), 1572]], S. 227f.: ἀναληφθεὶς γὰρ ὁ χριστὸς εἰς οὐρανοὺς, μένει ἐκεῖ ἕως τῆς τοῦ κόσμου συντελείας, ἐλευσόμενος τότε μετὰ δυνάμεως, ἀποκαταστάντων πάντων λοιπὸν, ὧν προεθέσπισαν οἱ προφῆται, ἤτοι ὅταν τὸ τέλος ἐνστῇ, καὶ παύσηται τὰ αἰθητὰ, τότε ὁ χριστὸς ἔσται τῶν οὐρανῶν ὑψηλότερος. &#039;&#039;Id est: Assumtus enim Christus in coelum, manet illic, ad consummationem usque mundi huius, aduenturus tunc cum potentia, restitutis de caetero omnibus, quae Prophetarum oraculis praedicta sunt. Sive, ubi finis iam aderit, et cessaverint sensibus exposita, tunc ipse Christus coelis erit sublimior. Haec leguntur in Theophylacteis. ... Sed quomodo dicit? Quem oportet coelum capere siue accipere, siue, ut Latinus vetus interpres, suscipere. An nondum illud acceperat? Immo admodum. Cur igitur non dixit: Quem coelum accepit? Quae autem ibi sequuntur in libris editis, ἀδιανόητα sunt, vel mendosa vel mutila, quemadmodum suspicor. Itaque indicata sententia secundum alibi in sacris litteris dicta, &amp;amp; hoc etiam loco satis euidens, teneatur: Oportuisse ita fieri, ut Christus reciperetur siue acciperetur siue assumeretur in coelum, ubi maneret tanquam in propria sede, usque ad finem huius Mundi, &amp;amp; rerum omnium instaurationem.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Ekklesiologie====&lt;br /&gt;
Für Camerarius zeigt sich die Kirche als Gemeinschaft all derer, die im Glauben an Christus übereinstimmen. Ohne diese Gemeinschaft könne niemand erlöst werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 324: &#039;&#039;quod extra communionem nemo salvus fiat&#039;&#039; und [[Erwähntes Werk::OC 0878]], [[Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572]], Bl. a7r: &#039;&#039;Nullam scio ego spem salutis concipi firmam posse, extra Catholicam et Orthodoxam Christi Iesu Ecclesiam.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Grundlage dafür sei die Taufe. Die Gläubigen seien die Glieder der Kirche, das Haupt aber sei Christus,&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 405; [[OC 0726|Catechesis]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 350f.: &#039;&#039;Quid appellatis Ecclesiam Christi? Coetum confidentium fidem in Christum. Qui evocati generali veritatis et Evangelii praeconio, cum remissione peccatorum et renovatione sanctificationeque spirituali congregantur in communione tam sanae doctrinae, quam status legitimi, et vitae pure degendae in hoc Mundo. ... Quia cum mansit Ecclesia Christi, quotquot vere sunt huius tanquam unius corporis membra, eos sanctos esse, et carentes culpa necesse est, in fide Iesu Christi, qui etiam caput est corporis illius.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht der Papst. Dieser sei nur ein Aufseher und ein durch Einvernehmen der Bischöfe gewählter Vorsitzender.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], Bl. B7v-B8r: &amp;quot;Papam placet esse caput ecclesiae. Hoc falsum est, nam Paulus diserte dicit Christum esse caput ecclesiae. Sed esse quendam inspectorem et praesidem constitutum consensu episcoporum ferri fortasse non possit modo, sed utile etiam futurum sit.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Amt sei das eines Fischers, nicht eines Kriegsherrn. Das wird begründet mit dem Beispiel des [[Erwähnte Person::Simon Petrus]], dem Christus verbot, das Schwert zu ziehen, obwohl er es nicht zum eigenen Vorteil einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], C6r-v.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich erklärt C. seine ekklesiologische Auffassung auch im Brief an den zur katholischen Kirche zurückgekehrten [[Briefpartner::Veit Amerbach]]:&amp;lt;ref&amp;gt;Dat. 12.4.1548, in [[Mieg 1702]], II, S. 48-60, hier S. 49.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gebe nur eine christliche Gemeinschaft, in die er hineingeboren sei und in der er sich immer noch befinde.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe auch [[Kunkler 1998]], S. 270.&amp;lt;/ref&amp;gt; C. vertritt die Ansicht, dass die Reformatoren keine „Neugläubigen“ sind, sondern  vielmehr die alte Kirche wiederherstellen. Der Brief liest sich auch als Abrechnung mit den Missständen in der römischen Kirche: Kirchliche Hierarchien, Messopfer, Heiligenkult und Verbot des Laienkelchs werden verurteilt. Große Bedeutung misst Camerarius hier der Wahrheit (des Evangeliums) bei; 24 Jahre später wird er ihre Bedeutung gegenüber der Liebe zurückstellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Wort &amp;quot;veritas&amp;quot; ist 14 mal im Brief an Amerbach enthalten. Vgl. auch den späten Kommentar [[Erwähntes Werk::OC 1038]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die römische Kirche, so lässt Camerarius wiederholt durchblicken, sei auf einen falschen Weg geraten, was &amp;quot;entweder auf Irrtum oder bewußter Täuschung oder auf beidem beruhe&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Stählin 1936]], S. 55, als Übersetzung von [[Erwähntes Werk::OC 0775]], [[Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566]], S. 221.&amp;lt;/ref&amp;gt; Entgegen aller Aussagen, es gebe nur eine Kirche, stehen die Beteuerungen in den „Synodica“, wo zwischen der Lehre des Evangeliums und der der „Papisten“ unterschieden wird. Hier klingt der Vorwurf des Schismas an.&lt;br /&gt;
Den Vorrang des Papstes unter Berufung auf den Apostel [[Simon Petrus|Petrus]] verwirft Camerarius in der [[Erwähntes Werk::OC 0761|&amp;quot;Expositio de Apostolis&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], S. 106: &#039;&#039;De instituto a Petro quadraginta dierum ieunio ... itemque collocata sede principatus in urbe Roma, a nobis neque decet neque omnino fortasse debet disputari.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Im [[Erwähntes Werk::OC 1036|Gutachten an Kf. August]] wird er noch deutlicher und spricht gar von der &amp;quot;gottlosen läre deß Babstumbs&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 1036]], Bl. 35r.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Ein Verbot der Ehe für Priester und andere Personen lehnt Camerarius ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], Bl. B8r: &amp;quot;Coniugium neque sacerdotibus, neque ullis aliis prohiberi debet, sed qui non continent contrahant matrimonium in domino.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Konzilienschrift, die auch der Vorbereitung des Tridentinums diente (vgl. ↑ [[Theologie (CamLex)#Nicäa und Trient - Das Werk im zeitlichen Kontext|Nicäa und Trient]]), misst Camerarius den Konzilien eine hohe Bedeutung bei. Auch die Betonung der Rolle der römischen Kaiser dürfte seine Hoffnungen auf Kaiser [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)]] widerspiegeln: So lobt er das Engagement [[Erwähnte Person::Konstantin der Große|Konstantins des Großen]]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Certe ut laudandum hac etiam in parte est studium Imperatoris Constantini, qui id quod et ante distraxisset rem Ecclesiasticam, et in posterum ansam separationis praebere posset, e medio tollendum esse statuerit&#039;&#039;: [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], S. 129f.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zitiert (in Übersetzung) aus dessen Brief an die Konzilsväter. Nach Aussage Konstantins entspreche ein Beschluss von 300 Bischöfen dem Willen Gottes.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], S. 128: &#039;&#039;Quod enim trecentis placuit Episcopis, nihil aliud est, quam Dei sententia, maxime cum Spiritus sanctus talium, et tantorum virorum animis incubans, lucem divinae voluntatis protulerit.&#039;&#039; Die griechische Vorlage, aus der Camerarius übersetzt, findet sich bei [[Erwähnte Person::Socrates Scholasticus]] und [[Athanasius der Große|Athanasius]], &amp;quot;De decretis Nicaenae synodi&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Darin kann man ein Bekenntnis zum Konziliarismus sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reformation betrachtet Camerarius als notwendig, auch wenn er die Kirchenspaltung bedauert. Verantwortlich dafür sei aber nicht Luther, sondern die vorreformatorische Kirche.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Zusammenfassung von C.&#039; Ekklesiologie in den biographischen Schriften bietet [[Stählin 1936]], S. 54-57.Zur Ablehnung der kirchlichen Hierarchie vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0943]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Generell wird das Papsttum häufiger kritisiert, bis hin zum Vorwurf, die weltliche Macht gestohlen zu haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0827]], [[Camerarius, Orationes funebres, 1569]], S. 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Deutlich wird Camerarius auch in Bezug auf kirchliche Führungspositionen: Wer der Kirche Gottes vorstehen, aber nicht das Amt ausüben wolle, nämlich die Wahrheit zu lehren, verursache ein Schisma.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0900]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 60: φοβηθήτωσαν ... καὶ οἱ ἐν τῇ τοῦ χριστοῦ ἐκκλησίᾳ μεγαλαυχοῦντες ὡς υἱοὶ τῶν ἁγίων, ἐκλεκτόντε καὶ ἱερατικὸν γένος.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel scharfzüngiger Kritik an falschem Amtsverständnis bringt Camerarius in einem [[Erwähntes Werk::OC 0081|Epitaph]] auf [[Erwähnte Person::Julius II. (Papst)|Papst Julius II.]], der als Kriegstreiber und Wendehals charakterisiert wird, wofür er sehr lange vor dem Himmelstor warten müsse – sicher eine Anspielung auf den „Iulius exclusus“ des [[Erasmus von Rotterdam]]. Die antirömischen Polemiken häufen sich im Vorfeld des Konzils von Trient: Dahinter kann der Versuch stehen, alle Deutschen (vor allem Fürsten und Bischöfe) gegen den Papst zu vereinen. Auch Kaiser [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)]] ist ein Hoffnungsträger, zumindest bis zum Schmalkaldischen Krieg. Nach Kriegsausbruch gibt es kaum mehr polemische Auseinandersetzungen mit der Papstkirche bei Camerarius: Aus politischen Gründen (Interim) war es zunächst nicht opportun. Camerarius fand sich mit Melanchthon und Georg von Anhalt in einer Position wieder, wo zwischen politischen Sachzwängen (Forderung des Kaisers nach Umsetzung des Interims) und dem Gewissen (d.h. dem Bekenntnis zur „evangelischen Wahrheit“) laviert werden musste. &lt;br /&gt;
Nach dem Fürstenaufstand, der mit dem Passauer Vertrag und dem folgenden Augsburger Religionsfrieden erstmals Religionsfreiheit für Protestanten ermöglichte, waren die Gräben klar genug abgesteckt. Somit war für Camerarius (und Melanchthon) kein Anlass mehr gegeben, gegen die katholische Seite polemisch zu werden, zumal der neue Kurfürst [[August (Sachsen)]] an der Beibehaltung des Friedens und einem guten Verhältnis zu den Habsburgern interessiert war. Die folgenden Auseinandersetzungen innerhalb des reformatorischen Lagers, resultierend aus den Positionen im Interimistischen Streit, waren für Camerarius eine große Enttäuschung. In einer [[Erwähntes Werk::OC 1038|kommentierten Ausgabe]] eines Lutherbriefs betont Camerarius noch im Jahr 1572 den Vorrang der Liebe vor der Wahrheit, vor allem vor dem Buchstaben des Gesetzes, und warnt vor Ehrgeiz und übermäßiger Betonung der kirchlichen Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;Praktische Theologie und Pädagogik&amp;quot;===&lt;br /&gt;
==== Vorbemerkungen ====&lt;br /&gt;
Bei Camerarius zeigen sich Pädagogik, Philologie und Theologie eng miteinander verknüpft: So betont er wiederholt, das oberste Ziel des Unterrichts sei die religiöse Ausbildung, den Weg zur Erkenntnis der christlichen Wahrheit und zur rechten Gottesverehrung bilde aber die Philologie.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu Baier, Thomas, in: Helleno(ger)mania (in Vorbereitung), S. 17: &amp;quot;Sprache hat als Verständigungsmittel eine dienende Funktion, ist die &#039;&#039;ancilla&#039;&#039; des Inhalts. Erasmus und Camerarius haben jedoch auch ihre gestaltende Fertigkeit zur vollen Wirkung entfaltet, ihr mithin eine königliche Funktion zugewiesen im Sinne einer &#039;&#039;philologia regina&#039;&#039;.&amp;quot; Vgl. auch [[Kunkler 2000]], S. 203-206. Auch schreibt Camerarius im [[Erwähntes Werk::OCEp 1473|Widmungsbrief]] seiner [[Plautus, Comoediae sex, 1549|Plautus-Edition]]: &#039;&#039;Manemus in sententia studia utriusque linguae excolenda esse, et esse hanc viam ad scientiam &amp;amp; veritatem, quibus &amp;amp; cultus Dei &amp;amp; hominum communitas continetur ac durat&#039;&#039; (A7v).&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern behandelt das folgende Kapitel die pädagogischen und die katechetischen Schriften zusammen. Berechtigt erscheint dies auch deshalb, weil man von systematischer Pädagogik im Sinne einer Wissenschaft erst mit Comenius zu sprechen pflegt&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Kunkler 2003]], S. 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; – bei Camerarius findet man allerdings erste Vorläufer einer pädagogischen Theorie. Einen Versuch, die Pädagogik des Camerarius als eigenes System zu fassen, hat Stephan Kunkler unternommen, wobei der Begriff der &#039;&#039;doctrina&#039;&#039; (Lehre) eine zentrale Stellung einnimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 2000]], S. 143-146 und [[Kunkler 2003]], S. 263-267.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings betrachtet Kunkler die Theologie des Camerarius unter Aussparung von dessen katechetischem Hauptwerk, der Katechesis.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], S. 262f. Zu Kritik an Kunklers Arbeiten vgl. [[Mundt 2002]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Wissen, dass der disziplinäre Begriff „Praktische Theologie“ erst seit dem 19. Jahrhundert existiert, wird er an dieser Stelle vorterminologisch u.a. als Umschreibung für religiöse Erziehung und den Einsatz der Religion im Bildungswesen benutzt. Einige Aspekte praktischer Theologie konnten hier nicht berücksichtigt werden, insbesondere der Umgang mit dem Tod, das Sprechen über Verstorbene und der Trost der Hinterbliebenen. Hierzu sei unter anderem verwiesen auf die Schlagworte [[Todesfurcht]], [[Konsolationsliteratur]], [[Trostgedicht]] und [[Nachruf]] (mit den Unterkategorien [[Epicedium]], [[Epitaphium]] und [[Nachruf (Prosa)]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Einige dieser Aspekte behandelt Vinzenz Gottlieb in seiner entstehenden Dissertation zu den [[Erwähntes Werk::Camerarius, Orationes funebres, 1569|Leichen- und Gedenkreden]] auf Kurfürst [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katechismen ====&lt;br /&gt;
Zu den wichtigsten pädagogischen Texten bei Camerarius gehören die Katechismen, die in Schulen, teilweise vielleicht auch in Universitäten im Unterricht Verwendung fanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Geschichte der Katechismen in Sachsen vgl. [[Reu 1911]] I/2,1. Abdruck mitteldeutscher Katechismen in [[Reu 1911]] I/2. Katechismen des Spätmittelalters hat [[Leppin 2023]] untersucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Üblicherweise behandeln sie die Zehn Gebote (Dekalog), das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Schultz 1890]], S. 5, unter Berufung auf ein Visitationsprotokoll von 1528.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Folgenden wird dieser Begriff etwas weiter ausgelegt und werden die katechetischen Schriften des Camerarius in chronologischer Reihenfolge besprochen. Ein Vergleich der einzelnen Texte steht noch aus, wäre aber notwendig, um den je eigenen Zweck zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius hat einige Katechismen verfasst; der erste erschien unter dem Titel [[Erwähntes Werk::OC 0007|„Capita sacrosanctae fidei“]], gedruckt in Melanchthons [[Melanchthon, Institutio puerilis literarum Graecarum, 1525|„Institutio puerilis“ (1525)]], und wurde früher dem „Praeceptor Germaniae“ zugeschrieben. [[Walter 2017|Jochen Walter]] hat aufgezeigt, dass dieses Werk höchstwahrscheinlich von Camerarius stammt, und begründet dies durch Übereinstimmungen mit den [[Erwähntes Werk::OC 0455|&amp;quot;Κεφάλαια Χριστιανισμοῦ&amp;quot;]] von 1545.&amp;lt;ref&amp;gt;In einem [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10989034-1 Exemplar der &amp;quot;Institutio puerilis&amp;quot; in der BSB] sind auf dem Frontispiz alle Namen getilgt (Camerarius, Melanchthon, Nicolaus Gerbel und der Drucker Johannes Setzer). Gustav Kawerau (vgl. [[Schultz 1890]], S. 7) zählt dieses Werk nicht zu den Katechismen, sondern zu den Schullesebüchern.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Während Luthers kleiner Katechismus einfache Anweisungen an (weniger gebildete) Pädagogen/Hausväter gibt, bietet die griechische [[Erwähntes Werk::OC 0579|&amp;quot;Katechesis&amp;quot; (1552)]] des Camerarius längere (gelehrte) Abschnitte für den gebildeteren Lehrer bzw. die Schüler.&amp;lt;ref&amp;gt;So auch [[Kunkler 1998]], S. 262; vgl. Th. Baier, Gräzist (noch nicht veröffentlicht).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die relative Exklusivität offenbart sich schon an der Wahl des Griechischen anstelle des Deutschen bzw. Lateinischen bei Luther und anderen Autoren. Möglicherweise handelt es sich um den ersten aus der Reformation hervorgegangenen griechischen Katechismus. Er verfolgt ein zweifaches Ziel: Die Vermittlung religiöser Grundlehren und die Einübung der griechischen Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Bedeutung des Griechischen zeigt Cam. auch in seiner [[Erwähntes Werk:: OC 0580|Einleitung zur &amp;quot;Katechesis&amp;quot;]] auf.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die in griechischen Hexametern verfassten &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; sind direkt an die Schüler gerichtet. Die Wahl einer dichterischen Sprache, die sich teils an die Epen [[Erwähnte Person::Homer]]s, teils auch an andere dichterische Formen anlehnt, ist sicher bewusst im Sinne einer poetischen Schulung getroffen worden.&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Walter 2017]], S. 34-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zahl evangelischer Katechismen der Reformationszeit ist kaum zu überschauen.&amp;lt;ref&amp;gt;Neben Martin Luthers Kleinem und Großem Katechismus sei verwiesen auf die Sammlung in [https://archive.org/details/dieevangelische00cohrgoog Ferdinand Cohrs (Hrsg.): Die evangelischen Katechismusversuche vor Luthers Enchiridion. 5 Bde., Berlin 1900-1907, Nachdruck Hildesheim/New York 1978] und [[Reu 1911]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie miteinander zu vergleichen kann hier nicht geleistet werden. Doch ein Blick in einige evangelische Schulordnungen soll zeigen, wo die Benutzung von Katechismen ausdrücklich gefordert wird: Bereits in [[Luther, An die Ratherren aller Städte deutsches Lands, 1524|Luthers Ratsherrenschrift]] finden sich Anforderungen an die religiöse Erziehung und schulische Bildung der Jugend. Hierbei wird die Verantwortung für (religiöse) Bildung den Städten auferlegt. So begannen diese schon vor den Landesfürsten mit eigenständigen Bildungsreformen und Neugründungen von Schulen. Die unter Melanchthons Mitwirkung entstandene Ordnung der [[Erwähnter Ort::Eisleben]]er Schule des [[Erwähnte Person::Johannes Agricola]]&amp;lt;ref&amp;gt;Die [[Erwähnter Ort::Magdeburg]]er Stadtschule (seit 1524) ist die möglicherweise &amp;quot;erste protestantische Schulgründung&amp;quot;; die Eislebener, im Frühjahr 1525 begründet, hat &amp;quot;die älteste gedruckte Schulordnung des neuen Kirchenwesens&amp;quot; ([[Paulsen 1919]], S. 276f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; von 1525 sieht die Behandlung der [http://data.onb.ac.at/rep/1097F195 Pädologie] des [[Erwähnte Person::Petrus Mosellanus]] für das erste Lehrjahr vor. Ob man diese als Katechismus bezeichnen kann, ist diskutabel: So erscheinen in den Dialogen nur vereinzelt religiöse Themen. Christliche Schriften sieht die Ordnung erst für das dritte Lehrjahr vor: Dann sind das Vaterunser, das Apostolische Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote, einige Psalmen und verschiedene Schriftstellen zu lernen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Et universae scholae interpretabitur praeceptor aut unum ex Euangelistis aut aliquam Pauli epistolam aut Solomonis gnomas. Id fiet simplicissime, ne adsuefiant ad rixandum adulescentes, sed ut religionem quam purissimam addiscant et a simulatione pietatis possint discernere, ut ad timorem dei, ad fidem, postremo ad bonos mores inuitentur. Et ut acuatur cura discendorum sacrorum in pueris, non sufficiet his multa praelegisse. Sed cogentur ediscere orationem dominicam, Symbolum Apostolorum, Decalogum, lectissimos Psalmos et certos alios locos scripturae, que ne e memoria excidant, exiget tanquam pensum diei Dominici praeceptor, ut recenseantur ordine memoriter.&#039;&#039; Vgl. [[Hartfelder 1892]], S. 3 und 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Ordnung der [[Erwähnte Körperschaft::Egidiengymnasium (Nürnberg)|Oberen Schule zu Nürnberg]], der Camerarius von 1526 bis 1535 vorstand, enthielt auch Vorgaben zur katechetischen Unterweisung: So sollten die einzelnen Schüler bereits in den Grammatikschulen einmal am Tag den Dekalog, das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis aufsagen. Auch eine Auslegung dieser Texte sollte ihnen gegeben werden, und sie sollten einige Psalmen rezitieren lernen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Unus dies singulis hebdomadis est in tractationem elementorum religionis collocandus, ubi praeceptor audiat ordine singulos discipulos recitantes Decalogum, orationem dominicam, symbolum Apostolorum, nam haec pueris effluunt ex animis, nisi saepe recitare cogas. Est et enarratio puerilis addenda, quam praeceptores saepe reposcant a pueris. Subinde etiam Psalmi planiores, et qui summam religionis continent, proponantur ediscendi, ut una cum literarum elementis doctrina Christiana teneris animis inseratur.&#039;&#039; [[Hartfelder 1892]], S. 9f.; deutsche Übersetzung in [[Heerwagen 1860]], S. 28f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Lateinische Lehrbücher dieses Inhalts existierten bereits. Für höhere Klassen ist an die Verwendung der [[Erwähntes Werk::OC 0007|&amp;quot;Capita sacrosanctae fidei&amp;quot;]] (siehe unten) zu denken, die zur Wiederholung des Inhalts und zum Erlernen der griechischen Dichtersprache geeignet waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Ähnlich wie die &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; von 1545: Vgl. [[Walter 2017]], S. 40-42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in späteren Schulordnungen von Nürnberg und Altdorf nahm die religiöse Unterweisung einen wichtigen Platz ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Saubert 1673]], Bl. C4v-D1v und [[Saubert 1633]], Bl. F3r-G1r: Hier wird auch Luthers Katechismus in deutscher und lateinischer Sprache erwähnt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nürnberger Schulordnung weckte bald auch das Interesse des [[Erwähnter Ort::Breslau]]er Lehrers [[Erwähnte Person::Johannes Metzler]], der Camerarius [[Erwähntes Werk::OCEp 0302|in einem Brief (1526)]] um deren Zusendung bat. Es ist aber nicht klar, ob sie Einfluss auf die Schulordnung des Breslauer Gymnasiums hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Bauch 1898]], S. 72.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Schulen für die Erlernung christlicher Werte und der biblischen Sprachen betont auch Luther in seiner [[Erwähntes Werk::Luther, An die Ratherren aller Städte deutsches Lands, 1524|Ratsherrenschrift]] (Bl. D3r/v): Man brauche die Bibel nicht nur in Deutsch, sondern auch in Latein, Griechisch und Hebräisch. Das Vorhandensein gut ausgebildeter Lehrer und guter Bücher hebt er als Desiderat hervor. Luther betonte auch die Bedeutung des Musikunterrichts. Entsprechend war auch im Lehrplan der Nürnberger Oberen Schule täglich eine Stunde Musik vorgesehen. Dieses Fach füllte wohl der Komponist [[Erwähnte Person::Wilhelm Breitengraser]] aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Krause 1879]], Bd. II, S. 50f., neben [[Burkard 2003]], S. 158, Anm. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von Camerarius selbst sind allerding kaum musikalische Aktivitäten oder Kompetenzen bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Grantley McDonald, Notes on the sources and reception of Senfl&#039;s Harmoniae, in: Stefan Gasch / Sonja Tröster (Hgg.), Senfl-Studien 2, Tutzing 2013, S. 623-633, hier S. 629, und Grantley McDonald, The Metrical Harmoniae of Wolfgang Gräfinger and Ludwig Senfl, in: Stefan Gasch / Birgit Lodes / Sonja Tröster (Hgg.), Senfl-Studien 1, Tutzing 2012, S. 69-148, hier S. 100, Anm. 82. In [[Erwähntes Werk::OCEp 1426]] schreibt Camerarius, dass er selbst geistliche Gesänge gesungen habe.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine erst kürzlich entdeckte musikhistorische Abhandlung ([[Erwähntes Werk::OC 1037|&amp;quot;In musicae laudem&amp;quot;]]), von Camerarius als Vorwort zu einem Stimmbuch der [[Erwähnte Körperschaft::Fürstenschule (Meißen)|Fürstenschule Meißen]] verfasst, umreißt die Bedeutung der Musik in der Kulturgeschichte seit dem mythischen Griechenland. Ähnliches schreibt Camerarius auch in der [[Erwähntes Werk::OC 0828|Rede zum 7. Todestag]] von [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)|Kurfürst Moritz]], wonach Achill das Harfenspiel von Chiron gelernt habe, um seine Emotionen zu kontrollieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius, Oratio funebris anniversariae memoriae causa de principe Mauricio (1560), 1569]], S. 135.&amp;lt;/ref&amp;gt; Besondere Bedeutung erlangte schließlich Camerarius&#039; Versgebet [[Erwähntes Werk::OC 0597|&amp;quot;In tenebris&amp;quot;]], das oft vertont wurde und möglicherweise die Vorlage für [[Erwähnte Person::Paul Eber]]s deutsche Dichtung &amp;quot;Wenn wir in höchsten Nöten sein&amp;quot; bildet, die ins Evangelische Kirchengesangbuch aufgenommen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Die Capita sacrosanctae fidei (1524) und die Capita pietatis (1545) =====&lt;br /&gt;
Die griechischen [[Erwähntes Werk::OC 0007|Capita sacrosanctae fidei]] (CSF) sind Teil eines von Melanchthon herausgegebenen Lehrwerks, der [[Erwähntes Werk::Melanchthon, Institutio puerilis literarum Graecarum, 1525|Institutio puerilis (1525)]], das schon fünf Jahre vor [[Martin Luther]]s Großem und Kleinem Katechismus (ab 1529) entstand und sich von diesen auch in der Wahl der Sprache unterscheidet: Während Luther seine Katechismen in Deutsch abfasste und auch lateinische Versionen drucken ließ, existiert die &amp;quot;Institutio puerilis&amp;quot; nur als Werk in teils lateinischer, teils griechischer Sprache mit deutschen Einsprengseln (und einem hebräischen Teil). All diese Schriften sind als Leitfaden für Lehrkräfte, Hausväter und Pfarrer konzipiert&amp;lt;ref&amp;gt;Kleiner Katechismus: &#039;&#039;für die gemeine Pfarrherrn und Prediger/pro parochis et concionatoribus&#039;&#039;; im Großen Katechismus werden gelegentlich Hausväter erwähnt.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zum Selbstlernen eher ungeeignet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anhang der &amp;quot;Institutio&amp;quot; befindet sich eine hebräische Grammatik des Wittenberger Hebraisten [[Erwähnte Person::Matthäus Aurogallus]], die weitgehend wörtlich mit dessen [http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10184079-3 „Compendium Hebreae Chaldeaeque grammatices“] aus dem selben Jahr übereinstimmt. Das Compendium enthält zusätzlich einen Abschnitt über hebräische Zahlen, ein Kapitel über Unterschiede der hebräischen und chaldäischen/aramäischen Sprache sowie Briefe und hebräische Texte. Durch dieses Buch hatte auch Camerarius Gelegenheit, mit der hebräischen Sprache in Kontakt zu kommen. Über seine Kenntnisse dieser Sprache ist kaum etwas bekannt; allerdings zeigt er sie in der [[Camerarius, Sententiae Jesu Siracidae, 1551|Jesus-Sirach-Ausgabe 1551]].&amp;lt;ref&amp;gt;Dort S. 13f., 136f. 146, 160, 172,179, 198 und 203.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Walter 2017|Jochen Walter]] hat überzeugend dargelegt, dass die CSF von Camerarius verfasst und 1545 unter dem Titel [[Erwähntes Werk::OC 0455|Κεφάλαια Χριστιανισμοῦ]] in erweiterter Form erneut herausgegeben wurden: So gibt es versweise wörtliche Übereinstimmungen, aber der Umfang der Κεφάλαια ist mit 222 gegenüber 131 Versen erheblich größer. Das Griechisch der Κεφάλαια weist sprachliche Besonderheiten auf, die teils der homerischen Dichtersprache, teils der Bukolik und anderen Gattungen entstammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Walter 2017]], S. 26ff. und 34ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch hier kommt das Prinzip des Camerarius zum Tragen, sprachliche und inhaltliche Lernziele miteinander zu verbinden. Diese Synergie erweist sich auch an anderen Werken des [[Camerarius, Capita pietatis, 1545|1545 unter dem Namen &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; erschienenen Drucks]]: So ist ein deutschsprachiges Gedicht Martin Luthers über das Buch Salomo (wohl die Weisheit Salomons) enthalten, das Camerarius im Anschluss in je einer lateinischen und griechischen Übersetzung (versifiziert) präsentiert. Einen Hinweis auf die Zielgruppe des Kompendiums gibt das ebenfalls beigefügte Gedicht des [[Erwähnte Person::Johann Stigel]] (C5r-C8v) mit einer Widmung an [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] (dieser war damals ca. 8 Jahre alt und wurde noch privat unterrichtet&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1475|Camerarius&#039; Widmung der &amp;quot;Fabulae Aesopicae&amp;quot; an Johann Malleolus von 1544]].&amp;lt;/ref&amp;gt;). Man wird konkret an eine Verwendung in den 1543 gegründeten Fürstenschulen [[Schulpforta]] und [[Meißen]] denken können. Für die schulische Verankerung spricht, dass die 1. Auflage schnell ausverkauft war und Camerarius im Folgejahr eine 2. Auflage drucken ließ ([[Camerarius, Capita pietatis, 1546]]), ergänzt um eine selbst verfasste [[Erwähntes Werk::OC 0481|lateinische Übersetzung]] der &amp;quot;Κεφάλαια&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Notwendigkeit der Neuauflage begründet Camerarius im [[Erwähntes Werk::OCEp 1445|Widmungsbrief an Georg III. von Anhalt]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die  Ansicht ist synoptisch (griechischer Text auf dem Verso, lateinischer Text auf dem gegenüberliegenden Recto, mit versgenauer Entsprechung); die Übersetzung ist &amp;quot;ausgangssprachenorientiert und versucht, bis in die Wortstellung hinein den griechischen Text abzubilden&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Walter 2017]], S. 30.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das Missverhältnis zwischen einem bereits früher erlernten Inhalt und der anspruchsvollen griechischen Dichtersprache lässt darauf schließen, dass Camerarius hier einen Primat der philologischen gegenüber der theologischen Bildung verfolgt hat: Die bekannten Inhalte sollten die sprachlichen Forschritte erleichtern und die lateinische Version sollte das Verständnis des griechischen Textes zusätzlich sicherstellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Walter 2017]], S. 41f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere lateinische Übersetzung nahm [[Erwähnte Person::Johannes Fux]] vor, der die &amp;quot;Κεφάλαια&amp;quot; in elegische Distichen übersetzte. Er fügte sie ein in [[Fux, Ioel propheta, 1553|ein eigenes Lehrbuch]], das auch Versifikationen von einigen der kleinen Propheten sowie einen weiteren Katechismus enthält. Von Fux&#039; Übersetzung existiert [[Camerarius, Capita pietatis, 1555a|ein Nachdruck]] in Kombination mit anderen Versifikationen des Übersetzers. Damit hielten die &amp;quot;Capita&amp;quot; auch in ein katholisches Lehrbuch Einzug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zur 1550 entstandenen griechischen &amp;quot;Κατήχησις&amp;quot; des Siebenbürger Sachsen [[Erwähnte Person::Valentin Wagner]], mit dem Camerarius in Freundschaft verbunden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Groß 1929]], 2. Stück: Valentin Wagners Katechesis, S. 3-5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Die &amp;quot;Praecepta vitae puerilis&amp;quot; (1536) =====&lt;br /&gt;
Ein von Camerarius [[Camerarius, Praecepta vitae puerilis (Druck), 1536|1536 in Tübingen herausgegebener Druck]] vereint mehrere Erziehungsratgeber: In den [[Erwähntes Werk::OC 0188|&amp;quot;Praecepta vitae puerilis&amp;quot;]] werden ganz praktische Ratschläge erteilt. Im Mittelpunkt steht dabei die sittliche Unterweisung. Camerarius beschreibt und begründet zunächst verschiedene Erziehungsziele, um anschließend den Heranwachsenden konkrete Handlungsmaximen an die Hand zu geben. Die gleichen Inhalte transportiert das beigefügte Gedicht [[Erwähntes Werk::OC 0187|&amp;quot;Praecepta honestatis atque decoris puerilis&amp;quot;]]. Auf spielerisches Lernen zielt der Dialog [[Erwähntes Werk::OC 0185|&amp;quot;De gymnasiis&amp;quot;]]. Darin wird die Bedeutung von Sport und Spiel dargelegt. Als Widmungsbrief ist ein Schreiben des jungen Studenten [[Christoph Coler (Sohn)]] an seinen Bruder beigegeben, in dem der Lehrer gelobt wird - also Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schultheiß 2017]], S. 205 sieht die Einbeziehung des Briefes, &amp;quot;der durchaus auf einem echten beruhen kann&amp;quot;, &amp;quot;als Teil einer Publikationsstrategie&amp;quot;, um &amp;quot;Camerarius durch die lobenden Äußerungen eines eigenen Studenten als Pädagogen zu profilieren&amp;quot;: Der eigentliche Autor ist natürlich Camerarius selbst.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Bezug zu seinem Tätigkeitsfeld [[Erwähnter Ort::Tübingen]] wird deutlich. Die Einbeziehung der [[Erwähnter Ort::Nürnberg]]er Patrizierfamilie Coler zielt vielleicht auch darauf ab, weitere Söhne der Stadt an die einzige protestantische Universität Süddeutschlands zu locken.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Anstieg der Zahl fränkischer Studenten in [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Tübingen)|Tübingen]] siehe das Kapitel ↑ [[Theologie_(CamLex)#Tätigkeit_in_Tübingen_(1535-1541)|Tätigkeit in Tübingen (1535-1541)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Praecepta&amp;quot; wurden im 16. Jahrhundert noch häufiger aufgelegt, vor allem ab 1544 in [[Leipzig]] zusammen mit den [[Camerarius, Praecepta morum ac vitae, 1544|&amp;quot;Praecepta morum ac vitae&amp;quot;]]. Als Grund dafür nennt Camerarius den prekären Sittenverfall, der in ihm Angst vor der Zukunft auslöse.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Camerarius an Megel, 23.05.1544]]: &#039;&#039;Nam tanta dissolutio vitae ac morum nunc passim existit, ut saepe quid denique futurum sit, vehementer metuam&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er wolle diesem Verfall durch die Ausbildung des Verstandes begegnen und die Urteilsfähigkeit stärken: Dies sei auch bei Erwachsenen noch möglich, wenn man es in der Kindheit vernachlässigt habe. Hierzu bedient er sich auch antiker Weisheitslehren: Das lateinische [[Erwähntes Werk::OC 0439|Spiel der sieben Weisen]] ist vielen Ausgaben beigefügt. Statt konkreter Handlungsanweisungen werden hier sentenzenhaft Maximen der Lebensführung vermittelt. Das Werk hatte großen Erfolg und wurde mehrmals in die Volkssprache übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hubrath 2003]].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1563|Ein weiterer Dialog]], der ab 1563 mehrmals gedruckt wird, behandelt das gute Benehmen bei Heranwachsenden und rezipiert auch die &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;. Die Bedeutung von speziellen Regeln zur gottgefälligen Erziehung der Kinder wird hier dargelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0712]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Die &amp;quot;Capita Christianismi&amp;quot; / &amp;quot;Puerilis doctrina de Christiana vita&amp;quot; (1538) =====&lt;br /&gt;
Ein [[Camerarius, Capita Christianismi, 1538|weiterer Katechismus]] erschien im Jahr 1538 im Druck: [[Johannes Brenz]] schreibt in seinem Vorwort, dass [[Erwähntes Werk::OC 0216|dieser Katechismus]] bereits in [[Tübingen]] vorher in Verwendung gewesen sei. Er sorge nun dafür, dass er auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehe. Enthalten sind Ausführungen zum Dekalog, zu Sakramenten und Gebeten. Der Katechismus ist lange Zeit dem Theologen [[Erwähnte Person::Thomas Lindner]] zugeschrieben worden, weil von diesem ein einleitendes Gedicht enthalten ist. Inzwischen ist die überwiegende Forschungsmeinung, dass Camerarius die Schrift verfasst hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2018 MBW Nr. 2018.3]. Camerarius war in Tübingen auch für das Pädagogium zuständig (vgl. [[Schultheiß 2017]], S. 205 und [[Hofmann 1982]], S. 15).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige Freiberger Lehrer [[Erwähnte Person::Adam Siber]] berichtete im Mai 1541, dass er bei [[Erwähnte Person::Wolfgang Meurer]] ein Buch mit dem Titel &amp;quot;Institutio doctrinae puerilis&amp;quot; gesehen habe, und bittet um dessen Zusendung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://www.aerztebriefe.de/id/00006831 www.aerztebriefe.de/id/00006831] und [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/62101/449 Brief Sieber an Meurer, 28.5.1541].&amp;lt;/ref&amp;gt; Möglicherweise handelt es sich um die Schrift des Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Es ist immerhin möglich, dass stattdessen [[Melanchthon, Institutio puerilis literarum Graecarum, 1525]] gemeint ist.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Eine (unpublizierte) &amp;quot;Confessio Augustana Graeca&amp;quot; =====&lt;br /&gt;
Camerarius hatte bereits beim Augsburger Reichstag 1530 seinen Freund Melanchthon unterstützt, indem er eine Mitschrift von der Verlesung der Confessio Augustana anfertigte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Peters 2014a]], S. 230–236 und [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 20 m. Anm. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch später noch beschäftigte er sich mit der Bekenntnisschrift: In einem Brief von 1547&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4870 MBW - Regesten online], Nr. 4870.4.&amp;lt;/ref&amp;gt; äußert Melanchthon seine Freude darüber, dass C. die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; ins Griechische übersetze. Von diesem Werk hat sich aber außer diesem Briefzeugnus keine weitere Spur gefunden. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sie mit der Version identisch ist, die der [[Erwähnter Ort::Halle (Saale)|hallische]] Schulrektor [[Erwähnte Person::Paul Dolscius]] (mit Melanchthons Mitwirkung)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Benz 1971]], [[Wenz 2010]], S. 199-219. Zu den griechischen Katechismen der Reformatoren vgl. [[Flogaus 2015]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1559 herausgegeben hat. Gegen Beteiligung von Camerarius spricht, dass es sich offensichtlich um eine Übersetzung der &amp;quot;Confessio Augustana Invariata&amp;quot; handelte, während C. und Melanchthon die &amp;quot;Variata&amp;quot; bevorzugten.&amp;lt;br&amp;gt; Deswegen wird angenommen, dass die Übersetzung ins Griechische nur geplant war, aber nie durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kretschmar, Georg: Die Confessio Augustana graeca. In: Kirche im Osten 20 (1977), S. 11-39, hier S. 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ 1552 =====&lt;br /&gt;
Nach den [[Erwähntes Werk::OC 0455|&amp;quot;Κεφάλαια Χριστιανισμοῦ&amp;quot;]] erstellte Camerarius 1552 mit der [[Erwähntes Werk::OC 0579|&amp;quot;Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ&amp;quot;]] einen kompletten Katechismus in griechischer Sprache, den man als sein pädagogisches Hauptwerk bezeichnen kann. Hier ist sein Ziel nicht die sprachliche Bildung seiner Schüler, sondern die Verbreitung der Glaubenslehre.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0582]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Man hat daraus gefolgert, dass er eine Wiederherstellung der Kircheneinheit mit den griechischen Christen im Sinn hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Reu 1911]], Bd. 2.1, S. 96; vgl. Baier, Helleno(ger)mania (in Vorbereitung), S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1562|2. Auflage von 1562]] unterscheidet sich nur unmerklich von der ersten. 1563 publizierte Camerarius zudem eine [[Erwähntes Werk::Camerarius, Catechesis, 1563|lateinische Ausgabe]]. Während die griechische mit originalen Formulierungen der Kirchenväter arbeitete und deren Stil nachahmte, hatte die lateinische das Ziel, in Deutschland verstanden zu werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Camerarius, Catechesis, 1563]], Bl. §8v. Allerdings unterlässt Camerarius in der lateinischen Ausgabe den Hinweis auf seinen Zweifel bezüglich Alter und Autorschaft des Athanasianischen Glaubensbekenntnisses, der ihm Kritik eingetragen hatte. In der 2. griechischen Auflage dagegen wird der Zweifel aufrechterhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich Aufbau und Inhalt gibt es kaum Unterschiede in den verschiedenen Ausgaben: Der 1. Teil enthält die Definition des christlichen Katechismus und einen Abschnitt über Sünden und Gesetz (mit ausführlicher Behandlung des Dekalogs);&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Inhalt vgl. [[Seckt 1888]], S. 14-16.&amp;lt;/ref&amp;gt; im 2. Teil werden das Glaubensbekenntnis, das Evangelium, die christliche Kirche (&#039;&#039;catholica Ecclesia&#039;&#039;) und die Sakramente besprochen. Hier erfolgt eine Darstellung dogmatischer Inhalte: Das Apostolische, Nikäokonstantinopolitanische und Athanasische Glaubensbekenntnis werden angeführt und erklärt. Dabei werden auch die Glaubensbekenntnisse weiterer Kirchenschriftsteller zitiert, namentlich die des Epiphanius und des Basilius.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 251-258. Die Darstellung zitiert und erklärt die Inhalte, ausgehend von der historischen Entstehung. Dabei werden auch antike Häresien behandelt. Zum Inhalt des 2. Teils der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; vgl. [[Seckt 1888]], S. 16-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der 3. Teil behandelt das Gebet;&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Inhalt vgl. [[Seckt 1888]], S. 21. Vgl. [[Schultheiß 2024]], S. 201-203.&amp;lt;/ref&amp;gt; den 4. Teil bildet ein erneuter Abdruck der [[Erwähntes Werk::OC 0455|&amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;/&amp;quot;Κεφάλαια Χριστιανισμοῦ&amp;quot;]]. &lt;br /&gt;
Beeinflusst wurde das Werk möglicherweise durch [[Erwähnte Person::Valentin Wagner]]s 1550 erschienenen griechischen Katechismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Müller 2000]], S. 36f. und 206 sowie [[Groß 1929]], Teil II, S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem siebenbürgischen Theologen stand Camerarius in engem Kontakt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0898]] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7084 MBW Nr. 7084].&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings erfolgten die persönlichen Zusammentreffen erst im Jahr 1554 und beide Werke zeigen eigenständigen Charakter. Andreas Müller hat diese miteinander verglichen und weist auf deutliche Unterschiede in inhaltlicher wie formaler Hinsicht hin.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Müller 2000]], S. 204-210.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Katechesis&amp;quot; des Camerarius gehörte zu den wirkmächtigsten griechischen Schriften dieser Art und gilt wegen ihrer Verbreitung im griechischen Kulturraum vielleicht als der &amp;quot;bedeutendste griechisch geschriebene Text der Reformationszeit&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Müller 2000]], S. 204. Vgl. auch Müller, Andreas: Protestantische Drucke des 16. Jahrhunderts auf dem Berg Athos, in: Ostkirchliche Studien 47 (1998), S. 124-138. Druckexemplare gibt es u.a. im Katharinenkloster auf dem Sinai, in Vatopedi, 2. Stock der Bibliothek Nr. 2998 (unter falschem Namen und Titel); Iviron, Sig. A 276 (unvollständig und schlecht erhalten); Athen, Gennadius-Bibliothek. Alle Angaben (nicht überprüft) laut [[Müller 2000]], S. 204.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Sachsen wurde der Katechismus (in beiden Sprachen) noch 1571 in Universitäten,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6307 MBW Nr. 6307.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Kirchen und Schulen verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;So schreibt [[Erwähnte Person::Nikolaus Selnecker]]  in seiner  &amp;quot;Commonefactio&amp;quot; (1571): &#039;&#039;Nobis catechismi verba, quae in ecclesiis et scholis Misnicarum regionum et aliis multis in locis adhuc Dei beneficio sonant, loco confeßionis esse debent&#039;&#039; und zitiert anschließend aus der griechischen (S. 379f. und 384) sowie der lateinischen (S. 325f. und 327) &amp;quot;Katechesis&amp;quot;: Vgl. [[Dingel 2008]], S. 316. Dies geht einher mit Kritik an Camerarius: Dieser hatte eine Bibelstelle (Apostelgeschichte 3,21) passivisch übersetzt und somit zu Selneckers Missfallen Anklänge an Melanchthons späte Abendmahlslehre erkennbar werden lassen. Vgl. ↑ [[Theologie (CamLex)#Sakramentenlehre|Systematische Theologie]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Der Wittenberger Katechismus =====&lt;br /&gt;
In Kursachsen war aber auch der Katechismus des Melanchthonschülers [[Erwähnte Person::David Chyträus]] in zahlreichen Auflagen verbreitet. Die Auflagen von [[Erwähntes Werk::Chyträus, Catechesis, 1568|1568 (Leipzig)]] und [[Erwähntes Werk::Chyträus, Catechesis, 1569|1569 (Wittenberg)]] stießen wegen einiger &amp;quot;flacianischer&amp;quot; Stellen auf Ablehnung: Die Schulvisitatoren, darunter auch Camerarius, beschlossen die Ersetzung durch ein eigenes Werk.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hasse 2000]], S. 87: Chyträus sei in den Punkten der &amp;quot;Communicatio idiomatum&amp;quot; und des freien Willens von Melanchthon abgewichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Katechismus wurde substituiert durch den von [[Erwähnte Person::Christoph Pezel]] anonym erstellten [[Erwähntes Werk::Pezel, Wittenberger Katechismus, 1571|Wittenberger Katechismus]]. Zwar unterzeichneten die Vertreter der Wittenberger Theologischen Fakultät dessen &amp;quot;Praefatio&amp;quot;, doch durch das Verschweigen des Verfassers kam der Verdacht auf, es handle sich um eine calvinistische Schrift. Es ist nicht klar, welchen Anteil Camerarius an Erstellung und Verbreitung dieser Schrift hatte. Durch ein Schreiben bestätigte er aber dem Hofprediger [[Erwähnte Person::Christian Schütz]], dass Leipziger und Wittenberger Theologen den Wittenberger Katechismus einmütig unterstützten. Der Theologieprofessor [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]] schloss sich dem Brief an,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10312/01: Wittenberger Katechismus und andere Religionshändel; Innentitel: &amp;quot;Schriften über den von der Theologischen Fakultät zu Wittenberg begriffenen und im Druck gefertigten lateinischen und deutschen Katechismus, was durch denselben, wie auch andere Schriften, für Religionsstreit erregt&amp;quot;, Bl. 19f.: Schreiben vom 27.8.1571; [[Calinich 1866]], S. 71f.; [[Hasse 2000]], S. 94 m. Anm. 112.&amp;lt;/ref&amp;gt; der jedoch im Jahr 1574 ungewollt zu bedeutenden religionspolitischen Veränderungen in Sachsen beitragen sollte, die zum Sturz, zur Verhaftung oder Ausweisung vieler Melanchthon-Schüler führten. Camerarius entging diesem Schicksal möglicherweise nur durch seinen Tod im April desselben Jahres.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Homiletisches ====&lt;br /&gt;
Einige von Camerarius gehaltene Reden haben beinahe Predigtcharakter, so die [[Erwähntes Werk::OC 0829|Weihnachtsansprache]] zum Tod des Kurprinzen [[Erwähnte Person::Alexander (Sachsen)]] 1565, die an der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] gehalten wurde. Auch die [[Erwähntes Werk::OC 0615|Rede zum Tod]] des Leipziger Theologen und Hebraisten [[Nachruf auf::Bernhard Ziegler]] enthält Elemente einer Predigt, so etwa zahlreiche Zitate aus den Paulinischen Briefen. Camerarius gab sie zusammen mit [[Erwähntes Werk::OC 0613|den Predigten]] seines Freundes [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] bald nach dessen Tod heraus. Aus diesen zieht Camerarius verschiedene Lehren und skizziert eine Art Theorie der Predigt. Bei anderen Gelegenheiten sprach Camerarius selbst in Kirchen, doch sind seine Leichenreden auf [[Nachruf auf::Eberhard I. (Württemberg)|Eberhard im Bart]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0202]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Nachruf auf::Moritz (Sachsen)|Kurfürst Moritz]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0587]].&amp;lt;/ref&amp;gt; in Humanistenmanier verfasst, so dass sie eher dem Bereich der Rhetorik als der Homiletik zuzurechnen sind. Sie laden zur Nachahmung der Vorbilder ein und bedienen einige christliche Topoi: Im Zentrum steht das christliche Sterben, das an die Tradition der &#039;&#039;ars moriendi&#039;&#039; angelehnt ist. Unter den gerühmten Tugenden spielt die &#039;&#039;pietas&#039;&#039; eine wichtige Rolle. Neun weitere Reden zu Jahresfeiern von Moritzens Tod verfasste Camerarius bis 1569, die von anderen Rednern vorgetragen wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Camerarius, Orationes funebres, 1569]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihnen liegt der Schwerpunkt mehr auf dem Ruhm des Herrschers und seiner Memoria. Nicht immer ist es möglich, eine scharfe Trennlinie zwischen Predigt und humanistischer Rede zu ziehen. Einem ganz anderen Zweck, nämlich der sprachlichen Übung und der religiösen Unterweisung für die (bereits erwachsenen) Camerarius-Söhne, diente [[Erwähntes Werk::OC 0900|eine Predigtsammlung]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vorwort des [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 2: &#039;&#039;quasi homiliae compositae fuere, simul ad linguae graecae, simul ad simplicis ac purae veritatis celestis cognitionem conciliandam fratribus meis natu maioribus&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu Evangelientexten. Da sie in griechischer Sprache (mit lateinischer Übersetzung) verfasst sind, ist kein Gebrauch im Gottesdienst vorgesehen gewesen. Die Publikation erfolgte erst 1573 durch [[Ludwig Camerarius]].&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Pädagogische Praxis bei Camerarius ====&lt;br /&gt;
Neben der Erziehungs- und Bildungstheorie in seinen Schriften soll nun auch die Erziehungspraxis des Camerarius im häuslichen, schulischen und universitären Bereich betrachtet werden. Wenig ist bisher bekannt zur häuslichen Erziehung seiner Kinder.&amp;lt;ref&amp;gt;Fest steht, dass er zumindest den Söhnen eine gute Ausbildung angedeihen ließ: Alle fünf absolvierten erfolgreich ein Studium und hatten beruflichen Erfolg. Ihr Vater bezog sie in seine wissenschaftlichen Projekte mit ein und ermöglichte ihnen prominente Anstellungen, wobei vor allem [[Erwähnte Person::Johannes Camerarius II.]] in fürstlichen Diensten und [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.]] als Nürnberger Stadtarzt davon profitiert haben. Drei der Töchter heirateten bedeutende Akademiker. Über die Führung einer eigenen privaten Burse wie im Hause Martins Luthers ist nichts bekannt, doch hat er zumindest [[Erwähnte Person::Hieronymus Baumgartner d.J.|den Sohn seines Freundes Baumgartner]] als Studenten in seinem Haus beherbergt (das lässt sich aus [[Erwähntes Werk::OCEp 0677]] und [[Erwähntes Werk::OCEp 0679]] schließen).&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Söhne förderte er auch außerhalb des Schul- und Universitätsbesuchs und band sie auch in seine schriftstellerischen Tätigkeiten ein: So unterstützte er seinen etwa 18-jährigen Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.]] bei der [[Erwähntes Werk::OC 0556|Übersetzung einer Schrift zu Zahlenverhältnissen]], indem er sie korrigierte. Eine schwere finanzielle Belastung stellten die Auflandsaufenthalte einiger Söhne dar, wobei vor allem die Verhaftung [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius|Philipps]] durch die [[Inquisition]] in [[Erwähnter Ort::Rom]] auch emotionale Spuren hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Nutzen aus der Ausbildung der Söhne zog der Vater vor allem durch die Mitarbeit seines Sohnes [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius]], der verschiedene ältere Schriften des Vaters sammelte und (teilweise erneut, teilweise erstmalig) edierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Bereits im Alter von 20 Jahren verfasste Ludwig die pädagogische Schrift [[Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1563]]. Zu seinen weiteren Herausgeberschaften vgl. [[Ludwig Camerarius|seine Personenseite]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine ersten Erfahrungen in der universitären Lehre sammelte Camerarius bereits früh: Als junger Bakkalar hielt er in [[Erwähnter Ort::Leipzig]] im Auftrag von [[Lehrer::Richard Croke]] griechische Übersetzungsübungen ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Erwähnter Ort::Erfurt]] unterrichtete er ab 1519 ebenfalls im Fach Griechisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Erwähnter Ort::Wittenberg]] erhielt er, inzwischen zum Magister promoviert, 1522 die Quintilian-Lektur, die er krankheitsbedingt jedoch nur zeitweise ausüben konnte, sowie 1523 die Leitung über die Deklamationsübungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 36, und [[Kunkler 2000]], S. 50-53.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als einen seiner frühesten Schüler bezeichnet er [[Schüler::Wilhelm Megel]], allerdings ist die Datierung dieser Lehrer-Schüler-Konstellation schwierig.&amp;lt;ref&amp;gt;So spricht C. in einem [[Erwähntes Werk::OCEp 1478|Brief von 1544]] von gemeinsamen Lehr-Lern-Erfahrungen. Dies spräche für Camerarius&#039; Jahre in Wittenberg (1521-1524), jedoch widersprechen sich die Quellen zu Megels Studienverlauf: Laut der Matrikel wurde er dort erst im Mai 1532 immatrikuliert (vgl. [[Förstemann 1841]], S. 143), aber eine Abschlussurkunde von August 1532 berichtet ein dreijähriges Studium (CR 2, Sp. 606f.). Es ist nicht auszuschließen, dass er außerhalb der Universität Unterricht bei Camerarius genossen hatte. Für Megel wird 1510 als Geburtsjahr angenommen: Damit käme Leipzig als Unterrichtsort nicht in Frage, denn Camerarius verließ die Stadt bereits 1518.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Rektor der Nürnberger Schule hatte Camerarius neben seinem Unterricht in Griechisch und Geschichte zweifelsohne auch pädagogische Aufgaben zu erfüllen; in Tübingen und Leipzig wirkte er in der universitären Lehre und erstellte Bildungsprogramme und Universitätsstatuten. Nicht nur als dreimaliger Rektor und mehrfacher Dekan der Leipziger Artistenfakultät hatte er Verantwortung für seine Studenten, sondern er bekleidete auch im sächsischen Schulwesen eine wichtige Funktion als Visitator der Fürstenschulen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Meyer 1897]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wichtig als Zeugnisse für Camerarius&#039; pädagogisches Handeln sind zudem seine Briefwechsel: Er beriet und unterstützte die Bildungsreise des [[Erwähnte Person::Petrus Lotichius Secundus]] mit den Neffen [[Erwähnte Person::Daniel Stiebar von Rabeneck|Daniel Stiebars]] nach Frankreich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Briefwechsel-Petrus Lotichius Secundus]] und [[Briefwechsel-Daniel Stiebar von Rabeneck]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Besonders aufschlussreich ist der [[Briefwechsel-Hieronymus Baumgartner d.Ä.|Baumgartner-Briefwechsel]]: Camerarius scheint dessen gleichnamigen Sohn eine Zeitlang in seinem Leipziger Haus beherbergt zu haben. Er gibt häufig Berichte über dessen Lernfortschritte. Weniger Lernerfolg hatte allerdings ein anderer Verwandter Baumgartners, [[Erwähnte Person::Augustin Dichtel II.]] Bei ihm stießen Camerarius und danach auch Melanchthon an die Grenzen ihrer Fähigkeiten und schickten ihn ohne Abschluss, jedoch nicht in Ungnade zurück. Ein weiteres Zeugnis pädagogischen Handelns ist ein [[Erwähntes Werk::OCEp 0884|Brief an die Brüder Ossa (1565)]], die in Padua studierten, aber ihr Studium anscheinend nicht ernst nahmen und sich mit ihrem Präzeptor zerstritten. Camerarius wandte sich mit verständnisvollen, doch auch mahnenden Worten an sie, um sie zur Einsicht und Besserung zu bewegen. Ob dies Erfolg hatte, ist nicht sicher: Der älteste der Brüder, Balthasar Friedrich, wurde im Folgejahr zwar Rektor (der deutschen Nation), doch war er während seiner Amtszeit in Straßenkämpfe mit der Stadtbevölkerung verwickelt und wurde vom Stadtpräfekten inhaftiert. Die Akten der deutschen Nation stellen ihn als Helden und unschuldig Verfolgten dar. Sie erwähnen aber auch seine hohen Ausgaben (über 10&#039;000 Kronen während seiner  Amtszeit).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Münnich 2020]], S. 867 und Acta Padua IV, 2, S. XXI, 47 (Nr. 87) sowie Biagio Brugio (Hg.), [https://archive.org/details/Brugi/page/136/mode/2up Atti della Nazione germanica dei legisti nello Studio di Padova I, S. 136-139].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sollte die Mahnung des Camerarius zu einer ehrbaren Lebensführung auf Zurückhaltung und Sparsamkeit abgezielt haben, so hat sie hier nicht gefruchtet. Sicher wurde dadurch seine schon [[Erwähntes Werk::OCEp 0616|1542 gegenüber Baumgartner]] geäußerte Meinung bestätigt: Das Studium in Frankreich und Italien würde die Schüler verderben, weil sie noch nicht innerlich gefestigt seien und dortige Unsitten übernähmen. Sie kämen dann eitel und besserwisserisch zurück. In Krisensituationen bemühte sich Camerarius um Deeskalation, wie im Fall der [[Erwähntes Werk::OCEp 0728|Ermordung eines Studenten]] (Oktober 1563) und [[Erwähntes Werk::OCEp 1276|eines Hausfriedensbruchs]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius versuchte auch, auf die Erziehung einiger junger Prinzen einzuwirken, indem er ihnen theologisch und pädagogisch geprägte Traktate widmete. Stets handelt es sich um Angehörige von Adelshäusern, die der Reformation nahestehen: Das bezieht sich auf [[Erwähnte Person::Bernhard VII. (Anhalt)|Neffen]] seines Freundes Georg von Anhalt, aber auch auf Mgf. [[Erwähnte Person::Albrecht II. Alcibiades (Brandenburg-Kulmbach)|Albrecht Alcibiades]], [[Erwähnte Person::Johann Albrecht I. (Mecklenburg)]] ([[Erwähntes Werk::OCEp 1464]]) oder die Lüneburger Prinzen [[Erwähnte Person::Franz Otto (Braunschweig-Lüneburg)|Franz Otto]] und [[Erwähnte Person::Friedrich (Braunschweig-Lüneburg)|Friedrich]] ([[Erwähntes Werk::OCEp 1444]]). Den letzteren beiden, Söhnen [[Erwähnte Person::Ernst I. (Braunschweig-Lüneburg)|Ernst des Bekenners]], diente der Camerarius-Schüler [[Erwähnte Person::Wilhelm Megel]] als Präzeptor. Durch die [[Erwähntes Werk::OC 0555|Widmung einer Plautus-Ausgabe]] (1552) an den 13-jährigen [[Erwähnte Person::Georg Friedrich I. (Brandenburg-Ansbach-Kulmbach)]] erstrebt Camerarius, ein Bewusstsein für die Bedeutung der wissenschaftlichen Studien zu schaffen. Schließlich wird er auch nicht müde, durch Vorbilder (mittels Biographien) auf die Prägung der jungen Menschen einzuwirken:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Stählin 1936]], S. 73f. &amp;lt;/ref&amp;gt; Das sind Fürsten wie Eberhard im Bart, [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]] und [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]], aber auch Gelehrte wie Melanchthon und [[Helius Eobanus Hessus]].&amp;lt;ref&amp;gt;Bei Hessus gilt die Einschränkung, dass der Lebenswandel nur bedingt als Vorbildcharakter besitzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch sein zum Bischof von Eichstätt ernannter Freund [[Erwähnte Person::Moritz von Hutten]] erhält von Camerarius [[Erwähntes Werk::OC 0932|Ratschläge für eine gute Amtsführung]]. Auch der sächsische Kurprinz [[Erwähnte Person::Christian I. (Sachsen)]] besaß ein Buch mit Gebeten Luthers, Melanchthons und Camerarius&#039;, das ihm der Chemnitzer Superintendent [[Erwähnte Person::Georg Langevoit]] zusammengestellt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Von einer direkten Mitwirkung des Camerarius ist nichts bekannt. Die Handschrift [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/53225/1/1 &amp;quot;Libellus Precationum&amp;quot;] (Mscr. Dresd. A 301) vom 12.8.1571 enthält auf Bl. 80v-102r unter dem Titel &amp;quot;Formulae precationum ex Catechesi D. Ioachimi Camerarii&amp;quot; Gebete des Camerarius aus der &amp;quot;Catechesis&amp;quot; und aus der [[Erwähntes Werk::OC 0646|&amp;quot;Disputatio de Precibus&amp;quot;]] in griechischer und lateinischer Synopse.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius verfasste diese Werke nicht aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft, sondern immer auch aus der Perspektive des Praktikers. Der Umgang mit Prinzen und Fürsten war ihm nicht fremd, da einige von ihnen in Wittenberg oder Leipzig studiert hatten. Mit einigen der prominentesten Fürstenerzieher war Camerarius befreundet: So stand er mit [[Erwähnte Person::Georg Spalatin]], vormaligem kursächsischem Prinzenerzieher, in Briefkontakt; sein enger Freund Fürst [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] war Schüler von Camerarius&#039; Lehrer [[Georg Helt]] und holte diesen später als Geistlichen an seinen Hof.&amp;lt;ref&amp;gt;Camerarius lobt gleichermaßen den gemeinsamen Lehrer als auch seinen &#039;&#039;condiscipulus&#039;&#039;: Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1419]], [[Gregor von Nyssa, Λόγοι δύο (nativ.; Steph.), 1564]], Bl. D7r. Zu Helt als Fürstenerzieher vgl. [[Deutschländer 2014]], S. 206-209, sowie [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau), Conciones synodicae, 1555]], Bl. BBr und [[Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566]], S. 216-218.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich unterstützte Camerarius gegen Ende seines Lebens noch ein pädagogisches Prestigeprojekt: Die Reichsstadt [[Nürnberg]] richtete in den 1570er Jahren die [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Altdorf)|Hohe Schule Altdorf]] ein, welche 1622 zur Universität erhoben wurde; sein Sohn [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] wurde dort 1581 Prokanzler. Besonders involviert waren die Ratsherren [[Erwähnte Person::Hieronymus Baumgartner d.J.]] und [[Erwähnte Person::Thomas Löffelholz von Colberg]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Mährle 2000]], S. 59-70 und [[Bezzel 1793]]. Anstöße zur Gründung gab Camerarius bereits 1565: Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0736|Brief an Baumgartner, 14.5.1565]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Langfristig gesehen war dieser Einrichtung mehr Erfolg beschieden als ihrer Vorgängerin, der [[Erwähnte Körperschaft::Egidiengymnasium (Nürnberg)|Nürnberger Hohen Schule]], welcher Camerarius von 1526 bis 1535 vorgestanden hatte. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Theologie_(CamLex)&amp;diff=132810</id>
		<title>Theologie (CamLex)</title>
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		<updated>2026-04-14T16:41:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* 1547 bis 1553 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Lexikon&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=VG; HIWI&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
Die Rolle des Camerarius in der Theologie ist bisher nur in Einzelaspekten erforscht. Wenn er in kirchengeschichtlichen Abhandlungen erscheint, dann meist als Autor der [[Erwähntes Werk::Camerarius, Vita Philippi Melanchthonis, 1566|Melanchthon-Biographie]], zunehmend auch als Adressat von Melanchthon-Briefen.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Tatsache verdankt sich vor allem der Arbeit der Melanchthonforschungsstelle Heidelberg und ihres Gründers Heinz Scheible, auf dessen Werke hier nur summarisch verwiesen werden kann. Der Briefwechsel mit Melanchthon (mit über 600 Briefen) ist mit Abstand der umfangreichste des Camerarius: Vgl. [[Mundhenk 2020]], S. 686.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da wesentlich mehr Briefe von Melanchthon an Camerarius erhalten sind als umgekehrt (ca. 600 gegen 69), wird Melanchthons Position zu behandelten Themen deutlicher als die des Camerarius. Zudem ist der Charakter der Humanistenbriefe nur sehr bedingt geeignet, theologische Positionen zu erkennen, da heikle Stellen für die Druckversionen oft überarbeitet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Redaktionen im Humanistenbrief vgl. [[Schlegelmilch 2017]], S. 279-281.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die ungedruckten handschriftlichen Briefe, die er mit seinen Briefpartnern gewechselt hat, sind zwar in der Regel aussagekräftiger als die edierten, aber auch dort wird viel mit Anspielungen und Gräzisierungen gearbeitet, was das Verständnis erschwert. Ihre Analyse war im Rahmen dieses Projekts nicht zu leisten und harrt noch der Bearbeitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauso ist eine Gesamtdarstellung zu Camerarius&#039; theologischen Werken ein Desiderat. Viele waren lange Zeit nicht bekannt, denn eine annähernd vollständige Aufstellung seiner Schriften haben erst [[Baron/Shaw 1978]] unternommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Katalog [[Summerus 1646]] fehlt eine nicht unbeträchtliche Zahl an Werken.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sogar eine der gründlichsten Untersuchungen zu Camerarius (mit Konzentration auf seine biographischen Schriften), [[Stählin 1936]],&amp;lt;ref&amp;gt;Stählin beschränkt sich darauf, „den Gehalt der biographischen Schriften an religiösen Anschauungen und Empfindungen herauszuarbeiten“ (a.a.O. S. 52). Dies erfolgt auf S. 52-61.&amp;lt;/ref&amp;gt; sah sich nicht in der Lage, eine &amp;quot;Gesamtdarstellung der Religiosität Camerars&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;A.a.O. S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu leisten. Auch [[Seckt 1888]] hat nur &amp;quot;einige theologische Schriften des Joachim Camerarius&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;So besagt es auch der Titel von [[Seckt 1888]].&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht. Dazu kommt, dass C.‘ Wirken in der Kirchengeschichte lange Zeit nur durch die Folie Melanchthon betrachtet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Dall&#039;Asta 2024]], S. 154.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist man wieder darauf aufmerksam geworden, dass er insbesondere in der sächsischen Kirchenpolitik ein eigenständiger Akteur war.&amp;lt;ref&amp;gt;Deutlich wird dies zunächst bei [[Stählin 1936]], dann bei [[Wendorf 1957]], [[Wartenberg 1988]], [[Hasse 2000]]. Ein gutes Literaturverzeichnis zum Thema bietet [[Woitkowitz 2003]], S. 19-27.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch das systematische Beiziehen handschriftlicher Quellen&amp;lt;ref&amp;gt;Hier sind zunächst die Akten des [[Erwähnte Körperschaft::Dresden, HStA|Hauptstaatsarchivs Dresden]] zu nennen. Sehr gründlichen Gebrauch davon hat Günther Wartenberg gemacht, der die daraus gewonnenen Erkenntnisse in zahlreichen Artikeln niedergeschrieben hat. Eine explizite Camerarius-Abhandlung konnte Wartenberg abgesehen von der 2003 verfassten Studie [[Wartenberg 2003]] vor seinem Tod nicht mehr verfassen. Auch [[Wendorf 1957]] hat viele dieser Quellen genutzt, jedoch auf exakte Quellenangaben verzichtet.&amp;lt;/ref&amp;gt; und der erst kürzlich im Rahmen dieses WIKIs vollständig erfassten Werke des Camerarius wird man allmählich ein differenzierteres Bild gewinnen können: Sicher ist es seinem irenischen Stil und der Zurücknahme seiner eigenen Person geschuldet, dass auch in seinen eigenen Werken die eigenen Leistungen weniger stark hervortreten als die von manchen Zeitgenossen.&amp;lt;ref&amp;gt;In der &amp;quot;Vita Melanchthonis&amp;quot; verschweigt er gelegentlich seine eigene Teilhabe an wichtigen von ihm erwähnten Ereignissen, z.B. die Mitschrift der &amp;quot;Confutatio&amp;quot; zur Augsburgischen Konfession: Vgl. [[Werner 2010]], §41, S. 117 (mit Anm. 121).&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch hielt er sich zurück mit der Teilnahme an theologischen Konferenzen.&amp;lt;ref&amp;gt;So beschwert er sich z.B. am 13.4.1545 gegenüber Stramburger in [[Erwähntes Werk::OCEp 0313]], dass er sich bei den Berufungsverhandlungen für die [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] ausgebeten hatte, keine Verpflichtungen außerhalb der Lehre auferlegt zu bekommen: Vgl. auch [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 16-18.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der einzige Reichstag, an dem er in offizieller Funktion teilnimmt, ist 1530 zu Augsburg. Er taucht daher nur dort (als Gesandter der Stadt Nürnberg) in den Akten auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Aulinger/Schweinzer 2011]], S. 83. Zu C.‘ Mitschrift der &amp;quot;Confutatio&amp;quot; zur &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; vgl. [[Peters 2014a]], S. 226-236. Bei mehreren Reichstagen war Camerarius aber als Besucher anwesend und nutzte diese Treffen zur Pflege seiner Netzwerke. Es steht zu vermuten, dass er dabei auch seinen Freund Melanchthon beraten hat; diese Aufenthalte sind aber nicht immer nachweisbar. Zu Camerarius&#039; Reichstagsbesuchen vgl. [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 18-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bereich der Kontroverstheologie und Polemik hielt sich Camerarius eher bedeckt; die Werke &amp;quot;[[Erwähntes Werk::OC 0596|Querela Luteri]]&amp;quot; und &amp;quot;[[Erwähntes Werk::OC 0616|Onar Hypar]]&amp;quot; treten hier hervor, wenngleich anonym publiziert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Schäfer 2003]] und [[Mundt 2001]] sowie [[Kunkler 1998]], S. 269-278. Die Datenbank [https://www.controversia-et-confessio.de/ &amp;quot;Controversia et Confessio&amp;quot;] ergibt heute (7.12.2023) zur Suchanfrage „Camerarius“ nur 8 Treffer, darunter befindet sich als einziges seiner Werke die &amp;quot;Querela Luteri&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die bisherige Forschung hat sich auf die innerprotestantischen Konflikte konzentriert; die vergleichsweise heftigen Invektiven gegen die Papstkirche sollen im Rahmen dieser Darstellung mehr Aufmerksamkeit erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beachten ist, dass Camerarius nie Theologie studiert hat und sich zeitlebens als Philologe bzw. Grammatiker verstand.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wendorf 1957]], S. 36-40, [[Erwähntes Werk::OC 0876]], A4r.&amp;lt;/ref&amp;gt; In seinen Werken sind aber Ansätze von fächerverbindender Pädagogik zu erkennen, wobei in humanistischer Manier Philologie, Erziehung und Theologie Hand in Hand gehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 17 sowie [[Schultheiß 2017]], S. 204-206.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Grammatik und die Sprachbeherrschung, insbesondere der griechischen Sprache, sei unerlässlich als Grundlage zur Erkenntnis der Wahrheit und bilde damit das Fundament der Theologie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], S. 237 und [[OC 0876]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinen theologischen Schriften sind einzelne bereits untersucht worden, insbesondere Katechismus-Schriften und Gebetssammlungen: [[Walter 2017]]: &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0455]]); [[Schultheiß 2024]]: &amp;quot;Catechesis&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0579]]), &amp;quot;Disputatio de precibus&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0646]]) sowie Gebete allgemein; [[Weng 2003]]: Paraphrase von Psalm 133 ([[Erwähntes Werk::OC 0441]]); [[Mundt 2004]] und [[Schäfer 2003]]: das sog. Reformationseklogenpaar &amp;quot;Dirae seu Lupus&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0376]]) und &amp;quot;Querela sive Agelaus&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0377]]),  &amp;quot;Querela Luteri&amp;quot;; [[Seckt 1888]]: &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;, &amp;quot;Libellus de invocatione sanctorum&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0459]]), &amp;quot;Catechesis&amp;quot; und &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; ([[Erwähntes Werk::OC 0762]]); [[Kunkler 1998]], S. 232-278: &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;, &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Überblick vgl. [[Schultheiß 2024]] und [[Gindhart/Hamm 2024]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zentrales Anliegen dieses Artikels ist zunächst die kirchenhistorische Einordnung von Camerarius&#039; Wirken. Sowohl seine lange Tätigkeit in Leipzig als auch die etwas bessere Quellenlage bewirken eine Schwerpunktsetzung auf albertinisch-sächsischer Kirchengeschichte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Einführung vgl. [[Kirn 1909]], S. 40-65 und [[Wartenberg 1988]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor diesem Hintergrund lassen sich manche seiner theologischen Werke verstehen. Sein enges Verhältnis zum Lehrkörper der Theologischen Fakultät der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)|Leipziger Universität]] ist dabei noch kaum erforscht, während die Kontakte ins nahe Wittenberg mittels der Briefe an und von Melanchthon leichter einsehbar sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu theologischen Fakultäten dieser Zeit vgl. [[Gößner 2005]]; zur Leipziger Theologischen Fakultät vgl. [[Junghans 2005]], [[Beyer 2005]], [[Jadatz 2005]], [[Siegmund-Schultze 2005]] und [[Hein/Junghans 2009]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Teil werden Werke zu theologischen Themen in Hinblick auf &amp;quot;die heute gängige Einteilung der christlichen Glaubenslehre in die vier Teilbereiche der biblischen, historischen, systematischen und praktischen Theologie&amp;quot; untersucht.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schultheiß 2024]], S. 198.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei ist zu beachten, dass es um einen modernen Ansatz geht. Einige von Camerarius&#039; Werken werden so aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, da sie nicht einem einzigen Teilbereich zugeordnet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel ist bestrebt, bisherige Forschungserkenntnisse zu bündeln und durch tiefergehende eigene Forschungen im Rahmen von &amp;quot;Camerarius digital&amp;quot; zu ergänzen. Ein Teil davon hat bereits Eingang gefunden in das Einführungskapitel von [[Gindhart/Hamm 2024]].&amp;lt;ref&amp;gt;Zu theologischer und reformationsgeschichtlicher Thematik vgl. besonders [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 18-30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Camerarius in der Kirchengeschichte==&lt;br /&gt;
===Die frühen Jahre bis 1526===&lt;br /&gt;
Die frühen Lebensjahre des Camerarius fielen in die Zeit vor der Reformation. Deren erste Einflüsse erreichten den Heranwachsenden dann während seines Studiums in [[Erwähnter Ort::Leipzig]], wo er gemeinsam mit seinem Lehrer [[Erwähnte Person::Georg Helt]] den Ablassprediger [[Erwähnte Person::Johann Tetzel]] hörte. Sie beide sollen vorzeitig wieder gegangen sein, weil der Inhalt unerträglich gewesen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], S. 44; [[Erwähntes Werk::Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Werk), 1574]], Bl. B1r und [[Adam 1615]], S. 259.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Motivation für Camerarius&#039; Wechsel an die Universität [[Erwähnter Ort::Erfurt]] 1518 kann nur vermutet werden. Dort war die Stimmung gegenüber der Reformation günstiger als im albertinischen Herzogtum Sachsen: Mit [[Erwähnte Person::Helius Eobanus Hessus]] und [[Erwähnte Person::Adam Krafft]]&amp;lt;ref&amp;gt;Krafft war für den Aufbau von C.&#039; humanistischem Netzwerk von nicht zu unterschätzender Bedeutung: Er vermittelte ihm den Kontakt zu Hessus (vgl. [[Camerarius, Narratio de Helio Eobano Hesso, 1553]], Kapitel 3 und 16), Melanchthon (vgl. [[Camerarius, Vita Philippi Melanchthonis, 1566]], deutsche Übersetzung: [[Werner 2010]], Kapitel 11) sowie zu [[Erwähnte Person::Conradus Mutianus Rufus]] und [[Erwähnte Person::Ulrich von Hutten]] (vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 35).&amp;lt;/ref&amp;gt; fand er Unterstützer, die seine Hinwendung zur Reformation förderten. Hier erfolgten auch erste Kontakte zu Melanchthon. Den Wechsel als frisch promovierter Magister nach [[Wittenberg]] 1521 kann man als Bekenntnis zum neuen Glauben deuten.&amp;lt;ref&amp;gt;So auch [[Stählin 1936]], S. 56. Vgl. dazu [[Asche 2003]], S. 59 sowie ebd., S. 43-60, zur Studienzeit des Camerarius in Leipzig und Erfurt.&amp;lt;/ref&amp;gt; So verließ Camerarius die Stadt Erfurt, wo sich kurz nach dem feierlichen Empfang für Martin Luther auf dem Weg zum [[Erwähnter Ort::Worms]]er Reichstag im April 1521&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Bernstein 2022]], S. 163-170.&amp;lt;/ref&amp;gt; das konfessionelle Klima verschärfte: Schon im Juni 1521 kam es zum Erfurter Pfaffensturm, und in der Folgezeit vertiefte sich die Kluft zwischen Alt- und Neugläubigen, bei denen Humanisten wie der Camerarius-Freund und gefeierte neulateinische Dichter [[Erwähnte Person::Helius Eobanus Hessus]] zwischen alle Fronten gerieten und einen schweren Stand hatten. Hessus und der Wortführer der Erfurter Reformatoren, [[Johann Lange (Theologe)|Johann Lange]], zerstritten sich und trugen so ihren Teil zum Niedergang der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Erfurt)|Erfurter Universität]] bei.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Niedergang der Universität Erfurt im Zuge der Reformation und zum dortigen Bruch zwischen Humanisten und Reformatoren vgl. [[Lindner 2015]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius aber studierte und lehrte seit September 1521 in Wittenberg, wo er im Hause Melanchthons wohnte. Dies legte die Grundlage ihrer lebenslangen Freundschaft, die für die Neuordnung des Bildungswesens in Deutschland so bedeutsam werden sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Studienzeit in Leipzig, Erfurt und Wittenberg vgl. [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 10-12.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wittenberger Zeit sah C. jedoch viel auf Reisen: So begab er sich 1524 gemeinsam mit Melanchthon in dessen Heimat [[Erwähnter Ort::Bretten]] und (allein) weiter nach [[Erwähnter Ort::Basel]] zu [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]]. Schon bald nach der Rückkehr nach Wittenberg im Herbst 1524 zogen ihn familiäre Angelegenheiten erneut in seine Heimatstadt [[Erwähnter Ort::Bamberg]],&amp;lt;ref&amp;gt;Laut [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=343 MBW 343] brach C. Mitte Oktober von Wittenberg nach Bamberg auf.&amp;lt;/ref&amp;gt; die durch stürmische Ereignisse im Zuge von Reformation und Bauernkrieg erfasst worden war: In mehreren fränkischen Klöstern empörten sich die Nonnen, teilweise flohen sie auch, nach dem Vorbild der Katharina von Bora. Auch eine Camerarius-Schwester&amp;lt;ref&amp;gt;Ihre Identität ist unsicher: So nennt [[Kunkler 1998]], S. 72 sie in Berufung auf [[Schelhorn 1740]], Stammtafel (hinter S. 8) Barbara. Schelhorns Angaben zu [[Erwähnte Person::Barbara Camerarius]] sind aber nicht zuverlässig. Es kann sich auch um eine andere Schwester handeln.&amp;lt;/ref&amp;gt; entschied sich für diesen Weg und floh unter tätiger Mithilfe ihrer Brüder.&amp;lt;ref&amp;gt;Beschreibung der Flucht in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=354 MBW 354] und [[Kunkler 1998]], S. 73-78.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
C. spielte eine Rolle im Streit zwischen Luther und Erasmus um den freien Willen,&amp;lt;ref&amp;gt;Der Streit ist vielfach beschrieben worden, so in [[Schwanke 2012]] und in Peters, Christian: Zwischen Erasmus und Luther. Justus Jonas und die Krise des Erfurter Humanistenkreises. In: Irene Dingel (Hrsg.): Justus Jonas (1493-1555) und seine Bedeutung für die Wittenberger Reformation. Leipzig 2009, S. 39-58. Die Rolle des Camerarius kommt dabei jedoch kaum zur Sprache.&amp;lt;/ref&amp;gt; indem er Luther durch dessen Frau Katharina überredete, eine Antwort auf Erasmus&#039; Schrift &amp;quot;De libero arbitrio&amp;quot; zu verfassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kroker 1909]], S. 51-54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Hoffnung war, durch Dialog einen Konsens zu erreichen. Zeugnis von C.&#039; Eingreifen in den Streit bildet eine Bemerkung Luthers, die [[Erwähnte Person::Johannes Mathesius]] in den Tischreden niedergeschrieben hat: &#039;&#039;Erasmus credidit, neminem posse respondere ad suam diatriben, et ego volui tacere, sed Joachimus persuasit meae Cathenae, ut instaret.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://archive.org/details/lutherstischred00krokgoog/page/n218/mode/2up Kroker, Ernst: Luthers Tischreden in der Mathesischen Sammlung: aus einer Handschrift der Leipziger Stadtbibliothek, Leipzig 1903, S. 146, Nr. 212]. Zur Datierung dieser Intervention: Zwischen dem Erscheinen von &amp;quot;De libero arbitrio&amp;quot; (September 1524) und &amp;quot;De servo arbitrio&amp;quot; (Dezember 1525) war C. um den 24. August 1525 (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=416 MBW Nr. 416.3]) und nochmals Mitte Oktober in [[Wittenberg]] (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=426 MBW Nr. 426] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=428 428]). In diese Zeit muss er mit Frau Luther gesprochen haben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Ergebnis war Luthers Schrift [[Erwähntes Werk::Luther, De servo arbitrio, 1525|De servo arbitrio]], deren scharfer Ton die Kluft zwischen Erasmus und dem Reformator vertiefte. Die anschließende Antwort des Erasmus, der [[Erwähntes Werk::Erasmus, Hyperaspistes, 1526|Hyperaspistes]], machte das Zerwürfnis irreversibel. Der friedliebende Camerarius hatte Luthers religiösen Eifer unterschätzt.&amp;lt;ref&amp;gt;In [[Erwähntes Werk::OCEp 0225|einem Brief]] von 1527 äußert sich [[Erwähnte Person::Crotus Rubianus]] dergestalt, dass er ein friedliches Auseinandergehen gewünscht hätte. Camerarius hatte ihm davon berichtet. Der entsprechende Brief ist aber nicht erhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bamberg spitzte sich im Frühjahr 1525 der Konflikt zwischen der Geistlichkeit um den Fürstbischof [[Erwähnte Person::Weigand von Redwitz]] und der Bürgerschaft zu. Hier wurde C. Mitglied eines 18-köpfigen Vermittlungsausschusses.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], S. 88-98.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für den älteren der beiden Brüder, [[Erwähnte Person::Hieronymus Camerarius]], sollte sein Engagement noch schlimme Folgen haben. Obgleich er zunächst noch unbehelligt blieb, wurde er am 12.5.1527 im Auftrag des Bischofs verhaftet. In dessen Dienst stand Hieronymus als Kanzleiverwalter. Anlass waren wohl seine Versuche, die bischöflichen Dienste zu verlassen und eine Anstellung in Nürnberg zu finden. Ob aber seine Mitwirkung bei der Befreiung der Schwester und die Rolle des Bruders beim Aufstand der Bauern gegen den Bischof mitentscheidend waren, ist nicht ganz sicher.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kolde 1911]], S. 210-212 und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=555 MBW Nr. 555]. Hieronymus scheint aber zumindest offziell dem alten Glauben treu geblieben zu sein; jedenfalls schreibt Melanchthon in einem Fürbittbrief ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=554 MBW Nr. 554.2]): &#039;&#039;ne quidem Lutheranis ita favit unquam, ut reprehendi posset.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Interessanterweise schreibt Melanchthon in einem Memorandum an Herzog [[Erwähnte Person::Georg (Sachsen)]], den er zur Fürsprache bewegen will, Hieronymus C. habe keinen Kontakt zu Lutheranern.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=555 MBW Nr. 555.2]: &#039;&#039;Hoc scio nullam ei familiaritatem cum ullis Lutheranis unquam fuisse.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Ist dies nun eine Notlüge, oder verstand Melanchthon seinen Freund Camerarius damals noch nicht als Lutheraner? Zunächst war Melanchthon jedenfalls erfolgreich, denn er erhielt gleich drei Fürbittbriefe des Herzogs an Weigand.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=557 MBW Nr. 557].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schulleiter in Nürnberg (1526-1535)===&lt;br /&gt;
In den Jahren 1526 bis 1535 wirkte Camerarius als Schulleiter und Lehrer für Griechisch und Geschichte an der neu gegründeten [[Erwähnte Körperschaft::Egidiengymnasium (Nürnberg)|Oberen Schule]] in [[Nürnberg]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 12-14; ausführlich [[Heerwagen 1867]] und [[Heerwagen 1868]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die klar reformatorische Prägung dieser Schule vergrößerte seine Einflussmöglichkeiten auch im religiösen Bereich: Das Glaubensleben seiner Schüler prägte er durch erste theologisch-pädagogische Schriften, die er mutmaßlich auch im Unterricht einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die etwas später verfassten [[Erwähntes Werk::OC 0188|&amp;quot;Praecepta&amp;quot;]]. Aus seiner Nürnberger Zeit sind erstaunlicherweise nur wenige theologische oder pädagogische Schriften erhalten. Lediglich die [[Erwähntes Werk::OC 0007|&amp;quot;Capita sacrosanctae fidei&amp;quot;]] sind bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unbekannt ist aber, warum C. sich nur ein halbes Jahr nach Amtsantritt schon wieder auf Reisen begeben wollte. So war geplant, dass er als (Latein-)Dolmetscher des Grafen [[Erwähnte Person::Albrecht VII. von Mansfeld]] einer Gesandtschaft von Reichsfürsten nach Spanien zu Kaiser [[Karl V. (HRR)]] angehören sollte. Eine längere Abwesenheit war also abzusehen, bei der [[Erwähnte Person::Helius Eobanus Hessus]] vertretungsweise die Schulleitung übernahm.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe den Brief Hessus an Groningen, 20.12.1526, in [[Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553]], Q3v-Q4r.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf dem [[Erwähnter Ort::Esslingen|Esslinger]] Fürstentag wurde jedoch beschlossen, die Reise abzubrechen und die Angelegenheit auf die nächste Versammlung in [[Regensburg]] zu verschieben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Aulinger 2011]], S. 100–101 und 955–956. Anscheinend mussten die Gesandten wegen der Türkengefahr (Schlacht von Mohács am 29.8.1526) am Fürstentag (1.-21.12.1526) teilnehmen. Damit reichte die Zeit für die Sendung nicht mehr, da Frankreich nur für vier Monate freies Geleit gewährt hatte. Für den Reichstag zu Regensburg, einberufen für den 1.4.1527, ist keine Mansfelder Delegation belegt (vgl. [[Aulinger/Schweinzer 2011]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Vielleicht um C.&#039; Reiselust zu bremsen, wurde ihm sehr bald nach seiner Rückkehr seine zukünftige Braut [[Erwähnte Person::Anna Truchseß von Grünsberg]] zugespielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Hochzeit vgl. [[Walter 2024]]. Arrangiert wurde die Hochzeit möglicherweise von [[Erwähnte Person::Unbekannt (Führer)|Christoph Führer I.]] (vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 39, Anm. 107).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die genauen Hintergründe sind noch immer unbekannt, selbst das Hochzeitsdatum ist umstritten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu [[Taegert 2023]], S. 200 m. Anm. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Höhepunkt der Nürnberger Zeit war für C. sicher der Reichstag zu [[Augsburg]] 1530. Dort war er offizieller Delegierter der Reichsstadt [[Nürnberg]]. Seine Zusammenarbeit mit Melanchthon sollte sich hier wieder einmal bewähren. Dieser hatte in Abwesenheit des geächteten Luther die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; (CA) erstellt. Als Gegenschrift verfassten altgläubige Theologen die &amp;quot;Confutatio&amp;quot;. Deren Text wurde nicht in Abschrift ausgehändigt, sondern nur verlesen. Da Melanchthon an diesem Vorgang nicht teilnehmen konnte, griff er für seine Entgegnung auf Mitschriften des Camerarius und anderer Gelehrter zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Nürnberger Gesandtschaft schreibt dazu in ihrem Bericht über die Verlesung an den [[Erwähnte Körperschaft::Stadtrat (Nürnberg)|Nürnberger Rat]] (CR II, S. 249–252, hier S. 250): &#039;&#039;Darauf ist dieselbe Schrift, die über 50 Blaetter lang, verlesen. Also haben wir, so viel wir dieß Mal deß behalten moegen, den Effect davon Joachim Cammermeister, so wir auch zu uns hinein genommen, verzeichnen lassen, der es also mit Fleiß auf alle Artikel mit kurz in sein Taefelein aufgezeichnet so viel ihm moeglich, und mehr denn wir alle verstehen und behalten können, wie E. W. aus beiliegender Copey vernehmen.&#039;&#039; Eine Edition der für den Nürnberger Rat überarbeiteten Notizen des Camerarius nach der Abschrift Hall, StA, 4/55, 152r–158r u.a. bei [[Peters 2014a]], S. 230–236. Vgl. auch [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 20 m. Anm. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu den übrigen Vertretern der Stadt Nürnberg scheint Melanchthon ein schwierigeres Verhältnis gehabt zu haben: In zwei Briefen ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1071 MBW Nr. 1071] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1079 1079]) wirft er ihnen vor, &amp;quot;schweizerische Politik&amp;quot; zu treiben. Nur aus Rücksicht auf C. halte er sich zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Freundschaft zwischen Melanchthon und Hieronymus Baumgartner wurde dadurch aber nur für kurze Zeit beinträchtigt: Bereits Anfang 1531 geht Melanchthon einen Schritt zur Versöhnung: [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1110 MBW Nr. 1110.4].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der engen Freundschaft mit dem obersten Nürnberger Kirchpfleger, [[Erwähnte Person::Hieronymus Baumgartner d.Ä.]],&amp;lt;ref&amp;gt;Zu dieser Freundschaft vgl. [[Mährle 2024]], S. 68-72. Baumgartner war nicht nur C.&#039; Freund, sondern in Nürnberg auch sein Vorgesetzter.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte C. zweifellos auch zu den Pfarrern der Reichsstadt Kontakt, den er über das Ende seiner dortigen Tätigkeit hinaus aufrecht erhielt. Dabei täuscht das Schweigen des edierten Briefwechsels darüber hinweg, dass er auch den Prediger an St. Lorenz, [[Erwähnte Person::Andreas Osiander]], kannte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=827 MBW Nr. 827.3] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=393 939].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser wird im Camerarius-Briefwechsel eher negativ dargestellt; daher muss eine systematische Untersuchung der handschriftlichen Befunde genauere Auskunft geben über die Entwicklung des Verhältnisses.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Streit um Osianders Thesen könnte das Verhältnis beeinträchtigt haben. Noch 1555 leidet die Stadt Nürnberg an diesem Streit, den C. und Melanchthon im Rahmen ihrer Reise dorthin lösten. Vgl. das Schlagwort → [[Osiandrischer Streit]] und ↓ [[Theologie (CamLex)#1553 bis 1560]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Besser waren die Beziehungen zum Melanchthon-Schüler [[Erwähnte Person::Veit Dietrich]],&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Klaus 1958]] passim sowie [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=816 MBW Nr. 816], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1638 1638], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1656 1656].&amp;lt;/ref&amp;gt; der im Dezember 1535 Prediger an St. Sebald wurde, aber auch für eine Tübinger Professur vorgeschlagen worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1659 MBW 1659.2], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1660 1660], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1662 1662.2]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Von Nürnberg aus diente Dietrich dann als Relaisstation für Briefe zwischen Tübingen und Wittenberg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0262]] und zahlreiche Melanchthon-Briefe: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW Regesten Nr.] 1638.6, 1656, 1858-59, 1869.4, 1919/1920, 2052/2053, 2066/2067, 2086, 2141/2150, 2184.5, 2210/2201, 2314/15, 2407, 2414-16, 2484, 2725/2726.3, 2786/2787.5, 2789/90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nicht zu vernachlässigen ist auch [[Erwähnte Person::Lazarus Spengler]], der als Ratsschreiber und persönlicher Freund des Camerarius die Einführung der Reformation in der Stadt förderte. Auch nahm er über C. Einfluss auf Melanchthon, um dessen Visitationsschrift in den Druck zu bringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=610 MBW Nr. 610.3] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=611 611.1]. Gemeint ist hier wohl die Schrift [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11285715-5 &amp;quot;Articuli de quibus egerunt per visitatores in regione Saxoniae&amp;quot;]: Vgl. Bauer, Joachim: Kursächsische Bemühungen um &amp;quot;Ordnung und Reformation&amp;quot;. Anmerkungen zur Entstehungsgeschichte des &amp;quot;Unterrichts der Visitatoren&amp;quot; von 1528. In: Joachim Bauer, Stefan Michel (Hrsg.): Der &amp;quot;Unterricht der Visitatoren&amp;quot; und die Durchsetzung der Reformation in Kursachsen. Leipzig 2017, S. 53-76, hier S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Tätigkeit in Tübingen (1535-1541)===&lt;br /&gt;
C. erwog in Nürnberg auch einen Wechsel in die Politik durch Annahme der dortigen Ratsschreiberstelle, die mit dem Tod [[Georg Hoppel]]s vakant war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1406 MBW Nr. 1406], [[Erwähntes Werk::OCEp 1002]] und [[Heerwagen 1868]], S. 16. In [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1330 MBW Nr. 1330.2] wird auch C.&#039; Bruder [[Erwähnte Person::Hieronymus Camerarius]] trotz seiner Haft mit dieser Stelle in Verbindung gebracht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das mag ein Indiz für seine Unzufriedenheit mit der Situation an der Oberen Schule gewesen sein. Eine Chance zur Veränderung gaben ihm die Ereignisse in Württemberg: Der 1519 vertriebene [[Erwähnte Person::Ulrich (Württemberg)]] eroberte sein Herzogtum 1534 mit Hilfe des Landgrafen [[Erwähnte Person::Philipp I. (Hessen)]] von den Habsburgern zurück und führte anschließend die Reformation ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu Holtz, Sabine: &amp;quot;[...] für eine conciliare katholische Reform der Kirche&amp;quot;. Die Tübinger Theologische Fakultät und die Einführung der Reformation. In: Sönke Lorenz, Dieter R. Bauer und Oliver Auge (Hgg.): Tübingen in Lehre und Forschung um 1500. Zur Geschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen. Festgabe für Ulrich Köpf. Tübingen 2008, S. 61-74. Dort wird auch ein Grundproblem der Tübinger Universitätsreform angerissen, nämlich die Erzwingung der Reformation durch landesherrliche Autorität statt durch Überzeugung der Universitätsmitglieder (ebd., S. 74).&amp;lt;/ref&amp;gt; Um den Widerstand der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Tübingen)|Universität Tübingen]], insbesondere der Theologischen Fakultät, zu brechen, benötigte er Hilfe von außen. Der Versuch einer Berufung [[Philipp Melanchthon]]s&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW Nr. 1487-1489, 1492, 1505.4].&amp;lt;/ref&amp;gt; erfolgte in der Hoffnung, dass dieser den Sakramentenstreit zwischen oberdeutschen und lutheranischen Protestanten beilegen könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1501 MBW Nr. 1501], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1503 1503].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses Thema sollte die württembergische Politik noch längere Zeit beschäftigen. Als Visitator in universitären Angelegenheiten wurde [[Erwähnte Person::Ambrosius Blarer]] bestallt, der zudem als Superintendent die Einführung der Reformation in Württemberg ob der Steig visitieren sollte, und zudem der Basler Gräzist [[Erwähnte Person::Simon Grynäus]] &amp;quot;ausgeliehen&amp;quot; (von Oktober 1534 bis Juli 1535).&amp;lt;ref&amp;gt;Zu deren Reformationsversuchen an der Universität vgl. [[Pill-Rademacher 1993]], S. 110-130. Zur ersten Ordnung, die Ulrich der Universität am 20.1.1535 oktroyierte, siehe [[Köpf 2020]], S. 58f. sowie [[Roth 1877]], S. 176-185 (Edition der Ordnung). Dazu gehörte u.a. die Einrichtung von zwei (statt bisher vier) theologischen Professuren: Altes Testament und Neues Testament. Das trug auch der Schwierigkeit der Gewinnung von gut ausgebildeten evangelischen Theologen Rechnung.&amp;lt;/ref&amp;gt; Grynäus musste im Juli 1535 nach [[Erwähnter Ort::Basel]] zurückkehren, von wo er aber die Berufung des Camerarius in die Wege leitete. Zu dessen Aufgabenbeschreibung gehörten von Anfang an organisatorische Tätigkeiten; politische Belange wurden zunächst nicht erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu C.&#039; Berufung vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1584 MBW Nr. 1584.1] sowie der Brief des Grynäus [[Erwähntes Werk::OCEp 0276]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichwohl hatte Grynäus aber im Sinn, ihn für die Universitätsreform und als Gesandten verwenden zu lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brief von Grynäus an (Ambrosius) Blarer, ca. 10.6.1535, in: [[Rädle 1990]], S. 65. Für das Fach Theologie war Camerarius ausdrücklich nicht vorgesehen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theologische Fakultät widersetzte sich der Reformation von Land und Universität und wurde dafür vom Landesherrn bestraft: So wurden drei der vier Professoren im Frühjahr 1535 beurlaubt bzw. entlassen, nur der (theologisch indifferente) [[Erwähnte Person::Balthasar Käuffelin]] durfte bleiben, damit die Fakultät nicht vollkommen handlungsunfähig wurde. Als Ersatz für die Entlassenen wurde [[Erwähnte Person::Paul Phrygio]] aus Basel berufen. Sein schweizerisches Verständnis von der Reformation brachte allerdings einige Schwierigkeiten mit sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Köpf 2020]], S. 44 und [[Roth 1877]], S. 184.&amp;lt;/ref&amp;gt; Melanchthon gelang es, [[Erwähnte Person::Johannes Brenz]] für ein Jahr nach Tübingen zu holen, wo er die (1536 eingerichtete) dritte Professur besetzte und als herzoglicher &#039;&#039;Commissarius&#039;&#039; mit Camerarius die neuen Universitätsstatuten ausarbeitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Köpf 2020]], S. 62-65; Statuten: [[Roth 1877]], S. 205-231.&amp;lt;/ref&amp;gt; Brenz folgte dem Ruf aber nur widerwillig: In einem Brief an C. beschwert er sich über die Last und fragt, ob sie &#039;&#039;nullum ineptiorem asinum&#039;&#039; als ihn hätten finden können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brief Brenz an Camerarius vom 10.11.1536, Brief-ID 12894, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/12894. Zugriff am 11.3.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1535 bis 1541 lehrte C. in [[Erwähnter Ort::Tübingen]] Griechisch, später Latein, und wirkte in zentraler Position an der Reform der Universität mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Schultheiß 2017]], [[Pill-Rademacher 1993]]; zusammenfassend [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 14-15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Herbst 1536 kam  Melanchthon für drei Wochen nach Württemberg, wo er den Herzog auch in Universitätsfragen beriet, so über Stellenbesetzungen und Satzungsfragen, die auch in der zweiten herzoglichen Ordnung vom 3.11.1536 mündeten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1795 MBW Nr. 1795] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1796 1796]. Die Ordnung ist ediert von [[Roth 1877]], S. 185-204. Melanchthon hatte sogar auf eine Anstellung in Württemberg gehofft, da er in Kursachsen nicht zufrieden war. Aber er erhielt keine Freigabe des Kurfürsten [[Erwähnte Person::Johann Friedrich I. (Sachsen)]]: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1616 MBW Nr. 1616.4], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1787 1787]. Es ist nicht vollständig geklärt, ob sein Besuch neben der Universitätsreform noch andere Zwecke hatte. Dazu [[Pill-Rademacher 1993]], S. 142-145.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings stand Camerarius als herzoglicher Kommissar und Superattendent trotz zeitweiliger Unterstützung durch Brenz&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe auch [[Pill-Rademacher 1993]], S. 412, Nr. 16. Der Gebrauch des Begriffs Superattendent ist hier noch zu klären. Sicher handelt es sich um etwas anderes als die sächsische Verwendung des Begriffs. Dazu [[Goldenstein 2015]]. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass C. kirchliche Funktionen ausgeübt hätte. Der Begriff taucht u.a. in der zweiten herzoglichen Ordnung vom 3.11.1536 auf ([[Roth 1877]], S. 185-204, hier S. 193f.) bezieht sich dort auf Aufseher über die Conturbernien, Bursen und das Pädagogium. Da dort ausdrücklich Theologen, Juristen und Mediziner genannt sind, kann hier keine kirchliche Leitungsposition gemeint sein.&amp;lt;/ref&amp;gt; zwischen allen Fronten und erlebte zahlreiche Konflikte mit anderen Fakultäten, vor allem der theologischen, wo einige Altgläubige die Reformversuche blockierten: Der (päpstlich bestellte) Kanzler [[Ambrosius Widmann]] war am 12.7.1535 nach [[Erwähnter Ort::Rottenburg]] ausgewandert, was die Promotionen an der Universität fast völlig zum Erliegen brachte.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Mitwirkung des Kanzlers an Promotionen war durch die päpstliche Gründungsbulle von 1476 vorgeschrieben (vgl. [[Köpf 2020]], S. 44f. und [[Roth 1877]], S. 18f.). Zu den Lösungsversuchen durch Melanchthon und Camerarius vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2039 MBW Nr. 2039.2] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2051 2051.4] sowie [[Volz 1977]], S. 70-82. Wirklich lösen ließ sich die Problematik erst durch Widmanns Tod 1561.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der Rückkehr des anderen Kommissars, [[Johannes Brenz]], nach [[Erwähnter Ort::Schwäbisch Hall]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2018 MBW Nr. 2018.2].&amp;lt;/ref&amp;gt; war C. allein verantwortlich für die Universitätsreform und damit auch für die Problematik um Widmanns Weggang. Brenz und Camerarius waren permanente Kommissare, die auch an der Universität unterrichteten. Dazu gab es auch temporäre Kommissare, die nur von Fall zu Fall eingesetzt wurden und größere Vollmachten hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Pill-Rademacher 1993]], S. 167.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Beginn von Camerarius&#039; Tätigkeit als Professor in Tübingen schlägt sich auch nieder in den Studentenzahlen: So nahm die Zahl fränkischer Studenten ab Sommer 1535 stark zu. Darunter finden sich auch Namen aus Nürnberger Patrizierfamilien.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hermelink 1906]], S. 278-283: Wir finden hier u.a. die Familien Baumgartner, Grundherr, Römer und Coler. Zu den Familien siehe [[Fleischmann 2008]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist sicher nicht abwegig, hierin eine Sogwirkung des Camerarius zu sehen, der den Familien aus seiner Tätigkeit als Nürnberger Schulleiter vertraut war. Gleichzeitig relativiert sich so auch die These von der Bildungsferne der Patrizierfamilien.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Mährle 2014]], S. 30 und [[Heerwagen 1868]], S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
C. und Melanchthon machten in Tübingen ausgiebigen Gebrauch von ihren Netzwerken, indem sie die Berufung von Freunden und Studenten dorthin betrieben, etwa von [[Erwähnte Person::Matthias Garbitius]].&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1919 MBW Nr. 1919.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Fall von [[Erwähnte Person::Jakob Micyllus]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1796 MBW Nr. 1796.2] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1824 1824.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Veit Dietrich]] hatten sie damit offensichtlich keinen Erfolg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1659 MBW Nr. 1659.2], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1660 1660.2], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1858 1858-1860], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1869 1869.4].&amp;lt;/ref&amp;gt; Probleme bereitete auch die Berufung des [[Erwähnte Person::Johann Forster]] als Theologie-Professor nach [[Erwähnter Ort::Tübingen]]: C. fragte im Herbst 1538 (im Auftrag des Senats) [[Martin Luther]] um seine Meinung dazu, aber nicht Melanchthon, der von Forster abgeraten hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Köpf 2020]] S. 49; [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=1919 MBW Nr. 1919.2].&amp;lt;/ref&amp;gt; Forster begann tatsächlich eine Lehrtätigkeit in Tübingen, hatte dort aber als Lutheraner konfessionelle Schwierigkeiten mit den Oberdeutschen und wurde 1541 wieder entlassen, was vielleicht auch als Angriff auf C. verstanden wurde und diesen zum Weggang bewogen haben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Pill-Rademacher 1993]], 172-173. Auch Martin Aichmann macht in seiner historischen Abhandlung über die Visitationen (1599) den Dissens zwischen Senat und Artistenfakultät über Forsters Entlassung verantwortlich dafür, dass Camerarius Tübingen verließ, freilich ohne Nennung von Belegen, vgl. [[Pill-Rademacher 1993]], S. 380-385, besonders S. 383.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls scheint C. ohne persönliche Verabschiedung abgereist zu sein, wie sein Abschiedsbrief belegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Ediert von [[Roth 1877]], S. 427f. Dort führt er u.a. die grassierende Pest als Grund seiner Abreise an, geht aber auch auf das sächsische Stellenangebot ein. Melanchthon befürchtete eine gewaltsame Rückholung oder gar Inhaftierung C.&#039; durch Herzog [[Ulrich (Württemberg)]], ähnlich dem Schicksal von C.&#039; Bruder [[Hieronymus Camerarius]] in [[Bamberg]]: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2789 MBW Nr. 2789], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2794 2794] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2807 2807.1].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Tübingen förderte Camerarius das Pädagogium, das der Artistenfakultät unterstellt war, indem er unter anderem [[Erwähntes Werk::Camerarius, Puerilis doctrina de christiana vita, 1538|einen Katechismus]] dafür verfasste. Er korrespondierte in dieser Zeit viel mit Theologen und Schulmännern in [[Erwähnter Ort::Straßburg]], besonders [[Erwähnte Person::Jakob Bedrott]], [[Erwähnte Person::Nikolaus Gerbel]] und [[Erwähnte Person::Johannes Sturm]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein öffentlichkeitswirksames Ereignis war die Überführung der Gebeine des [[Erwähnte Person::Eberhard I. (Württemberg)|Eberhard im Bart]] in die Tübinger Stiftskirche am 26.5.1537. Camerarius hielt dabei eine [[Erwähntes Werk::OC 0202|Leichenrede]], in der er Eberhards Leben und Frömmigkeit würdigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Schultheiß 2017]], S. 206-208 sowie Horst Schmidt-Grave, Leichenreden und Leichenpredigten Tübinger Professoren (1550-1570). Untersuchungen zur biographischen Geschichtsschreibung in der Frühen Neuzeit. Tübingen 1974, S. 41-42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausgedehnte Bäderreise im Frühjahr 1540 führte C. nach [[Straßburg]].&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe → [[Medizin_(CamLex)#Badbesuche]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort knüpfte er zahlreiche Kontakte zu oberdeutschen Humanisten und Theologen. Unter anderem traf er auch mit [[Erwähnte Person::Martin Bucer]] und [[Erwähnte Person::Johannes Calvin]] zusammen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Gindely 1859]], S. 37. Mit keinem von beiden sind Briefwechsel des Camerarius erhalten. Jedoch geht aus dem [[:Kategorie:Briefwechsel-Jakob Bedrott|Briefwechsel mit Bedrott]] hervor, dass sich Bucer und C. mindestens seit 1536 kannten (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0256]]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Während des Religionsgesprächs in [[Erwähnter Ort::Worms]] war C. ungefähr vom 13. bis 16.12.1540 in der Reichsstadt anwesend, aber wahrscheinlich nur, um Melanchthon zu besuchen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2579 MBW Nr. 2579.1] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2584 2584].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Reiseroute ergibt sich aus einem [[Erwähntes Werk::OCEp 1484|Brief des Camerarius an Micyllus]] (13.12.1540).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Teilnahme am Regensburger Reichstag 1541 ist durch mehrere Zeugnisse belegt. So hat er ein Gutachten zur Aufrichtung einer christlichen Schule eingereicht, das [[Erwähnte Person::Christoph von Kreytzen]] Ende April oder Anfang Mai an Herzog [[Erwähnte Person::Albrecht (Preußen)]] schickte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Luttenberger, Albrecht/Neerfeld, Christiane: Deutsche Reichstagsakten /11. Band, Der Reichstag zu Regensburg 1541. 2. Teilband, Göttingen 2018, S. 1617: Christoph von Kreytzen an Hg. Albrecht von Preußen – Regensburg, 1541 April 30/Mai 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu dieser Zeit ist C. noch in Tübingen. Auch in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2760 MBW Nr. 2760], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2761 2761 Anm.] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2763 2763] (entspricht [[Erwähntes Werk::OCEp 1479]]) sieht man, dass C. in [[Erwähnter Ort::Regensburg]] war; zwischendurch (Mitte Juli) besuchte er seinen Bruder [[Erwähnte Person::Hieronymus Camerarius]] in [[Erwähnter Ort::Burglengenfeld]]. Am 17.7. war er wieder in Regensburg, von wo er vor dem 25.7. ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2775 MBW Nr. 2775]) wieder nach [[Erwähnter Ort::Tübingen]] aufbrach.&amp;lt;ref&amp;gt;Es gibt gewisse Unstimmigkeiten in den Quellen: [[Aulinger/Schweinzer 2011]] führen Hieronymus Kammermeister als (einzigen) Gesandten Philipps von Pfalz-Neuburg in Regensburg (die beide vorzeitig abreisten: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2732 MBW Nr. 2732.2]), erwähnen Joachim aber nicht. Dagegen nennt [[Rädle 1990]] Joachim als Württemberger Vertreter unter Berufung auf einen Brief von Frecht an Grynäus (28.7.1541; [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11621578?page=224,225 Herminjard VII, Nr. 1019, S. 211]). Daraus ergibt sich, dass Joachim C. sich fast einen Monat lang in Regensburg aufhielt. Das wäre ungewöhnlich lange, sofern er keinen offiziellen Auftrag hatte.&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit erlebte er den Reichsabschied am 29.7. nicht mehr vor Ort mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Reichstag vgl. [[Wolgast 2003]], S. 20-22.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diesem Reichstag muss Melanchthon seinen &amp;quot;Hyänentraum&amp;quot; gehabt haben, der sich auf das &amp;quot;Regensburger Buch&amp;quot; bezog: Dieses bezeichnet C. später in der Melanchthon-Vita als &amp;quot;,Interim&#039; in seiner Knabenzeit ... allen verhasst und heimlich erzogen&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Werner 2010]], S. 155. Siehe zum Hyänentraum auch den entsprechenden Abschnitt im Lemma → [[Naturkunde (CamLex)#Von Löwen und Chimären – Mantisches mit Tiermotivik|&#039;&#039;&#039;Naturkunde&#039;&#039;&#039;]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Leipziger Zeit (1541-1574)===&lt;br /&gt;
Das Jahr 1541 bildet eine Zäsur nicht nur im Leben des Camerarius, sondern auch in der Geschichte Sachsens: Der neue albertinische Herzog [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]] sollte das Machtgefüge im Territorium, unter den protestantischen Reichsständen und im gesamten Reich erheblich durcheinanderbringen. Es gibt eine ganze Reihe von Ereignissen, die dabei eine Rolle spielen: Die Einführung der Reformation durch Hz. [[Erwähnte Person::Heinrich (Sachsen)]] im albertinischen Herzogtum 1539, der Schmalkaldische Krieg 1546/47, der „geharnischte Reichstag“ 1547/48, die Belagerung [[Erwähnter Ort::Magdeburg]]s 1550/51 oder der Fürstenaufstand 1552. Ein Ereignis wie die Berufung des Camerarius an die [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] nimmt sich dagegen eher unbedeutend aus. Für das Ergehen der Institution hatte sie aber Konsequenzen, die keineswegs gering zu achten sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Wartenberg 2003]], S. 17-19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Rolle in der Universitätspolitik wird von der bisherigen Forschung als sehr bedeutend angesehen,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Rudersdorf 2009]], S. 357-365 und [[Forschungsliteratur::Rudersdorf 2015]].&amp;lt;/ref&amp;gt; während die Reformationsgeschichtsforschung Camerarius früher nur eine kleine Nebenrolle zugebilligt hat – zumeist an der Seite [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon|Melanchthons]]. Doch Günther Wartenberg zählte ihn &amp;quot;zu den Geburtshelfern eines sächsischen Konfessionsluthertums&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Wartenberg 2003]], S. 11; vgl. [[Dall&#039;Asta 2024]], S. 159f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Folgenden soll sein vielfältiges Engagement im Bereich der Theologie und Kirchenpolitik skizziert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Wirkenszeit in Leipzig wird hierbei in vier Phasen eingeteilt: 1541 bis 1546, 1547 bis 1553, 1553 bis 1560 und 1560 bis 1574. Diese Einteilung ist überwiegend politikgeschichtlich motiviert:&amp;lt;ref&amp;gt;Dieses Junktim unterliegt keiner zwingenden Logik; allerdings ist die Quellenlage für die sächsische Landesgeschichte weitgehend davon abhängig. So existieren für Moritzens Regierungszeit wesentlich mehr systematische Untersuchungen und mit der &amp;quot;Politischen Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen&amp;quot; (Band 1 bis 6, entspricht [[PKMS 1]] bis [[PKMS 6]]) eine umfassende Quellenedition. Ein Äquivalent zu Augusts Regierungszeit liegt noch nicht vor. Die diesbezüglichen Originalquellen im [[Dresden, HStA]] sind jedoch wesentlich umfangreicher und warten noch auf eine gründliche Aufarbeitung.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den ersten Regierungsjahren&amp;lt;ref&amp;gt;Die Jahre 1541 bis 1546 sieht auch [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]], S. 19 als Einheit.&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde Herzog Moritz von seinen Amtskollegen noch nicht ernstgenommen und strebte danach, sich aus der Abhängigkeit von Kursachsen und Hessen zu befreien, was zunächst nur durch die Parteinahme für das Haus Habsburg und damit durch ein neues Abhängigkeitsverhältnis gelang.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Nicklas 2007]], S. 26f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius bekam in dieser Zeit erste kirchenpolitische Aufgaben, die er jedoch eher unwillig übernahm. Ein Trost dürfte ihm die Nähe zu Melanchthon gewesen sein, mit dem er häufig zusammenarbeitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schmalkaldische Krieg bildet die erste Zäsur der Leipziger Zeit: 1547 erfolgte Moritzens Erhebung zum Kurfürsten und die Eingliederung der Kurlande um [[Erwähnter Ort::Wittenberg]] ins albertinische Herrschaftsgebiet. Dadurch und auch durch den Tod [[Erwähnte Person::Martin Luther|Luthers]] 1546 wurde das „neue“ Kurfürstentum zu einem der wichtigsten Zentren der Reformation, da so bedeutende Wittenberger Reformatoren wie Melanchthon und [[Erwähnte Person::Johannes Bugenhagen]] nun in diesem Land wirkten.&amp;lt;ref&amp;gt;Für die Wittenberger war es nicht selbstverständlich, nach dem Krieg ihre Universität wieder zu beziehen. Einige blieben ihrem bisherigen Dienstherren [[Johann Friedrich I. (Sachsen)]] treu und gingen an die Hohe Schule nach [[Jena]]. Den Ausschlag für die Wiedereröffnung der Universität Wittenberg gab sicher die Rückkehr Melanchthons, der seinem Freund Camerarius nun nicht mehr nur räumlich nahestand, sondern auch durch den gemeinsamen Dienstherren.&amp;lt;/ref&amp;gt; Überdies konnte Moritz sich trotz des „Augsburger Interims“ allmählich aus der kaiserlichen Vormacht emanzipieren. Die Mittel dafür waren die Belagerung Magdeburgs 1550/51 und der Fürstenaufstand 1552. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moritzens Tod im Jahr 1553 bildet die nächste Zäsur, da sein Bruder [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] von den ambitionierten kriegerischen und außenpolitischen Aktivitäten seines Vorgängers Abstand nahm und sich stärker Landesausbau und Reichspolitik verschrieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Nicklas 2007]], S. 40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nur wenige Monate später verstarb [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)|Georg von Anhalt]], der sich zu einem der führenden Theologen des Kurfürstentums entwickelt und gerade in der Religionspolitik großen Einfluss erworben hatte. Er hatte als „Bischof“ von [[Erwähnter Ort::Merseburg]] die Ausgestaltung der albertinisch-sächsischen Kirchenordnungen in bedeutendem Maße geprägt, an der Ausarbeitung der &amp;quot;Leipziger Landtagsvorlage&amp;quot; 1548 (dem sog. &amp;quot;Leipziger Interim&amp;quot;) mitgewirkt, des weiteren an der &amp;quot;[[Erwähntes Werk::Div., Confessio Saxonica, 1553|Confessio Saxonica]]&amp;quot; 1551, und an mehreren Religionsgesprächen teilgenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. zu Georg vor allem [[Erwähntes Werk:: OC 0614|die Biographie]], die Camerarius über ihn verfasst hat, den Briefwechsel mit Camerarius sowie [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]] und [[Forschungsliteratur::Gabriel 1997]] passim.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Camerarius stellte sich in der Zeit nach dem Tod des Kurfürsten auch die Frage, ob er überhaupt nach Leipzig zurückkehren sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Herbst 1553 hielt er sich in Franken auf, entschied sich dann aber doch für die Rückkehr nach Sachsen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1560 schließlich bringt den Tod Melanchthons. Diesem kommt in der Rückschau eine größere theologische Bedeutung zu als seinem Leipziger Freund und Kollegen. Oft lässt sich aber nicht ermessen, wieviele Ideen Camerarius zu Melanchthons Werken beigetragen hat. Mit dessen Tod war Camerarius nun einer der letzten Überlebenden der ersten Reformatorengeneration. Diese Rolle zeigt sich deutlich in seiner Ladung durch Kaiser [[Maximilian II. (HRR)]] nach [[Wien]], um bei der Erstellung einer Kirchenordnung mitzuarbeiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Schlagwort [[Biographisches (Wienreise)]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob nun Camerarius den Drang verspürte, das Erbe Melanchthons weiterzuführen, oder ob andere Gründe vorlagen: Jedenfalls verfasste er in den folgenden 14 Jahren mehr theologische Werke als zuvor. Den nächsten Einschnitt bildet im Jahr 1574 nicht nur sein Tod, sondern auch die Wende in der kursächsischen Religionspolitik, im Rahmen derer viele „[[Erwähnte Körperschaft::Philippisten]]“ wegen des Verdachts auf Kryptocalvinismus aus ihren Ämtern entfernt wurden; [[Erwähnte Person:: Georg Cracow]] und [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] wurden sogar eingekerkert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Bruning 2004]], S. 168f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Camerarius-Schüler wie [[Erwähnte Person::Gregor Bersman]],&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Zinck 1903]], S. 118.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Erwähnte Person::Ernst Vögelin]] und [[Erwähnte Person::Andreas Freyhub]] hatten mit schweren Repressionen zu kämpfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Hasse 2000]], S. 140-148 und 229-232. Der Buchdrucker Vögelin musste 1576 außer Landes fliehen; im selben Jahr verlor der Theologe Freyhub seine Stellung. Bersmann wurde 1580 entlassen, nachdem er die Unterschrift unter das Konkordienbuch verweigert hatte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
====Voraussetzungen in Leipzig====&lt;br /&gt;
Bis 1539 war die Universität Leipzig wie das gesamte albertinische Herzogtum Sachsen ein Hort des alten Glaubens, an dem Herzog [[Erwähnte Person::Georg (Sachsen)]] den Einflüssen der Reformation (trotz anfänglicher Sympathie in einigen Punkten) durch eine eigenständige Reformpolitik trotzte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Einführung in die Leipziger Stadt- und Universitätsgeschichte vgl. [[Forschungsliteratur::Hofmann 1739]] und [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1996a]]. Zur Vorgeschichte der Reformation in Leipzig vgl. [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]], S. 29-38. Zu Georgs kirchlichen Reformen vgl. [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]], S. 89-93 und [[Forschungsliteratur::Volkmar 2008]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei zeigt die Arbeit von Christoph Volkmar eindrucksvoll, dass dieses Vorgehen keineswegs automatisch zum Scheitern verurteilt war, sondern dass erst durch den Tod von Georgs Söhnen (Johann und Friedrich) die &amp;quot;Fürstenreformation von oben&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Volkmar 2008]], S. 610.&amp;lt;/ref&amp;gt; durch [[Erwähnte Person::Heinrich (Sachsen)]] ermöglicht worden ist. Durchaus nicht unwidersprochen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Volkmar 2008]], S. 380f.: Selbst Herzog Georg opponierte gegen einige Auswüchse des Ablasswesens, wobei hier nicht der Ablass an sich das Problem war, sondern der Geldfluss ins Ausland.&amp;lt;/ref&amp;gt; predigte der Ablassprediger [[Erwähnte Person::Johann Tetzel]] 1516, 1517 und 1518 in der Stadt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Hofmann 1739]], S. 29-33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Camerarius soll – wie erwähnt –  im Jahr 1517 zusammen mit seinem Lehrer [[Lehrer::Georg Helt]] eine dieser Predigten gehört und entrüstet die Kirche verlassen haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Werk), 1574]], Bl. A4v-B1r. Andere Quellen zu diesem Ereignis liegen bislang nicht vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Leipziger Disputation im Jahr 1519&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Beyer 2005]].&amp;lt;/ref&amp;gt; zwischen [[Erwähnte Person::Martin Luther]], [[Erwähnte Person::Andreas Bodenstein]] und [[Erwähnte Person::Johannes Eck]] verfolgte er nur aus der Ferne, während er in [[Erwähnter Ort::Erfurt]] studierte. Sein Freund [[Erwähnte Person::Adam Krafft]] war in Leipzig zugegen und bewog dort [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]], einige Verse für Camerarius zu verfassen, was den Beginn von deren langer Freundschaft bildete.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0775|Vita Melanchthonis]], deutsche Übersetzung: [[Werner 2010]], §10-11 und [[Forschungsliteratur::Woitkowitz 1997]], S. 31.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu den Aufsatz von [[Forschungsliteratur::Enge 2017]], der Herzog Heinrichs eine größere Eigenleistung zumisst, als dies die bisherige Forschung unternommen hat. Die Schwierigkeiten, die sich dabei aus Herzog Georgs Gegenmaßnahmen und Nachfolgeplänen, insbesondere in seinen Testamenten, ergeben haben, hat kürzlich [[Winter 2023]] herausgestellt. Vgl. auch [[Wartenberg 2005]], S. 69-77.&amp;lt;/ref&amp;gt; ergab sich auch die Notwendigkeit, den Lehrkörper der Universität an die geänderte konfessionelle Situation anzupassen. Besonders wichtig war die Ausbildung zuverlässiger Staatsbeamten und Pfarrer.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum folgenden vgl. [[Forschungsliteratur::Junghans 2009]], S. 47-50 sowie [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1981]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem am 13.8.1539 die Visitatoren im Auftrag Herzog [[Erwähnte Person::Heinrich (Sachsen)|Heinrichs]] alle Universitätsangehörigen auf die Augsburgische Konfession und deren Apologie verpflichtet hatten,&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Durchführung der Reformation in Stadt und Universität Leipzig vgl. [[Forschungsliteratur::Freudenberger 1988]], S. 356-373. Auch legt Heinrich den Grundstein für die Reform der Universität; so hat er wahrscheinlich unter anderem die Bestellung [[Erwähnte Person::Caspar Borner]]s zum Rektor im Wintersemester 1539/40 mit beeinflusst. Auch die ersten Schritte zur Berufung des Camerarius unternahm er noch selbst, wobei in all diesen Belangen die Rolle Melanchthons nicht zu unterschätzen ist: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2785 MBW Nr. 2785]. So verfasste dieser ein Gutachten mit Reformvorschlägen: Vgl. [[Rudersdorf 2009]], S. 354-363, bes. 359f., siehe [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2542 MBW Nr. 2542]. Die Umsetzung konkreter Reformmaßnahmen blieb aber als Aufgabe für Heinrichs Sohn Moritz.&amp;lt;/ref&amp;gt; bestanden aber gerade an der Theologischen Fakultät noch einige Schwierigkeiten, wie Camerarius sie schon in [[Tübingen]] angetroffen hatte. Besonders der Franke [[Erwähnte Person::Hieronymus Dungersheim]] verweigerte sich der neuen Lehre. Er war seit Anfang 1538 Dekan und der einzige promovierte Theologe vor Ort. Auf besagte Visitation des Herzogs reagierte die Fakultät, sicher auf Dungersheims Betreiben hin, mit der Zusage &#039;&#039;sie wolten der Augspurgischen Confeßion und derselben Apologie nicht widerstehen, in so ferne sie weder dem Evangelio noch der Wahrheit widersprächen&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hofmann 1739]], S. 405; vgl. [[Freudenberger 1988]], S. 367.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird allgemein als nur äußerliche Zustimmung gesehen, die im Widerspruch zum Standpunkt der übrigen Fakultäten stand und dem Herzog auch nicht genügte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die häufige Abwesenheit von Professoren, die meist auswärtige Kanonikate bekleideten und ihren Lebensmittelpunkt nicht in Leipzig hatten,&amp;lt;ref&amp;gt;Die Leipziger Theologen hatten Stiftspfründe in Meißen, Halle (Saale) und Magdeburg.&amp;lt;/ref&amp;gt; bereitete schon zu Regierungszeiten Herzog [[Erwähnte Person::Georg (Sachsen)|Georgs]] Schwierigkeiten: Bei der Promotion von Melchior Rudel und Matthäus Metz am 3. April 1538 hatten sich die anderen zuständigen Professoren aus Krankheitsgründen entschuldigen lassen. Da ein Professor allein nicht promovieren durfte, musste Dungersheim seinen Kollegen [[Erwähnte Person::Johann Sauer]] aus [[Erwähnter Ort::Halle (Saale)]] heranziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Freudenberger 1988]], S. 350-352 sowie [[Forschungsliteratur::Zarncke 1859]], S. 96-98.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dungersheim starb nach Krankheit am 2.3.1540. Die Nachfolge trat Johann Sauer an, der die Reformation bestenfalls halbherzig unterstützte und Leipzig schon 1544 in Richtung Wien verließ. Nur kurz (1539-1541) währte die Professorenkarriere des ersten evangelischen Theologieprofessors [[Erwähnte Person::Nicolaus Scheubleyn]], die durch seinen unglücklichen Tod ein jähes Ende fand.&amp;lt;ref&amp;gt;Scheubleyn starb bei einem Sturz im Weinkeller: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2653 MBW Nr. 2653.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Der systematische Neuaufbau der Fakultät erfolgte unter Heinrichs Sohn und Nachfolger [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]], der nach der Berufung des Camerarius den Reformkurs fortsetzte, indem er am 26.5.1542 fünf theologische Lehrstühle stiftete (je zwei für das Alte und das Neue Testament sowie einen für Hebräisch) und für deren Finanzierung durch die Erträge des vormaligen Paulinerklosters sorgte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Universitätsreform 1543 vgl. [[Rudersdorf 2009]], S. 357-379.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es dauerte allerding bis zum Wintersemester 1544, bis durch die Aufnahme des Schotten [[Erwähnte Person::Alexander Alesius]] in die Fakultät alle theologischen Lehrstühle besetzt werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Hein/Junghans 2009]], S. 305. Die dortige Übersichtstabelle ist mit Vorsicht zu gebrauchen, da nur Lehrstuhlinhaber verzeichnet sind, die der Fakultät angehören. Alesius war zwar schon im Herbst 1542 berufen worden und hatte am 24.9.1543 pro loco disputiert, wurde aber erst am 17.10.1544 in die Theologische Fakultät aufgenommen (vgl. [[Forschungsliteratur::Siegmund-Schultze 2005]], S. 164). An der Doktorpromotion 1543 wirkte er aber bereits mit. Eine wichtige Rolle bei den Stellenbesetzungen spielte auch Melanchthon: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2802 MBW Nr. 2802].&amp;lt;/ref&amp;gt; Jakob Schenk lehrte vom Wintersemester 1541/42 bis Oktober 1542, wurde dann aber entlassen und im August 1543 des Landes verwiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 1988]], S. 155f. Schenk hatte sich in Wittenberg und Leipzig viele Feinde gemacht, darunter auch Superintendent [[Johann Pfeffinger]]. Vgl. P. Vetter: Jakob Schenk und die Prediger zu Leipzig 1541 - 1543. In: [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/11884/257 NASG 12 (1891)], S. 247-271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====1541 bis 1546====&lt;br /&gt;
Am 10.10.1543 erfolgte in Leipzig die theologische Doktorpromotion von [[Erwähnte Person::Caspar Borner]], [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]], Andreas Samuel,&amp;lt;ref&amp;gt;Samuel fand Ende 1543 oder Anfang 1544 Anstellung bei Herzog [[Albrecht (Preußen)]]: Vgl. MBW Nr. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3352 3352] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3441 3441.1].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Erwähnte Person::Wolfgang Schirmeister]] und [[Erwähnte Person::Bernhard Ziegler]] – die erste nach dem neuen Bekenntnis. Fast alle der Promovenden waren Absolventen der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Wittenberg)]], die somit ihren Einfluss in Leipzig intensivierte. Zu besagter Promotion wurden auch die Wittenberger Theologen eingeladen, um das gute Verhältnis zu demonstrieren ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3333 MBW Nr. 3333]). [[Erwähnte Person::Martin Luther]], [[Erwähnte Person::Johannes Bugenhagen]] und [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]] mussten zwar wegen der gleichzeitigen Promotion des [[Erwähnte Person::Erasmus Alberus]] absagen, schickten aber [[Erwähnte Person::Caspar Cruciger]] und [[Erwähnte Person::Paul Eber]] als Vertreter ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3338 MBW Nr. 3338]).&amp;lt;ref&amp;gt;Dass Melanchthon regen Anteil nahm, zeigt sich auch daran, dass er [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] um Wildbret für den Doktorschmaus bat: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3322 MBW Nr. 3322].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die von den Kandidaten disputierten &#039;&#039;quaestiones&#039;&#039; wurden von Camerarius ediert, zusammen mit Zieglers Promotionsrede, einem lateinischen Bericht über die Vereidigung, dem Einladungsschreiben an die Wittenberger Fakultät, dem Wittenberger Antwortschreiben und einer [[Erwähntes Werk::OC 0441|Psalmenparaphrase]] in lateinischer (Melanchthon) und griechischer (Camerarius) Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::Div., Quaestiones quinque, 1544]]. Vgl. dazu [[Forschungsliteratur::Weng 2003]]. Zur Edition durch C. vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3515 MBW Nr. 3515].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bald nach seiner Ankunft in Leipzig wurde Camerarius von Herzog Moritz in die universitäre und kirchenpolitische Gremienarbeit einbezogen. So widmete er sich ab 1543 mit Borner zusammen der Universitätsreform;&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Universitätsreform vgl. die ausführliche Darstellung [[Rudersdorf 2009]], S. 355-391 (davon 361-365 explizit zur Rolle des Camerarius), [[Rudersdorf 2015]] und [[Zarncke 1859]], S. 238-278 (Edition von Borners Bericht aus den Rektoratsakten).&amp;lt;/ref&amp;gt; dann bat Moritz ihn und die Theologische Fakultät um ein „Gutachten für die weitere Gestaltung der Landeskirche“,&amp;lt;ref&amp;gt;Zu dieser Angelegenheit vgl. [[Wartenberg 1988]], S. 181-187 sowie die herzogliche Anordnung vom 22.9.1543: [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10532: Leipzigische Händel 1422-1533, Bl. 303b. Aufforderung Moritzens an Camerarius zur Gutachtenerstellung: [[Dresden, HStA]], 10004 Kopiale, Nr. 0181, Bl. 152a. Diese Gremienarbeit war nicht im Sinne von Camerarius, der sich in [[Erwähntes Werk::OCEp 0313|einem Brief an Stramburger]] darüber beschwert, dass dies nicht zu seinen Dienstaufgaben gehöre.&amp;lt;/ref&amp;gt; wobei Camerarius auch an der Vorbereitung des Konsistoriums mitwirken sollte. Melanchthon unterstützte ihn durch Zusendung der Wittenberger Konsistorialordnung von 1542.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Wartenberg 1988]], S. 186 mit Anm. 70 und [[Zarncke 1859]], S. 196f.; auch [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3343 MBW 3343] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3372 3372].&amp;lt;/ref&amp;gt; Streitpunkt dabei war die Kirchenstruktur: Während eine Gruppe um [[Erwähnte Person::Georg von Karlowitz]] die alten Strukturen beibehalten wollte,&amp;lt;ref&amp;gt;Georg von Karlowitz hatte bereits zu Lebzeiten Herzog Georgs einen eigenen Kompromisskurs über Religionsgespräche und kirchliche Reformen versucht, wobei auch [[Erwähnte Person::Julius von Pflug]] einige Versuche unternahm, [[Erasmus von Rotterdam]] für eine Vermittlerrolle zu gewinnen. Dazu [[Wartenberg 1988]], S. 65-70.&amp;lt;/ref&amp;gt; strebten die Superintendenten ein Konsistorium an, wie es im ernestinischen Kurfürstentum bereits bestand.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 1988]], S. 184.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zur Entscheidungsfindung wurden die Leipziger Theologen einbezogen und auch Camerarius. Dieser entwickelte dabei eine enge Freundschaft zu [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gabriel 1997]] und Achim Detmers: 500 Jahre Georg III. Fürst und Christ in Anhalt. Köthen 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der Universitätsreform richtete Herzog Moritz 100 Stipendien ein, die in erster Linie Theologiestudenten zugute kommen sollten. So wollte er dem Mangel an evangelischen Theologen abhelfen. Diese Maßnahme war nötig geworden, um die wegfallenden Einkommen aus kirchlichen Pfründen zu kompensieren. Camerarius gehörte zu den Prüfern der Stipendiaten; außerdem arbeitete er 1556 an einer neuen Stipendienordnung mit.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Ratajszczak 2009]], S. 60-63, [[Wartenberg 2003]], S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob die Ähnlichkeiten im Stipendienwesen der Universitäten Leipzig und Tübingen&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Ratajszczak 2009]], S. 159-163.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius zu verdanken sind, ist noch zu prüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Vorbereitung des Universitätsbesuchs und um den Verlust kirchlicher Bildungseinrichtungen zu kompensieren, richtete Moritz Fürstenschulen in [[Fürstenschule (Meißen)|Meißen]], [[Fürstenschule (Schulpforta)|Pforta]] (beide 1543) und Grimma (1550) ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Thomas 2005]], S. 125-127.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihre Visitation wurde der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] übertragen. Die Universität wählte zur Durchführung dieser Aufgabe [[Caspar Borner]], Camerarius und [[Wolfgang Meurer]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Zarncke 1857]], S. 664-666. Camerarius wirkte auch an den Schulordnungen mit und verfasste im Bunde mit [[Erwähnte Person::Wolfgang Meurer]], [[Erwähnte Person::Georg Fabricius]] und [[Erwähnte Person::Johann Rivius]] im Juli 1546 eine Disziplinarordnung, die in Meißen unter dem Namen &#039;&#039;Leges Rivii&#039;&#039;, in Pforte aber als &#039;&#039;Leges Camerarii&#039;&#039; zum Einsatz kam (vgl. [[Schwabe 1914]], S. 82).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch fremde Landesfürsten bemühten sich außerordentlich um die Dienste des Camerarius. Dabei ist vor allem Herzog [[Albrecht (Preußen)]] zu nennen: Während C. im Oktober 1543 eine Stelle als Rektor der [[Königsberg]]er Universität ablehnte, konsultierte der Herzog ihn (und Melanchthon) am 30.6.1545 bezüglich der Problematik des Promotionsrechts. Dieses konnte nur vom Papst oder Kaiser erteilt werden. Von beiden war keine Zustimmung zu erwarten. Albrecht wandte sich weder an Juristen noch an prominente Theologen wie Martin Luther, sondern an die beiden Humanisten, die ihm nahe standen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Beziehung zwischen C. und Albrecht vgl. [[Voigt 1841]], S. 110-139. Der Melanchthon-Briefwechsel zählt 92 Briefe Melanchthons an den Herzog und 97 in der Gegenrichtung. Auch Melanchthons Schwiegersohn [[Georg Sabinus]], ein Freund des Camerarius, wirkte als Königsberger Rektor in dieser Angelegenheit mit.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das deutet auf den Willen hin, die Angelegenheit relativ diskret und geschickt zu lösen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Angelegenheit vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3931 MBW Nr. 3931] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3933 3933.2]. Eine endgültige Lösung des Problems brachte erst die Erteilung des Privilegs durch König [[Erwähnte Person::Sigismund II. August (Polen)]] am 28.3.1560: Vgl. Bues, Almut: Herzog Albrecht von Preußen (1490-1568). In: Armin Kohnle und Manfred Rudersdorf (Hgg.), unter Mitarbeit von Marie Ulrike Jaros: Die Reformation. Fürsten - Höfe - Räume. Leipzig 2017 (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte 42), S. 63, Anm. 44.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einen entsprechenden Vorschlag präsentierten sie in ihrem Gutachten vom 28.7.1545 ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3970 MBW Nr. 3970]) mit Verweis auf die Kirchengeschichte, insbesondere die Zeit unter Kaiser Julian (Apostata). Die Situation ähnelte den Problemen um den Tübinger Kanzler Widmann so sehr, dass die beiden Gutachten sogar in der Forschung verwechselt worden sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Volz 1977]], S. 90-93 und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3970 MBW Nr. 3970 Anm.]. Eine Abschrift ist in der Collectio Camerariana erhalten: [[München, BSB]], [https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00116379?page=232,233 clm 10355, f. 108f].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das gute Verhältnis, das Camerarius und die Wittenberger Theologen zu Albrecht hatten, zeigt sich auch in einem Brief vom 8.10.1543, worin sie ihn (letztendlich vergeblich) bitten, seinen Leibarzt [[Erwähnte Person::Andreas Aurifaber]] nicht zum Studium nach [[Italien]] zu schicken.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3340 MBW Nr. 3340] und [[Vogt 1966]], Nr. 127 (S. 274f.). Autoren des Briefs waren Melanchthon, [[Erwähnte Person::Martin Luther]], [[Erwähnte Person::Johannes Bugenhagen]] und Camerarius. Der Brief zählt zu den wenigen Belegen für eine Zusammenarbeit zwischen Bugenhagen und Camerarius.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====1547 bis 1553====&lt;br /&gt;
Während des Schmalkaldischen Krieges fand C. zunächst in [[Erwähnter Ort::Merseburg]] bei Fürst Georg Aufnahme, dann zog er über [[Erwähnter Ort::Erfurt]] weiter nach Franken.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. besonders [[Erwähntes Werk::OCEp 0330]] sowie [[Erwähntes Werk::OCEp 1038]], [[Erwähntes Werk::OCEp 0631]], [[Erwähntes Werk::OCEp 1039]] und das [[Itinerar]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rat der Stadt Nürnberg bot ihm und Melanchthon Aufenthaltsmöglichkeiten an. Damit verbunden war möglicherweise die Hoffnung, dass beide Lehrtätigkeiten an der behelfsmäßigen Hochschule übernehmen würden, die dort eingerichtet worden war, vor allem für geflüchtete Wittenberger und Leipziger Studenten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Klaus 1958]], S. 254, [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4570 MBW Nr. 4570.1], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4585a 4585a], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4605 4605.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Melanchthon verblieb aber in Mitteldeutschland, und für eine Lehrtätigkeit des Camerarius in Nürnberg gibt es keine Belege. Allenfalls die Erwähnung, er werde zahlreiche Schüler nach Leipzig mitbringen,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0572]].&amp;lt;/ref&amp;gt; kann ein Hinweis darauf sein. Die Wiederaufnahme seines Amtes in Leipzig war keineswegs sicher; so erwog er sogar, eine Theologieprofessur in [[Erwähnter Ort::Königsberg]] anzunehmen, wo sein Sohn [[Erwähnte Person::Johannes Camerarius II.|Johannes]] bereits studierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4721 MBW Nr. 4721.4]. Eine Stelle als Rektor der dortigen Hochschule wurde Camerarius bereits im Herbst 1543 angeboten, die dieser aber nicht annehmen konnte: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3334 MBW Nr. 3334.4,2 und 3334.4,4], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3371 3371.1], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=3377 3377.1].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Alesius interessierte sich dafür, und Melanchthon erhielt sogar von [[Albrecht (Preußen)]] eine Berufung dorthin.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4853 MBW Nr. 4853.1-3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ebenso gab es Angebote des Kurfürsten [[Erwähnte Person::Joachim II. (Brandenburg)]], dass C. an der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Frankfurt an der Oder)]] unterkommen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4778 MBW Nr. 4778.2].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius wurde durch (den neu zum Kurfürsten erhobenen) Moritz im Sommer 1547 nach Leipzig zurückberufen, was auch einige der dortigen Theologen unterstützten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[PKMS 3]], Nr. 697. Weitere Briefe dazu sind zitiert bei [[Woitkowitz 2003]], S. 185. Zusätzlich existiert ein dort nicht erwähnter Brief des Camerarius an den Rektor (Paul Bussius) vom 21.6. (ohne Jahr, aber auf 1547 datierbar), worin C. sich auf ein Schreiben von Kurfürst Moritz und [[Erwähnte Person::Ulrich von Mordeisen]] bezieht. Er könne momentan noch nicht zurückkehren: [[Leipzig, UA]], Bestand des Rektors, Rep. I/VIII/I (einzelne Professoren, ab 1549), Bl. 4r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem Camerarius und Melanchthon nach Kriegsende wieder in Sachsen weilten, wurden sie wie zuvor mit einigen Aufgaben betraut. Georg von Anhalt wirkte weiterhin mit, obwohl er in Merseburg seine Leitungsfunktionen nach dem Schmalkaldischen Krieg an den altgläubigen Bischof [[Erwähnte Person::Michael Helding]] hatte abtreten müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Camerarius lässt in der [[Erwähntes Werk::OC 0775|Vita Melanchthonis]] kein gutes Haar an Helding, den er nach dessen Titularbistum verächtlich als &amp;quot;Sidonius&amp;quot; bezeichnet (vgl. [[Werner 2010]], S. 169f.). Besser waren seine Beziehungen zu [[Erwähnte Person::Julius von Pflug]], einem humanistisch orientierten Reformkatholiken, der erst durch den Schmalkaldischen Krieg sein Bischofsamt in [[Erwähnter Ort::Naumburg (Saale)]] antreten konnte. Bis dahin hatte dort der Lutherfreund [[Erwähnte Person::Nikolaus von Amsdorf]] dieses Amt ausgeübt, in das ihn der ernestinische Kurfürst [[Erwähnte Person::Johann Friedrich I. (Sachsen)]] 1542 eigenmächtig eingesetzt hatte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Aufgabe war zunächst die Arbeit an der Umsetzung des &amp;quot;Augsburger Interims&amp;quot;, das als Übergangslösung für das Zusammenleben der Konfessionen bis zum nächsten Konzil fungieren sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Nicht-Durchsetzung des Interims in Sachsen sollte schließlich dazu führen, dass [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)]] wieder auf das Konzil als einzige Lösung für die Glaubensspaltung zurückkam. Dies wurde ermöglicht durch den Tod [[Erwähnte Person::Paul III. (Papst)|Pauls III.]] am 10.11.1549; das Konzil wurde in Trient am 1.5.1551 erneut eröffnet. Vgl. [[Wartenberg 1996]], S. 275-276.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedoch verweigerten die altgläubigen Reichsstände die Annahme, so dass es nur noch für die evangelischen Reichsstände gelten sollte. [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)|Kurfürst Moritz]] zögerte mit der Annahme und verwies auf die Bedenken seiner Landstände und Theologen. Melanchthon und andere ([[Erwähnte Person::Caspar Cruciger]], [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]] und [[Erwähnte Person::Georg Maior]]) forderten ausdrücklich, dass neben Georg von Anhalt auch Camerarius in die Theologenkommission berufen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[PKMS 3]], Nr. 1041 = [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5137 MBW Nr. 5137].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese erarbeitete dann Vorschläge, wie man dem Kaiser in Äußerlichkeiten (Mitteldinge, &#039;&#039;Adiaphora&#039;&#039;) entgegenkommen könnte, ohne zentrale Glaubensinhalte aufzugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem &amp;quot;Leipziger Interim&amp;quot; vgl. [[Wartenberg 2006]], 25-32; [[Issleib 1907]], S. 194; [[Issleib 1892]], S. 206-220; Wartenberg, Günther: Philipp Melanchthon und die sächsisch-albertinische Interimspolitik. In: Jonas Flöter und Markus Hein (Hrsg.): Wittenberger Reformation und territoriale Politik. Leipzig 2003, S. 87-103, hier S. 98-100; [[Engel 2014]], 106–113 und [[Erwähntes Werk::OCEp 0648]] (C. an H. Baumgartner vom 10.2.1548).&amp;lt;/ref&amp;gt; Wichtige Stationen in der Entstehung dieser sog. Landtagsvorlage&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Text vgl. [[PKMS 4]], S. 254-257, Nr. 212.&amp;lt;/ref&amp;gt; waren die Konferenzen von Theologen und Räten, wobei die Treffen in [[Erwähnter Ort::Pegau]] (23.-25.8.) und [[Torgau]] (18.10.) ohne Beteiligung des Camerarius,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Engel 2014]], S. 101-104.&amp;lt;/ref&amp;gt; die von [[Erwähnter Ort::Altzella]] im November 1548 und der Theologentag zu [[Erwähnter Ort::Jüterbog]] am 16. und 17.12. unter seiner Mitarbeit erfolgten.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Teilnahme des Camerarius vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5380 MBW Nr. 5380] und [[Erwähntes Werk::OCEp 0648]] sowie [[Engel 2014]], S. 108-113.&amp;lt;/ref&amp;gt; Präsentiert wurden die Ergebnisse auf dem Landtag in Leipzig Ende Dezember.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Landtagsverhandlungen vgl. [[Wartenberg 2006]], S. 25-27; auf S. 27-32 wird die Landtagsvorlage mit dem &amp;quot;Augsburger Interim&amp;quot; verglichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obwohl die Stände die Vorlage ganz überwiegend akzeptierten, gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung, da die altgläubigen Bischöfe nicht einverstanden waren. Veröffentlicht wurden nur Auszüge der neuen Kirchenordnung;&amp;lt;ref&amp;gt;Die &amp;quot;Georgsagende&amp;quot; verfasste [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] unter Mitwirkung von Melanchthon, Camerarius, [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]], [[Erwähnte Person::Johannes Bugenhagen]], [[Erwähnte Person::Georg Maior]], [[Erwähnte Person::Johann Forster]] und [[Erwähnte Person::Daniel Greiser]]. Nach der zwischenzeitlichen Verwerfung brachte Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] die Agende im August 1553 wieder ins Spiel. Vgl. [[Jadatz 2007]], S. 182.&amp;lt;/ref&amp;gt; durch Moritzens Hinhaltepolitik und Bedenken von Seiten der Theologen verzögerte sich die Annahme der Interimsartikel in Sachsen und unterblieb schließlich ganz, abgesehen von Details wie dem Tragen des Chorrocks.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu ausführlich [[Issleib 1894]], S. 558-570 und zusammenfassend [[Engel 2014]], S. 115-120.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zögerliche, aber zunächst nicht klar ablehnende Verhalten des Landesherrn schützte so auch seine eigenen Theologen: So gab es in Sachsen kaum Verfolgungen oder Verbannungen von Theologen, die dem Interim widersprachen. Zwar forderte [[Karl V. (HRR)]] kurzzeitig Melanchthons Auslieferung, konnte aber schließlich davon abgebracht werden. Anders sah es bei kleineren, besonders süddeutschen, Reichsständen aus: Aus [[Schwäbisch Hall]] musste [[Erwähnte Person::Johannes Brenz]],&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Peters, Christian: Der Macht des Kaisers widerstehen. Die süddeutschen Theologen und das Interim. In: Irene Dingel und Günther Wartenberg (Hgg.): Politik und Bekenntnis. Die Reaktionen auf das Interim von 1548. Leipzig 2006, S. 65-81, hier S. 66-68.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus Braunschweig-Calenberg [[Erwähnte Person::Joachim Mörlin]], aus [[Nürnberg]] [[Erwähnte Person::Andreas Osiander]] fliehen, während [[Erwähnte Person::Veit Dietrich]] dort bereits 1547 suspendiert worden war und Anfang 1549 nach schwerer Krankheit starb.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Werner 2010]], S. 193 zu Dietrichs Kampf gegen Kaiser und Interim sowie [[Klaus 1958]], S. 272-299 zur Haltung der Reichsstadt Nürnberg gegenüber dem Interim. Das Verhältnis Dietrichs zu Camerarius scheint sehr gut gewesen zu sein. Der edierte Briefwechsel spiegelt das nicht wider, da die Camerarius-Söhne nur Briefe von Camerarius herausgaben. Handschriftlich existieren zahlreiche Briefe Dietrichs an Camerarius.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Leipzig]] dagegen konnte ein Interim-Gegner wie [[Erwähnte Person::Alexander Alesius]] weiterhin seine Positionen lehren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wiedermann 1988]], S. 66f. Demnach lehnte Alesius nicht nur das &amp;quot;Augsburger Interim&amp;quot;, sondern auch Melanchthons Adiaphora-Verständnis ab. In einem Gutachten setzte er sich gar mit dem Widerstandsrecht gegen den Kaiser auseinander: Vgl. [[Gotha, FB]], [https://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-3411847 Chart. A 401, f. 227r-229r] und [[Siegmund-Schultze 2005]], S. 248-250.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Camerarius und besonders für Melanchthon sollte die Mitwirkung an der Landtagsvorlage, die auch als Bekenntnis für die Einheit der Christenheit verstanden werden kann, aber für zahlreiche Schmähungen innerhalb des protestantischen Lagers sorgen, hauptsächlich von Seiten der Gnesiolutheraner um [[Erwähnte Person::Matthias Flacius]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Wengert 2006]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig entwickelten sich aus diesem sogenannten Adiaphoristischen Streit zahlreiche weitere Zerwürfnisse.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Koch 2006]], S. 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zunächst scheint sich die Schmähkritik auf Melanchthon konzentriert zu haben; Camerarius geriet ins Visier, als er den Freund durch die &amp;quot;[[Erwähntes Werk::OC 0596|Querela Lutheri]]&amp;quot; unterstützte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Forschungsliteratur::Schäfer 2003]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben bereits erwähnt, war das Interim nur als Übergangslösung bis zum nächsten Konzil gedacht. Auf diesem sollte die Kirchenspaltung entgültig überwunden werden. So kam auf die sächsischen Theologen die Aufgabe zu, ihre Glaubenswahrheiten überzeugend darzustellen. Im Jahr 1551 erarbeiteten sie daher, wiederum unter Mitwirkung des C., die &amp;quot;[[Div., Confessio Saxonica, 1553|Confessio Saxonica]]&amp;quot; zur Vorbereitung auf das Konzil von Trient.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 1996]] und [[Issleib 1907]], S. 203-205. Die Ereignisse um die &amp;quot;Confessio Saxonica&amp;quot; und das Konzil hat [[Ehlers 2024]] gründlich dargestellt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius wurde im April 1551 nach Württemberg geschickt, um mit Johannes Brenz Vorbesprechungen abzuhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Brenz an Camerarius, 7.4.1551, Brief-ID 15094, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/15094. Zugriff am 24.11.2023, und Brenz an Camerarius, 14.4.1551, Brief-ID 15263, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/15263. Zugriff am 24.11.2023.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wahl seiner Person ist sicher auf den guten Kontakte der beiden aus Tübinger Zeit zurückzuführen. Camerarius traf sich auch mit süddeutschen Theologen am 19.8.1551 in [[Erwähnter Ort::Bad Langensalza|Langensalza]], um über die &amp;quot;Confessio Saxonica&amp;quot; und die &amp;quot;Confessio Virtembergica&amp;quot; zu sprechen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6165 MBW Nr. 6165] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6175 6175] sowie Brenz an Camerarius, 8.8.1551, Brief-ID 15304, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/15304. Zugriff am 22.1.2024. Anwesend waren von Württemberger Seite Jakob Beurlin und Johannes Isenmann sowie der Straßburger Johannes Marbach.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Konzil, das 1547 zunächst unterbrochen, später nach [[Erwähnter Ort::Bologna]] verlegt worden war, kam im Mai 1551 wieder in [[Erwähnter Ort::Trient]] zusammen. Melanchthons Teilnahme war vorgesehen, doch musste er in [[Nürnberg]] den angestrebten Geleitbrief erwarten.&amp;lt;ref&amp;gt;Melanchthon reiste mit seinem Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] sowie mit [[Erwähnte Person::Erasmus Sarcerius]] und [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Valentin Paceus]] am 13.1.1552 aus [[Erwähnter Ort::Leipzig]] ab, Camerarius begleitete sie bis [[Zwickau]]: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6303 MBW Nr. 6303] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6310 6310].&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Geleit wurde aber nie in der von [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]] geforderten Form bewilligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Die sächsischen Gesandten forderten ein Geleit in der Form des Konzils von Basel aus dem Jahr 1431: Vgl. [[Freudenberger 1975]], S. 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Melanchthon kehrte schon im März 1552 wieder nach Sachsen zurück, als seine Teilnahme aufgrund des Fürstenaufstands obsolet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6378 MBW Nr. 6378] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6380 6380]. Die sächsischen Konzilsvorbereitungen beschreibt ausführlich [[Freudenberger 1975]], besonders S. 315-341, sowie jüngst [[Ehlers 2024]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ereignisse in Trient verfolgte Camerarius aus der Ferne. So besaß er eine Edition der von Bischof [[Erwähnte Person::Andreas Dudith]] gehaltenen [[Erwähntes Werk::Dudith, Orationes duae in sacrosancto oecumenico concilio Tridentino habitae, 1562|Reden]], die den Laienkelch und die Priesterehe befürworteten, und zeigte sie seinem Schüler [[Erwähnte Person::Johannes Prätorius]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bedarf an (neugläubigen) Theologen in Leipzig blieb in diesen Jahren weiterhin groß, auch bedingt durch den Tod Borners (1547), Johannes Mentzels und Zieglers (beide 1552) sowie den Weggang [[Erwähnte Person::Nikolaus Zipser]]s (1553).&amp;lt;ref&amp;gt;Bei den Stellenbesetzungen wirkte Melanchthon mit, indem er [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Paceus]] als Hebräischprofessor empfahl: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6361 MBW Nr. 6361.6] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6392 6392].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies führte dazu, dass 1553 sogar der Mathematiker [[Erwähnte Person::Johann Hommel]] gedrängt wurde, den Doktorgrad der Theologie zu erwerben. Diesem Ersuchen kam er aber nicht nach.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2008]], S. 74. Hommel hatte immerhin Theologie studiert und mehrere Jahre eine Pfarrstelle bekleidet, war aber mittlerweile in der Mathematik zu einer Koryphäe geworden → &#039;&#039;&#039;[[Mathematische Wissenschaften (CamLex)#Camerarius und Johann Hommel|Mathematische Wissenschaften]]&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====1553 bis 1560====&lt;br /&gt;
Anders als in der Reichspolitik brachte der Tod von Kurfürst [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)|Moritz]] zunächst keinen sichtbaren Bruch in der kursächsischen Kirchenpolitik mit sich. Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)|August]] führte hier die Politik seines Bruders fort und baute die evangelische Landeskirche weiter aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Jadatz 2007]], S. 189.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sofort nach seiner Rückkehr aus Dänemark suchte er das Gespräch mit [[Philipp Melanchthon]], der künftig die führende Rolle unter den sächsischen Theologen spielen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6927 MBW Nr. 6927.1] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6928 6928.4]. [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]], der bis dahin die kursächsische Religionspolitik geprägt hatte, war schwer erkrankt und starb kurz darauf.&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Camerarius änderte sich einiges dadurch, dass er sich theologisch stärker exponierte: Mit der Herausgabe der [[Erwähntes Werk::Camerarius, Querela Martini Luteri (Werk), 1554|Querela Martini Luteri]] geriet er nun ins Visier von Kontroverstheologen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 20.-29.5.1554 nahm Camerarius am Naumburger Konvent teil, zusammen mit Theologen aus Kursachsen, Hessen und Straßburg, wie Melanchthon, [[Alexander Alesius]], [[Johann Forster]], [[Erwähnte Person::Adam Krafft]] und anderen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 7184-7195 und [https://thbw.hadw-bw.de/sache/Naumburger%20Konvent%20(1554) Theologenbriefwechsel, Naumburger Konvent] sowie [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10298/4, 56r-62v. Vgl. [[Siegmund-Schultze 2005]], S. 298f. Siegmund-Schultze kennt nur die Marburger, aber nicht die Dresdner Fassung des Abschlussdokuments, bei dem Camerarius und Alesius unter den Unterzeichnenden zu finden sind. Insofern geht er fälschlich davon aus, dass beide nicht dabei waren. Tatsächlich könnte die Unterschrift des Alesius (&#039;&#039;Ego Alexander Alesius D legi, et probo&#039;&#039;) nachträglich beigefügt sein. Camerarius unterzeichnet im Dresdner Dokument als Letzter mit Hinweis auf seine Teilnahme (&#039;&#039;Ego Ioachi. Camerar. huic actioni interfui &amp;amp; his ...&#039;&#039;). Er war also dabei und schreibt in der [[Camerarius, Vita Philippi Melanchthonis, 1566|&amp;quot;Vita Melanchthonis&amp;quot;]] (Bl. Z3v), dass Alesius anwesend gewesen sei. Unterzeichner des Dresdner Dokuments sind, neben den Genannten, auch [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Valentin Paceus]], [[Erwähnte Person::Heinrich Salmuth]], [[Erwähnte Person::Andreas Hyperius]], [[Erwähnte Person::Caspar Kauffunger|Caspar Lanius]] und [[Erwähnte Person::Johannes Sleidanus]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ziel des Treffens war das Finden einer gemeinsamen Linie für den Augsburger Reichstag 1555,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7147 MBW Nr. 7147].&amp;lt;/ref&amp;gt; auf dem der Augsburger Religionsfrieden verabschiedet wurde. Inhalte des Naumburger Konvents waren das Verwerfen der osiandrischen und schwenckfeldischen Lehre, des Interims und des Papsttums sowie die Behandlung von Zeremonien, Beichte, Konsistorien, Kirchenstrafen und kirchlicher Autorität. Das Treffen scheiterte letztendlich am Ausbleiben der württembergischen Vertreter. Im Abschlussdokument werden einige Positionen erkennbar, die Camerarius mitgetragen hat. Deutlich wird die Ablehnung der schwenckfeldischen Lehre, während Osianders Lehre differenziert betrachtet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Dies tut C. auch im [[OC 1036|Gutachten von 1559]], wobei er die osiandrischen Positionen zwar nicht teilt, aber toleriert.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn auch der Schulterschluss der Theologen in Naumburg nicht glückte, so war doch ein Treffen politischer Vertreter am selben Ort von Erfolg gekrönt, indem schon im Februar 1554 (zumindest vorübergehend) ein Ausgleich zwischen albertinischen und ernestinischen Interessen geschaffen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 2004]], S. 43f. Text des Abschlussvertrages bei [https://books.google.de/books?id=RR1YAAAAcAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ViewAPI&amp;amp;redir_esc=y Glafey, Adam Friedrich: Kern der Geschichte des Hohen Chur- und Fürstlichen Hauses zu Sachsen. Frankfurt/Leipzig 1721, S. 236-263]. Der Vertrag klärte territoriale und finanzielle Fragen, bestätigte die Wittenberger Kapitulation vom 19.5.1547 und regelte das künftige Zusammenleben beider Linien des Wettinischen Gesamthauses, mit deutlichem Übergewicht der Albertiner. Das enthaltene &amp;quot;Ruhegebot&amp;quot; für theologische Streitigkeiten hatte kaum Konsequenzen. Zur Vorgeschichte vgl. [[Wartenberg 2006a]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius wurde weiterhin mit der Visitation der Fürstenschulen betraut;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Meyer 1897]]: Bis 1570 war er fast jährlich an den Visitationsreisen beteiligt.&amp;lt;/ref&amp;gt; für die Kirchenvisitation wurden nur die Wittenberger Theologen sowie aus Leipzig Superintendent Pfeffinger herangezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Jadatz 2007]], S. 184.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reichstag 1555 brachte mit dem „Augsburger Religionsfrieden“ eine entscheidende Zäsur in der Reichs- und Religionspolitik des 16. Jahrhunderts mit sich. Die sächsischen Kurfürsten (Moritz und August) und deren Räte legten hierfür wichtige Grundlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wartenberg 2006c]], S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; Während des Reichstags war Camerarius (zumindest im Juni 1555) in Augsburg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0680]] und [[Erwähntes Werk::OCEp 0909]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob er an den Verhandlungen teilnahm, ist unklar. So bittet er [[Briefpartner::Hieronymus Wolf]] in [[Erwähntes Werk::OCEp 0820|einem Brief vom 5.11.1554]] vorsorglich um Berichte. Wolf schreibt ihm aber (am 29.9.1555) nichts darüber, mit Verweis auf die sächsischen Gesandten, die das berichten würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Zäh 2013]] Nr. 95 = [[Erwähntes Werk::OCEp 2540]]. Dazu auch [[Bruning 2003]], S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im September 1555 war C. Teil der kursächsischen Gesandtschaft in [[Erwähnter Ort::Nürnberg]] zur Beilegung des Osiandrischen Streits.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Wendorf 1957]], S. 77f.: Verhandlungen in Nürnberg 26.-30.9.; kurfürstliches Schreiben vom 27.8. vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7568 MBW 7568]; zwei Konzepte des Schreibens an Melanchthon, C. und [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Valentin Paceus]]: [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10298/04 Religionssachen 1554-1558, f. 94r-95v sowie f. 96r-97v. Nähere Informationen zur Reise unter [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7591 MBW 7591] m. Anm.; siehe auch [[Siegmund-Schultze 2005]], S. 304-307.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch hier waren Melanchthon und Alesius zugegen. Wendorf zeigt anhand dieser Reise sowie des Naumburger Konvents auf, dass die Meinung des Camerarius für Melanchthon sehr wichtig war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Wendorf 1957]], S. 78.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius nahm 1556 am [[Regensburg]]er Reichstag teil.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0688]] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8008 MBW Nr. 8008] (28.10.1556): Dort wird berichtet, dass C. mit [[Franz Kram]] in Regensburg war.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dagegen war eine Teilnahme am (ergebnislosen) Religionsgespräch in Worms 1557 nicht geplant. Da jedoch Melanchthons Frau [[Erwähnte Person::Katharina Melanchthon]] am 11.10. starb, reiste C. persönlich nach [[Erwähnter Ort::Worms]], um dem Freund die Nachricht zu überbringen und ihn zu trösten. Er fand ihn schließlich Ende Oktober in [[Erwähnter Ort::Heidelberg]], wohin dieser in einer längeren Verhandlungspause&amp;lt;ref&amp;gt;Vom 17.10. bis 19.11. waren die Sitzungen unterbrochen: Vgl. [[Bundschuh 1988]], S. 583.&amp;lt;/ref&amp;gt; gereist war und Kurfürst [[Ottheinrich (Pfalz)|Ottheinrich]] bei der Reform der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Heidelberg)|Universität]] beriet, während die Wormser Verhandlungen stagnierten.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu C.&#039; Reise vgl. [[Werner 2010]], S. 255; [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8394 MBW Nr. 8394], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8409 8409], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8412 8412], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8427 8427]. Vgl. zusammenfassend [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 28f. Zu Vorgeschichte und Ablauf des Religionsgesprächs vgl. [[Bundschuh 1988]] passim.&amp;lt;/ref&amp;gt; C. scheint noch vor der (letztlich erfolglosen) Wiederaufnahme der Verhandlungen zurückgereist zu sein. Den Reiseweg hat er in einem [[Erwähntes Werk::OCEp 1521|Reisegedicht]] nachgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sommersemester 1558 war C. Rektor der Universität Leipzig.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. handschriftliche &#039;&#039;Acta rectorum&#039;&#039; ([[Leipzig, UA]], Bestand rektor, Rep. B 007, Liber Actorum Academiae Lipsiae MDLVIII &amp;quot;Handell-Buch&amp;quot; M) 1558-1579, Bl. 4r-17r; [[Zarncke 1859]], S. 475-482.&amp;lt;/ref&amp;gt; Fast gleichzeitig mit seinem Amtsantritt wurden die neuen Statuten der Artistenfakultät durch den Kurfürsten bestätigt, an deren Erstellung Camerarius maßgeblich beteiligt war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Zarncke 1861]], S. 516-544.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diese Zeit fallen auch die Neubesetzungen von vakanten Posten der theologischen Fakultät: Nach dem Tod [[Erwähnte Person::Wolfgang Schirmeister]]s 1555 waren nur Pfeffinger und Alesius als ordentliche Professoren verblieben. Mit der Berufung von [[Erwähnte Person::Andreas Knauer]] als Tertius und [[Erwähnte Person::Heinrich Salmuth]] als Quartus sowie [[Erwähnte Person::Peter Helborn]] als Hebräischlektor konnte dem Mangel wiederum abgeholfen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hein/Junghans 2009]], S. 306.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass C. 1559 (ohne offizielles Mandat) am Reichstag in Augsburg teilgenommen hat, ist wahrscheinlich.&amp;lt;ref&amp;gt;Die entsprechende Angabe im Brief an Baumgartner [[Erwähntes Werk::OCEp 0699|vom 28.7.1559]] wird durch einen Brief von Georg Cracow an Petrus Lotichius Secundus vom 13.8. [https://www.aerztebriefe.de/id/00035311] bestätigt, während die Melanchthon-Briefe [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=9011 MBW Nr. 9011] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8986 8986] nicht zwingend dagegen sprechen. Auch [[Erwähntes Werk::OCEp 1155|ein Brief an Crato (8.9.1559)]] belegt C.&#039; zweimonatige Abwesenheit von Leipzig.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Jahr 1559 soll C. auch in Kirchenangelegenheiten in [[Göppingen]] bei Herzog [[Christoph (Württemberg)]] gewesen sein,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 44. In der handschriftlichen Biographie (Joachim Camerarius II. mit Notizen von Philipp Camerarius: Handschriftlicher Abriß vom Leben ihres Vaters. [[München, BSB]]: clm 10376, Nr. 8, Bl. 13/21v) ist davon nichts erwähnt, statt dessen jedoch eine Reise nach [[Tübingen]] im Jahr 1560, wo der Herzog C. zur Rückkehr an die dortige Universität bewegen wollte.&amp;lt;/ref&amp;gt; was jedoch noch mit dem Itinerar in Einklang gebracht werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Vinzenz Gottlieb)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====1560 bis 1574====&lt;br /&gt;
Mit Melanchthons Tod am 19.4.1560 war eine wichtige theologische Autorität des kursächsischen Protestantismus weggefallen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu seinem Sterben vgl. handschriftliche &#039;&#039;Acta rectorum&#039;&#039; ([[Erwähnte Körperschaft::Leipzig, UA]], Bestand rektor, Rep. B 007, Liber Actorum Academiae Lipsiae MDLVIII &amp;quot;Handell-Buch&amp;quot; M) 1558-79, Bl. 52r: Überlegungen der Universität Leipzig. Vgl. auch den ausführlichen Bericht bei [[Müller 1910]] sowie neuerdings [[Rhein 2024]], S. 124f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter seinen Mitstreitern, will man sie nun Philippisten, Kryptocalvinisten, Humanisten oder anders nennen, zeichnet sich kein Nachfolger mit ähnlicher Autorität ab. Mehrere Personen füllten in Wittenberg die Lücke aus. Das erweist sich auch an Melanchthons Lehrveranstaltungen, die auf mehrere Schultern verteilt wurden. Camerarius wurde die Auslegung des griechischen [[Erwähnte Person::Jesus Sirach]] angeboten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Verlautbarung von Vizerektor [[Erwähnte Person::Georg Maior]] und Professoren vom 23.4.1560, in: [[Universität Wittenberg, Scripta publice proposita, 1561]], Bl. Q6r-R3v, besonders Q8r-R1v. Es scheint aber, dass Camerarius dieses Lehrangebot abgelehnt hat, denn Georg Maior übernahm die Veranstaltung (vgl. [[Ludwig 2009]], S. 73f.; [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10542/20, Des Hern Philippi Melanthonis seligen (...), f. 21r). Die anderen Lehrveranstaltungen übertrug man [[Erwähnte Person::Veit Winsheim]], [[Erwähnte Person::Paul Eber]], Petrus Vincentius, [[Erwähnte Person::Sebastianus Theodoricus]], Paul Crell und [[Erwähnte Person::Johann Major]]. Der Melanchthon-Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] wurde gebeten, die Ausarbeitung zu Carions &amp;quot;Chronicon&amp;quot; zu übernehmen. Er gewann in den nächsten Jahren erheblichen Einfluss in Wittenberg, gerade durch seine engen Beziehungen zum Kurfürsten [[August (Sachsen)]]. Vgl. dazu [[Bruning 2004]] und Kolb, Robert: Memoria Melanchthoniana 1560. The Public Presentation of Philip Melanchthon at his Death. In: Irene Dingel (Hrsg.): Memoria – theologische Synthese – Autoritätenkonflikt. Die Rezeption Luthers und Melanchthons in der Schülergeneration. Tübingen 2016, S. 89-102. Die Leipziger Theologische Fakultät jener Jahre ist noch unzureichend erforscht. Man beachte den Brief [[Jakob Andreae]]s, in dem er Camerarius nach dessen Tod als Haupt der Leipziger Calvinisten (!) bezeichnet: Brief von Andreae an Selnecker vom 23.5.1574, [https://thbw.hadw-bw.de/brief/20922 Brief-ID 20922], in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Zugriff am 16.2.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Über Nachfolgestreitigkeiten ist allerdings wenig bekannt: Die großen Konfliktlinien bestehen weiterhin eher gegenüber dem orthodoxen Luthertum. Die Fülle theologischer Schriften, die Camerarius in seinen letzten anderthalb Lebensjahrzehnten verfasste, könnte nun vermuten lassen, dass er den Freund beerben wollte.&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Woitkowitz 2003]], S. 44.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierfür gibt es aber nur wenige Hinweise.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei der Neubesetzung von Melanchthons Professur wurde Camerarius um Rat gefragt: Vgl. [[Ludwig 2009]], S. 73, und auch in religionspolitischen Angelegenheiten wurde er noch gelegentlich herangezogen.&amp;lt;/ref&amp;gt; So ist er kaum an Kontroversschriften beteiligt und tut wenig zur Weiterentwicklung der Theologie. Er blickt eher zurück in die Geschichte und sucht nach historischen Grundlagen der christlichen Lehre. Dazu gehören etwa seine Ausführungen über das [[Erwähntes Werk::OC 0762|Leben Jesu]] und der [[Erwähntes Werk::OC 0761|Apostel]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Eskalation des innerprotestantischen Konflikts beim [[Wormser Religionsgespräch (1557)]] hatten sich die Spannungen zwischen Philippisten und Gnesiolutheranern noch verstärkt. Dazu trug auch die Berufung des Kontroverstheologen [[Erwähnte Person::Matthias Flacius]] nach Jena bei. Die dort ansässigen ernestinischen Theologen versuchten sich als wahre Nachfolger Luthers zu inszenieren, zu Lasten der Wittenberger (und Leipziger) Theologen. So traf der evangelische Einigungsversuch durch den Frankfurter Rezess 1558 auf energischen Widerstand aus [[Weimar]] und [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Jena)|Jena]]. Neben dem [[Weimarer Konfutationsbuch 1559|Weimarer Konfutationsbuch]] ist auch die Entlassung von [[Erwähnte Person::Victorinus Strigel]] und Andreas Hügel in Jena Ausdruck dieses Zwiespalts. Mit der Absetzung des Flacius 1561 und Strigels Wiedereinsetzung 1562 begann eine Entspannungspolitik, die bis 1567 andauerte. Hieran war der Wittenberger Professor [[Erwähnte Person::Paul Eber]] entscheidend beteiligt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gehrt 2006]], [[Gehrt 2011]] und [[Gehrt 2014]], S. 111-117.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 1564 wird C. als Ehrengast nach [[Jena]] eingeladen, um an der von [[Erwähnte Person::Paul Eber]] geleiteten theologischen Doktorpromotion [[Erwähnte Person::Johann Stössel]]s teilzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gehrt 2014]], S. 109f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zeigt das hohe Ansehen, das er damals in den sächsischen Landen genoss. Ob er schon an diesem Termin in Jena war, ist nicht ganz sicher (wegen der Datierung von [[Erwähntes Werk::OCEp 0748]]), doch war er am 15.7. zur feierlichen Ernennung der Magistri anwesend. Er lieferte bei dieser Gelegenheit auch die Antwort auf eine Frage Ebers zu Xenophon ([[Erwähntes Werk::OC 0748]]), wobei er ungewöhnlich deutliche Seitenhiebe gegen die Schmäher Melanchthons austeilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Camerarius zu Lebzeiten, auch auf internationalem Parkett, wird verdeutlicht durch eine wenig bekannte Episode: Der päpstliche Nuntius Zaccaria Delfino plante im Jahr 1564, über Gespräche mit Camerarius und mit dem [[Erwähnte Person::Joachim II. (Brandenburg)|Kurfürsten von Brandenburg]] die Protestanten zurück zur römischen Kirche zu führen. Vorausgegangen waren Verhandlungen mit dem sächsischen Kanzler [[Erwähnte Person::Ulrich von Mordeisen]] im August 1564 in [[Erwähnter Ort::Wien]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Steinherz 1914]], S. 187f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Kontext fallen über C. die Aussagen &#039;&#039;che è il manco rigido Luterano di Saxonia&#039;&#039; und &#039;&#039;[Camerario] in rebus religionis hoggidi può tutto col suo elettore&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Steinherz 1914]], S. 195.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tatsächlich hat Delfino seine Reise nach Leipzig nie angetreten, sondern seinen Auditor Dr. Antonius Cauchius damit beauftragt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Steinherz 1914]], S. 194-198, 203-204, 274-275, 278; Anhang zu [[Schelhorn 1740]], S. 61 und 89.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Verhandlungen standen aber unter keinem guten Stern: Wegen der Gefangennahme seines Sohns [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] und seiner Reisegefährten durch die [[Inquisition]] in [[Erwähnter Ort::Rom]] war Camerarius empört und nicht zum Nachgeben bereit. So habe er gesagt: &#039;&#039;Wenn die Papisten noch weiter so grausam gegen Unschuldige und Fremde vorgehen sollten, so könne es leicht geschehen, daß ihnen gleiches mit gleichem vergolten werde.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Zit. in [[Steinherz 1914]], S. 444; vgl. ebda. S. 423 und 444-445.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Überfall durch Handlanger [[Erwähnte Person::Wilhelm von Grumbach|Wilhelms von Grumbach]] auf Cauchius, bei dem dieser alle Briefschaften verlor, tat sein übriges, die Verhandlungen scheitern zu lassen, zumal die Hintergründe bis 1567 unklar blieben und ein religiös-politisches Motiv vermutet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Bericht des Philipp Camerarius über die Ereignisse ist abgedruckt in der „Relatio vera et solida de captivitate Romana ... Philippi Camerarii et Petri Rieteri“ (Anhang zu [[Schelhorn 1740]]), S. 57-61. Philipp deutet diesen Vorfall als Anlass für seine Freilassung. Der wahre Zweck des Besuchs von Cauchius bei Joachim Camerarius I. wird dort aber nicht genannt, sondern ergibt sich erst aus den bei Steinherz veröffentlichten Nuntiaturberichten.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem im selben Jahr 1565 sowohl Mordeisen in Sachsen als auch Delfino bei der Kurie in Ungnade fielen und ihre Posten verloren,&amp;lt;ref&amp;gt;Mordeisens Entlassung erfolgte im Mai wegen des gescheiterten dänisch-habsburgischen Heiratsprojekts: Vgl. [[Steinherz 1914]], S. 241, 388.&amp;lt;/ref&amp;gt; scheinen die Unionspläne, sofern sie überhaupt ernsthaft erwogen worden waren, vollends beigelegt worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inhaftierung seines Sohns aus Gründen des Glaubens, verbunden mit der Gefahr der Hinrichtung, hatte den Vater tief getroffen, wie in mehreren Briefen deutlich wird.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OCEp 0528]].1, [[Erwähntes Werk::OCEp 0726]], [[Erwähntes Werk::OCEp 1179]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie belastbar sein politisches Netzwerk war: Unmittelbar nach der Verhaftung setzte ein reger Austausch von Briefen ein, die um Freilassung der Inhaftierten baten. Neben Gelehrten und fürstlichen Räten verwendeten sich auch Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]], der katholische Herzog [[Erwähnte Person::Albrecht V. (Bayern)]] und sogar Kaiser [[Erwähnte Person::Maximilian II. (HRR)]] für die Gefangenen,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Koller 2023]], S. 346-347.&amp;lt;/ref&amp;gt; die nach zwei Monaten schließlich ihre Freiheit wiedererlangten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Grumbachschen Händel wurde 1567 der ernestinische Herzog [[Johann Friedrich II. (Sachsen)|Johann Friedrich der Mittlere]] bis ans Lebensende inhaftiert, woraufhin sein Bruder [[Johann Wilhelm (Sachsen-Weimar)]] die Regierungsgeschäfte im Herzogtum in die Hand nahm. Unter ihm wurde die Kluft zwischen beiden Sachsen auch theologisch vertieft, was durch das Scheitern des Altenburger Religionsgesprächs noch befördert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gehrt 2014]], S. 117-121.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von August bis Dezember 1568 war C. in [[Erwähnter Ort::Wien]] bei Kaiser [[Erwähnte Person::Maximilian II. (HRR)]] und nahm dementsprechend nicht am gleichzeitigen Altenburger Religionsgespräch teil. Diese [[Biographisches (Wienreise)|Reise]] war überschattet von körperlichen Gebrechen, die C. große Pein bereiteten, und von einem Gefühl der Vergeblichkeit, das er schon vor Fahrtantritt hatte und das sich letztendlich bewahrheiten sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu [[Otto 1889]], S. 30-32, [[Steinmann 2017]], [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 29. Vgl. auch das Schlagwort [[Biographisches (Wienreise)]] sowie die Akten in [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9936/53, mit eigenhändigem Bericht des Camerarius auf Bl. 4r-8v.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings konnte der Melanchthon-Schüler [[Erwähnte Person::David Chyträus]] nach einem Gespräch mit dem nach Leipzig zurückgekehrten Camerarius im Dezember 1568 (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1535]]) die Verhandlungen erfolgreich zu Ende bringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Briefwechsel-David Chyträus]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim &amp;quot;Consensus Dresdensis&amp;quot; 1571,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Mager 1999]], [[Hasse 2000]], S. 111-119 und [[Dingel 2008]], S. 794-822.&amp;lt;/ref&amp;gt; an dem alle sächsischen Theologieprofessoren, Superintendenten sowie Vertreter der Konsistorien mitgewirkt haben, finden sich keine Hinweise auf eine Mitwirkung des C. So kann man konstatieren, dass er keineswegs in alle theologischen Angelegenheiten Sachsens involviert war. Bei der Durchsicht der Akten der Theologischen Fakultät im [[Leipzig, UA|Universitätsarchiv Leipzig]] findet man seinen Namen nur sporadisch unter Gutachten und Briefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1573 führte mit dem Tod Herzog [[Erwähnte Person::Johann Wilhelm (Sachsen-Weimar)|Johann Wilhelms]] dazu, dass für dessen unmündige Erben offiziell ein Regentschaftsrat, tatsächlich aber Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] die Geschäfte in den ernestinischen Gebieten übernahm. Daraus resultierten zahlreiche Entlassungen [[Erwähnte Körperschaft::Gnesiolutheraner|gnesiolutheranischer]] Pfarrer sowie der Professoren [[Erwähnte Person::Tilemann Heshusen|Heshusius]] und [[Erwähnte Person::Johannes Wiegand]] in [[Jena]]. Deren Stellen wurden mit den [[Erwähnte Körperschaft::Philippisten]] [[Erwähnte Person::David Voit]] und [[Erwähnte Person::Balthasar Sartorius]] besetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Koch 2001]], S. 217-228.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ereignisse des Jahres 1574 stellen eine Zäsur in der religionspolitischen Entwicklung Kursachsens dar: Mit dem Sturz bedeutender Philippisten wie des führenden Rates [[Erwähnte Person::Georg Cracow]], des kurfürstlichen Leibarztes [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]], des Kanzlers [[Erwähnte Person::Hieronymus Kiesewetter]] und des Hofpredigers [[Erwähnte Person::Christian Schütz]] begann die Säuberung des Kurfürstentums von vermeintlichen (oder echten) Kryptocalvinisten.&amp;lt;ref&amp;gt;Die gründlichste Darstellung der Hintergründe und Zusammenhänge gibt [[Hasse 2000]], S. 69-136; zum Thema &amp;quot;Sturz des Philippismus im Jahr 1574 als Zensurfall&amp;quot; vgl. ebda. S. 137-182. Vgl. auch [[Roebel 2012]], [[Kluckhohn 1869]], [[Bruning 2004]], [[Hund 2006]], [[Wustmann 1905]], [[Calinich 1866]] sowie ganz besonders [[Zinck 1903]], S. 103-108.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits im Januar begannen Visitationen kursächsischer Räte an den Universitäten Wittenberg und Leipzig sowie an der Schule zu Pforta. Entsandt wurden die Räte Walter von Schönberg, Hans Löser, [[Erwähnte Person::Erich Volkmar von Berlepsch]], Hauboldt von Einsiedel, [[Erwähnte Person::Laurentius Lindemann]] und David Pfeifer.&amp;lt;ref&amp;gt;Instruktion der Visitatoren: [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10596/03, Bl. 1r-8v, ediert in [[Hasse 2000]], S. 397-401. Zur Visitationsreise vgl. [[Hasse 2000]], S. 154-163.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der unter Mitwirkung des Camerarius verfassten Antwort vom 10.2.1574&amp;lt;ref&amp;gt;[[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10596/03, Bl. 25r-29v.  Das Schreiben enthält keine Unterschriften. Jedoch ergeben sich die Mitwirkenden aus dem zusammenfassenden Bericht in den handschriftlichen &#039;&#039;Acta rectorum&#039;&#039; ([[Leipzig, UA]], Bestand rektor, Rep. B 007, Liber Actorum Academiae Lipsiae MDLVIII &amp;quot;Handell-Buch&amp;quot; M) 1558-1579, Bl. 383r/v: &#039;&#039;Commissum itaque fuit D.D. Theologis [[Erwähnte Person::Zacharias Schilter|Zachariae Schiltero]] Rectori academiae, [[Erwähnte Person::Heinrich Salmuth|Henrico Salmut]] Decano Theologici collegii p. [[Erwähnte Person::Wolfgang Harder|Wolfgango Hardero]] Pastori ad S. Nicolaum et [[Erwähnte Person::Andreas Freyhub|Andreae Freyhub]], et uni de consistorio Iurisconsulto D. Iohanni Reifschmieder et uni de professorum numero D. Ioachimo Camerario, ut responsi formulam conciperent.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; verweist die Universität auf den Dresdner Konsens von 1571, den sie mitgetragen hat und von dem sie nicht abweiche, sowie auf den Katechismus [[Martin Luther]]s und Melanchthons &amp;quot;Corpus Doctrinae&amp;quot;. Neben der Zusicherung des Gehorsams gibt sie aber auch zu bedenken, welche Auswirkungen die Zensur im Ausland haben könne (etwa die dortige Zensur sächsischer Bücher und die Stärkung des Papsttums). Am 12.2. wurde die Antwort den Räten übergeben. Sie ist nach aktuellem Kenntnisstand die letzte öffentlichkeitswirksame Tätigkeit des Camerarius vor seinem Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist, dass erst nach dem Tod des Irenikers Camerarius eine Einigung der lutherischen Christen durch Konkordienformel und Konkordienbuch zustande kam.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesen Einigungsbemühungen, die vor allem [[Erwähnte Person::Jakob Andreae]] entschieden prägte, vgl. [[Peters 2007]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Vinzenz Gottlieb)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zu theologischen Netzwerken===&lt;br /&gt;
Die Netzwerke des Camerarius umfassen unter anderem eine große Anzahl von Theologen. Mit vielen Reformatoren der ersten Stunde verband ihn ein einger Kontakt, bis auf seine Erfurter und Wittenberger Zeit zurückreichte. Obwohl viele von ihnen älter waren, konnte er sich durch seine hohe Bildung schnell Respekt erwerben und bald ein Verhältnis auf Augenhöhe erwirken. Verwiesen sei hier auf die Briefwechsel etwa mit [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)|Georg von Anhalt]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Briefwechsel-Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] und Leppin, Volker: Anknüpfung und Neuansatz: Fürst Georg III. auf dem Weg zur Reformation. In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde 17 (2008), Sonderband 500 Jahre Georg III. Fürst und Christ in Anhalt. Köthen 2008, S. 23-33.&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Philipp Melanchthon]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Melanchthon-Briefwechsel: [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online] sowie [[Rhein 2024]], S. 133-137.&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Veit Dietrich]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Klaus 1958]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Johannes Brenz]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[ThBW 1]], S. lxxii-lxxiv, lxxx, xcix, 16-18, 23-25, 70-72, 205-207. Zum Verhältnis von Brenz und C. vgl. Peters, Christian: Melanchthon und Brenz. Eine Freundschaft in Briefen. In: Johanna Loehr (Hrsg.), Dona Melanchthoniana. Festgabe für Heinz Scheible zum 70. Geburtstag. Stuttgart-Bad Cannstatt 2001, S. 277-311. Brenz und Camerarius lernten sich wohl nicht vor 1529 kennen, vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=827 MBW Nr. 827.3] vom 7.10.1529.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Erwähnte Person::David Chyträus]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Briefwechsel-David Chyträus]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gesonderte Betrachtung würden [[Erwähnte Person::Alexander Alesius]]&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Alesius vgl. [[Siegmund-Schultze 2005]], wo auch C. und Melanchthon gebührende Beachtung finden. Briefe des Alesius findet man u.a. in: [[München, BSB]], [http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111090-2 Clm 10358], fol. 139-141.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Erwähnte Person::Martin Luther]] verdienen. Letzterer muss einen ausgedehnten Briefwechsel mit Camerarius gepflegt haben, von dem jedoch nur noch wenige Zeugnisse existieren. So ist in den gedruckten Camerarius-Korrespondenzen nur der Brief an die Wittenberger Freunde ([[Erwähntes Werk::OCEp 1532]]) enthalten. Ferner schreibt [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius II.]] an seinen Sohn, dass zwischen Joachim und Luther viele Briefe ausgetauscht worden seien, von denen er (Ludwig) aber keinen mehr habe erlangen können.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Halm 1873]], S. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt; Drei Briefe finden sich in Briefeditionen zu Luther. Sie offenbaren ein durchaus persönliches Verhältnis zwischen beiden. So erhält C. durch Melanchthon eine Brille von Luther und war davon sehr angetan; C. sendet Südfrüchte an Luther; und Luther schickt C. ein Empfehlungsschreiben für seinen Neffen.&amp;lt;ref&amp;gt;WA Luther 1883, Bd. 16; S.138: WA 1980: 1524: III,395; 1530: V,307-308 (Nr. 1562 vom 6.5.) und S. 540f. (Nr. 1679 vom 6.8.); 1541: IX,423. Zur Brille vgl. → [[Medizin_(CamLex)#Fieber,_Haut-_und_Augenleiden]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Luther hielt hohe Stücke auf die Bildung des Camerarius. So ist der Ausspruch überliefert: &#039;&#039;Hodie plures vivunt, qui sunt eruditiores Erasmo: Noster Philippus, Joachimus et reliqui.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Mathesius, [https://archive.org/details/lutherstischred00krokgoog/page/92/mode/2up Die Tischreden von 1540, S. 92, Nr. 51].&amp;lt;/ref&amp;gt; In einer undatierten Tischrede äußert er sich auch: &#039;&#039;Were ich so beredt vnd reich von Worten/ als Erasmus/ Vnd were im Griechischen so gelert als Joachimus Camerarius/ Vnd im Ebreischen also erfahren/ wie Forschemius/ Vnd were auch noch juenger/ ey/ wie wollte ich arbeiten.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Colloquia oder Tischreden D. Mart: Luthers ... Auffs newe Corrigieret. Hrsg. v. Joannes Aurifaber: [http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB000106F600000000 VD 16 L 6749, Bl. 2r.]. [[Germann 1894]], S. 44, liest &#039;&#039;Forstemius&#039;&#039; und bezieht diese Nennung auf [[Erwähnte Person::Johann Forster]]. Ebenso Martin Keßler: Viele Stimmen in der Summe. Die anonyme Flugschrift ,Warhafftig ursach das der leib Christi nitt inn der creatur des brots aber [...] im [...] hertzen der glaubigen sei‘ (Worms 1529 und Augsburg 1536). In: Gudrun Litz, Susanne Schenk, Volker Leppin (Hgg.): Vielstimmige Reformation in den Jahren 1530 – 1548. Ulm 2018, S. 103-129, hier S. 120, der aber trotzdem die Schreibung &#039;&#039;Forschemius&#039;&#039; wählt. Bei diesem Namen kann man auch an Camerarius&#039; Leipziger Lehrer [[Erwähnte Person::Georg Helt]] denken, der wegen seiner Herkunft aus Forchheim oft als &#039;&#039;Forchemius&#039;&#039; bezeichnet wird. Für ihn sind jedoch bisher keine Hebräisch-Kenntnisse nachgewiesen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine persönliche Bekanntschaft mit Luther führt Camerarius noch lange nach dessen Tod als Argument gegen innerprotestantische Widersacher ins Feld, die diesen nicht persönlich gekannt und daher nicht verstanden hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 1038]], [[Luther, Ad theologos Norimbergenses epistola, 1572]], Bl. A8v.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf katholischer Seite sind die Korrespondenzen mit [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Briefwechsel-Erasmus von Rotterdam]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Erwähnte Person::Julius von Pflug]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Rhein 2024]], S. 135.&amp;lt;/ref&amp;gt;, [[Erwähnte Person::Moritz von Hutten]] und [[Erwähnte Person::Daniel Stiebar von Rabeneck]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Briefwechsel-Daniel Stiebar von Rabeneck]]. Vgl. [[Mayer 1952]] und [[Wendehorst 1989]], S. 316f.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu nennen. Bei reformierten Theologen wie [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze|Theodor Beza]] ist insbesondere eine gründliche Untersuchung der handschriftlichen Briefe erforderlich. Dass diese nicht zeitnah gedruckt wurden, liegt an der religionspolitischen Brisanz, die allein ihre Existenz mit sich bringt: Nach dem energischen Vorgehen des sächsischen Kurfürsten August gegen die &amp;quot;Kryptocalvinisten&amp;quot; im Jahr 1574 war es für Camerarius&#039; Söhne sicher nicht opportun, Briefwechsel mit Calvinisten oder auch nur mit Philippisten zu drucken.&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl die Camerarius-Söhne sich nicht mehr im Kurfürstentum aufhielten, war [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.]] als kurfürstlicher Leibarzt (von Haus aus) noch gelegentlich in Sachsen (Vgl. Camerarius II. an Kurfürst August vom 13.01.1585 http://www.aerztebriefe.de/id/00063632). Zu Beza bestand reger Briefkontakt, vgl. die Beza-Korrespondenz und Schlegelmilch 2024 (in Vorbereitung).&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn Briefwechsel des Camerarius mit solchen Briefpartnern überhaupt gedruckt wurden, so geschah dies entweder noch zu Camerarius&#039; Lebzeiten ([[Melanchthon, Epistolae ad Camerarium, 1569]]), allerdings ohne Angabe des Korrespondenzpartners (vgl. die meisten Briefe an [[Briefpartner::Georg Cracow]]) oder nach Augusts Tod: Da dessen Sohn und Nachfolger [[Christian I. (Sachsen)]] eine Religionspolitik betrieb, die gegenüber dem Calvinismus freundlicher gestimmt war, konnten in der von den Camerarius-Söhnen besorgten [[Camerarius, Epistolae familiares, 1595|Edition von 1595]] auch nicht-anonymisierte Briefwechsel mit [[Briefpartner::Georg Cracow]] und [[Briefpartner::Hubert Languet]] erscheinen. Ob Camerarius mit [[Erwähnte Person::Johannes Calvin]] selbst Briefkontakte hatte, ist unbekannt; allerdings ist ein persönliches Treffen 1540 in [[Straßburg]] auf Einladung des [[Erwähnte Person::Wolfgang Capito]] belegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch der unitarische Christ (und mutmaßliche Antitrinitarier) Lelio Sozzini stand mit Camerarius in Verbindung, teilweise über Melanchthon.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5863 MBW Nr. 5863.3], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6276 6276.4].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gar nicht untersucht wurden hier bisher die Beziehungen zu Matthäus Alber&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Brief von Alber an Herzog Christoph vom 19.6.1560: Brief-ID 17748, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/17748. Zugriff am 27.12.2024: Alber bezeichnet C. als &amp;quot;mein allt bekhandter freindt&amp;quot;; vgl. auch [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW Nr. 6175].&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Erwähnte Person::Jakob Andreae]]&amp;lt;ref&amp;gt;Ein eher schlechtes Verhältnis zeigt ein Brief von Andreae an Selnecker vom 21.12.1570, Brief-ID 19795, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/19795. Zugriff am 27.12.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu [[Erwähnte Person::Justus Menius]] sowie zu den Leipziger Theologen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das enge Verhältnis, das Camerarius zu den Theologischen Fakultäten der Universitäten Leipzig und Wittenberg sicherlich gepflegt hat, ist außerhalb des Melanchthon-Briefwechsels nur sporadisch nachweisbar. Weitere Zeugnisse davon sind etwa die beiden autographen Konzepte vom 15.5.1551, in denen Camerarius im Namen der Leipziger Theologischen Fakultät zur Doktorpromotion der Kandidaten Wolfgang Pfendtner, [[Nikolaus Zipser]], Georg Schnell und Johannes Mencel einlädt. Adressaten sind im ersten Fall [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]], im zweiten die Wittenberger Theologen [[Philipp Melanchthon]], [[Johannes Bugenhagen]],&amp;lt;ref&amp;gt;Einen kurzen Nachruf auf Bugenhagen verfasste Camerarius in seiner [[Erwähntes Werk::OC 0775|Vita Melanchthonis]], vgl. [[Werner 2010]], S. 257f.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Georg Maior]] und [[Johann Forster]] sowie Magister [[Paul Eber]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Leipzig, UA]], Theol. Fak. 011, f. 5r-v und 10r-v bzw. f. 4r-v und 11r-v. Siehe [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6082a MBW Nr. 6082a] mit Anmerkung sowie Hasse 1997, S. 55f und 64.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus haben zahlreiche aus den Hunderten von Studenten, die Camerarius an der Nürnberger Oberen Schule bzw. an den Philosophischen Fakultäten in Tübingen und Leipzig ausgebildet hat, später den Weg in die Theologie eingeschlagen. Bezeichnend ist hier auch  ein Briefwechsel der Wittenberger und Leipziger Theologen zum Tod des Leipziger Superintendenten [[Johann Pfeffinger]]: Darin werden die besten Wünsche für die Gesundheit des &#039;&#039;praeceptor communis Ioachimus Camerarius&#039;&#039; übermittelt, der sich im Antwortschreiben dafür bedankt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Leipzig, UA]], Theol. Fak. 011, f. 51 (Theologische Fakultät Wittenberg an Theologische Fakultät Leipzig, 7.1.1573), und das Antwortschreiben ebda. 010, f. 326r-327r (Theologische Fakultät Leipzig an Theologische Fakultät Wittenberg, 10.1.1573), worin die Leipziger die Wünsche auf [[Erwähnte Person::Georg Maior]] ausdehnen: &#039;&#039;(oremus Deum, ut) reverendos atque clarissimos viros Dominum D. Georgium Maiorem, et Dominum Ioachimum Camerarium, patres et praeceptores nostros cum observantia colendos, quorum vel umbra plurimum rebus afflictis et perturbatis prodesse posse videtur, diu: sicut et vestras reverendas dignitates: salvos et incolumes conservet: Domino Praeceptori Ioachimo pergrata fuit salutatio vestra et iussit vos omnes et singulos suis verbis a nobis officiose resalutari.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche der hier Beteiligten dürften bereits zu einer Generation gehören, die die zentralen Ereignisse der Reformation nicht mehr miterlebt hat, und dürften bereits zur Epoche der Konfessionalisierung zu zählen sein. Camerarius begleitete somit mehrere Theologengenerationen und unterrichtete, bildlich gesprochen, die Kinder und Enkel der Reformatoren.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Kinder der Reformatoren im engeren Sinne studierten allerdings eher in Wittenberg als in Leipzig. Vgl. Spehr, Christopher: Reformatorenkinder. Frühneuzeitliche Lebensaufbrüche im Schatten bedeutender Väter. In: Lutherjahrbuch, 77 (2010), S. 183-219.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(Vinzenz Gottlieb)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Theologische Schriften des Camerarius==&lt;br /&gt;
===Historische Theologie===&lt;br /&gt;
Joachim Camerarius war, wie er immer wieder betonte, kein (ausgebildeter) Theologe, sondern in erster Linie Philologe. Dementsprechend ist auch seine Herangehensweise an biblische und religionshistorische Themen oft eher eine philologisch-humanistische denn eine theologische. Dies wird schon früh bei seiner 1536 gedruckten ↓ [[#Camerarius&#039; lateinische Theodoret-Übersetzung - Philologie, nicht Theologie (1536)|&#039;&#039;&#039;Übersetzung von Theodorets Kirchengeschichte&#039;&#039;&#039;]] deutlich, die sich klar als philologisches Werk versteht und vor allem als historische Quelle dienen will, mit deren Hilfe gegenwärtige Missstände erkannt und &#039;geheilt&#039; werden sollen. Tatsächlich ist die historische Theologie ein Bereich, der es Camerarius ermöglicht, seine besonderen Kompetenzen als Philologe auf theologische Stoffe anzuwenden, ohne dabei die Grenzen zu einem Fachbereich zu überschreiten, der nicht der seine ist. So befassen sich auch seine ↓ [[#Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)|&#039;&#039;&#039;Biographien Jesu und der Apostel&#039;&#039;&#039;]] nicht mit theologischen, sondern mit historischen und philologischen Inhalten: Camerarius&#039; Ziel ist es nicht, selbst die christliche Lehre zu erklären, sondern sein Wissen über die antike Geschichte und Literatur einzusetzen, um das Verständnis dieser Lehre zu fördern; Camerarius möchte nicht selbst deuten, sondern er möchte mittels seiner philologischen Fähigkeiten anderen Gelehrten mit entsprechender theologischer Kompetenz die sachlichen Grundlagen liefern, die diese wiederum für die Deutung der Heiligen Schrift benötigen. Die Geschichtsschreibung und historische Biographistik ist nur eines der Mittel, derer er sich dazu bedient.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Biographien Jesu und der Apostel waren dabei ein langfristiges Projekt, an dem Camerarius seit dem Ende des Schmalkaldischen Krieges arbeitete; bis zur Publikation im Jahr 1566 sollten noch zwanzig Jahre vergehen, in denen er sich intensiv mit den historischen Hintergründen des frühen Christentums beschäftigte. Diese Forschungen kulminierten 1561 in der Publikation seiner als historisches Handbuch gedachten ↓ [[#Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)|&#039;&#039;&#039;lateinischen Übersetzung von Nikephoros&#039; &amp;quot;Chronologia&amp;quot;&#039;&#039;&#039;]]. In der Zwischenzeit erschien außerdem aus aktuellem Anlass zum Konzil von Trient in Erstauflage 1552 und in zweiter, erweiterter Auflage dann 1561 zusammen mit der &amp;quot;Chronologia&amp;quot; ein ↓ [[#Altes aktualisiert - Konziliengeschichte (1552)|&#039;&#039;&#039;Band zum Konzil vom Nicäa und den anderen ökumenischen Konzilien&#039;&#039;&#039;]]. Hier zeigt sich - wie bereits bei der frühen Theodoret-Übersetzung - Camerarius&#039; Bestreben, antikes Wissen zu aktualisieren und für die Gegenwart nutzbar zu machen; bei der Arbeit zu Nikephoros ebenso wie in der Konziliengeschichte und in den Biographien ist es besonders die Chronologie, die Camerarius&#039; Interesse auf sich zieht.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ganz der Gegenwart und der Zeitgeschichte wandte sich Camerarius schließlich gegen Ende seines Lebens zu: So führten wiederholte Kontakte zu den Böhmischen Brüdern, einer aus den Hussiten des 15. Jahrhunderts hervorgegangenen Bewegung, zu einer eingehenderen Beschäftigung mit deren Geschichte und Lehre. Aus konkretem Anlass entstand so der Entwurf zu einer ↓ [[#Zeitgeschichte - Camerarius&#039; Geschichte der Böhmischen Brüder (1605)|&#039;&#039;&#039;Geschichte der Böhmischen Brüder&#039;&#039;&#039;]], die erst posthum im Druck erschien und starke apologetische Züge trägt. Auch bei diesem Werk scheint jedoch Camerarius&#039; klassische Bildung offensichtlich durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Camerarius&#039; lateinische Theodoret-Übersetzung - Philologie, nicht Theologie (1536)====&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; primär philologische Ausrichtung zeigt sich schon früh bei seiner Übersetzung des Kirchenhistorikers [[Erwähnte Person::Theodoret]]. Glaubt man Camerarius&#039; [[Erwähntes Werk::OCEp 1468|Widmungsbrief]] an [[Erwähnte Person::Justus Jonas]], war es wie auch in anderen Fällen seine schlechte Gesundheit, die den Anstoß zu seiner Beschäftigung mit Theodoret gab:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1468]]. Wenn Camerarius krank im Bett lag, pflegte er zu lesen; die daraus resultierende intensive Beschäftigung mit einem Stoff äußerte sich in der Folge immer wieder in literarischer Produktivität. Vgl. hierzu → [[Medizin (CamLex)#Krankheit als Impulsgeber|&#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039;]]. So führte eine Krankheit 1538 letztlich zur Abfassung und Publikation mehrerer hippologischer Schriften (→ [[Naturkunde (CamLex)#Die hippologischen Schriften – Camerarius&#039; Steckenpferd?|&#039;&#039;&#039;Naturkunde&#039;&#039;&#039;]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1535&amp;lt;ref&amp;gt;Der Brief ist ohne Jahresangabe auf den 13. August datiert. Die Übersetzung entstand laut dem Brief in demselben Sommer. Der Druck erschien laut Titelblatt 1536. Philipp Melanchthon bedankt sich schon im Februar 1536 für Camerarius&#039; bereits erfolgte Übersetzungsarbeit und freut sich über dessen Vorhaben, sie Justus Jonas zu widmen (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 1694), der Druck liegt ihm aber offenbar noch nicht vor. Als Entstehungsjahr der Übersetzung und damit auch des Widmungsbriefes ergibt sich somit 1535; dies deckt sich auch mit dem Absendeort Nürnberg (vgl. [[Itinerar]]). (Eine noch frühere Datierung des Briefes erscheint dagegen aufgrund des dann sehr großen Abstandes zum Druck unplausibel.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
habe er wieder einmal krank zu Bett gelegen, vermutlich aufgrund seines langjährigen offenen Geschwürs am Fuß, das ihn zu dieser Zeit stark beeinträchtigte (→ [[Medizin (CamLex)#Malum pedis inveteratum – Ein hartnäckiges Geschwür|&#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039;]]); bei dieser Gelegenheit habe er in einem Buch gelesen, das sowohl eine griechische Edition von Theodorets Kirchengeschichte als auch Teile einer lateinischen Übersetzung derselben durch [[Erwähnte Person::Epiphanius Scholasticus]] enthalten habe (es muss sich um das [[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535|Kompendium zur Kirchengeschichte]] handeln, das [[Erwähnte Person::Beatus Rhenanus]] soeben 1535 in Basel herausgegeben hatte&amp;lt;ref&amp;gt;1535 erschien in Basel, Léon Parmentier zufolge auf Basis des &#039;&#039;Codex Basilensis A III 18&#039;&#039;, die &#039;&#039;Editio princeps&#039;&#039; von Theodorets Kirchengeschichte; der Codex wurde selbst für den Druck benutzt und dazu die Blattbindung gelöst (vgl. [[Parmentier 1911]], X und LXVI). Die Edition selbst wurde schon 1535 ohne eigenes Vorwort in Rhenanus&#039; Kompendium eingebunden, das außerdem Fragmente von Epiphanius&#039; Übersetzung als Teile der &amp;quot;Historia Tripartita&amp;quot; enthielt; Parmentier sind jedoch auch Exemplare bekannt, in denen sie mit Camerarius&#039; Übersetzung zusammengebunden ist, die immerhin bereits ein Jahr später ebenfalls in Basel erschien (vgl. ebd., LXVI).&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
Auf das Drängen von Freunden, die bei ihn während der Krankheit besuchten, darunter [[Erwähnte Person::Johann Mylius]], habe er mit der Übersetzung des Werks ins Lateinische begonnen: Die Version des Epiphanius, dem Camerarius &#039;&#039;barbaries&#039;&#039;, &#039;&#039;inscitia&#039;&#039; und &#039;&#039;somnolentia&#039;&#039; zuschreibt (Bl. α2r), habe sowohl Mylius als auch er selbst als völlig nutzlos erkannt, da Epiphanius vermutlich bereits eine spätere Sprachstufe des Griechischen gebrauchte und daher mit der älteren Form Theodorets weniger vertraut gewesen sei als Camerarius, der das Griechische von den besten (d.h. von den klassischen) Autoren und dem hervorragenden [[Erwähnte Person::Georg Helt]] gelernt habe. Camerarius habe sich beim Lesen gar die Frage gestellt, wie es sein könne, dass einem Griechen nicht nur die lateinische, sondern gar seine eigene Sprache so fremd sei!&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1468]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], Bl. A2r/v. Was Camerarius meint, wenn er Epiphanius&#039; Kenntnis des Griechischen so kritisiert, verdeutlicht wohl bereits einer der ersten Ausschnitte aus Theodoret, den Epiphanius übersetzt hat. Im griechischen Text heißt es hier: Ἤκουσεν γὰρ τοῦ θείου νόμου βοῶντος· ἐὰν ... ([[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], Bl. αa2v). Theodoret verwendet also klassisch griechisch das Verb ἀκούειν mit folgendem Genitiv und Partizip. Epiphanius übersetzt hier jedoch: &#039;&#039;Audiverat enim clamante divina lege: Si ...&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 283). Die Partizipialkonstruktion im Genitiv deutet er also nicht als Objekt des Verbs ἀκούειν, das lateinisch als Akkusativobjekt zu &#039;&#039;audire&#039;&#039; wiederzugeben wäre, sondern als Genitivus absolutus, den er dann folgerichtig als Ablativus absolutus ins Lateinische überträgt. Camerarius übersetzt korrekt: &#039;&#039;Audierat enim divinam legem clamantem: Si...&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 4).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur wenige Zeilen später heißt es im Griechischen: [Βιτάλιος] καἰ τὴν ἐν τῇ παλαιᾷ καταλυθεῖσαν ὑπὸ τῶν τυράννων, ᾠκοδόμησεν ἐκκλησίαν ([[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], Bl. αa2v). Epiphanius bietet hierfür: &#039;&#039;[Vitalius] etiam antiquam ex multis temporibus destructam a tyrannis aedificavit ecclesiam&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 283), Camerarius dagegen: &#039;&#039;Vitalius ... extruxit in antiqua urbe dirutam a tyrannis ecclesiam&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 4). Während Camerarius also ἐν τῇ παλαιᾷ korrekt als Ortsangabe (&amp;quot;in der Altstadt&amp;quot;) versteht, übersetzt Epiphanius als hätte er stattdessen bloßes παλαιάν vorliegen; was sich leicht durch eine alternative Textgestalt erklären lässt (vgl. die Anmerkungen bei [[Parmentier 1911]], S. 7), mag auf Camerarius als Fehler gewirkt haben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es handelt sich bei Camerarius&#039; Übersetzung offenbar um ein recht kurzfristiges Unterfangen: Da er sie als Produkt langer Sommertage (&#039;&#039;opella aestivalium dierum longarum&#039;&#039;, Bl. A3v) bezeichnet, ist anzunehmen, dass sie tatsächlich in den Sommermonaten des Jahres 1535 entstand, mutmaßlich noch vor Verfassen des Widmungsbriefes, der auf den 13. August datiert ist. Die Übersetzung wurde schließlich 1536 gedruckt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Neben dem lateinischen Text enthält sie an einzelnen Stellen Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge zur griechischen Textgestalt in Form von Marginalien. Camerarius&#039; Übertragung ist freier als die des Epiphanius; während letzterer sich stets bemüht, nah am griechischen Text zu bleiben und dafür häufig zu griechischen Fremdwörtern (&#039;&#039;scandalizare&#039;&#039; für σκανδαλίζειν, &#039;&#039;zelus&#039;&#039; für ζῆλος) und gräzisierender Syntax greift (&#039;&#039;Post quem Philogonius Pontificatum sumens ...&#039;&#039; für Φιλογόνιος δὲ μετὰ τοῦτον τὴν προεδρείαν λαβῶν),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 283f. für das Lateinische, ebd., Bl. αa2v für das Griechische.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
verwendet Camerarius lateinische Ausdrücke (&#039;&#039;offendiculo esse&#039;&#039;, &#039;&#039;fervor&#039;&#039;) und zielsprachenorientierte Syntax (&#039;&#039;quem excipiens Philogonius ...&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 4f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich korrigiert Camerarius auch Verständnisfehler des Epiphanius (so übersetzt Epiphanius Genitiv und Partizip nach ἀκούειν mit einer Kombination von &#039;&#039;audire&#039;&#039; und Ablativus absolutus, wohingegen Camerarius korrekt ein Genitivobjekt erkennt, s.o. Anm.) und arbeitet semantisch genauer (für &#039;&#039;&#039;παντοδαποῖς&#039;&#039;&#039; κοσμούμενος ἀγαθοῖς hat Epiphanius &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;omnibus&#039;&#039;&#039; bonis ornatus&#039;&#039;, Camerarius &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;multiplicibus&#039;&#039;&#039; bonis ornatus&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 284 für Epiphanius, ebd., Bl. αa2v für das Griechische, [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 5 für Camerarius.&amp;lt;/ref&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius bezeichnet seine Übersetzung ausdrücklich als philologische, nicht theologische Arbeit: Auf das Gebiet der Theologie habe er sich nicht begeben und er werde es auch nur unter Zwang tun. Jeder, nicht nur Theologen, sollten sich an seiner Arbeit erfreuen, gerade in einer Zeit, in der die von Theodoret beschriebenen Laster in allzu ähnlicher Form wieder aufträten; das Werk solle zu deren Heilung dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1468]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], Bl. A3r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außerdem betont er den Wert seiner Übersetzung als geschichtliche Quelle, da die bisherigen Übersetzungen und Parallelberichte die Ereignisse zeitlich durcheinandergebracht hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;In der Folge kritisiert Camerarius besonders Rufinus&#039; &amp;quot;Historia Ecclesiastica&amp;quot; sowie namentlich nicht genannte Theodoretübersetzer.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Eine Folge davon sei etwa, dass man allgemein annehme, der Häretiker Arius sei unter Kaiser Constantius gestorben; Theodoret schreibe aber klar und deutlich, dass sein Tod unter Kaiser [[Erwähnte Person::Konstantin der Große|Konstantin]] erfolgt sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0194]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 28 in Camerarius&#039; Übersetzung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Entsprechend sei entweder Theodoret unglaubwürdig oder Rufinus (von Aquileia) sowie die Übersetzer Theodorets, von denen die verbreitete Interpretation stammte, hätten ungenau gearbeitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Rufinus&#039; Version der Erzählung, in der Arius&#039; Tod in der Tat nach dem des Konstantin eingeordnet ist, vgl. [[Erwähntes Werk::Rhenanus, Autores historiae ecclesiasticae, 1535]], S. 229.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von Äußerungen zu theologischen Inhalten sieht Camerarius ab und nimmt hier als Übersetzer eine neutrale Position ein; dies wohl auch, um sich nicht angreifbar zu machen, falls mancher Theologe sich durch Theodorets Aussagen oder Camerarius&#039; Übersetzung derselben provoziert fühlen sollte. Auch die beiden Werbegedichte in drei griechischen und sieben lateinischen Distichen, die er im Anschluss an die Widmung dem Hauptwerk voranstellt, betonen vor allem den Quellenwert von Theodorets Werk, das die Geschichte von Gottes Volk erzähle:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0196]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], Bl. a1r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es behandle eine Zeit, für die sonst wenige Quellen existieren; auch wenn es seine Mängel habe, sei es daher dennoch von größtem Wert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0195]], [[Erwähntes Werk::Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], Bl. a1r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die eigentliche lateinische Übersetzung von Theodorets Kirchengeschichte begleiten darüber hinaus mehrere kleinere Werke mit erläuternden Inhalten; auch diese unterstreichen die Funktion des Bandes als Geschichtswerk, indem sie Verständnishilfen und Hintergrundinformationen liefern. Unter diesen finden sich Kurzbiographien der Kaiser von Konstantin bis Theodosius II., der Bischöfe und weiterer Theologen, kurze Erläuterungen zu den in der &amp;quot;Historia Ecclesiastica&amp;quot; erwähnten Häresien sowie zwei kurze Traktate zum Unterschied zwischen den lateinischen Begriffen &#039;&#039;substantia&#039;&#039; und &#039;&#039;essentia&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Streckenbeschreibung des [[Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536|Drucks von 1536]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; Übersetzung scheint recht beliebt gewesen zu sein. Philipp Melanchthon bedankt sich im Februar 1536 für die geleistete Arbeit und zeigt sich über die geplante Widmung an Justus Jonas erfreut.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 1694: &#039;&#039;De Theodorito verso gratiam tibi habeo. Est et illud mihi gratissimum, quod Ionae dedicas, sic enim intellexi tuas literas. Amo enim Ionam et candorem ac fidem ei tribuo. Scio eum et de tuo ingenio tuisque virtutibus honorifice sentire.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ebenso bestätigen die häufigen Neuauflagen die Beliebtheit des Textes: Während Beatus Rhenanus&#039; Band zur Kirchengeschichte in der Auflage von 1535 noch den griechischen Theodoret abdruckte und als einzige Übersetzungsversatzstücke die des Epiphanius Scholasticus aus der &amp;quot;Historia Tripartita&amp;quot; bot, enthalten die sieben zwischen 1539 und 1570 publizierten Neuauflagen zunächst beide Texte und später dann nur noch die vollständige Übersetzung des Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1539]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1544]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1549]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1554]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1557]], [[Eusebius, Ecclesiasticae historiae autores, 1562]] und [[Eusebius, Ecclesiastica historia, 1570]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Altes aktualisiert - Konziliengeschichte (1552)====&lt;br /&gt;
=====Nicäa und Trient - Das Werk im zeitlichen Kontext=====&lt;br /&gt;
Wie es schon bei Camerarius&#039; Theodoret-Übersetzung ein Anliegen war, mit antikem Wissen gegenwärtige Missstände zu beheben, so sollte auch sein dem katholischen Erzbischof von Riga [[Erwähnte Person::Wilhelm (Brandenburg-Ansbach-Kulmbach)|Wilhelm von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach]] gewidmetes [[Erwähntes Werk::OC 0573|Werk über das Konzil von Nicäa]] ein antikes Exemplum für eine gegenwärtige Problemstellung liefern; das Werk erschien im Vorlauf des Konzils von Trient wohl bereits Ende 1551, auch wenn der Druck 1552 als Druckjahr nennt.&amp;lt;ref&amp;gt;Für Erscheinungsdaten nach der Leipziger Herbstmesse ist das so üblich.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Angesichts des bevorstehenden Konzils habe Camerarius sich über dessen Ablauf und möglichen Ausgang Gedanken gemacht und beschlossen, einen antiken Präzedenzfall zu suchen, auf dessen Basis sich Folgerungen für das potentielle Ergebnis des aktuellen Konzils treffen ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Cogitanti mihi in his synodi Oecumenicae molitionibus, quae longo iam tempore sunt in manibus, quid aut ordine et recte futurum, aut de eventu sperandum esse videatur, venit in mentem ut exemplum aliquod requirerem similium consiliorum et actionum, de quo coniecturam facere, et quasi divinare possemus, quem exitum hae quoque res habiturae essent&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 3f.).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jedoch habe er feststellen müssen, dass solche religionspolitischen Bemühungen seit Anbeginn der christlichen Kirche allzu oft in großen Übeln für die Gesellschaft endeten; besonders verschärft habe sich dieses Problem, seitdem der geistliche Stand auch weltliche Macht erlangt habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 4f. Als Beispiel für das verderbliche Machtstreben des kirchlichen Standes führt Camerarius besonders das Abendländische Schisma an.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Daher habe er beschlossen, auf die vergleichende Vorhersage zu verzichten und den Ausgang der gegenwärtigen Bemühungen Gott zu überlassen; stattdessen wolle er aufzeigen, was in der Vergangenheit richtig gemacht wurde (&#039;&#039;quid rectiss[ime] et praeclariss[ime] factum esse iis temporibus videretur&#039;&#039;, S. 4). Das beste Beispiel lobenswerter und erfolgreicher Bemühungen um Klärung und Einigung sei aber das Konzil von Nicäa, in dem es ebenfalls um Uneinigkeiten im Dogma ging. Mit einer Beschreibung der damaligen Ereignisse hoffe er, die Leser - und wohl auch den katholischen Widmungsempfänger - zur Sorge um den rechten Glauben zu bewegen, da nur eine Neuausrichtung der Kirche &#039;&#039;in toto&#039;&#039; diese vor dem Untergang bewahren könne und die Nutznießer des Status quo zu allen erdenklichen Mitteln griffen, um diesen zu bewahren. Die um den wahren Glauben Bemühten müssten daher auf die richtigen Architekten der neuen Ordnung setzen und nicht auf diejenigen, denen die gegenwärtigen Zustände nützten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Richtschnur sollten dabei nicht Waffengewalt, sondern Recht und göttliche Wahrheit gelten. Der Weg zur Einigung, so Camerarius&#039; ganz persönlicher Ratschlag, führe über die Rückbesinnung auf die gemeinsamen, wohlbekannten religiösen Grundlagen und eine darauf aufbauende Reinigung von den Lastern; erst wenn diese Basis wieder vorhanden sei, solle man über tiefergehende Fragestellungen verhandeln. Dies sei freilich leichter gesagt als getan.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 22f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei äußert Camerarius einen Gedanken, der auch später für das programmatische Vorgehen in der ↓ [[#Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)|&#039;&#039;&#039;Jesus-Biographie&#039;&#039;&#039;]] wieder zentral werden wird: Menschliche Vernunft und Glaube seien einander unverträglich; wahre Frömmigkeit folge der offenbarten himmlischen Wahrheit, ohne diese zu hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 61: &#039;&#039;Verum ... religiosa pietas ... sequitur doctrinam coelestem, et huic fidem habet non scientiae humanae, sed piae fidei: Et quae divina sunt, ea neque callide cogitando, neque audacter pronuntiando profanare sustinet.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich betont Camerarius den Wert der Bildung in den &#039;&#039;artes&#039;&#039; zum Verständnis der christlichen Lehre, denn die Geschichte zeige, dass ein Bildungsdefizit eher zum Festhalten an Fehllehren als zu deren Beseitigung führe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am Beispiel der Bestimmung des Osterdatums, das nicht für den rechten Glauben an sich, sondern nur für die Festlegung der Zeremonien notwendig sei, zeigt Camerarius auf, dass es nicht zielführend sei, sich in nichtessentiellen Inhalten (&#039;&#039;de non necessariis rebus&#039;&#039;) dem Willen der Mehrheit zu widersetzen, und positioniert sich damit im Kontext des Adiaphoristischen Streits ([[#1547 bis 1553|&#039;&#039;&#039;s.o.&#039;&#039;&#039;]]) auf der Seite Melanchthons; dieses Ergebnis will er wohl auch als Devise für das kommende Konzil verstanden wissen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 129ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Werk schließt, nachdem es zuvor bereits in einem Einschub einen Vorausblick auf folgende Konzilien gegeben hatte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 86-90.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
mit einer konzisen Rückschau auf die innerchristlichen Streitigkeiten und ihre Lösungsversuche seit dem Apostelkonzil. Die ersten hundert Jahre der Kirche stellt Camerarius dabei als harmonische Blütezeit dar, in der die Kirche nicht danach strebte, Regeln und Richtlinien zu kumulieren, sondern wahren Glauben zu demonstrieren; diverse Häresien führten anschließend immer wieder zu Uneinigkeit. Auch das Konzil von Nicäa brachte keine dauerhafte Lösung aller Streitigkeiten, sodass weitere Synoden und Konzilien folgten. Mit dem Konzil von Konstantinopel des Jahres 360, das die Begriffe οὐσία und ὑπόστασις ganz vermied, nachdem sie immer wieder Anlass zu Konflikten gegeben hatten, endet die Zusammenschau. Nach diesem hätten Elend und Unheil (&#039;&#039;miseria et calamitas&#039;&#039;) den Erdkreis heimgesucht und der größte Teil der Welt sei Irrlehren (&#039;&#039;tenebrae impietatis et errorum&#039;&#039;), der Rest aber dem Aberglauben (&#039;&#039;superstitio&#039;&#039;) anheimgefallen. Von der jüngeren Vergangenheit und dem, was komme, wolle Camerarius schweigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 154ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Geschichte und Chronologie - Der Werkverbund=====&lt;br /&gt;
Die eigentliche Geschichte des Konzils von Nicäa wird in der Erstauflage von zwei kleineren Werken begleitet: Bei dem ersten davon handelt es sich um eine kurze [[Erwähntes Werk::OC 0571|tabellarische Chronologie]] wichtiger Ereignisse angefangen beim nicänischen Konzil bis zum Konzil von Trient; diese, so hoffe Camerarius, werde sich bei der Lektüre des Werks als nützlich erweisen. Der Tabelle vorangestellt ist eine knappe Vorbemerkung, in der sich Camerarius skeptisch bezüglich der Möglichkeit exakter Datierungen lange zurückliegender Ereignisse zeigt, da es oft an den notwendigen Quellen fehle: So seien etwa die Aufzeichnungen der Römer bei der Plünderung Roms durch die Gallier 387 v.Chr. vernichtet worden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0571]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; Ausführungen scheinen eine längere Debatte zwischen ihm und Philipp Melanchthon zu reflektieren: Dieser stimmt in einem Brief von September 1553 Camerarius zu, dass exakte Datierungen oft nicht möglich seien, argumentiert aber, dass man sich manchmal mit der bestmöglichen Näherung zufrieden geben müsse: Dies tue selbst die sonst für ihre mathematische Exaktheit bekannte Astrologie. Melanchthon pflege oft, wenn er spreche, um der Klarheit willen vorgefundene Informationen unhinterfragt zu wiederholen; zwar seien Unwahrheiten nach Möglichkeit zu vermeiden - wenngleich sie bisweilen nützlich sein könnten -, doch betreffe dies vor allem das geschriebene Wort.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 6977: &#039;&#039;S. D. De indiciis temporum, quae ob caussas tibi notas et saepe a me commemoratas crebro usurpo, scribis non arbitrari te, quod possint certo dies negotii aut casus ullius demonstrari, cum de annis quoque dubitationes non careant ratione, et, quid exquisitae notationi obstet, prudenter colligis. Ego vero, quamvis sciam non posse praecise quicquam in hoc genere definiri, tamen utile duco quam proxime exquisita tempora habere in promtu. Scis astrologos quoque interdum contentos esse&#039;&#039; τῷ ἔγγιστα&#039;&#039;, cum disciplina illa nitatur scientia geometriae, cuius demonstrationes firmissimae putantur, et cogere assensum, ut proverbio etiam locum dederint &#039;&#039;»ἀνάγκαι γεωµετρικαί«&#039;&#039;. Meus autem mos tibi non est ignotus, de quo memini te aliquando argumentari, in fugiendo ambages et dubitationes, quatenus fieri potest, et diserte aliquid exponendo et, quemadmodum dicere soleo,&#039;&#039; κατηγορικῶς&#039;&#039;. Itaque et narro ista forma etiam ea, de quibus fortasse alii aliter. Mihi enim scripta aut dicta refero&#039;&#039; οὐδὲν ὑπολογιζόµενος τὴν κατάφασιν ἢ ἀπόφασιν&#039;&#039;. Iam, scio, repetes tecum id, quod nuper dicebas: videndum tamen, ne quid forte falso affirmetur. Hoc illi videant, qui autores sunt. Et interdum falsa quoque disseminari et fabulas utiles narrari prodest. Ego quidem nihil comminiscor. In recitando si minus iudicor timidus vel nimis etiam confidens, detur venia simplicitati meae aut feratur etiam istud vitium. De his igitur satis.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei dem zweiten angehängten Werk handelt es sich um eine [[Erwähntes Werk::OC 0572|lateinische Übersetzung]] des letzten Abschnitts des Traktats &amp;quot;De spiritu sancto&amp;quot; (Περὶ τοῦ ἁγίου πνεύματος, 30, 76-79) von [[Erwähnte Person::Basilius der Große|Basilius von Caesarea]], in dem dieser den deplorablen Zustand der von Zwietracht zerrissenen Kirche beschreibt. Der Text füllt zum einen die letzte Lage des Bandes, ist zum anderen aber allgemein genug gehalten, dass er vom Leser wohl - ganz im Sinne von Camerarius&#039; Ziel, antikes Wissen für die Gegenwart nutzbar zu machen - auch auf die Lage der Kirche zu Camerarius&#039; Zeit bezogen werden konnte und sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0572]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Die Rezeption - Camerarius als sein eigener Multiplikator=====&lt;br /&gt;
Camerarius sandte Exemplare des Drucks bald nach Fertigstellung an seine Freunde: [[Erwähnte Person::Christoph von Karlowitz]] erhielt am 10.01.1552 eine Ausgabe;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0491]] und [[Woitkowitz 2003]], S. 233-237.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
möglicherweise gab er sie in der Folge weiter, jedenfalls bemüht sich Camerarius am 30.03.1554 noch einmal um ein Exemplar für Karlowitz. Daneben lässt Camerarius Pläne für ein weiteres Werk verlauten, das sich mit der Synode von Ephesus und deren Streitpunkten beschäftigen solle, da ihre Inhalte in der Gegenwart wieder relevant seien.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0917]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein entsprechendes Werk ist nicht bekannt, die Äußerung verdeutlicht aber erneut die Zielsetzung vieler von Camerarius&#039; Werken.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei der Verbreitung seines Werks sorgte Camerarius auch selbst dafür, dass dieses die richtigen Personen, gegebenenfalls auch auf altgläubiger Seite erreichte: Nicht nur ist der Widmungsempfänger ein katholischer Bischof; auch der mit Camerarius eng befreundete (altgläubige) Würzburger Domherr [[Erwähnte Person::Daniel Stiebar von Rabeneck]] erhält bereits am 29.12.1551 ein Exemplar der &amp;quot;Historia&amp;quot; mit der expliziten Bitte, es nach der Lektüre an den (ebenfalls katholischen) Bischof von Eichstätt [[Erwähnte Person::Moritz von Hutten]] weiterzusenden; Stiebar werde dann noch einmal ein eigenes Exemplar erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1058]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch der lutherische Theologe [[Erwähnte Person::Johannes Brenz]], der tatsächlich in Trient anwesend war, las das Werk auf der Reise zum Konzil, wie er Camerarius am 27.04.1552 berichtet; er habe die Lektüre genossen und fordere Camerarius dazu auf, mit weiteren ähnlichen Zeugnissen seiner Rechtgläubigkeit der Kirche zu dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://thbw.hadw-bw.de/brief/15501 THBW 15501]: &#039;&#039;In itinere ad Tridentum legimus etiam equitantes tuam Nicaenam historiam ac multum ea delectati sumus. Facies ecclesiae rem gratissimam, si talibus monumentis tuam ei fidem probare perges.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Neuauflage - Das Werk wird zum Anhang=====&lt;br /&gt;
Mit der [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561|Neuauflage]] des Werkverbundes von 1561 wurde dieser einerseits um ein weiteres kurzes Werk erweitert; andererseits wurde er nun selbst zur Appendix: In der Ausgabe von 1561 wird die Konziliengeschichte nämlich an Camerarius&#039; etwa doppelt so lange [[Erwähntes Werk::OC 0677|lateinische Ausgabe von Nikephoros&#039; &amp;quot;Chronologia&amp;quot;]] angefügt, die Camerarius in &amp;quot;De chronicis&amp;quot; angekündigt und nun nach langer Arbeit fertiggestellt hatte ([[#Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)|&#039;&#039;&#039;s. den nächsten Abschnitt&#039;&#039;&#039;]]). Diese lange Beschäftigung mit Chronologie und Datierungen war denn vermutlich auch der Anlass zu der kurzen, neu am Ende angefügten [[Erwähntes Werk::OC 0676|chronologischen Darstellung zu den Ökumenischen Konzilien]]: Zwar gab die eigentliche &amp;quot;Historia&amp;quot; bereits einen groben Überblick über Konzilien und Synoden auch nach Nicäa&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 85-90.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und auch die kurze Schrift &amp;quot;De chronicis&amp;quot; lieferte bereits eine grundständige tabellarische Chronologie bis in Camerarius&#039; Gegenwart; das neue Werk geht jedoch spezifisch auf den Begriff der Ökumenischen Konzilien ein und gibt einen Überblick über deren Streitfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Camerarius zählt acht oder neun Ökumenische Konzilien: Dabei äußert er Zweifel daran, dass Konstantinopel IV (869/870) als achtes Ökumenisches Konzil bezeichnet werden kann; als nächstes Konzil mit einem Anspruch auf Ökumenizität, den er weder bejaht noch verneint, bezeichnet Camerarius das Konzil von Konstanz (1414-1418).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der dritte Fokus der neuen Schrift liegt, wie schon der Titel &amp;quot;De synodis oecumenicis, et harum temporibus atque praecipuis negotiis&amp;quot; nahelegt, auf der zeitlichen Einordnung der Konzilien, die nun mit dem fertiggestellten Nikephoros als Basis sehr viel besser möglich war als zu Zeiten der ersten Auflage.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0676]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 219-223.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)====&lt;br /&gt;
=====Hintergrund - Nikephoros als Vorarbeit zu Jesus=====&lt;br /&gt;
In seinem [[Erwähntes Werk::OC 0678|Vorwort]] zur &amp;quot;Chronologia&amp;quot; des [[Erwähnte Person::Nikephoros I. (Patriarch)|Nikephoros]] unterscheidet Camerarius zwei Arten von Geschichtsschreibung: Zum einen die von den Griechen als ἱστορία πραγματική bezeichnete Form, die eigentliche Geschichtsschreibung im modernen Sinne, die chronologisch geordnet in fortlaufender Form von Ereignissen berichtet und Hintergründe, Motivationen, das Auftreten von Personen und die Folgen von Ereignissen behandelt. Auf der anderen Seite steht für Camerarius die Biographie, die sich einen einzelnen Aspekt, das Leben einer Person, herausgreift und ausführlich darstellt. Beide Arten von Geschichtsschreibung haben laut Camerarius ihre Verdienste: die größere Form sei erhabener (&#039;&#039;speciosum atque magnificum&#039;&#039;), doch die Biographie eigne sich besser zur Darstellung von &#039;&#039;exempla&#039;&#039; und sei unterhaltsamer zu lesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0678]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Zuge des Schmalkaldischen Krieges musste Camerarius seine Pläne für eine [[Erwähntes Werk::Camerarius, De eloquentibus Graeciae, (unvollendet)|Darstellung zu den griechischen Rednern]] im Sinne der zweiten Gattung aufgeben. Nach Ende der Kriegswirren entschloss er sich dann stattdessen, über Jesus und die Apostel zu schreiben (↓ [[#Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)|&#039;&#039;&#039;Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)&#039;&#039;&#039;]]). Da jedoch hierfür die Klärung gewisser Datierungsfragen eine essentielle Voraussetzung war, machte sich Camerarius zunächst daran, die historischen Ereignisse in eine konsistente und plausible zeitliche Ordnung zu bringen (&#039;&#039;ut collatis iis scriptis quae isto in genere potuissem conquirere, seriem quandam consentaneam, atque verisimilem maxime, designarem&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0678]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Zuge dieser Arbeiten stieß er auf die &amp;quot;Chronologia&amp;quot; des [[Erwähnte Person::Nikephoros I. (Patriarch)|Nikephoros]],&amp;lt;ref&amp;gt;Über den Autor war Camerarius nach eigenem Zeugnis nicht mehr bekannt, als dass er Patriarch gewesen und von [[Erwähnte Person::Nikephoros Kallistu Xanthopulos]] zu unterscheiden war (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1501]], dat. 19.08.1572).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
die in einem [[Epiphanios von Salamis, Κατὰ αἱρέσεων ὀγδοήκοντα, 1544|Epiphanius-Codex]] des [[Erwähnte Person::Johann Lange (Theologe)|Johann Lange]] enthalten gewesen war: Diesen kannte Melanchthon bereits seit den 1530er Jahren, Camerarius bekam ihn spätestens 1542 zur Weiterleitung an [[Erwähnte Person::Johann Oporinus]] in die Hände&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Clemen 1912a]], 52f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und konnte für die Arbeit an Nikephoros auch später noch einmal darauf zugreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Cum autem hoc [sc. Epiphanio&#039;&#039; oder &#039;&#039;opere Epiphanii], pro veteri necessitudine nostra [sc. cum Iohanni Lange] tunc quoque perquam familiariter uti concederetur, viro non modo dignitate et doctrina, sed humanitate etiam praestante, sumpsimus ab ipso et hunc [sc. Nicephori] librum&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0678]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 17).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Quellenarbeit erwies sich allerdings als schwierig, und so zog sich das, was als Recherche für die Jesus-Vita begonnen hatte, über lange Zeit hin und wurde zu einem eigenen Werk:&amp;lt;ref&amp;gt;Von Verzögerungen bei der Arbeit am Nikephoros berichtet Camerarius bereits 1552 in dem kurzen Werk [[Erwähntes Werk::Camerarius, De chronicis, 1552|&amp;quot;De chronicis&amp;quot;]] (vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0571]], [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], 159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Übersetzungsarbeit am Nikephoros fielen Camerarius viele Fehler auf, bedingt teils durch den Autor selbst, teils durch die Überlieferung. Trotz dessen und trotz des wenig ausgefeilten Stils des Werks beschloss er, eine Übersetzung zu publizieren, um den Gelehrten ein kurzes und konzises Überblickswerk an die Hand zu geben, zumal ihm keine vergleichbare Schrift bekannt war. Früh begann er damals auch schon mit der Annotation des Werks: So lassen sich einige von Camerarius&#039; Anmerkungen auf die Zeit unmittelbar nach dem Schmalkaldischen Krieg datieren. Aufgrund seiner intermittierenden Arbeitsweise verzögerte sich jedoch die Arbeit; zudem feilte er seine Anmerkungen mit der Zeit immer weiter aus und erweiterte seine Annotationen ständig.&amp;lt;ref&amp;gt;Während Camerarius in [[Erwähntes Werk::OC 0677]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 51 das gegenwärtige Jahr mit 1547 benennt, schreibt er innerhalb derselben Notiz eine Seite weiter bereits von 1549 und fügt in Klammern an, seit Beginn seiner Arbeit an dieser Anmerkung seien bereits zwei Jahre vergangen.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Anschluss an das Werk führt er außerdem die Schilderungen des Nikephoros bis in seine Zeit fort.&lt;br /&gt;
Letztlich wurde das Werk so erst im Jahr 1561 [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561|in einem Band]] gedruckt, der neben der [[Erwähntes Werk::OC 0677|&amp;quot;Chronologia&amp;quot;]] selbst auch eine zweite erweiterte Auflage von Camerarius&#039; bereits 1552 publizierter ↑ [[#Altes aktualisiert - Konziliengeschichte (1552)|&#039;&#039;&#039;Geschichte des Konzils von Nicäa&#039;&#039;&#039;]] enthält. Dem chronologischen Werk die Konziliengeschichte beizugeben, scheint im ersten Moment Camerarius&#039; Wunsch zu widersprechen, ein konzises Handbuch zu schaffen: Tatsächlich aber geht dieser Plan auf Camerarius selbst zurück, der in einem in dem Band abgedruckten [[Erwähntes Werk::OCEp 1280|Brief]] an [[Erwähnte Person::Johann Oporinus]] diesen um die Verbindung beider Werke bittet. Allerdings gibt er dem Drucker in demselben Brief die Vollmacht über die Anordnung der Lagen (&#039;&#039;Haec igitur tuo arbitrio conformatis cartis edes&#039;&#039;),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1280]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 166.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
die dieser so aufteilte, dass der separate Kauf der &amp;quot;Chronologia&amp;quot; gut möglich war.&amp;lt;ref&amp;gt;In der [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1573|zweiten Auflage von 1573]] beginnt sogar die Paginierung in der zweiten Hälfte zu den Konzilien neu.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Frühe Pläne zur Neuauflage=====&lt;br /&gt;
Auch wenn Camerarius Oporinus gebeten hatte, dafür Sorge zu tragen, dass sein Werk korrekt gedruckt werde und die Setzer nichts am Text veränderten, sei es, weil sie etwas nicht verstünden oder aus Nachlässigkeit,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1280]], [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 166.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
war er offenbar dennoch mit dem Ergebnis des Prozesses nicht zufrieden: Am 07.05.1561 schrieb er an [[Erwähnte Person::Hieronymus Wolf]], das Werk sei weder sehr gründlich noch sehr nachlässig gedruckt worden, und bat Wolf, bei der Lektüre Errata zu korrigieren;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OCEp 0825]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Epistolae familiares, 1583]], 470 und [[Zäh 2013]], Nr. 199: &#039;&#039;Meam Chronologiam neque diligentissimam neque negligentissimam editam puto te vidisse. Fuit mihi curae, ut narrarem ea quae cognitu utilia essent maxime. Te forte legentem et errata corrigere et notata mihi indicare velim.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
die Bitte wiederholte er am 23. Juni, als er gehört hatte, dass Wolf die Lektüre begonnen habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0826]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]], der den Band in der Offizin vorfand und las, wies Camerarius früh auf einige Fehler bei der Jahresrechnung hin.&amp;lt;ref&amp;gt;So Camerarius später am 19.08.1572 (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1501]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bereits 1562 hatte Camerarius daher konkrete Pläne für eine Neuauflage, allein seine zahlreichen Beschäftigungen hinderten ihn an einer Überarbeitung.&amp;lt;ref&amp;gt;So schreibt er in einem Brief an Johann Oporinus vom 07.03.1562 (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1281]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch im [[Erwähntes Werk::OCEp 1461|Vorwort]] seiner 1566 gedruckten [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566|Biographie Jesu]] äußert Camerarius Hoffnungen auf eine Neuauflage.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1461]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], Bl. A3r.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Jahr später, am 21.10.1566, lässt Camerarius [[Erwähnte Person::Willem Canter]] bei Oporinus nachforschen, ob eine Neuauflage wirtschaftlichen Nutzen für Oporinus verspreche.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0881]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Antwort fiel offenbar positiv aus;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch [[Erwähntes Werk::OCEp 1284]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
bis zum 26.07.1567 befand sich eine Druckvorlage bei Oporinus, denn zu diesem Datum bittet Camerarius Willem Canter, einige Fehler zu korrigieren sowie selbst auf weitere zu achten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0882]]. Dass Canter nicht wie Wolf 1561 mit einer beliebigen Ausgabe, sondern mit der Druckvorlage arbeitete, geht aus [[Erwähntes Werk::OCEp 1284|Camerarius&#039; Brief an Oporinus vom 13.06.1568]] hervor (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1284]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jedoch verstarb Oporin bald darauf am 06.07.1568; die Aufsicht über die noch in der Offizin befindlichen Druckvorlagen führte [[Erwähnte Person::Theodor Zwinger]], zu dem Camerarius am 18.09.1568 Kontakt aufnahm und ihn bat, auf den Nikephoros Acht zu geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1231]] = http://www.aerztebriefe.de/id/00005231.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zwinger antwortete am 5. November, Camerarius brauche sich keine Sorgen zu machen, da sich das Buch noch vor Ort befinde und Oporins Nachfolger es vertragsgemäß weiterhin drucken müssten; wenn er es dennoch zurückhaben wolle, müsse er mit diesen verhandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00004627 (Autograph unter https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv044448948-2).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vom 07.11.1569 datiert dementsprechend eine Urkunde, in der Camerarius Zwinger mit der Aufsicht über den Druck betraut.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00052202; Digitalisat unter https://doi.org/10.7891/e-manuscripta-19385.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Druckvorlage war jedoch nicht mehr aufzufinden: In zwei Briefem vom 01.09.1570 und vom 16.11.1570 äußerte Zwinger noch die Hoffnung, Oporinus habe sie vielleicht jemandem ausgeliehen. Jedoch sei die Bibliothek auch mehrfach umgezogen und habe dabei einige Verluste hinnehmen müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gilly 2001]], 30f. sowie http://www.aerztebriefe.de/id/00034308 und http://www.aerztebriefe.de/id/00034311. Für die Originale vgl. in der Briefsammlung Trew [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv044449095-7 H62/TREWBR ZWINGER_THEODOR[3] (01.09.1570) und [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv044449200-7 H62/TREWBR ZWINGER_THEODOR[6].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 08.10.1571 äußert Camerarius gegenüber Hieronymus Wolf die Befürchtung, das Buch sei wohl verloren gegangen;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0844]] und [[Zäh 2013]], Nr. 400. Zu Wolfs Bedauern vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 2588]] vom 05.11.1571 (= [[Zäh 2013]], Nr. 402).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
dies bestätigte auch Zwinger am 15.02.1572 in einem Brief an Camerarius&#039; Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Joachim]] (&#039;&#039;Parentis ... Chronologiam in Oporini scriniis nuspiam invenire potuimus&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00000189, Scan des Originals in der Briefsammlung Trew [https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv044449786-8 H62/TREWBR ZWINGER_THEODOR[12].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als [[Erwähnte Person::Hans Steinmann]] sich für die Neuauflage erbot, musste Camerarius daher, soweit es seine Gesundheit zuließ (→ [[Medizin (CamLex)#Nierensteine – eine Familienkrankheit|&#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039;]]), Ersatz schaffen.&amp;lt;ref&amp;gt;So Camerarius an Rüdinger am 19.08.1572 (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1501]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1573 erschien bei Steinmann und Vögelin in Leipzig die [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1573|Neuauflage des Verbundes aus Nikephoros und Konziliengeschichte]],&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1573]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
erweitert um zwei Epicedien auf den mittlerweile verstorbenen Widmungsempfänger [[Wolfgang (Pfalz-Zweibrücken)|Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken]] und einen [[Erwähntes Werk::OCEp 1501|Brief]] an [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]], der die Hintergründe der Neuauflage erläutert. Darin rechtfertigt sich Camerarius auch dafür, verschiedenen Anmerkungen (unter anderem Rüdingers) nicht gefolgt zu sein: Er referiere schließlich nicht seine eigenen Berechnungen, sondern die des Nikephoros, die in Griechenland noch immer verwendet würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1501]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Inhalte und Rezeption=====&lt;br /&gt;
Mit dem Verlust der Druckvorlage gingen auch Camerarius&#039; Korrekturen und weitere Anmerkungen verloren. Wie groß die Unterschiede zur ersten Auflage gewesen wären, lässt sich freilich aufgrund des Verlusts nicht mehr beziffern. Allerdings vermitteln Camerarius&#039; Bemühungen um die Neuauflage durchaus den Anschein, dass er größere Ergänzungen oder Änderungen geplant hatte; Zeit dafür hatte er jedenfalls in den 12 Jahren zwischen den beiden Auflagen genug. Es ist jedoch fraglich, ob Camerarius trotz des deutlich geringeren Vorlaufs in der Lage war, alle seine geplanten Änderungen nach Verlust der Druckvorlage für den Druck bei Steinmann/Vögelin zu reproduzieren, und in der Tat findet ein stichprobenhafter Vergleich der letztlich gedruckten Neuauflage mit der Erstedition keine nennenswerten Unterschiede im Wortlaut.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nikephoros&#039; Werk ist eine Weltchronik; Camerarius hält sich an den knapper formulierten der beiden heute bekannten Überlieferungsstränge. Das Werk beginnt bei Adam, führt die Lebenszeiten der biblischen Figuren knapp aus und geht im Anschluss zu den historischen Ereignissen über; das Ende stellt die Regierungszeit des byzantinischen Kaisers Michael III. (reg. 842-867) dar. Camerarius präsentiert abschnittsweise seine lateinische Übersetzung von Nikephoros&#039; griechischem Text. Im Anschluss folgen jeweils ausführliche Annotationen, in denen Camerarius Nikephoros&#039; Darstellungen und Berechnungen mit denen aus anderen Quellen, insbesondere der Bibel vergleicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. etwa [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei bemüht sich Camerarius um die Auflösung von Widersprüchen zwischen verschiedenen Quellen und übt dabei durchaus auch Kritik an Nikephoros; andererseits scheut er sich nicht, Unstimmigkeiten zu belassen, wenn sie nicht ohne weiteres auflösbar sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. etwa [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 22f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der letzten Anmerkung zur eigentlichen &amp;quot;Chronologia&amp;quot; führt Camerarius zudem das Werk des Nikephoros bis zum Tod [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)|Kaiser Karls V.]] fort.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Nikephoros, Chronologia, 1561]], 53-62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühen Pläne für eine Neuauflage belegen den schnellen Ausverkauf von Camerarius&#039; Übersetzung. Belege für eine breite Rezeption finden sich allerdings kaum. Die erste Auflage enthält auf S. 224 ein langes Geleitgedicht eines gewissen Ιακώβος Ερτήλιος (vielleicht Jakob Hertel)&amp;lt;ref&amp;gt;Die Identität dieses Jakob (H-)Ertel (im Druck steht der Name ohne Spiritus) ist unklar. Die GND teilt ihm auf Basis des Gedichts im Nikephoros die Nummer [https://d-nb.info/gnd/119664879 119664879] zu, kennt jedoch keine weiteren Belege. Jedoch erscheint die Annahme plausibel, dass die Person zum Zeitpunkt des Drucks 1561 in Leipzig (Wirkungsort des Camerarius) oder Basel (Druckort der ersten Auflage des Nikephoros) studierte. Ein Blick in die Matrikeln liefert als einzigen möglichen Kandidaten &amp;quot;Jacobus Hertelinus Rotlandus = J. Härtlein von Hof im Voigtland&amp;quot; ([[Wackernagel 1956]], S. 82, Nr. 47, GND [https://d-nb.info/gnd/100163556 100163556], Geburtort Chur falsch): Geboren 1536 schrieb er sich 1549/50 in Erfurt ein und erhielt am 29.10.1555 in Basel unter dem Namen &#039;&#039;Jac. Hertelius Curiensis e Variscis&#039;&#039; den Grad eines Baccalaureus; am 10.02.1557 wurde er Magister. Er war später Schulmeister in St. Peter in Basel, bis er am 23.09.1564 an der Pest starb. Zu ihm vgl. Jenny, Beat Rudolf: Die Musikprofessur an der Universität Basel im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 83 (1983), S. 27-83 ( http://edoc.unibas.ch/dok/A6243504), besonders S. 54f., 75, sowie ders.: Humanismus und städtische Eliten in Basel im 16. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Basler Lateinschulen von 1529-1589. In: Platteriana. Beiträge zum 500. Geburtstag des Thomas Platter (1499?-1582). Hg. von Werner Meyer und Kaspar von Greyerz, Basel 2002 (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft 175), S. 77-121 ( http://edoc.unibas.ch/dok/A2691942), besonders S. 96f. Hertel wird vom VD16 als Beiträger zu diversen Drucken geführt, meist mit Geleitgedichten wie dem zu Nikephoros, viele vom Anfang der 1560er Jahre. Einer dieser Drucke ist namentlich [https://gateway-bayern.de/VD16+F+343 VD16 F 343] (S. 15), wo er sich ebenfalls als &#039;&#039;Iacobus Hertelius Curien[sis] Variscus&#039;&#039; bezeichnet. Dieser Druck hat wie viele andere ein theologisches Thema (vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+6576 VD16 C 6576], Bl. A1v sowie einige der folgenden). In den meisten Fällen verwendet Hertel zudem wie der (H-)Ertel des Nikephoros jambische Versmaße in sechshebiger (vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+S+7596 VD16 S 7596], Bl. A1v, [https://gateway-bayern.de/VD16+W+1361 VD16 W 1361], Bl. A4r/v, [https://gateway-bayern.de/VD16+A+3259 VD16 A 3259], Bl. β4v, [https://gateway-bayern.de/VD16+L+2924 VD16 L 2924], Bl. β3v-4r, [https://gateway-bayern.de/VD16+F+3195 VD16 F 3195] Bl. DD5v-6r) oder wie im Nikephoros in dreihebiger Form (vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+6112 VD16 C 6112], S. 13, [https://gateway-bayern.de/VD16+M+3125 VD16 M 3125], Bl. A1v, [https://gateway-bayern.de/VD16+R+2665 VD16 R 2665], S. 19). Eine Identifikation von (H-)Ertel und Hertel scheint mithin plausibel.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
in dem dieser es einem Δανιὴλ Καστέλλος ὁ Βενέτικος (Daniel Castelli aus Venedig?) zur Lektüre empfiehlt: Er werde daraus Geschichte und Verfassung der Staaten lernen und sehen, wie Zeit und Schicksal alle menschlichen Werke zerstören. Camerarius wird von Hertel - ein Jahr nach dem Tod Philipp Melanchthons - als dessen von Christus ordinierter Nachfolger in der Leitung der Künste (ἀγαθῶν καλῶν τε Μουσῶν ἄναξ) adressiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch [[Erwähnte Person::Reiner Reineck]] erwähnt Camerarius&#039; Schrift lobend in einem Begleitschreiben zu seinem 1574 gedruckten Werk [[Erwähntes Werk::Reineck, Syntagma de familiis, 1574|&amp;quot;Syntagma de familiis&amp;quot;]] und bezeichnet es als eine seiner wichtigsten Quellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Reineck, Syntagma de familiis, 1574]], 617.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich enthält das &amp;quot;Syntagma&amp;quot; einen [[Erwähntes Werk::OCEp 1496|Brief des Camerarius an Reineck]], in dem Camerarius diesem die Publikation des Werkes nachdrücklich empfiehlt, auch wenn er es aus gesundheitlichen Gründen nicht ganz habe lesen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1496]] (dat. 09.05.1573).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Von Jesus und den Aposteln - &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; und &amp;quot;Expositio de apostolis&amp;quot; (1566)====&lt;br /&gt;
=====Vorbemerkung=====&lt;br /&gt;
Nach dem Abschluss und der Publikation von Nikephoros&#039; &amp;quot;Chronologia&amp;quot; 1561 konnte Camerarius endlich das Werk in Angriff nehmen, um das es ihm eigentlich ging: Für die Biographien Jesu und der Apostel war Nikephoros&#039; Werk eine unabdingbare Voraussetzung gewesen; diese stellen somit in gewisser Weise die Krönung von zwanzig Jahren historiographisch-chronologischer Arbeit dar. Zugleich zeigt sich bei kaum einem anderen Werk Camerarius&#039; philologische Herangehensweise an theologische Stoffe besser als bei seiner 1566 erstmals gedruckten Beschreibung des Lebens Jesu Christi:&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Camerarius&#039; Jesus-Vita vgl. auch [[Seckt 1888]], 21-31 und [[Kunkler 1998]], 242-251.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenngleich die Schrift zwar am Anfang und am Ende Jesu Rolle als wesensgleicher Sohn Gottes und der ewigen Jungfrau Maria&amp;lt;ref&amp;gt;So schon auf dem Titelblatt des [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566|Drucks]]: &amp;quot;Historiae Iesu Christi filii Dei nati in terra matre sanctiss[ima] sempervirgine Maria summatim relata expositio&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
betont - und so Camerarius&#039; &#039;Rechtgläubigkeit&#039; bezeugt -, handelt es sich doch im Grunde um ein historiographisches oder biographisches Werk, das Jesu Leben auf Erden und seine Zeitumstände betrachtet. Im Bereich der Historiographie verortet sie sowohl der [[Erwähntes Werk::OCEp 1461|Widmungsbrief des Bandes]] an [[Erwähnte Person::Joachim Friedrich (Brandenburg)|Joachim Friedrich von Brandenburg]] als auch eine im [[Erwähntes Werk::OC 0762|Werk]] selbst enthaltene Vorrede. Ganz besonders kommt in dem Werk Camerarius&#039; Interesse für Chronologie und für die korrekte chronologische An- und Einordnung historischer Ereignisse zum Tragen, das er in der langjährigen Arbeit an der ↑ [[#Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)|&#039;&#039;&#039;Nikephoros-Übersetzung&#039;&#039;&#039;]] ausgebildet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Entstehung und Zielsetzung der Schrift=====&lt;br /&gt;
Seit jeher, so schreibt Camerarius im Widmungsbrief, habe er sich auch um die Geschichtsschreibung bemüht als ein Teil der &#039;&#039;bonae artes&#039;&#039;, der durch seine zahlreichen &#039;&#039;exempla&#039;&#039; nicht nur Vergnügen, sondern auch großen Nutzen bringen könne. Reichlich gelesen habe er freilich (zunächst) die paganen Geschichtsschreiber; mit fortschreitendem Alter habe er jedoch erkannt, dass am erfreulichsten und nützlichsten doch die Werke christlicher Autoren seien, dass die theologische Lehre aber wiederum durch die Geschichtsschreibung ihre Ergänzung und Vervollständigung erfahre.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Procedente autem aetate, attentius, ut fit, cogitans: Quid et iucundum inprimis esse deberet, et profuturum maxime videretur, facile animadverti utrunque eo potissimum contineri, in quo hominis Christiani professio versaretur. Ea est profecto cognitio illustris rerum divinarum, quam historiae congruentis copia non modo augeri, sed cum personarum tum eventuum consideratione explicari declarando constat&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OCEp 1461]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], Bl. A2v).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der protestantische Philologe Camerarius postuliert hier also eine Loslösung von der Autorität der Kirche: Nicht das kirchliche Dogma erklärt den Sinn der Heiligen Schrift; dieser erhellt sich vielmehr von selbst, indem die Bibel als Erzeugnis ihrer Zeit aufgefasst und wie andere klassische Texte aus dem Zusammenhang mit den historischen Umständen und mit anderen Texten verstanden wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Indem er die alleinige Bedeutung der Heiligen Schrift zur Erlangung des Heils betont, hält sich Camerarius tatsächlich eng an [[Erwähnte Person::Martin Luther]] (vgl. [[Kunkler 1998]], 245).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Sein Ziel ist es, &amp;quot;die aus der Bibel überlieferten Zeugnisse mit dem ihm zur Verfügung stehenden historischen und literarischen Quellenmaterial [zu] verbinden, um auf diese Weise dem rechten Verständnis des Bibeltextes dienlich zu sein&amp;quot;,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 243.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
dessen Lehren alleine zum Heil führen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dementsprechend habe Camerarius die Bibel besonders gründlich gelesen, zur Ergänzung aber und zum besseren Verständnis weitere christliche Historiographen hinzugezogen. Im Rahmen dieser Lektüre waren es besonders das Leben Jesu selbst und seiner Apostel sowie die darin enthaltenen Widersprüche, die Camerarius&#039; Interesse weckten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1461]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
So kam es, dass Camerarius, nachdem er aufgrund politischer und privater Schwierigkeiten (gemeint ist vermutlich der Schmalkaldische Krieg&amp;lt;ref&amp;gt;Dies geht aus Camerarius&#039; an [[Erwähnte Person::Wolfgang (Pfalz-Zweibrücken)|Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken]] gerichtetem [[Erwähntes Werk::OC 0678|Proöm der &amp;quot;Chronologia&amp;quot; des Nikephoros]] hervor (vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0678]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;) &lt;br /&gt;
ein [[Erwähntes Werk::OC 1001|angefangenes Werk über die griechischen Redner]] aufgeben musste, stattdessen begann, seine Notizen zu Jesus und den Aposteln in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen und zu einer fortlaufenden Erzählung auszuarbeiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als besonders nützlich zum Verständnis der historischen Hintergründe nennt er namentlich die ↑ [[#Der lateinische Nikephoros - Ein historiographisches Handbuch (1561)|&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Chronologia&amp;quot; des Nikephoros&#039;&#039;&#039;]], deren [[Erwähntes Werk::OC 0677|kommentierte lateinische Übersetzung]] er 1561 publiziert hatte; die Arbeit an dieser Übersetzung, die Camerarius über viele Jahre hinweg vom Ende des Schmalkaldischen Krieges bis 1561 in Anspruch genommen hatte, war für ihn eine notwendige Vorarbeit für sein eigentliches Ziel: die Biographien Jesu und der Apostel. Diese beiden biographischen Werke wurden 1566 in zwei Auflagen das erste Mal gedruckt; eine dritte Auflage erschien 1581.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]] und [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566a]] sowie [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historia Iesu, 1581]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Band, der [[Erwähnte Person::Joachim Friedrich (Brandenburg)|Joachim Friedrich von Brandenburg]] gewidmet ist, erzählt zunächst auf fast 100 Seiten die [[Erwähntes Werk::OC 0762|Geschichte vom Leben Jesu]]; im Anschluss folgen auf weiteren 100 Seiten die [[Erwähntes Werk::OC 0761|Biographien der zwölf Apostel]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]] und [[Erwähntes Werk::OC 0761]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es folgen weitere kleinere Werke mit verwandten Inhalten, darunter Gedichte zu den Jüngern Jesu, den Aposteln und den Evangelisten von [[Gregor von Nazianz]], [[Erwähnte Person::Nikephoros Kallistu Xanthopulos]] sowie Camerarius selbst und eine Rede des Martin Gasser zu Jesu Tod, die bereits 1563 in erster Auflage gedruckt worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+G+508 VD16 G 508].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Historiographie und Biographie - Jesus und die Apostel als historische Personen=====&lt;br /&gt;
Im Zentrum beider Werke stehen die historischen Geschehnisse: Die Apostelbiographien betrachten das historische Wirken der Apostel, die Jesus-Biographie beschränkt sich auf Jesu Jugend und Tod. Jesu Wirken als Lehrer und seine Wundertätigkeit spart die Erzählung aus und verweist auf die Evangelien, deren Aufgabenbereich Camerarius klar von dem seines eigenen Werks trennt: Allen, die von der göttlichen Inspiration des Evangeliums überzeugt seien, sei völlig klar, dass die göttliche Offenbarung nicht ohne höhere Absicht, zweideutig, unglaubwürdig oder gar widersprüchlich (&#039;&#039;temere aut ambigue aut dubie aut dissentaneum in modum expositum&#039;&#039;) sei, auch wenn sie sich dem menschlichen Verständnis bisweilen entziehe. Jesu Wille sei es gewesen, dass seine Taten nicht in großen Worten rhetorisch geschmückt dargestellt würden, sondern in einfacher, klarer, geradezu einfältiger Sprache (&#039;&#039;ut speciem illa [&#039;&#039;sc.&#039;&#039; simplicitas] prae se ferret stulticiae&#039;&#039;), weil nur so den Menschen das göttliche Wirken, das sich ihrem Verstand verschließe, nahegebracht werden könne.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 15f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Die Bibel sei daher grundsätzlich anders zu lesen als die klassische Geschichtsschreibung; in ihr dürfe man nicht nach rhetorischer Ausgefeiltheit und klarer Darstellung von Handlungsmotiven und zeitlicher Abfolge der Ereignisse suchen (&#039;&#039;Quocirca aliter haec quam humanae sagacitatis scripta legenda sunt. Non inventionis industria, non dispositionis studium, non probabilis expositionis cura, non copa orationis in his quaerenda. non etiam consiliorum, occasionum, eventuum persecutio&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;). Bei den Evangelien handle es sich um kurze Schilderungen der (göttlichen) Wahrheit (&#039;&#039;breves expositiones veritatis&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;), nicht um eigentliche Geschichtswerke. Man lese sie nicht auf der Suche nach Wissen und Weisheit, sondern nach der göttlichen Offenbarung. Freilich müsse man das Evangelium genau und kritisch lesen, um Gottes Botschaft zu verstehen; die darin enthaltenen Schilderungen seien aber als gegeben hinzunehmen und nicht zu hinterfragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], 249.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Scheinbare Widersprüche innerhalb der Heiligen Schrift wie die bei Jesu Genealogie im Lukas- und Matthäus-Evangelium brauchen den Leser also nicht zu bekümmern, ja er muss sie außer Acht lassen, da sie nur durch die Unzulänglichkeit des menschlichen Verstandes zustande kommen. Wo Widersprüchen durch wissenschaftliche Erklärung nicht beizukommen war, &amp;quot;müßten die Überlieferungen, so wie sie waren, mit frommen [sic] Sinn und in schlichter Einfalt in all ihren Widersprüchen geglaubt werden&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 251.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Dementsprechend muss auch der Autor Camerarius sich nicht mit derartigen Widersprüchen befassen. &amp;quot;Camerarius wollte damit zum Ausdruck bringen, daß die Wissenschaft der christlichen Heilsbotschaft gegenüber einen hohen Respekt schuldig sei, indem sie diejenigen Fragen, die über den menschlichen Erkenntnishorizont hinausreichten, nicht aufzugreifen und zum Gegenstand ihrer Arbeit zu machen hätte.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 248.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die unterschiedlichen Aufgaben, die das Evangelium einerseits und Camerarius&#039; Werk andererseits haben, bedingen auch die unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkte: Camerarius&#039; Interesse liegt auf der Klärung von Verwandtschaftsverhältnissen wie der Abstammung Marias und Josefs,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
den historischen Umständen des Lebens Jesu wie den Herrschaftsverhältnissen im damaligen Palästina&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 6-13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und der Chronologie wie etwa Jesu Geburtsjahr.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 13ff. Vgl. auch S. 67f. und 70f. zu Camerarius&#039; Erklärung, warum Jesus &amp;quot;am dritten Tage&amp;quot; auferstanden sei, wenn der doch am Freitag gestorben und am Sonntag vom Reich der Toten zurückgekehrt ist.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei wägt er widersprüchliche Quellen gegeneinander ab und äußert sich kritisch zu übertriebenen Ausschmückungen der Erzählungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Auf Bl. A3v-A4v verkündet Camerarius, er werde an einigen Stellen auf verbreitete Fehllehren eingehen; er wisse, dass er sich damit Kritik aussetze, aber die Alternative sei, überhaupt nichts zu schreiben. Auf Bl. A7v zeigt er auf, dass die Werke der Frühscholastik (&#039;&#039;ea, quae ante annos circiter quingentos edita sunt&#039;&#039;) noch recht nahe an der wahren Lehre seien, jedoch mit geringen Abweichungen, und dass jede folgende Generation der Scholastik auf den Fehlern ihrer Vorgänger aufbauend sich weiter von Jesu Lehre entfernt habe (vgl. auch [[Kunkler 1998]], 247). Auf Bl. A8v erklärt er den Ursprung der Sage von Georg dem Drachentöter aus der Perseus-Sage; bei Fragen der Chronologie vergleicht Camerarius verschiedene Quellen und gewichtet sie nach ihrer Zuverlässigkeit (S. 13ff.); auf S. 75 äußert er sich kritisch zum Schweißtuch der Veronika und ähnlichen Erzählungen. Auf S. 89 fordert Camerarius, die Antike müsse geschätzt werden, jedoch in ihrer reinen und wahren Form, unverdorben durch übertriebene Ausschmückungen (&#039;&#039;antiquitas quidem venerabilis esse debet universis, sed ea sancta, incorrupta, sincera&#039;&#039;). Die Apokryphen verwirft Camerarius auf Bl. A7v und S. 100f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die antiken Schriftsteller betrachtet er dabei nicht wie die Scholastik als unfehlbare Autoritäten, &amp;quot;sondern als durchaus fehlbare Autoren, die neben vielen verwertbaren Erkenntnissen auch Ansichten und Vorstellungen vertreten hatten, die einer Übernahme nicht wert erschienen.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 245.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Daher war es ihm möglich, auch unbekanntere Autoren als Quellen heranzuziehen und &amp;quot;aus dem umfangreichen Reservoir antiken Wissensgutes in weitgehender Ungebundenheit das heraus[zu]schöpfen, was ihm an Aussagen im Rahmen seines eigenen Denkens auch wirklich relevant erschien&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], 246.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von dem aber, was in den Evangelien berichtet wird, also von Lehre und Wundertätigkeit Jesu, kurz: von allem, was Heilsbotschaft und Glaubenswahrheit betrifft, will Camerarius nur die wichtigsten Punkte grob herausgreifen (&#039;&#039;capita tantum exponamus&#039;&#039;),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
da diese im Gegensatz zu sachlichen Erklärungen des Textes nicht Gegenstand menschlicher Gelehrsamkeit sein dürfen:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], 248.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn menschliche Beredsamkeit versuche, göttliche Lehre neu zu formulieren, müsse es notwendigerweise zu Kontaminierungen kommen, und je gründlicher der theologische Stoff rhetorisch überarbeitet würde, desto profaner würde er dadurch.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 19: &#039;&#039;Nam quo accuratius expoliuntur [sc. ea quae intelligentiam animi nostri excedunt], eo inter tractandum profaniora quodammodo redduntur.&#039;&#039; Ein Beispiel für die katastrophalen Folgen der Anwendung menschlicher Vernunft auf himmlische Wahrheiten ist laut dem Kommentar zum lateinischen Nikephoros der Arianismus: Mit Aussagen wie denen, dass es eine Zeit vor Jesus gegeben habe (ἦν ὅτ&#039; οὐκ ἦν), dass dieser aus dem Nichts geschaffen worden sei (ἐκ τῶν οὐκ ὄντων ἐγένετο) und dass Jesus vor seiner Zeugung nicht existiert habe (πρὸ τοῦ γεννηθῆναι οὐκ ἦν), kurz dass Jesus Geschöpf Gottes und damit nicht mit diesem ewig sei, habe Arius großen Schaden angerichtet; indem er, ob bösen oder guten Willens, versucht habe, menschliche Argumentationsweise in die christliche Lehre einzubringen, habe er sich dem Teufel als Werkzeug erboten ([[Erwähntes Werk::OC 0677]], [[Nikephoros, Chronologia, 1561]], 41f.: &#039;&#039;Unde discere debemus, quam nocens et perniciosa res sit rationis humanae artificium et architectura in dogmatis divinis. Sive enim malicae, seu quodam non impio consilio, perverso tamen studio, ille [sc. Arius] hanc conatus fuit in Ecclesiam &#039;&#039;[sic]&#039;&#039; doctrinam invehere, praebuit se Diabolo hosti Ecclesiae organum ad effectionem multorum malorum, et ingentium perturbationum, quae postea variae secundum diversimodi hominum petulantia ingenia extiterunt&#039;&#039;).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Daher wolle Camerarius nicht den Stoff des Evangeliums neu erzählen. Die menschliche Weisheit und Eloquenz müsse sich andere Stoffe suchen und nicht versuchen, ihre irdischen Kompetenzen auf den Himmel auszuweiten (&#039;&#039;haec ne attingat, neque terrenam facultatem in coelum proferre ausit&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nur wo Erklärungen zum Verständnis nötig seien, wolle Camerarius diese vorsichtig und gewissenhaft (&#039;&#039;timide et religiose&#039;&#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
beisteuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Theologie - Christologische Inhalte=====&lt;br /&gt;
Indem Camerarius so Jesu Leben von der humanistisch-philologischen Seite aus betrachtet, vermeidet er Kritik, sei diese in abweichenden theologischen Ansichten seines Publikums begründet oder darin, dass er als Nicht-Theologe fremdes Terrain usurpiere. Das bedeutet aber nicht, dass Camerarius&#039; Jesus-Biographie von theologischen Aussagen frei wäre, im Gegenteil: Bei Äußerungen zu theologischen &#039;&#039;Details&#039;&#039; wäre Camerarius das Risiko von Anfeindungen eingegangen; doch es gab eine Reihe allgemeinerer Glaubenssätze, die wegzulassen gewiss noch unzuträglicher gewesen wäre: Eine Biographie, die Jesus nur als Mensch betrachtet, hätte wohl weder die Billigung der altgläubigen noch die der protestantischen Seite gefunden. Gerade im Rahmen der innerprotestantischen Streitigkeiten, die eine Reihe von Fragen wieder aufgriffen, die schon in der Antike kontrovers behandelt worden waren, sah sich Camerarius offenbar gezwungen, seinen &#039;rechtgläubigen Standpunkt klarzustellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Entstehungszeit des Werks war ein Streit um antitrinitarische Gruppierungen entbrannt. Camerarius war bereits bezüglich des Athanasischen Glaubensbekenntnisses angeeckt und war daher bestrebt, keine Zweifel an seiner trinitarischen Gesinnung aufkommen zu lassen. Vgl. den Abschnitt zur ↓ [[Theologie (CamLex)#Trinitätslehre|&#039;&#039;&#039;Trinität&#039;&#039;&#039;]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und so betont er gleich zu Beginn, Christus und Gott seien wesensgleich (ὁμοούσιοι); Jesus sei von der Jungfrau Maria geboren, jedoch von Gott vor Anbeginn der Zeit gezeugt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Somit ist Christus zeitlos (ἄχρονος) und ohne Anfang (ἄναρχος) in der Zeit, hat jedoch seinen Anfang im Vater (ἀρχὴν, &#039;&#039;id est&#039;&#039;, αἰτίαν γενέσεως &#039;&#039;habens&#039;&#039;) und ist zugleich ewig (ἀειγενής).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Später nutzt Camerarius eine Übersetzung von [[Erwähnte Person::Epiphanios von Salamis|Epiphanius]]&#039; [[Erwähntes Werk::Epiphanios von Salamis, Contra Antidicomaritas|Werk gegen die Antidikomariten]], um die zwei zentralen Aussagen noch einmal zu formulieren: So positioniert er mit einem Zitat sich deutlich gegen &#039;Arianismus&#039; und Unitarismus, da es Blasphemie sei, das Wesen Gottes und Jesu voneinander zu trennen (&#039;&#039;abalienare&#039;&#039;), und er betont umgekehrt, dass die entgegengesetzte Argumentation, nach der Vater, Sohn und Heiliger Geist ununterscheidbar (&#039;&#039;idem&#039;&#039;) seien, ebenso falsch sei und Jesus allzu viel Verehrung zukommen lasse.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 83: &#039;&#039;Nam qui in filium DEI blasphemi sunt, ... ii abalienare naturam huius a patris Deitate cupide studuerunt. Alii autem contra diversa sententia evecti tanquam ad ampliorem cultum, eundem esse hunc et patrem dixere. Itemque eundem filium et SPIRITUM sanctum. Est autem in his ambabus partibus plaga insanabilis.&#039;&#039; Der griechische Text bei Epiphanios lautet (Panarion 23): Οἱ μὲν γὰρ εἰς τὸν υἱὸν βλασφημοῦντες, καθάπερ μοι ἄνω προδεδήλωται, φύσει ἀπαλλοτριοῦν αὐτὸν τῆς τοῦ πατρὸς θεότητος ἐφιλοτιμήσαντο· ἄλλοι δὲ πάλιν ἑτέρως φρονήσαντες, ὡς δῆθεν τιμῆσαι περισσοτέρως προαχθέντες, τὸν αὐτὸν εἶναι πατέρα εἶπον καὶ τὸν αὐτὸν υἱὸν καὶ τὸ αὐτὸ ἅγιον πνεῦμα· ἔστι δὲ τοῖς μέρεσιν ἀμφοτέροις ἀνίατος ἡ πληγή.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Formen des Antitrinitarismus seien somit abzulehnen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit seiner Geburt sei Jesus Mensch geworden, aber Gott geblieben, und habe die Sünde auf sich übertragen, um so die Menschen zu befreien und mit Gott zu versöhnen. Damit eröffnet Jesus den Menschen den Weg zum Heil, das nur erreichen kann, wer ihm folgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 5, 48f. Wie Camerarius an anderer Stelle ebenfalls um 1565 darlegt, hatte Jesu Tod zugleich zur Folge, dass die Macht der Dämonen, die die Menschen lange Zeit beherrscht hatten, gebrochen wurde: &#039;&#039;Atque ab his [sc. daemonibus] caussa tandem data fuit mortis, qua per summam contumeliam tolleretur e medio [sc. Iesus]. Qua quidem morte eorum vis et potestas peremta est, et mortuus hic atque sepultus, cum mox diuina potentia excitatus revixisset, vitam amissam reconciliata Dei aeterni gratia hominibus restituit: Tunc igitur et potentia ista [sc. daemonum] fracta, et regnum ereptum, et in contrarium cuncta fuere conuersa&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0763]], [[Erwähntes Werk::Plutarch, De natura et effectionibus daemonum, 1565]], Bl. C5r). Vgl. auch den Artikel zu → [[Mantik und Magie (CamLex)#Ein Kessel Magisches|&#039;&#039;&#039;Mantik und Magie&#039;&#039;&#039;]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Maria ist die unberührte ewige Jungfrau (&#039;&#039;intacta et perpetua castitate pura virgo&#039;&#039;),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und, wie Camerarius unmissverständlich betont, sie ist nicht göttlich, sondern ein Mensch: &#039;&#039;[Maria] habuit ... [Iosephum] assiduum atque diligentissimum socium educationis et curae filii DEI et &#039;&#039;&#039;hominis, id est sui&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ob sie mit oder ohne ihren Körper in das Himmelreich aufgenommen wurde, möchte Camerarius dagegen explizit nicht entscheiden, da keine der beiden Varianten durch die Bibel gestützt werde.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Ac potius castissimae virginis memoriam colere nunc quidem sive una cum corpore seu absque hoc assumtae in vitam aeternam a filio. Id quod ideo utrunque posui quia neutrum iis literis quarum est sancta autoritas mandatum legitur&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 40). Vgl. auch ebd., 76.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lehren, die Marias Rolle herausheben und ihrem Andenken dienen, seien zu akzeptieren; solche jedoch, die ihr Andenken beleidigen, seien abzulehnen. Keinesfalls jedoch sei Maria als göttlich zu verehren, wie es manche in Vergangenheit und Gegenwart, wenn explizit nicht in Worten, so doch in Taten getan hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die falsche Verehrung (&#039;&#039;perversa veneratio&#039;&#039;) Marias durch Bildnisse, Opfer und Votivgaben lehnt Camerarius als Aberglaube (&#039;&#039;superstitio&#039;&#039;) ab, der die Kirche schon seit Jahrhunderten heimsuche.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 81f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allgemein kritisiert Camerarius die bildliche Darstellung von Jesus, Maria und ihrem Umfeld:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 79ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bilder seien zwar selbst in übertriebener Darstellung unproblematisch, solange die kirchliche Lehre rein sei; sobald diese allerdings kontaminiert sei, beschleunigten prächtige Darstellungen den Niedergang, da sie Fehler in der Lehre überstrahlen.&amp;lt;ref&amp;gt;Wieder bezogen auf das Thema der Marien- und Heiligenverehrung schwebte Camerarius vermutlich etwa vor, dass besonders prunkvolle Darstellungen Marias und der Heiligen leichter dazu verleiten konnten, diese als göttlich zu verehren, sobald die Vorstellung von der Möglichkeit solcher Verehrung einmal Eingang in die kirchliche Lehre gefunden und diese so kontaminiert hat.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie die Einfachheit der biblischen Sprache für Camerarius notwendig ist, um den Menschen die göttliche Wahrheit nahezubringen, die nicht durch übermäßige rhetorische Mittel verfälscht werden darf, so gilt auch für die Bilder, dass die reine Wahrheit zu erhalten und nicht durch menschliche Ausschmückungen zu überdecken ist.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Neve veritatis pulcritudinem ac decus contaminent atque polluant aspersis mendaciorum maculis&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 86). Als Beispiel nennt Camerarius mit Bezug auf Platon (wohl nach Hipp. mai. 290 a ff. und 295 c) die Augen der Statuen, die nicht in grellen Farben wie Gold und Purpur zu bemalen seien, sondern in natürlichen Farben, sodass sie als Augen erkennbar seien.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Die Nachwirkung - Camerarius&#039; Werk als Geschichtswerk=====&lt;br /&gt;
Eines der wenigen unmittelbaren Zeugnisse von Reaktionen auf Camerarius&#039; Jesus-Biographie ist der Brief, den sein ehemaliger Schüler [[Erwähnte Person::Matthias Stojus]] am 21.02.1566 schrieb: Darin bedankt sich Stojus für das Exemplar der Biographie, das Camerarius ihm offenbar zugeschickt hatte, und bedauert, es noch nicht lesen zu können, da [[Erwähnte Person::David Voit]] es ihm sogleich aus der Hand gerissen habe. Allerdings hatte Stojus offenbar immerhin zumindest einen Blick in das Buch werfen können; sein Urteil über das Gesehene fällt positiv aus: Camerarius&#039; Schilderungen stimmten hervorragend mit denen der Bibel überein und würden die Fiktionalität der Erzählungen anderer beweisen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Libellum tuarum narrationum de Vita CHRISTI et Apostolorum accepi, pro quo tibi gratias ago maximas. Arbitror enim illa Sacris literis maxime consentanea esse adeoque exquisiti iudicii et doctrinae ut temere confictae narrationes aliorum facile ostendantur ac refutentur. Avide itaque lecturus eram libellum nisi D. Davides Voit noster illum mihi e manibus eripuisset, ut perlegendo me anteverteret&#039;&#039; (Briefsammlung Trew, Sign. STOIUS_MATTHIAS[30, Digitalisat unter https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:29-bv043954193-3H62/TREWBR ). Die Korrespondenz von Camerarius und Stojus untersucht Alexander Hubert ausführlich in seiner am Camerariusprojekt angesiedelten Dissertation.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ansonsten scheint Camerarius&#039; Jesus-Vita vor allem als historiographisches Werk rezipiert worden zu sein, was angesichts ihrer Konzeption als solches nur natürlich erscheint. [[Erwähnte Person::Joachim von Beust]] zitiert Camerarius&#039; Apostel-Viten in seiner 1591 gedruckten [[Erwähntes Werk::Beust, Orthodoxa enarratio Evangeliorum, 1591|&amp;quot;Orthodoxa enarratio&amp;quot;]] als Quelle zum Leben des Paulus&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Beust, Orthodoxa enarratio Evangeliorum, 1591]], Bd. 3, 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
sowie zur Identität des Judas Thaddäus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Beust, Orthodoxa enarratio Evangeliorum, 1591]], Bd. 3, 248f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf Camerarius&#039; genealogische Arbeiten stützen sich zwei spätere Werke: Eine 1685 von Johann Georg Kulpis herausgegebene Kompilation von Werken zur deutschen Geschichte enthält neben zahlreichen anderen Werken auch das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; des Albert von Stade; zu dem Abschnitt, an dem der Autor Jesu Abstammung behandelt und dies mit einem Stammbaum illustriert, notiert der Herausgeber: &#039;&#039;Potiorem de hac genealogia sententiam ducimus, quam sequitur Camerarius de vita Christi pag[ina] 41 et seq[uentibus].&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kulpis 1685]], 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ebenso verwendet der katholische Priester und Archäologe Jean-Jacques Bourassé in seinem polemischen Werk über die Jungfrau Maria Camerarius als Autorität gegen die Lutheraner, die keine Aussagen über Marias Abstammung anerkennen, die sich nicht anhand der Bibel belegen lassen: Schon Epiphanius und Augustinus hätten zur Ergänzung der Lehre der Heiligen Schrift auf die Autorität der Kirche verwiesen und auch die Lutheraner könnten nicht so viele Bücher füllen, wenn sie sich nicht in Teilen auf diese stützten. Marias Abstammung sei gut belegt und es gebe keinen Grund, gerade bei diesem Thema nur die Bibel als Quelle akzeptieren zu wollen, wie es Luther einst getan habe. Als eines der Beispiele für protestantische Gelehrte, die in dieser Frage von ihrem Lehrer Luther abweichen, führt Bourassé Joachim Camerarius an.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Bourassé 1862]], Sp. 674f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei kehrt er freilich Camerarius&#039; Absicht um, der zwar die Benutzung der antiken Autoren empfahl, diese aber ja gerade nicht als unfehlbare Autoritäten sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zeitgeschichte - Camerarius&#039; Geschichte der Böhmischen Brüder (1605)====&lt;br /&gt;
=====Der Kontakt zu den Böhmischen Brüdern=====&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; Hinwendung zur jüngeren Vergangenheit in seiner [[Erwähntes Werk::OC 0949|Geschichte der Böhmischen Brüder]] ist das Resultat langjähriger Kontakte zwischen dieser Organisation und den sächsischen Protestanten. [[Erwähnte Person::Martin Luther]]s Verhältnis zu den Brüdern war im Laufe seines Lebens einem starken Wandel unterworfen; nach anfänglicher Skepsis, die noch von Luthers Erziehung als Mönch geprägt war, öffnete er sich ab den 1520er Jahren zunehmend der Bewegung, gerade zu einer Zeit, als sich umgekehrt in Böhmen eine neue Generation immer mehr Wittenberg zuwandte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Molnár 1981]], 4ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch wenn Luther und die Unität&amp;lt;ref&amp;gt;Die Böhmischen Brüder maßten sich niemals die Bezeichnung einer Kirche an, da sie diesen Begriff universellen christlichen Kirche vorbehielten; sie selbst bezeichneten sich als Unität (lat. &#039;&#039;unitas&#039;&#039;, tsch. &#039;&#039;jednota&#039;&#039;) von Brüdern (vgl. [[Molnár 1951]], 102).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
keine engeren Beziehungen aufbauten und Luther seine eigene Lehre als die richtige sah, standen die Böhmischen Brüder für ihn doch der Wahrheit recht nahe. [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]] schätzte die Brüder, wie bereits ein Brief an dieselben von 1535 belegt, und sah in den wesentlichen Inhalten keine bedeutenden Unterschiede zur Lehre der Lutheraner.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 1559.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Streben nach Anerkennung hatte sich die Unität in ihrem Bekenntnis von 1535 deutlich an Luther angenähert; dieses Bekenntnis wurde nach weiteren Überarbeitungen im Sinne Luthers 1538 mit einem Vorwort desselben in Wittenberg gedruckt. Darin distanziert sich Luther deutlich von seiner früheren Ablehnung der Unität, die seinem früheren &#039;Papismus&#039; geschuldet gewesen sei; dass manche Riten und Zeremonien der Brüder von denen der Protestanten abwichen, sei nur eine natürliche Folge der geografischen und kulturellen Verschiedenheit: Nie hätten alle Kirchen in allen Riten übereingestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Molnár 1981]], 13 und [https://gateway-bayern.de/VD16+C+4825 VD16 C 4825].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] gab es in Camerarius&#039; Umfeld zudem eine weitere Person, die den Böhmischen Brüdern gegenüber überaus aufgeschlossen war:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch [[Teichmann 2004]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Anders als bei Luther und Melanchthon waren der Grund für Peucer keine theologischen Argumente, sondern seine Herkunft: Gebürtig stammte Peucer aus [[Erwähnter Ort::Bautzen]], seine Muttersprache war das Sorbische;&amp;lt;ref&amp;gt;So Peucer selbst in einem Brief an [[Erwähnte Person::Jan Blahoslav]] vom 19.06.1566 (vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00051842 ), unvollständig abgedruckt in [[Benz 1971]], 132, vollständig in [[Gindely 1859]], 289. Er gibt darin zu, dass er die Sprache nicht mehr fließend spreche, aber sich bemühe, sie präsent zu halten, und ihre vollständige Beherrschung sogar der der üblichen Bildungssprachen (ohne konkrete Nennungen) vorziehen würde: &#039;&#039;Nam et henetam linguam, in qua natus sum, interdum per otium repetere conor et sane integram malim, quam ex illis aliquam, quae a nostris hominibus sumptibus magnis, sed ambitione quadam magis, quam fructu discuntur.&#039;&#039; Vgl. auch [[Roebel 2012]], 16 (mit Anm. 10), 29, 95. Vgl. hierzu Melanchthons Lob für Melchior Wins, der seinen Sohn Tschechisch lernen lasse; diese Sprache ziehe auch Melanchthon der Französischen vor ([https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 8726).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Peucers Dialekt war dem Tschechischen ähnlich genug, dass er eine tschechische Bibelübersetzung als eine Übersetzung in &amp;quot;unsere Sprache&amp;quot; (&#039;&#039;nostra lingua&#039;&#039;) bezeichnete.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Benz 1971]], 129ff. und [[Roebel 2012]], 97.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Immer wieder übernahm Peucer daher Übersetzungsarbeiten aus dem Slawischen für Philipp Melanchthon; zugleich fungierte er in Wittenberg als Anlaufstelle für Besucher aus dem slawischen Raum und kümmerte sich besonders um die aus slawischen Gebieten stammenden Studenten in Wittenberg.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Roebel 2012]], 96f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Somit war es wohl eher das Ergebnis eines gewissen Zugehörigkeitsgefühls denn theologischer Übereinstimmung, dass Peucer &amp;quot;während der ganzen Zeit seines Wittenberger Aufenthaltes als Beschützer der böhmischen Brüder aufgetreten und der ständige Fürsprecher ihrer verschiedenen kirchlichen, theologischen und auch persönlichen Anliegen gewesen ist, und daß ihn während der ganzen Zeit eine enge Freundschaft mit den verschiedenen Führern und geistigen Häuptern der Brüder verband&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Benz 1971]], 133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Joachim Camerarius selbst war mit den Böhmischen Brüdern spätestens 1540 in Kontakt gekommen: Damals hatte die Unität ihren Bruder Matthias Erythraeus (Červenka) zu [[Erwähnte Person::Martin Bucer]] nach Straßburg entsandt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Beziehungen zwischen Martin Bucer und den Böhmischen Brüdern vgl. [[Molnár 1951]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am dritten Tag des Aufenthalts wurde die Gesandtschaft von [[Erwähnte Person::Wolfgang Capito]] zu einem Essen eingeladen, bei dem auch mehrere andere Gelehrte zugegen waren. Unter diesen befanden sich neben Bucer und Capito selbst auch [[Erwähnte Person::Caspar Hedio]], [[Erwähnte Person::Johannes Sturm]], [[Erwähnte Person::Johannes Calvin]] und eben Joachim Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Erythraeus&#039; eigenen Bericht in [[Gindely 1859]], 37 (deutsche Übersetzung), 62 (tschechisches Original). Camerarius&#039; Aufenthalt in Straßburg bezeugt ein [[OCEp 1019|Brief]] an Daniel Stiebar vom 10. Juni (vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1019]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
1556 traf er zudem den Unitätspriester [[Erwähnte Person::Jan Blahoslav]], als dieser von [[Erwähnter Ort::Magdeburg]] über [[Erwähnter Ort::Leipzig]] nach Böhmen zurückreiste;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Blahoslavs Erinnerung an das Treffen in einem Brief an Camerarius vom 16.07.1571, ediert in [[Gindely 1859]], 321f. Vgl. auch [[Goll 1878]], 63, [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 7845 (dat. 01.06.1556), [[Tschižewskij 1940]], 112 und [[Fritsch 2022]], 306.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
ein weiteres Treffen mit diesem auf Camerarius&#039; Rückreise von [[Erwähnter Ort::Wien]] im Jahr 1568 scheiterte.&amp;lt;ref&amp;gt;So Camerarius in einem Brief an [[Erwähnte Person::Isaiah Caepolla]] vom 25.07.1569 (vgl. [[OCEp 1426]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Erwähnte Person::Isaiah Caepolla]], der ebenfalls den Böhmischen Brüdern angehörte, immatrikulierte sich am 23.06.1563 an der Universität Wittenberg,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Förstemann 1894]], 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
wo Camerarius&#039; Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]] lehrte. Vermutlich lernte er während seines Studiums auch Camerarius kennen, mit dem er in der Folge brieflichen Kontakt hielt. Es ist einer dieser - in gedruckter Form erhaltenen - Briefe, in dem Camerarius seine Sympathie mit den Böhmischen Brüdern ausdrückt und bedauert, diese in ihrer schwierigen Lage nicht unterstützen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OCEp 1426]] (dat. 25.07.1569); Camerarius adressiert Caepolla in dem Schreiben als &#039;&#039;amicus&#039;&#039;. Sein Sohn [[Joachim Camerarius II.|Joachim]] führte diesen Kontakt später fort (vgl. Caepollas Brief an diesen vom 11.09.1576 ( http://www.aerztebriefe.de/id/00009579).)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außerdem erfahren wir dort, dass Caepolla Camerarius Gesangbücher als Geschenk schickte und Camerarius selbst auch tatsächlich Lieder daraus sang.&amp;lt;ref&amp;gt;Es mag sich dabei um das 1566 gedruckte deutschsprachige Gesangbuch &amp;quot;Kirchengeseng&amp;quot; der Böhmischen Brüder gehandelt haben ([https://gateway-bayern.de/VD16+XL+117 VD16 XL 117]). Zu den Gesangbüchern der Unität schreibt [[Sladká 2022]], 231: &amp;quot;[Die] aufwendig ausgeschmückten Gesangbücher [der Böhmischen Brüder] wurden berühmt und erfuhren eine Verbreitung quer durch alle Konfessionskirchen; die Verwendung durch Katholiken, Lutheraner und Utraquisten ist in zeitgenössischen Quellen dokumentiert.&amp;quot; Tatsächlich scheinen die Gesangbücher ein bedeutender Teil der Selbstinzenierung und &amp;quot;Propaganda&amp;quot; der Böhmischen Brüder gewesen zu sein (ebd., 233). Von Caepolla haben sich außerdem Korrekturbögen zu einem 1569 gedruckten Gesangbuch erhalten (vgl. [[Sladká 2022]], 250).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Caepolla im August 1571 erneut nach Deutschland reiste, nutzte Blahoslav die Gelegenheit, um Briefe an Camerarius, Rüdinger und Caspar Peucer überbringen zu lassen;&amp;lt;ref&amp;gt;Datiert auf den 16.07.1571, Edition in [[Gindely 1859]], 321f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
in dem Schreiben an Camerarius rekurriert er ebenfalls auf dessen positive Einstellung seiner Kirche gegenüber, von der er unter anderem über [[Erwähnte Person::Johannes Crato]] gehört habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Kontakt zwischen Crato und Blahoslav vgl. dessen Brief an Crato vom 17.08.1568 ( http://www.aerztebriefe.de/id/00034057). Daneben hatte Blahoslav auch regelmäßigen Kontakt zu [[Erwähnte Person::Caspar Peucer]] (vgl. http://www.aerztebriefe.de/).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe an Zitaten verdeutlicht Camerarius&#039; positive Einstellung gegenüber der Unität, die für ihn offenbar eine ursprüngliche, reinere Urkirche darstellte: Esrom Rüdinger sagte dem [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius II.|Camerarius&#039; Enkel Ludwig]] später, dessen Großvater habe sich immer gewünscht, vor seinem Tod einmal in Tschechien die christliche Gemeinschaft der Böhmischen Brüdern zu genießen und die Reinheit ihrer Lehre in der Praxis sehen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Ludwig Camerarius an Karl von Žerotín vom 01.02.1601 (ediert in [[Hrubý 1970]], 116-118): &#039;&#039;nempe vovere [Camerarium] ac precari solitum dicebat [sc. Esromus], ut antequam immutabili Dei aeterni voluntate et providentia migrandum esset ipsi ex hac vita, interesse ipsi liceret Fratrum in regionibus illis coetibus et cum communione ipsorum Christiana frui, tum disciplinae, quae inter illos vigeret, integritatem conspicere.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Stammbuch des Wenzel Placelius schrieb Camerarius nach dem Zeugnis des Johann Lasicius sogar, wenn es irgendwo auf der Welt die wahre Kirche Jesu gebe, dann bei den Böhmischen Brüdern.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Similiter praeclarus ille Joachimus Camerarius in Academia Lipsensi Graecae linguae Professor, scriptura ornans sua, more Germanis recepto, album amicorum Wenceslaii Placelii, nobilis Bohemi, nunc apud Fratres iudicis, huius sententiae verba in eo exaravit;&#039;&#039; Sicubi gentium nunc est vera Christi Ecclesia, certe apud Fratres Bohemicos est. &#039;&#039;Quod vir tantus haud temere pronunciavit: sed quia cum de ipsis historiam concinnare haberet in animo, scire prius eum oportuit, quales ii effent de quibus scripturus erat&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::Lasicius 1649]], 122).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und in seiner Geschichte der Böhmischen Brüder schreibt Camerarius selbst, wer bereit sei, genau hinzusehen und die Wahrheit zu bekennen, der werde nicht leugnen können, dass bei den Böhmischen Brüdern die Kirche Christi nicht nur in Wahrheit und in der Sache selbst, sondern auch in der äußeren Form offensichtlich erhalten sei und geleitet und geführt werde; daher werde jeder Kritiker der Böhmischen Brüder kaum dem Verdacht des Neides und der Verleumdung entgehen können (&#039;&#039;Sane qui attendere animum voluerint faterique verum, ii negare non poterunt, quin apud eos Christi Ecclesia non solum in veritate et re ipsa, sed manifesta etiam specie, retenta administrataque et gesta sit; ut eos reprehendentes, vix effugere invidiae et obtrectationum suspicionem posse videantur&#039;&#039;). Zudem lobt er die Unität für ihre christlichen Tugenden und moralische Integrität, da all die Laster, die die Protestanten unter sich entzweiten, bei jener nicht aufträten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 142f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei beruft sich Camerarius auf das positive Urteil Martin Luthers: So verweist er die Gegner der Unität auf das Bekenntnis, das kürzlich (in Rüdingers Übersetzung, s. [[#Joachim Camerarius, Esrom Rüdinger und die lateinische &#039;&#039;confessio&#039;&#039; der Böhmischen Brüder|&#039;&#039;&#039;den folgenden Abschnitt&#039;&#039;&#039;]]) neu aufgelegt und seinerzeit bereits von Luther abgesegnet worden sei. Wer nach Luthers Vorwort noch immer an der Orthodoxie der Brüder zweifle, hinterfrage allzu viel; wer sie aber gar anklage, der sei ein schlechter Mensch. Zwar habe Luther den Glauben der Brüder zunächst abgelehnt, weil er (als Mönch) die Wahrheit nicht gekannt habe, habe sich aber 1532 bei einem Treffen überzeugen lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;... Martinus Lutherus, tale prooemium curavit proponendum, ut qui post illud testimonium accurate et firmis rationibus explicatum, de religionis Fratrum sincera integritate, et pura disciplina honestate, dubitare et quaerere amplius velit, nimis curiosus; qui vero accusare adhuc illos audeat, improbus ac malus sit. Fuit autem initio M. Lutherus inscius veritatis, et ipse Fratribus iniquior. A quibus missi ad eum anno Christi M. D. XXII. quidam, ad considerationem diligentiorem commoverunt animum huius, et tunc conciliata est illius ipsis benevolentia atque amicitia, assensioque et approbatio tam dogmatum quam rituum, quae defenderent, et quos servarent&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 99).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Was Luther seinerzeit gegen die Religion der Brüder gesagt oder geschrieben habe, habe er später in anderen Reden und Schriften wieder korrigiert. In der Folge sei Luther der größte Bewunderer und Fürsprecher der Brüder gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sane quicquid [Lutherus] aliquando rumusculis dissipatis assentiens, contra Fratrum religionem, aut de eis criminose contra veritatem, dixit aut scripsit, id postea aliis sermonibus atque scriptis satis superque correxit. Constatque eum huius coetus admiratorem laudatoremque maximum fuisse&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 127).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
An anderer Stelle referiert Camerarius eine Aussage Luthers, die das Vorbild für seinen erwähnten Stammbucheintrag bei Wenzel Placelius gewesen sein mag.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Solos prope in orbe terrarum Fratres, cum puritate doctrinae, vigorem etiam disciplinae Christi apud se restituisse; Quae laus ut eis detur, et hoc in illis opus Domini praedicetur, rem ipsam cogere&#039;&#039; ([[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 142).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Joachim Camerarius, Esrom Rüdinger und die lateinische &#039;&#039;confessio&#039;&#039; der Böhmischen Brüder=====&lt;br /&gt;
Das Bekenntnis der Böhmischen Brüder wurde wiederholt überarbeitet, sodass die lateinische Version, die 1538 durch Luthers Vermittlung gedruckt worden war, bald veraltet war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 451ff. für eine Übersicht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außerdem erfreute sie sich wegen des allzu unreinen Stils ohnehin nur geringer Beliebtheit, wie Isaiah Caepolla selbst berichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 320. Vgl. auch [[Goll 1878]], 62: &amp;quot;Die Latinität der früheren Confessionen entsprach keineswegs den Ansprüchen des humanistisch gebildeten Zeitalters&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine reine lateinische Übersetzung der Konfession benötigten die Brüder zudem auch, um deren Übereinstimmung mit der &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; aufzeigen und so an der durch diese zugestandenen Religionsfreiheit teilhaben zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Benz 1971]], 137. Vgl. dort auch zum Folgenden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Peter Herbert, der die aktuelle deutsche Version des Bekenntnisses von 1564 besorgt hatte,&amp;lt;ref&amp;gt;Zu ihm vgl. Meyer, Gerhard: &amp;quot;Herbert, Petrus&amp;quot;. In: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 582 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119706032.html#ndbcontent.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
war allerdings aufgrund anderer Beschäftigungen nicht bereit, auch die lateinische Neuübersetzung zu übernehmen. Senior Blahoslav plädierte daher für eine Übersetzung durch den Bruder Johannes Aeneas, der damals unter [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]] in Wittenberg studierte. Dieser bat Rüdinger um eine Musterübersetzung einiger Abschnitte (wohl auf Basis des deutschen Textes&amp;lt;ref&amp;gt;Jedenfalls arbeitete Rüdinger später auf Basis der deutschen Version, wie aus Caepollas Bericht deutlich wird: &#039;&#039;Wittebergae eo tempore dum essem, familiaritate bonorum virorum et praecipuorum in academia usus sum, qui per occasionem saepe mecum loquebantur, esse ex re nostra, ut confessio Germanica Latine ederetur. Ipseque Esromus aliquoties miratus fuit, cur tam diu res differretur, atque aliquando inter conferendum mecum dixerat, se voluisse id officii nostris praestare, e Germanico in Latinum ut transferret, si per suas occupationes licuisset&#039;&#039; ([[Gindely 1859]], 320).&amp;lt;/ref&amp;gt;), deren Stil er dann imitieren konnte. Rüdinger lieferte diese; seine Version fand großen Gefallen bei Blahoslav, wie Isaiah Caepolla berichtet: &#039;&#039;Esromiana cum vidisset Blahoslaus, admodum delectatus est versione illa, ut diceret, se nunquam vidisse tam propriam, quae minus discederet a textu Bohemico, et tamen Latinissima esset.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Gindely 1859]], 320.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aeneas wurde bald nach Böhmen zurückberufen und fiel daher für die weitere Arbeit aus. Rüdinger ließ gegenüber Caepolla immer wieder verstehen, er würde gerne die vollständige Version aus dem Deutschen ins Lateinische übernehmen, wenn er nur die Zeit dazu hätte. Beide einigten sich, jeweils einige Abschnitte zu übersetzen, das Vorhaben scheiterte jedoch zunächst an Rüdingers anderen Beschäftigungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 320f. Vgl. auch [[Goll 1878]], 62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Blahoslav ließ aber nicht nach und trug Caepolla auf, weiter mit Rüdinger zu verhandeln. Am 05.08.1571 traf Caepolla diesen und sprach erneut mit ihm über das Vorhaben. Rüdinger hatte anscheinend seinerseits bereits Camerarius auf das Thema angesprochen und diesen gebeten, die Übersetzung zu übernehmen. Camerarius habe sich jedoch angesichts seines Alters und seiner schlechten Gesundheit (→ [[Medizin (CamLex)#Nierensteine – eine Familienkrankheit|&#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039;]]) selbst nicht zu einer Übersetzung in der Lage gesehen und überdies angemerkt, sein lateinischer Schreibstil sei nicht mit dem des Bekenntnisses kompatibel.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 328: &#039;&#039;[Esromus] [r]eferebat et hoc de Camerario, quod dixerit genus suae orationis periodicum esse, in nostra vero confessione esse commaticum quiddam.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 14. August besuchte Caepolla dann Camerarius in Leipzig und überbrachte Grüße von Blahoslav. Auch im persönlichen Gespräch lehnte Camerarius die Übersetzung ab, versprach aber, jemanden zu finden, der sie übernehmen könne. Caepolla bat ihn daraufhin, Rüdinger zur Übersetzung zu bewegen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 329f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser übernahm die Aufgabe denn auch tatsächlich, als Caepolla von Leipzig nach Wittenberg zurückkehrte, und zeigte sich dabei zu dessen großer Freude äußerst engagiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 330f. sowie Peucers Aussage in seinem Brief an Blahoslav vom 01.10.1571 auf 334.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 1. Oktober reiste Caepolla ein zweites Mal nach Leipzig und besuchte erneut Camerarius; wieder besprach man die Angelegenheiten der Unität. Über Dresden, wo gerade der &amp;quot;Consensus Dresdensis&amp;quot; beschlossen wurde,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 332. Zum &amp;quot;Consensus&amp;quot; vgl. [[Mager 1999]] und [[Hasse 2000]], S. 111-119.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
kehrte er anschließend nach Böhmen zurück, wo er dem sterbenskranken Blahoslav erste Kapitel von Rüdingers Übersetzung präsentieren konnte. Außerdem überbrachte Caepolla neben Briefen von Peucer und Rüdinger ein Antwortschreiben des Camerarius auf Blahoslavs Brief, in dem Camerarius erneut seine Sympathie für die Unität sowie sein Bedauern bekundet, dieser nicht helfen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 331ff., Brieftext auf 332f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 10.05.1572 brach Caepolla erneut nach Wittenberg auf, wo er am 23. desselben Monats ankam, um für Fertigstellung und nach Möglichkeit auch Druck von Esrom Rüdingers lateinischer Version des Bekenntnisses zu sorgen. Deren Abschluss gestaltete sich jedoch wegen Rüdingers anderer Verpflichtungen mühsam.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 338.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich bemühte sich Caepolla um die Unterstützung der Wittenberger Theologen in Form eines öffentlichen &#039;&#039;Testimoniums&#039;&#039;. Diese allerdings hatten Bedenken, da man sie am Hof bereits des Calvinismus verdächtige und ihnen klar gemacht habe, dass sie nichts ohne Zustimmung des Hofes publizieren sollten; zudem befürchtete man, dass, wenn man der Unität Unterstützung gewähren würde, andere Gruppen ebenfalls darum ersuchen würden: Innerhalb von zwei Jahren seien schon 14 Bekenntnisse in Wittenberg vorgelegt worden; die Universität habe alle mit der Begründung abgelehnt, dass die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; als einziges genüge.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 338 und [[Benz 1971]], 137f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch Rüdinger selbst äußerte zuweilen inhaltliche Bedenken am Bekenntnis und änderte neben seiner Übersetzertätigkeit den Text teilweise auch inhaltlich ab, etwa wenn es um den Ritus der erneuten Taufe ging, den die Unität eine Weile praktiziert hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 330, 338 und [[Benz 1971]], 138.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Am 11. August verließ Caepolla Wittenberg und reiste nach Böhmen zurück;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 339.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
gegen Ende des Jahres machte er sich jedoch erneut auf den Weg ins Reich und kam am 01.01.1573 wieder in Leipzig und kurz darauf in Wittenberg an.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 341 und 346.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei überbrachte er diverse Briefe an die Wittenberger Theologen, an Esrom Rüdinger und an Caspar Peucer, in denen die Brüder nun unter anderem ganz offiziell die Druckerlaubnis für das Bekenntnis sowie ein &#039;&#039;Testimonium&#039;&#039; der theologischen Fakultät zugunsten der Brüder erbaten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 341ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vor der Weiterreise nach Wittenberg suchte Caepolla den Rat des Camerarius ([[#Die Genese der &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot;|&#039;&#039;&#039;s.u.&#039;&#039;&#039;]]); dieser sah jedoch - zurecht, wie sich zeigte - keine Möglichkeit, von den Wittenbergern eine öffentliche Stellungnahme zu erhalten, und lehnte auch selbst eine solche ab, da er fachlich nicht zuständig sei: Er würde nur die Wut ihrer Gegner auf sich selbst wie auch auf die Unität lenken.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 347. Wie an anderer Stelle Caspar Peucer (vgl. [[Benz 1971]], 138f. nach [[Gindely 1859]], 334 und 337) äußert sich Camerarius hier laut Caepolla bitter über die Uneinigkeit der Protestanten. Gerade nach dem Tod [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]]s habe Camerarius große Bedenken: Dieser sei zwar nicht sehr gebildet gewesen, habe sich jedoch gut steuern lassen, sodass die Erfolgsaussichten höher wären, wenn er noch lebte (&#039;&#039;etsi non erat excellenter doctus, tamen suo loco utiliter et bene docebat et scribebat, et patiebatur sibi subiici et moneri. Habebam, inquit [sc. Camerarius] ipsum quasi in manibus et potuissem ipso viro de successu rei melius sperare&#039;&#039;). Vgl. [[Gindely 1859]], 346f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schließlich wurde das Bekenntnis schließlich den Wittenberger Theologen zur Prüfung übergeben; der Theologe [[Erwähnte Person::Georg Maior]] präsentierte daraufhin einen alten Brief Luthers - dessen Echtheit Caepollas Bericht explizit in Frage stellt -, in dem Luther auf Distanz zu den Böhmischen Brüdern und namentlich ihrer Abendmahlslehre ging.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Gindely 1859, 348f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus privaten Gesprächen entnahm Caepolla zudem, dass die Theologen sich allgemein zurückhaltend zeigten, nicht etwa - entgegen seiner Befürchtung - aufgrund Maiors Protest, sondern aus Angst, die Druckerlaubnis zu verlieren, wenn sie etwas zum Druck zuließen, was dem Hof nicht gefiele.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 349.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
So antwortete [[Erwähnte Person::Caspar Cruciger d.J.]], der für Fragen der Zensur zuständig war,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hasse 2000]], 390.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
denn auch am 30. Januar, er habe zwar persönlich nichts gegen den Druck, eine öffentliche Stellungnahme zugunsten der Unität sei jedoch nicht möglich, da man Wittenbergs Feinden keine Angriffsfläche bieten wolle. Die Entscheidung über die Druckerlaubnis aber stehe der Universität nicht frei, er empfehle stattdessen eine Drucklegung in der Umgebung (etwa in Bautzen) auf Kosten und Risiko der Buchhändler.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 350.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf Caepollas schriftlichen Protest hin&amp;lt;ref&amp;gt;Abgedruckt in [[Gindely 1859]], 351-355.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
entschied man sich dann aber dennoch für den Druck in Wittenberg. Auf das öffentliche &#039;&#039;Testimonium&#039;&#039; verzichtete Caepolla, um die Wittenberger Theologen nicht zu gefährden;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 355f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
diese verfassten jedoch selbst privat einen Brief an die Böhmischen Brüder, in dem sie den Druck und die Akzeptanz der Unität bis in rituelle Einzelheiten bestätigten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 356ff. Derselbe Brief fand dann Eingang in die Basler Edition des Bekenntnisses von 1575 (vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+4828 VD16 C 4828], 11ff.).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dann ging alles recht schnell: Vom Beginn des Drucks zeugt ein Brief Esrom Rüdingers an Andreas Stephanus vom 06.02.1573;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 359.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
am 1. März berichtet Rüdinger in einem Brief an Caepolla nach Abschluss des Drucks von seiner Unzufriedenheit mit dem Ergebnis: Er habe nicht durchsetzen können, dass ihm dieselbe Seite zweimal zur Korrektur vorgelegt werde, und so sei der Druck noch immer voller Fehler.&amp;lt;ref&amp;gt;Dies muss für die sonst überaus auf Perfektion bedachten Brüder schmerzlich gewesen sein, die sonst alles bis hin zur Kommasetzung streng regelten. Vgl. [[Sladká 2022]], 247ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zudem habe sich der Drucker geweigert, Bibelverse als Marginalien zu drucken (nur Buch und Kapitel wurden angegeben). Auf Anraten Caspar Peucers habe man zudem wieder Luthers Vorwort von 1538 abgedruckt. Außerdem enthält der Druck ein historisches Vorwort, das wohl Rüdinger und Caepolla gemeinschaftlich zuzuschreiben ist.&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Goll 1878]], 62. Zur lateinischen Version des Bekenntnisses vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+4827 VD16 C 4827].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zudem rate er, bald die deutsche Version des Bekenntnisses drucken zu lassen; diese hatte ja die Basis der lateinischen Übersetzung gebildet, war aber nun noch einmal so überarbeitet worden, dass sie dem von Rüdinger übersetzten und inhaltlich angepassten lateinischen Text wieder entsprach.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 361f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diesem Rat folgten die Brüder bis Ende April.&amp;lt;ref&amp;gt;Am 24. April befindet sich die deutsche Version im Druck (vgl. Rüdingers Brief an Stephanus [[Gindely 1859]], 360); am 25. April schreibt Rüdinger auch Caepolla, der Druck der deutschen Version schreite voran (vgl. Gindely 1859, 362f.). Für den fertigen Druck vgl. [https://gateway-bayern.de/VD16+C+4832 VD16 C 4832].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Die Genese der &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot;=====&lt;br /&gt;
Parallel zu den Arbeiten an der lateinischen &#039;&#039;confessio&#039;&#039; verfasste Camerarius ein [[OC 0949|Geschichtswerk über die Böhmischen Brüder]]. Die Arbeit daran war nicht vor 1568 abgeschlossen, wie eine enthaltene Erwähnung von [[Erwähnte Person::Matthias Flacius|Flacius&#039;]] &amp;quot;[[Erwähntes Werk::Flacius, Confessio Valdensium, 1568|Confessio Valdensium]]&amp;quot; zeigt, vermutlich begann Camerarius allerdings erst deutlich später, definitiv aber vor dem Spätsommer 1572.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 343f. Vgl. auch [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Über die Entstehungsumstände ist wenig explizit bekannt, einiges lässt sich aber aus den Berichten des [[Erwähnte Person::Isaiah Caepolla]] und seiner Korrespondenz mit Joachim Camerarius erschließen. Der Pole Johannes Lasicius (Jan Łasicki), der mit den Brüdern in seiner Heimat Polen, aber auch in Böhmen selbst in Kontakt gekommen war,&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem vgl. [[Wotschke 1925]], [[Goll 1878]], 74ff., [[Havelka 2022]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
hatte bis 1568 von sich aus eine Geschichte der böhmischen Brüder mit dem Titel &amp;quot;De origine et institutis fratrum Christianorum, qui sunt in Prussia, Polonia, Boemia et Moravia commentarius&amp;quot; verfasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu dieser ersten Schrift des Lasicius vgl. [[Goll 1878]], 76ff., [[Havelka 2022]], 482f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Manuskript hatte er zunächst an [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze]] zur Begutachtung geschickt, der es mit zwei Jahren Verzögerung am 01.03.1570 mit Verbesserungsvorschlägen an Lasicius zurückschickte und diesen insbesondere anwies, eine Antwort auf [[Erwähnte Person::Matthias Flacius]]&#039; &amp;quot;[[Erwähntes Werk::Flacius, Confessio Valdensium, 1568|Confessio Valdensium]]&amp;quot; einzufügen und Anfeindungen so zuvorzukommen; wenn Lasicius das täte, wolle de Bèze gerne für den Druck des Werkes sorgen. Lasicius ließ seine Schrift zusammen mit Bezas Gutachten wenig später dem Unitätsbruder Jan Lorenc zukommen und bot an, sie drucken zu lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 379ff., [[Wotschke 1925]], 95f., [[Havelka 2022]], 483. Allgemein bestanden innerhalb der Brüderunität strenge Regelungen bezüglich Druckpublikationen: Sämtliche Druckschriften von Mitgliedern der Unität mussten zunächst vom Inneren Rat genehmigt werden. Dieses Kontrollbestreben erstreckte sich jedoch auch auf Werke von Nicht-Mitgliedern. Vgl. [[Sladká 2022]], 244f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vermutlich über Lorenc,&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Havelka 2022]], 483.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
vielleicht auch später in einer überarbeiteten Version&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Goll 1878]], 75.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
gelangte das Manuskript in die Hände [[Erwähnte Person::Jan Blahoslav]]s; dieser hatte einige Bemerkungen notiert und gab die Schrift [[Erwähnte Person::Isaiah Caepolla]] mit, als dieser im August 1571 nach Wittenberg reiste, mit dem Auftrag, er möge dort mit Lasicius konferieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 321.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In einem Brief an Lasicius, den ebenfalls Caepolla überbrachte, fordert Blahoslav Lasicius auf, sein Unternehmen weiterzuführen und so die große Lücke zu schließen, die der Mangel an prounitärer Geschichtsschreibung darstelle; außerdem ließ er durch Caepolla weitere Quellen und historische Notizen überbringen&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den neuen Quellen schreibt Jaroslav Goll: &amp;quot;Als Br. Isaias Cepola im Jahre 1571 nach Deutschland kam, befand sich ein historisches Werk des Blahoslav in seinen Händen. Cepola selbst bezeichnet dasselbe als &#039;&#039;istas Blahoslai nostri notas seu annales nostros&#039;&#039;. Damit kann nur die Summa gemeint sein, da doch Peucer, dem Cepola diese Schrift lieh, das &#039;&#039;böhmische&#039;&#039; Werk, die jetzt allgemein dem Blahoslav zugeschriebene Geschichte der Brüder, nicht verstanden hätte.&amp;quot; ([[Goll 1878]], 56; zu Blahoslavs &amp;quot;Summa&amp;quot; vgl. ebd., 53ff. (Edition auf 114-128), zur böhmischen Geschichte vgl. ebd., 56ff.). Diese Schlussweise ist offensichtlich falsch, da Peucer, wie [[#Der Kontakt zu den Böhmischen Brüdern|&#039;&#039;&#039;oben&#039;&#039;&#039;]] erläutert, Tschechisch (oder &amp;quot;Böhmisch&amp;quot;) sehr wohl lesen konnte; das Ergebnis des Schlusses kann jedoch zumindest halb so bestehen bleiben: Denn nicht nur Peucer, sondern auch Rüdinger bekam die &#039;&#039;Blahoslai nota[e] seu annales nostr[i]&#039;&#039; zu sehen (vgl. [[Gindely 1859]], 328f.); von Rüdinger sind nun aber definitiv keine Kenntnisse des Tschechischen - oder anderer slawischer Sprachen - bekannt (noch 1583 sagte Rüdinger selbst im Kontext seiner Tätigkeit in Ivančice, er verstehe kein &amp;quot;Böhmisch&amp;quot;, vgl. [[Ball 1898]], S. 91). Die allgemein Blahoslav zugeschriebene lateinische &amp;quot;Summa&amp;quot; war also wohl in der Tat unter den Notizen, die Caepolla überbrachte; allerdings - und daher ist das Ergebnis des Schlusses nur &#039;&#039;halb&#039;&#039; korrekt - berichtet Caepolla später, er habe im Frühsommer 1572 einige der Notizen aus dem Tschechischen ins Lateinische übersetzt (vgl. [[Gindely 1859]], 330). Es befanden sich also &#039;&#039;auch&#039;&#039;, wenn auch nicht nur, tschechische Quellen unter diesen. Dabei mag es sich ggf. auch um eine von Blahoslav auf Tschechisch verfasste Geschichte handeln (vgl. [[Goll 1878]], 56ff., besonders aber 60f. zur Argumentation für die Existenz einer heute verlorenen Geschichte der Böhmischen Brüder von Blahoslavs Hand in unbekannter Sprache).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
und wies diesen an, Lasicius bei der Arbeit zu unterstützen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 325-328. Vgl. auch [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zunächst traf Caepolla Lasicius in Wittenberg jedoch nicht an; erst am 28. August kehrte dieser aus Polen zurück, sprach kurz mit Caepolla und versprach ihm dann, nach seiner Rückkehr aus Frankreich nach Mähren zu kommen und dort gemeinsam an seinem Werk arbeiten zu wollen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 330.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
So hatte Caepolla noch vor Lasicius&#039; Ankunft aus Polen ausreichend Gelegenheit, sich mit Esrom Rüdinger und Caspar Peucer über Lasicius&#039; Werk austauschen zu können. Beide fanden jedoch keinen Gefallen an der Schrift: Für Rüdinger war der Stil für das ernste Thema nicht angemessen; man habe das Gefühl, Lasicius könne nicht schreiben (&#039;&#039;Apparere inde, non multum esse versatum hominem in scribendo&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 328.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch Peucer, der sich die Mühe machte, das Werk auf einer Schulvisitation komplett zu lesen, lobte im Anschluss Lasicius&#039; Vorhaben, bemängelte jedoch den Stil (&#039;&#039;placere sibi dicebat studium ipsius [sc. Lasicii], sed historicum stylum se desiderare in opere contexto&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 329.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rüdinger hatte jedoch an den historischen Notizen Gefallen gefunden, die Caepolla eigentlich zur Unterstützung des Lasicius mitgebracht hatte. Wenn ein Historiograph diese in die Hände bekäme, so meinte er, könne er damit leicht ein historisches Werk verfassen (&#039;&#039;Longe praeferebat [sc. Rüdingerus] breves istas Blahoslai notas seu annales nostros; si quispiam historicus eas haberet, haud difficile chronicon scribere posset&#039;&#039;). Er selbst würde dies gerne übernehmen, wenn er die Zeit dafür hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 328f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieses Gespräch zwischen Rüdinger und Caepolla im August 1571 liefert somit einen sicheren Terminus ante quem für Camerarius&#039; eigene Bemühungen um eine Geschichte der böhmischen Brüder: Gewiss hätte Rüdinger gewusst, wenn sein Schwiegervater bereits an einem solchen Geschichtswerk arbeitete, und hätte es im Gespräch erwähnt und Caepolla aufgefordert, seine Quellensammlung Camerarius zukommen zu lassen; Caepolla hatte ebenfalls keinen Grund, eine solche Äußerung Rüdingers in seinem Bericht zu verschweigen, da er Camerarius&#039; eigenes Werk kurz darauf selbst unterstützte und offen in seinem Bericht erwähnt. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vielmehr nahm Camerarius&#039; Interesse für die Geschichte der Böhmischen Brüder vermutlich tatsächlich hier im August 1571 seinen Anfang: Bei Caepollas Besuch am 14.08.1571, bei dem er Camerarius auch den erwähnten Brief des Blahoslav überbrachte ([[#Der Kontakt zu den Böhmischen Brüdern|&#039;&#039;&#039;s.o.&#039;&#039;&#039;]]) und mit Camerarius über die Pläne zur Übersetzung des Bekenntnisses sprach ([[#Joachim Camerarius, Esrom Rüdinger und die lateinische confessio der Böhmischen Brüder|&#039;&#039;&#039;s.o.&#039;&#039;&#039;]]), zeigte sich dieser hochinteressiert an den Angelegenheiten der Unität, ihrer Geschichte und ihren Riten. Auf Caepollas genauere Erklärung einiger Rituale bekannte Camerarius, dass er diese nicht als Neuerungen der Brüder, sondern als Wiedereinführung von Riten sah, die schon in der frühen Kirche zelebriert worden seien (&#039;&#039;dicebat ... nihil novi a nostris fieri, sed eundem ritum fuisse in veteri ecclesia, id quod videre est ex scriptis patrum&#039;&#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 329.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch bei Caepollas zweitem Besuch im Oktober tauschten sich beide wieder über die Brüder aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 331f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In seiner (undatierten) Antwort auf Blahoslavs Schreiben, die Caepolla im Oktober 1571 mit nach Tschechien nahm, bedauert Camerarius erneut, den Brüdern nicht recht helfen zu können, da er zu alt und zu krank sei und seine Autorität in Glaubenssachen zu wenig Gewicht habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 331ff., Brieftext auf 332f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch hier also noch keine Erwähnung des Vorhabens, ein Geschichtswerk zu verfassen, geschweige denn ein Versprechen, dies zu tun;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 64: Zu einem solchen habe Caepolla Camerarius bewogen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
doch das Interesse an der Geschichte der Unität war im Sommer 1571 offensichtlich bereits geweckt. Über Rüdinger und Peucer hörte Camerarius zudem vermutlich von dem Versuch des Lasicius und erhielt eine erste Einschätzung von dessen Qualität; auch mit Lasicius selbst sprach er nach dessen Zeugnis im Sommer 1571 über die Geschichte der Brüderschaft.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Lasicius 1649]], 122: &#039;&#039;Multis idem Camerarius de iisdem Fratribus mecum, praesente celebri illo Medico Gasparo Peucero, ... Lipsiae contulit, Anno 1571. cum tertio iter facerem in Galliam.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vermutlich war dies für Camerarius letztlich der Anlass, sein Interesse am Thema zu verschriftlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Inhalt des Geschichtswerks selbst legt die Vermutung nahe, dass Camerarius in der zweiten Hälfte des Jahres 1571 oder Anfang 1572 von der Planung zum aktiven Schreiben übergegangen war: Die &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot; ist zweigeteilt; nach einer zunächst recht oberflächlichen Darstellung der Geschichte der Böhmischen Brüder kehrt die Erzählung nach einem zweiten Proöm an den Anfang zurück und beginnt detaillierter von Neuem.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch [[Erwähntes Werk::OC 0949]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Jaroslav Goll erklärt dieses Phänomen dadurch, dass Camerarius von Caepolla neues Quellenmaterial erhalten und daraufhin noch einmal neu angesetzt habe;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
diese Erklärung ist plausibel und deckt sich zudem mit dem, was wir von Caepolla hören: Demnach wäre der erste Teil des Werks irgendwann nach Caepollas Abreise im Winter 1571/72 entstanden. Bei seinem nächstem Aufenthalt in Wittenberg zwischen dem 23.05. und dem 11.08.1572 nutzte Caepolla dann die Zeit, die Rüdinger mit der Übersetzung des Bekenntnisses verbrachte, um selbst einige historische Notizen aus dem Tschechischen ins Lateinische zu übertragen;&amp;lt;ref&amp;gt;Die Notizen hatte er ja bei sich behalten, nachdem Lasicius versprochen hatte, nach seiner Rückkehr aus Frankreich nach Mähren zu kommen und Caepolla dort zu treffen (vgl. [[Gindely 1859]], 330). Lasicius verstand als gebürtiger Pole vermutlich Tschechisch zumindest bis zu einem gewissen Grad; daher war keine Übertragung ins Lateinische vonnöten gewesen, solange Lasicius alleine der Adressat gewesen war. Mit Camerarius&#039; Auftreten änderte sich das nun.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
im Rahmen zweier weiterer Besuche in diesem Zeitraum übergab er diese Übersetzungen in Leipzig an Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 339. Vgl. auch [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser begann nach Erhalt des neuen umfangreichen Quellenmaterials von vorne, was die zweigeteilte Struktur der &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot; erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch [[Erwähntes Werk::OC 0949]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei seiner erneuten Reise nach Sachsen an Neujahr 1573 überbrachte Caepolla ein Schreiben des Andreas Stephanus, in dem dieser bei Camerarius - wie auch schon bei den Wittenbergern - um ein &#039;&#039;Testimonium&#039;&#039; zugunsten der Brüder anfragt und ihn bittet, soweit es Gesundheit und Beschäftigungen zulassen, sein Geschichtswerk fortzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 343f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie die Wittenberger lehnte Camerarius ein öffentliches &#039;&#039;Testimonium&#039;&#039; ab ([[#Esrom Rüdinger, Joachim Camerarius und die lateinische &#039;&#039;confessio&#039;&#039; der Böhmischen Brüder|&#039;&#039;&#039;s.o.&#039;&#039;&#039;]]), machte jedoch anderweitig Hoffnung: Er habe sich bereits in [[Erwähntes Werk::Flaminio, Epistolae, 1571|seiner Übersetzung der Flaminio-Briefe]] positiv über die Brüder geäußert&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Flaminio, Epistolae, 1571]], Bl. I4r/v.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
und er hoffe, ein noch umfangreicheres und bedeutenderes Werk zu hinterlassen - eine klare Anspielung auf das im Entstehen begriffene Geschichtswerk.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Gindely 1859]], 347.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem arbeitete Camerarius nun im Laufe des folgenden Jahres, er wartete aber offenbar noch auf weitere Unterstützung von Seiten der Unität. Am 13.05.1574 jedoch musste Esrom Rüdinger Caepolla mitteilen, es sei nun zu spät, da Camerarius kürzlich verstorben sei; er selbst befinde sich daher in tiefer Trauer, und es komme noch hinzu, dass einige Leute ihm - im Zuge der Kryptocalvinistenverfolgungen in Wittenberg - mit dem Exil drohten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Historica vestra nimis diu distulistis, cum senex noster iam sit mortuus. Ego socero amisso non tantum in luctu sum gravissimo, sed sunt etiam, qui exilia nobis minantur&#039;&#039; (Gindely 1859, 363). Es ist unklar, ob und inwieweit - den Befürchtungen der Wittenberger entsprechend - die Arbeit an und die Druckerlaubnis für das Bekenntnis der Böhmischen Brüder sich auf die Verfolgungen auswirkten.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Tat folgte Rüdinger bald darauf dem Ruf der Böhmischen Brüder nach [[Erwähnter Ort::Eibenschütz]] (Ivančice), um dort das Internat des Gymnasiums zu leiten. Er kehrte von dort erst 1588 nach [[Erwähnter Ort::Altdorf]] bei Nürnberg zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Ball 1898]], S. 88-97, [[Fritsch 2022]], 306 und Siegfried, Carl G.A.: &amp;quot;Rudinger, Esrom&amp;quot;. In: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 470 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117598690.html#adbcontent. Zur Rückkehr vgl. auch http://www.aerztebriefe.de/id/00041022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Die Bewertung des Geschichtswerks=====&lt;br /&gt;
So starb Camerarius, ohne der &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot; den letzten Schliff gegeben zu haben; im Rahmen einer finalen Überarbeitung wäre vermutlich auch die doppelte Erzählung zu einer einzigen vereint worden. Camerarius&#039; Enkel [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius II.|Ludwig]] fand das handschriftliche Werk nach eigener Aussage im Jahr 1600 oder 1601 im Nachlass seines Vaters [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Joachim Camerarius d.J.]] und beschloss auf die Bitten von Freunden hin, es zu drucken. Diese empfahlen auch, die mittlerweile kaum noch verfügbare lateinische &amp;quot;Confessio&amp;quot; in den Druckverbund einzugliedern. Dies wollte er jedoch nicht ohne die Erlaubnis der Unität tun, um deren Sache es immerhin gehe.&amp;lt;ref&amp;gt;Brief an Karl von Žerotín vom 01.02.1601 (ediert in [[Hrubý 1970]], 116-118). Zur Druckgeschichte vgl. auch Ludwig Camerarius&#039; Widmungsbrief ([[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], Bl. **5r/v).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das Werk kam letztlich - ohne die &amp;quot;Confessio&amp;quot;, aber in Verbund mit diversen weiteren Schriften zu den Böhmischen Brüdern - 1605 in den Druck.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]] und [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch von Ausgaben aus den Jahren 1615 und 1625 ist berichtet worden, diese sind allerdings nicht mehr greifbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Beyreuther et al. 1980]], 52, [[Fritsch 2022]], 309.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jaroslav Goll bezeichnet insbesondere die zweite, detailliertere Hälfte als &amp;quot;die erste wissenschaftliche Darstellung der älteren Brüdergeschichte (...). Sie wurde im 16. und 17. Jahrhunderte von keiner späteren Arbeit übertroffen und ist auch für uns, die wir auf ihre Quellen zurückgreifen können, nicht ohne Wert&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch Alfred Eckert sieht die &amp;quot;Historica Narratio&amp;quot; als &amp;quot;wertvolle Quelle zur Erforschung der Geschichte der Brüdergemeinde&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Beyreuther et al. 1980]], 46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zugleich, so Goll, sei das Werk von antiken Vorbildern - in Bezug auf &amp;quot;unnötige&amp;quot; Exkurse - und der typischen Apologetik der unitären Geschichtsschreibung geprägt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Tat äußert sich Camerarius zu Beginn des Werks geradezu programmatisch zu dem Ziel der &amp;quot;Historica narratio&amp;quot;: Zu viele Lügen und Unwahrheiten seien im Laufe der Zeit über die Böhmischen Brüder verbreitet worden und beeinflussten die Urteilsbildung der Menschen. Er wolle nun die wahre Geschichte der Unität verkünden und so dem Leser ein angemessenes Urteil darüber erlauben, ob man sich bei den Brüdern von der wahren Lehre entfernt habe oder ob sie im Gegenteil diese aus gleichsam babylonischer Verwirrung wiederhergestellt hätten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0949]], [[Erwähntes Werk::Camerarius, Historica narratio, 1605]], 6f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die apologetische Note verstärken die Textbeigaben, die gezielt ausgewählt wurden, um die Verbindung zwischen Hussiten und Böhmischen Brüdern zu belegen und die zu Waldensern und Albigensern zu widerlegen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Beyreuther et al. 1980]], 52f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Indem er die Böhmischen Brüder nicht von den Taboriten unterscheide, begehe Camerarius laut Goll allerdings einen ähnlichen Fehler, wie er Flacius in dessen Vermischung von Waldensern und Unität vorgeworfen habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Blahoslav zugeschriebene &amp;quot;Summa&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
habe Camerarius vollständig übernommen, wenn auch teilweise sprachlich überarbeitet, und anschließend inhaltlich erweitert.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 65ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Lasicius, den die Brüder ursprünglich hatten unterstützen wollen, überarbeitete nach Erhalt des zusätzlichen Materials 1571 seine angefangene Geschichte der Böhmischen Brüder gründlich und erweiterte sie über eine Dekade lang zu acht Büchern.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 75, [[Havelka 2022]], 483.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesen arbeitete er zunächst bis 1585 und stützte sich dabei auch - in handschriftlicher Form - auf das Werk des Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 74 und 78, dort auch Anm. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dann schickte er seine Schrift erneut zur Begutachtung an die Brüder, &amp;quot;deren Reaktion allerdings auch diesmal ausweichend war. 1592 beschloss die Unität, nicht länger auf die Nachfragen von Lasitius zu reagieren&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Havelka 2022]], 483.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Lasicius unternahm daraufhin eine weitere Überarbeitung mit neuen Materialien, die der polnische Senior der Brüder Simeon Theophil Turnowski ihm zur Verfügung stellte. Mit seinem Schreiben vom 12.01.1599 widmete er es Karl von Žerotín in der Hoffnung, dass dieser das Werk zum Druck bringen würde. Dazu kam es jedoch zu Lasicius&#039; Lebzeiten nicht mehr;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 75f., [[Wotschke 1925]], 95, [[Kurze 1975]] 53f., [[Havelka 2022]], 483f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Karl der Ältere von Žerotín brachte der &#039;&#039;Historia&#039;&#039; offenkundig kein größeres Interesse entgegen&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Havelka 2022]], 487.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Auch Jaroslav Golls Urteil über Lasicius&#039; Werk fällt hart aus: &amp;quot;Weitschweifigkeit, ja Schwatzhaftigkeit könnte man [Lasicius] zum Vorwurf machen. Je weiter die Arbeit fortschreitet, desto wertloser wird sie&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Goll 1878]], 78f.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Das Manuskript verschwand in Archiven, ohne allerdings vollständig vergessen zu werden,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Havelka 2022]], 487ff.: Zumindest Johannes Laetus (Veselský) und Andrzej Węgierski hatten Zugriff auf das Werk und verwendeten es in ihren eigenen kirchenhistorischen Darstellungen. Über Węgierski kam vermutlich Laetus an Auszüge und das Manuskript schließlich in den Besitz von Comenius.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
bis es an [[Erwähnte Person::Johann Amos Comenius]] kam, der 1649 das achte Buch mitsamt Auszügen aus den anderen Büchern und Inhaltsverzeichnissen zu diesen drucken ließ.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 76 und [https://kxp.k10plus.de/DB=1.28/CMD?ACT=SRCHA&amp;amp;IKT=8079&amp;amp;TRM=%2712:116849B%27 VD17 12:116849B] (= [[Lasicius 1649]]). Zu einer Edition von 1660 aus Amsterdam vgl. http://www.wbc.poznan.pl/dlibra/docmetadata?id=335034. Vgl. ausführlich [[Havelka 2022]], 491.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Vermutlich dachte er es als eine Art Sittenspiegel, um den Böhmischen Brüdern seiner Zeit, ein Jahr nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs, vorzuhalten, wie weit man sich bereits von den Idealen der Frühzeit entfernt hatte, vergleicht Lasicius die Unität seiner Zeit doch noch mit den urchristlichen Gemeinden des Epheserbriefs.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Havelka 2022]], 496.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das ursprüngliche Manuskript verbrannte vermutlich 1656 in Lissa, wohin Comenius es mitgenommen hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Havelka 2022]], 484.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Einige Abschriften von Teilen des Werks haben sich erhalten, außerdem Exzerpte des Comenius.&amp;lt;ref&amp;gt;Erhalten sind die Bücher 1-4 und 6, wobei einige Paragraphen von Buch 4 als Buch 5 gezählt werden. Vgl. genauer [[Havelka 2022]], 484f., dort auch mit Kapitelüberschriften und Inhaltsangaben. Zu Comenius&#039; Exzerpten vgl. ebd., 491.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Lasicius&#039; erstes, kürzeres Werk blieb in Auszügen zumindest bis 1925 in verschiedenen Archiven erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Goll 1878]], 76f. und [[Wotschke 1925]], 96.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Alexander Hubert&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Systematische Theologie und theologische Positionen des Camerarius===&lt;br /&gt;
Das lange Leben des Camerarius weist in theologischer Hinsicht naturgemäß einige Brüche auf. Die Hinwendung zur Reformation lässt sich durch einige biographische Erlebnisse belegen: Die [[Erwähnte Körperschaft::Sodalität (Erfurt)|Erfurter Sodalitas]] oder den Umzug nach [[Erwähnter Ort::Wittenberg]] 1521. Später erfolgende Positionsverschiebungen lassen sich aufspüren, indem man Camerarius&#039; Äußerungen zu bestimmten theologischen Fragen an verschiedenen Zeitpunkten vergleicht -, sofern er sieoffen kommuniziert. Vorsicht ist dagegen geboten bei Aussagen Dritter, die ihn (oft polemisch) bestimmten theologischen Lagern zuordnen, so wie [[Erwähnte Person::Nikolaus Selnecker]] ihn etwa als Haupt der Leipziger Calvinisten bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Aussage von [[Erwähnte Person::Jakob Andreae]]: Brief-ID 20922, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/20922. Zugriff am 16.2.2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Freundschaft zu Melanchthon legt es nahe, ihn einen [[Erwähnte Körperschaft::Philippisten]] zu nennen;&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Schubert 2013]], S. 49.&amp;lt;/ref&amp;gt; jedoch ist dieser Begriff mangels klarer Definition&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Problematik vgl. [[Koch 1986]] und [[Ludwig 2009]], S. 8-16.&amp;lt;/ref&amp;gt; weder eindeutig noch aussagekräftig. Beide entwickelten und vertraten gemeinsam die Lehre von den &amp;quot;Adiaphora&amp;quot;: Bei diesen handelte es sich überwiegend um Zeremonien und Äußerlichkeiten, die als nicht heilsnotwendig erachtet wurden und bei denen Zugeständnisse möglich waren, wie dem Tragen des Chorrocks.&amp;lt;ref&amp;gt;Camerarius bekennt sich in seinem [[Erwähntes Werk::OC 1036|Gutachten für Kurfürst August]], Abschnitt 9, klar dazu, an den entsprechenden Verhandlungen beteiligt gewesen zu sein. Vgl. auch [[Engel 2014]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Was die beiden Freunde&amp;lt;ref&amp;gt;Zur engen Freundschaft der beiden vgl. u.a. [[Rhein 2024]].&amp;lt;/ref&amp;gt; grundsätzlich verbindet, ist ihre irenische Haltung: So lobt [[Erwähnte Person::Johannes Sturm]] Camerarius in einem Hodoeporicon&amp;lt;ref&amp;gt;[[Camerarius, Disputatio de precibus (Druck), 1560]], Bl. A7r/v.&amp;lt;/ref&amp;gt;: &#039;&#039;De religione ita disserit et quidem de magnis controversiis: ut in nullum ordinem sit acerbus, in nullum horum iniquus, et tamen gravis vitiorum reprehensor: et falsae doctrinae acer castigator et superstitionis emendator vehemens.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzt von Vinzenz Gottlieb: Zur Religion und auch zu den großen theologischen Zwistigkeiten äußerte er sich in der Weise, dass er gegen keine Gruppierung roh oder ungerecht agierte und dennoch schwerwiegende Missstände bemängelte: Er tadelte falsche Lehren streng und ging energisch gegen Aberglauben vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius macht kein Hehl daraus, dass er kein Theologe ist (siehe ↑ [[Theologie (CamLex)#Historische Theologie|Abschnitt zur Kirchengeschichtsschreibung]]). Seine Überzeugungen gewinnt er aus der Heiligen Schrift, vor allem aus den Paulus-Briefen, und aus der Lektüre der Kirchenschriftsteller. Das Übergewicht der verwendeten griechischen Autoren gegenüber den lateinischen ist dabei auffällig: Die &amp;quot;Kappadokischen Väter&amp;quot; und [[Erwähnte Person::Johannes Chrysostomos]] rezipiert er sehr häufig. Gegenüber westlichen Kirchenvätern wie [[Erwähnte Person::Aurelius Augustinus]] und [[Erwähnte Person::Hieronymus (Kirchenvater)]], die allenfalls gelegentlich herangezogen werden, werden selbst byzantinische Autoren wie [[Erwähnte Person::Theophylactus]] wesentlich häufiger genannt. Ob hier das gewohnte Misstrauen gegenüber Rom zum Ausdruck kommt oder ob Camerarius eine Notwendigkeit sieht, Inhalte der griechischen Texte der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen, ist noch ungeklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Für quantitative Untersuchungen dieser Frage empfehlen wir die Nutzung der Volltextsuche.&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst auf pagane Philosophen wie [[Erwähnte Person::Platon]] greift er zurück, wenn sie seinen Zielen dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Z.B. im [[Erwähntes Werk::OC 0894|Geleitbrief zur Homiliensammlung]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 17: Es sei schwierig, den Schöpfer der Welt zu finden, und wenn es gelinge, dann darüber zu sprechen. So sage Platon in den Exzerpten des Hermes Trismegistos.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine umfangreiche Rezeption der Antike charakterisiert ihn als Humanisten, der &#039;&#039;ad fontes&#039;&#039; ging, an den theologischen Debatten seiner Zeit nur sehr zurückhaltend teilnahm und manche Entwicklungen sogar gänzlich ignorierte.&amp;lt;ref&amp;gt;So suggeriert es sein Schweigen in vielen Streitfragen. Man beachte die spärlichen Belege für Camerarius in der Datenbank [https://www.controversia-et-confessio.de/ &amp;quot;Controversia et Confessio&amp;quot;].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Bekenntnisse im Gutachten====&lt;br /&gt;
Abgesehen den katechetischen Werken enthält ein auf den 15. Februar 1559 datiertes [[Erwähntes Werk::Camerarius, Bedencken den Wimmarischen buchs halbenn, 1559|Gutachten]] die deutlichsten Aussagen über die theologische Ausrichtung des Camerarius. Im Auftrag von [[Auftraggeber::August (Sachsen)|Kurfürst August]] nimmt er darin Stellung zum [[Erwähntes Werk::Weimarer Konfutationsbuch 1559]], an dessen Aufbau (Einteilung in neun Kapitel) er sich orientiert. Eine Edition des Schriftstücks ist im Rahmen dieses Projekts erfolgt: [[Erwähntes Werk::OC 1036|Camerarius, Bedencken den Wimmarischen buchs halbenn, 1559]]. Camerarius bekennt sich unter anderem zur Gewissensfreiheit und zur Trinität (1. Abschnitt) und nimmt Stellung zur Abendmahlsfrage (5. Abschnitt, Bl. 29r/v): &amp;quot;Es seie bey dem nachtmal deß Herrn, oder Sacrament des leibs vnd bluets Iesu Christi, Er der Herr selbst, des das nachtmal ist, gegenwertig, vnd werde aldo entpfangen, in austeilung des brots der leib Christi, vnd austeilung des Kelchs das blut Christi, warhafftig, vnd nitt erdichter weiße, dieweil geschrieben stehet ausdrucklich, Das ist mein leibe, das ist mein bluethe (...) Das im nachtmal des Herrn entfangen werde, nitt gemeine brothe vnd wein, sunder ein solche broth vnd wein, Welchs ist die gemeinschafft des leibs vnd bluets Christi, nitt fleischlicher, sinnlicher entpfindlicher weysse, oder das brott vnd wein verschwinde, sunder wie der Herr weisse vnd wille, der diesser geistlichen speisse niessung verordnet, vnd die geschaffet hathe&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine klare Absage an die katholische Transsubstantiationslehre. Es ist noch zu untersuchen, wie sich das Abendmahlsverständnis im innerprotestantischen Konflikt verorten lässt. In anderen Schriften versucht Camerarius den Spagat zwischen lutherischer und reformierter Abendmahlslehre, so in der [[Erwähntes Werk::OC 0579|Katechesis]], S. 383, wo er die wahrhaftige Gegenwart Christi und gleichzeitig den Symbolcharakter betont (Übersetzung: [[Seckt 1888]], S. 20): &amp;quot;Wie der Gottessohn Mensch geworden, im Fleische gelitten, vom Tode erstanden, aufgefahren ist gen Himmel und zur Rechten sitzt des allmächtigen Vaters wahrhaft und wörtlich, ohne jede Allegorie und ohne Sinnbild (räumlich unbegrenzt und durch Menschengedanken nicht zu umfassen), aber so, daß es ein Geschöpf nicht zu verstehen, eines Menschen Wort nicht zu sagen, Menschenverstand nicht zu begreifen vermag, - so wird Leib und Blut Christi, nach der Einsetzung des Herrn, in der Gemeinde wahrhaft und wirklich ausgeteilt. Der gottselige Glaube allein versteht das Geschehende, das menschlichem Wissen verschlossen bleibt. - Das Abendmahl aber besiegelt die göttliche Liebe und Gnade. Wir feiern es zum Gedächtnis des Geheimnisses der Erlösung durch das Blut Christi, der Sündenvergebung und unserer dauernden Gemeinschaft mit Jesus Christus, unserm Herrn. Indem wir seinen Leib essen, werden wir mit Christo in einem Leibe vereinigt (...); wir werden im Glauben gestärkt, indem wir das Blut in seiner Gemeinde trinken. (...) Endlich ist das Herrenmahl auch ein σύμβολον καὶ σημεῑον φανερόν, ein Merkmal und Zeichen des übereinstimmenden Glaubens der Christen&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius äußert sich zur Rechtfertigungslehre (6. Abschnitt)&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Rechtfertigungslehre bezieht C. gelegentlich (nicht immer absichtlich) Positionen, die lutherischem Denken fern stehen, ja an die Werkgerechtigkeit erinnern: Vgl. [[Stählin 1936]], S. 59. Dies vor allem in der [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Werk), 1566|&amp;quot;Historia Jesu&amp;quot;]], S. 2, und in der [[Camerarius, Querela Martini Luteri (Werk), 1554|&amp;quot;Querela Luteri&amp;quot;]], S. 32 (&#039;&#039;Nescio sane ... si in Ecclesia Christi necessitas bonorum operum praedicari non debeat.&#039;&#039;). Im Gutachten stellt er sich vor [[Georg Maior]]und verteidigt ihn gegen den Vorwurf, er predige die Werkgerechtigkeit. Er weist aber auch darauf hin, dass gute Werke im Himmel und auf Erden ihre Belohnung erhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt; und verteidigt adiaphoristische Positionen (9. Abschnitt), die er - so seine Worte - seit 1545 zusammen mit [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] und [[Philipp Melanchthon]] vertreten habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Das bezieht sich, wie der Hinweis auf 1545 zeigt, auf die [[Leipzig]]er Bartholomäuskonferenz, an der Camerarius teilgenommen hatte: Vgl. [[Forschungsliteratur::Wartenberg 1988]], S. 207-209.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anklänge der vier protestantischen Prinzipien &#039;&#039;sola scriptura, sola gratia, sola fide, solus Christus&#039;&#039; finden sich ebenso. Camerarius führt die theologische Autorität eines [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)|Georg von Anhalt]] (9. Abschnitt) und eines Melanchthon ins Feld, dessen Schriften sogar [[Erwähnte Person::Martin Luther]] gelobt habe (6. Abschnitt)&amp;lt;ref&amp;gt;Hier ist die Position zur Willensfreiheit angesprochen. Bereits in den diesbezüglichen Streit zwischen Luther und [[Erasmus von Rotterdam]] hatte Camerarius 1524/25 vermittelnd einzugreifen versucht.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich verworfen werden u.a. die Lehren [[Erwähnte Person::Michael Servetus|Servets]] und [[Erwähnte Person::Caspar Schwenckfeld|Schwenckfelds]] (1. Abschnitt), der Antinomismus, die Lehre der Wiedertäufer (4. Abschnitt) sowie weitere Lehrmeinungen. Die Lehren von [[Erwähnte Person::Andreas Osiander|Osiander]] und [[Erwähnte Person::Francesco Stancari|Stancari]] teilt C. zwar nicht, verwirft sie aber auch nicht. Hierbei verweist er auf das Gutachten [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]]s aus [[Erwähnter Ort::Nürnberg]] von 1555, das er selbst auch unterschrieben hat und worin Osianders Lehre klar verworfen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7591 MBW Regesten, Nr. 7591].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auffällig ist, dass Camerarius im Jahr 1559 den osiandrischen Positionen neutraler gegenübersteht als noch 1555. Er nimmt aber Stellung gegen das Papsttum (9. Abschnitt). Starke Kritik übt er an [[Erwähnte Person::Matthias Flacius]] Illyricus und [[Erwähnte Person::Nikolaus Gallus]] (jeweils 9. Abschnitt).&amp;lt;ref&amp;gt;Diese ungewohnt heftige Positionierung gegen Flacianer findet man bereits in der &amp;quot;Querela Luteri&amp;quot; und im &amp;quot;Onar hypar&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zum Majorismus vermeidet er eine klare Stellungnahme (8. Abschnitt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da es sich um eine innerprotestantische Kontroverse handelt, bleiben im Gutachten theologische Fragen ausgespart, die Konfliktfelder zwischen Protestanten berühren. So kann zwar in manchen Punkten C.&#039; Übereinstimmung mit Melanchthon und Georg von Anhalt festgestellt werden: Aber Fragen etwas der Kirchenorganisation, in denen Georg sich zu Lebzeiten im Sinne eines Episkopalismus positioniert hatte, werden nicht angerissen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu Georgs stark katholisch geprägtem Kirchenverständnis vgl. [[Sander 2008]] sowie [[Wartenberg 1988]] passim.&amp;lt;/ref&amp;gt; C.&#039; Haltung dazu kann somit nicht durch diesen Text geklärt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu [[Stählin 1936]], S. 54f.: Auch dort wird aber nur erwähnt, was Camerarius nicht wollte. So habe Camerarius den Zustand der alten (römischen) Kirche abgelehnt und Irrwege immer wieder benannt. Einen positiven Gegenentwurf des Camerarius sucht man vergebens.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansonsten finden sich theologische Positionierungen vereinzelt in Werken und Briefen, z.B. in den [[Erwähntes Werk::OC 0455|&amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;]], der [[Erwähntes Werk::OC 0579|&amp;quot;Catechesis&amp;quot;]], [[Erwähntes Werk::OC 0459|&amp;quot;De invocatione sanctorum&amp;quot;]] und der [[Erwähntes Werk::OCEp 1468|&amp;quot;Theodoret-Einleitung&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Es ist bemerkenswert, dass C. in der &amp;quot;Catechesis&amp;quot; aus dem Jahr 1552 einige reformierte (zur Abendmahlslehre) und katholische Positionen (Heiligenverehrung, Zölibat) ablehnt, sich jedoch für die Einheit der Kirche einsetzt. Dies passt zu seinen Einigungsbemühungen in der Interimsfrage und der &amp;quot;Confessio Saxonica&amp;quot;. Siehe auch [[Schultheiß 2024]], S. 198-200.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein konsensorientiertes Denken zeigt sich immer wieder in einzelnen Briefen, so in einem [[Erwähntes Werk::OCEp 1190|Brief an Crato]] vom 11.4.1567, in dem er seine Rolle im Streit um [[Erwähnte Person::Victorinus Strigel]] kritisch reflektiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Rolle bleibt nach außen aber undurchsichtig. Zum Hintergrund: Wegen des Vorwurfs calvinischer Theologie hatte Superintendent [[Johann Pfeffinger]] ein Lehrverbot für Strigel durchsetzen lassen: Vgl. Brief-ID 19326, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/19326. Zugriff am 5.2.2025, Brief-ID 33488, in: Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620). Verfügbar unter: https://thbw.hadw-bw.de/brief/33488. Zugriff am 5.2.2025. und Jacobi, Carl Ludwig: Neue Beyträge von Alten und Neuen Theologischen Sachen, Büchern, Urkunden, Controversien, Anmerkungen, Vorschlägen etc.: zum Wachsthum der Theologischen Gelehrsamkeit, wie auch der Alten und Neuen Kirchen- und Gelehrten-Geschichte etc. ... mitgetheilet: [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10785322?page=458,459 auf das Jahr 1753, S. 459-471].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch [[Erwähntes Werk::OC 0444|eine Universitätsrede von 1544]] und die posthum herausgegebene Schrift [[Erwähntes Werk::OC 0943|De dissidio in religione]] offenbaren seine Standpunkte.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;De dissidio in religione&amp;quot; wurde von [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze]] herausgegeben ohne Nennung des Verfassers, als der Camerarius vermutet wird. Ein Beweis dieser These könnte viele seiner Positionen unterstreichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Scheinbar konträr zu Camerarius&#039; vielgerühmter Irenik steht die Aussage in [[Erwähntes Werk::OCEp 0512|einem Brief an Karlowitz]] aus dem Sommer 1546, lieber zu sterben als die (evangelische) Wahrheit zu verraten. Einige Gutachten verfasste er gemeinsam mit anderen Theologen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dabei sind in erster Linie Gutachten in Kooperation mit Melanchthon und anderen Wittenberger Theologen gemeint. Zu Wittenberger Gemeinschaftsgutachten vgl. [[Kohnle 2002]]. Dort wird allerdings die Rolle des Camerarius nur marginal behandelt. Zu beachten ist, dass Camerarius gerade mit der Leipziger Theologischen Fakultät viel kooperiert hat. Aber auch da agierte er eher im Hintergrund, so dass seine genaue Rolle kaum erforscht ist. In anderen Fällen wurde er qua Amt tätig: Im Sommersemester 1544 wurde er von der Regierung konsultiert, gemeinsam mit Leipziger Theologen, unter anderem für eine Stellungnahme zur kölnischen Ordination. Wahrscheinlich sind hiermit die Reformationsversuche des Erzbischofs Hermann von Wied gemeint: Vgl. [[Zarncke 1859]], S. 218 und 240.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier ist es schwieriger, Camerarius&#039; eigene Position zu erkennen. Zur Problematik der Kanonisierung christlicher Schriften zeigt sich in der [[Erwähntes Werk::OC 0762|&amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]] starke, aber reflektierte Affinität zu einzelnen Kirchenschriftstellern: Nur Schriften über Jesus seien als Grundlage für kirchliche Lehrmeinung geeignet und man müsse spätere Quellen stets auf die Übereinstimmung mit Jesus Christus prüfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mit anderen Worten: Jesus Christus sei der Maßstab christlicher Lehre, und seinen in der Heiligen Schrift geoffenbarten Worten gebühre der Vorrang vor anderen Traditionen. Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762|&amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]], S. 87: &#039;&#039;Ecclesiasticam doctrinam atque disciplinam instaurari, et vitia corrigi, et emendari pravitatem, secundum a filio De Domino nostro Iesu Christi declarata prophetica, et praeconii Euangelici apostolica scripta&#039;&#039;. Siehe auch [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 42f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dieser Haltung verdeutlicht sich die bereits in Schriften der 1540er Jahre ausgesprochene Ablehnung des Papsttums ebenso wie die (im Gutachten ausgesparte) Verwerfung der Heiligenverehrung: Verehrung dürfe nur der Trinitität erwiesen werden, aber nicht den Heiligen und auch nicht der Jungfrau Maria. So argumentiert C. bereits 1545 in [[Erwähntes Werk::OC 0459|&amp;quot;De invocatione sanctorum&amp;quot;]], lobt aber die Apostel andernorts als Vorbilder.&amp;lt;ref&amp;gt;In [[Erwähntes Werk::OC 0634|&amp;quot;De Sancto Petro et Paulo Apostolis&amp;quot;]] und dem [[Erwähntes Werk::OC 0635|&amp;quot;Hymnus de Sancto Laurentio&amp;quot;]] sowie [[Erwähntes Werk::OC 0761|den Apostelviten]]. Vgl. [[OC 0459]], [[Camerarius, De invocatione sanctorum (gr., Druck), 1545]], Bl. Cr: ὁ δὲ πατὴρ καὶ ὑιὸς καὶ ἅγιον πνεῦμα προσκυνείσθω, τὴν μαρίαν μηδεὶς προσκυνείτω.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Trinitätslehre====&lt;br /&gt;
An verschiedenen Stellen äußert Camerarius sich zur Trinität, so auch in einer zu didaktischen Zwecken verfassten [[Erwähntes Werk::OC 0900|Predigt zum Trinitatissonntag]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0900]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 208-212.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zahlreiche Aussagen macht er auch in der [[Erwähntes Werk::OC 0762|&amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]], darunter zur gottmenschlichen Natur Jesu: Vgl. ↓ [[Theologie (CamLex)#Christologie|Christologie]].&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius gibt [[Erwähntes Werk::OC 1036|im Gutachten an Kurfürst August]] zu, sich nicht mit den Schriften des (Antitrinitariers) Miguel Servet beschäftigt zu haben. Er bekennt sich aber eindeutig zur Trinität, nämlich einem göttlichen Wesen bzw. einer göttlichen Natur in drei Eigenschaften oder Personen, nämlich dem Vater als Schöpfer des Himmels und der Erde, dem eingeborenen Sohn, der Mensch geworden ist, und dem Heiligen Geist: &amp;quot;Es seie ein Einigs, Ewigs, Vnzerteiltes Gottlichs wesen, oder Götliche Natur, in drey vnterschiedenen eigenschafften oder personen, deß Vatters schopfers himels vnd erden, Deß Eingebornen suns, welcher mensch ist worden, Vnd hat Gottes Zorn versunet, Vnnd deß Hailigen geists, der Christlichen Kirchen tröster vnd beystand&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 1036]], Abschnitt 1. Ähnlich schreibt er auch in der &amp;quot;Katechesis&amp;quot;: [[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 294.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in [[OC 0579|der griechischen Katechesis (1552)]] dargelegte Trinitätslehre fand auch den Beifall von [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6276 MBW Nr. 6276.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius bekennt sich darin zum Apostolischen und zum Nicäno-Konstantinopolitanischen Credo sowie zum Athanasischen Glaubensbekenntnis. Bei letzterem bezweifelt er allerdings die Identität des Verfassers.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Seckt 1888]], S. 17: [[Erwähntes Werk::OC 0579|Katechesis]], S. 296f.: εἰ μὲν οὖν ἀθανάσιος ... συνέθηκέ τε καὶ ἐξέδωκε τὸ ἀμοιβαῖον σύμβολον, ὡς νῦν ᾄδεται, οὐκ ἔχω εἰπεῖν, ἀπὸ δὲ τεκμηρίων τινῶν ὑπονοήσειεν ἄντις νεώτερον εἶναι τοῦτο ἢ καθ&#039;ἡλικίαν ἐκείνην, καἰ ἐκτεθῆναι παρὰ τοῖς δυτικοῖς μάλιστα. φανερὸν δὲ ἐξ ὧν ἐπέστειλε λιβερίῳ τω τῆς παλαιᾶς ῥώμης ἐπισκόπῳ ὁ ἀθανάσιος, καὶ ἐξ ἄλλων τινῶν ξυγγραμμάτων αὐτου, ὅτι ἐνίοτε ἀδιορίστως οὐσίας, καὶ οὐκ ἀγνοοῦμεν ὅτι ταῦτα τἀ ὀνόματα ὑπὸ γρηγορίου καὶ βασιλείου πρῶτον διεσαφηνίσθη ἐξερμηνευόμενα, διδασκόντων τὴν μὲν οὐσίαν τὸ κοινὸν τῆς θεότητος ἐμφαίνειν, τὴν δὲ ὑπόστασιν, ἤγουν πρόσωπον, ὡς ἐκάλεσαν οἱ δυτικοὶ, τὸ ἰδιάζον. Übersetzung: &amp;quot;Ob nun Athanasius ... das im Wechselgesang zu singende Glaubensbekenntnis zusammengestellt und verbreitet hat, kann ich nicht sagen; aufgrund verschiedener Merkmale kann man vermuten, dass es jünger ist als jene Zeit, und im Westen entstanden. Offensichtlich schickte Athanasius dem Liberius, dem Bischof des alten Roms, Auszüge daraus und aus einigen anderen seiner Schriften, weil die &amp;quot;Ousia&amp;quot; nicht bestimmt ist, und wir wissen sicher, dass diese Begriffe von Gregor und Basilius zuerst definiert wurden, die lehrten, dass die &amp;quot;Ousia&amp;quot; das Gemeinsame der Gottheit zeigt, die Hypostase dagegen, oder &#039;&#039;persona&#039;&#039;, wie die Westler sagen, das Eigentümliche (&amp;quot;idiazon&amp;quot;).&amp;quot; Zur Verfasserfrage vgl. [[Drecoll 2007]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Zweifel, historisch und sprachgeschichtlich durchaus fundiert, genügten schon, um ihn, so Camerarius in der &amp;quot;Notatio figurarum&amp;quot; (1572) an den Leser, einer Untergrabung der kanonischen Autorität des &amp;quot;Quicumque&amp;quot; zu bezichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0878]], [[Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572]], Bl. A7r/v.&amp;lt;/ref&amp;gt; An anderen Stellen sind solche Vorwürfe gegen ihn bisher nicht belegt. Mit dieser kritischen Stellungnahme hatte er sich auf gefährliches Terrain begeben, denn die damals umstrittenen Bewegungen der Antitrinitarier und der Tritheisten lehnten das Athanasische Credo ab. Seine Zweifel an der Autorschaft hätten ihnen dabei weitere Argumente liefern können. Unter den Lutheranern seiner Zeit stand Camerarius in Deutschland mit dieser Meinung wohl allein: Auch sein Leipziger Kollege [[Erwähnte Person::Alexander Alesius]] sah es als erwiesen an, dass Athanasius der Urheber dieses Glaubensbekenntnisses war.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Dingel/Daugirdas 2013]], S. 163, Anm. 126. Ansonsten stimmte Alesius oft mit Camerarius überein: Vgl. [[Erwähntes Werk::Alesius, Assertio doctrinae, 1564]], Bl. C2v sowie [[Siegmund-Schultze 2005]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch [[Erwähnte Person::Andreas Hyperius]], [[Erwähnte Person::Jakob Schegk]] und [[Erwähnte Person::Jakob Andreae]] stritten vehement für das Athanasianische Glaubensbekenntnis und gegen antitrinitarische Positionen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Dingel/Daugirdas 2013]], S. 10-15.&amp;lt;/ref&amp;gt;  In England allerdings äußerte John Jewel einige Jahre später ähnliche Zweifel.&amp;lt;ref&amp;gt;John Jewel, The Defense of the Apology of the Church of England [https://www.google.de/books/edition/The_Parker_Society_Works_of_John_Jewel_b/oBHqRVDuGEYC?hl=de&amp;amp;gbpv=0 The Parker Society...: Works of John Jewel, bp of Salisbury. (1848). Vereinigtes Königreich: Printed at the University Press.], III,254: &amp;quot;the Creed called &#039;&#039;Quicunque vult&#039;&#039;, written, as some think, by Athanasius, as some others, by Eusebius Vercellensis&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; An ihn knüpft auch Gerhard Johann Voss&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10832060-4 Dissertationes tres De tribus Symbolis..., Amsterdam 1642], S. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einer weitaus tiefgründigeren Untersuchung an, ohne jedoch Camerarius zu erwähnen. Auf der anderen Seite, so berichtet Gilbert Génébrard 1569,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10170848-3 Génébrard, De Sancta Trinitate ..., Paris 1569], S. 179.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte [[Erwähnte Person::Valentino Gentile]] Zweifel am &amp;quot;Quicumque&amp;quot; gesät mit der Behauptung, Athanasius habe das &amp;quot;Symbolum Niceni&amp;quot; verfälscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://books.google.de/books?id=v3wpKTvp7UQC&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false Benedictus Aretius, Valentini Gentilis iusto capitis supplicio Bernae affecti brevis historia ..., Genf 1567], S. 31; zu Gentile vgl. [[Trechsel 1844]], S. 316-390 und 471-479.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gentile wurde 1566 wegen seiner tritheistischen Anschauungen in Bern hingerichtet. Ist hier Camerarius zwischen die Fronten eines handfesten theologischen Streits geraten? Nach bisheriger Kenntnis ist Camerarius der erste, der die Autorschaft aus philologischen Gründen anzweifelt, ohne aber den Inhalt zu beanstanden. Wegen der starken Kritik, so schreibt er selbst, entfernte bzw. entschärfte er aber den entsprechenden Abschnitt in der [[Erwähntes Werk::OC 0726|lateinischen Version von 1563]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0726]], S. 258 und [[Kelly 1964]], S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die heutige Forschung steht aber auf derselben Seite wie Camerarius: Das &amp;quot;Quicumque&amp;quot; gilt als jünger und die Entstehung im Westen hält man für erwiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kelly 1964]], S. 109-114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nicht zu ermitteln, wann und von welcher Seite die Vorwürfe gegen den Philologen entstanden: Möglicherweise war es erst [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1562|die 2. Auflage (1562)]], die Camerarius den Vorwurf mangelnder Rechtgläubigkeit einbrachte: Darin ist der besagte Abschnitt noch enthalten, jedoch der Hinweis darauf getilgt, dass Athanasius den Text an Liberius geschickt habe. Dadurch könnten die Zweifel an der Autorschaft noch größer erscheinen. Die Publikation des zweiten Auflage fiel in die Zeit, als der Streit zwischen Trinitarismus und Tritheismus besonders heftig tobte. Daher kann sie den Konflikt zusätzlich angeheizt haben. Um sich gegen jeden Vorwurf der Irrlehre zu verteidigen, betonte Camerarius im Jahr 1572 seinen rechten Glauben: &#039;&#039;Nullam scio ego spem salutis concipi firmam posse, extra Catholicam et Orthodoxam Christi Iesu Ecclesiam. In qua sola est vera Dei aeterni veneratio, et cognitio veritatis, et consensus in hac est sancti Spiritus Magistri ducis ad omnem veritatem, maximum et summum beneficium atque donum.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0878]], [[Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572]], Bl. A7r. Übersetzung: Ich weiß, dass man keine sichere Hoffnung auf Rettung außerhalb der allumfassenden und rechtgläubigen Kirche Jesu Christi setzen kann. In ihr allein ist die wahre Anbetung des ewigen Gottes und die Erkenntnis der Wahrheit und sie hat die Zustimmung des Heiligen Geistes, der unser Lehrer ist und uns zur gesamten Wahrheit, zur größten und höchstens Wohltat und Gabe führt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius verschweigt dabei freilich ein Problem, das ihn umgetrieben haben dürfte: Im Athanasianum wird die &#039;&#039;processio&#039;&#039; des Heiligen Geistes aus Vater und Sohn festgehalten, also die &amp;quot;Filioque&amp;quot;-Formel befürwortet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kelly 1964]], S. 19, Vers 23: &#039;&#039;Spiritus sanctus a Patre et Filio, non factus nec creatus nec genitus sed procedens.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius äußert sich zwar nicht gesondert in dieser Hinsicht, seine unten beschriebene Ablehnung des &amp;quot;Filioque&amp;quot; würde allerdings auch inhaltliche Bedenken rechtfertigen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Camerarius war die Dreieinigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist verehrungswürdig. Dies kommt auch in einem [[OC 0655|Hymnus an die Dreifaltigkeit]] zum Ausdruck.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0655|Camerarius, Disputatio de precibus (Druck), 1560]], S. 187: Πάνσεπτος τριὰς ἣν καὶ προσκυνέουσιν ἅπαντα.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu ihrer Beschreibung greift er auf verschiedene gebräuchliche griechische und lateinische Termini zurück. Zu den Begriffen οὐσία und ὑπόστασις und deren Übersetzung durch &#039;&#039;essentia&#039;&#039; sowie &#039;&#039;substantia&#039;&#039; hat Camerarius im Rahmen der [[Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536|Theodoret-Ausgabe]] eine kurze Abhandlung verfasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0194]], [[Theodoret, Res Ecclesiasticae, 1536]], S. 171-173: &#039;&#039;Sunt autem Graecae ὀυσία et ὑπόστασις, quas convertimus Essentia ac substantia, neutra quidem admodum Latina, sed quibus tamen Graecae, ne ipsae quidem admodum hac quidem significatione probatae, reddi viderent.&#039;&#039; Außerdem unterscheidet er die Begriffe Substantia, Persona, Character, Individuum und Proprium. Die Gottheit sei eine &#039;&#039;natura&#039;&#039; oder &#039;&#039;essentia&#039;&#039;, enthalte aber die drei &#039;&#039;substantiae&#039;&#039; (Vater, Sohn und Heiliger Geist) und drei &#039;&#039;personae&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;characteres&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Traktat lehnt sich eng an den dahinter (in Camerarius&#039; Übersetzung) abgedruckten Brief [[Basilius der Große|des Basilius]] über den Unterschied der Begriffe Essenz und Substanz an. Dies entspricht auch der Botschaft des Gutachtens (siehe oben). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders wählt er die Begriffe in der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; und gibt οὐσία mit &#039;&#039;substantia&#039;&#039; und ὑπόστασις mit &#039;&#039;persona&#039;&#039; wieder.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 303 sowie [[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 263f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gott sei eins, ungeteilt in Natur und Essenz, aber in einer Dreiheit der Hypostasen oder Personen, die gewisse Unterschiede haben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 347f.: &#039;&#039;Unum quidem illum natura ac essentia omnino indivisum, sed quem contemplamur in trinitate hypostaseon seu personarum, secundum harum differentias. ... Essentiam quidem vocamus naturae communitatem, quodque est in hac uniforme et indiscretum, secundum quod unum, solum, aeternum, principio carentem Deum agnoscimus et adorantes colimus, secundum verbum ipsius. Sed hypostaseos nomen, vult secernere differentias quasdam earum, quae dicuntur personae, in quibus est illud unum, vel, Quae sunt una Deitas, per quas ineffabili modo et incompraehenso ostenditur numen divinum quale sit: Unum nimirum secundum essentiam, quod nos tamen contemplemur in tribus differentiis: non ficte neque imaginatione cogitandi, sed reipsa et vere subsistentes.&#039;&#039; Vgl. [[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 403.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Erklärung zu diesen (und anderen) Begriffen gibt Camerarius in griechischer Sprache als Anhang zur &amp;quot;Disputatio de Precibus&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0670]], [[Camerarius, Disputatio de precibus (Druck), 1560]], S. 257: Οὐσία, τὸ ὂν καθ&#039; ἑαυτό, ἢ, τῶν ὄντων ἑκάστου ἑνοειδὴς κατάστασις. ἢ ὕπαρξις τοῦ ἁπλῶς καθ&#039;ἑαυτὸ, καὶ μὴ ἐν ὑποκειμένῳ ἑτέρῳ ὄντος. ἢ πρᾶγμα αὐθύπαρκτον μηδενὸς ἑτέρου δεόμενον πρὸς σύστασιν. Φύσις, οὐσία κοινὴ ἰδιωματικῶν ὑποστάσεων ὧν αὐτὴ περιέχει. Υπόστασις, τὸ καθ&#039;ἑαυτὸ ἰδιοσυστάτως ὑφιστάμενον, ἢ τὸ ἴδιον παρὰ τὸ κοινόν, ἢ ἰδιότης ὑπὸ τὴν φύσιν ὑφισταμένη.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch zu Gott Vater äußert sich Camerarius gelegentlich. So sieht er ihn als &#039;&#039;principium&#039;&#039; aller Dinge, selbst ohne Anfang, nicht geboren, Erschaffer des Himmels und der Erde und Schöpfer aller Dinge, die erschaffen wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 349: &#039;&#039;Deum patrem primum principium esse universorum, ipsum principio carentem, ingenitum, factorem celi et terrae, et creatorem universorum, quaecunque sane creata sunt.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; In Gebeten erscheint er als mächtiger Herrscher und Schöpfer, aber auch als gütig und mitfühlend,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0728]], [[Camerarius, Votum seu Preces (Druck), 1563]], Bl. A7r: &#039;&#039;Sancte potens, aeterne Deus, Deus optime et idem Maxime, iuste, sed et mitis, miserisque benigne, invicte, omnipotens.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; oft in Bezug auf den Sohn als &amp;quot;Vater unseres Herrn Jesus Christus&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Häufig erscheint dieses Motiv in den Gedenkreden auf Kurfürst Moritz, z.B. [[Camerarius, Orationes funebres, 1569]], S. 57 und 155.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abweichend von fast allen Angehörigen der westlichen Kirchen stellt Camerarius fest, dass der Heilige Geist allein aus dem Vater hervorgehe; das &amp;quot;Filioque&amp;quot; fehlt bei ihm.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0576]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 292f.: ἐκ τοῦ πατρὸς ἐκπορευόμενον, καὶ ἐκ τοῦ ὑιοῦ λαμβανόμενον. a.a. O., S. 404: τὸ δὲ ἅγιον πνεῦμα ἐκπορευόμενον ἐκ τοῦ πατρὸς. Zum &amp;quot;Filioque&amp;quot; vgl. Gemeinhardt, Peter: Die Filioque-Kontroverse zwischen Ost- und Westkirche im Frühmittelalter. Berlin u.a. 2002.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Position entspricht dem Glaubensbekenntnis der östlichen Kirchen. Es wäre zwar bei der griechischen &amp;quot;Katechesis&amp;quot; denkbar, dass Camerarius das &amp;quot;Filioque&amp;quot; im Sinne der Ökumene für die griechischsprachigen Christen, die ja auch eine Zielgruppe der Schrift waren, weggelassen hat; allerdings enthält auch die lateinische Ausgabe kein &amp;quot;Filioque&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 349: &#039;&#039;Spiritum autem sanctum egredi ex patre, secundum scripturas, cum nihilo secus etiam filii ille spiritus sit, ut confessionis veritas hoc constituat: Quod spiritus sanctus personam suam habeat ex patre et a filio. Non genitus neque factus aut creatus, sed egrediens ex Deo, unde omnis sanctificatio pervenit ad Ecclesiam Christi.&#039;&#039; Ebenso a.a.O. S. 255: &#039;&#039;ex patre egrediens, et qui accipitur ex filio&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sinngemäß sagt Camerarius, dass der Heilige Geist aus dem Vater hervorgeht, aber die Hypostasis/&#039;&#039;persona&#039;&#039; vom Vater und vom Sohn bzw. nur vom Sohn hat.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 271: &#039;&#039;Egredi autem ex patre secundum oracula divina, et consistere seu habere personam suam per filium sancti patres tradiderunt.&#039;&#039; Er bezieht sich dabei auf [[Erwähnte Person::Basilius der Große|Basilius]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine kritische Auseinandersetzung mit dem &amp;quot;Filioque&amp;quot; findet man auch noch bei [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]] in der Erklärung zu den Glaubensbekenntnissen&amp;lt;ref&amp;gt;[https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10389402-6 &amp;quot;Explicatio in Symbolum apostolorum et Decalogum&amp;quot; 1646], S. 144f.&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie in den Anmerkungen zum 1. Korintherbrief.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Erasmus-Gesamtausgabe Vol. V.I, S. 269-271 sowie Vol. VI.VIII, S. 162f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er unterscheidet eine &amp;quot;missio temporaria&amp;quot; und eine &amp;quot;aeterna processio&amp;quot;. Camerarius schlägt eine ähnliche Richtung ein. Er zitiert allerdings nicht Erasmus, sondern griechische Schriftsteller wie [[Erwähnte Person::Theophylactus]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0879]], [[Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572]], S. 288.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beschäftigung mit dessen Schriften begann Camerarius schon in seiner Wittenberger Zeit, spätestens 1523.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=260 MBW Nr. 260,3]. Als Textgrundlage diente dabei eine Handschrift aus der [[Bibliotheca Hassensteinia]], die nach Wittenberg ausgeliehen worden war: Vgl. Catalogue des manuscrits grecs de Tchécoslovaquie, par Jean-Marie Olivier et Marie-Aude Monégier du Sorbier (1983), S. XXIII.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Christologie====&lt;br /&gt;
Camerarius orientiert sich in der Christologie an den Inhalten des Apostolischen und des Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses. An einigen Stellen der &amp;quot;Catechesis&amp;quot; gibt er sie mit anderen Worten wieder: Der Sohn wurde vor der Zeit von Gott geboren, nicht geschaffen oder gemacht. Er ist Mittler zwischen Gott und den Menschen, ist Mensch geworden,&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 267: Er sei vollständig Mensch geworden, mit Verstand, Seele und Leib, aber ohne Sünde.&amp;lt;/ref&amp;gt; nahm Fleisch an ohne Sünde aus der Gottesgebärerin Maria, hat gelitten und für die Menschen den Tod auf sich genommen, ist auferstanden und wurde in den Himmel aufgenommen und wird wiederkommen, um Lebende und Tote zu richten. Er ist der Retter und Erlöser.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 549 (sic! eigentlich 349): &#039;&#039;Sed filium nulla temporis origine ex patre nasci, non creatum neque factum, verbum seu sermonem in una persona, per quem omnia facta sunt, quaecunque sunt facta. Qui se medium interponit semper inter Deum et homines, qui homo est factus, assumta carne sine peccato vere ex Deipara virgine Maria, Qui passus est, et pro nobis mortem pertulit, resurrexit, asumtus est in celum, et sedet e dextris Dei patris, venturus ad iudicium de vivis et mortuis, salvator et redemtor noster Dominus Iesus Christus.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius bekennt, dass Gottes Sohn &amp;quot;das ewig personlich Wort&amp;quot; sei, und die Heilige Schrift &amp;quot;sey das wort so Gott geredet&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 1036]] (Gutachten für Kurfürst August), Abschnitt 2: &amp;quot;Vnnd bekenne das allein Gottes sune, das Ewig personlich Wort, vnnd das die hailig schrifft sey das wort so Gott geredet, vnd gesprochen vnd also geoffenbart alles so von seinem Gottlichem wesen, vnd willen den menschen zuwissen von nöthen, Welche läre auch diße vnterscheid vermischet oder felschett, die halt ich fur vnrecht vnd verfurisch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit bestehe also ein Unterschied zwischen dem ewigen Wort und dem geoffenbarten Wort, ein Teil des Wortes bleibe den Menschen verborgen. &amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0724]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 48-52 zu &#039;&#039;filius&#039;&#039; und &#039;&#039;verbum&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen zur gottmenschlichen Natur Jesu tätigt Camerarius auch in der [[Erwähntes Werk::OC 0762|&amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe ↑ &#039;&#039;&#039;[[Theologie (CamLex)#Theologie - Christologische Inhalte|Theologie - Christologische Inhalte]]&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Christus und Gott seien wesensgleich (ὁμοούσιος); Jesus sei von der Jungfrau Maria geboren, jedoch von Gott vor Anbeginn der Zeit gezeugt worden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0762]], [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit ist Christus zeitlos (ἄχρονος) und ohne Anfang (ἄναρχος) in der Zeit, hat jedoch seinen Anfang im Vater (ἀρχὴν, &#039;&#039;id est,&#039;&#039; αἰτίαν γενέσεως &#039;&#039;habens&#039;&#039;) und ist zugleich ewig (ἀειγενής).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. ebd. S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter Jesu, Maria, bezeichnet Camerarius als Gottesgebärerin und Jungfrau, θεότοκος πάρθενος bzw. &#039;&#039;Deipara virgo&#039;&#039;;&amp;lt;ref&amp;gt;So schreibt C. im Rahmen eines Glaubensbekenntnisses: [[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 349: &#039;&#039;assumta carne sine peccato vero ex Deipara virgine Maria&#039;&#039;; [[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 404: ἐκ τοῦ θεοτόκου παρθένου μαρίας.&amp;lt;/ref&amp;gt; dagegen wird Jesus in den &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; (V. 93) als θειότοκος bezeichnet, also als gottgeboren. Das soll zeigen, dass Maria selbst nicht verehrt werden soll, und verdeutlicht eine Diskrepanz zu altkirchlichen Positionen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Walter 2017]], S. 39f. und [[Seckt 1888]], S. 18.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius verweist auf [[Epiphanios von Salamis]] und dessen [[Epiphanios von Salamis, Contra Antidicomaritas|Schrift gegen die Antidikomarianiten]], ohne aber dessen Position vollständig zu übernehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], 82f.: &#039;&#039;Atque haud scio an de toto hoc genere praeclarissime ille autor haec scripserit, in disputatione contra eos, quos Antidicomatitas&#039;&#039;(!) &#039;&#039;appellat, quasi disceptatores de sanctitate virginis Mariae&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Jungfräulichkeit Mariens wird aber nicht in Frage gestellt: Sie sei keusch und rein auf ewig.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 308: &#039;&#039;casta et pura permanens semper&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in seinem [[Erwähntes Werk::OC 0573|Geschichtswerk zum Konzil von Nizäa]] thematisiert er alte Streitigkeiten um christologische Inhalte. Die arianische Lehre von der Wesensähnlichkeit (zwischen Vater und Sohn) wird verworfen und die Wesensgleichheit betont, vor dem Hintergrund antiker Konzilien.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0573]], [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], S. 112-125.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eng verbunden ist die Christologie mit der Lehre von der Rechtfertigung: Camerarius glaubt, lutherischer Lehre entsprechend, dass durch das Verdienst Christi die Menschen erlöst werden, entsprechend dem &amp;quot;Solus Christus&amp;quot;-Prinzip.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 1036]], Abschnitte 6 und 8.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Aussagen zu Christus in heilsgeschichtlicher Hinsicht finden sich auch in zahlreichen Hymnen:&amp;lt;ref&amp;gt;→ Schlagwort [[Hymnus]].&amp;lt;/ref&amp;gt; So wird Christus als Sieger über den Tod und als Erlöser (&#039;&#039;salvator&#039;&#039;) dargestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0574]], [[Fabricius, De historia et meditatione mortis Christi, 1552]], S. 67f.; [[Erwähntes Werk::OC 0310]], [[Camerarius, Ἐπιγράμματα, 1538]], S. 123f. sowie [[Erwähntes Werk::OC 0322]], [[Camerarius, Ἐπιγράμματα, 1538]], S. 124-127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Menschsein Jesu betont Camerarius derart, dass er ihn, unter Berufung auf Nikephoros, äußerlich beschreibt: Größe ca. 1,60 m, Haar leicht blond mit Ansätzen zur Lockenbildung, dunkle Augenbrauen. Augen hell mit einem Stich ins Gelbe. Gerade Nase. Barthaare nicht sehr dicht und blond, langes Haupthaar, da nie geschoren. Den Hals etwas zurückgebeugt, so dass seine Statur nicht ganz aufrecht war. Hautfarbe dunkelgelb, das Gesicht nicht ganz rund, die Miene würdevoll und mild.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0762]], [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], S. 74. Offensichtlich vermengt Camerarius hier den Patriarchen [[Erwähnte Person::Nikephoros I. (Patriarch)|Nikephoros]] und den Geschichtsschreiber [[Erwähnte Person::Nikephoros Kallistu Xanthopulos]], bei dem diese Beschreibung steht: [[Migne, PG]], 145, col. 748f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vgl. auch ↑ [[Theologie (CamLex)#Theologie - Christologische Inhalte|Abschnitt zur Christologie in der &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot;]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Soteriologie und Rechtfertigungslehre====&lt;br /&gt;
Zur Frage der Erlösung und der Rechtfertigung der Christen gegenüber Gott, einem Kernbereich reformatorischer Theologie, äußert sich Camerarius häufig: Niemand gefalle Gott durch seine sterblichen Werke.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0455]], [[Camerarius, Capita pietatis, 1545]], V. 119f., vgl. [[Walter 2017]], S. 40. Vgl. auch [[OC 0425]], [[Camerarius, Synodica, 1543]],  Bl. D4r-v: &#039;&#039;Propter merita non propria sed aliena domini nostri Iesu Christi, iustificatis fide non operibus suis. promittitur enim diuinitus omnibus credentibus in Christum remissio peccatorum, salus &amp;amp; uita sempiterna, quae accipi aliter quam fide non possunt.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Sinne von Luthers &#039;&#039;sola fide&#039;&#039;-Prinzip stellt Camerarius in seinen katechetischen Schriften fest, dass Menschen durch den Glauben gerechtfertigt werden: &#039;&#039;Diximus fide nos iustificari.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 231. Vgl. auch [[OC 0906]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;Sola fide nos iustificari. Non enim certe desolatam et desertam, in qua nihil honesti et boni sit fidem commendamus, sed constituimus veritatis aeternae salutare dogma: Quod sola fide et nullo alio habitu, nulla facultate, nullo conatu accipiatur donum Dei, iusticia in remissione peccatorum propter Christum Iesum.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hiermit schließt er explizit alle anderen Wege zum Heil aus. Auch ist er der Auffassung, es hätte auf dem Regensburger Religionsgespräch (1541) eine Übereinstimmung bei der Rechtfertigung durch Glauben und bei den guten Werken gegeben – jedenfalls äußert er 1543 die Hoffnung, dass die lutherische Position sich durchsetzen könne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], Bl. B2r: &#039;&#039;De iustificatione seu de ea doctrina, quae dicit homines consequi remissionem peccatorum propter Christum fide, non propter dignitatem, item de bonis operibus Ratisbonae facta est conciliatio. Et non dubito prudentes omnes et timentes Deum, agnoscere eam sententiam quae in ecclesiis, quas Luteranas appellant, traditur, veram et utilem esse pietati.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius bezeichnet auch gegenüber Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] &amp;quot;allein den verdienst Iesu Christi&amp;quot; als Weg zur Seligkeit und Gerechtigkeit und bekennt sich so zum &#039;&#039;solus Christus&#039;&#039;-Prinzip.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 1036|Gutachten]], Abschnitt 8: &amp;quot;allein den verdienst Iesu Christi des einigen Suns Gottes, welcher vnser einiger mittler, erlöser vnd seligmacher ist, fur vnser sund gestorben, aufferstanden zw vnser gerechtigkeit, Vnnd sitzet zu der gerechten hand Gottes, verbietett, vertrietett, erlöset, bringt zwm ewigen heyle, immerdar vnd ohn vnterlaße, alle die ihenigen so an inen glauben, vnd sein wort annemen vnd halten nach Gottes bevelh&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Man findet bei Camerarius aber immer wieder Hinweise darauf, dass er gute Werke nicht völlig ablehnt: Menschen könnten sich das Himmelreich durch gute Werke nicht verdienen, erhielten aber dort eine Belohnung für dieselben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 1036|Gutachten]], Abschnitt 6; so auch [[OC 0726|Catechesis]], S. 47-54 und 54-69 zum Lohn für gute Werke und Strafe für böse. Vgl. [[Müller 2000]], S. 207; ähnlich Melanchthon und Valentin Wagner; vgl. [[Seckt 1888]], S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; In Bezug auf die Lehre [[Erwähnte Person::Georg Maior|Georg Majors]] übt sich C. in Zurückhaltung, da er den Sachverhalt zu wenig kenne und man Major persönlich hören müsse; er verteidigt ihn aber vor dem Vorwurf, er setze Christi Verdienst und menschliche Werke gleich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrufe zu guten Werken finden sich auch in der [[Camerarius, Querela Martini Luteri (Werk), 1554|&amp;quot;Querela Luteri&amp;quot;]], wo Camerarius der Traumgestalt Martin Luthers die Aussage in den Mund legt, dass gute Werke besser als schlechte seien.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0596]], [[Camerarius, Querela Martini Luteri (Druck), 1554]], S. 32: &#039;&#039;Nescio sane ... si in Ecclesia Christi necessitas bonorum operum praedicari non debeat ... Ergo erunt aut bona, aut non bona: quorum utrum docendum sit, me autore obscurum non est.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Der hier verzweifelt wirkende Reformator hinterfragt den Sinn aller seiner Schriften mit Ausnahme von [[Erwähntes Werk::Luther, De servo arbitrio, 1525|&amp;quot;De servo arbitrio&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0596]], [[Camerarius, Querela Martini Luteri (Druck), 1554]], S. 29f.: &#039;&#039;Optavi ego aliquando omnia mea scripta intercidere, et unum modo libellum durare, quo cum Erasmo Roterodamo de arbitrio voluntatis humanae disputavi.&#039;&#039; In der Kontroverse zwischen Martin Luther und Erasmus von Rotterdam um den freien Willen hatte Camerarius wohl geglaubt, die beiden lägen nahe beieinander. So hatte er den Reformator motiviert, eine Erwiderung auf &amp;quot;De libero arbitrio&amp;quot; zu verfassen, was den Konflikt aber verschärfte und so zur gegenseitigen Entfremdung der beiden Konfliktparteien beitrug. Vgl. ↑ [[Theologie (CamLex)#Die frühen Jahre bis 1526|Die frühen Jahre bis 1526]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit verdeutlicht Camerarius seine Übereinstimmung mit Luther im Bereich der Willensfreiheit. Die literarische Inanspruchnahme des Wittenbergers blieb allerdings nicht unwidersprochen: Camerarius provozierte eine Fülle an Gegenschriften.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius et al., Querela Martini Luteri et al., 1555]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ansätze einer Verteidigung der Werkgerechtigkeit glaubt Friedrich Stählin auch in der &amp;quot;Historia Iesu Christi&amp;quot; zu finden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Werk), 1566|&amp;quot;Historia Jesu&amp;quot;]], [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], S. 2: &#039;&#039;hoc enim non modo utilitatem nobis sed plane salutem allaturum, aliis qui legissent gratum acceptumque futurum esse.&#039;&#039; Vgl. [[Stählin 1936]], S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier ist aber zu hinterfragen, ob Stählins Interpretation des Wortes &#039;&#039;salus&#039;&#039; als Seelenheil wirklich zutrifft. Besser scheint mir eine Übersetzung als irdisches Glück. Die Voranstellung von &#039;&#039;plane&#039;&#039; verdeutlicht, dass man die Formulierung nicht wörtlich nehmen darf. Jedenfalls reichen die Argumente nicht aus, um Camerarius einen &amp;quot;Verstoß gegen die Rechtfertigungslehre&amp;quot; zu unterstellen. Deutlicher wird Camerarius in der &amp;quot;Catechesis&amp;quot;, aber auch hier ohne Bruch mit Luthers Position: Man dürfe sich nicht dem Müßiggang hingeben und die durch Christus geschaffene Freiheit missbrauchen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 235: &#039;&#039;Unde iam accidit ut doctrinae huic maledicatur , quasi talis sit quae evertat et prohibeat utilitatem bonorum operum, et accommodetur populariter ad vulgus, quod omnes fere ad remissionem et desidiam declinent, et fugiant virtutum labores et exercitationes. Minime vero se res ad hunc modum habet.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier spricht auch der Praktiker, der ein geregeltes irdisches Zusammenleben im Sinn hat und befürchtet, eine völlige Absage an gute Werke könne in die Anarchie führen. Damit bewegt sich Camerarius in die Richtung der seinerzeit heftig angegriffenen Position [[Erwähnte Person::Georg Maior|Georg Majors]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Irene Dingel, Der Majoristische Streit in seinen historischen und theologischen Zusammenhängen. In: Politik und Bekenntnis. Die Reaktionen auf das Interim von 1548. Hg. v. Irene Dingel und Günther Wartenberg. Leipzig 2006, S. 231-247, hier S. 240.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ähnliche Gedanken und Bedenken finden sich auch bei dem reformkatholischen Herzog [[Erwähnte Person::Georg (Sachsen)|Georg von Sachsen]], der &amp;quot;evangelische Freiheit und Rechtfertigung allein aus dem Glauben&amp;quot; als &amp;quot;Einladung zu Sittenlosigkeit und Laxheit, ja als Verführung zum Ausbruch aus der kirchlichen Ordnung&amp;quot; betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Volkmar 2008]], S. 183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius weist anhand zahlreicher neutestamentlicher Stellen nach, dass gläubige Christen sich aus freien Stücken für ein tugendhaftes Leben und gute Werke entscheiden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 235-238. Zitierte Stellen sind u.a. Eph 2,10 und 4,17, Joh 15,1f. und 2 Petr 1,8-10 sowie [[Gregor von Nazianz]] ([[Migne, PG]] 35,427,39-428,2). Zum gottgefälligen Handeln vgl. auch [[Erwähntes Werk::OC 0748|Camerarius, Responsio, 1564]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Abschnitt der „Katechesis“ widmet sich der Frage, ob gute Werke belohnt werden. Dies bejaht Camerarius: Menschen könnten das Gesetz nicht aus eigener Kraft erfüllen, weil ihre Versuche limitiert und damit fehlerbehaftet seien. Aber durch den Glauben an den Sohn würden sie Freunde Gottes, dem ihre Werke gefallen und der sie belohne.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0724]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 54f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings fügt er auch Beispiele antiker Dichter an, wonach nicht immer gute Werke belohnt und schlechte bestraft werden. Zudem gebe Gott manchmal auch denen aus Gnade, die es nicht verdienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd., S. 62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch in der Lehrdichtung „Capita pietatis“ verkündet Camerarius, dass niemand Gott durch gute Werke gefalle, er aber die unterstütze, die ihm folgen wollen, und ihnen Glauben schenke.&amp;lt;ref&amp;gt; V. 94-98, [[OC 0455]]: σέ δ‘αὖ ὅδε πάντα διδάξει&amp;lt;br&amp;gt;Ἄττα σὲ χρὴ πράττειν, βροτέων γὰρ κὔδανεν ἔργων,&amp;lt;br&amp;gt;Οὐδείς πω κτίστη πάντων, ὃσα δῇτ‘ ἐγένοντο,&amp;lt;br&amp;gt;ἁλλ‘ ὅδ‘ ἑοῖ πισύνους καὶ ἐφέλκει καὶ μεταπλάττει, &amp;lt;br&amp;gt;Εἰς κραδίην, ὃν πνεῦμα βαλὼν, θεῖόνθ‘ ἅγιόντε. [[OC 0481]]: &#039;&#039;te vero ille omnia docebit&amp;lt;br&amp;gt; Quaecunque te oportet facere, humanis enim placuit ab operibus &amp;lt;br&amp;gt;Nemo umquam conditori omnium quaecumque facta sunt, &amp;lt;br&amp;gt;Verum ipse sibi obsequentes et attrahit et refingit, &amp;lt;br&amp;gt;In cor suum spiritum immittens divinumque sanctumque&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenig später verheißt er himmlischen Lohn für gute und Höllenstrafen für böse Menschen. Er geht aber nicht darauf ein, wie diese Kategorisierung zustande kommt und ob sie sich auf die Werke der Menschen stützt.&amp;lt;ref&amp;gt;A.a.O., 136f. Δύσσεται ἐκ νεκρῶν ζωὸς κακὸς ἠδὲ καὶ ἐσθλός.&amp;lt;br&amp;gt;Ἐσθλ‘ ἱν‘ ἐγερθέντες βίον ἄφθορον αἰὲν ἔχωσι. &#039;&#039;Subiturus est de mortuis vivus tam malus quam bonus.&amp;lt;br&amp;gt; Boni ut excitati vitam incorruptam semper habeant, 140 Τούσδε κακοὺς νὺξ κυκλώσει ἔρεβός τε σκότος τε. At malos nox circumdabit erebusque caligoque.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung ist in der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; ein wichtiges Thema.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 253-269; [[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 221-235.&amp;lt;/ref&amp;gt; Camerarius bezeichnet sie dort durch das Verb δικαιωθῆναι bzw. &#039;&#039;iustificari&#039;&#039;, also durch Passiv-Formen, die unterstreichen, dass die Gläubigen nicht selbst daran mitwirken. Er betont dabei, dass die Menschen allein durch Glauben und aufgrund der Gnade Gottes gerettet werden. Dabei argumentiert er nahe am Text des Neuen Testaments, vor allem mittels der Paulusbriefe. Zentrale Stellen sind Röm 3,23f. und 28&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 223: &#039;&#039;Omnes peccaverunt et deficiuntur gloria Dei, iustificanturque gratis eiusdem gratia, per redemtionem quae fit in Christo Iesu. ... fide iustificari hominem sine operibus legis.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Eph 2,8&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd.: &#039;&#039;Gratia estis salvati per fidem, idque non ex vobis, Dei donum est, non ex operibus.&#039;&#039; Die Abhängigkeit der Menschen von göttlicher Gnade verdeutlicht Camerarius auch in [[Erwähntes Werk::OC 0663]].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Hier wird deutlich, wie wichtig Glaube und Gnade für die Erlösung sind. In der griechischen Version der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; sind die Zitate oft wörtlich aus dem griechischen Bibeltext entnommen. Zur &amp;quot;sola gratia&amp;quot;-Formel greift Camerarius auch auf [[Erwähnte Person::Theophylactus]] zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0900]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 353f.: &#039;&#039;Nam, in convivium, inquit Theophylactus, ingressio sit absque discrimine: Sumus enim vocati &#039;&#039;&#039;sola gratia&#039;&#039;&#039; cuncti tam boni quam mali, sed ingressorum postea vita non caret inquisitione.&#039;&#039; Zu &amp;quot;sola fide&amp;quot; und &amp;quot;sola gratia&amp;quot; vgl. auch [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 36.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht unwichtig für die Rechtfertigung ist auch die Frage nach der [[Willensfreiheit]], die für Camerarius nur eingeschränkt gegeben ist und aus Gottes Gnade entsprieße. Dazu bekennt er im Gutachten: &amp;quot;der mensch seie in aignen naturlichen krefften verderbt verblentet vnd vnärtig zw aller gerechtigkeit so vor Gott gilt, Do aber das heil vnd licht in die welt kumbt, vnnd wirdet Reuhe buesse, vnd vergebung der sunden vmb Christi Iesu Verdienst wegen, gepredigt, Vnd ist in diessen predigten der heylig Geist thetig, do wirdett den menschen, irem verstand vnd willen, durch Gottes genade gewalt gegeben, dem licht zuuolgen, welche aus irer sundlichen art sunst in der finsternuß bleiben muesten, Vnd doch niemant zw der seligkeit wider seinen willen getrieben noch gedrungen&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 1036]], Abschnitt 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den Heiligen Geist und durch Christi Verdienst hätten also die Menschen die Möglichkeit, sich für oder gegen die Seligkeit zu entscheiden. Etwas anders dargestellt wird dies in der „Katechesis“: Der erste Mensch habe einen freien Willen gehabt, doch seit dem Sündenfall entferne er sich immer weiter von Gott.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Seckt 1888]], S. 14; [[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 274-285 und [[OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 238-248.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier argumentiert Camerarius stark philosophisch und zitiert auch vorchristliche Schriftsteller wie [[Platon]], [[Pindar]] und [[Sokrates]]. Ferner setzt er sich [[Erwähntes Werk::OC 0938|in einer Disputation]] und einem [[Aristoteles, Ethica Nicomachea, 1578|Kommentar]] mit [[Erwähnte Person::Aristoteles]]&#039; Nikomachischer Ethik auseinander,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kößling 2003a]], S. 298f.&amp;lt;/ref&amp;gt; und auch in den [[Camerarius, Norica (Werk), 1532|&amp;quot;Norica&amp;quot;]] steht die Frage im Mittelpunkt, in welchem Maß der Mensch einen freien Willen besitzt und wie stark er determiniert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sakramentenlehre und Abendmahl====&lt;br /&gt;
Sein Verständnis von Sakramenten (μυστήρια, &#039;&#039;sacramenta&#039;&#039;) legt Camerarius umfangreich in der Katechesis dar.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0579]], S. 369-407; [[Erwähntes Werk::OC 0726]], S. 317-353.&amp;lt;/ref&amp;gt; In erster Linie gehören für ihn nur Abendmahl und Taufe dazu. Man könne aber auch die Schlüsselgewalt in Hinblick auf Handauflegung und Absolution der Sünden ein Sakrament nennen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0579]], S. 406: τὸ βάπτισμα καὶ δεῖπνον κυριακόν. προσθείη δ&#039; ἂν τούτοις τὶς ... καὶ τὴν κλειδουχίαν, ὅσον τὲ πρὸς τὴν χειρεπιθεισίαν καὶ τὴν ἀπόλυσιν ἀνήκει τῶν μετανοούντων. [[OC 0726]], S. 352f.&#039;&#039;Baptisma et Coena Dominica. Adiungere tamen his possit aliquis ... etiam clavium potestatem, quatenus illa quidem ad impositionem manuum et absolutionem pertinet paenitentem&#039;&#039;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Deren Durchführung sei allen Gläubigen zugesprochen, nicht nur einer Institution.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 1998]], S. 266f., [[Walter 2017]], S. 40.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sogar an zweiter Stelle der Sakramente erscheint die Schlüsselgewalt in den &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0455]], V. 164-170, als δύναμις κλειδοῦχος bzw. [[Erwähntes Werk::OC 0481]] als &#039;&#039;potestas clavigera&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenso in der vermutlich von Camerarius verfassten Schrift [[Erwähntes Werk::OC 0943|&amp;quot;De dissidio in religione&amp;quot;]] unter der Bezeichnung &#039;&#039;clavium sacramentum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0943]], [[Camerarius, De dissidio in religione, 1595]], S. 16. Die Schrift wurde von [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze]] ohne Autorennennung publiziert.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Als Sakrament wird sie auch in der Apologie der Confessio Augustana bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Im 13. Artikel: Vgl. Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, Göttingen 1967, S. 292: &#039;&#039;Vere igitur sunt sacramenta baptismus, coena Domini, absolutio, quae est sacramentum poenitentiae. &#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Anders ist dies in den Schmalkaldischen Artikeln: Dort werden die Begriffe Schlüsselgewalt und Absolution gleichgesetzt, allerdings ohne den Charakter eines Sakraments zu erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, Göttingen 1967, S. 453: &#039;&#039;absolutio et virtus clavium&#039;&#039;. Dass Camerarius sich hier stärker an der „Apologie“ orientiert, zu deren Entstehung er beigetragen hat (vgl. [[Peters 2014]] und [[Peters 2014a]], S. 226-228), kann nicht verwundern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der für sie von Camerarius benutzte griechische Begriff κλειδουχία ist sehr selten: Belegt ist er noch bei den byzantinischen Schriftstellern Euthymius Zigabenus&amp;lt;ref&amp;gt;[[Migne, PG]] 129, col. 468,25&amp;lt;/ref&amp;gt; und Nikolaus Muzalon, während das Adjektiv κλειδοῦχος in antiken und mittelalterlichen griechischen Texten häufiger auftritt.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Recherche im &amp;quot;Thesaurus Linguae Graecae&amp;quot; ergab ca. 40 Treffer.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich Taufe ist Camerarius der Auffassung, dass sie nur einmal erfolgen kann. Er lehnt daher die Wiedertaufe ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 1036]], Bl. 29r. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ausführlicher äußert er sich in der &amp;quot;Catechesis&amp;quot;:&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 321-324.&amp;lt;/ref&amp;gt; Taufe von Kindern sei zulässig. Es sei göttlicher Auftrag, die Völker zu taufen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die Taufe, bezeichnet als &#039;&#039;baptisma&#039;&#039; oder λουτρόν, &#039;&#039;lavacrum&#039;&#039;, sei ein Zeichen (&#039;&#039;sigillum&#039;&#039;) für den Glauben und Gottes Gnade. Sie sei Grundlage für die kirchliche Gemeinschaft, außerhalb derer niemand gerettet werden könne.&amp;lt;ref&amp;gt;Ebd. S. 324.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[OC 1036|Gutachten von 1559]] (Abschnitt 5) beruft sich Camerarius bezüglich des Abendmahls auf Melanchthon, [[Erwähnte Person::Epiphanios von Salamis]], [[Erwähnte Person::Johannes Chrysostomos]], [[Erwähnte Person::Theodoret]], [[Erwähnte Person::Johannes von Damaskus]] und [[Erwähnte Person::Theophylactus]]. Mit den Schriften der genannten Autoren hat er sich intensiv befasst. Da es sich hier, abgesehen vom Erstgenannten, sämtlich um griechische Schriftsteller handelt und man nicht davon ausgehen kann, dass der Adressat des Gutachtens, [[August (Sachsen)|Kurfürst August]], ihre Werke gelesen hatte, dürfte es sich um &amp;quot;Namedropping&amp;quot; handeln. Camerarius nutzt dies, um seiner Position Autorität zu verleihen. Weiter bekennt er: &amp;quot;Es seie bey dem nachtmal deß Herrn, oder Sacrament des leibs vnd bluets Iesu Christi, Er der Herr selbst, des das nachtmal ist, gegenwertig, vnd werde aldo entpfangen, in austeilung des brots der leib Christi, vnd austeilung des Kelchs das blut Christi, warhafftig, vnd nitt erdichter weiße, dieweil geschrieben stehet ausdrucklich, Das ist mein leibe, das ist mein bluethe&amp;quot;, und man empfange beim Abendmahl &amp;quot;nitt gemeine brothe vnd wein, sunder ein solche broth vnd wein, Welchs ist die gemeinschafft des leibs vnd bluets Christi, nitt fleischlicher, sinnlicher entpfindlicher weysse, oder das brott vnd wein verschwinde, sunder wie der Herr weisse vnd wille, der diesser geistlichen speisse niessung verordnet, vnd die geschaffet hathe&amp;quot;. Das Betonen der Abendmahlsgemeinschaft ist ein Bekenntnis gegen die Transsubstantiationslehre der katholischen Kirche. Die hier anklingende Wichtigkeit des Laienkelchs hat Camerarius auch in einem früheren Text verdeutlicht: In der Ekloge &amp;quot;Querela sive Agelaeus εἰς ποτηριοκλέπτην&amp;quot; wird der Diebstahl eines Bechers mit der Ablehnung des Laienkelchs durch die römische Kirche verglichen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0377]]. Vgl. [[Mundt 2004]], S. 226f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in den &amp;quot;Synodica&amp;quot; (1543) äußert er sich ähnlich: Sakramente müssten ernst genommen werden, und man müsse sich bei ihnen an Gottes Wort halten, das eindeutig sei. Entsprechend befürwortet er den Laienkelch und lehnt Privatmessen ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], Bl. B8r: &#039;&#039;In ecclesia usum sacramentorum quam sinceriss. extare par est. In quo nihil aliud quam apertum et simplex verbum Dei sequendum. Ergo nec poculum domini prohibendum laicis, nec missae privatae tolerandae etiam hoc nomine sunt.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich des Abendmahls verschweigt bzw. verleugnet Camerarius die im reformatorischen Lager vorliegenden Lehrunterschiede: Die Aussagen im Evangelium und in den Paulusbriefen seien eindeutig und es könne keinen Streit darüber geben:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 378 und [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 324f. Teilübersetzung: [[Seckt 1888]], S. 20.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es sei notwendig, das Abendmahl in beiderlei Gestalt zu empfangen. Brot und Wein betrachtet C. als wahren Leib und wahres Blut Christi. Gleichzeitig bezeichnet er ihren Empfang auch als Zeichen (σύμβολον καὶ σημεῖον φανερόν),&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 383.&amp;lt;/ref&amp;gt; womit sich auch Züge calvinischer Theologie offenbaren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu die lat. &amp;quot;Catechesis&amp;quot;: &#039;&#039;ista nota et hoc signum manifestum per confessionem in fide Christianorum.&#039;&#039; Auch betont er die &#039;&#039;communicatio&#039;&#039; beim Abendmahl: &#039;&#039;Nam poculum quod benedicimus ... nunquid communicatio sanguinis Christi est? Panem quem frangimus nunquid communicatio corporis Christi est?&#039;&#039; [[OC 0726]], S. 328f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierbei beruft er sich auf den Apostel [[Erwähnte Person::Paulus]]. Auf die &#039;&#039;communicatio&#039;&#039; beim Abendmahl kommt er auch bei der Behandlung der apostolischen Schriften zu sprechen, besonders bei der Kommentierung der Stelle Apostelgeschichte 2,42. Er betont dort die Bedeutung der Gemeinschaft beim Brechen des Brotes.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk:: OC 0872]], [[Camerarius, Notatio figurarum orationis in apostolicis scriptis (Druck), 1572]], S. 220: καὶ τῇ κλάσει τοῦ ἄρτου. κοινωνία &#039;&#039;nihil aliud significat quam communicationem &amp;amp; societatem. In libris Latinis est: Et communicatione fractionis panis. Id esset:&#039;&#039; καὶ τῇ κοινωνίᾳ τῆς κλάσεως τοῦ ἄρτου. &#039;&#039;Acceperunt autem hoc aliqui de usurpatione instituti a Christo sacramenti corporis &amp;amp; sanguinis ipsius: Cum Hebraica phrasi frangi panem, significet distributionem &amp;amp; usum cibi.&#039;&#039; Auch in einer [[Erwähntes Werk::OC 0425|Schrift zum Konzil von Trient]] übersetzt Camerarius aus einer Schrift Melanchthons Aussagen des Evangeliums zum Abendmahl.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Auch einen falschen Gebrauch des Abendmahls bemängelt Camerarius: So würde Gregor von Nazianz es sogar schlimmer als die von ihm kritisierte Entweihung der Altäre durch Arianer finden, wenn Christen den Leib Christi täglich hinunterschlingen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0431]], [[Camerarius, Συνοδικά, 1543]], Bl. C7v-8r: &#039;&#039;Non profecto illam nefariam super altari saltationem unius adolescentis impuri, deploraret, sed detestaretur cotidianam istam ingluuiem, heu mihi horresco referens, celestis panis. &amp;amp; execrandam impuritatem qua altaria sordescunt, &amp;amp; iam religione consecratam impietatem extremam, quae a multis milibus ad eam conductis uili pecuniola excercetur. Praedictum est fore ut porcis aliquando obijciatur panis mysticus. Si uere aliqua barbaries hoc fecerit, immane id quidem, sed quid in illo deterius quam hac cotidiana distractione, cum a toties milibus porcinis faucibus hominum immundicia fatentium &amp;amp; impietate gloriantium, corpus Christi corripitur. &#039;&#039; Das bezieht sich auf die Schrift gegen die Arianer, [[Migne, PG]] 36, col. 217.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bezeichnung &amp;quot;panis mysticus&amp;quot; für das Abendmahl, die an obiger Stelle begegnet, nutzt Camerarius sonst nur selten, u.a. in einem griechisch-lateinischen Glossar: &#039;&#039;Manibus insuper&#039;&#039; θλῶμεν, &#039;&#039;et&#039;&#039; κλῶμέν τι, &#039;&#039;id est frangimus. Et panis mysticus est corpus Christi&#039;&#039;, τὸ ὑπὲρ ἡμῶν κλώμενον. &#039;&#039;Et&#039;&#039; θλάσις, θλάσμα: κλᾶσις, κλάσμα, &#039;&#039;fragmen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0553]], [[Camerarius, Commentarii utriusque linguae, 1551]], Sp. 310.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich der &amp;quot;Manducatio indignorum&amp;quot; sagt Camerarius, dass auch Unwürdige das Abendmahl empfangen können, allerdings würden sie dadurch selbst das göttliche Gericht auf sich ziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0579]], S. 384 (ὁ γὰρ ἐσθίων καὶ πίνων ἀναξίως, κρῖμα ἑαυτῷ ἐσθίει καὶ πίνει, μὴ διακρίνων τὸ σῶμα τοῦ κυρίου) und [[OC 0726]], S. 329 (&#039;&#039;Nam comedens et bibens indigne, iudicium sibiipse comedit et bibit, non descernens corpus Domini&#039;&#039;). Dieser Gedanke findet sich sowohl in der Apologie zur Confessio Augustana 11,62 als auch in der Konkordienformel VII,7 sowie VII,16. Die Stellen berufen sich auf 1 Kor 11 u.ö. &amp;lt;/ref&amp;gt; Über einen weiteren Streitpunkt verschiedener reformatorischer Gruppierungen, die &amp;quot;Manducatio impiorum&amp;quot;, also die Frage, ob auch Nichtgläubige Leib und Blut Christi im Abendmahl zu sich nehmen, erfahren wir nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht unwidersprochen blieb Camerarius&#039; passivische Wiedergabe von Apostelgeschichte 3,21 (ὃν δεῖ οὐρανὸν μὲν δέξασθαι): Er paraphrasiert die Stelle durch ἀναληφθεὶς εἰς οὐρανόν bzw. &#039;&#039;assumptus in coelum&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 379f. [[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 326.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Erwähnte Person::Nikolaus Selnecker]] brachte dies in seiner Schrift [[Selnecker, Commonefactio de verbis Actorum, 1571|&amp;quot;Commonefactio&amp;quot; (1571)]], Bl A6r/v mit sakramentierischen Positionen in Verbindung, nach denen Christus sich nur im Himmel aufhalte und dort im Sinne einer &amp;quot;corporalis locatio&amp;quot; festgehalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Dingel 2008]], S. 308f. und 316f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dieser Annahme könne Christus aber leiblich nicht im Abendmahl präsent sein, schließt Selnecker. Den Namen des Camerarius erwähnt er nicht, doch die griechischen und lateinischen Zitate lassen sich eindeutig der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; zuordnen. Selnecker deutet dabei das griechische δέξασθαι rein passivisch im Sinne von &#039;&#039;Christum coelo capi&#039;&#039;. Gegen diese Auslegung argumentiert Camerarius‘ Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Esrom Rüdinger]] in einer [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00029899-5  Disputationsschrift (1571)] philologisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hund 2006]], S. 249-251.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese strittige Formulierung, die Selnecker bemängelt hatte, verwendet Camerarius aber gar nicht.&lt;br /&gt;
Der späte Melanchthon (ab 1557) hatte allerdings die Himmelfahrt Christi wörtlich verstanden und geschlussfolgert, dass die menschliche Natur Christi nur im Himmel sein könne. Allgegenwärtig und damit auch auf Erden anwesend sei demnach nur die göttliche Natur.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hund 2006]], S. 89f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bemerkenswert ist, dass die von Selnecker kritisch zitierte Camerarius-Schrift in griechischer Sprache bereits 1552 erschienen war und somit vor den Werken anderer Autoren, die an dieser Stelle ebenfalls das Passiv verwendeten: [[Erwähnte Person::Théodore de Bèze]], Melanchthon und der [[Erwähntes Werk::Pezel, Wittenberger Katechismus, 1571|Wittenberger Katechismus]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hasse 2000]], S. 96-98.&amp;lt;/ref&amp;gt; Möglicherweise bezog sich Camerarius auf Selneckers Kritik, als er 1572 die entsprechende Stelle wortreich kommentierte und seine Formulierung verteidigte. Er greift dabei auf Argumente des Theophylactus zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;(Kommentar zu Apg 3,21) [[Erwähntes Werk::OC 0872]], [[Camerarius, Notatio figurarum orationis in apostolicis scriptis (Druck), 1572]], S. 227f.: ἀναληφθεὶς γὰρ ὁ χριστὸς εἰς οὐρανοὺς, μένει ἐκεῖ ἕως τῆς τοῦ κόσμου συντελείας, ἐλευσόμενος τότε μετὰ δυνάμεως, ἀποκαταστάντων πάντων λοιπὸν, ὧν προεθέσπισαν οἱ προφῆται, ἤτοι ὅταν τὸ τέλος ἐνστῇ, καὶ παύσηται τὰ αἰθητὰ, τότε ὁ χριστὸς ἔσται τῶν οὐρανῶν ὑψηλότερος. &#039;&#039;Id est: Assumtus enim Christus in coelum, manet illic, ad consummationem usque mundi huius, aduenturus tunc cum potentia, restitutis de caetero omnibus, quae Prophetarum oraculis praedicta sunt. Sive, ubi finis iam aderit, et cessaverint sensibus exposita, tunc ipse Christus coelis erit sublimior. Haec leguntur in Theophylacteis. ... Sed quomodo dicit? Quem oportet coelum capere siue accipere, siue, ut Latinus vetus interpres, suscipere. An nondum illud acceperat? Immo admodum. Cur igitur non dixit: Quem coelum accepit? Quae autem ibi sequuntur in libris editis, ἀδιανόητα sunt, vel mendosa vel mutila, quemadmodum suspicor. Itaque indicata sententia secundum alibi in sacris litteris dicta, &amp;amp; hoc etiam loco satis euidens, teneatur: Oportuisse ita fieri, ut Christus reciperetur siue acciperetur siue assumeretur in coelum, ubi maneret tanquam in propria sede, usque ad finem huius Mundi, &amp;amp; rerum omnium instaurationem.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Ekklesiologie====&lt;br /&gt;
Für Camerarius zeigt sich die Kirche als Gemeinschaft all derer, die im Glauben an Christus übereinstimmen. Ohne diese Gemeinschaft könne niemand erlöst werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 324: &#039;&#039;quod extra communionem nemo salvus fiat&#039;&#039; und [[Erwähntes Werk::OC 0878]], [[Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572]], Bl. a7r: &#039;&#039;Nullam scio ego spem salutis concipi firmam posse, extra Catholicam et Orthodoxam Christi Iesu Ecclesiam.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Grundlage dafür sei die Taufe. Die Gläubigen seien die Glieder der Kirche, das Haupt aber sei Christus,&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0579]], [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1552]], S. 405; [[OC 0726|Catechesis]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 350f.: &#039;&#039;Quid appellatis Ecclesiam Christi? Coetum confidentium fidem in Christum. Qui evocati generali veritatis et Evangelii praeconio, cum remissione peccatorum et renovatione sanctificationeque spirituali congregantur in communione tam sanae doctrinae, quam status legitimi, et vitae pure degendae in hoc Mundo. ... Quia cum mansit Ecclesia Christi, quotquot vere sunt huius tanquam unius corporis membra, eos sanctos esse, et carentes culpa necesse est, in fide Iesu Christi, qui etiam caput est corporis illius.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht der Papst. Dieser sei nur ein Aufseher und ein durch Einvernehmen der Bischöfe gewählter Vorsitzender.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], Bl. B7v-B8r: &amp;quot;Papam placet esse caput ecclesiae. Hoc falsum est, nam Paulus diserte dicit Christum esse caput ecclesiae. Sed esse quendam inspectorem et praesidem constitutum consensu episcoporum ferri fortasse non possit modo, sed utile etiam futurum sit.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Amt sei das eines Fischers, nicht eines Kriegsherrn. Das wird begründet mit dem Beispiel des [[Erwähnte Person::Simon Petrus]], dem Christus verbot, das Schwert zu ziehen, obwohl er es nicht zum eigenen Vorteil einsetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], C6r-v.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich erklärt C. seine ekklesiologische Auffassung auch im Brief an den zur katholischen Kirche zurückgekehrten [[Briefpartner::Veit Amerbach]]:&amp;lt;ref&amp;gt;Dat. 12.4.1548, in [[Mieg 1702]], II, S. 48-60, hier S. 49.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gebe nur eine christliche Gemeinschaft, in die er hineingeboren sei und in der er sich immer noch befinde.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe auch [[Kunkler 1998]], S. 270.&amp;lt;/ref&amp;gt; C. vertritt die Ansicht, dass die Reformatoren keine „Neugläubigen“ sind, sondern  vielmehr die alte Kirche wiederherstellen. Der Brief liest sich auch als Abrechnung mit den Missständen in der römischen Kirche: Kirchliche Hierarchien, Messopfer, Heiligenkult und Verbot des Laienkelchs werden verurteilt. Große Bedeutung misst Camerarius hier der Wahrheit (des Evangeliums) bei; 24 Jahre später wird er ihre Bedeutung gegenüber der Liebe zurückstellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Wort &amp;quot;veritas&amp;quot; ist 14 mal im Brief an Amerbach enthalten. Vgl. auch den späten Kommentar [[Erwähntes Werk::OC 1038]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die römische Kirche, so lässt Camerarius wiederholt durchblicken, sei auf einen falschen Weg geraten, was &amp;quot;entweder auf Irrtum oder bewußter Täuschung oder auf beidem beruhe&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Stählin 1936]], S. 55, als Übersetzung von [[Erwähntes Werk::OC 0775]], [[Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566]], S. 221.&amp;lt;/ref&amp;gt; Entgegen aller Aussagen, es gebe nur eine Kirche, stehen die Beteuerungen in den „Synodica“, wo zwischen der Lehre des Evangeliums und der der „Papisten“ unterschieden wird. Hier klingt der Vorwurf des Schismas an.&lt;br /&gt;
Den Vorrang des Papstes unter Berufung auf den Apostel [[Simon Petrus|Petrus]] verwirft Camerarius in der [[Erwähntes Werk::OC 0761|&amp;quot;Expositio de Apostolis&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566]], S. 106: &#039;&#039;De instituto a Petro quadraginta dierum ieunio ... itemque collocata sede principatus in urbe Roma, a nobis neque decet neque omnino fortasse debet disputari.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Im [[Erwähntes Werk::OC 1036|Gutachten an Kf. August]] wird er noch deutlicher und spricht gar von der &amp;quot;gottlosen läre deß Babstumbs&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 1036]], Bl. 35r.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Ein Verbot der Ehe für Priester und andere Personen lehnt Camerarius ab.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0431]], [[Camerarius, Synodica, 1543]], Bl. B8r: &amp;quot;Coniugium neque sacerdotibus, neque ullis aliis prohiberi debet, sed qui non continent contrahant matrimonium in domino.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Konzilienschrift, die auch der Vorbereitung des Tridentinums diente (vgl. ↑ [[Theologie (CamLex)#Nicäa und Trient - Das Werk im zeitlichen Kontext|Nicäa und Trient]]), misst Camerarius den Konzilien eine hohe Bedeutung bei. Auch die Betonung der Rolle der römischen Kaiser dürfte seine Hoffnungen auf Kaiser [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)]] widerspiegeln: So lobt er das Engagement [[Erwähnte Person::Konstantin der Große|Konstantins des Großen]]&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Certe ut laudandum hac etiam in parte est studium Imperatoris Constantini, qui id quod et ante distraxisset rem Ecclesiasticam, et in posterum ansam separationis praebere posset, e medio tollendum esse statuerit&#039;&#039;: [[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], S. 129f.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zitiert (in Übersetzung) aus dessen Brief an die Konzilsväter. Nach Aussage Konstantins entspreche ein Beschluss von 300 Bischöfen dem Willen Gottes.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0573]], [[Camerarius, Historia synodi Nicenae (Druck), 1552]], S. 128: &#039;&#039;Quod enim trecentis placuit Episcopis, nihil aliud est, quam Dei sententia, maxime cum Spiritus sanctus talium, et tantorum virorum animis incubans, lucem divinae voluntatis protulerit.&#039;&#039; Die griechische Vorlage, aus der Camerarius übersetzt, findet sich bei [[Erwähnte Person::Socrates Scholasticus]] und [[Athanasius der Große|Athanasius]], &amp;quot;De decretis Nicaenae synodi&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Darin kann man ein Bekenntnis zum Konziliarismus sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reformation betrachtet Camerarius als notwendig, auch wenn er die Kirchenspaltung bedauert. Verantwortlich dafür sei aber nicht Luther, sondern die vorreformatorische Kirche.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Zusammenfassung von C.&#039; Ekklesiologie in den biographischen Schriften bietet [[Stählin 1936]], S. 54-57.Zur Ablehnung der kirchlichen Hierarchie vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0943]].&amp;lt;/ref&amp;gt;  Generell wird das Papsttum häufiger kritisiert, bis hin zum Vorwurf, die weltliche Macht gestohlen zu haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0827]], [[Camerarius, Orationes funebres, 1569]], S. 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Deutlich wird Camerarius auch in Bezug auf kirchliche Führungspositionen: Wer der Kirche Gottes vorstehen, aber nicht das Amt ausüben wolle, nämlich die Wahrheit zu lehren, verursache ein Schisma.&amp;lt;ref&amp;gt;[[OC 0900]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 60: φοβηθήτωσαν ... καὶ οἱ ἐν τῇ τοῦ χριστοῦ ἐκκλησίᾳ μεγαλαυχοῦντες ὡς υἱοὶ τῶν ἁγίων, ἐκλεκτόντε καὶ ἱερατικὸν γένος.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel scharfzüngiger Kritik an falschem Amtsverständnis bringt Camerarius in einem [[Erwähntes Werk::OC 0081|Epitaph]] auf [[Erwähnte Person::Julius II. (Papst)|Papst Julius II.]], der als Kriegstreiber und Wendehals charakterisiert wird, wofür er sehr lange vor dem Himmelstor warten müsse – sicher eine Anspielung auf den „Iulius exclusus“ des [[Erasmus von Rotterdam]]. Die antirömischen Polemiken häufen sich im Vorfeld des Konzils von Trient: Dahinter kann der Versuch stehen, alle Deutschen (vor allem Fürsten und Bischöfe) gegen den Papst zu vereinen. Auch Kaiser [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)]] ist ein Hoffnungsträger, zumindest bis zum Schmalkaldischen Krieg. Nach Kriegsausbruch gibt es kaum mehr polemische Auseinandersetzungen mit der Papstkirche bei Camerarius: Aus politischen Gründen (Interim) war es zunächst nicht opportun. Camerarius fand sich mit Melanchthon und Georg von Anhalt in einer Position wieder, wo zwischen politischen Sachzwängen (Forderung des Kaisers nach Umsetzung des Interims) und dem Gewissen (d.h. dem Bekenntnis zur „evangelischen Wahrheit“) laviert werden musste. &lt;br /&gt;
Nach dem Fürstenaufstand, der mit dem Passauer Vertrag und dem folgenden Augsburger Religionsfrieden erstmals Religionsfreiheit für Protestanten ermöglichte, waren die Gräben klar genug abgesteckt. Somit war für Camerarius (und Melanchthon) kein Anlass mehr gegeben, gegen die katholische Seite polemisch zu werden, zumal der neue Kurfürst [[August (Sachsen)]] an der Beibehaltung des Friedens und einem guten Verhältnis zu den Habsburgern interessiert war. Die folgenden Auseinandersetzungen innerhalb des reformatorischen Lagers, resultierend aus den Positionen im Interimistischen Streit, waren für Camerarius eine große Enttäuschung. In einer [[Erwähntes Werk::OC 1038|kommentierten Ausgabe]] eines Lutherbriefs betont Camerarius noch im Jahr 1572 den Vorrang der Liebe vor der Wahrheit, vor allem vor dem Buchstaben des Gesetzes, und warnt vor Ehrgeiz und übermäßiger Betonung der kirchlichen Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;Praktische Theologie und Pädagogik&amp;quot;===&lt;br /&gt;
==== Vorbemerkungen ====&lt;br /&gt;
Bei Camerarius zeigen sich Pädagogik, Philologie und Theologie eng miteinander verknüpft: So betont er wiederholt, das oberste Ziel des Unterrichts sei die religiöse Ausbildung, den Weg zur Erkenntnis der christlichen Wahrheit und zur rechten Gottesverehrung bilde aber die Philologie.&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu Baier, Thomas, in: Helleno(ger)mania (in Vorbereitung), S. 17: &amp;quot;Sprache hat als Verständigungsmittel eine dienende Funktion, ist die &#039;&#039;ancilla&#039;&#039; des Inhalts. Erasmus und Camerarius haben jedoch auch ihre gestaltende Fertigkeit zur vollen Wirkung entfaltet, ihr mithin eine königliche Funktion zugewiesen im Sinne einer &#039;&#039;philologia regina&#039;&#039;.&amp;quot; Vgl. auch [[Kunkler 2000]], S. 203-206. Auch schreibt Camerarius im [[Erwähntes Werk::OCEp 1473|Widmungsbrief]] seiner [[Plautus, Comoediae sex, 1549|Plautus-Edition]]: &#039;&#039;Manemus in sententia studia utriusque linguae excolenda esse, et esse hanc viam ad scientiam &amp;amp; veritatem, quibus &amp;amp; cultus Dei &amp;amp; hominum communitas continetur ac durat&#039;&#039; (A7v).&amp;lt;/ref&amp;gt; Insofern behandelt das folgende Kapitel die pädagogischen und die katechetischen Schriften zusammen. Berechtigt erscheint dies auch deshalb, weil man von systematischer Pädagogik im Sinne einer Wissenschaft erst mit Comenius zu sprechen pflegt&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Kunkler 2003]], S. 162.&amp;lt;/ref&amp;gt; – bei Camerarius findet man allerdings erste Vorläufer einer pädagogischen Theorie. Einen Versuch, die Pädagogik des Camerarius als eigenes System zu fassen, hat Stephan Kunkler unternommen, wobei der Begriff der &#039;&#039;doctrina&#039;&#039; (Lehre) eine zentrale Stellung einnimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Kunkler 2000]], S. 143-146 und [[Kunkler 2003]], S. 263-267.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings betrachtet Kunkler die Theologie des Camerarius unter Aussparung von dessen katechetischem Hauptwerk, der Katechesis.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kunkler 1998]], S. 262f. Zu Kritik an Kunklers Arbeiten vgl. [[Mundt 2002]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Wissen, dass der disziplinäre Begriff „Praktische Theologie“ erst seit dem 19. Jahrhundert existiert, wird er an dieser Stelle vorterminologisch u.a. als Umschreibung für religiöse Erziehung und den Einsatz der Religion im Bildungswesen benutzt. Einige Aspekte praktischer Theologie konnten hier nicht berücksichtigt werden, insbesondere der Umgang mit dem Tod, das Sprechen über Verstorbene und der Trost der Hinterbliebenen. Hierzu sei unter anderem verwiesen auf die Schlagworte [[Todesfurcht]], [[Konsolationsliteratur]], [[Trostgedicht]] und [[Nachruf]] (mit den Unterkategorien [[Epicedium]], [[Epitaphium]] und [[Nachruf (Prosa)]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Einige dieser Aspekte behandelt Vinzenz Gottlieb in seiner entstehenden Dissertation zu den [[Erwähntes Werk::Camerarius, Orationes funebres, 1569|Leichen- und Gedenkreden]] auf Kurfürst [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katechismen ====&lt;br /&gt;
Zu den wichtigsten pädagogischen Texten bei Camerarius gehören die Katechismen, die in Schulen, teilweise vielleicht auch in Universitäten im Unterricht Verwendung fanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Geschichte der Katechismen in Sachsen vgl. [[Reu 1911]] I/2,1. Abdruck mitteldeutscher Katechismen in [[Reu 1911]] I/2. Katechismen des Spätmittelalters hat [[Leppin 2023]] untersucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; Üblicherweise behandeln sie die Zehn Gebote (Dekalog), das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Schultz 1890]], S. 5, unter Berufung auf ein Visitationsprotokoll von 1528.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Folgenden wird dieser Begriff etwas weiter ausgelegt und werden die katechetischen Schriften des Camerarius in chronologischer Reihenfolge besprochen. Ein Vergleich der einzelnen Texte steht noch aus, wäre aber notwendig, um den je eigenen Zweck zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius hat einige Katechismen verfasst; der erste erschien unter dem Titel [[Erwähntes Werk::OC 0007|„Capita sacrosanctae fidei“]], gedruckt in Melanchthons [[Melanchthon, Institutio puerilis literarum Graecarum, 1525|„Institutio puerilis“ (1525)]], und wurde früher dem „Praeceptor Germaniae“ zugeschrieben. [[Walter 2017|Jochen Walter]] hat aufgezeigt, dass dieses Werk höchstwahrscheinlich von Camerarius stammt, und begründet dies durch Übereinstimmungen mit den [[Erwähntes Werk::OC 0455|&amp;quot;Κεφάλαια Χριστιανισμοῦ&amp;quot;]] von 1545.&amp;lt;ref&amp;gt;In einem [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10989034-1 Exemplar der &amp;quot;Institutio puerilis&amp;quot; in der BSB] sind auf dem Frontispiz alle Namen getilgt (Camerarius, Melanchthon, Nicolaus Gerbel und der Drucker Johannes Setzer). Gustav Kawerau (vgl. [[Schultz 1890]], S. 7) zählt dieses Werk nicht zu den Katechismen, sondern zu den Schullesebüchern.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Während Luthers kleiner Katechismus einfache Anweisungen an (weniger gebildete) Pädagogen/Hausväter gibt, bietet die griechische [[Erwähntes Werk::OC 0579|&amp;quot;Katechesis&amp;quot; (1552)]] des Camerarius längere (gelehrte) Abschnitte für den gebildeteren Lehrer bzw. die Schüler.&amp;lt;ref&amp;gt;So auch [[Kunkler 1998]], S. 262; vgl. Th. Baier, Gräzist (noch nicht veröffentlicht).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die relative Exklusivität offenbart sich schon an der Wahl des Griechischen anstelle des Deutschen bzw. Lateinischen bei Luther und anderen Autoren. Möglicherweise handelt es sich um den ersten aus der Reformation hervorgegangenen griechischen Katechismus. Er verfolgt ein zweifaches Ziel: Die Vermittlung religiöser Grundlehren und die Einübung der griechischen Sprache.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Bedeutung des Griechischen zeigt Cam. auch in seiner [[Erwähntes Werk:: OC 0580|Einleitung zur &amp;quot;Katechesis&amp;quot;]] auf.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die in griechischen Hexametern verfassten &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; sind direkt an die Schüler gerichtet. Die Wahl einer dichterischen Sprache, die sich teils an die Epen [[Erwähnte Person::Homer]]s, teils auch an andere dichterische Formen anlehnt, ist sicher bewusst im Sinne einer poetischen Schulung getroffen worden.&amp;lt;ref&amp;gt;So [[Walter 2017]], S. 34-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zahl evangelischer Katechismen der Reformationszeit ist kaum zu überschauen.&amp;lt;ref&amp;gt;Neben Martin Luthers Kleinem und Großem Katechismus sei verwiesen auf die Sammlung in [https://archive.org/details/dieevangelische00cohrgoog Ferdinand Cohrs (Hrsg.): Die evangelischen Katechismusversuche vor Luthers Enchiridion. 5 Bde., Berlin 1900-1907, Nachdruck Hildesheim/New York 1978] und [[Reu 1911]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie miteinander zu vergleichen kann hier nicht geleistet werden. Doch ein Blick in einige evangelische Schulordnungen soll zeigen, wo die Benutzung von Katechismen ausdrücklich gefordert wird: Bereits in [[Luther, An die Ratherren aller Städte deutsches Lands, 1524|Luthers Ratsherrenschrift]] finden sich Anforderungen an die religiöse Erziehung und schulische Bildung der Jugend. Hierbei wird die Verantwortung für (religiöse) Bildung den Städten auferlegt. So begannen diese schon vor den Landesfürsten mit eigenständigen Bildungsreformen und Neugründungen von Schulen. Die unter Melanchthons Mitwirkung entstandene Ordnung der [[Erwähnter Ort::Eisleben]]er Schule des [[Erwähnte Person::Johannes Agricola]]&amp;lt;ref&amp;gt;Die [[Erwähnter Ort::Magdeburg]]er Stadtschule (seit 1524) ist die möglicherweise &amp;quot;erste protestantische Schulgründung&amp;quot;; die Eislebener, im Frühjahr 1525 begründet, hat &amp;quot;die älteste gedruckte Schulordnung des neuen Kirchenwesens&amp;quot; ([[Paulsen 1919]], S. 276f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; von 1525 sieht die Behandlung der [http://data.onb.ac.at/rep/1097F195 Pädologie] des [[Erwähnte Person::Petrus Mosellanus]] für das erste Lehrjahr vor. Ob man diese als Katechismus bezeichnen kann, ist diskutabel: So erscheinen in den Dialogen nur vereinzelt religiöse Themen. Christliche Schriften sieht die Ordnung erst für das dritte Lehrjahr vor: Dann sind das Vaterunser, das Apostolische Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote, einige Psalmen und verschiedene Schriftstellen zu lernen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Et universae scholae interpretabitur praeceptor aut unum ex Euangelistis aut aliquam Pauli epistolam aut Solomonis gnomas. Id fiet simplicissime, ne adsuefiant ad rixandum adulescentes, sed ut religionem quam purissimam addiscant et a simulatione pietatis possint discernere, ut ad timorem dei, ad fidem, postremo ad bonos mores inuitentur. Et ut acuatur cura discendorum sacrorum in pueris, non sufficiet his multa praelegisse. Sed cogentur ediscere orationem dominicam, Symbolum Apostolorum, Decalogum, lectissimos Psalmos et certos alios locos scripturae, que ne e memoria excidant, exiget tanquam pensum diei Dominici praeceptor, ut recenseantur ordine memoriter.&#039;&#039; Vgl. [[Hartfelder 1892]], S. 3 und 5f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Ordnung der [[Erwähnte Körperschaft::Egidiengymnasium (Nürnberg)|Oberen Schule zu Nürnberg]], der Camerarius von 1526 bis 1535 vorstand, enthielt auch Vorgaben zur katechetischen Unterweisung: So sollten die einzelnen Schüler bereits in den Grammatikschulen einmal am Tag den Dekalog, das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis aufsagen. Auch eine Auslegung dieser Texte sollte ihnen gegeben werden, und sie sollten einige Psalmen rezitieren lernen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Unus dies singulis hebdomadis est in tractationem elementorum religionis collocandus, ubi praeceptor audiat ordine singulos discipulos recitantes Decalogum, orationem dominicam, symbolum Apostolorum, nam haec pueris effluunt ex animis, nisi saepe recitare cogas. Est et enarratio puerilis addenda, quam praeceptores saepe reposcant a pueris. Subinde etiam Psalmi planiores, et qui summam religionis continent, proponantur ediscendi, ut una cum literarum elementis doctrina Christiana teneris animis inseratur.&#039;&#039; [[Hartfelder 1892]], S. 9f.; deutsche Übersetzung in [[Heerwagen 1860]], S. 28f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Lateinische Lehrbücher dieses Inhalts existierten bereits. Für höhere Klassen ist an die Verwendung der [[Erwähntes Werk::OC 0007|&amp;quot;Capita sacrosanctae fidei&amp;quot;]] (siehe unten) zu denken, die zur Wiederholung des Inhalts und zum Erlernen der griechischen Dichtersprache geeignet waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Ähnlich wie die &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; von 1545: Vgl. [[Walter 2017]], S. 40-42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in späteren Schulordnungen von Nürnberg und Altdorf nahm die religiöse Unterweisung einen wichtigen Platz ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Saubert 1673]], Bl. C4v-D1v und [[Saubert 1633]], Bl. F3r-G1r: Hier wird auch Luthers Katechismus in deutscher und lateinischer Sprache erwähnt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nürnberger Schulordnung weckte bald auch das Interesse des [[Erwähnter Ort::Breslau]]er Lehrers [[Erwähnte Person::Johannes Metzler]], der Camerarius [[Erwähntes Werk::OCEp 0302|in einem Brief (1526)]] um deren Zusendung bat. Es ist aber nicht klar, ob sie Einfluss auf die Schulordnung des Breslauer Gymnasiums hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Bauch 1898]], S. 72.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Schulen für die Erlernung christlicher Werte und der biblischen Sprachen betont auch Luther in seiner [[Erwähntes Werk::Luther, An die Ratherren aller Städte deutsches Lands, 1524|Ratsherrenschrift]] (Bl. D3r/v): Man brauche die Bibel nicht nur in Deutsch, sondern auch in Latein, Griechisch und Hebräisch. Das Vorhandensein gut ausgebildeter Lehrer und guter Bücher hebt er als Desiderat hervor. Luther betonte auch die Bedeutung des Musikunterrichts. Entsprechend war auch im Lehrplan der Nürnberger Oberen Schule täglich eine Stunde Musik vorgesehen. Dieses Fach füllte wohl der Komponist [[Erwähnte Person::Wilhelm Breitengraser]] aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Krause 1879]], Bd. II, S. 50f., neben [[Burkard 2003]], S. 158, Anm. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von Camerarius selbst sind allerding kaum musikalische Aktivitäten oder Kompetenzen bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Grantley McDonald, Notes on the sources and reception of Senfl&#039;s Harmoniae, in: Stefan Gasch / Sonja Tröster (Hgg.), Senfl-Studien 2, Tutzing 2013, S. 623-633, hier S. 629, und Grantley McDonald, The Metrical Harmoniae of Wolfgang Gräfinger and Ludwig Senfl, in: Stefan Gasch / Birgit Lodes / Sonja Tröster (Hgg.), Senfl-Studien 1, Tutzing 2012, S. 69-148, hier S. 100, Anm. 82. In [[Erwähntes Werk::OCEp 1426]] schreibt Camerarius, dass er selbst geistliche Gesänge gesungen habe.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine erst kürzlich entdeckte musikhistorische Abhandlung ([[Erwähntes Werk::OC 1037|&amp;quot;In musicae laudem&amp;quot;]]), von Camerarius als Vorwort zu einem Stimmbuch der [[Erwähnte Körperschaft::Fürstenschule (Meißen)|Fürstenschule Meißen]] verfasst, umreißt die Bedeutung der Musik in der Kulturgeschichte seit dem mythischen Griechenland. Ähnliches schreibt Camerarius auch in der [[Erwähntes Werk::OC 0828|Rede zum 7. Todestag]] von [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)|Kurfürst Moritz]], wonach Achill das Harfenspiel von Chiron gelernt habe, um seine Emotionen zu kontrollieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Camerarius, Oratio funebris anniversariae memoriae causa de principe Mauricio (1560), 1569]], S. 135.&amp;lt;/ref&amp;gt; Besondere Bedeutung erlangte schließlich Camerarius&#039; Versgebet [[Erwähntes Werk::OC 0597|&amp;quot;In tenebris&amp;quot;]], das oft vertont wurde und möglicherweise die Vorlage für [[Erwähnte Person::Paul Eber]]s deutsche Dichtung &amp;quot;Wenn wir in höchsten Nöten sein&amp;quot; bildet, die ins Evangelische Kirchengesangbuch aufgenommen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Die Capita sacrosanctae fidei (1524) und die Capita pietatis (1545) =====&lt;br /&gt;
Die griechischen [[Erwähntes Werk::OC 0007|Capita sacrosanctae fidei]] (CSF) sind Teil eines von Melanchthon herausgegebenen Lehrwerks, der [[Erwähntes Werk::Melanchthon, Institutio puerilis literarum Graecarum, 1525|Institutio puerilis (1525)]], das schon fünf Jahre vor [[Martin Luther]]s Großem und Kleinem Katechismus (ab 1529) entstand und sich von diesen auch in der Wahl der Sprache unterscheidet: Während Luther seine Katechismen in Deutsch abfasste und auch lateinische Versionen drucken ließ, existiert die &amp;quot;Institutio puerilis&amp;quot; nur als Werk in teils lateinischer, teils griechischer Sprache mit deutschen Einsprengseln (und einem hebräischen Teil). All diese Schriften sind als Leitfaden für Lehrkräfte, Hausväter und Pfarrer konzipiert&amp;lt;ref&amp;gt;Kleiner Katechismus: &#039;&#039;für die gemeine Pfarrherrn und Prediger/pro parochis et concionatoribus&#039;&#039;; im Großen Katechismus werden gelegentlich Hausväter erwähnt.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zum Selbstlernen eher ungeeignet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anhang der &amp;quot;Institutio&amp;quot; befindet sich eine hebräische Grammatik des Wittenberger Hebraisten [[Erwähnte Person::Matthäus Aurogallus]], die weitgehend wörtlich mit dessen [http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10184079-3 „Compendium Hebreae Chaldeaeque grammatices“] aus dem selben Jahr übereinstimmt. Das Compendium enthält zusätzlich einen Abschnitt über hebräische Zahlen, ein Kapitel über Unterschiede der hebräischen und chaldäischen/aramäischen Sprache sowie Briefe und hebräische Texte. Durch dieses Buch hatte auch Camerarius Gelegenheit, mit der hebräischen Sprache in Kontakt zu kommen. Über seine Kenntnisse dieser Sprache ist kaum etwas bekannt; allerdings zeigt er sie in der [[Camerarius, Sententiae Jesu Siracidae, 1551|Jesus-Sirach-Ausgabe 1551]].&amp;lt;ref&amp;gt;Dort S. 13f., 136f. 146, 160, 172,179, 198 und 203.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Walter 2017|Jochen Walter]] hat überzeugend dargelegt, dass die CSF von Camerarius verfasst und 1545 unter dem Titel [[Erwähntes Werk::OC 0455|Κεφάλαια Χριστιανισμοῦ]] in erweiterter Form erneut herausgegeben wurden: So gibt es versweise wörtliche Übereinstimmungen, aber der Umfang der Κεφάλαια ist mit 222 gegenüber 131 Versen erheblich größer. Das Griechisch der Κεφάλαια weist sprachliche Besonderheiten auf, die teils der homerischen Dichtersprache, teils der Bukolik und anderen Gattungen entstammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Walter 2017]], S. 26ff. und 34ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch hier kommt das Prinzip des Camerarius zum Tragen, sprachliche und inhaltliche Lernziele miteinander zu verbinden. Diese Synergie erweist sich auch an anderen Werken des [[Camerarius, Capita pietatis, 1545|1545 unter dem Namen &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot; erschienenen Drucks]]: So ist ein deutschsprachiges Gedicht Martin Luthers über das Buch Salomo (wohl die Weisheit Salomons) enthalten, das Camerarius im Anschluss in je einer lateinischen und griechischen Übersetzung (versifiziert) präsentiert. Einen Hinweis auf die Zielgruppe des Kompendiums gibt das ebenfalls beigefügte Gedicht des [[Erwähnte Person::Johann Stigel]] (C5r-C8v) mit einer Widmung an [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] (dieser war damals ca. 8 Jahre alt und wurde noch privat unterrichtet&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1475|Camerarius&#039; Widmung der &amp;quot;Fabulae Aesopicae&amp;quot; an Johann Malleolus von 1544]].&amp;lt;/ref&amp;gt;). Man wird konkret an eine Verwendung in den 1543 gegründeten Fürstenschulen [[Schulpforta]] und [[Meißen]] denken können. Für die schulische Verankerung spricht, dass die 1. Auflage schnell ausverkauft war und Camerarius im Folgejahr eine 2. Auflage drucken ließ ([[Camerarius, Capita pietatis, 1546]]), ergänzt um eine selbst verfasste [[Erwähntes Werk::OC 0481|lateinische Übersetzung]] der &amp;quot;Κεφάλαια&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Notwendigkeit der Neuauflage begründet Camerarius im [[Erwähntes Werk::OCEp 1445|Widmungsbrief an Georg III. von Anhalt]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die  Ansicht ist synoptisch (griechischer Text auf dem Verso, lateinischer Text auf dem gegenüberliegenden Recto, mit versgenauer Entsprechung); die Übersetzung ist &amp;quot;ausgangssprachenorientiert und versucht, bis in die Wortstellung hinein den griechischen Text abzubilden&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Walter 2017]], S. 30.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das Missverhältnis zwischen einem bereits früher erlernten Inhalt und der anspruchsvollen griechischen Dichtersprache lässt darauf schließen, dass Camerarius hier einen Primat der philologischen gegenüber der theologischen Bildung verfolgt hat: Die bekannten Inhalte sollten die sprachlichen Forschritte erleichtern und die lateinische Version sollte das Verständnis des griechischen Textes zusätzlich sicherstellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Walter 2017]], S. 41f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine weitere lateinische Übersetzung nahm [[Erwähnte Person::Johannes Fux]] vor, der die &amp;quot;Κεφάλαια&amp;quot; in elegische Distichen übersetzte. Er fügte sie ein in [[Fux, Ioel propheta, 1553|ein eigenes Lehrbuch]], das auch Versifikationen von einigen der kleinen Propheten sowie einen weiteren Katechismus enthält. Von Fux&#039; Übersetzung existiert [[Camerarius, Capita pietatis, 1555a|ein Nachdruck]] in Kombination mit anderen Versifikationen des Übersetzers. Damit hielten die &amp;quot;Capita&amp;quot; auch in ein katholisches Lehrbuch Einzug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zur 1550 entstandenen griechischen &amp;quot;Κατήχησις&amp;quot; des Siebenbürger Sachsen [[Erwähnte Person::Valentin Wagner]], mit dem Camerarius in Freundschaft verbunden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Groß 1929]], 2. Stück: Valentin Wagners Katechesis, S. 3-5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Die &amp;quot;Praecepta vitae puerilis&amp;quot; (1536) =====&lt;br /&gt;
Ein von Camerarius [[Camerarius, Praecepta vitae puerilis (Druck), 1536|1536 in Tübingen herausgegebener Druck]] vereint mehrere Erziehungsratgeber: In den [[Erwähntes Werk::OC 0188|&amp;quot;Praecepta vitae puerilis&amp;quot;]] werden ganz praktische Ratschläge erteilt. Im Mittelpunkt steht dabei die sittliche Unterweisung. Camerarius beschreibt und begründet zunächst verschiedene Erziehungsziele, um anschließend den Heranwachsenden konkrete Handlungsmaximen an die Hand zu geben. Die gleichen Inhalte transportiert das beigefügte Gedicht [[Erwähntes Werk::OC 0187|&amp;quot;Praecepta honestatis atque decoris puerilis&amp;quot;]]. Auf spielerisches Lernen zielt der Dialog [[Erwähntes Werk::OC 0185|&amp;quot;De gymnasiis&amp;quot;]]. Darin wird die Bedeutung von Sport und Spiel dargelegt. Als Widmungsbrief ist ein Schreiben des jungen Studenten [[Christoph Coler (Sohn)]] an seinen Bruder beigegeben, in dem der Lehrer gelobt wird - also Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schultheiß 2017]], S. 205 sieht die Einbeziehung des Briefes, &amp;quot;der durchaus auf einem echten beruhen kann&amp;quot;, &amp;quot;als Teil einer Publikationsstrategie&amp;quot;, um &amp;quot;Camerarius durch die lobenden Äußerungen eines eigenen Studenten als Pädagogen zu profilieren&amp;quot;: Der eigentliche Autor ist natürlich Camerarius selbst.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Bezug zu seinem Tätigkeitsfeld [[Erwähnter Ort::Tübingen]] wird deutlich. Die Einbeziehung der [[Erwähnter Ort::Nürnberg]]er Patrizierfamilie Coler zielt vielleicht auch darauf ab, weitere Söhne der Stadt an die einzige protestantische Universität Süddeutschlands zu locken.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Anstieg der Zahl fränkischer Studenten in [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Tübingen)|Tübingen]] siehe das Kapitel ↑ [[Theologie_(CamLex)#Tätigkeit_in_Tübingen_(1535-1541)|Tätigkeit in Tübingen (1535-1541)]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Praecepta&amp;quot; wurden im 16. Jahrhundert noch häufiger aufgelegt, vor allem ab 1544 in [[Leipzig]] zusammen mit den [[Camerarius, Praecepta morum ac vitae, 1544|&amp;quot;Praecepta morum ac vitae&amp;quot;]]. Als Grund dafür nennt Camerarius den prekären Sittenverfall, der in ihm Angst vor der Zukunft auslöse.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Camerarius an Megel, 23.05.1544]]: &#039;&#039;Nam tanta dissolutio vitae ac morum nunc passim existit, ut saepe quid denique futurum sit, vehementer metuam&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er wolle diesem Verfall durch die Ausbildung des Verstandes begegnen und die Urteilsfähigkeit stärken: Dies sei auch bei Erwachsenen noch möglich, wenn man es in der Kindheit vernachlässigt habe. Hierzu bedient er sich auch antiker Weisheitslehren: Das lateinische [[Erwähntes Werk::OC 0439|Spiel der sieben Weisen]] ist vielen Ausgaben beigefügt. Statt konkreter Handlungsanweisungen werden hier sentenzenhaft Maximen der Lebensführung vermittelt. Das Werk hatte großen Erfolg und wurde mehrmals in die Volkssprache übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hubrath 2003]].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1563|Ein weiterer Dialog]], der ab 1563 mehrmals gedruckt wird, behandelt das gute Benehmen bei Heranwachsenden und rezipiert auch die &amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;. Die Bedeutung von speziellen Regeln zur gottgefälligen Erziehung der Kinder wird hier dargelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0712]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Die &amp;quot;Capita Christianismi&amp;quot; / &amp;quot;Puerilis doctrina de Christiana vita&amp;quot; (1538) =====&lt;br /&gt;
Ein [[Camerarius, Capita Christianismi, 1538|weiterer Katechismus]] erschien im Jahr 1538 im Druck: [[Johannes Brenz]] schreibt in seinem Vorwort, dass [[Erwähntes Werk::OC 0216|dieser Katechismus]] bereits in [[Tübingen]] vorher in Verwendung gewesen sei. Er sorge nun dafür, dass er auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehe. Enthalten sind Ausführungen zum Dekalog, zu Sakramenten und Gebeten. Der Katechismus ist lange Zeit dem Theologen [[Erwähnte Person::Thomas Lindner]] zugeschrieben worden, weil von diesem ein einleitendes Gedicht enthalten ist. Inzwischen ist die überwiegende Forschungsmeinung, dass Camerarius die Schrift verfasst hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=2018 MBW Nr. 2018.3]. Camerarius war in Tübingen auch für das Pädagogium zuständig (vgl. [[Schultheiß 2017]], S. 205 und [[Hofmann 1982]], S. 15).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der damalige Freiberger Lehrer [[Erwähnte Person::Adam Siber]] berichtete im Mai 1541, dass er bei [[Erwähnte Person::Wolfgang Meurer]] ein Buch mit dem Titel &amp;quot;Institutio doctrinae puerilis&amp;quot; gesehen habe, und bittet um dessen Zusendung.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://www.aerztebriefe.de/id/00006831 www.aerztebriefe.de/id/00006831] und [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/62101/449 Brief Sieber an Meurer, 28.5.1541].&amp;lt;/ref&amp;gt; Möglicherweise handelt es sich um die Schrift des Camerarius.&amp;lt;ref&amp;gt;Es ist immerhin möglich, dass stattdessen [[Melanchthon, Institutio puerilis literarum Graecarum, 1525]] gemeint ist.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Eine (unpublizierte) &amp;quot;Confessio Augustana Graeca&amp;quot; =====&lt;br /&gt;
Camerarius hatte bereits beim Augsburger Reichstag 1530 seinen Freund Melanchthon unterstützt, indem er eine Mitschrift von der Verlesung der Confessio Augustana anfertigte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Peters 2014a]], S. 230–236 und [[Gindhart/Hamm 2024]], S. 20 m. Anm. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch später noch beschäftigte er sich mit der Bekenntnisschrift: In einem Brief von 1547&amp;lt;ref&amp;gt;[https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=4870 MBW - Regesten online], Nr. 4870.4.&amp;lt;/ref&amp;gt; äußert Melanchthon seine Freude darüber, dass C. die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; ins Griechische übersetze. Von diesem Werk hat sich aber außer diesem Briefzeugnus keine weitere Spur gefunden. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sie mit der Version identisch ist, die der [[Erwähnter Ort::Halle (Saale)|hallische]] Schulrektor [[Erwähnte Person::Paul Dolscius]] (mit Melanchthons Mitwirkung)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Benz 1971]], [[Wenz 2010]], S. 199-219. Zu den griechischen Katechismen der Reformatoren vgl. [[Flogaus 2015]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1559 herausgegeben hat. Gegen Beteiligung von Camerarius spricht, dass es sich offensichtlich um eine Übersetzung der &amp;quot;Confessio Augustana Invariata&amp;quot; handelte, während C. und Melanchthon die &amp;quot;Variata&amp;quot; bevorzugten.&amp;lt;br&amp;gt; Deswegen wird angenommen, dass die Übersetzung ins Griechische nur geplant war, aber nie durchgeführt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kretschmar, Georg: Die Confessio Augustana graeca. In: Kirche im Osten 20 (1977), S. 11-39, hier S. 16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ 1552 =====&lt;br /&gt;
Nach den [[Erwähntes Werk::OC 0455|&amp;quot;Κεφάλαια Χριστιανισμοῦ&amp;quot;]] erstellte Camerarius 1552 mit der [[Erwähntes Werk::OC 0579|&amp;quot;Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ&amp;quot;]] einen kompletten Katechismus in griechischer Sprache, den man als sein pädagogisches Hauptwerk bezeichnen kann. Hier ist sein Ziel nicht die sprachliche Bildung seiner Schüler, sondern die Verbreitung der Glaubenslehre.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OC 0582]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Man hat daraus gefolgert, dass er eine Wiederherstellung der Kircheneinheit mit den griechischen Christen im Sinn hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Reu 1911]], Bd. 2.1, S. 96; vgl. Baier, Helleno(ger)mania (in Vorbereitung), S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [[Camerarius, Κατήχησις τοῦ Χριστιανισμοῦ (Druck), 1562|2. Auflage von 1562]] unterscheidet sich nur unmerklich von der ersten. 1563 publizierte Camerarius zudem eine [[Erwähntes Werk::Camerarius, Catechesis, 1563|lateinische Ausgabe]]. Während die griechische mit originalen Formulierungen der Kirchenväter arbeitete und deren Stil nachahmte, hatte die lateinische das Ziel, in Deutschland verstanden zu werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::Camerarius, Catechesis, 1563]], Bl. §8v. Allerdings unterlässt Camerarius in der lateinischen Ausgabe den Hinweis auf seinen Zweifel bezüglich Alter und Autorschaft des Athanasianischen Glaubensbekenntnisses, der ihm Kritik eingetragen hatte. In der 2. griechischen Auflage dagegen wird der Zweifel aufrechterhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich Aufbau und Inhalt gibt es kaum Unterschiede in den verschiedenen Ausgaben: Der 1. Teil enthält die Definition des christlichen Katechismus und einen Abschnitt über Sünden und Gesetz (mit ausführlicher Behandlung des Dekalogs);&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Inhalt vgl. [[Seckt 1888]], S. 14-16.&amp;lt;/ref&amp;gt; im 2. Teil werden das Glaubensbekenntnis, das Evangelium, die christliche Kirche (&#039;&#039;catholica Ecclesia&#039;&#039;) und die Sakramente besprochen. Hier erfolgt eine Darstellung dogmatischer Inhalte: Das Apostolische, Nikäokonstantinopolitanische und Athanasische Glaubensbekenntnis werden angeführt und erklärt. Dabei werden auch die Glaubensbekenntnisse weiterer Kirchenschriftsteller zitiert, namentlich die des Epiphanius und des Basilius.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0726]], [[Camerarius, Catechesis, 1563]], S. 251-258. Die Darstellung zitiert und erklärt die Inhalte, ausgehend von der historischen Entstehung. Dabei werden auch antike Häresien behandelt. Zum Inhalt des 2. Teils der &amp;quot;Katechesis&amp;quot; vgl. [[Seckt 1888]], S. 16-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der 3. Teil behandelt das Gebet;&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Inhalt vgl. [[Seckt 1888]], S. 21. Vgl. [[Schultheiß 2024]], S. 201-203.&amp;lt;/ref&amp;gt; den 4. Teil bildet ein erneuter Abdruck der [[Erwähntes Werk::OC 0455|&amp;quot;Capita pietatis&amp;quot;/&amp;quot;Κεφάλαια Χριστιανισμοῦ&amp;quot;]]. &lt;br /&gt;
Beeinflusst wurde das Werk möglicherweise durch [[Erwähnte Person::Valentin Wagner]]s 1550 erschienenen griechischen Katechismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Müller 2000]], S. 36f. und 206 sowie [[Groß 1929]], Teil II, S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem siebenbürgischen Theologen stand Camerarius in engem Kontakt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0898]] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=7084 MBW Nr. 7084].&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings erfolgten die persönlichen Zusammentreffen erst im Jahr 1554 und beide Werke zeigen eigenständigen Charakter. Andreas Müller hat diese miteinander verglichen und weist auf deutliche Unterschiede in inhaltlicher wie formaler Hinsicht hin.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Müller 2000]], S. 204-210.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Katechesis&amp;quot; des Camerarius gehörte zu den wirkmächtigsten griechischen Schriften dieser Art und gilt wegen ihrer Verbreitung im griechischen Kulturraum vielleicht als der &amp;quot;bedeutendste griechisch geschriebene Text der Reformationszeit&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Müller 2000]], S. 204. Vgl. auch Müller, Andreas: Protestantische Drucke des 16. Jahrhunderts auf dem Berg Athos, in: Ostkirchliche Studien 47 (1998), S. 124-138. Druckexemplare gibt es u.a. im Katharinenkloster auf dem Sinai, in Vatopedi, 2. Stock der Bibliothek Nr. 2998 (unter falschem Namen und Titel); Iviron, Sig. A 276 (unvollständig und schlecht erhalten); Athen, Gennadius-Bibliothek. Alle Angaben (nicht überprüft) laut [[Müller 2000]], S. 204.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch in Sachsen wurde der Katechismus (in beiden Sprachen) noch 1571 in Universitäten,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6307 MBW Nr. 6307.3].&amp;lt;/ref&amp;gt; Kirchen und Schulen verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;So schreibt [[Erwähnte Person::Nikolaus Selnecker]]  in seiner  &amp;quot;Commonefactio&amp;quot; (1571): &#039;&#039;Nobis catechismi verba, quae in ecclesiis et scholis Misnicarum regionum et aliis multis in locis adhuc Dei beneficio sonant, loco confeßionis esse debent&#039;&#039; und zitiert anschließend aus der griechischen (S. 379f. und 384) sowie der lateinischen (S. 325f. und 327) &amp;quot;Katechesis&amp;quot;: Vgl. [[Dingel 2008]], S. 316. Dies geht einher mit Kritik an Camerarius: Dieser hatte eine Bibelstelle (Apostelgeschichte 3,21) passivisch übersetzt und somit zu Selneckers Missfallen Anklänge an Melanchthons späte Abendmahlslehre erkennbar werden lassen. Vgl. ↑ [[Theologie (CamLex)#Sakramentenlehre|Systematische Theologie]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Der Wittenberger Katechismus =====&lt;br /&gt;
In Kursachsen war aber auch der Katechismus des Melanchthonschülers [[Erwähnte Person::David Chyträus]] in zahlreichen Auflagen verbreitet. Die Auflagen von [[Erwähntes Werk::Chyträus, Catechesis, 1568|1568 (Leipzig)]] und [[Erwähntes Werk::Chyträus, Catechesis, 1569|1569 (Wittenberg)]] stießen wegen einiger &amp;quot;flacianischer&amp;quot; Stellen auf Ablehnung: Die Schulvisitatoren, darunter auch Camerarius, beschlossen die Ersetzung durch ein eigenes Werk.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Hasse 2000]], S. 87: Chyträus sei in den Punkten der &amp;quot;Communicatio idiomatum&amp;quot; und des freien Willens von Melanchthon abgewichen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Katechismus wurde substituiert durch den von [[Erwähnte Person::Christoph Pezel]] anonym erstellten [[Erwähntes Werk::Pezel, Wittenberger Katechismus, 1571|Wittenberger Katechismus]]. Zwar unterzeichneten die Vertreter der Wittenberger Theologischen Fakultät dessen &amp;quot;Praefatio&amp;quot;, doch durch das Verschweigen des Verfassers kam der Verdacht auf, es handle sich um eine calvinistische Schrift. Es ist nicht klar, welchen Anteil Camerarius an Erstellung und Verbreitung dieser Schrift hatte. Durch ein Schreiben bestätigte er aber dem Hofprediger [[Erwähnte Person::Christian Schütz]], dass Leipziger und Wittenberger Theologen den Wittenberger Katechismus einmütig unterstützten. Der Theologieprofessor [[Erwähnte Person::Johann Pfeffinger]] schloss sich dem Brief an,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Dresden, HStA]], 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10312/01: Wittenberger Katechismus und andere Religionshändel; Innentitel: &amp;quot;Schriften über den von der Theologischen Fakultät zu Wittenberg begriffenen und im Druck gefertigten lateinischen und deutschen Katechismus, was durch denselben, wie auch andere Schriften, für Religionsstreit erregt&amp;quot;, Bl. 19f.: Schreiben vom 27.8.1571; [[Calinich 1866]], S. 71f.; [[Hasse 2000]], S. 94 m. Anm. 112.&amp;lt;/ref&amp;gt; der jedoch im Jahr 1574 ungewollt zu bedeutenden religionspolitischen Veränderungen in Sachsen beitragen sollte, die zum Sturz, zur Verhaftung oder Ausweisung vieler Melanchthon-Schüler führten. Camerarius entging diesem Schicksal möglicherweise nur durch seinen Tod im April desselben Jahres.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Homiletisches ====&lt;br /&gt;
Einige von Camerarius gehaltene Reden haben beinahe Predigtcharakter, so die [[Erwähntes Werk::OC 0829|Weihnachtsansprache]] zum Tod des Kurprinzen [[Erwähnte Person::Alexander (Sachsen)]] 1565, die an der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] gehalten wurde. Auch die [[Erwähntes Werk::OC 0615|Rede zum Tod]] des Leipziger Theologen und Hebraisten [[Nachruf auf::Bernhard Ziegler]] enthält Elemente einer Predigt, so etwa zahlreiche Zitate aus den Paulinischen Briefen. Camerarius gab sie zusammen mit [[Erwähntes Werk::OC 0613|den Predigten]] seines Freundes [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] bald nach dessen Tod heraus. Aus diesen zieht Camerarius verschiedene Lehren und skizziert eine Art Theorie der Predigt. Bei anderen Gelegenheiten sprach Camerarius selbst in Kirchen, doch sind seine Leichenreden auf [[Nachruf auf::Eberhard I. (Württemberg)|Eberhard im Bart]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0202]].&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Nachruf auf::Moritz (Sachsen)|Kurfürst Moritz]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Erwähntes Werk::OC 0587]].&amp;lt;/ref&amp;gt; in Humanistenmanier verfasst, so dass sie eher dem Bereich der Rhetorik als der Homiletik zuzurechnen sind. Sie laden zur Nachahmung der Vorbilder ein und bedienen einige christliche Topoi: Im Zentrum steht das christliche Sterben, das an die Tradition der &#039;&#039;ars moriendi&#039;&#039; angelehnt ist. Unter den gerühmten Tugenden spielt die &#039;&#039;pietas&#039;&#039; eine wichtige Rolle. Neun weitere Reden zu Jahresfeiern von Moritzens Tod verfasste Camerarius bis 1569, die von anderen Rednern vorgetragen wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Camerarius, Orationes funebres, 1569]].&amp;lt;/ref&amp;gt; In ihnen liegt der Schwerpunkt mehr auf dem Ruhm des Herrschers und seiner Memoria. Nicht immer ist es möglich, eine scharfe Trennlinie zwischen Predigt und humanistischer Rede zu ziehen. Einem ganz anderen Zweck, nämlich der sprachlichen Übung und der religiösen Unterweisung für die (bereits erwachsenen) Camerarius-Söhne, diente [[Erwähntes Werk::OC 0900|eine Predigtsammlung]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vorwort des [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius]], [[Camerarius, Ὁμιλίαι (Druck), 1573]], S. 2: &#039;&#039;quasi homiliae compositae fuere, simul ad linguae graecae, simul ad simplicis ac purae veritatis celestis cognitionem conciliandam fratribus meis natu maioribus&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu Evangelientexten. Da sie in griechischer Sprache (mit lateinischer Übersetzung) verfasst sind, ist kein Gebrauch im Gottesdienst vorgesehen gewesen. Die Publikation erfolgte erst 1573 durch [[Ludwig Camerarius]].&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Pädagogische Praxis bei Camerarius ====&lt;br /&gt;
Neben der Erziehungs- und Bildungstheorie in seinen Schriften soll nun auch die Erziehungspraxis des Camerarius im häuslichen, schulischen und universitären Bereich betrachtet werden. Wenig ist bisher bekannt zur häuslichen Erziehung seiner Kinder.&amp;lt;ref&amp;gt;Fest steht, dass er zumindest den Söhnen eine gute Ausbildung angedeihen ließ: Alle fünf absolvierten erfolgreich ein Studium und hatten beruflichen Erfolg. Ihr Vater bezog sie in seine wissenschaftlichen Projekte mit ein und ermöglichte ihnen prominente Anstellungen, wobei vor allem [[Erwähnte Person::Johannes Camerarius II.]] in fürstlichen Diensten und [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.]] als Nürnberger Stadtarzt davon profitiert haben. Drei der Töchter heirateten bedeutende Akademiker. Über die Führung einer eigenen privaten Burse wie im Hause Martins Luthers ist nichts bekannt, doch hat er zumindest [[Erwähnte Person::Hieronymus Baumgartner d.J.|den Sohn seines Freundes Baumgartner]] als Studenten in seinem Haus beherbergt (das lässt sich aus [[Erwähntes Werk::OCEp 0677]] und [[Erwähntes Werk::OCEp 0679]] schließen).&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Söhne förderte er auch außerhalb des Schul- und Universitätsbesuchs und band sie auch in seine schriftstellerischen Tätigkeiten ein: So unterstützte er seinen etwa 18-jährigen Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.]] bei der [[Erwähntes Werk::OC 0556|Übersetzung einer Schrift zu Zahlenverhältnissen]], indem er sie korrigierte. Eine schwere finanzielle Belastung stellten die Auflandsaufenthalte einiger Söhne dar, wobei vor allem die Verhaftung [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius|Philipps]] durch die [[Inquisition]] in [[Erwähnter Ort::Rom]] auch emotionale Spuren hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Nutzen aus der Ausbildung der Söhne zog der Vater vor allem durch die Mitarbeit seines Sohnes [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius]], der verschiedene ältere Schriften des Vaters sammelte und (teilweise erneut, teilweise erstmalig) edierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Bereits im Alter von 20 Jahren verfasste Ludwig die pädagogische Schrift [[Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1563]]. Zu seinen weiteren Herausgeberschaften vgl. [[Ludwig Camerarius|seine Personenseite]].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine ersten Erfahrungen in der universitären Lehre sammelte Camerarius bereits früh: Als junger Bakkalar hielt er in [[Erwähnter Ort::Leipzig]] im Auftrag von [[Lehrer::Richard Croke]] griechische Übersetzungsübungen ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Erwähnter Ort::Erfurt]] unterrichtete er ab 1519 ebenfalls im Fach Griechisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Erwähnter Ort::Wittenberg]] erhielt er, inzwischen zum Magister promoviert, 1522 die Quintilian-Lektur, die er krankheitsbedingt jedoch nur zeitweise ausüben konnte, sowie 1523 die Leitung über die Deklamationsübungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Woitkowitz 2003]], S. 36, und [[Kunkler 2000]], S. 50-53.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als einen seiner frühesten Schüler bezeichnet er [[Schüler::Wilhelm Megel]], allerdings ist die Datierung dieser Lehrer-Schüler-Konstellation schwierig.&amp;lt;ref&amp;gt;So spricht C. in einem [[Erwähntes Werk::OCEp 1478|Brief von 1544]] von gemeinsamen Lehr-Lern-Erfahrungen. Dies spräche für Camerarius&#039; Jahre in Wittenberg (1521-1524), jedoch widersprechen sich die Quellen zu Megels Studienverlauf: Laut der Matrikel wurde er dort erst im Mai 1532 immatrikuliert (vgl. [[Förstemann 1841]], S. 143), aber eine Abschlussurkunde von August 1532 berichtet ein dreijähriges Studium (CR 2, Sp. 606f.). Es ist nicht auszuschließen, dass er außerhalb der Universität Unterricht bei Camerarius genossen hatte. Für Megel wird 1510 als Geburtsjahr angenommen: Damit käme Leipzig als Unterrichtsort nicht in Frage, denn Camerarius verließ die Stadt bereits 1518.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Rektor der Nürnberger Schule hatte Camerarius neben seinem Unterricht in Griechisch und Geschichte zweifelsohne auch pädagogische Aufgaben zu erfüllen; in Tübingen und Leipzig wirkte er in der universitären Lehre und erstellte Bildungsprogramme und Universitätsstatuten. Nicht nur als dreimaliger Rektor und mehrfacher Dekan der Leipziger Artistenfakultät hatte er Verantwortung für seine Studenten, sondern er bekleidete auch im sächsischen Schulwesen eine wichtige Funktion als Visitator der Fürstenschulen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Meyer 1897]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wichtig als Zeugnisse für Camerarius&#039; pädagogisches Handeln sind zudem seine Briefwechsel: Er beriet und unterstützte die Bildungsreise des [[Erwähnte Person::Petrus Lotichius Secundus]] mit den Neffen [[Erwähnte Person::Daniel Stiebar von Rabeneck|Daniel Stiebars]] nach Frankreich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Briefwechsel-Petrus Lotichius Secundus]] und [[Briefwechsel-Daniel Stiebar von Rabeneck]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Besonders aufschlussreich ist der [[Briefwechsel-Hieronymus Baumgartner d.Ä.|Baumgartner-Briefwechsel]]: Camerarius scheint dessen gleichnamigen Sohn eine Zeitlang in seinem Leipziger Haus beherbergt zu haben. Er gibt häufig Berichte über dessen Lernfortschritte. Weniger Lernerfolg hatte allerdings ein anderer Verwandter Baumgartners, [[Erwähnte Person::Augustin Dichtel II.]] Bei ihm stießen Camerarius und danach auch Melanchthon an die Grenzen ihrer Fähigkeiten und schickten ihn ohne Abschluss, jedoch nicht in Ungnade zurück. Ein weiteres Zeugnis pädagogischen Handelns ist ein [[Erwähntes Werk::OCEp 0884|Brief an die Brüder Ossa (1565)]], die in Padua studierten, aber ihr Studium anscheinend nicht ernst nahmen und sich mit ihrem Präzeptor zerstritten. Camerarius wandte sich mit verständnisvollen, doch auch mahnenden Worten an sie, um sie zur Einsicht und Besserung zu bewegen. Ob dies Erfolg hatte, ist nicht sicher: Der älteste der Brüder, Balthasar Friedrich, wurde im Folgejahr zwar Rektor (der deutschen Nation), doch war er während seiner Amtszeit in Straßenkämpfe mit der Stadtbevölkerung verwickelt und wurde vom Stadtpräfekten inhaftiert. Die Akten der deutschen Nation stellen ihn als Helden und unschuldig Verfolgten dar. Sie erwähnen aber auch seine hohen Ausgaben (über 10&#039;000 Kronen während seiner  Amtszeit).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Münnich 2020]], S. 867 und Acta Padua IV, 2, S. XXI, 47 (Nr. 87) sowie Biagio Brugio (Hg.), [https://archive.org/details/Brugi/page/136/mode/2up Atti della Nazione germanica dei legisti nello Studio di Padova I, S. 136-139].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sollte die Mahnung des Camerarius zu einer ehrbaren Lebensführung auf Zurückhaltung und Sparsamkeit abgezielt haben, so hat sie hier nicht gefruchtet. Sicher wurde dadurch seine schon [[Erwähntes Werk::OCEp 0616|1542 gegenüber Baumgartner]] geäußerte Meinung bestätigt: Das Studium in Frankreich und Italien würde die Schüler verderben, weil sie noch nicht innerlich gefestigt seien und dortige Unsitten übernähmen. Sie kämen dann eitel und besserwisserisch zurück. In Krisensituationen bemühte sich Camerarius um Deeskalation, wie im Fall der [[Erwähntes Werk::OCEp 0728|Ermordung eines Studenten]] (Oktober 1563) und [[Erwähntes Werk::OCEp 1276|eines Hausfriedensbruchs]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius versuchte auch, auf die Erziehung einiger junger Prinzen einzuwirken, indem er ihnen theologisch und pädagogisch geprägte Traktate widmete. Stets handelt es sich um Angehörige von Adelshäusern, die der Reformation nahestehen: Das bezieht sich auf [[Erwähnte Person::Bernhard VII. (Anhalt)|Neffen]] seines Freundes Georg von Anhalt, aber auch auf Mgf. [[Erwähnte Person::Albrecht II. Alcibiades (Brandenburg-Kulmbach)|Albrecht Alcibiades]], [[Erwähnte Person::Johann Albrecht I. (Mecklenburg)]] ([[Erwähntes Werk::OCEp 1464]]) oder die Lüneburger Prinzen [[Erwähnte Person::Franz Otto (Braunschweig-Lüneburg)|Franz Otto]] und [[Erwähnte Person::Friedrich (Braunschweig-Lüneburg)|Friedrich]] ([[Erwähntes Werk::OCEp 1444]]). Den letzteren beiden, Söhnen [[Erwähnte Person::Ernst I. (Braunschweig-Lüneburg)|Ernst des Bekenners]], diente der Camerarius-Schüler [[Erwähnte Person::Wilhelm Megel]] als Präzeptor. Durch die [[Erwähntes Werk::OC 0555|Widmung einer Plautus-Ausgabe]] (1552) an den 13-jährigen [[Erwähnte Person::Georg Friedrich I. (Brandenburg-Ansbach-Kulmbach)]] erstrebt Camerarius, ein Bewusstsein für die Bedeutung der wissenschaftlichen Studien zu schaffen. Schließlich wird er auch nicht müde, durch Vorbilder (mittels Biographien) auf die Prägung der jungen Menschen einzuwirken:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Stählin 1936]], S. 73f. &amp;lt;/ref&amp;gt; Das sind Fürsten wie Eberhard im Bart, [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]] und [[Erwähnte Person::Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]], aber auch Gelehrte wie Melanchthon und [[Helius Eobanus Hessus]].&amp;lt;ref&amp;gt;Bei Hessus gilt die Einschränkung, dass der Lebenswandel nur bedingt als Vorbildcharakter besitzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Noch sein zum Bischof von Eichstätt ernannter Freund [[Erwähnte Person::Moritz von Hutten]] erhält von Camerarius [[Erwähntes Werk::OC 0932|Ratschläge für eine gute Amtsführung]]. Auch der sächsische Kurprinz [[Erwähnte Person::Christian I. (Sachsen)]] besaß ein Buch mit Gebeten Luthers, Melanchthons und Camerarius&#039;, das ihm der Chemnitzer Superintendent [[Erwähnte Person::Georg Langevoit]] zusammengestellt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Von einer direkten Mitwirkung des Camerarius ist nichts bekannt. Die Handschrift [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/53225/1/1 &amp;quot;Libellus Precationum&amp;quot;] (Mscr. Dresd. A 301) vom 12.8.1571 enthält auf Bl. 80v-102r unter dem Titel &amp;quot;Formulae precationum ex Catechesi D. Ioachimi Camerarii&amp;quot; Gebete des Camerarius aus der &amp;quot;Catechesis&amp;quot; und aus der [[Erwähntes Werk::OC 0646|&amp;quot;Disputatio de Precibus&amp;quot;]] in griechischer und lateinischer Synopse.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius verfasste diese Werke nicht aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft, sondern immer auch aus der Perspektive des Praktikers. Der Umgang mit Prinzen und Fürsten war ihm nicht fremd, da einige von ihnen in Wittenberg oder Leipzig studiert hatten. Mit einigen der prominentesten Fürstenerzieher war Camerarius befreundet: So stand er mit [[Erwähnte Person::Georg Spalatin]], vormaligem kursächsischem Prinzenerzieher, in Briefkontakt; sein enger Freund Fürst [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau)]] war Schüler von Camerarius&#039; Lehrer [[Georg Helt]] und holte diesen später als Geistlichen an seinen Hof.&amp;lt;ref&amp;gt;Camerarius lobt gleichermaßen den gemeinsamen Lehrer als auch seinen &#039;&#039;condiscipulus&#039;&#039;: Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 1419]], [[Gregor von Nyssa, Λόγοι δύο (nativ.; Steph.), 1564]], Bl. D7r. Zu Helt als Fürstenerzieher vgl. [[Deutschländer 2014]], S. 206-209, sowie [[Georg III. (Anhalt-Plötzkau), Conciones synodicae, 1555]], Bl. BBr und [[Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566]], S. 216-218.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich unterstützte Camerarius gegen Ende seines Lebens noch ein pädagogisches Prestigeprojekt: Die Reichsstadt [[Nürnberg]] richtete in den 1570er Jahren die [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Altdorf)|Hohe Schule Altdorf]] ein, welche 1622 zur Universität erhoben wurde; sein Sohn [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] wurde dort 1581 Prokanzler. Besonders involviert waren die Ratsherren [[Erwähnte Person::Hieronymus Baumgartner d.J.]] und [[Erwähnte Person::Thomas Löffelholz von Colberg]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Mährle 2000]], S. 59-70 und [[Bezzel 1793]]. Anstöße zur Gründung gab Camerarius bereits 1565: Vgl. [[Erwähntes Werk::OCEp 0736|Brief an Baumgartner, 14.5.1565]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Langfristig gesehen war dieser Einrichtung mehr Erfolg beschieden als ihrer Vorgängerin, der [[Erwähnte Körperschaft::Egidiengymnasium (Nürnberg)|Nürnberger Hohen Schule]], welcher Camerarius von 1526 bis 1535 vorgestanden hatte. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;Vinzenz Gottlieb&#039;&#039;&#039;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Philipp_Magnus_(Braunschweig-Wolfenb%C3%BCttel)&amp;diff=132809</id>
		<title>Philipp Magnus (Braunschweig-Wolfenbüttel)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Register&lt;br /&gt;
|GND=102778264&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=validiert&lt;br /&gt;
|Registertyp=Person&lt;br /&gt;
|Vorname=Philipp Magnus von Braunschweig-Wolfenbüttel&lt;br /&gt;
|PersonIstDrucker=nein&lt;br /&gt;
|Beruf/ Status=Adel&lt;br /&gt;
|Geburtsdatum=1527-06-26&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1553-07-09&lt;br /&gt;
|Periode=Gestorben nach 1500&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Wolfenbüttel&lt;br /&gt;
|Sterbeort=Sievershausen (Lehrte)&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Moritz_(Sachsen)&amp;diff=132808</id>
		<title>Moritz (Sachsen)</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Register&lt;br /&gt;
|GND=118584138&lt;br /&gt;
|Forschungsliteratur=Herrmann 2013&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=validiert&lt;br /&gt;
|Registertyp=Person&lt;br /&gt;
|Vorname=Moritz (Sachsen)&lt;br /&gt;
|PersonIstDrucker=nein&lt;br /&gt;
|Beruf/ Status=Adel&lt;br /&gt;
|Geburtsdatum=1521-03-21&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1553-07-11&lt;br /&gt;
|Periode=Gestorben nach 1500&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=Die tödliche Verwundung erlitt Moritz bereits am 09. Juli.&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Freiberg&lt;br /&gt;
|Sterbeort=Sievershausen (Lehrte)&lt;br /&gt;
|Wirkungsort=Dresden; Torgau&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Universit%C3%A4t_Leipzig,_Proposita,_1570&amp;diff=132807</id>
		<title>Universität Leipzig, Proposita, 1570</title>
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		<updated>2026-04-11T07:25:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Streckenbeschreibung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Proposita annis compluribus Academiae Lipsicae antiqua consuetudine, diebus praecipuis festis, quibus solennes conuentus ecclesiastici aguntur: nunc conveniente serie disposita, &amp;amp; uno libello ad lectionem commodiorem compraehensa&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
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|d_printer=Hans Rambau d.Ä.&lt;br /&gt;
|d_date=1570&lt;br /&gt;
|d_date-Bemerkung=Das Druckjahr ist gesichert (Titelblatt).  Terminus post quem ist Ostern 1570 (26.03.1570). Zu diesem Termin wurde die jüngste in der Sammlung befindliche Rede gehalten&lt;br /&gt;
|UnscharfesDruckDatumBeginn=1570/03/26&lt;br /&gt;
|UnscharfesDruckDatumEnde=1570/12/31&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD16 L 1043&lt;br /&gt;
|d_baron=151&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=http://gateway-bayern.de/VD16+L+1043&lt;br /&gt;
|d_pdf=https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-0005-13804&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:09, 13. Okt. 2025 (CEST) Bitte prüfen, ob es sich hier wirklich um Reden handelt. Der Begriff &amp;quot;Proposita&amp;quot; und die sehr geringe Länge lassen mich vermuten, dass es sich hier eher um Aushänge bzw. Rundschreiben handelt, vergleichbar mit den Wittenberger Publice proposita. Mir scheint das auch durch eine Bemerkung auf S. 333 evident: &#039;&#039;... quae huic scripto implicanda non fuerunt.&#039;&#039; So ist es möglich, dass zumindest dieser letzte Text (er steht hinter dem Anhang, ist zugleich auch älter als die anderen Texte, nämlich von 1545) ein Aushang war, oder die letzten beiden, da sie offensichtlich angefügt wurden (vgl. Hinweis auf S. 288). Vielleicht handelt es sich auch um Texte, die als Rede gesprochen und auch per Aushang kundgetan wurden? Immerhin gibt es manchmal die Erwähnung einer &#039;&#039;Oratio&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Auffällig ist auch die Wendung &#039;&#039;Prop&#039;&#039; oder &#039;&#039;Propos.&#039;&#039; am Ende, vor dem Datum. Das ist auch relevant für die Beziehung zur &amp;quot;Prinz-Alexander-Gedächtnisrede&amp;quot; [[OC 0829]].&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=MG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Streckenbeschreibung ===&lt;br /&gt;
* Bl. )(2r-)(7r: &#039;&#039;[[Widmender::Ludwig Camerarius]] - Ad generosum d(omi)n(um) d(omi)n(um) Venceslaum Grispeccium, filium generosi ac nobilis d(omi)n(i) d(omi)n(i) Floriani Grispeccii a Grispach, in Catzerau, Rosental, &amp;amp; Breitenstein, &amp;amp;c. Ludovici Ioach(imi) f(ilii) Camerarii, prooemium.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;small&amp;gt;Ludwig Camerarius erwähnt, dass er wegen eines starken Erdbebens aus Frankreich nach Deutschland zu seinen Angehörigen zurückkehren musste und dort aufgrund anstehender Geschäfte, des schlechten Gesundheitszustandes der Eltern und einer eigenen Erkrankung zunächst geblieben sei. Er habe die Gelegenheit genutzt und teils veröffentlichte, teils unveröffentlichte Schriften seines Vaters gesichtet. Aus deren großer Zahl und Vielfalt (auch in der Ausarbeitung) geben sicherlich einige eine nützliche Lektüre ab. Kürzlich habe er etwa die [[Camerarius, Orationes funebres, 1569|Reden seines Vaters]] zum jährlichen Gedenken an [Moritz (Sachsen)|Moritz von Sachsen] herausgegeben. Auf diese lässt er nun eine Edition der Rektorenreden folgen, die nach Leipziger Tradition vor den kirchlichen Feiertagen Weihnachten, Ostern und Pfingsten gehalten und von Camerarius d.Ä. verfasst worden waren (&#039;&#039;quibus perscribendis aliquid operae datum esset a patre meo, ut more maiorum [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)|in hac Academia]] solennium festorum diebus illa proponerentur&#039;&#039;, )(3r).&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
* S. 1-293: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Proposita.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Proposita, 1570}}&lt;br /&gt;
:Zwei Reden werden mit einem kurzen Vorvermerk (&amp;quot;Lectori&amp;quot;, S. 287) nachgetragen (S. 288-293).&lt;br /&gt;
* S. 294-329: &#039;&#039;Ludwig Camerarius (?) - Graecorum passim insertorum Latina interpretatio.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* S. 330-334: Eine weitere nachgetragene Rede&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Universit%C3%A4t_Leipzig,_Proposita,_1570&amp;diff=132806</id>
		<title>Universität Leipzig, Proposita, 1570</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Universit%C3%A4t_Leipzig,_Proposita,_1570&amp;diff=132806"/>
		<updated>2026-04-11T07:25:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Proposita annis compluribus Academiae Lipsicae antiqua consuetudine, diebus praecipuis festis, quibus solennes conuentus ecclesiastici aguntur: nunc conveniente serie disposita, &amp;amp; uno libello ad lectionem commodiorem compraehensa&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_place=Leipzig&lt;br /&gt;
|d_printer=Hans Rambau d.Ä.&lt;br /&gt;
|d_date=1570&lt;br /&gt;
|d_date-Bemerkung=Das Druckjahr ist gesichert (Titelblatt).  Terminus post quem ist Ostern 1570 (26.03.1570). Zu diesem Termin wurde die jüngste in der Sammlung befindliche Rede gehalten&lt;br /&gt;
|UnscharfesDruckDatumBeginn=1570/03/26&lt;br /&gt;
|UnscharfesDruckDatumEnde=1570/12/31&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD16 L 1043&lt;br /&gt;
|d_baron=151&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=http://gateway-bayern.de/VD16+L+1043&lt;br /&gt;
|d_pdf=https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-0005-13804&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:09, 13. Okt. 2025 (CEST) Bitte prüfen, ob es sich hier wirklich um Reden handelt. Der Begriff &amp;quot;Proposita&amp;quot; und die sehr geringe Länge lassen mich vermuten, dass es sich hier eher um Aushänge bzw. Rundschreiben handelt, vergleichbar mit den Wittenberger Publice proposita. Mir scheint das auch durch eine Bemerkung auf S. 333 evident: &#039;&#039;... quae huic scripto implicanda non fuerunt.&#039;&#039; So ist es möglich, dass zumindest dieser letzte Text (er steht hinter dem Anhang, ist zugleich auch älter als die anderen Texte, nämlich von 1545) ein Aushang war, oder die letzten beiden, da sie offensichtlich angefügt wurden (vgl. Hinweis auf S. 288). Vielleicht handelt es sich auch um Texte, die als Rede gesprochen und auch per Aushang kundgetan wurden? Immerhin gibt es manchmal die Erwähnung einer &#039;&#039;Oratio&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Auffällig ist auch die Wendung &#039;&#039;Prop&#039;&#039; oder &#039;&#039;Propos.&#039;&#039; am Ende, vor dem Datum. Das ist auch relevant für die Beziehung zur &amp;quot;Prinz-Alexander-Gedächtnisrede&amp;quot; [[OC 0829]].&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=MG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Streckenbeschreibung ===&lt;br /&gt;
* Bl. )(2r-)(7r: &#039;&#039;[[Widmender::Ludwig Camerarius]] - Ad generosum d(omi)n(um) d(omi)n(um) Venceslaum Grispeccium, filium generosi ac nobilis d(omi)n(i) d(omi)n(i) Floriani Grispeccii a Grispach, in Catzerau, Rosental, &amp;amp; Breitenstein, &amp;amp;c. Ludovici Ioach(imi) f(ilii) Camerarii, prooemium.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;small&amp;gt;Ludwig Camerarius erwähnt, dass er wegen eines starken Erdbebens aus Frankreich nach Deutschland zu seinen Angehörigen zurückkehren musste und dort aufgrund anstehender Geschäfte, des schlechten Gesundheitszustandes der Eltern und einer eigenen Erkrankung zunächst geblieben sei. Er habe die Gelegenheit genutzt und teils veröffentlichte, teils unveröffentlichte Schriften seines Vaters gesichtet. Aus deren großer Zahl und Vielfalt (auch in der Ausarbeitung) geben sicherlich einige eine nützliche Lektüre ab. Kürzlich habe er etwa die [[Camerarius, Orationes funebres, 1569|Reden seines Vaters] zum jährlichen Gedenken an [Moritz (Sachsen)|Moritz von Sachsen] herausgegeben. Auf diese lässt er nun eine Edition der Rektorenreden folgen, die nach Leipziger Tradition vor den kirchlichen Feiertagen Weihnachten, Ostern und Pfingsten gehalten und von Camerarius d.Ä. verfasst worden waren (&#039;&#039;quibus perscribendis aliquid operae datum esset a patre meo, ut more maiorum [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)|in hac Academia]] solennium festorum diebus illa proponerentur&#039;&#039;, )(3r).&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
* S. 1-293: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Proposita.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Proposita, 1570}}&lt;br /&gt;
:Zwei Reden werden mit einem kurzen Vorvermerk (&amp;quot;Lectori&amp;quot;, S. 287) nachgetragen (S. 288-293).&lt;br /&gt;
* S. 294-329: &#039;&#039;Ludwig Camerarius (?) - Graecorum passim insertorum Latina interpretatio.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* S. 330-334: Eine weitere nachgetragene Rede&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Proposita,_1570&amp;diff=132805</id>
		<title>Camerarius, Proposita, 1570</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Proposita,_1570&amp;diff=132805"/>
		<updated>2026-04-11T07:05:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0835&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1570&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Das Druckjahr ist gesichert (Titelblatt). Terminus post quem ist Ostern 1570 (26.03.1570).&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1570/03/26&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1570/12/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Proposita annis compluribus Academiae Lipsicae antiqua consuetudine, diebus praecipus festis (...) conveniente serie disposita&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Festreden der Leipziger Rektoren vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die von Joachim Camerarius geschrieben wurden. Die Reden umfassen den Zeitraum von Weihnachten 1552 bis Ostern 1570.&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Universität Leipzig, Proposita, 1570]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Notizen=Die Briefe sollten noch einzeln angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:21, 13. Okt. 2025 (CEST) Es könnte sich hier um eine Mischform von Reden und &#039;&#039;Scripta publice proposita&#039;&#039; ´. Siehe meine Notizen zum Druck.&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=MG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
Die Autorschaft des Camerarius wird durch den die Sammlung einleitenden Widmungsbrief seines Sohnes [[Herausgeber von JC::Ludwig Camerarius|Ludwig]] gesichert, der die Reden in den Aufzeichnungen seines Vaters gefunden, geordnet und herausgegeben hat.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius bekleidete selbst das Rektorenamt in den Sommersemestern 1544, 1546 und 1558.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_11.11.1554&amp;diff=132803</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 11.11.1554</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_11.11.1554&amp;diff=132803"/>
		<updated>2026-03-24T12:06:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0678&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 270-271&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1554/11/11&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=3. Id. Novemb.; s. Hinweise zur Datierung&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=De Valentino maneo in sententia&lt;br /&gt;
|Register=Augsburg&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=MH: Welcher Valentin? Geht es um eine Stelle als Stadtarzt, in der Verwaltung oder an der Schule? Vgl. OCEp 0679 - keiner bekannt US&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
homalista: siehe auch 0645 vom Jahr 1549!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VG, 26.1.23: Problem mit Homilista gelöst.&lt;br /&gt;
Valentin ist wohl Hartung/Paceus, s.. TW-Anm.&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=US&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinweise zur Datierung ===&lt;br /&gt;
Das im Druck angegebene Datum wird durch einige Hinweise wie den Augsburger Reichstag erhärtet. Am 5.11. hatte C. noch nichts von der Einberufung gewusst (vgl. [[OCEp 0820]]). Viele der Themen des Briefes werden in dem Brief an [[Camerarius an Baumgartner d.Ä., 21.02.1555|Baumgartner vom 21.2.15(55)]] (Jahr aus dem vorliegenden Brief erschlossen) aufgenommen. Der erwähnte Sturm des Krieges bezieht sich wdann auf den 2. Markgrafenkrieg, was die Datierung stützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Was [[Erwähnte Person::Valentin Hartung|Valentin (Paceus?)]] betreffe, bleibe Camerarius bei seiner Meinung und ziehe ihn (als Nürnberger Superintendenten) sogar trotz seines Alters jüngeren Männern in gesünderem Alter vor. Was hingegen den [[Erwähnte Person::Unbekannt|Mann]] (unbekannt) betreffe, den Baumgartner lieber (für die Stadt [[Erwähnter Ort::Nürnberg]]) gewinnen wolle, sei er aus gewichtigen Gründen unsicher, auch wenn (seiner Anstellung) keine Hindernisse im Weg stünden. Seine Gründe könne Camerarius jetzt nicht nennen. Er werde allerdings weiterhin mit ihm verhandeln, so als ob er herausfinden wollte, was der Mann (von der Stelle in Nürnberg) halte; und in der Zwischenzeit werde er eine eindeutige Rückmeldung Valentins erhalten. Baumgartner solle seinen Rat befolgen, auch wenn man nur Gott um Rat und Hilfe bitten dürfe, zu dem sie beten würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier (in der Gegend um Leipzig) sei es Gott sei Dank relativ ruhig. Hier bereite [[Erwähnte Person::Petrus Loriotus|P(ierre) Loriot]] durch seine seltsamen Ansichten eher sich selbst als anderen Ärger. Der (Augsburger) Reichstag sei sehr spät angekündigt worden. Über alles andere herrsche Schweigen oder sogar regelrechte Unbekümmertheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über [[Erwähnte Person::Unbekannt (Homalista)|&amp;quot;den Besänftiger&amp;quot;]] ([[Erasmus Ebner]]?) habe Camerarius anderes gehört als das, was Baumgartner schreibe. Es gebe einige, die sagten, dass das, was von ihm beschlossen und getan wurde, viel Gutes hervorgebracht habe. Der Sturm (des Krieges) sei noch nicht ganz vergangen und man müsse jetzt und in Zukunft vorausschauend und vorsichtig sein. Aber auch dafür müssten sie beten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius werde sich darum kümmern, dass die Kinder aus Nürnberg (&#039;&#039;vestri liberi&#039;&#039;, s. Anm.) richtig erzogen werden. Man könne nicht alles auf einmal und nicht einmal Vieles zum Nutzen und vortrefflich ausführen. Aber es werde ihnen hoffentlich nicht an der nötigen, guten und nutzbringenden Erziehung mangeln. Auch wenn er wisse, dass man alles vom Ergebnis her beurteile, lasse sich Camerarius dennoch nicht von dieser Furcht von seinen Plänen abbringen. Er bitte Gott um Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebewohl. Grüße von Camerarius&#039; Familie an Baumgartners Familie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Manuel Huth)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Zur Suche nach einem Superintendenten für Nürnberg vgl. MBW 7189.3, 7573.2 und 7578.3.&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Die Kinder aus Nürnberg&amp;quot;: damals studierten acht Nürnberger an der [[Universität (Leipzig)]]: die Brüder Wilhelm und Karl Rommel (Brüder der [[Maria Rummel]]), Daniel Gienger (alle seit Wintersemester 1553), Conrad Zeunlin, Christopher Schwabe, Carl Grundherr (Bruder von [[Leonhard Grundherr]]), Leo Quicchelberg und [[Hieronymus Baumgartner d.J.]] (alle seit Sommersemester 1554: vgl. [[Erler 1895]], S. 698f.).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_27.07.1552&amp;diff=132802</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 27.07.1552</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_27.07.1552&amp;diff=132802"/>
		<updated>2026-03-13T10:40:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Regest */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0663&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 257-258&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1552/07/27&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=6. Cal. Sext. 52&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Meas litteras quas ante paucos dies dedi vestrati tabellario cuidam&lt;br /&gt;
|Register=Pest (Leipzig);Zweiter Markgrafenkrieg (1552-1554)&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=VG: der Fürstenaufstand ist fast beendet, Anf. Aug. unterschreibt Karl V. den Vertrag in Passau. Die Bedrohung Nürnbergs durch Albrecht Alcibiades ist aber noch sehr präsent.&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Zielort erschlossen (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 6486.1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Hoffentlich habe Baumgartner den Brief ([[OCEp 0703]]?) erhalten, den Camerarius vor wenigen Tagen verfasst und einem [[Erwähnter Ort::Nürnberg|Nürnberger]] [[Erwähnte Person::Unbekannt|Boten]] (unbekannt) übergeben hatte. Camerarius habe sich sehr über Baumgartners Brief gefreut, weil aus ihm hervorgehe, dass es Baumgartner und seiner Familie gut gehe, und dass er Camerarius weiterhin schätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber (der Brief) hätte auch die frühere Trauer (unklar) erneuert. B. möge sich für den Staat und die Seinen schonen. Er müsse ja durch seelische Leiden, Erschöpfung und Krankheit sehr beeinträchtigt sein. B. wisse aber, wo er ein Mittel gegen die Trauer finde: er solle es auf jeden Fall suchen und benutzen. Christus, der Retter, der die Stehenden schütze, könne auch die Liegenden aufrichten. C. hoffe auf baldige Gelegenheit zum persönlichen Gespräch. &lt;br /&gt;
Die Zerstreuung der benachbarten Schule (s. Anm.) sei hinderlich für C.‘ Studien. (In [[Leipzig]]) sei die Lage ungünstig und nach wie vor fürchte man sich vor der Pest. C. empfehle, dass B. die Seinen wieder sammle (unklar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neulich sei (in Leipzig) bei Camerarius ([[Erwähnte Person::Joachim Heller]]), der Nürnberger Mathematiker gewesen. Camerarius wisse, dass Baumgartner Heller schätze, aber dieser sei doch wirklich ein sonderbarer Mann. Er sage nichts mit klaren Worten, wolle aber trotzdem, dass man ihm helfe. Aber das müsse man ertragen. Camerarius empfehle ihn Baumgartner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebewohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Manuel Huth, Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Zu Joachim Heller: vgl. [[Mathematische Wissenschaften (CamLex)]], Kapitel „Camerarius und Joachim Heller“&lt;br /&gt;
* „Die Zerstreuung der benachbarten Schule“: Wegen der Pest wurde die [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Wittenberg)]] nach [[Torgau]] verlegt: vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6497 MBW Nr. 6497.1].&lt;br /&gt;
* Zur Pest 1552 vgl. [[Zarncke 1859]], S. 423.&lt;br /&gt;
* Zur Situation in Nürnberg vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 6463.3, 6490.3, 6493.3.3 und 6499.3: Das markgräfliche Heer zog in der ersten Julihälfte wieder von Nürnberg ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Literatur und weiterführende Links ===&lt;br /&gt;
* [[Woitkowitz 2003]], S. 259&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_21.07.1560&amp;diff=132801</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 21.07.1560</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_21.07.1560&amp;diff=132801"/>
		<updated>2026-03-13T10:39:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0703&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 292-293&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1560/07/21&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=Im Druck: 12. Cal. Sextil. 60. Wahrscheinlicher ist 1552 (s. Anm.).&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Non existimo tibi ingratam esse diligentiam&lt;br /&gt;
|Register=Pest (Leipzig); Kriege, Konflikte etc.&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:42, 22. Okt. 2024 (CEST) Für 1560 sind weder für Deutschland Kriege noch für Leipzig eine Pestwelle belegt. Vielleicht ist daher das Jahr falsch?&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Der Brief sei B. sicher willkommen. Alles Übrige liege bei Gott. Auch Thukydides sage (Hist. 3,59,1): Unberechenbar sei das Schicksal für den, den es unverschuldet trifft. C. sei der Überzeugung, dass die Waagschalen der Kriege sowie die Gefahren für Königreiche und Städte Gott am Herzen liegen. Bei all dem seien ein starker Geist und eine aufmerksame Betrachtung nötig. &lt;br /&gt;
Denn wie Arat (Phaenomena I,761-762) sage: Die Mühe sei gering, der Nutzen aber unermesslich für einen stets vorsichtigen Mann. Mehr zu schreiben würde zu weit führen und wäre zu unsicher. Hier (in Leipzig) drohe wieder die Pest. Bisher gebe es Ansteckungen, aber C. fürchte auch die Hitze des Neumondes (s. Anm.), und anderes noch mehr. Es geschehe aber nach Gottes Willen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
C. habe einiges an [[Erwähnte Person::Unbekannt (Andreas; BW Stiebar)|Andreas]] geschrieben, das dieser mündlich ausrichten werde. B. möge sich ihm gegenüber erkenntlich zeigen. Im Vergleich zu diesen Dingen scheine doch ihre wissenschaftliche Betätigung leicht und vernachlässigbar. Aber einem Gelehrten wie B. komme sicher in den Sinn, was [[Erwähnte Person::Euripides]] (Phönissen, 1015-1018) sage: Es wäre heilsam für das Vaterland, wenn jeder soviel er könne beisteuere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusicherung gegenseitigen Wohlwollens. Lebewohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Hier werden politische Konflikte und Kriegsgefahr angedeutet. Für das Jahr 1560 sind keine Kriege in Deutschland belegt. Denkbar wäre höchstens eine Bezugnahme auf den Adiaphoristischen Streit, der 1559/60 erneut aufbrach. Möglicherweise ist das Jahr auf 1552 zu korrigieren. Dann könnte es in den Kontext des Fürstenaufstands und des in Franken grassierenden 2. Markgrafenkriegs passen und der Brief in Beziehung zu [[OCEp 0663]] stehen (Hinweis von Torsten Woitkowitz).&lt;br /&gt;
* &amp;quot;die Hitze des Neumonds&amp;quot;: Der Neumond galt auch für [[Philipp Melanchthon]] als unheilbringend: Vgl. [[https://camerarius.kallimachos.de/Astrologie_(CamLex)#Melanchthon_und_die_praktische_Astrologie_(Horoskope)]].&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_1554&amp;diff=132800</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 1554</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_1554&amp;diff=132800"/>
		<updated>2026-03-13T10:30:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0670&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 262-263&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1553/12/25&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=Siehe Anmerkungen. Im Druck: Γενεθλίοις Ἰησοῦ Χριστοῦ ... 54.&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Quae facilia esse futura mihi&lt;br /&gt;
|Register=Zweiter Markgrafenkrieg (1552-1554); Osiandrischer Streit&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 09:24, 23. Dez. 2025 (CET) Umbenennen in Camerarius an Baumgartner d.Ä., 25.12.1553 ?&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Was C. bei der Rückkehr (aus Nürnberg?) für leicht gehalten habe (einen Stellenwechsel), das erscheine ihm nun bei gründlicherer Überlegung von Tag zu Tag schwerer und er wisse nicht, was er tun solle und wie. Er warte auf eine geeignete Gelegenheit. Kürzlich hätte es Gerüchte über eine Friedenshoffnung gegeben. C. hoffe auf ein Ende der Selbstzerfleischung Deutschlands. B.s Namensvetter, der vorher παρὰ Κυζικηνοῖς (in [[Erwähnter Ort::Kitzingen]]?) Ältester war, ein Großsprecher, hätte öffentlich gleichsam über den Aufwand (der Stadt [[Erwähnter Ort::Nürnberg]]?) gesprochen und über die Kosten des Krieges. So hätten C. die Ohrenzeugen berichtet: er hätte die hohe Summe der monatlichen Soldzahlungen und anderer Aufwendungen berechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
B. wisse, dass C. über anderes Unbekanntes weder spreche noch schreibe, außer im Rahmen allgemeiner Zeitenklage. Und weder habe sein Amt es verlangt noch habe er den Willen gehabt, sich in politische Belange verwickeln zu lassen. In kirchlichen und universitären Angelegenheiten hätte er sich angestrengt und hoffe sich auszeichnen zu können. Aber könne jene Schaumschlägerei mehr nützen als schaden? Man müsse dennoch viel ertragen und auch in solchen konfliktreichen Zeiten gute Ratschläge erteilen.&lt;br /&gt;
C. habe noch nicht mit dem gemeinsamen Freund (wohl [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]]) gesprochen, hoffe aber auf seine Ankunft zur (Leipziger) Messe. Nichtsdestotrotz denke er an ihn. B.s Besorgnis liege C. am Herzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arktische Winde brächten wieder unangenehme Luftströmungen. Über das Wüten des [[Erwähnte Person::Johann Funck|Scintilla]] höre man auch in Leipzig einiges. Wenn jener, den sie erwarteten ([[Erwähnte Person::Johannes Aurifaber]], als Superintendent für Nürnberg), dieses zum Übergreifen hierher bringen sollte, wolle C. zugeben, dass seine Meinung über ihn falsch gewesen sei. (Griechisch:) Besser, er wäre da geblieben (in [[Erwähnter Ort::Königsberg]]) als dorthin zu kommen, wohin sie ihn holen wollten, In Kürze werde man es wissen. Lebewohl, unklare Abschiedsformel (s. Anm.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Rückkehr aus Nürnberg: Von August bis November 1553 war C. in Nürnberg. &lt;br /&gt;
* Philipp Melanchthon reiste am 17.4.1554 zur Leipziger Messe (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 7155.4 und 7154.2). Er war aber auch auf der Neujahrsmesse (MBW 7047.2, 7060) und Anfang Oktober auf der Michaelismesse (MBW 7298). Auch thematisch ist es schwierig, die genaue Messe zu bestimmen. Aus MBW 7038, 7133 und 7312 sieht man, dass die Thematik mit Johann Funck das ganze Jahr über aktuell war. Die Friedenshoffnungen geben vielleicht einen Hinweis auf ein bevorstehendes Ende des 2. Markgrafenkriegs und den Naumburger Konvent 1554. Da der Krieg im Juli 1554 endete, fällt die Michaelismesse wahrscheinlich aus den Erwägungen heraus.&lt;br /&gt;
* Die Abschlussformel (&#039;&#039;Γενεθλίοις Ἰησοῦ Χριστοῦ mitto versus hic propositos&#039;&#039;) lässt sich so deuten, dass der Brief an dem Weihnachtsfest entstanden ist, mit dem das Jahr 1554 beginnt, hier also am 25.12.1553. Dazu passt, dass C. noch unsicher ist, ob er dauerhaft nach Nürnberg übersiedelt, wo seine Familie damals noch war. Im März 1554 war der Verbleib in Leipzig beschlossene Sache (vgl. [[OCEp 0672]]). (Hinweis von Torsten Woitkowitz)&lt;br /&gt;
* B.s Namensvetter: Er müsste Hieronymus heißen. Vielleicht Hieronymus Berbing (MBW 4907)?&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Oratio_anniversaria_VII_(1565),_1569&amp;diff=132799</id>
		<title>Camerarius, Oratio anniversaria VII (1565), 1569</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Oratio_anniversaria_VII_(1565),_1569&amp;diff=132799"/>
		<updated>2026-03-13T10:23:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Aufbau und Inhalt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0823&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1569&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung nach dem Erstdruck&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1569/08/25&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1569/12/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Oratio anniversaria VII. recitata anno Christi Iesu MDLXV&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Siebente Gedenkrede zum Todestag des Kurfürsten Moritz von Sachsen, gehalten 1565.&lt;br /&gt;
|Register=Leichenrede;Rede;Panegyrik;Herrscherbild;Türkenkriege/Türkengefahr;Nachruf (Prosa)&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Orationes funebres, 1569]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Siebente Gedenkrede zum Todestag des Kurfürsten [[Nachruf auf::Moritz (Sachsen)|Moritz von Sachsen]], gehalten 1565 auf Anregung von [[Initiator::Franz Kram]] (siehe [[OCEp 0528]]). Der Redner ist nicht bekannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wichtigste Thema sind die Türkenkriege unter Einbeziehung der beiden Feldzüge Moritzens, 1542 und 1552.&lt;br /&gt;
Enthalten sind auch Nachrufe auf den kurz vorher verstorbenen Rat [[Nachruf auf::Georg Sigismund Seld]] und auf Sebastian Riebisch, den Lebensretter des Kurfürsten, inklusive eines gedichteten Epitaphs auf den Letzteren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Schardius,_Orationum_tomus_secundus,_1566&amp;diff=132791</id>
		<title>Schardius, Orationum tomus secundus, 1566</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Schardius,_Orationum_tomus_secundus,_1566&amp;diff=132791"/>
		<updated>2026-01-12T21:54:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Orationum ac elegiarum in funere illustrissimorum principum Germaniae, ab obitu Maximiliani I. imperatoris usque ad haec tempora scriptarum tomus secundus&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_place=Frankfurt am Main&lt;br /&gt;
|d_printer=Georg Rab d.Ä.; Weigand Han; Sigmund Feyerabend&lt;br /&gt;
|d_date=1566&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD16 S 2284&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=gateway-bayern.de/VD16+S+2284&lt;br /&gt;
|d_pdf=https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11104211-0&lt;br /&gt;
|Interne Anmerkungen=Meldung an VD16&lt;br /&gt;
|Notizen=K10+-Nr. 1125502738. Digitalisate liegen auch für Band 1 (VD16 S 2283) und 3 (VD16 S 2285) vor. &lt;br /&gt;
Bei Band 2 sind Digitalisat und VD16-Eintrag nicht miteinander verknüpft, weshalb das Digitalisat schwer zu finden ist.&lt;br /&gt;
|Druck vorhanden in=Dresden, SLUB&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=nein&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Dreibändige Sammlung von Trauer- und Gedenkreden auf Herrscher zwischen 1477 und 1566. Bd. 1: https://data.onb.ac.at/rep/109356FC ; Bd. 3: [[Schardius, Orationum tomus tertius, 1567]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Streckenbeschreibung ===&lt;br /&gt;
* 2r-40v: Reden auf [[Erwähnte Person::Franz I. (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
* Reden auf französische, wittelsbachische und sächsische Fürsten&lt;br /&gt;
** 149r-v: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Fridericho duci Saxoniae qui sub initio servilis tumultus mortuus est. Non modo septenis subiecta trionibus ora (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Fridericho duci Saxoniae, 1531}}&lt;br /&gt;
** 150v: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Φριδεριχῷ ἡγεμόνι τῆς Σαξονίας τῶν ἑπτὰ ἀρχαιρετῶν τῆς τῶν Ῥωμαίων βασιλείας. Μοίρας εἰς τὸ θανεῖν Φριδερειχῷ Φοῖβε προνωπεῖ (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Φριδεριχῷ ἡγεμόνι τῆς Σαξονίας, 1538}}&lt;br /&gt;
* 182r-315r Gedenkreden auf [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]]&lt;br /&gt;
** Bl. 182r-193v: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Oratio prima, pronuntiata Lipsiae ad funus illustriss(imi) princip(is) et ducis Mauricii, Anno Christi Iesu MDLIII.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Oratio funebris (auf Moritz von Sachsen), 1553}}&lt;br /&gt;
** Bl. 194r-195r: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Illustriss(imo) principi Mauricio principi Saxonum electori etc. defensori patriae, inclito victori. Magnanimi busto Mauricii principis isto (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Illustriss(imo) principi Mauricio duci Saxonum, 1553}}&lt;br /&gt;
*** Bl. 195r: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Teutonicas furor (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|OC 0946}}&lt;br /&gt;
** Bl. 195v-196r: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Μαυρικίῳ ἄρχοντι τῶν ἑπτὰ, ἡγεμόνι Σαξόνων (...). Τῷδ ἔνι Μαυρικίου κτερεΐσθει λείψανα τύμβῳ (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Μαυρικίῳ ἄρχοντι, 1553}}&lt;br /&gt;
** Bl. 196r: Georg Fabricius - Mauricio victori, duci Sax(oniae) septemviro German(iae) principi fortiss(imo). Mauricius cecidit, bellax Germania plange (Inc.).&lt;br /&gt;
** Bl. 196v-205v: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Oratio anniversariae memoriae funeris illustriss(imi) et optimi atque summi principis Mauricii ducis Sax(oniae) pr(incipis) el(ectoris) ect. Pronunciata Lipsiae anno salutiferi partus Iesu Christi MDLV = Oratio secunda.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Oratio anniversariae memoriae funeris principis Mauricii (1555), 1569}}&lt;br /&gt;
** Bl. 206r-219v: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Oratio anniversariae memoriae funeris illustriss(imi) principis el(ectoris) du(cis) Mauricii. Pronunciata Lipsiae anno salutiferi partus MDLVI = Oratio Tertia.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Oratio anniversariae memoriae funeris principis Mauricii (1556), 1569}}&lt;br /&gt;
** Bl. 219v-233v: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Oratio die anniversariae memoriae illustriss(imi) et fort(issimi) (...) principis Mauricii ducis Sax(oniae) pr(incipis) el(ectoris). Pronunciata in conventu solenni aedis Paulinae, Lipsiae V. Id(ibus) Quintil(ibus) Anno Christi MDLVIII = Oratio quarta.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Oratio die anniversariae memoriae principis Mauricii (1558), 1569}}&lt;br /&gt;
** Bl. 233v: Im Anschluss an die Rede ist ein griechisches Epitaph mit lateinischer Übersetzung angefügt sowie ein kurzer griechischer Text aus Plutarch &amp;quot;De Osiride&amp;quot;. Die beiden Gedichte sind nicht mit einem Autornamen versehen. Möglicherweise handelt es sich um einen Zusatz zur vorausgehenden Rede.&lt;br /&gt;
** Bl.234r-245v: Jakob Straßburg - Memoria anniversaria illustris principis Mauricii Sax. electore etc. (1559)&lt;br /&gt;
** Bl. 245v-246v: Michael Barth - De obitu princ. Mauricii illustriss. Saxoniae ducis electoris, etc.&lt;br /&gt;
** Bl. 246v-247v: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Τη ετησια μνημη Μαυρικιου ... Πεντος τοῦ τόδε; ἀ. Μαυρικίοι (Inc.)&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Τῇ ἐτησίᾳ μνήμῃ Μαυρικίου, 1559}}&lt;br /&gt;
** Bl. 248r-261r: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Oratio funebris, conventu solenni indicto anniversariae memoriae causa, de illustriss(imo) atque fortiss(imo) principe Mauricio, duce Saxoniae princ(ipe) el(ectore). Pronunciata Lipsiae in aede Paulina V. Id(ibus) Quintil(ibus) MDLX = Oratio Quinta.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Oratio funebris anniversariae memoriae causa de principe Mauricio (1560), 1569}}&lt;br /&gt;
** Bl. 261v-276v: Gregor Bersmann, In celebratione anniversariae memoriae D. Mauricii ducis Saxonum, Princ. Ele.&lt;br /&gt;
** Bl. 276v-288r: Balthasar Gutler, Oratio funebris conventu solenni indicto anniversariae memoriae causa, de illustriß. atque fortiß. Principe Mauricio, Duce Saxon. Prin. Elect.&lt;br /&gt;
** Bl. 288v-302v: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Oratio celebrans anniversariam memoriam diei quo excessit ex hac vita mortali illustriss(imus) et fortiss(imus) princeps D(ominus) Mauricius Saxon(iae) dux prin(ceps) el(ector). Quae comprehendit descriptionem monumenti ipsius, habita conventu solenni Academiae Lipsicae V. Id(ibus) Quint(ilibus) Anno Christi Iesu, MDLXIII = Oratio sexta.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Oratio celebrans anniversariam memoriam diei quo ecessit ex hac vita mortall princeps Mauricius (1563), 1569}}&lt;br /&gt;
** Bl. 303-314v: Jakob Straßburg (Redner): Carmen heroicum de beata migratione ex hac vita in coelum fortiß. Herois D. D. Mauricii Elect. etc. Ducis Saxoniae (1564)&lt;br /&gt;
** Bl. 314v-315r: &#039;&#039;Publice propositum&#039;&#039; des Rektors, 1564&lt;br /&gt;
* Bl. 315v-328v Rede und Epitaphien auf den Tod des Herzogs Johann Friedrich III. (gest. 1565), den jüngsten Sohn des [[Johann Friedrich I. (Sachsen)]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Band enthält Reden auf Kurfürst Moritz, die zum jährlichen Gedenken an der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)|Universität Leipzig]] gehalten wurden. Die Reden der Jahre 1553, 1555, 1556, 1558, 1560 und 1563 stammen von Joachim Camerarius und sind auch in [[Camerarius, Orationes funebres, 1569]] abgedruckt. Darüber hinaus sind auch die Reden von 1559 (von Jakob Straßburg), 1561 ([[Erwähnte Person::Gregor Bersman]]), 1562 (Balthasar Gutler) und 1564 (Jakob Straßburg) enthalten. Die Rede 1563 enthält keine Angabe über den Vortragenden, kann durch den Erstdruck aber Caspar Walther aus Annaberg zugeordnet werden.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_19.01.1561&amp;diff=132790</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 19.01.1561</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_19.01.1561&amp;diff=132790"/>
		<updated>2025-12-28T11:07:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0701&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 289-291&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1561/01/19&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=Jahr laut Druck 1560 (s. Anm. zur Datierung)&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Qui inusitatum hoc mihi accidit&lt;br /&gt;
|Register=Politische Neuigkeiten; Livländischer Krieg (1558-1583); Biographisches (Familie); Fürstentag 1561 (Naumburg)&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=VG, 17.2.23: Zu Wolf und seiner Ankündigung des Johannes: darauf bezieht sich evtl. OCEp 2560: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00110715?page=530,531 Aber mateo ist gerade down und das Entziffern im Original ist sehr mühsam.&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Zur ([[Leipzig]]er Neujahrs-)Messe sei kein Brief von B. eingetroffen. Das bereite C. Sorge und er hoffe, dass es B. gut gehe. Am selben Tag sei der Kurfürst ([[Erwähnte Person::August (Sachsen)]]) von dort aus zu einer Zusammenkunft nach [[Erwähnter Ort::Naumburg (Saale)|Naumburg]] gereist, deren Anfang sich aber &#039;&#039;ὑπόφλαυρος&#039;&#039; (noch weniger als nutzlos) gestalte. Niemand habe Hoffnung auf ein Gelingen. Es gebe Berichte über Untaten zum Schaden des Staates. Längere Klage über Sittenverfall und gesellschaftliche Zustände, die auch über den verstorbenen gemeinsamen Freund (s. Anm. z. Dat.) Schande brächten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es werde berichtet, dass zwei italienische Gesandte zur Fürstenversammlung geschickt würden. Worum es dabei ginge, sei aber unbekannt. Aus dem Livländischen Krieg träfen traurige Nachrichten ein, trotz des Eingreifens [[Erwähnte Person::Sigismund II. August (Polen)|des Polnischen Königs]]. C. hoffe, dass auch [[Erwähnte Person::Johannes Camerarius II.|sein Sohn Johannes]] bei der Ankunft seines Fürsten (s. Anm.) dabei sein werde. Vielleicht bringe er B.s Brief (s. oben) mit. Sein Fürst sei nämlich dort (in [[Nürnberg]]?) vorbeigekommen und Johannes habe B. gedrängt (einen Brief zu schreiben?). Das berichte jedenfalls [[Erwähnte Person::Hieronymus Herold|Hieronymus (Herold)]]. Auf jeden Fall träfe die alte Weisheit zu: Größere Kinder, größere Sorgen. Aber C. werde die Seinen solange unterstützen, wie es ihm möglich sei. Lebewohl und beste Wünsche.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* „seines Fürsten“: Johannes C. stand seit 1557 in Diensten des Pfalzgrafen [[Wolfgang (Pfalz-Zweibrücken)]] (vgl. [[OCEp 0708]]).&lt;br /&gt;
=== Anmerkung zur Datierung ===&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;summum tuum et nostrum&#039;&#039; ist eine Formulierung, die C. gern für [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]] nutzt. Dass er als tot bezeichnet wird, verlangt eine Datierung auf 1561 oder später. &lt;br /&gt;
* Für Januar 1560 ist keine Versammlung in Naumburg belegt, wohl aber für 1561 (vgl. Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620): [https://thbw.hadw-bw.de/brief/18018] und [https://thbw.hadw-bw.de/brief/17991]). Daher ist vermutlich 1561 das Entstehungsjahr. - Ein weiterer Brief von einem 19. Januar an Baumgartner trägt in der Druckausgabe des 16. Jh. umgekehrt das Jahr 1561 anstelle des richtigen 1560: siehe [[Camerarius an Baumgartner d.Ä., 19.01.1560]].&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_21.07.1560&amp;diff=132789</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 21.07.1560</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_21.07.1560&amp;diff=132789"/>
		<updated>2025-12-28T10:59:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0703&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 292-293&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1560/07/21&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=12. Cal. Sextil. 60. Möglicherweise 1552?&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Non existimo tibi ingratam esse diligentiam&lt;br /&gt;
|Register=Pest (Leipzig); Kriege, Konflikte etc.&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:42, 22. Okt. 2024 (CEST) Für 1560 sind weder für Deutschland Kriege noch für Leipzig eine Pestwelle belegt. Vielleicht ist daher das Jahr falsch?&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Der Brief sei B. sicher willkommen. Alles Übrige liege bei Gott. Auch Thukydides sage (Hist. 3,59,1): Unberechenbar sei das Schicksal für den, den es unverschuldet trifft. C. sei der Überzeugung, dass die Waagschalen der Kriege sowie die Gefahren für Königreiche und Städte Gott am Herzen liegen. Bei all dem seien ein starker Geist und eine aufmerksame Betrachtung nötig. &lt;br /&gt;
Denn wie Arat (Phaenomena I,761-762) sage: Die Mühe sei gering, der Nutzen aber unermesslich für einen stets vorsichtigen Mann. Mehr zu schreiben würde zu weit führen und wäre zu unsicher. Hier (in Leipzig) drohe wieder die Pest. Bisher gebe es Ansteckungen, aber C. fürchte auch die Hitze des Neumondes (s. Anm.), und anderes noch mehr. Es geschehe aber nach Gottes Willen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
C. habe einiges an [[Erwähnte Person::Unbekannt (Andreas; BW Stiebar)|Andreas]] geschrieben, das dieser mündlich ausrichten werde. B. möge sich ihm gegenüber erkenntlich zeigen. Im Vergleich zu diesen Dingen scheine doch ihre wissenschaftliche Betätigung leicht und vernachlässigbar. Aber einem Gelehrten wie B. komme sicher in den Sinn, was [[Erwähnte Person::Euripides]] (Phönissen, 1015-1018) sage: Es wäre heilsam für das Vaterland, wenn jeder soviel er könne beisteuere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusicherung gegenseitigen Wohlwollens. Lebewohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Hier werden politische Konflikte und Kriegsgefahr angedeutet. Für das Jahr 1560 sind keine Kriege in Deutschland belegt. Denkbar wäre höchstens eine Bezugnahme auf den Adiaphoristischen Streit, der 1559/60 erneut aufbrach. Möglicherweise ist das Jahr auf 1552 zu korrigieren. Dann könnte es in den Kontext des Fürstenaufstands und des in Franken grassierenden 2. Markgrafenkriegs passen und der Brief in Beziehung zu [[OCEp 0663]] stehen. (Hinweis von Torsten Woitkowitz).&lt;br /&gt;
* &amp;quot;die Hitze des Neumonds&amp;quot;: Der Neumond galt auch für [[Philipp Melanchthon]] als unheilbringend: Vgl. [[https://camerarius.kallimachos.de/Astrologie_(CamLex)#Melanchthon_und_die_praktische_Astrologie_(Horoskope)]].&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
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		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_21.07.1560&amp;diff=132788</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 21.07.1560</title>
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		<updated>2025-12-28T10:58:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0703&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 292-293&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1560/07/21&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=12. Cal. Sextil. 60.&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Non existimo tibi ingratam esse diligentiam&lt;br /&gt;
|Register=Pest (Leipzig); Kriege, Konflikte etc.&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:42, 22. Okt. 2024 (CEST) Für 1560 sind weder für Deutschland Kriege noch für Leipzig eine Pestwelle belegt. Vielleicht ist daher das Jahr falsch?&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Der Brief sei B. sicher willkommen. Alles Übrige liege bei Gott. Auch Thukydides sage (Hist. 3,59,1): Unberechenbar sei das Schicksal für den, den es unverschuldet trifft. C. sei der Überzeugung, dass die Waagschalen der Kriege sowie die Gefahren für Königreiche und Städte Gott am Herzen liegen. Bei all dem seien ein starker Geist und eine aufmerksame Betrachtung nötig. &lt;br /&gt;
Denn wie Arat (Phaenomena I,761-762) sage: Die Mühe sei gering, der Nutzen aber unermesslich für einen stets vorsichtigen Mann. Mehr zu schreiben würde zu weit führen und wäre zu unsicher. Hier (in Leipzig) drohe wieder die Pest. Bisher gebe es Ansteckungen, aber C. fürchte auch die Hitze des Neumondes (s. Anm.), und anderes noch mehr. Es geschehe aber nach Gottes Willen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
C. habe einiges an [[Erwähnte Person::Unbekannt (Andreas; BW Stiebar)|Andreas]] geschrieben, das dieser mündlich ausrichten werde. B. möge sich ihm gegenüber erkenntlich zeigen. Im Vergleich zu diesen Dingen scheine doch ihre wissenschaftliche Betätigung leicht und vernachlässigbar. Aber einem Gelehrten wie B. komme sicher in den Sinn, was [[Erwähnte Person::Euripides]] (Phönissen, 1015-1018) sage: Es wäre heilsam für das Vaterland, wenn jeder soviel er könne beisteuere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusicherung gegenseitigen Wohlwollens. Lebewohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Hier werden politische Konflikte und Kriegsgefahr angedeutet. Für das Jahr 1560 sind keine Kriege in Deutschland belegt. Denkbar wäre höchstens eine Bezugnahme auf den Adiaphoristischen Streit, der 1559/60 erneut aufbrach. Möglicherweise ist das Jahr auf 1552 zu korrigieren. Dann könnte es in den Kontext des Fürstenaufstands und des in Franken grassierenden 2. Markgrafenkriegs passen und der Brief in Beziehung zu [[OCEp 0663]] stehen. (Hinweis von Torsten Woitkowitz).&lt;br /&gt;
* &amp;quot;die Hitze des Neumonds&amp;quot;: Der Neumond galt auch für [[Philipp Melanchthon]] als unheilbringend: Vgl. [[https://camerarius.kallimachos.de/Astrologie_(CamLex)#Melanchthon_und_die_praktische_Astrologie_(Horoskope)]].&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_18.12.1561&amp;diff=132787</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 18.12.1561</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_18.12.1561&amp;diff=132787"/>
		<updated>2025-12-28T10:48:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0714&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 300-301&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1561/12/18&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=im Druck: 15 Cal. Ianuarii pertinentis ad annum 62.&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Neque ego soleo istum nobis συνήθη&lt;br /&gt;
|Register=Politische Neuigkeiten; Biographisches (Familie)&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=VG, 20.2.23: Zu den kritischen Jahren sowie den historischen Ereignissen werden noch nähere Angaben benötigt.&lt;br /&gt;
Markgrfl. Hochzeit in Berlin: Sophia von Brandenburg (Tochter Joachims II.) heiratete den böhm. Adligen Wilhelm von Rosenberg. Das war am 14.12.1561 laut https://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_von_Brandenburg_(1541%E2%80%931564) bzw. am 7.8.1591 laut https://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Rosenberg,_Sophie_von (ersteres ist wohl plausibler).&lt;br /&gt;
Datum wird gestützt durch die Wahl Alexanders zum Administrator Merseburgs.&lt;br /&gt;
Zu PhC in Bamberg vgl. auch OCEp 0705 (auch dort Beschwernisse in den Studien)&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
C. habe die Gewohnheit, dem vertrauten Boten (evtl. Andreas) immer einen Brief an B. mitzugeben, auch wenn er nichts zu schreiben habe. Es gebe aber Gerüchte über Streitigkeiten oder sogar Feindseligkeiten der sächsischen Städte mit benachbarten Fürsten (s. Anm.), deren Haupt [[Erwähnte Person::Friedrich II. (Dänemark und Norwegen)|der Dänenkönig]] sein solle. Das könne B. aber besser im Gespräch als im Brief erfahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Erwähnte Person::August (Sachsen)|Landesfürst]] sei nach [[Erwähnter Ort::Berlin]] eingeladen zur Hochzeit der Tochter (Sophie) des Markgrafen ([[Erwähnte Person::Joachim II. (Brandenburg)]]). Sein (Augusts) Sohn [[Erwähnte Person::Alexander (Sachsen)]], der nach dem Tod des Sidonius ([[Erwähnte Person::Michael Helding]]) das Hochstift [[Merseburg]] verwalte, werde wohl die Verwaltung behalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gebe aber verstreute Gerüchte über kürzliche Geplänkel zwischen dem Fürsten von C.‘ Heimat ([[Bamberg]]) und B.s Stadt ([[Nürnberg]]) (s. Anm.). C.‘ Sohn [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] sei leider schon länger in der Heimat: der unnötige Aufenthalt dort schade seinem Lernerfolg. Er hätte ihm daher geschrieben, er möge sich schnellstmöglichst zu ihm (nach [[Leipzig]]) begeben. Alles übrige liege in Gottes Hand. Lebewohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kommende Jahr 1562 bringe für C. einen πρεσβευτικὸς κλημακτήρ (s. Anm.) und er rechne daher mit großen Schwierigkeiten. Gebet. Erneutes Lebewohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Feindseligkeiten der sächsischen Städte mit benachbarten Fürsten&amp;quot;: Es ist unklar, ob es sich hier um die sog. Letzte Fehde zwischen Dithmarschen und den schleswig-holsteinischen Herzögen sowie dem dänischen König handelt, oder ob der Beginn des Livländischen Krieges hier hineinspielt.&lt;br /&gt;
* &amp;quot;verstreute Gerüchte über kürzliche Geplänkel&amp;quot;: Auch in [[OCEp 1239]] berichtet C. über Auseinandersetzungen zwischen dem Bamberger Bischof [[Veit II. von Würtzburg]] und der Stadt Nürnberg.&lt;br /&gt;
* C.&#039; Sohn sei leider schon länger in der Heimat: Nach dem Tod von C.&#039; Neffen gab es in [[Bamberg]] eine Menge zu organisieren, weshalb verschiedene Familienmitglieder (auch C. selbst sowie seine Frau Anna) dort länger verweilten.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;πρεσβευτικὸς κλημακτήρ&#039;&#039;: Es geht hier wohl um sog. Kritische Jahre im Lebenslauf eines Menschen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_%CE%A0%CE%B5%CF%81%E1%BD%B6_%CE%B3%CE%BD%CF%89%CE%BC%CE%B9%CE%BA%E1%BF%86%CF%82_%CE%B4%CE%B9%CE%B4%CE%B1%CF%83%CE%BA%CE%B1%CE%BB%CE%AF%CE%B1%CF%82_%CF%83%CF%8D%CE%BD%CE%BF%CF%88%CE%B9%CF%82,_1569&amp;diff=132786</id>
		<title>Camerarius, Περὶ γνωμικῆς διδασκαλίας σύνοψις, 1569</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_%CE%A0%CE%B5%CF%81%E1%BD%B6_%CE%B3%CE%BD%CF%89%CE%BC%CE%B9%CE%BA%E1%BF%86%CF%82_%CE%B4%CE%B9%CE%B4%CE%B1%CF%83%CE%BA%CE%B1%CE%BB%CE%AF%CE%B1%CF%82_%CF%83%CF%8D%CE%BD%CE%BF%CF%88%CE%B9%CF%82,_1569&amp;diff=132786"/>
		<updated>2025-12-28T10:34:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Rezeption */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0834&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Herausgeber&lt;br /&gt;
|Herausgegebener Autor=Agapetus; Palladios&lt;br /&gt;
|d_status2=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1569&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung nach dem Erstdruck.&lt;br /&gt;
|d_language=Griechisch&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Περὶ γνωμικῆς διδασκαλίας συνόψις&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Synopse zur Gnomologie mit Textexzerpten aus der griechischen Literatur. Als bedeutsame Beiträge stuft Camerarius die Texte von Palladios und Agapetus ein.&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Libellus gnomologicus, 1569]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
===Widmung und Entstehungskontext===&lt;br /&gt;
Das Werk ist [[Widmungsempfänger::Georg Mehl von Strelitz]] gewidmet. Es handelt sich hierbei um die Editio princeps der herausgegebenen Werke.&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Synopse zur Gnomologie mit Textexzerpten aus zahlreichen Autoren der griechischen Literatur. Als bedeutsame Beiträge stuft Camerarius die Texte von Palladios und Agapetus ein. Eine Σύνοψις leitet die Sammlung ein (25-33). Mit der Ἔκθεσις κεφαλαίων παραινετικών des Agapetus schließt eine größerer zusammenhängender Text das Werk ab (Einleitung S. 109-110;  Text S. 110-149). Es folgen Texte von [[Erwähnte Person::Plutarch]] und [[Erwähnte Person::Arrian]] zum Thema der Brahmanen. Eine lateinische Übersetzung zu der griechischen Textsammlung findet sich im Anschluss ([[Camerarius, De doctrina generalium sententiarum, summula considerationis, 1569]]).&lt;br /&gt;
===Rezeption===&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1669 würdigt Jacob Bruno die Leistung des Camerarius für die Agapet-Forschung: [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11764450-3 Jacob Bruno, Agapetus, Constantinopolitanus: Agapeti diaconi scheda regia praeceptorum de officio boni principis ad imperatorem Iustitianum, Leipzig 1669], Bl. b5v.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
*[[Steinmann 2017]], S. 96f.; 101-107; 115 (zur Entstehungsgeschichte und zu den aus der Bibliothek des Sambucus aus Wien nach Leipzig mitgenommenen Werken des Agapetus (Druck) und Palladios (Handschrift)); 107 (zum Inhalt); 114-117 (zur möglichen Intention).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_%CE%A0%CE%B5%CF%81%E1%BD%B6_%CE%B3%CE%BD%CF%89%CE%BC%CE%B9%CE%BA%E1%BF%86%CF%82_%CE%B4%CE%B9%CE%B4%CE%B1%CF%83%CE%BA%CE%B1%CE%BB%CE%AF%CE%B1%CF%82_%CF%83%CF%8D%CE%BD%CE%BF%CF%88%CE%B9%CF%82,_1569&amp;diff=132785</id>
		<title>Camerarius, Περὶ γνωμικῆς διδασκαλίας σύνοψις, 1569</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_%CE%A0%CE%B5%CF%81%E1%BD%B6_%CE%B3%CE%BD%CF%89%CE%BC%CE%B9%CE%BA%E1%BF%86%CF%82_%CE%B4%CE%B9%CE%B4%CE%B1%CF%83%CE%BA%CE%B1%CE%BB%CE%AF%CE%B1%CF%82_%CF%83%CF%8D%CE%BD%CE%BF%CF%88%CE%B9%CF%82,_1569&amp;diff=132785"/>
		<updated>2025-12-28T10:33:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0834&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Herausgeber&lt;br /&gt;
|Herausgegebener Autor=Agapetus; Palladios&lt;br /&gt;
|d_status2=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1569&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung nach dem Erstdruck.&lt;br /&gt;
|d_language=Griechisch&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Περὶ γνωμικῆς διδασκαλίας συνόψις&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Synopse zur Gnomologie mit Textexzerpten aus der griechischen Literatur. Als bedeutsame Beiträge stuft Camerarius die Texte von Palladios und Agapetus ein.&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Libellus gnomologicus, 1569]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
===Widmung und Entstehungskontext===&lt;br /&gt;
Das Werk ist [[Widmungsempfänger::Georg Mehl von Strelitz]] gewidmet. Es handelt sich hierbei um die Editio princeps der herausgegebenen Werke.&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Synopse zur Gnomologie mit Textexzerpten aus zahlreichen Autoren der griechischen Literatur. Als bedeutsame Beiträge stuft Camerarius die Texte von Palladios und Agapetus ein. Eine Σύνοψις leitet die Sammlung ein (25-33). Mit der Ἔκθεσις κεφαλαίων παραινετικών des Agapetus schließt eine größerer zusammenhängender Text das Werk ab (Einleitung S. 109-110;  Text S. 110-149). Es folgen Texte von [[Erwähnte Person::Plutarch]] und [[Erwähnte Person::Arrian]] zum Thema der Brahmanen. Eine lateinische Übersetzung zu der griechischen Textsammlung findet sich im Anschluss ([[Camerarius, De doctrina generalium sententiarum, summula considerationis, 1569]]).&lt;br /&gt;
===Rezeption===&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1669 würdigt Jacob Bruno die Leistung des Camerarius für die Agapet-Forschung: [[https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11764450-3 Jacob Bruno, Agapetus, Constantinopolitanus]]: Agapeti diaconi scheda regia praeceptorum de officio boni principis ad imperatorem Iustitianum, Leipzig 1669, Bl. b5v.&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
*[[Steinmann 2017]], S. 96f.; 101-107; 115 (zur Entstehungsgeschichte und zu den aus der Bibliothek des Sambucus aus Wien nach Leipzig mitgenommenen Werken des Agapetus (Druck) und Palladios (Handschrift)); 107 (zum Inhalt); 114-117 (zur möglichen Intention).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_1554&amp;diff=132784</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 1554</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_1554&amp;diff=132784"/>
		<updated>2025-12-23T08:24:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0670&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 262-263&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1553/12/25&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=Siehe Anmerkungen. Im Druck: Γενεθλίοις Ἰησοῦ Χριστοῦ ... 54.&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Quae facilia esse futura mihi&lt;br /&gt;
|Register=Zweiter Markgrafenkrieg (1552-1554); Osiandrischer Streit&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 09:24, 23. Dez. 2025 (CET) Umbenennen in Camerarius an Baumgartner d.Ä., 25.12.1553 ?&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Was C. bei der Rückkehr (aus Nürnberg?) für leicht gehalten habe (einen Stellenwechsel), das erscheine ihm nun bei gründlicherer Überlegung von Tag zu Tag schwerer und er wisse nicht, was er tun solle und wie. Er warte auf eine geeignete Gelegenheit. Kürzlich hätte es Gerüchte über eine Friedenshoffnung gegeben. C. hoffe auf ein Ende der Selbstzerfleischung Deutschlands (2. Markgrafenkrieg?). B.s Namensvetter, der vorher παρὰ Κυζικηνοῖς (in [[Erwähnter Ort::Kitzingen]]?) Ältester war, ein Großsprecher, hätte öffentlich gleichsam über den Aufwand (der Stadt [[Erwähnter Ort::Nürnberg]]?) gesprochen und über die Kosten des Krieges. So hätten C. die Ohrenzeugen berichtet: er hätte die hohe Summe der monatlichen Soldzahlungen und anderer Aufwendungen berechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
B. wisse, dass C. über anderes Unbekanntes weder spreche noch schreibe, außer im Rahmen allgemeiner Zeitenklage. Und weder habe sein Amt es verlangt noch habe er den Willen gehabt, sich in politische Belange verwickeln zu lassen. In kirchlichen und universitären Angelegenheiten hätte er sich angestrengt und hoffe sich auszeichnen zu können. Aber könne jene Schaumschlägerei mehr nützen als schaden? Man müsse dennoch viel ertragen und auch in solchen konfliktreichen Zeiten gute Ratschläge erteilen.&lt;br /&gt;
C. habe noch nicht mit dem gemeinsamen Freund (wohl [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]]) gesprochen, hoffe aber auf seine Ankunft zur (Leipziger) Messe. Nichtsdestotrotz denke er an ihn. B.s Besorgnis liege C. am Herzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arktische Winde brächten wieder unangenehme Luftströmungen. Über das Wüten des [[Erwähnte Person::Johann Funck|Scintilla]] höre man auch in Leipzig einiges. Wenn jener, den sie erwarteten ([[Erwähnte Person::Johannes Aurifaber]], als Superintendent für Nürnberg), dieses zum Übergreifen hierher bringen sollte, wolle C. zugeben, dass seine Meinung über ihn falsch gewesen sei. (Griechisch:) Besser, er wäre da geblieben (in [[Erwähnter Ort::Königsberg]]) als dorthin zu kommen, wohin sie ihn holen wollten, In Kürze werde man es wissen. Lebewohl, unklare Abschiedsformel (s. Anm.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Rückkehr aus Nürnberg: Von August bis November 1553 war C. in Nürnberg. &lt;br /&gt;
* Philipp Melanchthon reiste am 17.4.1554 zur Leipziger Messe (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 7155.4 und 7154.2). Er war aber auch auf der Neujahrsmesse (MBW 7047.2, 7060) und Anfang Oktober auf der Michaelismesse (MBW 7298). Auch thematisch ist es schwierig, die genaue Messe zu bestimmen. Aus MBW 7038, 7133 und 7312 sieht man, dass die Thematik mit Johann Funck das ganze Jahr über aktuell war. Die Friedenshoffnungen geben vielleicht einen Hinweis auf ein bevorstehendes Ende des 2. Markgrafenkriegs. Da im Juli 1554 dieser Krieg endete, fällt die Michaelismesse wahrscheinlich aus den Erwägungen heraus.&lt;br /&gt;
* Die Abschlussformel (&#039;&#039;Γενεθλίοις Ἰησοῦ Χριστοῦ mitto versus hic propositos&#039;&#039;) lässt sich so deuten, dass der Brief an dem Weihnachtsfest entstanden ist, mit dem das Jahr 1554 beginnt, hier also am 25.12.1553. Dazu passt, dass C. noch unsicher ist, ob er dauerhaft nach Nürnberg übersiedelt, wo seine Familie damals noch war. Im März 1554 war der Verbleib in Leipzig beschlossene Sache (vgl. [[OCEp 0672]]). (Hinweis von Torsten Woitkowitz)&lt;br /&gt;
* B.s Namensvetter: Er müsste Hieronymus heißen. Vielleicht Hieronymus Berbing (MBW 4907)?&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
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		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 1554</title>
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		<updated>2025-12-23T08:23:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0670&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 262-263&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1553/12/25&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=Siehe Anmerkungen. Im Druck: Γενεθλίοις Ἰησοῦ Χριστοῦ ... 54.&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Quae facilia esse futura mihi&lt;br /&gt;
|Register=Zweiter Markgrafenkrieg (1552-1554); Osiandrischer Streit&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=VG, 8.3.23: noch einige Unklarheiten&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort mutmaßlich&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
Was C. bei der Rückkehr (aus Nürnberg?) für leicht gehalten habe (einen Stellenwechsel), das erscheine ihm nun bei gründlicherer Überlegung von Tag zu Tag schwerer und er wisse nicht, was er tun solle und wie. Er warte auf eine geeignete Gelegenheit. Kürzlich hätte es Gerüchte über eine Friedenshoffnung gegeben. C. hoffe auf ein Ende der Selbstzerfleischung Deutschlands (2. Markgrafenkrieg?). B.s Namensvetter, der vorher παρὰ Κυζικηνοῖς (in [[Erwähnter Ort::Kitzingen]]?) Ältester war, ein Großsprecher, hätte öffentlich gleichsam über den Aufwand (der Stadt [[Erwähnter Ort::Nürnberg]]?) gesprochen und über die Kosten des Krieges. So hätten C. die Ohrenzeugen berichtet: er hätte die hohe Summe der monatlichen Soldzahlungen und anderer Aufwendungen berechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
B. wisse, dass C. über anderes Unbekanntes weder spreche noch schreibe, außer im Rahmen allgemeiner Zeitenklage. Und weder habe sein Amt es verlangt noch habe er den Willen gehabt, sich in politische Belange verwickeln zu lassen. In kirchlichen und universitären Angelegenheiten hätte er sich angestrengt und hoffe sich auszeichnen zu können. Aber könne jene Schaumschlägerei mehr nützen als schaden? Man müsse dennoch viel ertragen und auch in solchen konfliktreichen Zeiten gute Ratschläge erteilen.&lt;br /&gt;
C. habe noch nicht mit dem gemeinsamen Freund (wohl [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon]]) gesprochen, hoffe aber auf seine Ankunft zur (Leipziger) Messe. Nichtsdestotrotz denke er an ihn. B.s Besorgnis liege C. am Herzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arktische Winde brächten wieder unangenehme Luftströmungen. Über das Wüten des [[Erwähnte Person::Johann Funck|Scintilla]] höre man auch in Leipzig einiges. Wenn jener, den sie erwarteten ([[Erwähnte Person::Johannes Aurifaber]], als Superintendent für Nürnberg), dieses zum Übergreifen hierher bringen sollte, wolle C. zugeben, dass seine Meinung über ihn falsch gewesen sei. (Griechisch:) Besser, er wäre da geblieben (in [[Erwähnter Ort::Königsberg]]) als dorthin zu kommen, wohin sie ihn holen wollten, In Kürze werde man es wissen. Lebewohl, unklare Abschiedsformel (s. Anm.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Rückkehr aus Nürnberg: Von August bis November 1553 war C. in Nürnberg. &lt;br /&gt;
* Philipp Melanchthon reiste am 17.4.1554 zur Leipziger Messe (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 7155.4 und 7154.2). Er war aber auch auf der Neujahrsmesse (MBW 7047.2, 7060) und Anfang Oktober auf der Michaelismesse (MBW 7298). Auch thematisch ist es schwierig, die genaue Messe zu bestimmen. Aus MBW 7038, 7133 und 7312 sieht man, dass die Thematik mit Johann Funck das ganze Jahr über aktuell war. Die Friedenshoffnungen geben vielleicht einen Hinweis auf ein bevorstehendes Ende des 2. Markgrafenkriegs. Da im Juli 1554 dieser Krieg endete, fällt die Michaelismesse wahrscheinlich aus den Erwägungen heraus.&lt;br /&gt;
* Die Abschlussformel (&#039;&#039;Γενεθλίοις Ἰησοῦ Χριστοῦ mitto versus hic propositos&#039;&#039;) lässt sich so deuten, dass der Brief an dem Weihnachtsfest entstanden ist, mit dem das Jahr 1554 beginnt, hier also am 25.12.1553. Dazu passt, dass C. noch unsicher ist, ob er dauerhaft nach Nürnberg übersiedelt, wo seine Familie damals noch war. Im März 1554 war der Verbleib in Leipzig beschlossene Sache (vgl. [[OCEp 0672]]). (Hinweis von Torsten Woitkowitz)&lt;br /&gt;
* B.s Namensvetter: Er müsste Hieronymus heißen. Vielleicht Hieronymus Berbing (MBW 4907)?&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
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	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Kategorie:Briefwechsel-Gregor_Bersman&amp;diff=132781</id>
		<title>Kategorie:Briefwechsel-Gregor Bersman</title>
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		<updated>2025-12-07T13:54:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Allgemein zum Briefwechsel */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__HIDEFROMDRILLDOWN__&lt;br /&gt;
{{DISPLAYTITLE:{{#sub:{{FULLPAGENAME}}|10}}}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemein zum Briefwechsel ==&lt;br /&gt;
Der Altphilologe und lateinische Dichter [[Student::Gregor Bersman|Bersman]] studierte (seit SoSe 1555) bei C. in Leipzig. In der [[Erwähnte Körperschaft::Fürstenschule (Meißen)]] war er zuvor Zimmergenosse von [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] gewesen. &lt;br /&gt;
Hernach (1565-1568) war er Schullehrer an der [[Erwähnte Körperschaft::Fürstenschule (Schulpforta)]], es folgten Lehrtätigkeit in [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Wittenberg)|Wittenberg]] und [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)|Leipzig]]. Nach dem Tod von C. bekleidete er ab Herbst 1575 dessen Griechischprofessur und gab 1576 einen [[Erwähntes Werk::Bersman, Poemata, 1576|Gedichtband]] heraus, in dem er drei Briefe von C. abdruckte, worin sich aber auch eine Widmung an C. (S. 17-18) und ein Dankgedicht C.‘ (S. 16) sowie ein Epicedion auf denselben (S. 229-233) befinden, zudem ein Gedicht auf [[Erwähnte Person::Philipp Melanchthon|Melanchthon]] und Camerarius (S. 320). In anderen Werken des Bandes wendet er sich auch an gemeinsame Kollegen und Bekannte: [[Erwähnte Person::Georg Fabricius]], [[Erwähnte Person::Adam Siber]], [[Erwähnte Person::Christoph von Karlowitz]] und andere. Auch Briefe an mehrere Camerarius-Söhne sind abgedruckt. 1580 wurde B. aus sächsischen Diensten entlassen, da er sich weigerte, das Konkordienbuch zu unterschreiben, und trat 1582 eine Stelle als Schulrektor in [[Erwähnter Ort::Zerbst]] an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zentrale Themen und Konstellationen ===&lt;br /&gt;
Bersman stand mit [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius]] in brieflichem Kontakt, wie aus den Briefen hervorgeht. Auch in Briefen C.s an [[Erwähnte Person::Hubert Languet]] findet er Erwähnung. Inhaltlich geben die drei Briefe nicht viel Auskunft, da sie sich größtenteils in Ratschlägen C.&#039; für B. ergehen, wie er mit seinen negativen Gefühlen umgehen könne, und zur Karriereplanung. Einige Personen sind zu grüßen: [[Franz Kram]] sowie Martin Döring und Abraham Caesius, die wahrscheinlich Lehrer in Schulpforta waren, sowie weitere Personen an der gleichen Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Editionen, Literatur und weiterführende Links ===&lt;br /&gt;
[[Erwähntes Werk::Bersman, Poemata, 1576]], S. 16-18, 327-333 u.ö&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Erwähntes Werk::Bersman, Poemata, 1592]], S. 15-18 327-333, 338-340&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://saebi.isgv.de/biografie/Georg_Bersmann_(1538-1611) Sächsische Biographie]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Überlieferung und statistische Übersicht ===&lt;br /&gt;
Insgesamt wurden {{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Gregor Bersman]]| format=count}} Briefe in die Datenbank aufgenommen. Davon wurden&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;{{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Gregor Bersman]][[Absender::Joachim Camerarius I.]]| format=count}} von Camerarius&#039;&#039;&#039; verfasst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;{{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Gregor Bersman]][[Empfänger::Joachim Camerarius I.]]| format=count}} an Camerarius&#039;&#039;&#039; geschrieben.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Projektes wurden nur die zeitgenössisch (bis ca. 1600) gedruckten Briefe erfasst. Alle gedruckten Briefe des Briefwechsels hat Bersmann selbst herausgegeben. Das passt zur Editionspraxis des Camerarius und seiner Söhne, Briefe nicht zu Lebzeiten des Briefpartners zu edieren. Die folgenden statistischen Daten bilden nur einen Ausschnitt des ohnehin nicht vollständig überlieferten Briefwechsels ab und dienen somit eher der Orientierung. Um sie aufzurufen, drücken Sie bitte unten auf &amp;quot;Semantic Drilldown&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BriefwechselDrilldown}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Belli_Smalcaldici_commentarius,_1611_(1547)&amp;diff=132777</id>
		<title>Camerarius, Belli Smalcaldici commentarius, 1611 (1547)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Belli_Smalcaldici_commentarius,_1611_(1547)&amp;diff=132777"/>
		<updated>2025-11-23T17:10:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0952&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1611&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung nach dem Erstdruck. Die Schrift muss nach der Schlacht von Rochlitz am 02.03.1547, die als letztes Kriegsereignis behandelt wird, entstanden sein, jedoch vor der Erwähnung gegenüber Karlowitz am 22.05.1547, er habe das Werk abbrechen müssen.&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1611/09/13&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1611/12/31&lt;br /&gt;
|d_language=Griechisch&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Belli Smalcaldici anno M.D.XLVI inter Carolum V. Caes(arem) et Protestantium duces gesti, commentarius&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Das Geschichtswerk zum Schmalkaldischen Krieg 1546-1547 zwischen Kaiser Karl V. und den protestantischen Fürsten wurde von Joachim Camerarius auf Griechisch in &#039;&#039;imitatio&#039;&#039; des antiken Historikers Thukydides verfasst. Es behandelt ausführlich die Vorgeschichte von der Entstehung der reformatorischen Idee, bricht in der Darstellung der Kriegsereignisse jedoch kurz vor der entscheidenden Schlacht bei Mühlberg ab.&lt;br /&gt;
|Register=Geschichtsschreibung; Zeitgeschichtsschreibung; Nationalbewusstsein; Pest; Astrologie; Divination; Imitatio; Schmalkaldischer Krieg (1546-1547); Reichstag 1530 (Augsburg); Geschichtsbild; Confessio Augustana; Griechisch (aktiver Gebrauch); Reichstag 1546 (Regensburg); Konzil von Trient, I. Trienter Periode (1545-1547)&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Freher, Germanicarum rerum scriptores, 1611]]; [[Freher, Germanicarum rerum scriptores, 1611a]]; [[Freher, Germanicarum rerum scriptores, 1611b]]; [[Freher, Rerum Germanicarum scriptores, 1717]]&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Freher, Germanicarum rerum scriptores, 1611&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 387-423&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Widmung und Entstehungskontext ===&lt;br /&gt;
Der von [[Herausgeber von JC::Marquard Freher]] im dritten Band seiner Textsammlung zur deutschen Geschichte während der Zeit Kaiser Karls V. herausgegebene Text wurde mit einer lateinischen Übersetzung und einem Supplementum von [[Erwähnte Person::Simon Sten]] versehen. Dies erhellt aus seiner kurzen Vorrede, aus der möglicherweise auch der von Camerarius gewählte Titel Συγγραφή hervorgeht. Die Begriffswahl könnte allerdings auch auf Camerarius&#039; Verwendung dieses Wortes im Proömium beruhen oder sich auch schlichtweg aus der gängigen Bezeichnung für Geschichtswerk erklären. Nach Angabe des Herausgebers im Inhaltsverzeichnis ()()( 2r), wurde ihm die Schrift von Camerarius&#039; Enkel, [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius II.]], für diese Edition zur Verfügung gestellt.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die genaue Entstehungszeit der Schrift muss hypothetisch erschlossen werden. [[Baron/Shaw 1978]], S. 240 setzen das Werk, wahrscheinlich nach [[Summerus 1646]], Bl. B2r, auf 1546 an. Jedoch umfasst die Erzählung auch noch Geschehnisse bis März 1547, weshalb diese Datierung zu verwerfen ist. Allerdings ist die Vermutung, dass Camerarius das Werk unmittelbar nach den Ereignissen abgefasst hat, durchaus plausibel (so auch [[Voigt 1874]], S. 682). So äußert der Erzähler im Proömium gleich im ersten Satz, dass er den Entschluss zur Abfassung des Werkes während des heftigsten Wütens des Krieges gefasst hat. Erhärtet wird diese zeitliche Einordnung durch die im Folgenden geäußerte Absicht, er habe eine objektive Darstellung der Ereignisse vorlegen wollen. Das Werk ist also in der Erwartung noch ausstehender parteiischer Vereinnahmungen abgefasst. Auch die Wortwahl lässt die unmittelbare Nähe zu den Ereignissen erkennen: τὰ νυνὶ γεγονότα. Man darf also mit berechtigtem Optimismus eine Abfassung im Jahre 1547 annehmen. Hinzu kommt Camerarius&#039; Klage gegenüber [[Widmungsempfänger::Christoph von Karlowitz]] in einem Brief vom 22.05.1547, er habe ein für ihn bestimmtes Werk abbrechen müssen. Hiermit ist wohl das &amp;quot;Bellum Smalcaldicum&amp;quot; gemeint (mit plausiblen Indizien [[Woitkowitz 2003]], S. 164; 176-177).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Begleitbrief zu seiner Übersetzung schreibt Simon Sten, dass ihm nicht Weniges zu fehlen scheint und dass er dies ergänzt habe (&#039;&#039;Quia autem nonnulla deesse videbantur, visum est &amp;amp; et illa supplere&#039;&#039;). Es bleibt jedoch unklar, ob Sten hiermit die Unvollständigkeit der Überlieferung oder der Darstellung meint. Das von Camerarius geäußerte Bedauern über einen erzwungenen Abbruch spricht für die zweite Vermutung. Stenius gibt an, dass er bis zur Gefangenschaft [[Johann Friedrich I. (Sachsen)|des sächsischen Kurfürsten]] (&#039;&#039;ad captivitatem Saxonis&#039;&#039;) fortgeschrieben habe. Diese bilde eine abgeschlossene Handlung, ebenso wie der Tod Hektors die &amp;quot;Ilias&amp;quot; abschließe. Das Folgende könne dann auch der Vita des [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)|Moritz von Sachsen]] entnommen werden. Der Widmungsbrief an Marquard Freher datiert auf den 18. Juli 1606, ist also zehn Jahre früher als der tatsächliche Druck. Die Schrift wird mit der Gattungszuschreibung &#039;&#039;Commentarius&#039;&#039; vom Herausgeber Marquard Freher in die Tradition der antiken Geschichtsschreibung gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
In dem Werk wird der Schmalkaldische Krieg im Jahr 1546-1547 zwischen Kaiser [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)|Karl V.]] und den protestantischen Fürsten beschrieben.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Prooemium&#039;&#039; (389-390): Das Proömium dient der Darlegung von Entstehungskontext und Intention. Der Erzähler lässt den Leser wissen, er habe sich zur Abfassung dieses Werkes entschlossen, als der Krieg heftig tobte (Ἐπειδὴ καθέστηκε τηλικοῦτος τὸ μέγεθος πόλεμος, αἰφνιδίως μὲν ἐξαφθεὶς, σφοδρότατα δὲ τῇ ὁρμῇ ἀεὶ τὰ ἐχόμενα εἰς το πρόσῳ  νειμάμενος, ἔδοξέ μοι ξυγγράφειν τὰ ἐγνωρισμένα ἡμῖν). Hiermit wird eine zu den Ereignissen zeitnahe Entstehung des Werkes nahegelegt. Die Darlegung der Ereignisse beruhe auf den ἐγνωρισμένα des Erzählers. Hiermit zielt Camerarius wohl weniger darauf ab, den historischen Bericht unter den Vorbehalt des eigenen Erkenntnishorizonts zu stellen. Vielmehr betrachtet er seine Erkenntnisse durchaus als objektiv, was aus der folgenden Darstellung der beiden Motive hervorgeht, die ihn zur Abfassung des Werkes veranlasst hätten: Zum einen habe sich in dem Krieg verwirklicht, was durch Vorzeichen und Vorhersagen schon angekündigt worden sei. Die Geschichtsschreibung dient somit der empirischen Bestätigung astrologischer und divinatorischer Vorausdeutungen. Zum anderen habe er in Voraussicht späterer parteiischer Schilderungen eine objektive Darstellung vorlegen wollen. Eine Gefahr der Geschichtsschreibung bestehe in der Voreingenommenheit eines Historikers, der das schreibe, &amp;quot;was ihm richtig scheine und gefalle&amp;quot; (κατὰ τὸ αὐτῷ δοκοῦν τε καὶ ἀρέσκον). Camerarius&#039; Ziel hingegen sei es, eine &amp;quot;unverdorbene Erzählung und reine Geschichte&amp;quot; (αἰδιάφθορόν τινα λόγον καὶ ἀκραιφνῆ ἰστορίαν) zu schreiben. Um dies zu erreichen, möchte er sich auf Ereignisse beschränken, die so offensichtlich sind, dass sie von jedem Beteiligten bestätigt werden könnten (τῶν φανερῶν γοῦν καὶ ἅπασι πρὸ ὀμμάτων γεγενημένων πραγμάτων). Schwierig sei es jedoch, einen Schreiber zu finden, der zugleich als Augenzeuge (ὡς αὐτόπτην γενόμενον διελθεῖν δυνάμενον) möglicherweise sogar politische Entscheidungsfindungen persönlich miterlebt hat, und als Sachverständiger zugleich (μᾶλλον ὑμῶν πολιτικὸν νοῦν ἔχοντα, καὶ ἐμπειρίας ἐπὶ πλεῖον ἥκοντα) alles klarer und gelehrter darstellen könnte als Camerarius selbst (ἐκφράζειν ἐπὶ τὸ σαφέστερόν τε  καὶ λογιώτερον). Da es einen solchen Schriftsteller jedoch kaum gäbe, habe er sich zu dem Werk entschlossen. Der Erzähler versucht seine Aufrichtigkeit zu untermauern: Er ziele auf eine Durchsetzung der Wahrheit (ἀληθεία) gegen falsche Darstellungen ab und habe &amp;quot;ungeschmückt&amp;quot; (ἀκαλλώπιστον) und &amp;quot;ohne irgendwelche Verheimlichung&amp;quot; (μηδὲν ὑποστειλάμενοι) geschrieben. Die griechische Sprache habe er gewählt, &amp;quot;damit auch die Griechen irgendwie in diesen Dingen über die Wahrheit belehrt würden&amp;quot; (ἐδόκει δὲ χρηστέον Ἑλληνικῇ γλώττῃ, ἵνα καί πως οἱ Ἕλληνηες διδαχθεῖεν περὶ τούτων τὴν ἀλήθειαν). Dies ist wohl eine paradoxe Ausdrucksform, die nur als eine methodologische Metapher gedeutet werden kann und mit der sich Camerarius auf eine Stufe mit den antiken griechischen Historikern zu stellen versucht: Erst mit der Verwendung derselben Sprache ist das &#039;&#039;imitatio&#039;&#039;-Verhältnis vollendet. Das Proömium schließt mit einer Selbstvorstellung des Autors und Erzählers: Er stamme aus [[Erwähnter Ort::Bamberg]] (ταῶνος ὅρος = &amp;quot;Pfauenberg&amp;quot;) und sein ins Griechische übersetzter Name laute Ἀναστάσιος.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Vorgeschichte&#039;&#039; (390-407): Ein einführender Abschnitt stellt die Gegebenheiten dar, aus denen die historischen Ereignisse hervorgingen. Hier stehen die religiösen Konflikte an erster Stelle. Camerarius greift zurück auf den Ursprung des Begriffes &amp;quot;Protestanten&amp;quot;, auf die Auseinandersetzung mit dem französischen König François sowie mit Florenz und beschreibt die Ereignisse hin zum Augsburger Reichstag von 1530, auf dem die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; vorgelegt wurde. Camerarius verfolgt in seiner Darstellung erzählerische Objektivierungsstrategien in Hinblick auf den konfessionellen Standpunkt: So ist zum Standpunkt der Protestanten beim Ursprung der Reformation ein &amp;quot;wie sie sagten&amp;quot; eingefügt (οἱ διαμαρτυρήσαντες ἐξομολόγησίν τινα τῆς αὑτῶν ἀληθοῦς, ὡς ἔλεγον, πίστεως, 392). Abschließend erfährt die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; eine sehr positive Bewertung. Neben den innenpolitischen Entwicklungen werden auch außenpolitische Faktoren wie der Krieg gegen die Türken behandelt. Camerarius übt Kritik an den politischen Akteuren beider Lager: Auf der katholischen Seite sei Karl insbesondere von Geistlichen bedrängt worden, die durch die Reformation aus ihren Ämtern verdrängt wurden. Hierunter zählt auch der nicht namentlich erwähnte Naumburger Bischof [[Erwähnte Person::Julius von Pflug]]. Es entsteht ein Bild, wonach Karl von seinem Umfeld angestachelt wird. An verschiedenen Stellen ist es auch der Papst, der mit Geld den Kaiser zu einem Handeln in seinem Sinne zu bringen versucht. Ebenso werden auch die Mitglieder des Schmalkaldischen Bundes kritisiert. Sie hätten im Übermut wohlwollende Haltungen auf der Gegenseite ignoriert. Die Darstellung der Missstände steht im Zeichen einer moralischen Geschichtsschreibung (z.B. der Vorwurf der Zechfreundschaften). Ebenso sei Karl auf seiner Seite von Menschen angetrieben worden, die aus &amp;quot;Ehrgeiz&amp;quot; und &amp;quot;Gewinnsucht&amp;quot; handelten (τῶν φιλοτίμων τε καὶ φιλοκτεάνων σπουδάς τε καὶ τέχνας, 395).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zuspitzung der Lage:&#039;&#039; In einem Zooming-Effekt rückt die Vorgeschichte immer näher an den Krieg heran, so dass kein klarer Anfang eines &amp;quot;Hauptteils&amp;quot; festgestellt werden kann. Allerdings bewirkt die ausführlich gestaltete Angabe der Jahreszahl 1546 (396) einen Einschnitt, der dem Leser deutlich macht, dass die Erzählung nun beim ersten der beiden Kriegsjahre angelangt ist - dieses annalistische Element wird auch bei 1547 angebracht. Dennoch finden sich auch danach noch exkursartige Vertiefungen, etwa über die sittlichen Missstände in der Lebensführung der Priester. Bei der Darlegung der Gründe der Protestanten für den Abzug vom Regensburger Reichstag 1546 wird ihre Position als nachvollziehbar dargestellt, ebenso Karls Reaktion auf die von ihm nicht erlaubte Handlung. Aber auch Karl erhält negative Bewertungen: Er habe die Gespaltenheit der Deutschen unter sich zu seinen Gunsten genutzt und die Fürsten &amp;quot;geködert&amp;quot; (δυνάστας δελεασθέντας, 397).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Papst habe durch sein Wirken die Stimmung zum Krieg aufgeheizt und in Karl einen &amp;quot;Vorkämpfer&amp;quot; (πρόμαχος) gefunden (398). Insbesondere durch das Konzil von Trient sei die protestantische Seite zum Krieg gereizt worden. Nur von den schlimmsten Verdächtigungen gegenüber dem Papst (Brunnenvergiftung) distanziert sich der Erzähler in einer persönlichen Stellungnahme in Ich-Form (398). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Kriegsereignisse&#039;&#039; (407-423): Camerarius berichtet im Stil historiographischer Darstellung von der Abfolge der Kriegsereignisse. Der Exkurs über die Rolandstatue in [[Erwähnter Ort::Halle (Saale)]] dient als Spiegelgeschichte (418-419). Die sich hierbei entspinnende Erzählung über den Sieg, den [[Erwähnte Person::Karl der Große]] über die Sachsen errang, bietet Camerarius eine Analogie zur historischen Situation im Schmalkaldischen Krieg. Die dargestellte Deutung, dass es sich bei der Rolandstatue von Halle (Saale) um ein karolingisches Symbol für die Unterwerfung der Sachsen unter den Kaiser handle, ist jedoch nach heutigem geschichts- und kunstwissenschaftlichem Erkenntnisstand nicht haltbar. Das im Vorwort angesprochene Vorzeichenwesen spielt in der Darstellung der historischen Ereignisse erst im Vorfeld der Entscheidungsschlacht bei Mühlberg eine gewisse Rolle.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Neben der knappen Darstellung der Kriegsereignisse berichtet Camerarius etwas ausführlicher von der Belagerung der Stadt [[Erwähnter Ort::Leipzig]] (419-421). Dies tut er aber nicht als Augenzeuge, da er selbst die Stadt zuvor verlassen hatte (vgl. [[Voigt 1874]], S. 683).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius&#039; Darstellung endet nach der Schlacht von Rochlitz (02.03.1547) und mit dem persönlichen Eintritt Karls in das Kriegsgeschehen in Sachsen und somit unmittelbar vor der kriegsentscheidenden Schlacht. Das Ende des Krieges in der Schlacht von Mühlberg (24.04.1547) ist Gegenstand des von Stenius angefügten griechisch-lateinischen Supplementums (422-423). In diesem zeigt sich Stenius, der in der Nähe des Schlachtortes, in Lommatzsch, geboren und aufgewachsen ist, auch als Zeitzeuge des Ereignisses. Stenius nimmt den in seiner Widmung angeführten Vergleich mit Homers &amp;quot;Ilias&amp;quot; zur Illustration des Anspruchs eines geschlossenen Handlungsbogens auf, indem er damit schließt, dass so, wie das Epos mit dem Tod Hektors endet, das Geschichtswerk mit der Gefangennahme des sächsischen Herzogs zu einem Abschluss gelangt.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der &amp;quot;Schmalkaldische Krieg&amp;quot; in der historiographischen Tradition&#039;&#039;: Viele Motive erinnern an [[Beeinflusser::Thukydides]]: So gleich im Proömium, wenn auch Camerarius für sich in Anspruch nimmt, mit dem Schmalkaldischen Krieg die κίνησις μεγίστη (&amp;quot;größte Bewegung&amp;quot;) zu beschreiben (Vgl. Th. 1,1,2). Ebenso ist beiden gemeinsam, dass die Initialzündung zum Schreiben eine Erwartungshaltung war (ἐτεκμηράμην; vgl. Th. 1,1,1). Gegenstand der Darstellung ist auch ein Verfall der Sitten. Hierbei erinnert die Analyse der sittlichen Zustände an die moralische Geschichtsschreibung der Römer, insbesondere eines Sallust, wenn die zentralen Missstände in φιλοδοξία (entspricht &#039;&#039;ambitio&#039;&#039;) und φιλοκτημοσύνη (entspricht &#039;&#039;avaritia&#039;&#039;) ausgemacht werden. Eine neue &amp;quot;französisierende&amp;quot; oder &amp;quot;italianisierende&amp;quot; Haltung steht den alten Sitten entgegen. Die Gegenüberstellung mit der Sittlichkeit der Germanen fügt sich in das Aufkommen eines Nationalbewusstseins im Humanismus ein. Ebenso kennt der Bericht eine Pestdarstellung. Ferner trägt der Stil an manchen Stellen in seiner komprimierten Ausdrucksweise thukydideische Züge (z.B. ἐγένετο δὲ ἡ ξύστασις κατὰ πάντων ὁμοίως τῶν αὐτοῖς ἐπιβουλευσόντων ἀορίστως). Bei Camerarius&#039; Vokabular fällt insgesamt auch eine starke Prägung durch das Neue Testament auf.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl der Sprache Griechisch zeigt, dass Camerarius nicht intendiert, ein größeres Publikum anzusprechen. Seine Adressaten sind der enge Kreis an Gelehrten (treffend erkannt von [[Voigt 1874]], S. 683). Diese Annahme wird unterstützt durch die von Camerarius verwendete Selbstbezeichnung der gelehrten Kreise um ihn als &#039;&#039;cives Attici&#039;&#039; (vgl. [[Camerarius an Hier. Wolf, 26.04.1555]]).&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Frage nach der politischen Tendenz und dem Geschichtsbild&#039;&#039;: Grundsätzlich wird die Position der Protestanten als berechtigt dargestellt. Die &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot; beurteilt Camerarius mit deutlich erkennbarer Sympathie. Ebenso aber wird auch die Legitimität der kaiserlichen Herrschaft betont und Karl V. als deren Exponent nicht in Frage gestellt. Von den Untergebenen wird er als &amp;quot;Hüter des Gesetzes und Vater des Vaterlandes&amp;quot; wahrgenommen (τὸν αὐτοκράτορα ὥσπερ κοινὸν νομοφύλακα τινὰ καὶ πατέρα τῆς πατρίδος). Camerarius nimmt einerseits einen Standpunkt ein, der eine deutliche Sympathie für die Seite der Reformation einnimmt (etwa wenn es um theologische Positionen geht: &amp;quot;Confessio Augustana&amp;quot;; Ablasshandel). Andererseits stützt er auch die Legitimität der kaiserlichen Vormacht. In der älteren Forschung hat man Camerarius eine opportunistische Positionslosigkeit vorgeworfen, die aus der Situation eines Protestanten in Sachsen unter Moritz&#039; prokaiserlicher Politik hervorgegangen sei (vgl. das Urteil bei [[Voigt 1874]], S. 685: &amp;quot;Das mattherzige Schwanken in scheinbarer Parteilosigkeit ist nicht die Stimmung, in welcher der Geschichtschreiber gedeiht.&amp;quot;). Allerdings vermutet Voigt 1874, 687 schließlich doch eine bestimmte Tendenz: &amp;quot;Kein Zweifel, dass Camerarius trotz seiner scheinbaren Neutralität zu den Mauricianern zu stellen ist.&amp;quot;).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Tat fällt auf, dass Camerarius für keine Seite klare Position bezieht, stattdessen sich auf abstrakte Faktoren wie moralische Missstände (Philochrematie) oder auf die Zerwürfnis stiftenden Flugschriften als Kriegsursachen verlegt. Man kann dies als ein verlegenes Ausweichmanöver im konfessionellen Konflikt deuten. Man kann hierhinter aber auch ein dezidiert strukturalistisches Geschichtsbild entdecken, das nach Gesetzmäßigkeiten hinter der Geschichte fragt. Hierzu passt, dass er sich mit der namentlichen Nennung der Fürsten und Heerführer auffällig zurückhält (mit der Ausnahme Karls). Ebenso spricht dafür aber auch seine Beschäftigung mit Thukydides, die sich schon seit seiner Tübinger Zeit abzeichnet (vgl. [[Camerarius an Moritz von Hutten, 28.02.1540]] als Vorrede zu Camerarius&#039; Thukydides-Ausgabe [[Thukydides, Historiae, 1540]]).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es entsteht ein Geschichtsbild, wonach einerseits die Anliegen des Protestantismus mit grundsätzlicher Sympathie dargestellt werden, andererseits am Machtanspruch des Kaiser nicht gezweifelt wird. Trotz aller als gerechtfertigt eingestufter Kritik ist er doch ein von den Kurfürsten gewählter, legitimer Herrscher (τῷ εἰ μήτι ἄλλο, αὐτοκράτορι γοῦν ὑπὸ σφῶν αὐτῶν αἱρεθέντι). Ursache für den Konflikt sind häufig affektinduzierte Fehler einzelner Akteure im Spannungsfeld zwischen den Polen des Protestantismus und der Kaiserherrschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
In seinen astrologischen [[Camerarius an Buchner, 19.04.1539|Ausführungen an Nikolaus Buchner]] weist Camerarius darauf hin, dass bei Thukydides astronomische Erscheinungen als Vorboten von Unheil gedeutet werden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Darstellung über die Verrohung der politischen Kultur stehen den Passagen zum Schmalkaldischen Krieg in Camerarius&#039; [[Camerarius, Narratio de Georgio principe Anhaltino, 1555|Biographie zu Georg von Anhalt]] sehr nahe.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Überlieferung ===&lt;br /&gt;
Zur Überlieferungsgeschichte siehe oben ausführlich unter &amp;quot;Widmung und Entstehungskontext&amp;quot;.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Erwähnte Person::Burkhard Gotthelf Struve]], der Herausgeber der Edition von 1717, lobt in seinem Vorwort den überkonfessionellen, neutralen Standpunkt des Camerarius: &#039;&#039;accurate descripsit Camerarius, ita, ut Protestantium errores minime reticeat.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschungsliteratur ===&lt;br /&gt;
*[[Voigt 1874]], S. 681-688;&lt;br /&gt;
*[[Woitkowitz 2003]], S. 164; 176f.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Teutonicas_furor_(Inc.),_1553&amp;diff=132775</id>
		<title>Camerarius, Teutonicas furor (Inc.), 1553</title>
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		<updated>2025-11-20T09:55:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0946&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1553/08/05&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Teutonicas furor ut turbabas saeviter oras (Inc.)&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Lateinisches Chronogramm (Einzeldistichon) auf den Tod von Moritz von Sachsen, der  als &#039;&#039;victor &amp;amp; ictus&#039;&#039; zwei Tage nach der für ihn siegreichen Schlacht von Sievershausen in Folge einer dort empfangenen Schussverletzung starb (am 11.07.1553).&lt;br /&gt;
|Register=Chronogramm&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1553]]; [[Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1556]]; [[Schardius, Orationum tomus secundus, 1566]]; [[Camerarius, Orationes funebres, 1569]]; [[Bocerus, Fribergum in Misnia, 1577]]; [[Peckenstein, Prosapia, 1597]]; [[Brunn, Trias electoralis, 1600]]; [[Hempel, Descriptio, 1604]]&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=0&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=Bl. D3v&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=ja&lt;br /&gt;
|Incipit=Teutonicas furor ut turbabas saeviter oras&lt;br /&gt;
|CarmenStatus=Nachruf auf&lt;br /&gt;
|Nachruf auf=Moritz (Sachsen)&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=MG; VG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Chronodistichon: Die Buchstaben M, C, V und I werden auch mit ihrem römischen Zahlwert betrachtet und ergeben addiert das Todesjahr 1553. In einigen Editionen erscheinen sie als Majuskeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Überlieferung ===&lt;br /&gt;
Die [[Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1553|Ausgaben von 1553]], [[Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1556|1556]] und [[Schardius, Orationum tomus secundus, 1566|1566]] drucken das Einzeldistichon ohne Großschreibung der Zahlbuchstaben. In allen Ausgaben schließen die beiden Verse an [[OC 0586|ein gedichtetes Epitaph des Camerarius]] (Inc. &#039;&#039;Magnanimi busto&#039;&#039;) an, lediglich in der [[Peckenstein, Prosapia, 1597|Ausgabe von 1597]] werden sie (mit einer deutschsprachigen Erläuterung) allein überliefert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Transkription aus der [[Peckenstein, Prosapia, 1597|Ausgabe von 1597]], Bl. 34r:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vnd Camerarius die zeit der Niderlage wol gegeben.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TeVtonICas fVror Vt tVrbabas saeVIter oras,&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:MaVrICIVs prInceps vICtor &amp;amp; ICtVs obIt.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Hempel,_Descriptio,_1604&amp;diff=132772</id>
		<title>Hempel, Descriptio, 1604</title>
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		<updated>2025-11-14T14:49:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Luculenta descriptio summa arte extructi sacelli, in quo ... monumenta XXI continentur&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_place=Leipzig&lt;br /&gt;
|d_printer=Michael Lantzenberger&lt;br /&gt;
|d_date=1604&lt;br /&gt;
|Register=Epitaphium&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD17 23:261726G&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=gateway-bayern.de/VD16+&lt;br /&gt;
|d_pdf=https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10154901-6&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=noch nicht am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=nein&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Ekphrasis des Grabmals für [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)|Kurfürst Moritz]] im Dom zu [[Erwähnter Ort::Freiberg]].&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Streckenbeschreibung:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* S. 1-20: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Beschreibung des Moritzmonuments.&#039;&#039;&#039; Auszug aus der &#039;&#039;Oratio sexta.&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Oratio celebrans anniversariam memoriam diei quo ecessit ex hac vita mortall princeps Mauricius (1563), 1569}}&lt;br /&gt;
* S. 22f.: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Camerarius, Illustriss(imo) principi Mauricio duci Saxonum, 1553.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Illustriss(imo) principi Mauricio duci Saxonum, 1553}}&lt;br /&gt;
* S. 24: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Camerarius, Teutonicas furor (Inc.), 1553.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Teutonicas furor (Inc.), 1553}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Erschlossene_Aufenthaltsorte_des_Camerarius&amp;diff=132727</id>
		<title>Erschlossene Aufenthaltsorte des Camerarius</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Erschlossene_Aufenthaltsorte_des_Camerarius&amp;diff=132727"/>
		<updated>2025-10-27T10:11:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Aufenthaltsorte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite führt chronologisch solche Aufenthalte des Camerarius auf, die durch seine eigenen Berichte oder durch Dokumente außerhalb von Camerarius&#039; Werk belegt sind. Vgl. auch das [[Itinerar]], das diese mit den Informationen über die Absendeorte von Camerarius&#039; Briefen zusammenführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;private&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf dieser Seite sollen zentral Aufenthaltsorte definiert werden, die nicht Briefabsendeort sind. Verwende dazu das folgende Muster:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Ansbach]] (zwischen 04.04. und 15.04.1529); belegt in [[OCEp 0982]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Ansbach&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1529/04/04&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1529/04/15&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Durchreise nach (Nürnberg)&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Auf der Reise traf Camerarius Georg Vogler. Genaues Datum unsicher (vor 07.05.1529)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bitte um chronologische Anordnung bemühen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beachte: Nur der jetzt folgende Text ist öffentlich! Dies sollte auch so bleiben, da die entsprechenden Notizen im Itinerar nur diese Seite als Belegstelle geben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufenthaltsorte===&lt;br /&gt;
* [[Leipzig]] (Ostern (25.03.) 1513), Camerarius notiert: &#039;&#039;Anno 1513: ad nundinas Lipsenses circa Pascha veni Lipsiam&#039;&#039; ([[München, BSB]], [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Sign. Clm 10376], Nr. 5, Bl. 1v), &#039;&#039;1513 M[ense] Aprili veni Lipsiam&#039;&#039; (ebd. Nr. 6, Bl. 1r) und &#039;&#039;Anno 1513 ad nundinas Lipsenses Paschatis veni Lipsiam&#039;&#039; (ebd., Nr. 7, Bl. 1r).&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Leipzig&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1513/04&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Erfurt]]: Camerarius studierte dort seit dem Sommersemester 1518 (vgl. [[Weissenborn 1884]], S. 302) und schloss seinen Magister ab. Am 14.3.1521 war er noch in Erfurt (vgl. [[Clemen 1907a]]). Am 14.9.1521 immatrikulierte er sich in [[Wittenberg]] ([[Förstemann 1841]], S. 107).&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Erfurt&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1518&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1521/03/14&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Studium&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Auf der Reise traf Camerarius Georg Vogler. Genaues Datum unsicher (vor 07.05.1529)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (September 1522), vielleicht wegen Fieber: Camerarius notiert: &#039;&#039;1522: mea febris in Iulio veni febricitans in patriam mense septembri&#039;&#039; ([[München, BSB]], [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Sign. Clm 10376], Nr. 6, Bl. 1r). Sein Sohn schreibt: &#039;&#039;Anno. 1522. Ipse tertiana febri laboravit: venitque febricitans in patriam mense Septembri&#039;&#039; (ebd. Nr. 8, Bl. 5r). Vgl. auch ebd. Nr. 5, Bl. 1v und Nr. 7. Am 23.8.1523 war er noch in Bamberg: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 287.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1522/09&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1523/08/23&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wittenberg]] (24.8.1525). Auf seiner Reise nach Preußen machte Camerarius bei Melanchthon Station: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=416 MBW Nr. 416.3].&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wittenberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1525/08/24&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Flucht vor Bestrafung wegen des Bauernkrieges?&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* Preußen (1525) zusammen mit [[Jakob Fuchs von Walburg]]; belegt in [[München, BSB]], Sign. [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Clm 10376] Nr. 8, Bl. 5v. Bei seiner Rückkehr traf Camerarius im Oktober Melanchthon in Wittenberg (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=426 MBW Nr. 426]); lehnte dessen Nachfolge als Gräzistikprofessor ab ([[Hamm 2011]], Sp. 426)&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Preußen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1525/09&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1525/10&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Bauernkrieg&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Zeitz]] (Okt. 1525) zusammen mit [[Philipp Melanchthon]]; belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 428. 430 (Ph. Mel. ab 12.11.25 in Nürnberg)&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Zeitz&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1525/10/21&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1525/11/11&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Reise nach Nürnberg; Besuch bei Julius Pflug&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Eisleben]] (Ende Nov. 1526) ; belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 511-513&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Eisleben&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1526/11/25&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1526/11/30&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Spanische Gesandtschaft&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Esslingen]] (Dez. 1526) zusammen mit [[Philipp Melanchthon]]; belegt in [[Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566]], S. 106 f.; vgl. [[Schmitt 2003]], S. 318 f.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Esslingen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1526/12&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1526/12&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Spanische Gesandtschaft&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Donauwörth]] (ca. Juni 1527); belegt in [https://www.aerztebriefe.de/id/00013046 www.aerztebriefe.de/id/00013046]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Donauwörth&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1527/06&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1527/06&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Aufenthalt auf dem Tag des Schwäbischen Bundes, um Fürsprache für seinen inhaftierten Bruder [[Hieronymus Camerarius]] einzulegen.&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Unterwegs entstand [[OCEp 0129]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Speyer]] (zwischen 30.03. und 04.04.1529); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 765 und Nr. 768 sowie in [[Werner 2010]], S. 105. Vgl. auch [[München, BSB]], [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Sign. Clm 10376], Nr. 6, Bl. 1r.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Speyer&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1529/03/30&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1529/04/04&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besuch [[Philipp Melanchthon]]s auf dem [[Reichstag 1529 (Speyer)]].&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Camerarius blieb nur kurz in Speyer und verließ die Stadt lange vor der Protestation; siehe demnächst die CamLex-Seite Theologie.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Ansbach]] (zwischen 04.04. und 15.04.1529); belegt in [[OCEp 0982]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Ansbach&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1529/04/04&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1529/04/15&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Durchreise nach (Nürnberg)&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Auf der Reise traf Camerarius Georg Vogler. Genaues Datum unsicher (vor 07.05.1529)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Tübingen]] (am 04.09.1536); belegt in [[OCEp 0463]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Tübingen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1536/09/24&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1536/09/24&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wittenberg]] (zwischen 27.10.1538 und 29.11.1538); Reise über [[Erfurt]] und [[Würzburg]] nachvollzogen in [[Medizin (CamLex)#Die Leidensgeschichte|Medizin (CamLex)]] und einer Fußnote in [[Naturkunde (CamLex)]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wittenberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1538/10/27&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1538/11/29&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besuch bei Melanchthon&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Auf der Reise legte Camerarius Stopps in Erfurt und Würzburg ein&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bad Königshofen]] (Anfang 1540, wohl zumindest Februar), um dort einen Chirurgen zu besuchen; belegt in [[OCEp 1017]] an Daniel Stiebar vom 7. März. Vgl. auch [[Medizin (CamLex)#Bad und Holz – Behandlungsversuche|Medizin (CamLex)]].&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bad Königshofen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1540/02&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Chirurgenbesuch&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wildbad]] (im März 1541); belegt in [[OCEp 1258]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wildbad&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1541/03&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Camerarius will am 23.03.1541 zu den Thermalquellen von Bad Wildbad aufbrechen&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Dresden]] Camerarius war am 01.04.1543 im Rahmen einer Universitätsdelegation in Dresden, vgl. [[Woitkowitz 2007]], S.105. Die Rückkehr fand am Montag nach Ostern statt (09.04.), vgl. [[Zarncke 1859]], S. 148.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Dresden&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1543-04-01&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1543-04-09&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Camerarius war am 01.04.1543 in Dresden, vgl. [[Woitkowitz 2007]], S.105. Die Rückkehr fand am Montag nach Ostern statt (09.04.), vgl. [[Zarncke 1859]], S. 148.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Würzburg]] (17.10.-03.12.1544); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 3711 (dat. 16.10.: &amp;quot;morgen Abreise&amp;quot;), MBW 3715 (dat. 18.10.). Die Rückkehr vor dem 03.12.1544 belegt [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 3747. Der in [[OCEp 0198]] anklingende Würzburgaufenthalt um den 14.10. beruht vermutlich auf falscher Datierung.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Würzburg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1544/10/17&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1544/12/03&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wittenberg]] (September / Oktober 1545); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 4031&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wittenberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1545/09&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1529/10&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Meißen]] (zwischen April und August 1546); belegt in [[OCEp 1440]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Meißen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1546/04&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1546/08&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besuch bei Georg Fabricius&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Bei einem Besuch bei Fabricius in Meißen erhält Camerarius eine Vergilhandschrift, die er für die bereits geplante Gesamtausgabe (Leipzig: Valentin Bapst d.Ä. 1546; Dedikation vom 25.09.) beizog. Möglicherweise könnte Camerarius zwischen April und August 1546 in Meißen gewesen sein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Schleusingen]] (zwischen 15.03. und 30.03.1547); belegt in [[OCEp 0330]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Schleusingen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1547/03/15&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1547/03/30&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Flucht von Leipzig über Merseburg, Erfurt, Schleusingen nach Würzburg, später weiter nach Nürnberg&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Exakte Tage sind geschätzt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Altzella]] (ca. 17.-22.11.1548); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5350 MBW Nr. 5350]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Altzella&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1548/11/17&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1548/11/22&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Treffen der Theologen und C.&#039; zur Erarbeitung einer Kirchenagende&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Vgl. [[Wartenberg 2006]], S. 22-25, [[Issleib 1907]], S. 194, [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5345 MBW Nr. 5345] und 5350-5359.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Jüterbog]] (16. und 17.12.1548); belegt in [[OCEp 0648]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Jüterbog&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1548/12/16&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1548/12/17&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besprechung der Kurfürsten und Brandenburg zum Interim&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Vgl. Wartenberg 2006, S. 25, Issleib 1907, S. 194, [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5372 MBW Nr. 5372]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (2. Hälfte Juli, Anfang August 1549); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5587 MBW Nr. 5587], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5594 5594] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5607 5607]. Stationen der Reise waren wohl auch [[Erwähnter Ort::Merseburg]], [[Erwähnter Ort::Würzburg]] und [[Erwähnter Ort::Nürnberg]].&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1549/07/20&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1549/08/10&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besuch bei Daniel Stiebar in Würzburg, der um seine Frau trauert. &lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Erschlossen durch MBW. Daten des Aufenthalts geschätzt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Dresden]] (zwischen 10.2.1551 und 6.4.1551); belegt im Brief Johann Pfeffingers an Wolfgang Furmann vom 9.2.1551 (https://www.aerztebriefe.de/id/00065245); s. auch den folgenden Eintrag zu Tübingen.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Dresden&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1551/02/10&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1551/04&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Aufforderung zur Anreise seitens des Hofes&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Camerarius brach am 10.2. auf und wurde von Mag. Johannes (Hommel) begleitet.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Tübingen]] (zwischen 07.04. und 14.04.1551); belegt in https://thbw.hadw-bw.de/brief/15094 und https://thbw.hadw-bw.de/brief/15263. Am 26.4.1551 war Camerarius wieder in Leipzig: https://www.aerztebriefe.de/id/00065251.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Tübingen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1551/04/07&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1551/04/14&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Beratungen mit Johann Brenz&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Augsburg]] (Februar 1553); belegt in den biographischen Notizen des [[Joachim Camerarius II.]] ([[München, BSB]], [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Sign. BSB Clm 10376], Nr. 8, Bl. 11v); vgl. auch [[Woitkowitz 2003]], 265 zur genaueren Datierung auf die zweite Februarhälfte zusammen mit [[OCEp 1085]], der (höchstwahrscheinlich) die Abreise aus Nürnberg zum 18. und die Rückkehr zum 25. Februar belegt.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Augsburg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1553/02/18&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1553/02/25&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Regensburg]] (28.10.1556); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8008 MBW Nr. 8008]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Regensburg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1556/10/28&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1556/10/29&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Teilnahme am Reichstag in Regensburg&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Abreise aus Leipzig am 14.10. Nach dem 28.10. Weiterreise nach Nürnberg. Am 23.12. war C. wieder in Regensburg (vgl. [[OCEp 0688]]).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Heidelberg]] (27.10. bis mindestens 29.10.1557); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8409 MBW Nr. 8409]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Heidelberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1557/10/27&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1557/10/29&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=C. überbringt [[Philipp Melanchthon]] die Nachricht vom Tod dessen Frau [[Katharina Melanchthon]] (am 10.10.).&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=C. reiste zunächst nach [[Worms]], wo Melanchthon auf einem Religionsgespräch weilte. Jedoch hielt er sich zwischendurch in Heidelberg auf, um bei der Reformierung der Universität mitzuwirken. Die genaue Reiseroute zeichnet C. in [[OCEp 1521]] nach: Entlang von Saale und Unstrut durch Thüringen, Hessen (Ziegenhain, Marburg, Frankfurt) an den Rhein nach Worms, dann nach Heidelberg. Rückreise am Rhein(?) über Erbach(?), nach drei Tagen in Würzburg, dann Bamberg, Nürnberg, zur Eger und über Joachimsthal, Annaberg, Chemnitz und Penig nach Leipzig.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wittenberg]] (Anfang Dezember 1557); gemeinsame Anreise mit [[Joachim Camerarius II.]]: [https://www.aerztebriefe.de/id/00009865 Ärztebriefe, Nr. 9865]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wittenberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1557/12&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1557/12&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Jahr ermittelt trotz einiger scheinbar widersprechender Fakten, s. Ärztebriefe wie angegeben &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Naumburg (Saale)]] (zwischen 20.1. und 31.1.1561, während des Fürstentags); belegt in [[OCEp 1160]] und [https://www.aerztebriefe.de/id/00029588 Ärztebriefe, Nr. 29588]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Naumburg (Saale)&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1561/01/20&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1561/01/31&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (September bis 8. Oktober 1563, mit Abstecher nach Nürnberg); belegt in [[OC 0728]], [[OCEp 1123]] und [[OCEp 1495]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1563/09&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1563/10/08&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Aufenthalt in der Heimat, zwischendurch Abstecher nach Nürnberg, wo er die Reise seines Sohnes [[Philipp Camerarius]] nach Italien vorbereitet. C. reist dann mit seinem Sohn ([[Joachim Camerarius II.]]?) wegen der Grumbach&#039;schen Händel wieder nach Leipzig, wobei er Rabeneck(?) bei Familie Stiebar und in [[Schleiz]] bei [[Heinrich VI. (Plauen)]] einkehrt.&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Das Abreisedatum ist belegt durch [[OC 0728]], Bl. A3r-v: &#039;&#039;Consequitur quae lux octobres postera Nonas: Tunc ergo nostris rebus patriaque relictis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Jena]] (am 15.07.1564), belegt in [[OC 0748]].&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1564/07/15&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1564/07/15&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Teilnahme an der Magisterpromotion, C. respondiert auf eine Frage: S. [[OC 0748]].&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=C. war bereits für den 10.7. zur Doktorpromotion Stössels nach Jena eingeladen: Vgl. Daniel Gehrt, Ein Intermezzo der Eintracht? In: Daniel Gehrt, Volker Leppin: Paul Eber (1511 – 1569). Humanist und Theologe der zweiten Generation der Wittenberger Reformation. Leipzig 2014, S. 83-133, hier S. 109-110. Es ist nicht klar, ob er daran auch schon teilnahm, denn dann gäbe es Differenzen mit der Datierung von [[OCEp 0748]].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Würzburg]] (bis ca. 10.05.1566); belegt in [[OCEp 1181]] (dat. 11.05.1566): Nach der Rückkehr aus Würzburg sei am Vortag Camerarius&#039; Urin blutig gewesen&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Würzburg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1566/05/11&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (31.03.1567-ca. 06.04.1567); belegt in [[OCEp 1190]] (dat. 11.04.1567); vgl. auch [[Medizin (CamLex)]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1567/03/31&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1567/04/06&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Nürnberg]] (07.04.1567- 11.06.1567); belegt u.a. in [[OCEp 1190]] (dat. 11.04.1567), [[OCEp 0531]] (dat. 12.04.1567) und [[OCEp 1141]]; vgl. auch [[Medizin (CamLex)]] und [[Itinerar]]. Die Abreise aus Nürnberg über Bamberg am 11. Juni belegen http://www.aerztebriefe.de/id/00009815 vom 07.06.1567 aus Nürnberg [[OCEp 1141]] vom 12.06.1567 aus Bamberg sowie ein Brief des Joachim Camerarius d.J. an seinen Bruder Philipp vom 21. Juni: http://www.aerztebriefe.de/id/00014915. Rückkehr nach Leipzig bis spätestens 07.08.1567, wie [[OCEp 0961]] bezeugt (im Druck auf 1566 datiert, aber wohl auf 1567 umzudatieren)&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Nürnberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1567/04/07&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1567/06/11&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (11.06.1567- 23.06.1567); ein Brief des Joachim Camerarius d.J. an seinen Bruder Philipp vom 21. Juni ( http://www.aerztebriefe.de/id/00014915) belegt den Plan, am 23. Juni nach Leipzig zurückzukehren. Gesichert ist die Rückkehr nach Leipzig bis spätestens 07.08.1567, wie [[OCEp 0961]] bezeugt (im Druck auf 1566 datiert, aber wohl auf 1567 umzudatieren)&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1567/06/11&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1567/06/23&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Grimma]] (Ankunft am 06.07.1568, belegt in [[Meyer 1897]], S. 221; Reise allgemein belegt in [[OCEp 1191]])&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Grimma&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1568/07/06&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1568/07&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Schulinspektion&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wien]] (Ankunft am 08. oder 09.09.1568; belegt in [[OCEp 1231]], [[OCEp 0965]]. Abreise frühestens am 24. November 1568, vgl. C.&#039; Reisebericht und [[OCEp 0923]])&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wien&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1568/09/08&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1568/11/24&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Religionsgespräch zur Erstellung einer Kirchenordnung für die evangelischen Landstände Österreichs&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=C. reiste mit seinem Sohn Ludwig nach Wien; [[Christoph von Karlowitz]] kam später nach. Die Reise beanspruchte C.&#039; angeschlagene Gesundheit sehr. Das Abreisedatum ist nicht exakt terminierbar. Literatur zur Reise: [[Forschungsliteratur::Otto 1889]], S. 30-32; [[Forschungsliteratur::Woitkowitz 2003]], S. 58; [[Forschungsliteratur::Wendorf 1957]], S. 81-83. Dresden, HStA 10024, Loc. 9936/53: Darin eigenhändiger Bericht C.&#039; Bl. 4r-8v.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Dresden]] ab 10.12.1568 bis max. 13.12., belegt in [[OCEp 0538]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Dresden&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1568/12/10&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1568/12/11&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=C. und sein Sohn Ludwig suchten auf dem Rückweg von Wien Kf. August auf, um ihm vom Religionsgespräch zu berichten.&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Weiterreise über Meißen nach Leipzig, dort Ankunft um den 14.12.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Erschlossene_Aufenthaltsorte_des_Camerarius&amp;diff=132671</id>
		<title>Erschlossene Aufenthaltsorte des Camerarius</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Erschlossene_Aufenthaltsorte_des_Camerarius&amp;diff=132671"/>
		<updated>2025-10-16T07:22:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite führt chronologisch solche Aufenthalte des Camerarius auf, die durch seine eigenen Berichte oder durch Dokumente außerhalb von Camerarius&#039; Werk belegt sind. Vgl. auch das [[Itinerar]], das diese mit den Informationen über die Absendeorte von Camerarius&#039; Briefen zusammenführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;private&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf dieser Seite sollen zentral Aufenthaltsorte definiert werden, die nicht Briefabsendeort sind. Verwende dazu das folgende Muster:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Ansbach]] (zwischen 04.04. und 15.04.1529); belegt in [[OCEp 0982]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Ansbach&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1529/04/04&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1529/04/15&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Durchreise nach (Nürnberg)&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Auf der Reise traf Camerarius Georg Vogler. Genaues Datum unsicher (vor 07.05.1529)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bitte um chronologische Anordnung bemühen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beachte: Nur der jetzt folgende Text ist öffentlich! Dies sollte auch so bleiben, da die entsprechenden Notizen im Itinerar nur diese Seite als Belegstelle geben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufenthaltsorte===&lt;br /&gt;
* [[Leipzig]] (Ostern (25.03.) 1513), Camerarius notiert: &#039;&#039;Anno 1513: ad nundinas Lipsenses circa Pascha veni Lipsiam&#039;&#039; ([[München, BSB]], [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Sign. Clm 10376], Nr. 5, Bl. 1v), &#039;&#039;1513 M[ense] Aprili veni Lipsiam&#039;&#039; (ebd. Nr. 6, Bl. 1r) und &#039;&#039;Anno 1513 ad nundinas Lipsenses Paschatis veni Lipsiam&#039;&#039; (ebd., Nr. 7, Bl. 1r).&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Leipzig&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1513/04&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Erfurt]]: Camerarius studierte dort seit dem Sommersemester 1518 (vgl. [[Weissenborn 1884]], S. 302) und schloss seinen Magister ab. Am 14.3.1521 war er noch in Erfurt (vgl. [[Clemen 1907a]]). Am 14.9.1521 immatrikulierte er sich in [[Wittenberg]] ([[Förstemann 1841]], S. 107).&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Erfurt&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1518&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1521/03/14&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Studium&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Auf der Reise traf Camerarius Georg Vogler. Genaues Datum unsicher (vor 07.05.1529)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (September 1522), vielleicht wegen Fieber: Camerarius notiert: &#039;&#039;1522: mea febris in Iulio veni febricitans in patriam mense septembri&#039;&#039; ([[München, BSB]], [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Sign. Clm 10376], Nr. 6, Bl. 1r). Sein Sohn schreibt: &#039;&#039;Anno. 1522. Ipse tertiana febri laboravit: venitque febricitans in patriam mense Septembri&#039;&#039; (ebd. Nr. 8, Bl. 5r). Vgl. auch ebd. Nr. 5, Bl. 1v und Nr. 7. Am 23.8.1523 war er noch in Bamberg: Vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 287.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1522/09&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1523/08/23&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* Preußen (1525) zusammen mit [[Jakob Fuchs von Walburg]]; belegt in [[München, BSB]], Sign. [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Clm 10376] Nr. 8, Bl. 5v. Bei seiner Rückkehr traf Camerarius im Oktober Melanchthon in Wittenberg; lehnte dessen Nachfolge als Gräzistikprofessor ab ([[Hamm 2011]], Sp. 426)&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Preußen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1525&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1525/10&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Bauernkrieg&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Zeitz]] (Okt. 1525) zusammen mit [[Philipp Melanchthon]]; belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 428. 430 (Ph. Mel. ab 12.11.25 in Nürnberg)&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Zeitz&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1525/10/21&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1525/11/11&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Reise nach Nürnberg; Besuch bei Julius Pflug&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Eisleben]] (Ende Nov. 1526) ; belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 511-513&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Eisleben&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1526/11/25&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1526/11/30&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Spanische Gesandtschaft&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Esslingen]] (Dez. 1526) zusammen mit [[Philipp Melanchthon]]; belegt in [[Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566]], S. 106 f.; vgl. [[Schmitt 2003]], S. 318 f.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Esslingen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1526/12&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1526/12&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Spanische Gesandtschaft&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Donauwörth]] (ca. Juni 1527); belegt in [https://www.aerztebriefe.de/id/00013046 www.aerztebriefe.de/id/00013046]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Donauwörth&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1527/06&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1527/06&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Aufenthalt auf dem Tag des Schwäbischen Bundes, um Fürsprache für seinen inhaftierten Bruder [[Hieronymus Camerarius]] einzulegen.&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Unterwegs entstand [[OCEp 0129]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Speyer]] (zwischen 30.03. und 04.04.1529); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 765 und Nr. 768 sowie in [[Werner 2010]], S. 105. Vgl. auch [[München, BSB]], [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Sign. Clm 10376], Nr. 6, Bl. 1r.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Speyer&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1529/03/30&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1529/04/04&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besuch [[Philipp Melanchthon]]s auf dem [[Reichstag 1529 (Speyer)]].&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Camerarius blieb nur kurz in Speyer und verließ die Stadt lange vor der Protestation; siehe demnächst die CamLex-Seite Theologie.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Ansbach]] (zwischen 04.04. und 15.04.1529); belegt in [[OCEp 0982]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Ansbach&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1529/04/04&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1529/04/15&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Durchreise nach (Nürnberg)&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Auf der Reise traf Camerarius Georg Vogler. Genaues Datum unsicher (vor 07.05.1529)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Tübingen]] (am 04.09.1536); belegt in [[OCEp 0463]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Tübingen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1536/09/24&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1536/09/24&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wittenberg]] (zwischen 27.10.1538 und 29.11.1538); Reise über [[Erfurt]] und [[Würzburg]] nachvollzogen in [[Medizin (CamLex)#Die Leidensgeschichte|Medizin (CamLex)]] und einer Fußnote in [[Naturkunde (CamLex)]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wittenberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1538/10/27&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1538/11/29&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besuch bei Melanchthon&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Auf der Reise legte Camerarius Stopps in Erfurt und Würzburg ein&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bad Königshofen]] (Anfang 1540, wohl zumindest Februar), um dort einen Chirurgen zu besuchen; belegt in [[OCEp 1017]] an Daniel Stiebar vom 7. März. Vgl. auch [[Medizin (CamLex)#Bad und Holz – Behandlungsversuche|Medizin (CamLex)]].&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bad Königshofen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1540/02&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Chirurgenbesuch&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wildbad]] (im März 1541); belegt in [[OCEp 1258]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wildbad&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1541/03&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Camerarius will am 23.03.1541 zu den Thermalquellen von Bad Wildbad aufbrechen&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Dresden]] Camerarius war am 01.04.1543 im Rahmen einer Universitätsdelegation in Dresden, vgl. [[Woitkowitz 2007]], S.105. Die Rückkehr fand am Montag nach Ostern statt (09.04.), vgl. [[Zarncke 1859]], S. 148.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Dresden&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1543-04-01&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1543-04-09&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Camerarius war am 01.04.1543 in Dresden, vgl. [[Woitkowitz 2007]], S.105. Die Rückkehr fand am Montag nach Ostern statt (09.04.), vgl. [[Zarncke 1859]], S. 148.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Würzburg]] (17.10.-03.12.1544); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 3711 (dat. 16.10.: &amp;quot;morgen Abreise&amp;quot;), MBW 3715 (dat. 18.10.). Die Rückkehr vor dem 03.12.1544 belegt [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 3747. Der in [[OCEp 0198]] anklingende Würzburgaufenthalt um den 14.10. beruht vermutlich auf falscher Datierung.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Würzburg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1544/10/17&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1544/12/03&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wittenberg]] (September / Oktober 1545); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regesten.html MBW - Regesten online], Nr. 4031&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wittenberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1545/09&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1529/10&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Meißen]] (zwischen April und August 1546); belegt in [[OCEp 1440]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Meißen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1546/04&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1546/08&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besuch bei Georg Fabricius&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Bei einem Besuch bei Fabricius in Meißen erhält Camerarius eine Vergilhandschrift, die er für die bereits geplante Gesamtausgabe (Leipzig: Valentin Bapst d.Ä. 1546; Dedikation vom 25.09.) beizog. Möglicherweise könnte Camerarius zwischen April und August 1546 in Meißen gewesen sein.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Schleusingen]] (zwischen 15.03. und 30.03.1547); belegt in [[OCEp 0330]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Schleusingen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1547/03/15&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1547/03/30&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Flucht von Leipzig über Merseburg, Erfurt, Schleusingen nach Würzburg, später weiter nach Nürnberg&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Exakte Tage sind geschätzt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Altzella]] (ca. 17.-22.11.1548); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5350 MBW Nr. 5350]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Altzella&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1548/11/17&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1548/11/22&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Treffen der Theologen und C.&#039; zur Erarbeitung einer Kirchenagende&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Vgl. [[Wartenberg 2006]], S. 22-25, [[Issleib 1907]], S. 194, [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5345 MBW Nr. 5345] und 5350-5359.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Jüterbog]] (16. und 17.12.1548); belegt in [[OCEp 0648]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Jüterbog&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1548/12/16&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1548/12/17&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besprechung der Kurfürsten und Brandenburg zum Interim&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Vgl. Wartenberg 2006, S. 25, Issleib 1907, S. 194, [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5372 MBW Nr. 5372]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (2. Hälfte Juli, Anfang August 1549); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5587 MBW Nr. 5587], [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5594 5594] und [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=5607 5607]. Stationen der Reise waren wohl auch [[Erwähnter Ort::Merseburg]], [[Erwähnter Ort::Würzburg]] und [[Erwähnter Ort::Nürnberg]].&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1549/07/20&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1549/08/10&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Besuch bei Daniel Stiebar in Würzburg, der um seine Frau trauert. &lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Erschlossen durch MBW. Daten des Aufenthalts geschätzt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Dresden]] (zwischen 10.2.1551 und 6.4.1551); belegt im Brief Johann Pfeffingers an Wolfgang Furmann vom 9.2.1551 (https://www.aerztebriefe.de/id/00065245); s. auch den folgenden Eintrag zu Tübingen.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Dresden&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1551/02/10&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1551/04&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Aufforderung zur Anreise seitens des Hofes&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Camerarius brach am 10.2. auf und wurde von Mag. Johannes (Hommel) begleitet.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Tübingen]] (zwischen 07.04. und 14.04.1551); belegt in https://thbw.hadw-bw.de/brief/15094 und https://thbw.hadw-bw.de/brief/15263. Am 26.4.1551 war Camerarius wieder in Leipzig: https://www.aerztebriefe.de/id/00065251.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Tübingen&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1551/04/07&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1551/04/14&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Beratungen mit Johann Brenz&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Augsburg]] (Februar 1553); belegt in den biographischen Notizen des [[Joachim Camerarius II.]] ([[München, BSB]], [https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00111092-3 Sign. BSB Clm 10376], Nr. 8, Bl. 11v); vgl. auch [[Woitkowitz 2003]], 265 zur genaueren Datierung auf die zweite Februarhälfte zusammen mit [[OCEp 1085]], der (höchstwahrscheinlich) die Abreise aus Nürnberg zum 18. und die Rückkehr zum 25. Februar belegt.&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Augsburg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1553/02/18&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1553/02/25&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Regensburg]] (28.10.1556); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8008 MBW Nr. 8008]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Regensburg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1556/10/28&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1556/10/29&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Teilnahme am Reichstag in Regensburg&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Abreise aus Leipzig am 14.10. Nach dem 28.10. Weiterreise nach Nürnberg. Am 23.12. war C. wieder in Regensburg (vgl. [[OCEp 0688]]).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Heidelberg]] (27.10. bis mindestens 29.10.1557); belegt in [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=8409 MBW Nr. 8409]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Heidelberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1557/10/27&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1557/10/29&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=C. überbringt [[Philipp Melanchthon]] die Nachricht vom Tod dessen Frau [[Katharina Melanchthon]] (am 10.10.).&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=C. reiste zunächst nach [[Worms]], wo Melanchthon auf einem Religionsgespräch weilte. Jedoch hielt er sich zwischendurch in Heidelberg auf, um bei der Reformierung der Universität mitzuwirken. Die genaue Reiseroute zeichnet C. in [[OCEp 1521]] nach: Entlang von Saale und Unstrut durch Thüringen, Hessen (Ziegenhain, Marburg, Frankfurt) an den Rhein nach Worms, dann nach Heidelberg. Rückreise am Rhein(?) über Erbach(?), nach drei Tagen in Würzburg, dann Bamberg, Nürnberg, zur Eger und über Joachimsthal, Annaberg, Chemnitz und Penig nach Leipzig.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wittenberg]] (Anfang Dezember 1557); gemeinsame Anreise mit [[Joachim Camerarius II.]]: [https://www.aerztebriefe.de/id/00009865 Ärztebriefe, Nr. 9865]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wittenberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1557/12&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1557/12&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Jahr ermittelt trotz einiger scheinbar widersprechender Fakten, s. Ärztebriefe wie angegeben &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Naumburg (Saale)]] (zwischen 20.1. und 31.1.1561, während des Fürstentags); belegt in [[OCEp 1160]] und [https://www.aerztebriefe.de/id/00029588 Ärztebriefe, Nr. 29588]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Naumburg (Saale)&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1561/01/20&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1561/01/31&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (September bis 8. Oktober 1563, mit Abstecher nach Nürnberg); belegt in [[OC 0728]], [[OCEp 1123]] und [[OCEp 1495]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1563/09&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1563/10/08&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Aufenthalt in der Heimat, zwischendurch Abstecher nach Nürnberg, wo er die Reise seines Sohnes [[Philipp Camerarius]] nach Italien vorbereitet. C. reist dann mit seinem Sohn ([[Joachim Camerarius II.]]?) wegen der Grumbach&#039;schen Händel wieder nach Leipzig, wobei er Rabeneck(?) bei Familie Stiebar und in [[Schleiz]] bei [[Heinrich VI. (Plauen)]] einkehrt.&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Das Abreisedatum ist belegt durch [[OC 0728]], Bl. A3r-v: &#039;&#039;Consequitur quae lux octobres postera Nonas: Tunc ergo nostris rebus patriaque relictis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Jena]] (am 15.07.1564), belegt in [[OC 0748]].&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1564/07/15&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1564/07/15&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Teilnahme an der Magisterpromotion, C. respondiert auf eine Frage: S. [[OC 0748]].&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=C. war bereits für den 10.7. zur Doktorpromotion Stössels nach Jena eingeladen: Vgl. Daniel Gehrt, Ein Intermezzo der Eintracht? In: Daniel Gehrt, Volker Leppin: Paul Eber (1511 – 1569). Humanist und Theologe der zweiten Generation der Wittenberger Reformation. Leipzig 2014, S. 83-133, hier S. 109-110. Es ist nicht klar, ob er daran auch schon teilnahm, denn dann gäbe es Differenzen mit der Datierung von [[OCEp 0748]].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Würzburg]] (bis ca. 10.05.1566); belegt in [[OCEp 1181]] (dat. 11.05.1566): Nach der Rückkehr aus Würzburg sei am Vortag Camerarius&#039; Urin blutig gewesen&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Würzburg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1566/05/11&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (31.03.1567-ca. 06.04.1567); belegt in [[OCEp 1190]] (dat. 11.04.1567); vgl. auch [[Medizin (CamLex)]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1567/03/31&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1567/04/06&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Nürnberg]] (07.04.1567- 11.06.1567); belegt u.a. in [[OCEp 1190]] (dat. 11.04.1567), [[OCEp 0531]] (dat. 12.04.1567) und [[OCEp 1141]]; vgl. auch [[Medizin (CamLex)]] und [[Itinerar]]. Die Abreise aus Nürnberg über Bamberg am 11. Juni belegen http://www.aerztebriefe.de/id/00009815 vom 07.06.1567 aus Nürnberg [[OCEp 1141]] vom 12.06.1567 aus Bamberg sowie ein Brief des Joachim Camerarius d.J. an seinen Bruder Philipp vom 21. Juni: http://www.aerztebriefe.de/id/00014915. Rückkehr nach Leipzig bis spätestens 07.08.1567, wie [[OCEp 0961]] bezeugt (im Druck auf 1566 datiert, aber wohl auf 1567 umzudatieren)&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Nürnberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1567/04/07&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1567/06/11&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Bamberg]] (11.06.1567- 23.06.1567); ein Brief des Joachim Camerarius d.J. an seinen Bruder Philipp vom 21. Juni ( http://www.aerztebriefe.de/id/00014915) belegt den Plan, am 23. Juni nach Leipzig zurückzukehren. Gesichert ist die Rückkehr nach Leipzig bis spätestens 07.08.1567, wie [[OCEp 0961]] bezeugt (im Druck auf 1566 datiert, aber wohl auf 1567 umzudatieren)&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Bamberg&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1567/06/11&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1567/06/23&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Grimma]] (Ankunft am 06.07.1568, belegt in [[Meyer 1897]], S. 221; Reise allgemein belegt in [[OCEp 1191]])&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Grimma&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1568/07/06&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1568/07&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Schulinspektion&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Wien]] (Ankunft am 08. oder 09.09.1568; belegt in [[OCEp 1231]], [[OCEp 0965]]. Abreise frühestens am 24. November 1568, vgl. C.&#039; Reisebericht und [[OCEp 0923]])&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Wien&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1568/09/08&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1568/11/24&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=Religionsgespräch zur Erstellung einer Kirchenordnung für die evangelischen Landstände Österreichs&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=ja&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=C. reiste mit seinem Sohn Ludwig nach Wien; [[Christoph von Karlowitz]] kam später nach. Die Reise beanspruchte C.&#039; angeschlagene Gesundheit sehr. Das Abreisedatum ist nicht exakt terminierbar. Literatur zur Reise: [[Forschungsliteratur::Otto 1889]], S. 30-32; [[Forschungsliteratur::Woitkowitz 2003]], S. 58; [[Forschungsliteratur::Wendorf 1957]], S. 81-83. Dresden, HStA 10024, Loc. 9936/53: Darin eigenhändiger Bericht C.&#039; Bl. 4r-8v.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
* [[Dresden]] ab 10.12.1568 bis max. 13.12., belegt in [[OCEp 0538]]&lt;br /&gt;
{{Itinerar&lt;br /&gt;
|ItinerarOrt=Dresden&lt;br /&gt;
|AufenthaltBeginn=1568/12/10&lt;br /&gt;
|AufenthaltEnde=1568/12/11&lt;br /&gt;
|Grund des Aufenthalts=C. und sein Sohn Ludwig suchten auf dem Rückweg von Wien Kf. August auf, um ihm vom Religionsgespräch zu berichten.&lt;br /&gt;
|AngabeGesichert‎=nein&lt;br /&gt;
|Anmerkungen=Weiterreise über Meißen nach Leipzig, dort Ankunft um den 14.12.&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Proposita,_1570&amp;diff=132589</id>
		<title>Camerarius, Proposita, 1570</title>
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		<updated>2025-10-13T13:21:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0835&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1570&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Das Druckjahr ist gesichert (Titelblatt). Terminus post quem ist Ostern 1570 (26.03.1570).&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1570/03/26&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1570/12/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Proposita annis compluribus Academiae Lipsicae antiqua consuetudine, diebus praecipus festis (...) conveniente serie disposita&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Festreden der Leipziger Rektoren vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die von Joachim Camerarius geschrieben wurden. Die Reden umfassen den Zeitraum von Weihnachten 1552 bis Ostern 1570.&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Universität Leipzig, Proposita, 1570]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Notizen=Die Briefe sollten noch einzeln angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:21, 13. Okt. 2025 (CEST) Sind das wirklich Reden oder nicht eher Scripta publice proposita? Siehe meine Notizen zum Druck.&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=MG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
Die Autorschaft des Camerarius wird durch den die Sammlung einleitenden Widmungsbrief seines Sohnes [[Herausgeber von JC::Ludwig Camerarius|Ludwig]] gesichert, der die Reden in den Aufzeichnungen seines Vaters gefunden, geordnet und herausgegeben hat.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Camerarius bekleidete selbst das Rektorenamt im Sommersemester 1558.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Oratio_pronuntiata_conventu_sollenni_brumalis_temporis_instituto_antiquo_Academiae_Lipsicae,_1569&amp;diff=132588</id>
		<title>Camerarius, Oratio pronuntiata conventu sollenni brumalis temporis instituto antiquo Academiae Lipsicae, 1569</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Oratio_pronuntiata_conventu_sollenni_brumalis_temporis_instituto_antiquo_Academiae_Lipsicae,_1569&amp;diff=132588"/>
		<updated>2025-10-13T13:18:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0829&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1569&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung nach dem Erstdruck. Gehalten wurde die Rede bereits zu Weihnachten 1565.&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1569/08/25&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1569/12/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Oratio pronuntiata conventu sollenni brumalis temporis instituto antiquo Academiae Lipsicae&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Leichenrede auf Alexander von Sachsen, den jung verstorbenen Sohn Augusts von Sachen.&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede; Epicedium; Türkenkriege/Türkengefahr; Theologie; Nachruf&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Orationes funebres, 1569]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:18, 13. Okt. 2025 (CEST) Prüfen, ob [[Universität Leipzig, Proposita, 1570]] wirklich Reden enthält oder nicht eher Texte fürs &amp;quot;Schwarze Brett&amp;quot;. In letzterem Fall wäre zu prüfen, ob es überhaupt Reden zu den Hochfesten gab; dann wäre diese Rede evtl. doch etwas Einzigartiges und ihre Positionierung gegenüber den Moritz-Reden neu zu bedenken.&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Gedenkrede auf den Kurprinzen [[Nachruf auf::Alexander von Sachsen]], den jung verstorbenen Sohn des Kurfürsten August von Sachen.&lt;br /&gt;
Sie wurde zu Weihnachten 1565 als Universitätsrede gehalten. Diese Reden fanden dreimal jährlich an der [[Universität (Leipzig)]] statt (vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten). Somit ist das Gedenken in die normale Festveranstaltung eingebaut und stellt keinen eigenen Festakt dar, anders als die Gedenkreden auf [[Moritz (Sachsen)]] im selben Band. Diese Rede übertrifft allerdings die üblichen Rektorenreden zu den Hochfesten, von denen Camerarius auch [[Universität Leipzig, Proposita, 1570|zahlreiche verfasst hat]], um ein Vielfaches. Zunächst beginnt die Rede auch mit einigen Ausführungen zum Weihnachtsfest, bezugnehmend auf das Lukasevangelium. Der dort verkündeten Freude über die Geburt von Gottes Sohn wird später (ab S. 339) die Trauer über den Tod des Kurfürstensohnes antithetisch gegenübergestellt – nicht ohne vorher noch auf den Tod seines Onkels, des Kurfürsten Moritz (S. 337f.), hinzuweisen. Für dessen Bruder und Nachfolger [[August (Sachsen)|August]] wird die Situation der Regierungsübernahme mit Metaphern aus dem Bereich der Seefahrt beschrieben. Der Wind war anfangs günstig: nach Augusts Regierungsantritt im Juli 1553 vergingen nur wenige Monate, bevor ihm im Februar 1554 der präsumptive Thronfolger Alexander geboren wurde, der auch die gefährlichen ersten Lebensjahre überstand. Die bösen &#039;&#039;fata&#039;&#039; vergleicht Camerarius mit vergilianischen Versen. Auf ein kurzes Epicedium (S. 343) folgt ein dichterischer Nachruf (S. 343-345) in 27 elegischen Distichen. Darin wird kaum etwas über das Leben des verstorbenen Kurprinzen ausgesagt, wenig über seinen Tod und mehr über die Trauer der Hinterbliebenen. Er erscheint, ohne die Rede, erneut in [[Hempel, Descriptio, 1604]], S. 42-45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anschluss behandelt die Rede Zeitgeschichtliches (Belagerung der Insel Malta, S. 347f.) ebenso wie Philosophisches und Theologisches, mit Bezug auf Augustinus, [[Erwähnte Person::König David]], besonders häufig aber den Apostel [[Erwähnte Person::Paulus]]. Wie üblich endet die Rede mit einem Gebet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Universit%C3%A4t_Leipzig,_Proposita,_1570&amp;diff=132587</id>
		<title>Universität Leipzig, Proposita, 1570</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Universit%C3%A4t_Leipzig,_Proposita,_1570&amp;diff=132587"/>
		<updated>2025-10-13T13:12:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Proposita annis compluribus Academiae Lipsicae antiqua consuetudine, diebus praecipuis festis, quibus solennes conuentus ecclesiastici aguntur: nunc conveniente serie disposita, &amp;amp; uno libello ad lectionem commodiorem compraehensa&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_place=Leipzig&lt;br /&gt;
|d_printer=Hans Rambau d.Ä.&lt;br /&gt;
|d_date=1570&lt;br /&gt;
|d_date-Bemerkung=Das Druckjahr ist gesichert (Titelblatt).  Terminus post quem ist Ostern 1570 (26.03.1570). Zu diesem Termin wurde die jüngste in der Sammlung befindliche Rede gehalten&lt;br /&gt;
|UnscharfesDruckDatumBeginn=1570/03/26&lt;br /&gt;
|UnscharfesDruckDatumEnde=1570/12/31&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD16 L 1043&lt;br /&gt;
|d_baron=151&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=http://gateway-bayern.de/VD16+L+1043&lt;br /&gt;
|d_pdf=https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-0005-13804&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:09, 13. Okt. 2025 (CEST) Bitte prüfen, ob es sich hier wirklich um Reden handelt. Der Begriff &amp;quot;Proposita&amp;quot; und die sehr geringe Länge lassen mich vermuten, dass es sich hier eher um Aushänge bzw. Rundschreiben handelt, vergleichbar mit den Wittenberger Publice proposita. Mir scheint das auch durch eine Bemerkung auf S. 333 evident: &#039;&#039;... quae huic scripto implicanda non fuerunt.&#039;&#039; Das ist auch relevant für die Beziehung zur &amp;quot;Prinz-Alexander-Gedächtnisrede&amp;quot; [[OC 0829]].&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=MG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
|d_sort=Camerarius, Joachim&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Streckenbeschreibung ===&lt;br /&gt;
* Bl. )(2r-)(7r: &#039;&#039;[[Widmender::Ludwig Camerarius]] - Ad generosum d(omi)n(um) d(omi)n(um) Venceslaum Grispeccium, filium generosi ac nobilis d(omi)n(i) d(omi)n(i) Floriani Grispeccii a Grispach, in Catzerau, Rosental, &amp;amp; Breitenstein, &amp;amp;c. Ludovici Ioach(imi) f(ilii) Camerarii, prooemium.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;small&amp;gt;Ludwig Camerarius erwähnt, dass er wegen eines starken Erdbebens aus Frankreich nach Deutschland zu seinen Angehörigen zurückkehren musste und dort aufgrund anstehender Geschäfte, des schlechten Gesundheitszustandes der Eltern und einer eigenen Erkrankung zunächst geblieben sei. Er habe die Gelegenheit genutzt und teils veröffentlichte, teils unveröffentlichte Schriften seines Vaters gesichtet. Aus deren großer Zahl und Vielfalt (auch in der Ausarbeitung) geben sicherlich einige eine nützliche Lektüre ab. Kürzlich habe er etwa die Reden seines Vaters zum jährlichen Gedenken an Moritz von Sachsen herausgegeben. Auf diese lässt er nun eine Edition der Rektorenreden folgen, die nach Leipziger Tradition vor den kirchlichen Feiertagen Weihnachten, Ostern und Pfingsten gehalten und von Camerarius d.Ä. verfasst worden waren (&#039;&#039;quibus perscribendis aliquid operae datum esset a patre meo, ut more maiorum in hac Academia solennium festorum diebus illa proponerentur&#039;&#039;, )(3r).&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
* S. 1-293: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Proposita.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Proposita, 1570}}&lt;br /&gt;
:Zwei Reden werden mit einem kurzen Vorvermerk (&amp;quot;Lectori&amp;quot;, S. 287) nachgetragen (S. 288-293).&lt;br /&gt;
* S. 294-329: &#039;&#039;Ludwig Camerarius (?) - Graecorum passim insertorum Latina interpretatio.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* S. 330-334: Eine weitere nachgetragene Rede&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Universit%C3%A4t_Leipzig,_Proposita,_1570&amp;diff=132586</id>
		<title>Universität Leipzig, Proposita, 1570</title>
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		<updated>2025-10-13T13:09:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Proposita annis compluribus Academiae Lipsicae antiqua consuetudine, diebus praecipuis festis, quibus solennes conuentus ecclesiastici aguntur: nunc conveniente serie disposita, &amp;amp; uno libello ad lectionem commodiorem compraehensa&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_place=Leipzig&lt;br /&gt;
|d_printer=Hans Rambau d.Ä.&lt;br /&gt;
|d_date=1570&lt;br /&gt;
|d_date-Bemerkung=Das Druckjahr ist gesichert (Titelblatt).  Terminus post quem ist Ostern 1570 (26.03.1570). Zu diesem Termin wurde die jüngste in der Sammlung befindliche Rede gehalten&lt;br /&gt;
|UnscharfesDruckDatumBeginn=1570/03/26&lt;br /&gt;
|UnscharfesDruckDatumEnde=1570/12/31&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD16 L 1043&lt;br /&gt;
|d_baron=151&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=http://gateway-bayern.de/VD16+L+1043&lt;br /&gt;
|d_pdf=https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-0005-13804&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 15:09, 13. Okt. 2025 (CEST) Bitte prüfen, ob es sich hier wirklich um Reden handelt. Der Begriff &amp;quot;Proposita&amp;quot; und die sehr geringe Länge lassen mich vermuten, dass es sich hier eher um Aushänge bzw. Rundschreiben handelt, vergleichbar mit den Wittenberger Publice proposita. Das ist auch relevant für die Beziehung zur &amp;quot;Prinz-Alexander-Gedächtnisrede&amp;quot; [[OC 0829]].&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=MG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
|d_sort=Camerarius, Joachim&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Streckenbeschreibung ===&lt;br /&gt;
* Bl. )(2r-)(7r: &#039;&#039;[[Widmender::Ludwig Camerarius]] - Ad generosum d(omi)n(um) d(omi)n(um) Venceslaum Grispeccium, filium generosi ac nobilis d(omi)n(i) d(omi)n(i) Floriani Grispeccii a Grispach, in Catzerau, Rosental, &amp;amp; Breitenstein, &amp;amp;c. Ludovici Ioach(imi) f(ilii) Camerarii, prooemium.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;small&amp;gt;Ludwig Camerarius erwähnt, dass er wegen eines starken Erdbebens aus Frankreich nach Deutschland zu seinen Angehörigen zurückkehren musste und dort aufgrund anstehender Geschäfte, des schlechten Gesundheitszustandes der Eltern und einer eigenen Erkrankung zunächst geblieben sei. Er habe die Gelegenheit genutzt und teils veröffentlichte, teils unveröffentlichte Schriften seines Vaters gesichtet. Aus deren großer Zahl und Vielfalt (auch in der Ausarbeitung) geben sicherlich einige eine nützliche Lektüre ab. Kürzlich habe er etwa die Reden seines Vaters zum jährlichen Gedenken an Moritz von Sachsen herausgegeben. Auf diese lässt er nun eine Edition der Rektorenreden folgen, die nach Leipziger Tradition vor den kirchlichen Feiertagen Weihnachten, Ostern und Pfingsten gehalten und von Camerarius d.Ä. verfasst worden waren (&#039;&#039;quibus perscribendis aliquid operae datum esset a patre meo, ut more maiorum in hac Academia solennium festorum diebus illa proponerentur&#039;&#039;, )(3r).&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
* S. 1-293: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Proposita.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Proposita, 1570}}&lt;br /&gt;
:Zwei Reden werden mit einem kurzen Vorvermerk (&amp;quot;Lectori&amp;quot;, S. 287) nachgetragen (S. 288-293).&lt;br /&gt;
* S. 294-329: &#039;&#039;Ludwig Camerarius (?) - Graecorum passim insertorum Latina interpretatio.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* S. 330-334: Eine weitere nachgetragene Rede&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Oratio_pronuntiata_conventu_sollenni_brumalis_temporis_instituto_antiquo_Academiae_Lipsicae,_1569&amp;diff=132585</id>
		<title>Camerarius, Oratio pronuntiata conventu sollenni brumalis temporis instituto antiquo Academiae Lipsicae, 1569</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Oratio_pronuntiata_conventu_sollenni_brumalis_temporis_instituto_antiquo_Academiae_Lipsicae,_1569&amp;diff=132585"/>
		<updated>2025-10-13T12:58:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Aufbau und Inhalt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0829&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1569&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung nach dem Erstdruck. Gehalten wurde die Rede bereits zu Weihnachten 1565.&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1569/08/25&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1569/12/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Oratio pronuntiata conventu sollenni brumalis temporis instituto antiquo Academiae Lipsicae&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Leichenrede auf Alexander von Sachsen, den jung verstorbenen Sohn Augusts von Sachen.&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede; Epicedium; Türkenkriege/Türkengefahr; Theologie; Nachruf&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Orationes funebres, 1569]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Gedenkrede auf den Kurprinzen [[Nachruf auf::Alexander von Sachsen]], den jung verstorbenen Sohn des Kurfürsten August von Sachen.&lt;br /&gt;
Sie wurde zu Weihnachten 1565 als Universitätsrede gehalten. Diese Reden fanden dreimal jährlich an der [[Universität (Leipzig)]] statt (vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten). Somit ist das Gedenken in die normale Festveranstaltung eingebaut und stellt keinen eigenen Festakt dar, anders als die Gedenkreden auf [[Moritz (Sachsen)]] im selben Band. Diese Rede übertrifft allerdings die üblichen Rektorenreden zu den Hochfesten, von denen Camerarius auch [[Universität Leipzig, Proposita, 1570|zahlreiche verfasst hat]], um ein Vielfaches. Zunächst beginnt die Rede auch mit einigen Ausführungen zum Weihnachtsfest, bezugnehmend auf das Lukasevangelium. Der dort verkündeten Freude über die Geburt von Gottes Sohn wird später (ab S. 339) die Trauer über den Tod des Kurfürstensohnes antithetisch gegenübergestellt – nicht ohne vorher noch auf den Tod seines Onkels, des Kurfürsten Moritz (S. 337f.), hinzuweisen. Für dessen Bruder und Nachfolger [[August (Sachsen)|August]] wird die Situation der Regierungsübernahme mit Metaphern aus dem Bereich der Seefahrt beschrieben. Der Wind war anfangs günstig: nach Augusts Regierungsantritt im Juli 1553 vergingen nur wenige Monate, bevor ihm im Februar 1554 der präsumptive Thronfolger Alexander geboren wurde, der auch die gefährlichen ersten Lebensjahre überstand. Die bösen &#039;&#039;fata&#039;&#039; vergleicht Camerarius mit vergilianischen Versen. Auf ein kurzes Epicedium (S. 343) folgt ein dichterischer Nachruf (S. 343-345) in 27 elegischen Distichen. Darin wird kaum etwas über das Leben des verstorbenen Kurprinzen ausgesagt, wenig über seinen Tod und mehr über die Trauer der Hinterbliebenen. Er erscheint, ohne die Rede, erneut in [[Hempel, Descriptio, 1604]], S. 42-45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anschluss behandelt die Rede Zeitgeschichtliches (Belagerung der Insel Malta, S. 347f.) ebenso wie Philosophisches und Theologisches, mit Bezug auf Augustinus, [[Erwähnte Person::König David]], besonders häufig aber den Apostel [[Erwähnte Person::Paulus]]. Wie üblich endet die Rede mit einem Gebet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Lipsius_an_Camerarius,_15xx&amp;diff=132419</id>
		<title>Lipsius an Camerarius, 15xx</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Lipsius_an_Camerarius,_15xx&amp;diff=132419"/>
		<updated>2025-09-24T09:47:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 1545&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Lipsius 1577&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 6-7&lt;br /&gt;
|Zweitdruck in=Lipsius 1585&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck=S. 6&lt;br /&gt;
|Sonstige Editionen=[[Lipsius 1600]], S. 212-213; [[Lipsius 1611]], S. 212-213&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Justus Lipsius&lt;br /&gt;
|Empfänger=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=o.D. Datierung nach 1568 oder gar 1572 ist wahrscheinlich (s. Anm.)&lt;br /&gt;
|UnscharfesBriefDatumBeginn=1568&lt;br /&gt;
|UnscharfesBriefDatumEnde=1574&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=O.O.&lt;br /&gt;
|Zielort=O.O.&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Cur negem? Laudari a te Ennianos illos versus&lt;br /&gt;
|Register=Plautus; Briefe/Parallelüberlieferung; Briefe/Wissenschaftlicher Austausch; Textkritik&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=US; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
L. freue sich, dass C. seine Korrektur der Ennius-Verse gelobt habe. Denn junge Menschen schmückten sich gern mit dem Lob der Älteren, wie schon [[Xenophon]] (Xen. Mem. II,1,33) schreibe. C. habe um Zusendung weiterer Anmerkungen gebeten, besonders zu [[Platon]]. L. zeigt sich beeindruckt, dass C. sich trotz hohen Alters und Krankheit (s. Anm.) noch mit den Wissenschaften beschäftige. &lt;br /&gt;
Er gibt daher noch weitere Korrekturen zu lateinischen Autoren, vornehmlich zu [[Plautus]], aber auch zu [[Varro]], [[Ausonius]] und Gellius.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen zur Datierung ===&lt;br /&gt;
* Aufgrund von L.&#039; Jugend ist eine Entstehung vor 1560 unwahrscheinlich.&lt;br /&gt;
* &amp;quot;trotz hohen Alters und Krankheit&amp;quot; (&#039;&#039;tune in hac aetate et commorienti illo morbo tuo adhuc literas&#039;&#039;): C. hatte im Alter so große Nierenbeschwerden, dass er nicht mehr reiten konnte. Seine Briefe aus dem Jahr 1568 zeigen das besonders deutlich.&lt;br /&gt;
* L. bezieht sich wahrscheinlich auf die [[Plautus, Comoediae viginti, 1558|Plautusedition von 1558]] und kommentiert u.a. Rudens Vers 748. Diese Stelle hat auch in der [https://mdz-nbn-resolving.de/details:bsb10995371 Edition] von [[Johannes Sambucus]] 1568 die Lesart des Camerarius. L.&#039; Konjekturen haben dort (noch) keinen Eingang gefunden. Es kann also vermutet werden, dass der Brief nach 1568 entstanden ist. C. war mit Sambucus befreundet und hätte ihm gravierende Korrekturen vorher mitteilen können.&lt;br /&gt;
* Der Brief setzt voraus, dass Camerarius und Lipsius bereits vorher brieflichen Austausch hatten. Das passt am besten in die Zeit, als L. Professor in Jena war, also ab 1572.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Kategorie:Briefwechsel-Lazarus_von_Schwendi&amp;diff=132359</id>
		<title>Kategorie:Briefwechsel-Lazarus von Schwendi</title>
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		<updated>2025-09-12T09:41:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Allgemein zum Briefwechsel */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__HIDEFROMDRILLDOWN__&lt;br /&gt;
{{DISPLAYTITLE:{{#sub:{{FULLPAGENAME}}|10}}}}&lt;br /&gt;
== Allgemein zum Briefwechsel ==&lt;br /&gt;
Ein persönliches Treffen beider Briefpartner ergibt sich aus [[OCEp 0926]] und [[OCEp 0713]]: Danach hätten sie sich Ende November 1561 in [[Leipzig]] getroffen, als Schwendi auf dem Weg zu [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] war. Jedoch lässt sich die persönliche Bekanntschaft bis auf das Jahr 1552 zurückverfolgen (vgl. [https://melanchthon.hadw-bw.de/regest.html?reg_nr=6303 MBW Nr. 6303]). &amp;lt;br&amp;gt; Der früheste in der Sammlung enthaltene Brief stammt aus dem Jahr 1561: In dieser Zeit strebte S. danach, aus spanischen Diensten in kaiserliche zu wechseln. Wenn er sich also nicht mehr in [[Erwähnter Ort::Brüssel]], sondern stärker in Böhmen bzw. in Ungarn (1564-68) aufhielt, wird die Kontaktaufnahme leichter gewesen sein. In seine Zeit als kaiserlicher Feldherr im Türkenkrieg fällt das Briefpaar [[Schwendi an Camerarius, 20.11.1566]] und [[Camerarius an Schwendi, 25.05.1567]], das sich auf eine [[Erwähntes Werk::Onosander, Strategikos, 1595|Onosander-Übersetzung]] bezieht. Diese hatte C. im Jahre 1566 S. gewidmet, jedoch wurde sie erst 1595 von [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.]] und [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]] in Druck gegeben (vgl. [[Camerarius an Crato, 29.09.1566]]). In den Jahren 1565 und 1566 bedrohten osmanische Armeen die kaiserlichen Positionen in Ungarn. Davon zeugen auch zwei von Camerarius verfasste Gedenkreden auf Kurfürst [[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]] ([[OC 0823|1565]] und [[OC 0798|1566]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zentrale Themen und Konstellationen ===&lt;br /&gt;
Beide Briefpartner pflegten ein weitgreifendes Netzwerk, das über Konfessionsgrenzen hinausging. Nicht im Briefwechsel enthalten, aber anderweitig belegt, sind Kontakte S.s zu [[Erwähnte Person::Johannes Crato]], [[Erwähnte Person::Johannes Sambucus]] und [[Erwähnte Person::Georg Cracow]].&lt;br /&gt;
Kontakte mit Gelehrten spielen für  S. eine gewisse Rolle: Durch sein Studium in [[Erwähnter Ort::Basel]] ab 1536 war er mit [[Erwähnte Person::Simon Grynäus]] bekannt, der zuvor in [[Erwähnter Ort::Tübingen]] Vorgänger von C. gewesen war. In den Briefen wird Grynäus nicht erwähnt, da er bereits 1541 starb. Seine weiteren Studien betrieb S. in [[Erwähnter Ort::Straßburg]] bei [[Erwähnte Person::Johannes Sturm]] , mit dem C. in Briefkontakt stand. Der Hugenotte [[Erwähnte Person::Hubert Languet]] war durch Vermittlung des C. mit S. bekannt geworden ([[Camerarius an Schwendi, 23.05.1561]]). Languet nimmt auf diese Kontaktaufnahme Bezug ([[Languet an Camerarius, 19.07.1563]]) und erwähnt Schwendi auch später noch häufig. C. empfiehlt noch weitere Männer, u.a. [[Erwähnte Person::Johannes Zobel]], da S. als kaiserlicher Kriegskommissar Einfluss auf Stellenbesetzungen hatte. Kontaktpersonen waren auch [[Erwähnte Person::Christoph von Karlowitz]], C.&#039; Schwiegersohn [[Erwähnte Person::Johann Hommel]], [[Erwähnte Person::Franz Kram]] und [[Erwähnte Person::Philipp Camerarius]].&lt;br /&gt;
Politische Themen werden nicht angesprochen, abgesehen von einer gewissen Friedenssehnsucht und der Türkengefahr. In den Briefausgaben wurde ein Thema ausgespart, das für beide ein großes Problem darstellte, nämlich die spanische Tyrannei in den Niederlanden. Dies ergibt sich auch aus einer [[Erwähntes Werk::Goldast, Politica imperialia, 1614|antispanischen Schrift]] von Karlowitz und C., die aber erst 1614 gedruckt wurde. Schwendi, der mit [[Erwähnte Person::Wilhelm I. (Oranien)]] und den 1568 hingerichteten Grafen Egmont und Hoorn gut befreundet war, stand deren Position nahe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Editionen, Literatur und weiterführende Links ===&lt;br /&gt;
[[Erwähntes Werk::Camerarius, Epistolae familiares, 1595]], S. 39-51&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Forschungsliteratur::Lanzinner 1993]], S. 305-306&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Forschungsliteratur::Nicollier-de Weck 1995]], S. 203-204&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Überlieferung und statistische Übersicht ===&lt;br /&gt;
Insgesamt wurden {{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Lazarus von Schwendi]]| format=count}} Briefe in die Datenbank aufgenommen. Davon wurden&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;{{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Lazarus von Schwendi]][[Absender::Joachim Camerarius I.]]| format=count}} von Camerarius&#039;&#039;&#039; verfasst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;{{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Lazarus von Schwendi]][[Empfänger::Joachim Camerarius I.]]| format=count}} an Camerarius&#039;&#039;&#039; geschrieben.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Projektes wurden nur die zeitgenössisch (bis ca. 1600) gedruckten Briefe erfasst. Die folgenden statistischen Daten bilden daher nur einen Ausschnitt des ohnehin nicht vollständig überlieferten Briefwechsels ab und dienen somit eher der Orientierung. Um sie aufzurufen, drücken Sie bitte unten auf &amp;quot;Semantic Drilldown&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BriefwechselDrilldown}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Bersman,_Poemata,_1592&amp;diff=132358</id>
		<title>Bersman, Poemata, 1592</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Bersman,_Poemata,_1592&amp;diff=132358"/>
		<updated>2025-09-04T13:00:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Poematum Gregorii Bersmani Annaebergensis, in partes duas tributorum. pars prior (altera) continens libros duodecim. editio secunda aliquot notis auctior&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_place=Leipzig&lt;br /&gt;
|d_printer=Michael Lantzenberger; Henning Grosse d.Ä.&lt;br /&gt;
|d_date=1592&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD16 B 2167&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=http://gateway-bayern.de/VD16+B+2167&lt;br /&gt;
|d_pdf=http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:1-488640;http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ156901709; https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11270749-7&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=noch nicht am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=HIWI&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
S. 15f: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Gregorio Bersmano s(uo) Ioach(imus) Camer(arius). Pulso quod mihi gratulare morbo (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Gregorio Bersmano, 1576}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
S. 16-18: Gregor Bersman - Ad Ioachimum Camerarium praeceptorem s(uum/a) summa observantia colendum.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
S. 229-233 Epicedium Bersmanns auf Camerarius &lt;br /&gt;
ab (692)-278 Briefe an Bersmann enthalten&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Bersman,_Poemata,_1591&amp;diff=132357</id>
		<title>Bersman, Poemata, 1591</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Bersman,_Poemata,_1591&amp;diff=132357"/>
		<updated>2025-09-04T13:00:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Poematum Gregorii Bersmani Annaebergensis in partes duas tributorum, pars prior (altera). editio secunda aliquot notis auctior&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_place=Leipzig&lt;br /&gt;
|d_printer=Henning Grosse d.Ä.; Michael Lantzenberger&lt;br /&gt;
|d_date=1591&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD16 B 2166&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=http://gateway-bayern.de/VD16+B+2166&lt;br /&gt;
|d_pdf=http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bersmann1591-1&lt;br /&gt;
|Druck vorhanden in=Berlin, SBB;Freiburg, UB;Leipzig, UB;Wolfenbüttel, HAB&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
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|Gegengelesen=US&lt;br /&gt;
|d_sort=Camerarius, Joachim&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=Benutzer:MH&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
S. 15f: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Gregorio Bersmano s(uo) Ioach(imus) Camer(arius). Pulso quod mihi gratulare morbo (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Gregorio Bersmano, 1576}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
S. 16-18: Gregor Bersman - Ad Ioachimum Camerarium praeceptorem s(uum/a) summa observantia colendum.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
S. 229-233 Epicedium Bersmanns auf Camerarius&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Bersman,_Poemata,_1591&amp;diff=132356</id>
		<title>Bersman, Poemata, 1591</title>
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		<updated>2025-09-04T12:57:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Poematum Gregorii Bersmani Annaebergensis in partes duas tributorum, pars prior (altera). editio secunda aliquot notis auctior&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_place=Leipzig&lt;br /&gt;
|d_printer=Henning Grosse d.Ä.; Michael Lantzenberger&lt;br /&gt;
|d_date=1591&lt;br /&gt;
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|Druck vorhanden in=Berlin, SBB;Freiburg, UB;Leipzig, UB;Wolfenbüttel, HAB&lt;br /&gt;
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}}&lt;br /&gt;
Bl. 229-233 Epicedium Bersmanns auf Camerarius&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Carolus_sive_Vienna_Austriaca,_1536&amp;diff=132352</id>
		<title>Camerarius, Carolus sive Vienna Austriaca, 1536</title>
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		<updated>2025-08-21T13:24:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Forschungsliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1536&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Gesichert (Titelblatt); Brief des Camerarius an Stiebar datiert auf &#039;&#039;XV. Cal. Iunii&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1536/05/18&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1536/12/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Carolus sive Vienna Austriaca&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Das Encomium in 182 Hexameterversen auf Kaiser Karl und seine Zurückdrängung der Türken in der Schlacht um Wien (1532) bildet einen Beitrag zum politischen Diskurs über die Lage im Reich. Die Gefahr eines weiteren Vordringens der Türken nach Deutschland geht von der mangelnden Einheit auf der eigenen Seite aus. Kaiser Karl V. erscheint als Hoffnungsträger. Das Gedicht bietet jedoch nicht so sehr Panegyrik als vielmehr die Formulierung einer Erwartungshaltung gegenüber dem Kaiser und den Führungsfiguren im Reich.&lt;br /&gt;
|Register=Panegyrik;Theodizee;Europa;Zeitgeschichtsschreibung;Türkenkriege/Türkengefahr&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[(Althamer), Commentarius captae urbis, 1536]]; [[Camerarius, Eclogae, 1568]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=ja&lt;br /&gt;
|Incipit=O deplorati numquam satis aspera fati&lt;br /&gt;
|CarmenStatus=geehrte Person&lt;br /&gt;
|geehrte Person=Karl V. (HRR)&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0184&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Widmung und Entstehungskontext ===&lt;br /&gt;
Das Gedicht ist nach dem einleitenden Widmungsbrief [[Widmungsempfänger::Daniel Stiebar von Rabeneck]] gewidmet.&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Der Sprecher beginnt mit einer Klage über das Schicksal und richtet sich an Gott mit der Frage nach der Theodizee (vv. 1-18). Über das gesamte Gedicht hinweg vertritt er immer wieder den Blickpunkt des gesamten Volkes (&#039;&#039;nos&#039;&#039;). Er berichtet vom rasanten Siegeszug der Türken, der zunächst das Gebiet Kleinasiens erfasst (zahlreiche historische Gebiete werden aufgezählt), sich dann über die griechischen Inseln fortsetzt, bis er schließlich nach Europa übergreift (vv. 19-41). Das Voranschreiten der Türken wird über das ganze Gedicht hinweg als Ausdruck von Affekten gedeutet (&#039;&#039;cupidae mentis vesana libido&#039;&#039;; &#039;&#039;furor&#039;&#039;; &#039;&#039;rabies&#039;&#039;). Die Situation in den besetzten Gebieten wird beschrieben (vv. 41-56). Es herrscht Unterdrückung (&#039;&#039;servitium&#039;&#039;), und es kommt zu Vergewaltigungen. In Griechenland liegt die Kultur darnieder (vv. 57-84). Von Konstantinopel und Nordgriechenland aus durchzieht der Sturm die Gebiete des Balkans (vv. 85-90). Aber auch die Ausbreitung nach Süden bis nach Arabien und Ägypten wird nachgezeichnet (vv. 91-104). Eine sehr emphatische Bekundung des Mitleids erhält das Heilige Land (&#039;&#039;Iudaea&#039;&#039;). &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Dichter-Sprecher schwenkt in stark subjektiver Erzählhaltung - ihm zittern beim Schreiben die Hände - auf den europäischen Schauplatz zurück und somit zu den Orten, die ihm näherliegen (vv. 105-111). Es folgt Ungarn (&#039;&#039;Pannonia&#039;&#039;), das einst glücklich war, sich nun aber im Elend befindet. Schließlich hat sich der Krieg so weit ausgebreitet, dass er vor den Pforten [[Erwähnter Ort::Wien]]s steht. Die Schlacht um die Stadt wird in düsteren Farben mit schrecklichen Szenen geschildert (vv. 112-125). Besonders die Frauen werden zu Opfern der Gewalt. Auch die Beschießung der Stadt mit Kanonen wird dargestellt. Die Rettung erfolgt durch Kaiser [[Erwähnte Person::Karl V.]] (vv. 126-132). Andernfalls wäre es wohl zu einem Durchmarsch nach Norden in weitere Gebiete Deutschlands, bis nach Franken und Schwaben, gekommen. Aber der Einsatz Karls hat dies mithilfe der göttlichen Gnade abwenden können.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf die Schilderung der Ereignisse folgt eine moralischen Reflexion des Sprechers (vv. 133-182). Den Grund für den Siegeszug der Feinde macht der Sprecher nicht in deren Stärke aus, sondern im Abfall von der Tüchtigkeit (&#039;&#039;virtus&#039;&#039;) auf der eigenen Seite (vv. 133-142). Wie sich einst das jüdische Volk von Gott abwandte, nachdem es vergessen hatte, was es ihm verdankte, und sich somit dem Verbrechen hingab, so haben sich auch die Herrscher und ihre Gefolgschaft vom Weg der Tüchtigkeit ab-, und den Schandtaten zugewandt. Das war es, was die verderbliche Wunde zugefügt hat, und diese hat die Lethargie des Volkes (&#039;&#039;nostra ignavia&#039;&#039;) noch weiter begünstigt. Es kam zu einem Verfall der sittlichen Ordnung (vv. 143-150).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Sprecher bekundet die Hoffnung, dass sich der Zorn Gottes legt, und dass seine Gunst den Christen (&#039;&#039;nos&#039;&#039;) wieder zur Seite steht (vv. 151-157). Diese Gunst sollte die Fürsten dazu bringen, sich in einträchtigem Sinn zusammenzuschließen, den Gemeinsinn vor den Egoismus stellen, Gerechtigkeit und Anständigkeit herrschen lassen, das Verbrechen schwächen und den Frevel bestrafen. Welcher Anführer könnte diese Wünsche besser erfüllen als Karl (vv. 158-166)? Es folgt eine Aufzählung vorbildhafter jüdischer Herrscherfiguren. Diese haben es mit Verstand und Kraft vermocht, die Feinde des Gottesvolkes zu vernichten. Vergleichbar ist die gegenwärtige Situation.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Gedicht endet mit dem an Gott gerichteten Wunsch des Sprechers, dass die Hoffnung der Menschen erfüllt werde (vv. 167-182). Dann will er ein Danklied auf Gott und den Kaiser singen. Am Schluss steht die Bitte, Gott möge den Menschen in ihrer Niedergeschlagenheit (Wunden - &#039;&#039;vulnera&#039;&#039;, Verderbnis - &#039;&#039;putentia&#039;&#039;) Hilfe bringen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Mittelpunkt des Gedichts steht nicht so sehr die Panegyrik auf Karl als vielmehr die Äußerung des Wunsches nach Einheit im Reich unter einem Anführer, der das Gottesvolk gegen den äußeren Feind führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Überlieferung und Entstehungszeitraum ===&lt;br /&gt;
Das Gedicht ist eines von drei nicht-bukolischen hexametrischen Gedichten, die Ludwig und Joachim Camerarius in die [[Camerarius, Eclogae, 1568|Eklogen-Ausgabe von 1568]] aufnehmen. Vermutlich hat seine hohe literarische Qualität Camerarius dazu bewogen, es in dieser Sammlung mitabzudrucken (vgl. [[Mundt 2004]], S. XXII). Ludwig versieht die beiden Gedichte auf Karl V., die beiden letzten Gedichten der Eklogen-Sammlung, mit der Angabe ihres jeweiligen Entstehungsjahres. Zu dem vorliegenden Gedicht gibt er das Entstehungsjahr 1532 an, was dem Datum der Verteidigung Wiens entspricht. Wie er in seinem Nachwort schreibt (S. 141), solle dies dem Leser ermöglichen, die Gedichte vor dem Hintergrund ihres historischen Entstehungskontexts zu beurteilen. Hierbei gehe es nicht nur darum, die historischen Ereignisse zu erfassen, sondern auch die Wahrnehmungen in der Bevölkerung zur damaligen Zeit (&#039;&#039;quae hominum spes &amp;amp; formido&#039;&#039;). Diejenigen, die die Geschehnisse damals miterlebt hätten, könnten diese nachvollziehen, den anderen würden sie durch die Erzählung der historischen Ereignisse vermittelt. Allerdings scheint die Datierung des Gedichtes auf 1532 eine Rückprojektion gemäß den historischen Ereignissen zu sein. Als Entstehungszeitpunkt legt der Briefwechsel das Jahr des Erstdruckes 1536 nahe.&lt;br /&gt;
=== Forschungsliteratur ===&lt;br /&gt;
*[[Mundt 2004]], S. XXII (Mundt nimmt das Gedicht jedoch nicht in seine Ausgabe auf, wohl aus dem Grund, dass es sich hierbei nicht um eine Elegie handelt).&lt;br /&gt;
*[[Baier 2022]], S. 244-248&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Orationis_Latinae_exercitium_rhetoricum,_1541&amp;diff=132351</id>
		<title>Camerarius, Orationis Latinae exercitium rhetoricum, 1541</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Orationis_Latinae_exercitium_rhetoricum,_1541&amp;diff=132351"/>
		<updated>2025-08-20T08:03:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0387&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|d_status2=Übersetzer&lt;br /&gt;
|Übersetzter Autor2=Aesop; Platon; Isokrates; Plutarch; Isokrates; Pausanias; Platon; Lukian; Demosthenes&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1541&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Gesichert: Kolophon: &#039;&#039;Mense Martio, Anno M.D.XLI&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1541/03/01&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1541/03/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Orationis Latinae exercitium rhetoricum&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Lehrwerk zur Redekunst. Im Proömium legt Camerarius seine grundlegenden Gedanken zur Konzeption und Zielsetzung des Werkes dar. Hierbei stellt er die Gemeinsamkeiten und die Differenzen zu den Modellen Cicero, Quintilian und Aphthonios heraus. Ferner reflektiert er über die Zwecke des Rhetorikunterrichts, die Erzählung (&#039;&#039;narratio&#039;&#039;), in der er das elementare Charakteristikum einer Rede sieht, und die Unterscheidung zwischen faktualen und fiktionalen Texten. Bei Faktualität und Fiktionalität stellt er wiederum verschiedene Formen fest, zwischen denen differenziert werden muss. In dem Werk wird das für den Rhetorikunterricht notwendige Wissen zur Literatur, ihren literarischen Formen und zur Geschichte aufgearbeitet. Hierzu zählt auch eine Brieftheorie. Über die gesamte Schrift hinweg steht die rhetorische Praxis im Blickpunkt. Das Werk stellt jedoch nicht ein Lehrbuch für den Schüler, sondern ein &amp;quot;Lehrerbuch&amp;quot; für den Unterrichtenden dar. Camerarius präsentiert zum einen den Unterrichtsstoff, behandelt zum anderen aber auch dessen didaktische Aufbereitung.&lt;br /&gt;
|Register=Geschichtsschreibung; Rhetorik; Bildungsdiskurs; Ekphrasis; Lehrbuch; Fabel; Imitatio; Briefe/Brieftheorie; Elementarunterricht; Stilkritik; Poetik; Sprache; Sprachentwicklung; Sprachphilosophie; Pädagogik; Fabel; Komödie; Geschichtsschreibung; Türkenkriege/Türkengefahr; Rhetorik; Allegorie; Melancholie; Paraphrase; Paraphrase (Prosa); Übersetzungstheorie; Traum/Traumdeutung; Divination und Prodigien; Rätselgedicht; Panegyrik; Metrik&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1541]]; [[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1545]];  [[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1551]];  [[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1562]];  [[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1564]]; [[Selnecker, Libellus prosodiae, 1568]] (Zitat aus dem Kapitel &amp;quot;De carminibus componendis&amp;quot;)&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Notizen=Sicher, dass das Werk in Dornau, Amphitheatrum, 1619 enthalten ist? Ich habe beim Drüberschauen nichts gefunden... Oder nur Auszüge? Dann vielleicht irgendwo vermerken? [[Benutzer:HIWI|HIWI]] ([[Benutzer Diskussion:HIWI|Diskussion]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 09:35, 20. Aug. 2025 (CEST) Das ist eine Verwechslung. Zum einen ist von den Links auf den Dornau nur der 2. korrekt. Die anderen beiden beziehen sich auf Band 2, worin nichts von JC erhalten ist. Im einzigen korrekten Scan ist wohl die Nummer vertauscht: Das ist ein Einzelgedicht, das auf in den &amp;quot;Elementa&amp;quot; steht, aber ein eigenes Werk ist. Ich lösche den Dornau hier und führe die Diskussion dort fort.&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
In dem Werk wird das für den Rhetorikunterricht notwendige Wissen zur Literatur, ihren literarischen Formen und zur Geschichte aufgearbeitet. Hierbei weist Camerarius die richtige Anwendung für die Abfassung von Texten in der Praxis auf. Das Werk stellt nicht ein Lehrbuch für den Schüler, sondern ein &amp;quot;Lehrerbuch&amp;quot; für den Unterrichtenden dar.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist nach den behandelten Themen in folgende Abschnitte gegliedert: &lt;br /&gt;
*S. 1-24: Prooemium.&lt;br /&gt;
::Das Werk dient dem Unterricht in der lateinischsprachigen Rhetorik, der im Studienplan der Universität neben der Unterweisung in der Dialektik vorgesehen ist (1). In den dem Werk vorausgeschickten grundsätzlichen Gedanken legt Camerarius dar, dass in allen Künsten die Übungen (&#039;&#039;exercitia&#039;&#039;) nichts Anderes seien als die Anwendung von Lehrsätzen (&#039;&#039;usus praeceptorum&#039;&#039;, 2). Nur mithilfe von Lehrsätzen kann man zur Beherrschung einer Kunst gelangen. Auch bei bester Begabung kann man ohne diese nicht zu einer dauerhaften und sicheren Praxis (&#039;&#039;constantia &amp;amp; certitudo artis&#039;&#039;) gelangen. Wie nur die Lehrsätze zu einer Kenntnis in der Kunst führen, so erweist sich erst in der Anwendung ihre vollendete Beherrschung. Hier kommt nun die (Verwendung von) Beispiele(n) (&#039;&#039;exempla&#039;&#039;) zum Tragen, die die allgemeingültige Regel (&#039;&#039;generalis doctrina&#039;&#039;) in der Betrachtung des Einzelfalls (&#039;&#039;singulari quadam ratione atque definitione&#039;&#039;) erklären. Die beiden Bereiche sollten nicht getrennt voneinander, jedoch stets nacheinander betrachtet werden (2-3).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Alle Dinge beruhen auf Grundstoffen (&#039;&#039;principia&#039;&#039;), auf denen sie aufbauen (3). Dies gilt für die Künste nicht weniger als für die Natur. Alle bedeutenden Vertreter eines Gebietes haben einmal klein angefangen (3-4). Auch für die Entwicklung der Beredsamkeit von klein auf bedarf es einer Ausbildung auf der Grundlage der Verbindung von theoretischen Lehrsätzen und praktischer Anwendung. Dies beweisen insbesondere diejenigen Werke, die hierzu von sehr gebildeten Lehrern überliefert sind. Auf Griechisch werden diese προγυμνάσματα, auf Lateinisch &amp;quot;Anfänge der Redekunst&amp;quot; (&#039;&#039;primordia dicendi&#039;&#039;, 4-5, Anm. 1) genannt. Diese Werke zu den Grundlagen (&#039;&#039;elementa&#039;&#039;) boten die als notwendig erachtete Vorübung, bevor man die Kinder zum Rhetor in die Ausbildung schickte (5). Dieses Studium ist in der Gegenwart noch wichtiger als damals, da es heute nicht nur um die rhetorische Ausbildung, sondern auch um den Erwerb der Sprachkenntnis geht. Camerarius hält solche Werke, die die sprachliche Ausdrucksweise (&#039;&#039;sermo &amp;amp; loquela&#039;&#039;) zum Gegenstand haben, für notwendig und verteidigt sie gegen abweichende Meinungen (5-6). Rhetorik und Weisheit sind für Camerarius nicht voneinander zu trennen (7). Hierzu stützt er sich auf [[Erwähnte Person::Cicero]] (Anm. 2).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Camerarius weist darauf hin, dass in der Sprache Klugheit (&#039;&#039;prudentia&#039;&#039;), eine unglaubliche Schönheit (&#039;&#039;pulchritudo&#039;&#039;) und größte Geisteskraft (&#039;&#039;vis animi&#039;&#039;) stecken. In seinen sprachtheoretischen Überlegungen stellt er heraus, dass sich bei Kindern die Sprache erst entwickelt, wenn auch eine Kenntnis der Dinge vorliegt (9). Auch sprachliche Defizite bei Behinderten beweisen laut Camerarius, dass Sprache stets an das Vorhandensein zugrundeliegender geistiger Gehalte gebunden ist. Unter &#039;&#039;eloquentia&#039;&#039; versteht Camerarius eine ausgebildete Form der Rede, die mit Klugheit verbunden sein muss (9-10). In Anlehnung an [[Beeinflusser::Quintilian]] fordert Camerarius die Einheit von Gelehrsamkeit und Beredsamkeit. Diese fand sich nur bei den Griechen und Römern verwirklicht (10-11). Den früheren Deutschen ist diese Kultur noch abgegangen (11). In der Frage, welche der Alten Sprachen zuerst gelernt werden müsse, optiert Camerarius für eine zeitliche Priorität des Lateinischen gegenüber dem Griechischen im Lehrcurriculum (12-14). &lt;br /&gt;
::Im Folgenden legt Camerarius dar, worin die &amp;quot;Elemente&amp;quot; einer Rhetorik (&#039;&#039;de principiis &amp;amp; ingressionibus doctrinae&#039;&#039;) bestehen sollen (14). Von lateinischen Beispielen soll immer zu griechischen fortgeschritten werden. Camerarius gibt jedoch zu bedenken, dass das Werk nicht mehr als eine Vorbereitung auf die Beherrschung der Kunst bietet. Er will einen Einstieg in die Studien bereitstellen, der möglichst umfassend ist. Hierzu stützt er sich auf antike Autoritäten wie Quintilian, Cicero oder [[Beeinflusser::Aphthonios]], nimmt dabei aber auch Erweiterungen vor (17-18). Camerarius schließt an Quintilians Bestimmung der &#039;&#039;primordia dicendi&#039;&#039; (&#039;&#039;Inst.&#039;&#039; 1,9: &amp;quot;Grundlagen des Redeunterrichts&amp;quot; Wiedergabe Rahn) an (18-19). Diese gehören zum Aufgabenbereich des Grammatikers. Unter diese zählt Camerarius gemäß Quintilian die Fabeln Aesops, Paraphasen, Sentenzen, Chrien (&#039;&#039;chriae&#039;&#039;), Charakterdarstellungen (&#039;&#039;ethologiae&#039;&#039;), Veranschaulichungen (&#039;&#039;subiectiones&#039;&#039;) und Darlegungen (&#039;&#039;expositiones&#039;&#039;).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Es folgen Reflexionen über Camerarius&#039; Verhältnis zu seinen Modellen (19): In Hinblick auf die Paraphrase unterscheiden sich Cicero und Quintilian. Während Cicero seine Lehren für Erwachsene geschrieben hat, versucht Camerarius die Lehren schülergerecht zu präsentieren. Er nimmt die Forderungen aus dem ersten Buch von Ciceros &amp;quot;De oratore&amp;quot; auf: Gelesen werden müssen auch Dichter, man muss sich in der Geschichte auskennen, Schriften aus allen schönen Künsten gelesen haben, sich kritisch mit diesen auseinandersetzen können, im Disputieren geübt sein und zukünftige Entwicklungen einschätzen können. Diese Themen wollte Quintilian erst im Rhetorikunterricht, nicht schon beim Grammatiklehrer angesiedelt wissen. Camerarius will die entsprechenden Unterrichtsgegenstände zwar in zeitlicher Reihenfolge nach Altersstufen differenzieren, aber dennoch an derselben Schule unterrichten. In keinem Bereich der Beredsamkeit sollen die Schüler völlig unbenetzt bleiben (19-20).&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
::Beginnen möchte Camerarius mit der äsopischen Fabel. Wegen ihrer Einfachheit muss sie am Anfang der Ausbildung stehen. Ihren Wert erhält sie durch die Reinheit und Eleganz der Erzählung (&#039;&#039;narrationis puritas &amp;amp; elegantia&#039;&#039;). Deshalb soll sie in allen Altersstufen gepflegt werden. Nur wenn man früh mit ihr beginnt, wird man mit ihrer Sprache vertraut. Auch für die Richtigkeit der Sprache kommt ihr eine besondere Bedeutung zu.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Eine Rede ist entweder eine Erzählung, das Proömium zu einer Erzählung, folgt einer Erzählung oder ist ihr angefügt (20). Eine Erzählung definiert Camerarius mit Cicero als eine Darlegung von Taten oder von Sachverhalten, die diesen gleichen (&#039;&#039;narratio...rerum gestarum, aut ut gestarum expositio&#039;&#039;, 20-21). In dieser Weise wird eine Erzählung von allen Lesern aufgefasst, egal ob sie fiktional oder faktual ist oder eine Mischung aus diesen beiden darstellt. Faktuale Erzählungen können eigenständig oder eingefügt sein. Fiktionale Erzählungen weichen entweder nicht von der realen Lebenswirklichkeit ab, wie dies bei den Komödien der Fall ist (&#039;&#039;figmenta a communi rerum natura &amp;amp; quotidiano usu vitae non recedunt&#039;&#039;). Hierzu führt Camerarius ein Beispiel aus Terenz&#039; &amp;quot;Adelphoe&amp;quot; an. Oder sie weichen von der menschlichen Erfahrungswelt ab, wie dies bei der Tragödie der Fall ist (&#039;&#039;abhorrent a captu sensuque hominum, et veri etiam similitudine carent&#039;&#039;). Hierzu führt Camerarius Beispiele aus Tragödien mit mythologischen Stoffen an. Auch die Fabeln Aesops sind diesem Bereich zuzuordnen (22). Die Geschichtsschreibung ist in einer Mittelstellung anzusiedeln, da auch sie viel Erfundenes enthält. Hierzu folgt ein Textzitat aus [[Erwähnte Person::Herodot]]. Auch bei [[Erwähnte Person::Titus Livius|Livius]] ist nicht alles so geschehen, wie er es erzählt, sondern ist vielmehr in epideiktischer Form dargestellt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Die Gliederung der folgenden Darstellung richtet sich nach den verschiedenen Formen der Erzählung (23-24). In jeder von ihnen muss sich ein Student üben: 1. Die Fabel Aesops, 2. Darstellungen von Sachverhalten, die im öffentlichen und alltäglichen Leben angesiedelt sind (Komödien, Mimen, Gespräche, Dialoge). Hier findet sich insbesondere die Form der Erzählung, die sich auf Personen bezieht. 3. Dichtung (&#039;&#039;poetica fabula&#039;&#039;) und Vergleichbares, 4. Geschichtsschreibung, 5. Sachtexte / Argumentierende Texte (?) (&#039;&#039;vera narratio caussae&#039;&#039;).   &lt;br /&gt;
*S. 24-38: De fabulis Aesopicis (Über die äsopischen Fabeln). &lt;br /&gt;
::Camerarius zeigt die Charakteristika der Fabeln des [[Erwähnte Person::Aesop]] auf. Trotz ihrer Fiktionalität sind die Fabeln Träger moralischer Lehren. Er fährt mit der Gattungsgeschichte, dem pädagogischen Wert und den verschiedenen Formen der antiken Fabel fort. Camerarius behandelt nicht nur Aesop, sondern verweist auch auf andere Autoren wie [[Erwähnte Person::Hesiod]], [[Erwähnte Person::Horaz]], [[Erwähnte Person::Xenophon]], [[Erwähnte Person::Platon]] und zitiert bzw. übersetzt aus diesen die relevanten Textpassagen.&lt;br /&gt;
*S. 38-45: De vario usu tractandae fabulae (über die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der Fabelbearbeitung).&lt;br /&gt;
::Camerarius zeigt auf, wie die Fabeln im Unterricht zu behandeln sind: Zunächst soll die Fabel kurz ausgelegt werden. Hiervon geht eine vertiefende Betrachtung aus, bei der es um die Bewertung der dargestellten Handlung geht (&amp;quot;Die Moral von der Geschicht&amp;quot;). Danach soll der dargelegte Stoff zu Reden ausgestaltet werden. Durch die Variation in der Darstellung der Geschichte werden Flexionsformen geübt. Camerarius lässt ein Beispiel folgen, an dem diese Methode &amp;quot;durchdekliniert&amp;quot; wird, wobei dieselbe Geschichte wiederholt, aber jeweils mit dem Schwerpunkt auf einem anderen Kasus erzählt wird.&lt;br /&gt;
*S. 45-51: De emendando (Über die Verbesserungen).&lt;br /&gt;
::Camerarius gibt, weiterhin am Beispiel der Fabeln, Hinweise zur Korrektur von Schülerleistungen. Camerarius rät davon ab, verbesserte Lösungen anzugeben. Dies sei aufwendig und wenig hilfreich. Stattdessen rät er zur gezielten Korrektur wichtiger Fehler.&lt;br /&gt;
*S. 51-83: De narrationibus verisimilibus (Über Erzählungen mit wahrscheinlichen Inhalten).&lt;br /&gt;
::Als &#039;&#039;verisimile&#039;&#039; bezeichnet Camerarius dargestellte Ereignisse, die im alltäglichen Leben geschehen könnten (wir es z.B. in den Stoffen der Komödien und Dialoge der Fall ist). Um Beispiele anzuführen, führt Camerarius neben [[Erwähnte Person::Lukian]] auch [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]] an. Zu den gemischten Formen (von Fiktionalität und Faktualität) verweist Camerarius auf französische und italienische Werke zur Liebesthematik und mit frivolen Inhalten. Diese sind jedoch zu meiden. Die Zuordnung von Fiktionalität/Faktualität ist historisch-kulturell bedingt, wobei antike Vorstellungen von gegenwärtigen abweichen können. Hierüber zu urteilen, ist aber Sache von weiter fortgeschrittenen Schülern. In diesem Abschnitt zitiert Camerarius hinsichtlich der Behandlung antiker Stoffe auch eine selbst verfasste Erzählung (&#039;&#039;Aliud nostrum exemplum: In Apulia, ubi quondam Salapia (Inc.)&#039;&#039;, 55-58; weitere eigene Erzählungen: &#039;&#039;Ante annos triginta, in ea parte Germaniae (Inc.)&#039;&#039;, 64-66; &#039;&#039;Veni nuper ad necessarium nostrum (Inc.)&#039;&#039;, 80-83). Beispiele führt Camerarius auch aus [[Erwähnte Person::Cicero]], Platon, [[Erwähnte Person::Plautus]] und [[Erwähnte Person::Plutarch]] an; von Valerius (sc. Maximus) ist jedoch abzuraten, da seine Sprache bei Gebildeten nicht als die beste gilt.&lt;br /&gt;
*S. 83-99: Fabulae poeticae (Dichterische Erzählungen).&lt;br /&gt;
::Die Erzählung der dichterischen Stoffe (&#039;&#039;narratio poeticarum fabularum&#039;&#039;) ist sowohl von der Wahrheit (&#039;&#039;a veritate&#039;&#039;) als auch von der Wahrscheinlichkeit (&#039;&#039;ab huius similitudine&#039;&#039;) sehr weit entfernt. Als Beispiele verweist Camerarius auf [[Erwähnte Person::Hesiod|Hesiods]] &amp;quot;Theogonie&amp;quot;, die Tragödien, einige Geschichten bei Homer und bestimmte, wohl ägyptische Erzählungen bei Philosophen, die eine allegorische Bedeutungsebene besitzen. Exemplarisch wird die Perseus-Geschichte dargestellt, sowie die Gyges-Geschichte in den Wiedergaben von Platon und Cicero sowie [[Camerarius, Sortitus animarum ex Eris Pamphylii narratione (lat.), 1541|der Mythos des Er aus der platonischen &amp;quot;Politeia&amp;quot;]] (91-97). Es folgen Ausschnitte aus Ciceros &amp;quot;Verrinen&amp;quot;&amp;quot; und &amp;quot;De divinatione&amp;quot;. &lt;br /&gt;
*S. 100-117: De historia (Über die historiographischen Erzählungen).&lt;br /&gt;
::Eine weitere Form der Erzählung ist die historische. Diese siedelt Camerarius zwischen faktualer und fiktionaler Erzählung (&#039;&#039;inter veras &amp;amp; fictas narrationes&#039;&#039;) an. Da, wo die historische Erzählung wahr sein soll, muss sie es ganz und gar sein und darf nicht nur wahrscheinlich sein. Das Übrige fügt sich durch das Thema und die Darstellung (in die Faktualität) ein (&#039;&#039;reliqua consentanea erunt argumento &amp;amp; expositione&#039;&#039;). Camerarius stützt sich in seiner Darstellung auf Cicero, will sich jedoch auch mit eigenen Gedanken einbringen. Er betont den literarischen Wert der Geschichtsschreibung. Für die Historiographie spielt die Erforschung (&#039;&#039;exquisitio&#039;&#039;) von Tatsachen eine besonders große Rolle. Die angeführten Beispieltexte stammen aus Livius und [[Erwähnte Person::Isokrates]], jedoch auch aus der Zeitgeschichte und behandeln z.B. die Schlacht von [[Erwähnter Ort::Mohács]] und den Tod König [[Erwähnte Person::Ludwig II. (Böhmen und Ungarn)|Ludwigs]] (107-113) oder die deutsche Geschichte des Mittelalters (Rudolf von Rheinfelden gegen Kaiser Heinrich IV.).&lt;br /&gt;
*S. 117-123: De oratorum narrationibus (Über die Erzählungen der Redner).&lt;br /&gt;
::In dieser Art der Erzählung soll alles einfach und frei von Affekten sein. Bei aller Kunstfertigkeit soll der Stil schlicht wirken. Die Darstellungen sollen glaubwürdig sein und beinahe in der Alltagssprache alles klar und deutlich erklären. Die angeführten Beispiele stammen aus Ciceros Briefen und Reden, ferner von Isokrates. Das Wahrscheinliche muss so erscheinen, als ob es die Wahrheit selbst sei. In dieser Gattung kommt es ganz besonders auf Deutlichkeit (&#039;&#039;perspicuitas&#039;&#039;) an. Kürze (&#039;&#039;brevitas&#039;&#039;) ist zwar nicht grundsätzlich der Fülle (&#039;&#039;copia&#039;&#039;) vorzuziehen. Überflüssiges muss jedoch zurückgestutzt werden, wenn beim Adressaten der erstrebte Erkenntnisgewinn bereits erzielt ist. Die Ausführlichkeit muss sich nach dem jeweiligen Stoff richten.&lt;br /&gt;
*S. 124-145: De expositionibus &amp;amp; descriptionibus (Über Schilderungen und Beschreibungen). &lt;br /&gt;
::Gegenstand dieses Abschnittes ist das, was im Griechischen ἐκφράσεις genannt wird. Auf diesem Gebiet ragen insbesondere griechische Autoren hervor. Hierbei werden Personen und Dinge gleichsam in der Sprache abgebildet. Neben zahlreichen antiken Belegstellen führt Camerarius auch [[Erwähnte Person::Giovanni Gioviano Pontano|Pontano]] (&#039;&#039;Rixae grammaticorum&#039;&#039;) an. Camerarius fragt, warum er nicht auch einen jüngeren Autoren zitieren soll, da dieser doch ein sehr gelehrter und weiser Mann ist. Für die zahlreichen Anwendungsbereiche der Ekphraseis führt Camerarius Beispiele für die Beschreibungen von Zeitpunkten (&#039;&#039;tempora&#039;&#039;) oder Orten (&#039;&#039;loci&#039;&#039;) an. Kennzeichen von Ekphraseis ist ihr Wortreichtum. Camerarius führt eine große Anzahl an möglichen Gegenstandsbereichen an (u.a. Schiffe, Kleider, Waffen, Bäume, Schlachten, Pest, Ereignisse u.v.a.m.), verweist auf die Beschreibung des Schilds des Achill bei Homer oder das Gewand des Jason bei Apollonios und hebt die Beschreibung von Kunstwerken heraus. Zahlreiche Beispiele in diesem Abschnitt stammen aus [[Erwähnte Person::Vergil]], [[Erwähnte Person::Homer]] und [[Erwähnte Person::Ovid]], aber auch von Prosaschriftstellern wie [[Erwähnte Person::Gaius Iulius Caesar|Caesar]]. Um eine beispielhafte Tierbeschreibung bieten zu können, übersetzt Camerarius aus [[Erwähnte Person::Pausanias]].&lt;br /&gt;
::Der Humanist bringt auch selbst verfasste Beispiele für Beschreibungen vor: Die Beschreibung eines Bildes nach Pausanias, in dem eine Allegorie der Trunkenheit zu sehen ist (138). Ebenso bietet er eine Ekphrasis von [[Erwähnte Person::Albrecht Dürer]]s Kupferstich der &#039;&#039;Melancholia&#039;&#039; (&amp;quot;Melencolia I&amp;quot;) aus dem Jahr 1514 (138-139), eine Darstellung des aufrührerischen Volkes (Anm. 3), die Schilderung von Feiern anlässlich der Geburt des Sohnes [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)|Karls V.]] (wohl [[Erwähnte Person::Philipp II. (Spanien)|Philipp II.,]] geb. 21.05.1527). Schließlich lässt er ein &#039;&#039;Speculum stultae adolescentiae&#039;&#039;, ein Sittenporträt der Jugend mit satirischer Tendenz, folgen.&lt;br /&gt;
*S. 145-161: De chriis (Über die Chrien).&lt;br /&gt;
::Auf eine Definition der Chrie folgen zahlreiche Beispiele.&lt;br /&gt;
*S. 161-169: De sententia, quae γνώμη dicitur (Über die Sentenz).&lt;br /&gt;
::Camerarius gibt zunächst eine Definition, bei der er sich auf Quintilian stützt, gibt Hinweise zu ihrer Anwendung in Reden und ihrer Behandlung im Rhetorikunterricht und führt danach Beispiele sowohl aus der griechischen als auch aus der lateinischen Literatur an. Auch die deutsche Sprache erweist sich nach Camerarius als geeignet für bedeutungsvolle Sprichwörter.&lt;br /&gt;
*S. 169-180: De ethologia (Über die Charakterdarstellung).&lt;br /&gt;
::Zunächst erfolgt eine Definition der &#039;&#039;ethologia&#039;&#039;, bei der einer berühmten oder erfundenen Person (z.B. einer allegorischen Personifikation) eine fiktive Rede in den Mund gelegt wird. Sie eignet sich nicht so sehr für jüngere, vielmehr für schon fortgeschrittene Lernende. Camerarius zeigt Möglichkeiten der Anwendung im Unterricht auf. Beispielsweise kann man auch die Vorfahren die aktuellen Sitten tadeln oder Deutschland (als Sprecherfigur) die Bürger zum tugendhaften Handeln aufrufen lassen. Geübt werden in diesem Bereich die situations- und die sprecherbezogenen Inhalte einer Rede. Es folgen Beispiele aus Cicero, aber auch einen eigenen Text führt Camerarius an (&#039;&#039;Idolopoeia patrum adolescentiae corruptae &amp;amp; aberrantis in cursu bonorum studiorum&#039;&#039;, „Fiktive Rede von Vätern von verdorbenen und beim Studieren vom rechten Weg abgekommenen jungen Männern“, Übersetzung Thorsten Burkard). &lt;br /&gt;
*S. 180-218: De epistolis (Über die Briefe).&lt;br /&gt;
::Die Brieftheorie muss nach Camerarius Teil einer umfassenden Rhetorik sein, da sich die Regeln nicht unterscheiden: Die Stilhöhe soll nach Auffassung der meisten zwischen dem Alltagsgespräch und der ausgefeilten Sprache liegen. Aufbau (&#039;&#039;compositio&#039;&#039;) und Sprache sollen nicht bemüht wirken, jedoch auch nicht nachlässig. Als Eigenheit des Briefes gilt nach Camerarius jedoch, dass die Alltagssprache verwendet werden muss. Hierfür beruft sich der Humanist auf Cicero. Auch bei der Bestimmung der Funktionen des Briefes und der Untergattungen orientiert er sich an dem Römer, nimmt aber auch eigenständige Erweiterungen vor, indem er eine epideiktische Form hinzufügt. Camerarius zählt eine große Bandbreite an Wirkabsichten auf, die mit Briefen verfolgt werden können. Hinsichtlich der therapeutischen Wirkung des Briefeschreibens verweist Camerarius auf eine diesbezügliche Aussage [[Gesprächspartner::Michael Roting|Rotings]]. Den Briefen des Longolius (wohl [[Erwähnte Person::Christophorus Longolius]]) wird nach Camerarius&#039; Meinung zu Unrecht vorgeworfen, die Bedeutsamkeit ihres Inhalts in affektierter Weise zu übertreiben. Im Folgenden behandelt Camerarius den für Briefe zu wählenden rhetorischen Stil. Von der Darstellung wird Klarheit (&#039;&#039;evidentia&#039;&#039;) verlangt. Hierzu trägt die Verwendung gängiger Begrifflichkeit bei. Traktate (&#039;&#039;disputationes&#039;&#039;) über Natur, die Sitten  oder die Philosophie sind nicht als Briefe zu betrachten, so etwa [[Erwähnte Person::Seneca]]s Episteln. Logisches Schließen ist in nicht allzu komplexer Form aber durchaus am Platz. Als die persönliche Haltung, die der Briefautor einnehmen soll, wird &#039;&#039;moderatio&#039;&#039; empfohlen. Camerarius behandelt verschiedene Elemente des Briefs: Briefkopf (&#039;&#039;titulus&#039;&#039;), Formulierung des Grußes, Datumsangabe. Er gibt Hinweise zum Briefstil. So muss der Umfang der Sache angemessen sein. Für die Nachahmung des &#039;&#039;sermo coditianus&#039;&#039; bildet Cicero das beste Modell. Die Formulierung in griechischer Sprache schmückt einerseits die Rede, ermöglicht aber auch die Geheimhaltung von Informationen. Zu den Charakteristika des Briefes lässt Camerarius ein längeres Zitat aus Ciceros &amp;quot;Orator&amp;quot; (23,76-25,86) folgen. Daraufhin werden beispielhafte Passagen aus antiken Briefen angeführt. &lt;br /&gt;
*S. 218-243: De comparationibus (Über Vergleiche/Gleichnisse).&lt;br /&gt;
::Camerarius beginnt mit einer Definition und Funktionsbestimmung der vergleichenden Gegenüberstellung (σύγκρισις): Sie dient der Verstärkung von Lob oder Tadel. Camerarius behandelt ferner das Gleichnis (παραβολή) als rhetorische Figur, die dem Redeschmuck dient. Die Übung in der Herstellung und Anwendung von Vergleichen schult sowohl den Stil als auch das Denken. Zunächst sollen den Schüler bedeutsame Vergleiche aus antiken Texten vorgestellt werden. Hiervon ausgehend soll die Nachahmung und die eigene Abfassung von Vergleichen geübt werden. Bei der Anführung von Beispielen verweist Camerarius auch auf die [[Erwähntes Werk::Erasmus, Parabolae sive similia, 1514|von Erasmus erstellte Sammlung von Gleichnissen]] als nützliche Fundgrube. Camerarius gibt Hinweise für die Erstellung gelungener Gleichnisse und Vergleiche. Es folgen exemplarische Vergleiche aus Camerarius&#039; eigener Feder: [[Erwähnte Person::Demosthenes]] mit [[Erwähnte Person::Aischines (Athen)|Aischines]], [[Erwähnte Person::Tibull]] mit [[Erwähnte Person::Ovid]], [[Erwähnte Person::Karl der Große]] mit Octavian, [[Erwähnte Person::Georg III. Schenk von Limpurg|Georg von Limburg]] mit [[Erwähnte Person::Karl der Kühne|Karl von Burgund]]. Anschließend erläutert Camerarius Themen, die für Vergleiche geeignet sind, und demonstriert diese anhand einer Gegenüberstellung von Reichtum und Armut.&lt;br /&gt;
*S. 243-272: De paraphrasi (Über die Paraphrase).&lt;br /&gt;
::Camerarius beginnt nach einer Herleitung des Begriffes mit der Übersetzung einer exemplarischen Homerparaphrase aus Platons &amp;quot;Politeia&amp;quot;. Camerarius unterscheidet die Paraphrase von der Metaphrase. Die Paraphrase ist freier, entfernt sich weiter vom Original, schmückt dieses auch aus und erweitert es durch Erklärungen. Als Beispiel für die Metaphrase verweist Camerarius auf die Daedalus-Geschichte in Ovids &amp;quot;Metamorphosen&amp;quot; und &amp;quot;Ars amatoria&amp;quot;, bei der eine Übertragung zwischen Hexameter und elegischem Distichon stattfindet. Hier ist jedoch vor Entstellungen des Sinns durch die Änderung der Worte zu warnen. Gegen Cicero verteidigt Camerarius die Übung in der Metaphrase als nützlichen Bestandteile der Rednerausbildung. Der Paraphrase kommt zweifelsohne ein großer Nutzen bei der Ausbildung der Beredsamkeit und der Urteilskraft zu. Camerarius führt weitere Beispiele und Aussagen über die Paraphase an (u.a. [[Erwähnte Person::Xenophon]] zu [[Erwähnte Person::Theognis von Megara|Theognis]], Cicero, Isokrates). Die Paraphrase kann (wie die Metaphrase) auch bei der Übersetzung angewandt werden. Ebenso ist die Epitome eine Form der Paraphrase. Aus dem Vergleich zwischen dem Helena-Enkomion des Isokrates und einem Lucian zugeschriebenen Text, der dieses zusammenfasst, zieht Camerarius die Erkenntnis, dass bei Epitomae durchaus vor der Gefahr einer unangemessenen Wiedergabe des Ausgangstexts gewarnt werden muss. &lt;br /&gt;
*S. 272-305: Imitationis exercitium (Übung in der Nachahmung).&lt;br /&gt;
::Der Fokus dieses Kapitels liegt auf der praktischen Einübung: An die Nachahmung müssen die Schüler schon frühzeitig herangeführt werden. Es folgt eine Definition der &#039;&#039;imitatio&#039;&#039;. Zur Übung bietet sich insbesondere die Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische und umgekehrt an (Anm. 4). Zur Illustration vergleicht Camerarius Platonübersetzungen Ciceros mit den Originaltexten und führt eine eigene Übersetzung zu [[Demosthenes]], &amp;quot;Über die falsche Delegation&amp;quot; (Περὶ τῆς παραπρεσβείας) an. Auch die Übersetzung ins Griechische ist förderlich. Vor der Ungewohntheit und Schwierigkeit einer solche Übung darf man nicht zurückschrecken. Camerarius bringt die Übersetzung eines Cicero-Briefes ins Griechische ein, die von einem ihm nicht bekannten Autor angefertigt wurde. Zwar gibt es nach Camerarius auch eine [[Erwähntes Werk::Theodorus Gaza, Περὶ γήρως ἑρμηνεία, 1517 u.ö.|Ciceroübersetzung des (Theodor) Gaza]]. Camerarius will jedoch eine Übersetzung vorbringen, die zufällig auf ihn gekommen sei. Daraufhin folge noch eine eigene. Die Übersetzung des Briefes sei, wie man weiß, Gazas Wiedergabe zu &amp;quot;De senectute&amp;quot; beigegeben gewesen, damit er als ein Beiwerk (πάρεργον) erscheinen könne. Ein Urteil hierüber überlässt Camerarius aufgrund seiner Unsicherheit jedoch den Lesern (Anm. 5). Camerarius&#039; selbstverfasste Geschichte, die er in lateinischer und griechischer Version darbietet, behandelt eine Handlung  Kaiser Maximilians. Der Leser wird Diskrepanzen zwischen den beiden Texten feststellen: Eine Übersetzung muss dem Ausgangstext möglichst treu bleiben, muss aber auch den Eigenheiten der Zielsprache gerecht werden und dort ebenfalls sprachliche Kohärenz aufweisen. Nicht nur die Übersetzungsübungen zwischen der griechischen und der lateinischen Sprache in beide Richtungen sind sehr empfehlenswert, sondern auch die beidseitige Version in die Volkssprache. Auch die Volkssprache verdient ihre Berücksichtigung. Außerdem ist man aufgrund des noch geringen Wissensstandes der Schüler zur Verwendung der Muttersprache gezwungen. Es folgen Beispiele für die Paraphrase in ungebundener Sprache (aus [[Erwähnte Person::Plautus]]&#039; &amp;quot;Mostellaria&amp;quot;), für Übersetzungen und Wechsel des Metrums, für Paraphrasen mit Erweiterungen und Epitomae. Schließlich wird auch die Imitatio exemplarisch erläutert. Hierbei geht es nicht nur darum, einzelne Wörter, sondern auch Gedankenstrukturen zu übernehmen. Hierzu bedarf es zwar der Begabung, aber auch ein möglichst früher Beginn der Übung ist unabdingbar. Camerarius schlägt konkrete Übungsformen für den Schulunterricht vor. Beispielhaft präsentiert er eine Darstellung zu zeitgeschichtlichen Ereignissen, die an Cicero orientiert ist. Das zweite Beispiel besteht in einem ebenso vom Modell Cicero ausgehenden Nachruf auf [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]].&lt;br /&gt;
*S. 306-324: De subiectione rationum, sive αἰτιολογίᾳ (Über die Hinzufügung von Gründen oder über die Aitiologie)&lt;br /&gt;
::Auch die Einfügung von Begründungen bedarf der Übung. Ferner gehört die Stellung von Fragen (προβλήματα), die einen zu behandelnden Gegenstand aufzeigen, hierher. Allegorien brauchen zwar nicht alle Schüler aktiv bilden zu können, sie sollten sich mit ihnen allerdings zumindest beschäftigen. Auch Rätsel sollen Unterrichtsstoff sein. Die Schüler sollten nicht nur lernen, sie zu lösen, sondern auch zu stellen. Es folgen Beispiele. Diese Unterrichtsgegenstände werden von denen getadelt, die stets einen Wahrheitsbezug herstellen wollen (wie Platon). Camerarius räumt ein, dass diese selbst nicht zu ernst genommen werden sollen. Sie sollen jedoch der Vorbereitung auf Ernsthaftes dienen. Es folgen Beispiele (u.a. aus Platons &amp;quot;Gorgias&amp;quot; und Vergils &amp;quot;Georgica&amp;quot;) und eine Definition der Allegorie. Das Kapitel endet mit vermischten Reflexionen zur Etymologie und zu Eigennamen.&lt;br /&gt;
*S. 324-336: De aenigmatis (Über Rätsel).&lt;br /&gt;
::Camerarius bestimmt das Rätsel als eine Form der Allegorie. Es zeichnet sich durch Ambiguität aus und steht auch dem Vergleich nahe. Die Ambiguität kann sich auf unterschiedliche Aspekte beziehen (Einzelwörter, Inhalt, Wortklang u.a.). Camerarius führt Beispiele aus der antiken Literatur an (u.a. [[Erwähnte Person::Theokrit]]s &amp;quot;Fistula&amp;quot;, [[Erwähnte Person::Symphosius]]). Um dem Leser etwas zum Knobeln zu hinterlassen, löst Camerarius nicht alle beispielhaft angeführten Gedichte auf. Camerarius erwähnt, dass er auch in seinen Schriften zu Aesop an recht viele Rätsel erinnert hat. In diesen Bereich ordnet er auch die Traumdeutung und die Erklärung von Wunderzeichen ein. Als wichtiges Referenzwerk verweist Camerarius auf Ciceros &amp;quot;De divinatione&amp;quot;. Das Thema sollte durchaus auch Kindern nahegebracht werden. &lt;br /&gt;
*S. 336-342: De locis communibus (Über die Gemeinplätze).&lt;br /&gt;
::Camerarius stützt sich in seiner Definition und Darstellung auf die Tradition der griechischen Rhetorik und auf Cicero. Camerarius gibt Ratschläge, wie ein Topos aufgebaut werden sollte. Gängige Sammlungen zum Thema sind mangelhaft. Hierzu zählt auch Seneca (d.Ä.). Camerarius führt zwei Beispiele für Topoi mit Angabe der Belegstellen aus: 1. &amp;quot;Der Tod ist kein Unheil&amp;quot;. 2. &amp;quot;Die Launen des Schicksals geben dem Menschen Lenkung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
*S. 343-372: De probationibus et reprehensionibus, deque laude &amp;amp; vituperatione (Über Billigung und Widerlegung, Lob und Tadel).&lt;br /&gt;
::Camerarius bringt zahlreiche Belegstellen für die verschiedenen Redeformen bei. Im Vorfeld weist er darauf hin, dass sich in diesem Bereich die Grammatiker und die Dichter feindlich gesinnt sind. Vergil wurde von Gellius und Macrobius getadelt. Pontano hat ihn jedoch verteidigt (Anm. 6). Camerarius wendet sich gegen die in der &amp;quot;Rhetorica ad Herennium&amp;quot; vertretene Auffassung, dass man in der Lehre keine Beispiele aus früheren Zeiten verwenden solle. Eine besonders ausführliche Behandlung räumt Camerarius den Encomia und den Tadelreden (&#039;&#039;vituperationes&#039;&#039;) ein. Insbesondere Proömien sind der Ort für Lob und Tadel. Beispiele bezieht Camerarius aus Aesop, Herodot, Homer, Demosthenes, Platon, [[Erwähnte Person::Euripides]], Strabo, Plutarch, Theognis, Hesiod u.a. Bei den herangezogenen Texten geht es um den Widerstreit verschiedener Interpretationen zu einzelnen Textstellen, zu Autoren und zu Sentenzen. Auch Vergleiche bieten sich als Gegenstände des Tadels an, wenn sie als gekünstelt empfunden werden.&lt;br /&gt;
*S. 372-384: De carminibus componendis (Über die Abfassung von Gedichten).&lt;br /&gt;
::Erst wer sich auf die Abfassung von Gedichten versteht, kann als gebildet gelten. Camerarius geht in seiner Kategorisierung von Gedichten (&#039;&#039;formae carminum&#039;&#039;) von den Versmaßen aus. Diese sind heroisch (Hexameter), elegisch, iambisch oder trochäisch. Es folgt eine kurze Verslehre zu den erwähnten Metren. Es reicht, wenn sich die Kinder in diesen geläufigeren Versmaßen üben. Alles Andere soll zu seiner Zeit folgen und wenn die Musen es zulassen. Camerarius empfiehlt die Umformung von Prosatexten in gebundene Sprache. &lt;br /&gt;
::Er bringt Beispiele eigener Gedichte in den unterschiedlichen Verssystemen vor: &lt;br /&gt;
::S. 377-378: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. -  Fabula inclusa versibus hexametris dactylicis. Si non est res ampla domi (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Fabula inclusa versibus hexametris dactylicis, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 378-380: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Narratiuncula exposita versibus elegiacis. Si quem forte rosae (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Narratiuncula exposita versibus elegiacis, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 380-381: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Explicatio versuum Pindari versibus imabicis trimetris &amp;amp; dimetris. Cum multa, Pindare, dixeris pulcerrima (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Explicatio versuum Pindari versibus imabicis trimetris &amp;amp; dimetris, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 381: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Chria trochaicis tetrametris catalectis. Non male hoc quicumque dixit (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Chria trochaicis tetrametris catalectis, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 381: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Refutatio dicti Solonis, neminem esse beatum ante mortem: versibus hendecasyllabis. Expectare Solon iubebat aevi (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Refutatio dicti Solonis versibus hendecasyllabis, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 382: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Gnomica. Consiliis ut mens hominum (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Gnomica, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 382: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Comparatio. Ut quondam Herculeas (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Comparatio, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 382-383: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Ὑπερβολικαὶ similitudines. Terra prius iacto diversum (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Ὑπερβολικαὶ similitudines, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 383: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Illationes. Quam tua de nostro /Quam mihi sit tecum (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Illationes, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 383: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Versiones de Graecis mutato genere carminis: Simonidis, ut aiunt. Aetas dum viget (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Versiones de Graecis mutato genere carminis: Simonidis, ut aiunt, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 383-384: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Callimachi commendatio doctrinae. Quae quondam capiti imposui (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Callimachi commendatio doctrinae, 1541}}&lt;br /&gt;
*S. 384-391: De proposito, quam vocant θέσιν, &amp;amp; declamationibus (Über die allgemeine Betrachtung, die man θέσις nennt und über die Deklamationen).&lt;br /&gt;
::Camerarius definiert und erläutert die einschlägigen rhetorischen Fachtermini (u.a. mit Differenzierung zwischen Thesis und Topos). Als Referenzen nennt Camerarius Cicero und [[Erwähnte Person::Aphthonios|Aphthonius]]. &lt;br /&gt;
*S. 391-401: De declamationibus &amp;amp; fictis materiis (Über Deklamationen und fiktive Gegenstandsbereiche).&lt;br /&gt;
::Das Kapitel beginnt mit Darlegungen zur Geschichte und Definition der Deklamation. Camerarius kategorisiert Reden nach verschiedenen Formen. Er schließt mit allgemeinen Empfehlungen für diejenigen, die die Beredsamkeit erlernen wollen, und mit Gedanken über die Zielgruppe des Werkes. Die Kinder der Gegenwart sollen auch in Zeiten, in denen es schlecht um die Bildung steht, an die Beredsamkeit herangeführt werden. Hierbei rechtfertigt Camerarius den hohen Anspruch, der mit seinem vorliegenden didaktischen Programm an die Schüler gestellt wird. Er formuliert seinen pädagogischen Grundsatz, wonach die Kinder zu aktivem, eigenständigem Mitdenken ermuntert werden sollen. Camerarius endet mit einem emphatischen Aufruf an die Schüler, die Möglichkeiten, die ihnen die Ausbildung insbesondere in der Sprache bietet, zu nutzen. &lt;br /&gt;
*S. 402-403: Korrekturen.&lt;br /&gt;
*S. 404-426: Index.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Auch Melanchthon hat ein Handbuch zur Rhetorik verfasst: &amp;quot;Elementa rhetorices&amp;quot;, 1531.&lt;br /&gt;
*Anm. 1: Vgl. Quint. Inst. 1,9.&lt;br /&gt;
*Anm. 2: In den Marginalien wird als Quelle &amp;quot;De or. lib. 9 (in der verbesserten Auflage von 1545 korrigiert zu &amp;quot;3&amp;quot;)&amp;quot; angegeben.&lt;br /&gt;
*Anm. 3: Da Deutschland als Ort des Geschehens angegeben ist, kann man bei Darstellung des Geschehens an den Bauernkrieg denken.&lt;br /&gt;
*Anm. 4: Hier ist nicht ganz deutlich, ob Camerarius diesen didaktischen Rat auf die Paraphrase, die Übersetzung oder beides bezogen wissen möchte. &lt;br /&gt;
*Anm. 5: Der Gedankengang an dieser Stelle ist verwirrend. Wenn Camerarius zunächst schreibt, dass die Übersetzung des Theodor Gaza zu dem ersten Brief Ciceros an Lentulus &#039;&#039;in manibus&#039;&#039; sei, meint er damit wohl nicht, dass sie in seinem Besitz sei, sondern dass eine solche Version greifbar sei. Mit der genannten, zufällig auf ihn gekommenen Übersetzung ist wohl auf die unmittelbar folgende, abgedruckte Übersetzung zu dem Cicero-Brief verwiesen; mit der hier genannten eigenen Übersetzung meint er wohl den darauffolgenden griechischen Text, der jedoch keine Wiedergabe mehr zu dem Cicero-Brief an Lentulus darstellt. Hinsichtlich einer Ausgabe von Theodors &amp;quot;De senectute&amp;quot;-Übersetzung, der eine griechische Version des 1. Briefes an Lentulus beigegeben sei, liegt möglicherweise eine Fehlinformation bei Camerarius vor. In den gängigen Druckausgaben der Zeit konnte eine solche Druckkonstellation nicht verifiziert werden.&lt;br /&gt;
*Anm. 6: Hier denkt Camerarius vermutlich an Pontanos poetologisches Werk [[Erwähntes Werk::Pontano, Actius, 1499|&amp;quot;Actius&amp;quot;]], in dem sich dieser auch mit Vergil auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
=== Überlieferung ===&lt;br /&gt;
*In den Randglossen finden sich Stellenangaben zu den antiken Autoren, teils mit zitiertem Text.&lt;br /&gt;
*Die Ausgabe von 1545 stellt eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage dar.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Die Beschreibung der Melancholia ist wiederaufgenommen bei [http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10184689-9 Johann Gast, Tomus secundus Convivalium sermonum, Basel 1548] (neben zahlreichen anderen Camerarius-Texten) (Ferner gibt es eine handschriftliche Abschrift in Berlin (vgl. Rupprich 1956, S. 319-320).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Der Beginn des Kapitels &amp;quot;De carminibus componendis&amp;quot; wird zitiert in Nikolaus Selneckers [[Selnecker, Libellus prosodiae, 1568|&amp;quot;Libellus prosodiae&amp;quot;]] (1568) und in der [[Selnecker, Libellus prosodiae, 1573|Neuausgabe von 1573]] widerabgedruckt.&lt;br /&gt;
=== Forschungsliteratur ===&lt;br /&gt;
* [[Arnulf 2004]] (zur Beschreibung der Melancholia)..&lt;br /&gt;
* [[Heckscher 1978]] (Text, Übersetzung, Erläuterungen und Interpretation zur &#039;&#039;Melancholia&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
* [[Rupprich 1956]], S. 319-320 (zur Beschreibung der &#039;&#039;Melancholia&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
* [[Roth 1877]], S. 234 (Verweis auf die Elementa rhetoricae in [[Erwähnte Person::Ulrich (Württemberg)|Herzog Ulrichs]] Ordnung der Artistenfakultät vom 20.7.1544)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Dornau,_Amphitheatrum,_1619&amp;diff=132350</id>
		<title>Dornau, Amphitheatrum, 1619</title>
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		<updated>2025-08-20T08:00:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Amphitheatri sapientiae Socraticae ioco-seriae tomus posterior rerum pro damnosis habitarum encomia &amp;amp; commentaria continens. Recensente Caspare Dornavio philos(opho) &amp;amp; medico&lt;br /&gt;
|d_language=Latein; Griechisch&lt;br /&gt;
|d_place=Hanau&lt;br /&gt;
|d_printer=Johann Aubry I. (Erben); Clemens Schleich&lt;br /&gt;
|d_date=1619&lt;br /&gt;
|Register=Gedichtsammlung&lt;br /&gt;
|d_vd16=VD17 23:278745W&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=https://kxp.k10plus.de/DB=1.28/CMD?ACT=SRCHA&amp;amp;IKT=8079&amp;amp;TRM=%2723:278755C%27&lt;br /&gt;
|d_pdf=http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10781440-8&lt;br /&gt;
|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 09:48, 20. Aug. 2025 (CEST) Hier gab es ein Problem mit der richtigen Zuordnung der Bände. Band 2 enthält nichts von JC. Daher die beiden falschen Links gelöscht. In Band 1 sind noch mehrere Werke des Camerarius nicht verlinkt: z.B. S. 491f. Equi elogium, S. 492 Auszug aus den Centurien. Viele der JC zugeschriebenen Werke sind aber aus den Emblemata, also von JC II.&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=JS&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
===Streckenbeschreibung===&lt;br /&gt;
In dieser Anthologie werden die Gedichte nach ihren Inhalten geordnet. Unter den folgenden Themen finden sich Gedichte des Camerarius:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosae:&lt;br /&gt;
*S. 193f.: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Ioachimi Camerarii Rosae. Si quem forte rosae delectant, iam magis illas (Inc.)&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Narratiuncula exposita versibus elegiacis, 1541}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
De laudibus de vita rustica:&lt;br /&gt;
*S. 794-795: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Ὁδοιπορική &amp;amp; encomium vitae rusticae. Clara tenebrosa pelluntur sidera noctis (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius an Unbekannt, 01.11.1526}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
*[[Wiegand 1984]], S. 458.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
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		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Dornau,_Amphitheatrum,_1619&amp;diff=132349</id>
		<title>Dornau, Amphitheatrum, 1619</title>
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		<updated>2025-08-20T07:48:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Amphitheatri sapientiae Socraticae ioco-seriae tomus posterior rerum pro damnosis habitarum encomia &amp;amp; commentaria continens. Recensente Caspare Dornavio philos(opho) &amp;amp; medico&lt;br /&gt;
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|Notizen=[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 09:48, 20. Aug. 2025 (CEST) Hier gab es ein Problem mit der richtigen Zuordnung der Bände. Band 2 enthält nichts von JC. Daher die beiden falschen Links gelöscht. In Band 1 sind noch mehrere Werke des Camerarius nicht verlinkt&lt;br /&gt;
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}}&lt;br /&gt;
===Streckenbeschreibung===&lt;br /&gt;
In dieser Anthologie werden die Gedichte nach ihren Inhalten geordnet. Unter den folgenden Themen finden sich Gedichte des Camerarius:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosae:&lt;br /&gt;
*S. 193f.: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Ioachimi Camerarii Rosae. Si quem forte rosae delectant, iam magis illas (Inc.)&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Narratiuncula exposita versibus elegiacis, 1541}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
De laudibus de vita rustica:&lt;br /&gt;
*S. 794-795: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Ὁδοιπορική &amp;amp; encomium vitae rusticae. Clara tenebrosa pelluntur sidera noctis (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius an Unbekannt, 01.11.1526}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
*[[Wiegand 1984]], S. 458.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
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		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Orationis_Latinae_exercitium_rhetoricum,_1541&amp;diff=132348</id>
		<title>Camerarius, Orationis Latinae exercitium rhetoricum, 1541</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Orationis_Latinae_exercitium_rhetoricum,_1541&amp;diff=132348"/>
		<updated>2025-08-20T07:35:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0387&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|d_status2=Übersetzer&lt;br /&gt;
|Übersetzter Autor2=Aesop; Platon; Isokrates; Plutarch; Isokrates; Pausanias; Platon; Lukian; Demosthenes&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1541&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Gesichert: Kolophon: &#039;&#039;Mense Martio, Anno M.D.XLI&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1541/03/01&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1541/03/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Orationis Latinae exercitium rhetoricum&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Lehrwerk zur Redekunst. Im Proömium legt Camerarius seine grundlegenden Gedanken zur Konzeption und Zielsetzung des Werkes dar. Hierbei stellt er die Gemeinsamkeiten und die Differenzen zu den Modellen Cicero, Quintilian und Aphthonios heraus. Ferner reflektiert er über die Zwecke des Rhetorikunterrichts, die Erzählung (&#039;&#039;narratio&#039;&#039;), in der er das elementare Charakteristikum einer Rede sieht, und die Unterscheidung zwischen faktualen und fiktionalen Texten. Bei Faktualität und Fiktionalität stellt er wiederum verschiedene Formen fest, zwischen denen differenziert werden muss. In dem Werk wird das für den Rhetorikunterricht notwendige Wissen zur Literatur, ihren literarischen Formen und zur Geschichte aufgearbeitet. Hierzu zählt auch eine Brieftheorie. Über die gesamte Schrift hinweg steht die rhetorische Praxis im Blickpunkt. Das Werk stellt jedoch nicht ein Lehrbuch für den Schüler, sondern ein &amp;quot;Lehrerbuch&amp;quot; für den Unterrichtenden dar. Camerarius präsentiert zum einen den Unterrichtsstoff, behandelt zum anderen aber auch dessen didaktische Aufbereitung.&lt;br /&gt;
|Register=Geschichtsschreibung; Rhetorik; Bildungsdiskurs; Ekphrasis; Lehrbuch; Fabel; Imitatio; Briefe/Brieftheorie; Elementarunterricht; Stilkritik; Poetik; Sprache; Sprachentwicklung; Sprachphilosophie; Pädagogik; Fabel; Komödie; Geschichtsschreibung; Türkenkriege/Türkengefahr; Rhetorik; Allegorie; Melancholie; Paraphrase; Paraphrase (Prosa); Übersetzungstheorie; Traum/Traumdeutung; Divination und Prodigien; Rätselgedicht; Panegyrik; Metrik&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1541]]; [[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1545]];  [[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1551]];  [[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1562]];  [[Camerarius, Elementa rhetoricae, 1564]]; [[Selnecker, Libellus prosodiae, 1568]] (Zitat aus dem Kapitel &amp;quot;De carminibus componendis&amp;quot;)&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Notizen=Sicher, dass das Werk in Dornau, Amphitheatrum, 1619 enthalten ist? Ich habe beim Drüberschauen nichts gefunden... Oder nur Auszüge? Dann vielleicht irgendwo vermerken? [[Benutzer:HIWI|HIWI]] ([[Benutzer Diskussion:HIWI|Diskussion]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Benutzer:VG|VG]] ([[Benutzer Diskussion:VG|Diskussion]]) 09:35, 20. Aug. 2025 (CEST) Das ist eine Verwechslung. Zum einen ist von den Links auf den Dornau nur der 2. korrekt. Die anderen beiden beziehen sich auf Band 2, worin nichts von JC erhalten ist. Im einzigen korrekten Scan ist wohl die Nummer vertauscht: Das ist ein Gedicht &amp;quot;Ioachimi Camerarii Rosae. Si quem forte rosae delectant, iam magis illas (Inc.)&amp;quot;, aber irgendwie ist ein falscher Titel angegeben. Ich lösche den Dornau hier und führe die Diskussion dort fort.&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
In dem Werk wird das für den Rhetorikunterricht notwendige Wissen zur Literatur, ihren literarischen Formen und zur Geschichte aufgearbeitet. Hierbei weist Camerarius die richtige Anwendung für die Abfassung von Texten in der Praxis auf. Das Werk stellt nicht ein Lehrbuch für den Schüler, sondern ein &amp;quot;Lehrerbuch&amp;quot; für den Unterrichtenden dar.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist nach den behandelten Themen in folgende Abschnitte gegliedert: &lt;br /&gt;
*S. 1-24: Prooemium.&lt;br /&gt;
::Das Werk dient dem Unterricht in der lateinischsprachigen Rhetorik, der im Studienplan der Universität neben der Unterweisung in der Dialektik vorgesehen ist (1). In den dem Werk vorausgeschickten grundsätzlichen Gedanken legt Camerarius dar, dass in allen Künsten die Übungen (&#039;&#039;exercitia&#039;&#039;) nichts Anderes seien als die Anwendung von Lehrsätzen (&#039;&#039;usus praeceptorum&#039;&#039;, 2). Nur mithilfe von Lehrsätzen kann man zur Beherrschung einer Kunst gelangen. Auch bei bester Begabung kann man ohne diese nicht zu einer dauerhaften und sicheren Praxis (&#039;&#039;constantia &amp;amp; certitudo artis&#039;&#039;) gelangen. Wie nur die Lehrsätze zu einer Kenntnis in der Kunst führen, so erweist sich erst in der Anwendung ihre vollendete Beherrschung. Hier kommt nun die (Verwendung von) Beispiele(n) (&#039;&#039;exempla&#039;&#039;) zum Tragen, die die allgemeingültige Regel (&#039;&#039;generalis doctrina&#039;&#039;) in der Betrachtung des Einzelfalls (&#039;&#039;singulari quadam ratione atque definitione&#039;&#039;) erklären. Die beiden Bereiche sollten nicht getrennt voneinander, jedoch stets nacheinander betrachtet werden (2-3).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Alle Dinge beruhen auf Grundstoffen (&#039;&#039;principia&#039;&#039;), auf denen sie aufbauen (3). Dies gilt für die Künste nicht weniger als für die Natur. Alle bedeutenden Vertreter eines Gebietes haben einmal klein angefangen (3-4). Auch für die Entwicklung der Beredsamkeit von klein auf bedarf es einer Ausbildung auf der Grundlage der Verbindung von theoretischen Lehrsätzen und praktischer Anwendung. Dies beweisen insbesondere diejenigen Werke, die hierzu von sehr gebildeten Lehrern überliefert sind. Auf Griechisch werden diese προγυμνάσματα, auf Lateinisch &amp;quot;Anfänge der Redekunst&amp;quot; (&#039;&#039;primordia dicendi&#039;&#039;, 4-5, Anm. 1) genannt. Diese Werke zu den Grundlagen (&#039;&#039;elementa&#039;&#039;) boten die als notwendig erachtete Vorübung, bevor man die Kinder zum Rhetor in die Ausbildung schickte (5). Dieses Studium ist in der Gegenwart noch wichtiger als damals, da es heute nicht nur um die rhetorische Ausbildung, sondern auch um den Erwerb der Sprachkenntnis geht. Camerarius hält solche Werke, die die sprachliche Ausdrucksweise (&#039;&#039;sermo &amp;amp; loquela&#039;&#039;) zum Gegenstand haben, für notwendig und verteidigt sie gegen abweichende Meinungen (5-6). Rhetorik und Weisheit sind für Camerarius nicht voneinander zu trennen (7). Hierzu stützt er sich auf [[Erwähnte Person::Cicero]] (Anm. 2).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Camerarius weist darauf hin, dass in der Sprache Klugheit (&#039;&#039;prudentia&#039;&#039;), eine unglaubliche Schönheit (&#039;&#039;pulchritudo&#039;&#039;) und größte Geisteskraft (&#039;&#039;vis animi&#039;&#039;) stecken. In seinen sprachtheoretischen Überlegungen stellt er heraus, dass sich bei Kindern die Sprache erst entwickelt, wenn auch eine Kenntnis der Dinge vorliegt (9). Auch sprachliche Defizite bei Behinderten beweisen laut Camerarius, dass Sprache stets an das Vorhandensein zugrundeliegender geistiger Gehalte gebunden ist. Unter &#039;&#039;eloquentia&#039;&#039; versteht Camerarius eine ausgebildete Form der Rede, die mit Klugheit verbunden sein muss (9-10). In Anlehnung an [[Beeinflusser::Quintilian]] fordert Camerarius die Einheit von Gelehrsamkeit und Beredsamkeit. Diese fand sich nur bei den Griechen und Römern verwirklicht (10-11). Den früheren Deutschen ist diese Kultur noch abgegangen (11). In der Frage, welche der Alten Sprachen zuerst gelernt werden müsse, optiert Camerarius für eine zeitliche Priorität des Lateinischen gegenüber dem Griechischen im Lehrcurriculum (12-14). &lt;br /&gt;
::Im Folgenden legt Camerarius dar, worin die &amp;quot;Elemente&amp;quot; einer Rhetorik (&#039;&#039;de principiis &amp;amp; ingressionibus doctrinae&#039;&#039;) bestehen sollen (14). Von lateinischen Beispielen soll immer zu griechischen fortgeschritten werden. Camerarius gibt jedoch zu bedenken, dass das Werk nicht mehr als eine Vorbereitung auf die Beherrschung der Kunst bietet. Er will einen Einstieg in die Studien bereitstellen, der möglichst umfassend ist. Hierzu stützt er sich auf antike Autoritäten wie Quintilian, Cicero oder [[Beeinflusser::Aphthonios]], nimmt dabei aber auch Erweiterungen vor (17-18). Camerarius schließt an Quintilians Bestimmung der &#039;&#039;primordia dicendi&#039;&#039; (&#039;&#039;Inst.&#039;&#039; 1,9: &amp;quot;Grundlagen des Redeunterrichts&amp;quot; Wiedergabe Rahn) an (18-19). Diese gehören zum Aufgabenbereich des Grammatikers. Unter diese zählt Camerarius gemäß Quintilian die Fabeln Aesops, Paraphasen, Sentenzen, Chrien (&#039;&#039;chriae&#039;&#039;), Charakterdarstellungen (&#039;&#039;ethologiae&#039;&#039;), Veranschaulichungen (&#039;&#039;subiectiones&#039;&#039;) und Darlegungen (&#039;&#039;expositiones&#039;&#039;).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Es folgen Reflexionen über Camerarius&#039; Verhältnis zu seinen Modellen (19): In Hinblick auf die Paraphrase unterscheiden sich Cicero und Quintilian. Während Cicero seine Lehren für Erwachsene geschrieben hat, versucht Camerarius die Lehren schülergerecht zu präsentieren. Er nimmt die Forderungen aus dem ersten Buch von Ciceros &amp;quot;De oratore&amp;quot; auf: Gelesen werden müssen auch Dichter, man muss sich in der Geschichte auskennen, Schriften aus allen schönen Künsten gelesen haben, sich kritisch mit diesen auseinandersetzen können, im Disputieren geübt sein und zukünftige Entwicklungen einschätzen können. Diese Themen wollte Quintilian erst im Rhetorikunterricht, nicht schon beim Grammatiklehrer angesiedelt wissen. Camerarius will die entsprechenden Unterrichtsgegenstände zwar in zeitlicher Reihenfolge nach Altersstufen differenzieren, aber dennoch an derselben Schule unterrichten. In keinem Bereich der Beredsamkeit sollen die Schüler völlig unbenetzt bleiben (19-20).&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
::Beginnen möchte Camerarius mit der äsopischen Fabel. Wegen ihrer Einfachheit muss sie am Anfang der Ausbildung stehen. Ihren Wert erhält sie durch die Reinheit und Eleganz der Erzählung (&#039;&#039;narrationis puritas &amp;amp; elegantia&#039;&#039;). Deshalb soll sie in allen Altersstufen gepflegt werden. Nur wenn man früh mit ihr beginnt, wird man mit ihrer Sprache vertraut. Auch für die Richtigkeit der Sprache kommt ihr eine besondere Bedeutung zu.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Eine Rede ist entweder eine Erzählung, das Proömium zu einer Erzählung, folgt einer Erzählung oder ist ihr angefügt (20). Eine Erzählung definiert Camerarius mit Cicero als eine Darlegung von Taten oder von Sachverhalten, die diesen gleichen (&#039;&#039;narratio...rerum gestarum, aut ut gestarum expositio&#039;&#039;, 20-21). In dieser Weise wird eine Erzählung von allen Lesern aufgefasst, egal ob sie fiktional oder faktual ist oder eine Mischung aus diesen beiden darstellt. Faktuale Erzählungen können eigenständig oder eingefügt sein. Fiktionale Erzählungen weichen entweder nicht von der realen Lebenswirklichkeit ab, wie dies bei den Komödien der Fall ist (&#039;&#039;figmenta a communi rerum natura &amp;amp; quotidiano usu vitae non recedunt&#039;&#039;). Hierzu führt Camerarius ein Beispiel aus Terenz&#039; &amp;quot;Adelphoe&amp;quot; an. Oder sie weichen von der menschlichen Erfahrungswelt ab, wie dies bei der Tragödie der Fall ist (&#039;&#039;abhorrent a captu sensuque hominum, et veri etiam similitudine carent&#039;&#039;). Hierzu führt Camerarius Beispiele aus Tragödien mit mythologischen Stoffen an. Auch die Fabeln Aesops sind diesem Bereich zuzuordnen (22). Die Geschichtsschreibung ist in einer Mittelstellung anzusiedeln, da auch sie viel Erfundenes enthält. Hierzu folgt ein Textzitat aus [[Erwähnte Person::Herodot]]. Auch bei [[Erwähnte Person::Titus Livius|Livius]] ist nicht alles so geschehen, wie er es erzählt, sondern ist vielmehr in epideiktischer Form dargestellt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Die Gliederung der folgenden Darstellung richtet sich nach den verschiedenen Formen der Erzählung (23-24). In jeder von ihnen muss sich ein Student üben: 1. Die Fabel Aesops, 2. Darstellungen von Sachverhalten, die im öffentlichen und alltäglichen Leben angesiedelt sind (Komödien, Mimen, Gespräche, Dialoge). Hier findet sich insbesondere die Form der Erzählung, die sich auf Personen bezieht. 3. Dichtung (&#039;&#039;poetica fabula&#039;&#039;) und Vergleichbares, 4. Geschichtsschreibung, 5. Sachtexte / Argumentierende Texte (?) (&#039;&#039;vera narratio caussae&#039;&#039;).   &lt;br /&gt;
*S. 24-38: De fabulis Aesopicis (Über die äsopischen Fabeln). &lt;br /&gt;
::Camerarius zeigt die Charakteristika der Fabeln des [[Erwähnte Person::Aesop]] auf. Trotz ihrer Fiktionalität sind die Fabeln Träger moralischer Lehren. Er fährt mit der Gattungsgeschichte, dem pädagogischen Wert und den verschiedenen Formen der antiken Fabel fort. Camerarius behandelt nicht nur Aesop, sondern verweist auch auf andere Autoren wie [[Erwähnte Person::Hesiod]], [[Erwähnte Person::Horaz]], [[Erwähnte Person::Xenophon]], [[Erwähnte Person::Platon]] und zitiert bzw. übersetzt aus diesen die relevanten Textpassagen.&lt;br /&gt;
*S. 38-45: De vario usu tractandae fabulae (über die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der Fabelbearbeitung).&lt;br /&gt;
::Camerarius zeigt auf, wie die Fabeln im Unterricht zu behandeln sind: Zunächst soll die Fabel kurz ausgelegt werden. Hiervon geht eine vertiefende Betrachtung aus, bei der es um die Bewertung der dargestellten Handlung geht (&amp;quot;Die Moral von der Geschicht&amp;quot;). Danach soll der dargelegte Stoff zu Reden ausgestaltet werden. Durch die Variation in der Darstellung der Geschichte werden Flexionsformen geübt. Camerarius lässt ein Beispiel folgen, an dem diese Methode &amp;quot;durchdekliniert&amp;quot; wird, wobei dieselbe Geschichte wiederholt, aber jeweils mit dem Schwerpunkt auf einem anderen Kasus erzählt wird.&lt;br /&gt;
*S. 45-51: De emendando (Über die Verbesserungen).&lt;br /&gt;
::Camerarius gibt, weiterhin am Beispiel der Fabeln, Hinweise zur Korrektur von Schülerleistungen. Camerarius rät davon ab, verbesserte Lösungen anzugeben. Dies sei aufwendig und wenig hilfreich. Stattdessen rät er zur gezielten Korrektur wichtiger Fehler.&lt;br /&gt;
*S. 51-83: De narrationibus verisimilibus (Über Erzählungen mit wahrscheinlichen Inhalten).&lt;br /&gt;
::Als &#039;&#039;verisimile&#039;&#039; bezeichnet Camerarius dargestellte Ereignisse, die im alltäglichen Leben geschehen könnten (wir es z.B. in den Stoffen der Komödien und Dialoge der Fall ist). Um Beispiele anzuführen, führt Camerarius neben [[Erwähnte Person::Lukian]] auch [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]] an. Zu den gemischten Formen (von Fiktionalität und Faktualität) verweist Camerarius auf französische und italienische Werke zur Liebesthematik und mit frivolen Inhalten. Diese sind jedoch zu meiden. Die Zuordnung von Fiktionalität/Faktualität ist historisch-kulturell bedingt, wobei antike Vorstellungen von gegenwärtigen abweichen können. Hierüber zu urteilen, ist aber Sache von weiter fortgeschrittenen Schülern. In diesem Abschnitt zitiert Camerarius hinsichtlich der Behandlung antiker Stoffe auch eine selbst verfasste Erzählung (&#039;&#039;Aliud nostrum exemplum: In Apulia, ubi quondam Salapia (Inc.)&#039;&#039;, 55-58; weitere eigene Erzählungen: &#039;&#039;Ante annos triginta, in ea parte Germaniae (Inc.)&#039;&#039;, 64-66; &#039;&#039;Veni nuper ad necessarium nostrum (Inc.)&#039;&#039;, 80-83). Beispiele führt Camerarius auch aus [[Erwähnte Person::Cicero]], Platon, [[Erwähnte Person::Plautus]] und [[Erwähnte Person::Plutarch]] an; von Valerius (sc. Maximus) ist jedoch abzuraten, da seine Sprache bei Gebildeten nicht als die beste gilt.&lt;br /&gt;
*S. 83-99: Fabulae poeticae (Dichterische Erzählungen).&lt;br /&gt;
::Die Erzählung der dichterischen Stoffe (&#039;&#039;narratio poeticarum fabularum&#039;&#039;) ist sowohl von der Wahrheit (&#039;&#039;a veritate&#039;&#039;) als auch von der Wahrscheinlichkeit (&#039;&#039;ab huius similitudine&#039;&#039;) sehr weit entfernt. Als Beispiele verweist Camerarius auf [[Erwähnte Person::Hesiod|Hesiods]] &amp;quot;Theogonie&amp;quot;, die Tragödien, einige Geschichten bei Homer und bestimmte, wohl ägyptische Erzählungen bei Philosophen, die eine allegorische Bedeutungsebene besitzen. Exemplarisch wird die Perseus-Geschichte dargestellt, sowie die Gyges-Geschichte in den Wiedergaben von Platon und Cicero sowie [[Camerarius, Sortitus animarum ex Eris Pamphylii narratione (lat.), 1541|der Mythos des Er aus der platonischen &amp;quot;Politeia&amp;quot;]] (91-97). Es folgen Ausschnitte aus Ciceros &amp;quot;Verrinen&amp;quot;&amp;quot; und &amp;quot;De divinatione&amp;quot;. &lt;br /&gt;
*S. 100-117: De historia (Über die historiographischen Erzählungen).&lt;br /&gt;
::Eine weitere Form der Erzählung ist die historische. Diese siedelt Camerarius zwischen faktualer und fiktionaler Erzählung (&#039;&#039;inter veras &amp;amp; fictas narrationes&#039;&#039;) an. Da, wo die historische Erzählung wahr sein soll, muss sie es ganz und gar sein und darf nicht nur wahrscheinlich sein. Das Übrige fügt sich durch das Thema und die Darstellung (in die Faktualität) ein (&#039;&#039;reliqua consentanea erunt argumento &amp;amp; expositione&#039;&#039;). Camerarius stützt sich in seiner Darstellung auf Cicero, will sich jedoch auch mit eigenen Gedanken einbringen. Er betont den literarischen Wert der Geschichtsschreibung. Für die Historiographie spielt die Erforschung (&#039;&#039;exquisitio&#039;&#039;) von Tatsachen eine besonders große Rolle. Die angeführten Beispieltexte stammen aus Livius und [[Erwähnte Person::Isokrates]], jedoch auch aus der Zeitgeschichte und behandeln z.B. die Schlacht von [[Erwähnter Ort::Mohács]] und den Tod König [[Erwähnte Person::Ludwig II. (Böhmen und Ungarn)|Ludwigs]] (107-113) oder die deutsche Geschichte des Mittelalters (Rudolf von Rheinfelden gegen Kaiser Heinrich IV.).&lt;br /&gt;
*S. 117-123: De oratorum narrationibus (Über die Erzählungen der Redner).&lt;br /&gt;
::In dieser Art der Erzählung soll alles einfach und frei von Affekten sein. Bei aller Kunstfertigkeit soll der Stil schlicht wirken. Die Darstellungen sollen glaubwürdig sein und beinahe in der Alltagssprache alles klar und deutlich erklären. Die angeführten Beispiele stammen aus Ciceros Briefen und Reden, ferner von Isokrates. Das Wahrscheinliche muss so erscheinen, als ob es die Wahrheit selbst sei. In dieser Gattung kommt es ganz besonders auf Deutlichkeit (&#039;&#039;perspicuitas&#039;&#039;) an. Kürze (&#039;&#039;brevitas&#039;&#039;) ist zwar nicht grundsätzlich der Fülle (&#039;&#039;copia&#039;&#039;) vorzuziehen. Überflüssiges muss jedoch zurückgestutzt werden, wenn beim Adressaten der erstrebte Erkenntnisgewinn bereits erzielt ist. Die Ausführlichkeit muss sich nach dem jeweiligen Stoff richten.&lt;br /&gt;
*S. 124-145: De expositionibus &amp;amp; descriptionibus (Über Schilderungen und Beschreibungen). &lt;br /&gt;
::Gegenstand dieses Abschnittes ist das, was im Griechischen ἐκφράσεις genannt wird. Auf diesem Gebiet ragen insbesondere griechische Autoren hervor. Hierbei werden Personen und Dinge gleichsam in der Sprache abgebildet. Neben zahlreichen antiken Belegstellen führt Camerarius auch [[Erwähnte Person::Giovanni Gioviano Pontano|Pontano]] (&#039;&#039;Rixae grammaticorum&#039;&#039;) an. Camerarius fragt, warum er nicht auch einen jüngeren Autoren zitieren soll, da dieser doch ein sehr gelehrter und weiser Mann ist. Für die zahlreichen Anwendungsbereiche der Ekphraseis führt Camerarius Beispiele für die Beschreibungen von Zeitpunkten (&#039;&#039;tempora&#039;&#039;) oder Orten (&#039;&#039;loci&#039;&#039;) an. Kennzeichen von Ekphraseis ist ihr Wortreichtum. Camerarius führt eine große Anzahl an möglichen Gegenstandsbereichen an (u.a. Schiffe, Kleider, Waffen, Bäume, Schlachten, Pest, Ereignisse u.v.a.m.), verweist auf die Beschreibung des Schilds des Achill bei Homer oder das Gewand des Jason bei Apollonios und hebt die Beschreibung von Kunstwerken heraus. Zahlreiche Beispiele in diesem Abschnitt stammen aus [[Erwähnte Person::Vergil]], [[Erwähnte Person::Homer]] und [[Erwähnte Person::Ovid]], aber auch von Prosaschriftstellern wie [[Erwähnte Person::Gaius Iulius Caesar|Caesar]]. Um eine beispielhafte Tierbeschreibung bieten zu können, übersetzt Camerarius aus [[Erwähnte Person::Pausanias]].&lt;br /&gt;
::Der Humanist bringt auch selbst verfasste Beispiele für Beschreibungen vor: Die Beschreibung eines Bildes nach Pausanias, in dem eine Allegorie der Trunkenheit zu sehen ist (138). Ebenso bietet er eine Ekphrasis von [[Erwähnte Person::Albrecht Dürer]]s Kupferstich der &#039;&#039;Melancholia&#039;&#039; (&amp;quot;Melencolia I&amp;quot;) aus dem Jahr 1514 (138-139), eine Darstellung des aufrührerischen Volkes (Anm. 3), die Schilderung von Feiern anlässlich der Geburt des Sohnes [[Erwähnte Person::Karl V. (HRR)|Karls V.]] (wohl [[Erwähnte Person::Philipp II. (Spanien)|Philipp II.,]] geb. 21.05.1527). Schließlich lässt er ein &#039;&#039;Speculum stultae adolescentiae&#039;&#039;, ein Sittenporträt der Jugend mit satirischer Tendenz, folgen.&lt;br /&gt;
*S. 145-161: De chriis (Über die Chrien).&lt;br /&gt;
::Auf eine Definition der Chrie folgen zahlreiche Beispiele.&lt;br /&gt;
*S. 161-169: De sententia, quae γνώμη dicitur (Über die Sentenz).&lt;br /&gt;
::Camerarius gibt zunächst eine Definition, bei der er sich auf Quintilian stützt, gibt Hinweise zu ihrer Anwendung in Reden und ihrer Behandlung im Rhetorikunterricht und führt danach Beispiele sowohl aus der griechischen als auch aus der lateinischen Literatur an. Auch die deutsche Sprache erweist sich nach Camerarius als geeignet für bedeutungsvolle Sprichwörter.&lt;br /&gt;
*S. 169-180: De ethologia (Über die Charakterdarstellung).&lt;br /&gt;
::Zunächst erfolgt eine Definition der &#039;&#039;ethologia&#039;&#039;, bei der einer berühmten oder erfundenen Person (z.B. einer allegorischen Personifikation) eine fiktive Rede in den Mund gelegt wird. Sie eignet sich nicht so sehr für jüngere, vielmehr für schon fortgeschrittene Lernende. Camerarius zeigt Möglichkeiten der Anwendung im Unterricht auf. Beispielsweise kann man auch die Vorfahren die aktuellen Sitten tadeln oder Deutschland (als Sprecherfigur) die Bürger zum tugendhaften Handeln aufrufen lassen. Geübt werden in diesem Bereich die situations- und die sprecherbezogenen Inhalte einer Rede. Es folgen Beispiele aus Cicero, aber auch einen eigenen Text führt Camerarius an (&#039;&#039;Idolopoeia patrum adolescentiae corruptae &amp;amp; aberrantis in cursu bonorum studiorum&#039;&#039;, „Fiktive Rede von Vätern von verdorbenen und beim Studieren vom rechten Weg abgekommenen jungen Männern“, Übersetzung Thorsten Burkard). &lt;br /&gt;
*S. 180-218: De epistolis (Über die Briefe).&lt;br /&gt;
::Die Brieftheorie muss nach Camerarius Teil einer umfassenden Rhetorik sein, da sich die Regeln nicht unterscheiden: Die Stilhöhe soll nach Auffassung der meisten zwischen dem Alltagsgespräch und der ausgefeilten Sprache liegen. Aufbau (&#039;&#039;compositio&#039;&#039;) und Sprache sollen nicht bemüht wirken, jedoch auch nicht nachlässig. Als Eigenheit des Briefes gilt nach Camerarius jedoch, dass die Alltagssprache verwendet werden muss. Hierfür beruft sich der Humanist auf Cicero. Auch bei der Bestimmung der Funktionen des Briefes und der Untergattungen orientiert er sich an dem Römer, nimmt aber auch eigenständige Erweiterungen vor, indem er eine epideiktische Form hinzufügt. Camerarius zählt eine große Bandbreite an Wirkabsichten auf, die mit Briefen verfolgt werden können. Hinsichtlich der therapeutischen Wirkung des Briefeschreibens verweist Camerarius auf eine diesbezügliche Aussage [[Gesprächspartner::Michael Roting|Rotings]]. Den Briefen des Longolius (wohl [[Erwähnte Person::Christophorus Longolius]]) wird nach Camerarius&#039; Meinung zu Unrecht vorgeworfen, die Bedeutsamkeit ihres Inhalts in affektierter Weise zu übertreiben. Im Folgenden behandelt Camerarius den für Briefe zu wählenden rhetorischen Stil. Von der Darstellung wird Klarheit (&#039;&#039;evidentia&#039;&#039;) verlangt. Hierzu trägt die Verwendung gängiger Begrifflichkeit bei. Traktate (&#039;&#039;disputationes&#039;&#039;) über Natur, die Sitten  oder die Philosophie sind nicht als Briefe zu betrachten, so etwa [[Erwähnte Person::Seneca]]s Episteln. Logisches Schließen ist in nicht allzu komplexer Form aber durchaus am Platz. Als die persönliche Haltung, die der Briefautor einnehmen soll, wird &#039;&#039;moderatio&#039;&#039; empfohlen. Camerarius behandelt verschiedene Elemente des Briefs: Briefkopf (&#039;&#039;titulus&#039;&#039;), Formulierung des Grußes, Datumsangabe. Er gibt Hinweise zum Briefstil. So muss der Umfang der Sache angemessen sein. Für die Nachahmung des &#039;&#039;sermo coditianus&#039;&#039; bildet Cicero das beste Modell. Die Formulierung in griechischer Sprache schmückt einerseits die Rede, ermöglicht aber auch die Geheimhaltung von Informationen. Zu den Charakteristika des Briefes lässt Camerarius ein längeres Zitat aus Ciceros &amp;quot;Orator&amp;quot; (23,76-25,86) folgen. Daraufhin werden beispielhafte Passagen aus antiken Briefen angeführt. &lt;br /&gt;
*S. 218-243: De comparationibus (Über Vergleiche/Gleichnisse).&lt;br /&gt;
::Camerarius beginnt mit einer Definition und Funktionsbestimmung der vergleichenden Gegenüberstellung (σύγκρισις): Sie dient der Verstärkung von Lob oder Tadel. Camerarius behandelt ferner das Gleichnis (παραβολή) als rhetorische Figur, die dem Redeschmuck dient. Die Übung in der Herstellung und Anwendung von Vergleichen schult sowohl den Stil als auch das Denken. Zunächst sollen den Schüler bedeutsame Vergleiche aus antiken Texten vorgestellt werden. Hiervon ausgehend soll die Nachahmung und die eigene Abfassung von Vergleichen geübt werden. Bei der Anführung von Beispielen verweist Camerarius auch auf die [[Erwähntes Werk::Erasmus, Parabolae sive similia, 1514|von Erasmus erstellte Sammlung von Gleichnissen]] als nützliche Fundgrube. Camerarius gibt Hinweise für die Erstellung gelungener Gleichnisse und Vergleiche. Es folgen exemplarische Vergleiche aus Camerarius&#039; eigener Feder: [[Erwähnte Person::Demosthenes]] mit [[Erwähnte Person::Aischines (Athen)|Aischines]], [[Erwähnte Person::Tibull]] mit [[Erwähnte Person::Ovid]], [[Erwähnte Person::Karl der Große]] mit Octavian, [[Erwähnte Person::Georg III. Schenk von Limpurg|Georg von Limburg]] mit [[Erwähnte Person::Karl der Kühne|Karl von Burgund]]. Anschließend erläutert Camerarius Themen, die für Vergleiche geeignet sind, und demonstriert diese anhand einer Gegenüberstellung von Reichtum und Armut.&lt;br /&gt;
*S. 243-272: De paraphrasi (Über die Paraphrase).&lt;br /&gt;
::Camerarius beginnt nach einer Herleitung des Begriffes mit der Übersetzung einer exemplarischen Homerparaphrase aus Platons &amp;quot;Politeia&amp;quot;. Camerarius unterscheidet die Paraphrase von der Metaphrase. Die Paraphrase ist freier, entfernt sich weiter vom Original, schmückt dieses auch aus und erweitert es durch Erklärungen. Als Beispiel für die Metaphrase verweist Camerarius auf die Daedalus-Geschichte in Ovids &amp;quot;Metamorphosen&amp;quot; und &amp;quot;Ars amatoria&amp;quot;, bei der eine Übertragung zwischen Hexameter und elegischem Distichon stattfindet. Hier ist jedoch vor Entstellungen des Sinns durch die Änderung der Worte zu warnen. Gegen Cicero verteidigt Camerarius die Übung in der Metaphrase als nützlichen Bestandteile der Rednerausbildung. Der Paraphrase kommt zweifelsohne ein großer Nutzen bei der Ausbildung der Beredsamkeit und der Urteilskraft zu. Camerarius führt weitere Beispiele und Aussagen über die Paraphase an (u.a. [[Erwähnte Person::Xenophon]] zu [[Erwähnte Person::Theognis von Megara|Theognis]], Cicero, Isokrates). Die Paraphrase kann (wie die Metaphrase) auch bei der Übersetzung angewandt werden. Ebenso ist die Epitome eine Form der Paraphrase. Aus dem Vergleich zwischen dem Helena-Enkomion des Isokrates und einem Lucian zugeschriebenen Text, der dieses zusammenfasst, zieht Camerarius die Erkenntnis, dass bei Epitomae durchaus vor der Gefahr einer unangemessenen Wiedergabe des Ausgangstexts gewarnt werden muss. &lt;br /&gt;
*S. 272-305: Imitationis exercitium (Übung in der Nachahmung).&lt;br /&gt;
::Der Fokus dieses Kapitels liegt auf der praktischen Einübung: An die Nachahmung müssen die Schüler schon frühzeitig herangeführt werden. Es folgt eine Definition der &#039;&#039;imitatio&#039;&#039;. Zur Übung bietet sich insbesondere die Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische und umgekehrt an (Anm. 4). Zur Illustration vergleicht Camerarius Platonübersetzungen Ciceros mit den Originaltexten und führt eine eigene Übersetzung zu [[Demosthenes]], &amp;quot;Über die falsche Delegation&amp;quot; (Περὶ τῆς παραπρεσβείας) an. Auch die Übersetzung ins Griechische ist förderlich. Vor der Ungewohntheit und Schwierigkeit einer solche Übung darf man nicht zurückschrecken. Camerarius bringt die Übersetzung eines Cicero-Briefes ins Griechische ein, die von einem ihm nicht bekannten Autor angefertigt wurde. Zwar gibt es nach Camerarius auch eine [[Erwähntes Werk::Theodorus Gaza, Περὶ γήρως ἑρμηνεία, 1517 u.ö.|Ciceroübersetzung des (Theodor) Gaza]]. Camerarius will jedoch eine Übersetzung vorbringen, die zufällig auf ihn gekommen sei. Daraufhin folge noch eine eigene. Die Übersetzung des Briefes sei, wie man weiß, Gazas Wiedergabe zu &amp;quot;De senectute&amp;quot; beigegeben gewesen, damit er als ein Beiwerk (πάρεργον) erscheinen könne. Ein Urteil hierüber überlässt Camerarius aufgrund seiner Unsicherheit jedoch den Lesern (Anm. 5). Camerarius&#039; selbstverfasste Geschichte, die er in lateinischer und griechischer Version darbietet, behandelt eine Handlung  Kaiser Maximilians. Der Leser wird Diskrepanzen zwischen den beiden Texten feststellen: Eine Übersetzung muss dem Ausgangstext möglichst treu bleiben, muss aber auch den Eigenheiten der Zielsprache gerecht werden und dort ebenfalls sprachliche Kohärenz aufweisen. Nicht nur die Übersetzungsübungen zwischen der griechischen und der lateinischen Sprache in beide Richtungen sind sehr empfehlenswert, sondern auch die beidseitige Version in die Volkssprache. Auch die Volkssprache verdient ihre Berücksichtigung. Außerdem ist man aufgrund des noch geringen Wissensstandes der Schüler zur Verwendung der Muttersprache gezwungen. Es folgen Beispiele für die Paraphrase in ungebundener Sprache (aus [[Erwähnte Person::Plautus]]&#039; &amp;quot;Mostellaria&amp;quot;), für Übersetzungen und Wechsel des Metrums, für Paraphrasen mit Erweiterungen und Epitomae. Schließlich wird auch die Imitatio exemplarisch erläutert. Hierbei geht es nicht nur darum, einzelne Wörter, sondern auch Gedankenstrukturen zu übernehmen. Hierzu bedarf es zwar der Begabung, aber auch ein möglichst früher Beginn der Übung ist unabdingbar. Camerarius schlägt konkrete Übungsformen für den Schulunterricht vor. Beispielhaft präsentiert er eine Darstellung zu zeitgeschichtlichen Ereignissen, die an Cicero orientiert ist. Das zweite Beispiel besteht in einem ebenso vom Modell Cicero ausgehenden Nachruf auf [[Erwähnte Person::Erasmus von Rotterdam]].&lt;br /&gt;
*S. 306-324: De subiectione rationum, sive αἰτιολογίᾳ (Über die Hinzufügung von Gründen oder über die Aitiologie)&lt;br /&gt;
::Auch die Einfügung von Begründungen bedarf der Übung. Ferner gehört die Stellung von Fragen (προβλήματα), die einen zu behandelnden Gegenstand aufzeigen, hierher. Allegorien brauchen zwar nicht alle Schüler aktiv bilden zu können, sie sollten sich mit ihnen allerdings zumindest beschäftigen. Auch Rätsel sollen Unterrichtsstoff sein. Die Schüler sollten nicht nur lernen, sie zu lösen, sondern auch zu stellen. Es folgen Beispiele. Diese Unterrichtsgegenstände werden von denen getadelt, die stets einen Wahrheitsbezug herstellen wollen (wie Platon). Camerarius räumt ein, dass diese selbst nicht zu ernst genommen werden sollen. Sie sollen jedoch der Vorbereitung auf Ernsthaftes dienen. Es folgen Beispiele (u.a. aus Platons &amp;quot;Gorgias&amp;quot; und Vergils &amp;quot;Georgica&amp;quot;) und eine Definition der Allegorie. Das Kapitel endet mit vermischten Reflexionen zur Etymologie und zu Eigennamen.&lt;br /&gt;
*S. 324-336: De aenigmatis (Über Rätsel).&lt;br /&gt;
::Camerarius bestimmt das Rätsel als eine Form der Allegorie. Es zeichnet sich durch Ambiguität aus und steht auch dem Vergleich nahe. Die Ambiguität kann sich auf unterschiedliche Aspekte beziehen (Einzelwörter, Inhalt, Wortklang u.a.). Camerarius führt Beispiele aus der antiken Literatur an (u.a. [[Erwähnte Person::Theokrit]]s &amp;quot;Fistula&amp;quot;, [[Erwähnte Person::Symphosius]]). Um dem Leser etwas zum Knobeln zu hinterlassen, löst Camerarius nicht alle beispielhaft angeführten Gedichte auf. Camerarius erwähnt, dass er auch in seinen Schriften zu Aesop an recht viele Rätsel erinnert hat. In diesen Bereich ordnet er auch die Traumdeutung und die Erklärung von Wunderzeichen ein. Als wichtiges Referenzwerk verweist Camerarius auf Ciceros &amp;quot;De divinatione&amp;quot;. Das Thema sollte durchaus auch Kindern nahegebracht werden. &lt;br /&gt;
*S. 336-342: De locis communibus (Über die Gemeinplätze).&lt;br /&gt;
::Camerarius stützt sich in seiner Definition und Darstellung auf die Tradition der griechischen Rhetorik und auf Cicero. Camerarius gibt Ratschläge, wie ein Topos aufgebaut werden sollte. Gängige Sammlungen zum Thema sind mangelhaft. Hierzu zählt auch Seneca (d.Ä.). Camerarius führt zwei Beispiele für Topoi mit Angabe der Belegstellen aus: 1. &amp;quot;Der Tod ist kein Unheil&amp;quot;. 2. &amp;quot;Die Launen des Schicksals geben dem Menschen Lenkung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
*S. 343-372: De probationibus et reprehensionibus, deque laude &amp;amp; vituperatione (Über Billigung und Widerlegung, Lob und Tadel).&lt;br /&gt;
::Camerarius bringt zahlreiche Belegstellen für die verschiedenen Redeformen bei. Im Vorfeld weist er darauf hin, dass sich in diesem Bereich die Grammatiker und die Dichter feindlich gesinnt sind. Vergil wurde von Gellius und Macrobius getadelt. Pontano hat ihn jedoch verteidigt (Anm. 6). Camerarius wendet sich gegen die in der &amp;quot;Rhetorica ad Herennium&amp;quot; vertretene Auffassung, dass man in der Lehre keine Beispiele aus früheren Zeiten verwenden solle. Eine besonders ausführliche Behandlung räumt Camerarius den Encomia und den Tadelreden (&#039;&#039;vituperationes&#039;&#039;) ein. Insbesondere Proömien sind der Ort für Lob und Tadel. Beispiele bezieht Camerarius aus Aesop, Herodot, Homer, Demosthenes, Platon, [[Erwähnte Person::Euripides]], Strabo, Plutarch, Theognis, Hesiod u.a. Bei den herangezogenen Texten geht es um den Widerstreit verschiedener Interpretationen zu einzelnen Textstellen, zu Autoren und zu Sentenzen. Auch Vergleiche bieten sich als Gegenstände des Tadels an, wenn sie als gekünstelt empfunden werden.&lt;br /&gt;
*S. 372-384: De carminibus componendis (Über die Abfassung von Gedichten).&lt;br /&gt;
::Erst wer sich auf die Abfassung von Gedichten versteht, kann als gebildet gelten. Camerarius geht in seiner Kategorisierung von Gedichten (&#039;&#039;formae carminum&#039;&#039;) von den Versmaßen aus. Diese sind heroisch (Hexameter), elegisch, iambisch oder trochäisch. Es folgt eine kurze Verslehre zu den erwähnten Metren. Es reicht, wenn sich die Kinder in diesen geläufigeren Versmaßen üben. Alles Andere soll zu seiner Zeit folgen und wenn die Musen es zulassen. Camerarius empfiehlt die Umformung von Prosatexten in gebundene Sprache. &lt;br /&gt;
::Er bringt Beispiele eigener Gedichte in den unterschiedlichen Verssystemen vor: &lt;br /&gt;
::S. 377-378: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. -  Fabula inclusa versibus hexametris dactylicis. Si non est res ampla domi (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Fabula inclusa versibus hexametris dactylicis, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 378-380: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Narratiuncula exposita versibus elegiacis. Si quem forte rosae (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Narratiuncula exposita versibus elegiacis, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 380-381: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Explicatio versuum Pindari versibus imabicis trimetris &amp;amp; dimetris. Cum multa, Pindare, dixeris pulcerrima (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Explicatio versuum Pindari versibus imabicis trimetris &amp;amp; dimetris, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 381: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Chria trochaicis tetrametris catalectis. Non male hoc quicumque dixit (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Chria trochaicis tetrametris catalectis, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 381: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Refutatio dicti Solonis, neminem esse beatum ante mortem: versibus hendecasyllabis. Expectare Solon iubebat aevi (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Refutatio dicti Solonis versibus hendecasyllabis, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 382: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Gnomica. Consiliis ut mens hominum (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Gnomica, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 382: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Comparatio. Ut quondam Herculeas (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Comparatio, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 382-383: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Ὑπερβολικαὶ similitudines. Terra prius iacto diversum (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Ὑπερβολικαὶ similitudines, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 383: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Illationes. Quam tua de nostro /Quam mihi sit tecum (Inc.). &#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Illationes, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 383: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Versiones de Graecis mutato genere carminis: Simonidis, ut aiunt. Aetas dum viget (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Versiones de Graecis mutato genere carminis: Simonidis, ut aiunt, 1541}}&lt;br /&gt;
::S. 383-384: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - Callimachi commendatio doctrinae. Quae quondam capiti imposui (Inc.).&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Callimachi commendatio doctrinae, 1541}}&lt;br /&gt;
*S. 384-391: De proposito, quam vocant θέσιν, &amp;amp; declamationibus (Über die allgemeine Betrachtung, die man θέσις nennt und über die Deklamationen).&lt;br /&gt;
::Camerarius definiert und erläutert die einschlägigen rhetorischen Fachtermini (u.a. mit Differenzierung zwischen Thesis und Topos). Als Referenzen nennt Camerarius Cicero und [[Erwähnte Person::Aphthonios|Aphthonius]]. &lt;br /&gt;
*S. 391-401: De declamationibus &amp;amp; fictis materiis (Über Deklamationen und fiktive Gegenstandsbereiche).&lt;br /&gt;
::Das Kapitel beginnt mit Darlegungen zur Geschichte und Definition der Deklamation. Camerarius kategorisiert Reden nach verschiedenen Formen. Er schließt mit allgemeinen Empfehlungen für diejenigen, die die Beredsamkeit erlernen wollen, und mit Gedanken über die Zielgruppe des Werkes. Die Kinder der Gegenwart sollen auch in Zeiten, in denen es schlecht um die Bildung steht, an die Beredsamkeit herangeführt werden. Hierbei rechtfertigt Camerarius den hohen Anspruch, der mit seinem vorliegenden didaktischen Programm an die Schüler gestellt wird. Er formuliert seinen pädagogischen Grundsatz, wonach die Kinder zu aktivem, eigenständigem Mitdenken ermuntert werden sollen. Camerarius endet mit einem emphatischen Aufruf an die Schüler, die Möglichkeiten, die ihnen die Ausbildung insbesondere in der Sprache bietet, zu nutzen. &lt;br /&gt;
*S. 402-403: Korrekturen.&lt;br /&gt;
*S. 404-426: Index.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Auch Melanchthon hat ein Handbuch zur Rhetorik verfasst: &amp;quot;Elementa rhetorices&amp;quot;, 1531.&lt;br /&gt;
*Anm. 1: Vgl. Quint. Inst. 1,9.&lt;br /&gt;
*Anm. 2: In den Marginalien wird als Quelle &amp;quot;De or. lib. 9 (in der verbesserten Auflage von 1545 korrigiert zu &amp;quot;3&amp;quot;)&amp;quot; angegeben.&lt;br /&gt;
*Anm. 3: Da Deutschland als Ort des Geschehens angegeben ist, kann man bei Darstellung des Geschehens an den Bauernkrieg denken.&lt;br /&gt;
*Anm. 4: Hier ist nicht ganz deutlich, ob Camerarius diesen didaktischen Rat auf die Paraphrase, die Übersetzung oder beides bezogen wissen möchte. &lt;br /&gt;
*Anm. 5: Der Gedankengang an dieser Stelle ist verwirrend. Wenn Camerarius zunächst schreibt, dass die Übersetzung des Theodor Gaza zu dem ersten Brief Ciceros an Lentulus &#039;&#039;in manibus&#039;&#039; sei, meint er damit wohl nicht, dass sie in seinem Besitz sei, sondern dass eine solche Version greifbar sei. Mit der genannten, zufällig auf ihn gekommenen Übersetzung ist wohl auf die unmittelbar folgende, abgedruckte Übersetzung zu dem Cicero-Brief verwiesen; mit der hier genannten eigenen Übersetzung meint er wohl den darauffolgenden griechischen Text, der jedoch keine Wiedergabe mehr zu dem Cicero-Brief an Lentulus darstellt. Hinsichtlich einer Ausgabe von Theodors &amp;quot;De senectute&amp;quot;-Übersetzung, der eine griechische Version des 1. Briefes an Lentulus beigegeben sei, liegt möglicherweise eine Fehlinformation bei Camerarius vor. In den gängigen Druckausgaben der Zeit konnte eine solche Druckkonstellation nicht verifiziert werden.&lt;br /&gt;
*Anm. 6: Hier denkt Camerarius vermutlich an Pontanos poetologisches Werk [[Erwähntes Werk::Pontano, Actius, 1499|&amp;quot;Actius&amp;quot;]], in dem sich dieser auch mit Vergil auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
=== Überlieferung ===&lt;br /&gt;
*In den Randglossen finden sich Stellenangaben zu den antiken Autoren, teils mit zitiertem Text.&lt;br /&gt;
*Die Ausgabe von 1545 stellt eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage dar.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Die Beschreibung der Melancholia ist wiederaufgenommen bei [http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10184689-9 Johann Gast, Tomus secundus Convivalium sermonum, Basel 1548] (neben zahlreichen anderen Camerarius-Texten) (Ferner gibt es eine handschriftliche Abschrift in Berlin (vgl. Rupprich 1956, S. 319-320).&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Der Beginn des Kapitels &amp;quot;De carminibus componendis&amp;quot; wird zitiert in Nikolaus Selneckers [[Selnecker, Libellus prosodiae, 1568|&amp;quot;Libellus prosodiae&amp;quot;]] (1568) und in der [[Selnecker, Libellus prosodiae, 1573|Neuausgabe von 1573]] widerabgedruckt.&lt;br /&gt;
=== Forschungsliteratur ===&lt;br /&gt;
* [[Arnulf 2004]] (zur Beschreibung der Melancholia)..&lt;br /&gt;
* [[Heckscher 1978]] (Text, Übersetzung, Erläuterungen und Interpretation zur &#039;&#039;Melancholia&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
* [[Rupprich 1956]], S. 319-320 (zur Beschreibung der &#039;&#039;Melancholia&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
* [[Roth 1877]], S. 234 (Verweis auf die Elementa rhetoricae in [[Erwähnte Person::Ulrich (Württemberg)|Herzog Ulrichs]] Ordnung der Artistenfakultät vom 20.7.1544)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_%CE%9C%CE%B1%CF%85%CF%81%CE%B9%CE%BA%CE%AF%E1%BF%B3_%E1%BC%84%CF%81%CF%87%CE%BF%CE%BD%CF%84%CE%B9,_1553&amp;diff=132347</id>
		<title>Camerarius, Μαυρικίῳ ἄρχοντι, 1553</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_%CE%9C%CE%B1%CF%85%CF%81%CE%B9%CE%BA%CE%AF%E1%BF%B3_%E1%BC%84%CF%81%CF%87%CE%BF%CE%BD%CF%84%CE%B9,_1553&amp;diff=132347"/>
		<updated>2025-08-19T19:59:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0588&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1553/08/05&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung nach dem Erstdruck&lt;br /&gt;
|d_language=Griechisch&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Μαυρικίῳ ἄρχοντι τῶν ἑπτὰ, ἡγεμόνι Σαξόνων&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Griechisches Epitaphium in 18 elegischen Distichen, in dem mehrere Motive aus dem vorausgehenden lateinischen Grabgedicht wiederkehren.&lt;br /&gt;
|Register=Epitaphium; Epigramm&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1553]]; [[Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1556]]; [[Schardius, Orationum tomus secundus, 1566]]; [[Camerarius, Orationes funebres, 1569]]&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1553&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=Bl. D4r/v&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=ja&lt;br /&gt;
|Incipit=Τῷδ‘ ἔνι Μαυρικίου κτερεΐσθει λείψανα τύμβῳ&lt;br /&gt;
|CarmenStatus=Nachruf auf&lt;br /&gt;
|Nachruf auf=Moritz (Sachsen)&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS;&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
===Widmung und Entstehungskontext===&lt;br /&gt;
Die Wiederholung zahlreicher Gedanken aus dem vorausgehenden lateinischen Epitaphium verweist auf eine zusammenhängende Entstehung der beiden Gedichte.&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Die Überschrift stellt Moritz als Kurfürsten (Μαυρικίῳ ἄρχοντι τῶν ἑπτὰ) vor und beschreibt knapp die Todesumstände. Das Epitaphium beginnt mit einem deiktischen Hinweis auf das Grab (v. 1). Seine Macht habe der Fürst von den Vorfahren übernommen (v. 2). Camerarius weist auf Moritz&#039; deutsche Nationalität hin (ἥρωος σῶμ&#039; ἐνθάδε Τεύτονος, v. 3). Das Gedicht streicht seine Bedeutung für das Volk von Meißen (d.h. Sachsen) heraus, für das er als Herrscher zuverlässiger Hüter (πιστὸς φύλαξ) und wohlwollender Vater (ἤπιος πατήρ) war (vv. 9-12) und beschreibt den Hergang seines Todes. Es folgt eine Schilderung zu seinem Tod im Kampf (vv. 13-27). Das Gedicht endet wie das lateinische Epitaphium in der Zuversicht, dass der Fürst nun seine Ruhe in Christus gefunden hat (vv. 27-30), und es schließt ebenso mit Abschiedsgrüßen an den Verstorbenen (vv. 31-36).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Figulus,_Tricinia_sacra,_1559&amp;diff=132346</id>
		<title>Figulus, Tricinia sacra, 1559</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Figulus,_Tricinia_sacra,_1559&amp;diff=132346"/>
		<updated>2025-08-18T21:59:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Streckenbeschreibung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Drucke&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Tricinia sacra ad voces pueriles pares in usum scholarum composita. Cum praefatione viri clarissimi Domini Ioachimi Camerarii. Medius cantus in tertio tomo triciniorum&lt;br /&gt;
|d_language=Latein; Deutsch&lt;br /&gt;
|d_place=Naumburg (Saale)&lt;br /&gt;
|d_date=1559&lt;br /&gt;
|d_date-Bemerkung=Druckdatum und -ort sind handschriftlich auf dem Frontispiz vermerkt, wobei Naumburg der Herkunftsort des Herausgebers ist. Es könnte eine Verwechslung vorliegen. Der Widmungsbrief stammt vom 1.1.1559 und entstand in Meißen.&lt;br /&gt;
|Register=Stimmbücher;Musik&lt;br /&gt;
|d_vd16_link=gateway-bayern.de/VD16+&lt;br /&gt;
|d_pdf=http://digital.slub-dresden.de/id455563098&lt;br /&gt;
|Interne Anmerkungen=Meldung an VD16&lt;br /&gt;
|d_ueberprueft=noch nicht am Original überprüft&lt;br /&gt;
|d_bearbeitungsstand=unkorrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=nein&lt;br /&gt;
|d_bearbeiter=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Streckenbeschreibung ===&lt;br /&gt;
*Bl. A2r-A4r: &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Viri clarissimi D. Ioachimi Camerarii Pabergensis, in musicae laudem praefatio.&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, In Musicae laudem praefatio, 1559}}&lt;br /&gt;
*Bl. A4v-A5r:&#039;&#039; Wolfgang Figulus - Ingenuo et optimae spei puero, Philippo Camerario, viri clarissimi D. Ioachimi filio.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Bl. A5v-A6r: &#039;&#039;Index Triciniorum huius opusculi.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
*Bl. A6v-I6v: Stimmbuch mit Noten der mittleren Stimme (Tenor). Die Liedtexte stammen u.a. von Philipp Melanchthon, Helius Eobanus Hessus und Jakob Mikyllus, aber auch aus der lateinischen Bibel oder aus liturgischen Kontexten.&lt;br /&gt;
:darin enthalten:&lt;br /&gt;
:*C4v-C6r: &#039;&#039;&#039;Joachim Camerarius I. - In tenebris.&#039;&#039;&#039; {{Beschreibungen|Camerarius, Precatio regis Iosaphat, 1554}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der einzige bekannte Druck ist erhalten im Rahmen eines größeren Werkverbunds, zusammengebunden mit [http://digital.slub-dresden.de/id455563594 Johann vom Berg, &amp;quot;Tomi secundi&amp;quot;, Nürnberg 1560], worin andere Gesänge in mehreren Sprachen enthalten sind. Stimmbücher für die anderen Stimmen sind noch nicht identifiziert.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Schwendi,_05.06.1566&amp;diff=132345</id>
		<title>Camerarius an Schwendi, 05.06.1566</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Schwendi,_05.06.1566&amp;diff=132345"/>
		<updated>2025-08-15T07:39:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0931&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1595&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 047-049&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Lazarus von Schwendi&lt;br /&gt;
|Datum=1566/06/05&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=Non. Iunii. 66&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=o.O.&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Cum mihi istuc proficisci eum&lt;br /&gt;
|Register=Türkenkriege/Türkengefahr&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Notizen=VG, 28.4.22: &lt;br /&gt;
Weder der Überbringer des Briefes noch der Titel des Werkes, das nicht rechtzeitig fertig wurde, sind identifiziert. Es könnte sich jedoch um die Onosander-Ausgabe (Onosander, Strategikos, 1595) handeln, die in OCEp 1397 erwähnt wird. Der Druck erfolgt erst 1595.&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=validiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; VG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=US&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
Zielort: vermutlich Kaschau (vgl. [[Janko 1871]], S. 71 f.)&lt;br /&gt;
===Regest===&lt;br /&gt;
Als C. angezeigt worden war, dass sein Briefbote mit den Unterstützungstruppen aufbrechen werde und sich den Truppen angeschlossen habe, die für die Christenheit kämpfen wollten, habe er die Gelegenheit genutzt, diesen Brief an S. zu schicken, dessen humanistische Bildung er sehr schätze. Dieser finde sogar in den Kriegswirren noch Gelegenheit, sich mit Bildung zu befassen. C. bitte Gott, Schwendis Gedanken zu klugen Beschlüssen zu führen, seine Hände zur Abwehr der Feinde zu stärken und die Feinde zurückzuschlagen, da alle von seinem Mitleid und Wohlwollen abhängig seien. Diesem frommen und gebildeten Mann (gemeint ist sicher der Bote) hätte C. ein eigenes Druckwerk für S. mitgegeben, aber der Drucker habe zu lange gebraucht. [[Erwähnte Person::Franz Kram]] lasse grüßen. Lebewohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Oratio_pronuntiata_conventu_sollenni_brumalis_temporis_instituto_antiquo_Academiae_Lipsicae,_1569&amp;diff=132341</id>
		<title>Camerarius, Oratio pronuntiata conventu sollenni brumalis temporis instituto antiquo Academiae Lipsicae, 1569</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Oratio_pronuntiata_conventu_sollenni_brumalis_temporis_instituto_antiquo_Academiae_Lipsicae,_1569&amp;diff=132341"/>
		<updated>2025-08-09T14:49:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0829&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1569&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung nach dem Erstdruck. Gehalten wurde die Rede bereits zu Weihnachten 1565.&lt;br /&gt;
|Beginn unscharfer Erstnachweis=1569/08/25&lt;br /&gt;
|Ende unscharfer Erstnachweis=1569/12/31&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Oratio pronuntiata conventu sollenni brumalis temporis instituto antiquo Academiae Lipsicae&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Leichenrede auf Alexander von Sachsen, den jung verstorbenen Sohn Augusts von Sachen.&lt;br /&gt;
|Register=Universitätsrede; Epicedium; Türkenkriege/Türkengefahr; Theologie; Nachruf&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Orationes funebres, 1569]]&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS; VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Gedenkrede auf [[Nachruf auf::Alexander von Sachsen]], den jung verstorbenen Sohn des Kurfürsten August von Sachen.&lt;br /&gt;
Sie wurde zu Weihnachten 1565 als Universitätsrede gehalten. Diese Reden fanden dreimal jährlich an der [[Universität (Leipzig)]] statt (vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten). Somit ist das Gedenken in die normale Festveranstaltung eingebaut und stellt keinen eigenen Festakt dar, anders als die Gedenkreden auf [[Moritz (Sachsen)]] im selben Band. Zunächst beginnt die Rede auch mit einigen Ausführungen zum Weihnachtsfest, bezugnehmend auf das Lukasevangelium. Der dort verkündeten Freude über die Geburt von Gottes Sohn wird später (ab S. 339) die Trauer über den Tod des Kurfürstensohnes antithetisch gegenübergestellt – nicht ohne vorher noch auf den Tod seines Onkels, des Kurfürsten Moritz (S. 337f.), hinzuweisen. Für dessen Bruder und Nachfolger [[August (Sachsen)|August]] wird die Situation der Regierungsübernahme mit Metaphern aus dem Bereich der Seefahrt beschrieben. Der Wind war anfangs günstig: nach Augusts Regierungsantritt im Juli 1553 vergingen nur wenige Monate, bevor ihm im Februar 1554 der präsumptive Thronfolger Alexander geboren wurde, der auch die gefährlichen ersten Lebensjahre überstand. Die bösen &#039;&#039;fata&#039;&#039; vergleicht Camerarius mit vergilianischen Versen. Auf ein kurzes Epicedium (S. 343) folgt ein dichterischer Nachruf (S. 343-345) in 27 elegischen Distichen. Darin wird kaum etwas über das Leben des verstorbenen Kurprinzen ausgesagt, wenig über seinen Tod und mehr über die Trauer der Hinterbliebenen. Er erscheint, ohne die Rede, erneut in [[Hempel, Descriptio, 1604]], S. 42-45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anschluss behandelt die Rede Zeitgeschichtliches (Belagerung der Insel Malta, S. 347f.) ebenso wie Philosophisches und Theologisches, mit Bezug auf Augustinus, [[Erwähnte Person::König David]], besonders häufig aber den Apostel [[Erwähnte Person::Paulus]]. Wie üblich endet die Rede mit einem Gebet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_15.06.1542&amp;diff=132340</id>
		<title>Camerarius an Baumgartner d.Ä., 15.06.1542</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Baumgartner_d.%C3%84.,_15.06.1542&amp;diff=132340"/>
		<updated>2025-08-03T20:37:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Anmerkungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0616&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Druck&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 211-214&lt;br /&gt;
|Sonstige Editionen=[[Schelhorn 1740]], S. 43-44 (Auszug)&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Hieronymus Baumgartner d.Ä.&lt;br /&gt;
|Datum=1542-06-15&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=nein&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=im Druck 15.06.42 (17. Cal. Iulii)&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=Nürnberg&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Etsi tuam prudentiam saepe perspexi&lt;br /&gt;
|Register=Pädagogik;Türkenkriege/Türkengefahr;Wurzener Fehde (1542);Egidiengymnasium (Nürnberg)&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Handschrift=unbekannt&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=validiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; US; VG&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=US&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Entstehungs- und Zielort erschlossen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regest ===&lt;br /&gt;
C. habe oft B.s Klugheit bewundert. In den letzten beiden Briefen (unbekannt) sei sie ihm noch deutlicher geworden, aber besonders im späteren von beiden, der über die schlechte Lage des Staates berichtete. C. wisse nicht, was er antworten solle. C.’ Schmerz darüber sei zwar nicht mit dem von B. vergleichbar (C. höre nur davon, aber B. sehe es und erlebe es manchmal sogar hautnah); dennoch könne dieser sicher nachfühlen, wie C. durch solche Nachrichten und Briefe aufgewühlt und durch traurige Vorzeichen niedergedrückt werde: weniger im privaten als im öffentlichen Bereich. Denn wenn er selbst unterginge, entstünde nicht viel Schaden, und die Seinen würden sicherlich in keine besonders brenzliche Lage kommen. Ihn treibe also die Sorge um die Heimat um, die zwar begonnen habe, in Bezug auf Tugend und die schönen Künste zu florieren, aber durch Verschulden ihrer Bürger in große Gefahr geraten sei (genauer Bezug unklar). Man müsse dies Gott anvertrauen, wie Kreon bei [[Erwähnte Person::Euripides]] (Phoen. 705) sage. Das einzige, was man sonst tun könne, sei die Erziehung der Jugend zu Frömmigkeit und Tugend sowie das Gebet zu Gott. Das möge manchen vergeblich erscheinen, aber auch bei manchen Medikamenten seien ja die stärksten Wirkungen am wenigsten sichtbar. Aber genug davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Zu Baumgartners Brief:) Über die (Nürnberger) Schüler habe C. dieselbe Meinung wie B.: Durch ihre frühzeitige Verschickung nach auswärts, insbesondere Frankreich und Italien, werde Schaden hervorgerufen: sie seien dann noch zu unerfahren und wenig gefestigt, so dass sie dort mit den Lehrern und Weisen nicht hinreichend gut verkehren könnten, um Geist und Eleganz zu lernen, dagegen würden sie durch die Laster der dortigen Bevölkerung verdorben, die sie anstelle von Tugenden annähmen. So kämen sie eitel und besserwisserisch zurück. Von diesen Übeln seien auch einige der besten Freunde betroffen. C. fügt bedauernd hinzu, dass durch ungünstige Zeitumstände auch gute Leute auf die falsche Bahn gerieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sei nicht schlimm, dass B. kein Exemplar von C.‘ Rede ([[Erwähntes Werk::Camerarius, Oratio senatoria de bello Turcico (Werk), 1542]]?) bekommen habe; C. selbst habe man keine zugeschickt. Er habe jedoch bei sich noch einige gefunden und sende eines an B. Es sei ein Produkt der Schule. Jene „Weisen“, die degleichen verachteten, sollten doch etwas Besseres finden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezüglich der Stadt [[Erwähnter Ort::Linz]] habe ihn das Vorzeichen (des großen Stadtbrandes) erschreckt. Man spreche auch über Brände von [[Erwähnter Ort::Neiße]] und [[Erwähnter Ort::Olmütz]]. Die Lage an der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)]] sei einigermaßen gut und werde täglich besser. Der Fürst ([[Erwähnte Person::Moritz (Sachsen)]]) soll schon abgereist sein (zum Türkenkrieg: er war am 3.6. aufgebrochen). Sein Schwiegervater ([[Erwähnte Person::Philipp I. (Hessen)]]) habe ihn nicht aufhalten können. Es sei wohl offensichtlich, warum dieser (Philipp) lieber bei seinen Untertanen bleibe, als sich dem Feldzug anzuschließen. Nicht einmal seine Untergebenen hätten ihn (Moritz?) durch die Zahlung von 20 000 (Gulden?) zurückhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Brief habe C. dem vornehmen Venezianer [[Erwähnte Person::Apollonius Massa]] übergeben, der kürzlich (am 29.3.1542) in (Leipzig) mit großem Pomp zum Doktor der theoretischen Medizin gekürt worden war, während er vorher Doktor der Chirurgie gewesen sei. Er habe auch gegen C. viele Meriten in Belangen der Bildung und der Wissenschaft erworben. C. lege ihn B. besonders an Herz. B. solle die Nachricht mit [[Erwähnte Person::Georg Römer|(Georg) Römer]] und anderen teilen. Er werde sich dann an der Bildung des Mannes (Massa?) erfreuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
* Das Jahr ist durch die Promotion des Apollonius Massa und den Türkenfeldzug gesichert.&lt;br /&gt;
* In Neiße gab es einen Brand am 20.5.1542 (vgl. [[Soffner 1887]], S. 380). Zum Linzer Stadtbrand s. [[Bohdanowicz 1962]], S. 109.&lt;br /&gt;
* Es ist bestätigt, dass Philipp nicht am Türkenfeldzug teilnahm (vgl. [[PKMS 1]], S. 450f. Nr. 369) und Moritz zur Vorsicht mahnte (vgl. [[PKMS 1]], S. 433, Nr. 356). Die Moritz-Korrespondenz schweigt jedoch über Versuche, Moritz zurückzuhalten, und erwähnt auch keine Versuche, dies durch Geldzahlungen zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Literatur und weiterführende Links ===&lt;br /&gt;
* [[Heerwagen 1868]], S. 27&lt;br /&gt;
* [[Steiger 1926]], S. 45f. (Teilübersetzung)&lt;br /&gt;
* [[PKMS 1]], 448-451 (Hintergrundinformationen zum Türkenfeldzug)&lt;br /&gt;
* [[Erler 1897]], S. 77 (zur Doktorpromotion A. Massas)&lt;br /&gt;
* [[Woitkowitz 2003]], S. 191, Anm. 1 (Erwähnung)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Johann_Albrecht_I._(Mecklenburg),_09.01.1563&amp;diff=132339</id>
		<title>Camerarius an Johann Albrecht I. (Mecklenburg), 09.01.1563</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius_an_Johann_Albrecht_I._(Mecklenburg),_09.01.1563&amp;diff=132339"/>
		<updated>2025-07-31T21:07:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Brief&lt;br /&gt;
|Werksigle=OCEp 0474&lt;br /&gt;
|Besitzende Institution=Schwerin, LHA&lt;br /&gt;
|Signatur, Blatt/Seite=2.12-1/24, Nr. 39, Bl. 1&lt;br /&gt;
|Ausreifungsgrad=Original&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Epistolae familiares, 1583&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=S. 017-018&lt;br /&gt;
|Sonstige Editionen=[[Lisch 1854]], 46 f., Nr. 7&lt;br /&gt;
|Fremdbrief_jn=nein&lt;br /&gt;
|Absender=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|Empfänger=Johann Albrecht I. (Mecklenburg)&lt;br /&gt;
|Datum=1563/01/09&lt;br /&gt;
|DatumGesichert=ja&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Datum=5.Id. Ianuarii; im Druck o.J.&lt;br /&gt;
|Sprache=Latein&lt;br /&gt;
|Entstehungsort=Leipzig&lt;br /&gt;
|Zielort=o.O.&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=nein&lt;br /&gt;
|Incipit=Cum Joannes Casselius&lt;br /&gt;
|Link=http://digitale-bibliothek-mv.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:9-g-5090054&lt;br /&gt;
|Register=Briefe/Parallelüberlieferung; Politische Neuigkeiten; Erster Hugenottenkrieg (1562-1563); Büchersendung&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Regest_jn=ja&lt;br /&gt;
|Handschrift=gesehen&lt;br /&gt;
|Bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|Bearbeiter=MH; HIWI7&lt;br /&gt;
|Gegengelesen=VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
===Regest===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Erwähnte Person::Johannes Caselius]], mit dem sein Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.]] in Italien viel Zeit verbracht habe, habe auf seiner Rückkehr von dort bei Camerarius Halt gemacht und sie hätten überaus erfreuliche Gespräche über die humanistischen Studien in [[Erwähnter Ort::Italien]] und in Deutschland geführt. Als er dann zu Johann Albrecht weiterreiste, habe er die Gelegenheit gesehen, ihm diesen Brief mitzugeben. Freilich habe er es nur schwer ausgehalten, ihn weiterziehen zu lassen, und er sei sich sicher, dass er große Freude aus Caselius‘ Mäßigung, &#039;&#039;humanitas&#039;&#039; und Bildung gewinnen werde. Seine Garantie der intellektuellen Freiheit (&#039;&#039;liberalitatis beneficia&#039;&#039;) ihm und anderen gegenüber sei eine gute Investition gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er habe ihm auch vor einigen Monaten schon einen Brief ([[OCEp 0472]]?) geschickt, über dessen Ankunft er sich nicht sicher sei. Über die Geschehnisse in Frankreich gebe es viele verschiedene Gerüchte, aber diejenigen, die er für am verlässlichsten gehalten habe, nämlich die auf Französisch an ihn geschickten, habe er an Johann Albrecht weitergeleitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Camerarius habe auch wieder einige neue Drucke herausgebracht, die Caselius für elegant befunden habe, also habe er sie diesem für Johann Albrecht mitgegeben. Lebewohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Maximilian Wolter)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anmerkungen ===&lt;br /&gt;
&amp;quot;Geschehnisse in Frankreich&amp;quot;: Das bezieht sich wahrscheinlich auf den 1. Hugenottenkrieg. Im Zusammenhang mit den Gerüchten ist auch [[OCEp 1291]] zu beachten. Da dieser Brief aber lateinisch verfasst ist, darf er nicht mit dem französischsprachigen identifiziert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur===&lt;br /&gt;
* [[Lisch 1854]], S. 21 und 46f.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Kategorie:Briefwechsel-Johann_Albrecht_I._(Mecklenburg)&amp;diff=132338</id>
		<title>Kategorie:Briefwechsel-Johann Albrecht I. (Mecklenburg)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Kategorie:Briefwechsel-Johann_Albrecht_I._(Mecklenburg)&amp;diff=132338"/>
		<updated>2025-07-31T20:49:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: /* Zentrale Themen und Konstellationen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__HIDEFROMDRILLDOWN__&lt;br /&gt;
{{DISPLAYTITLE:{{#sub:{{FULLPAGENAME}}|10}}}}&lt;br /&gt;
== Allgemein zum Briefwechsel ==&lt;br /&gt;
Johann Albrecht bekannte sich seit seinem Studienaufenthalt in [[Frankfurt (Oder)]] zur Reformation. Schon in dieser Zeit [[OCEp 1464|widmete]] C. ihm ein erstes Werk, das Schriften Xenophons enthält, und stilisiert ihn dort als idealen Fürsten.&lt;br /&gt;
=== Zentrale Themen und Konstellationen ===&lt;br /&gt;
Beide Briefpartner teilen wissenschaftliche Interessen und den evangelischen Glauben. Wie mit anderen Gelehrten korrespondierte der Fürst auch mit Cam. auf Latein (vgl. auch [[OCEp 0475]]). Cam. berichtet häufiger über die Genese seiner Werke, von denen er J.A. zwei widmet. Als mecklenburgischer Landesfürst kam J.A. im Jahr 1568/69 dem kaiserlichen Wunsch nach, den Rostocker Professor [[David Chyträus]] für die Erstellung einer Kirchenordnung nach [[Wien]] zu entsenden. Camerarius, der zum selben Zweck im Herbst 1568 erfolglos in Wien gewesen war, besprach sich in [[Leipzig]] mit Chyträus, um dessen Reise vorzubereiten (vgl. [[OCEp 1535]]). In den gelehrten Austausch zwischen Cam. und J.A. wurden auch gemeinsame Bekannte einbezogen: Der vormalige Meißner Lehrer [[Matthias Marcus Dabercusius]], der 1553 Lehrer in Schwerin wurde, der Rostocker Professor [[Jacob Bording]] und der Camerarius-Schüler [[Andreas Mylius]]. Der Rostocker Gräzist [[Student::Johannes Caselius]], der ebenfalls bei Cam. in Leipzig studiert hatte, überbrachte gelegentlich Briefe.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;(Vinzenz Gottlieb)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Editionen, Literatur und weiterführende Links ===&lt;br /&gt;
* [[Lisch 1854]]&lt;br /&gt;
* [https://books.google.de/books?id=iW4AAAAAcAAJ&amp;amp;pg=&amp;amp;hl=de Lisch, G.C.F.: Andreas Mylius und der Herzog Johann Albrecht I. von Meklenburg. Schwerin 1853]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Überlieferung und statistische Übersicht ===&lt;br /&gt;
Insgesamt wurden {{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Johann Albrecht I. (Mecklenburg)]]| format=count}} Briefe in die Datenbank aufgenommen. Davon wurden&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;{{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Johann Albrecht I. (Mecklenburg)]][[Absender::Joachim Camerarius I.]]| format=count}} von Camerarius&#039;&#039;&#039; verfasst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;{{#ask: [[Kategorie:Briefwechsel-Johann Albrecht I. (Mecklenburg)Vorname Nachname]][[Empfänger::Joachim Camerarius I.]]| format=count}} an Camerarius&#039;&#039;&#039; geschrieben.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Projektes wurden nur die zeitgenössisch (bis ca. 1600) gedruckten Briefe erfasst. Die folgenden statistischen Daten bilden daher nur einen Ausschnitt des ohnehin nicht vollständig überlieferten Briefwechsels ab und dienen somit eher der Orientierung. Um sie aufzurufen, drücken Sie bitte unten auf &amp;quot;Semantic Drilldown&amp;quot;. Mehrere Schreiben Johann Albrechts werden erwähnt, wurden aber nie gedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BriefwechselDrilldown}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://camerarius.kallimachos.de/index.php?title=Camerarius,_Illustriss(imo)_principi_Mauricio_duci_Saxonum,_1553&amp;diff=132337</id>
		<title>Camerarius, Illustriss(imo) principi Mauricio duci Saxonum, 1553</title>
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		<updated>2025-07-31T10:54:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;VG: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werk&lt;br /&gt;
|Werksigle=OC 0586&lt;br /&gt;
|Name=Joachim Camerarius I.&lt;br /&gt;
|d_status=Verfasser&lt;br /&gt;
|DatumErstnachweis=1553/08/05&lt;br /&gt;
|Bemerkungen zum Erstnachweis=Datierung gemäß dem Erstdruck&lt;br /&gt;
|d_language=Latein&lt;br /&gt;
|d_werktitle=Illustriss(imo) principi Mauricio duci Saxonum, electori etc(etera) defensori patriae, inclito victori&lt;br /&gt;
|Kurzbeschreibung=Epitaphium in 22 elegischen Distichen auf Moritz von Sachsen.&lt;br /&gt;
|Register=Epitaphium&lt;br /&gt;
|Paratext_jn=nein&lt;br /&gt;
|Druck=[[Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1553]]; [[Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1556]]; [[Schardius, Orationum tomus secundus, 1566]]; [[Camerarius, Orationes funebres, 1569]]; [[Bocerus, Fribergum in Misnia, 1577]]; [[Brunn, Trias electoralis, 1600]]; [[Hempel, Descriptio, 1604]]&lt;br /&gt;
|Erstdruck in=Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1553&lt;br /&gt;
|Blatt/Seitenzahl im Erstdruck=Bl. D3r/v&lt;br /&gt;
|Gedicht_jn=ja&lt;br /&gt;
|Incipit=Magnanimi busto Mauricii principis isto&lt;br /&gt;
|CarmenStatus=Nachruf auf&lt;br /&gt;
|Nachruf auf=Moritz (Sachsen)&lt;br /&gt;
|w_ueberprueft=am Original überprüft&lt;br /&gt;
|w_bearbeitungsstand=korrigiert&lt;br /&gt;
|Wiedervorlage=ja&lt;br /&gt;
|w_bearbeiter=JS;VG&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
===Widmung und Entstehungskontext===&lt;br /&gt;
In einer der &amp;quot;Oratio funebris&amp;quot; nachgeschalteten Erklärung schreibt Camerarius, er wolle nichts auslassen, was der Wahrung der Erinnerung an Moritz&#039; Tod dienen könne. Deshalb habe er beschlossen, Gedichte hinzuzufügen, die als Epitaphien verfasst sind. Camerarius macht durch seine Formulierung (&#039;&#039;versus tamquam epitaphios&#039;&#039;) deutlich, dass die Gedichte nicht als eigentliche Grabaufschriften gedient haben.&lt;br /&gt;
=== Aufbau und Inhalt ===&lt;br /&gt;
Camerarius lässt bereits in der Anredeform des Titels die thematischen Schwerpunkte des Gedichts erkennen: es geht ihm darum, Moritz&#039; Einsatz für das Vaterland zu betonen und ihn als siegreichen Feldherrn zu ehren.&lt;br /&gt;
Das Epitaph gibt das Grabmal als Ort der Anbringung an (&#039;&#039;busto isto&#039;&#039;, v. 1 / &#039;&#039;hoc marmore&#039;&#039;, v. 3). Camerarius betont Kurfürstenwürde, die Moritz innehatte (&#039;&#039;de septem sita sunt unius ossa viris&#039;&#039;). Die Sieghaftigkeit des Herrschers wird herausgestrichen (&#039;&#039;invicti ducis&#039;&#039;, v. 4). Er ist auf seinem Weg der Frömmigkeit und Tapferkeit seinen Vorfahren gefolgt, hat aber auch neue Ehrentitel erlangt (der Ausdruck &#039;&#039;nova nomina laudis&#039;&#039; in v. 7 könnte angesichts der Erlangung der Kurwürde ganz konkret gemeint sein). Die Hilfeleistung für das sich in Bedrängnis befindende Vaterland wird gelobt (v. 10, v. 13). Konkretisiert wird dies durch die Erwähnung seiner Teilnahme an den Türkenkriegen (v. 15). Nur ihn fürchteten die auswärtigen Fürsten (v. 16). Die Todesumstände während der Schlacht werden beschrieben (vv. 17-22). Sein militärischer Erfolg gewähre ihm ewige Erinnerung (vv. 23-28). Seine Gläubigkeit werde ihm ewige Ruhe bei Christus ermöglichen (vv. 29-32). Auch seine Verdienste um die Bildung und die Künste werden angesprochen (vv. 35-38). Das Epitaphium schließt mit einem Gruß an den Verstorbenen, der als &#039;&#039;pater patriae&#039;&#039; apostrophiert wird (vv. 41-44).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es schließt sich ein kurzer Text in Prosa an, der wie auf einem Grabstein nochmals knapp auf die Todesumstände eingeht und Todesdatum und Alter angibt. Es folgt ein sogenanntes &amp;quot;Chronodistichon&amp;quot;: ein [[OC 0946|Einzeldistichon]] über Moritz&#039; Tod beim Wüten des &#039;&#039;Teutonicus furor&#039;&#039;, wobei die Majuskelbuchstaben für römische Zahlenwerte stehen, die in der Summe das Todesjahr ergeben.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VG</name></author>
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